lk. 786 Erstes Blatt
IST. Jahrgang
Mittwoch, 8. Dezember 1037
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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SieZmiWehung der Ausländer vom spanischenKnegsschauplah
Oie beiden spanischen Parteien antworten dem Nichteinmischungsausschuß. — Mitarbeit einer internationalen Kommission. — Kriegsrechte und verstärkte Kontrolle erneut angeschnitten.
London, 7. Dez. (DNB.) In der heutigen Sitzung des Nichteinmischungsausschusses wurden te Antwortnoten der beiden spanischen Parteien ,<uf die Anfragen des Nichteinmischungsausschusses r der Freiwilligensrage einer vorläufigen Prüfung Unterzogen. Es wurde festgestellt, daß diese Ant- riortnoten es dem Nichteinmischungsausschuß mög- lch machten, seine Arbeiten fortzusetzen. Es rurde beschlossen, die beiden Antworten zu ver- i fentlichen.
Oie nationalspanische Antwortnote
betont, daß es für General Franco wichtig fei, z wissen, ob der Nichteinmischungsausschuß die 5'acht besitze, um die in ihm vertretenen Regierun- xn zu zwingen, die gegenüber der nationalen spa- rfchen Regierung eingegangenen Verpflichtungen K erfüllen. Die Regierung General Francos ftmmen im Grundsatz der Zurückziehung der Freiwilligen zu und nehme die Mitarbeit und jrnennung der vorgeschlagenen Kommisionen sic die Auskämmung der Freiwilligen grundsätzlich (r. Sie behält sich jedoch das Recht vor, noch ge- vsie Bemerkungen über die Zusammensetzung diese Ausschüsse und deren Vollmachten zu machen. Te nationalspanische Regierung bestehe darauf, daß d Frage der Kriegführung (und der sich daraus gebenden Rechte) nicht ein Recht, sondern eine 2a t s a ch e sei, die sich klar aus dem Bürgerkrieg eijeben habe. Ein Beweis hierfür sei allein die Tatsache, daß der Nichteinmischungsausschuß an L ide Teile in Spanien herangetre- tin sei. Jedoch sei die nationalspanische Regierung Iireit, die entsprechenden Vorschläge der britischen jArgierung im wesentlichen anzunehmen.
; Blas die Kontrolle anbetrifft, so stimmt die na- iimalspanische Regierung dem zu, daß die Land- Entrolle verstärkt werden müsse. Was die S:'e k o n t r o l l e anlange, so würden die vom iNthteinmischungsausschuß vorgebrachten Dorsckläge <i prüft werden. Die außergewöhnliche Tatsache, der spanischen Nationalregierung die Kri e g s- lEoct) t e nicht zugestanden worden seien, hin- ti::ae diese daran, ein rechtsgültiges A b k o m- w n sowohl über die Zurückziehung der Freiwillig n als auch die Kontrolle abzuschließen. (9e=
Franco schlägt daher vor, daß gleichzei- iig mit der Gewährung der Kriegs- icchte 3 0 0 0 Freiwillige a u f beiden C iten zurückgezogen werden sollen. Dies Dirde es gestatten, ein Abkommen über die Frei- viligen und die Kontrolle abzuschließen.
Oie spanischen Bolschewisten
bauern scheinheilig in ihrer Antwort, daß sie eben- fals für eine Auskämmung der Freiwilligen unter int rnationaler Aufsicht einträten. Sie seien bereit, sich hierzu der Vorschläge der Kommissionen zu be- bkien. Aber sie wollen „gewisse Punkte" vcrher geklärt haben. Zu diesen Punkten wird de Seekontrolle gezählt. Hierbei verlangen die Coiijetspanier besonders, über den Charakter der gipanten „Verstärkung" der Seekontrolle un- M'iichtet zu werden. Die gleiche Frage wird auch bezüglich der Landkontrolle gestellt. Ferner :iO gefragt, ob die vorgeschlagene proportionelle t rückziehung der Freiwilligen in ein :|immtes Verhältnis zu den verschiedenen Waffen- [in.ungen gestellt werden soll. Dann wird das von :r Bolschewisten schon mehrfach zu Agitations- oscken angeschnittene Thema der Freiwil- c ß n ausSpanisch-Marokko aufgewärmt. Jeter verlangen die Bolschewisten zu wissen, ob r Wiederherstellung der Kontrolle vor der Ein- s<z. ng der Freiwilligenkommission erfolgen soll M" umgekehrt. Endlich wird Aufklärung darüber grfirdert, ob die vom Nichteinmischungsausschuß arnngte Zustimmung sich ausschließlich auf die Zu- Eidgietjung der ausländischen Freiwilligen bezieht, als ob diese auch die Gewährung der Kriegsrechte ttii die Wiederherstellung der Land- und Seekon- tobe mitumfaßt. *
?m Nichteinmischungsausschuß wurde nach Prü- |n;i dieser beiden Noten die Frage erörtert, wie b; beiden Kommissionen zur Nachprüfung drZahl der in Spanien vorhandenen Freiwilligen 2-snnmengesetzt werden sollen. Es konnte jedoch 1: ne Einigung erzielt werden. Der Vor- Efrfnbe ist daher ermächtigt worden, in unoerbind- hm Besprechungen eine Einigung über diese vfage zu versuchen.
2nnn wurde die Frage erörtert, welchen A u f- h( g die beiden nach Spanien zu entsendenden ftrimiffionen zur Auskämmung der Freiwilligen ehAten sollen. Hier wurde eine Einigung erzielt. DrNichteinmischungsausschuß tritt am Donnerstag eili.ut zusammen.
England befreitet Francos LlockadereA.
hionbon, 7. Dez. (DNB.) In London ist eine 'M) e der spanischen Nationalregie- r r g eingegangen, in der diese ihre Absicht mit- «t eine Blockade der südspanischcn ki:t e zu ^erhängen, soweit diese sich im Besitz
Sowjetspanier befindet. Die Kritische Regierung
hat daraufhin ihren Botschafter in Hendaye, Sir Henric C h i l t o n , angewiesen, der nationalspanischen Regierung mitzuteilen, daß sie ein B l o ck a d e- recht General Francos nicht anerkenne, da er keinerlei kriegführende Rechte besitze. Britische Schiffe würden daher außerhalb der Territorialgewässer gegen jeden Eingriff geschützt werden. Wenn General Franco beabsichtige, Minen vor den Häfen auslegen zu lassen, so müsse die britische Rgierung darauf verweisen, daß gemäß der 8. Haager Konvention das Auslegen von Minen vor der Küste des Gegners zum ausschließlichen Zweck der Behinderung der Handelsschiffahrt untersagt sei. Die britische
Regierung werde daher jede Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung der Haager Konvention als einen Bruch internationalen Rechts ansehen. Dies gelte auch für den Fall, daß General Franco kriegführende Rechte noch gewährt werden sollten. In einer weiteren Note General Francos wird darauf hingewiesen, daß die spanischen Bolschewisten durch die Orangenverkäufe in den Stand gesetzt würden, sich Geldmittel für den Ankauf von Kriegsmaterial zu beschaffen. Dieser Handel werde daher von General Franco als Verbrechen und ungesetzmäßig angesehen.
Siimänien im WaWeber.
^on unserem K. Sch 'Berichterstatter.
Nachdruck verboten!
B u k a r e st, Dezember 1937.
Es ist wieder einmal soweit! Die Mauern werden mit Wahlplakaten beklebt, die Zeitungen bringen ganze Seiten mit Kandidatenlisten, vor den Büros der Parteien drängen sich die auf ein Mandat Lüsternen, und um den Säckel so mancher Partei ist es schon am Anfang der Kampagne schlecht bestellt und er bedarf dringend der Auffüllung... von wem auch immer... Dabei herrscht bei diesem Wahl- seldzug ein geradezu hoffnungsloses Durcheinander. Rechts und links, alles ist vertauscht. Wütende Feinde von gestern haben sich verbündet, um den Teufel mit Beelzebubs Hilfe auszutreiben. Von Ideologien und Programmen ist zwar viel die Rede, aber jeder Sachkenner weiß, daß das Persönliche weit wichtiger ist, und die Auguren lächeln sich zu ...
Es fing damit an, daß der König die Nativ« nalzaranisten aus wohlerwogenen Gründen (ihrer Linksorientterung) nicht an die Macht ließ. Darob entstand große Entrüstung in dieser Partei. M i h a l a ch e, der Parteiführer, dankte ab, weil seine Taktik fehlgeschlagen war, und der Königsfeind M a n i u kam, vom nationalzaranistischen Lager jubelnd begrüßt. Alle taktischen Maßnahmen Manius aber sind — und nur das vermag zu erklären, was sonst unerklärlich wäre — von einem Gedanken diktiert: von seiner Feindschaft gegen den König. Er hat den Monarchen unverhüllt angegriffen, weil er ein persönliches Regime errichtet habe, statt dem Volkswillen Rechnung zu tragen, der — so sagt Maniu! — die Betrauung der Nationalzaranisten verlange. (Weil nämlich die Nationalzaranisten nach vier Jahren liberaler Herrschaft auch wieder gern in die Ministerien eingezogen wären...)
In Rumänien ist die jeweilige Regierungspartei im Vorteil. Sie hat den staatlichen Apparat in der Hand und ihr natürliches Schwergewicht ist bei wenig aufgeklärten Wählermassen groß genug, um ihr wenigstens 40 v. H. der : Stimmen zu sichern, die sie braucht, um zwei Drittel aller Kammersitze zu bekommen. Im Senat ist es noch einfacher, dort genügt die relative Mehrheit. Aus dieser Ueberlegung ging Maniu daran, die Opposition zu sammeln, um gemeinsame Wacht über die Freiheit der Wahl zu halten, alle Kraft auf die Bekämpfung der Regierung zu verwenden und für den Senat sich auf Kandidaten zu einigen. Das ist ihm nur zum Teil gelungen. Der Senatsplan fiel völlig ins Waffer, und auf einen „Nichtangriffspakt" konnte er sich nur mit der Legionärsbewegung (Codreanu), den liberalen Disfidenten (Georg Bra- tianu) und der Agrarpartei (Argetoianu) einigen — mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß dadurch der Kampf der Ideen nicht beeinträchtigt werden solle. Die anderen Parteien, darunter die große National-Christliche Partei (Cuza- Goga), lehnten ab.
Der Schritt Manius hat zu erregten Debatten Anlaß gegeben. Die National-christliche Partei sagte der ihr weltanschaulich nahestehenden Legionärsbewegung: Wie kommst du dazu, dich mit den Erzdemokraten, mit der rumänischen Linken, mit den Juden zu verbünden, nachdem du soeben erst die Nationalzaranisten so und nicht anders tituliert hast? Codreanu hat Manius Programm der innen- und außenpolitischen Demokratie ein Programm der Legionärsbewegung entgegengestellt, das eindeutig nationalistisch genannt werden muß, und für diese Ideen zu kämpfen nimmt er gerade auf Grund des Nichtangriffspaktes für sich in Anspruch. Aber auch in Manius eigenem Lager gibt es Unzufriedene, die doktrinären Demokraten, die sich darüber wundern, daß er mit einer Bewegung, die die Diktatur fordere, Zusammengehen könne. Don der jüdischen Presse ganz zu schweigen.
Währenddessen sieht die Regierungsfront ruhig und gelassen zu. „Front" muß man sagen, denn auf den Listen der Liberalen Partei kandidieren die Anhänger der Rumänischen Front Vaida-Voevods, der Nationaldemokratischen Partei Professor Sorgas, der Ukrainer, der Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien u. a. Sowohl Vaida-Voeood als auch Professor Sorga, beides der Regierung nahestehende, aber nicht der liberalen Partei angehörende markante Persönlichkeiten, haben sich gegen Angriffe zur Wehr gesetzt, die sogar über das Ausland lanciert wurden; so Sorga gegen einen Kommentar der „Prager Presse", der sich die Gedanken- gange der Nationalzaranisten zu eigen machte und eine Einmischung in Rumäniens Snnenpolitif dar- stellte; so Vaida-Voevod mit beachtenswerten außenpolitischen Ausführungen, die beweisen, daß die Regierung Tatarescu der starken Rechtsströmung im rumänischen Volke Rechnung trägt, ohne in den Fehler eines Experimentes zu verfallen, den eine Regierung der Rechten in Rumänien heute bedeuten würde.
Denn, das hat sich jetzt wieder gezeigt, die Rechte bekämpft s i ch gegenseitig leidenschaftlicher als den Gegner. Von den drei großen Parteien der Rechten steht jede in einem anderen Lager. Codreanu schließt mit der Linken einen Nichtangriffspakt, um die Regierung, die doch einen starken Vertrauensbeweis des Königs erhalten hat, wirksamer zu bekämpfen. Vaida-Voevod geht zum Regierungslager über. Und Cuza und Goga sind rechts geblieben und bekämpfen Regierung und Linke. Wie gesagt, ein heilloses Durcheinander, und es bekommt noch Farbe durch die Uebertritte von Politikern und ganzen Ortsgruppen von einer Partei zur andern,
Fast acht Millionen Reichsmark ergab derTag der nationalen Solidarität
Berlin, 7. Dez. (DNB.) Durch die inzwischen bekannlgewordenen Nachmeldungen zur Sammlung am Tag der nationalen Solidarität im Reich hat sich deren Ergebnis ganz außerordentlich erhöht. Arn Sonntag, dem 5. Dezember war das vorläufige Ergebnis mit 7 655 476,49 Reichsmark bekanntgegeben worden. Inzwischen wurden 308 626,27 Reichsmark nachgemeldet, so daß sich also ein endgültiges Ergebnis im Reiche von 7 964 102,76 RM. ergibt. Das sind 2 301 823,57 RM. oder 40,6 v.H. mehr als das Ergebnis des Tages der nationalen Solidarität 1936.
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Reichsminister Dr. Goebbels hat mit vollem Recht den Tag der nationalen Solidarität als eine soziale Volksabstimmung größten Ausmaßes bezeichnet, denn das war er wirklich, und kein Land der Welt hat diesem Tage auch nur etwas Ähnliches an die Seite zu stellen. Die Riesensumme, die in kleinsten Beträgen zusammengebracht worden ist, ist nicht nur ein Beweis der Herzlichkeit, mit der jeder Deutsche, ob Mann oder Frau, für seine ärmeren Volksgenossen sorgt, sondern ein geradezu überwältigendes und freies Bekenntnis zum nationalsozialistischen Staat und seiner Führung. Man schreibt hauptsächlich in den USA., wo wenige Dollarmilliardäre in Wirklichkeit die Herrschaft über ein großes Volk ausüben, Deutschland sei eine Despotie und die Massen litten unter den Wirkungen eines solchen Regierungssystems. Man ruft zu einem Kreuzzug gegen die Regierungsgewalt in
Deutschland auf. Das deutsche Volk hat die Antwort auf diese Verfälschungen des Tatbestandes gegeben. Wenn man die Zahl der arbeitsfähigen Deutschen mit den Spenden nur dieses einen Tages vergleicht, dann hat durchschnittlich jeder Deutsche fast 50 Pfennige in Groschenstücken in die Büchse geworfen und hat damit bekundet, daß Deutschland zum Führer steht, weil der Führer einen wirklichen Staat der Volksgemeinschaft geschaffen hat, in dem jeder Einzelne durch die Praxis beweist, daß er sich dieser Volksgemeinschaft innig verbunden fühlt und aus dem Herzen heraus dem Aufruf zur nationalen Solidarität freiwillig nachkommt. Der sittlich-pädagogische Zweck des Tages der nationalen Solidarität und des Winterhilfswerks überhaupt mag dem Ausland rätselhaft sein, uns ist er selbstverständlich, denn die Verpflichtung zum praktischen Sozialismus ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.
»Tag der Wehrmacht" für das WHW.
Berlin, 7. Dez. (DNB.) Die Veranstaltungen ^Berliner Truppenteile zugunsten des WHW. am letzten Sonntag haben besonderen A n k l a n g bei der Bevölkerung gefunden. Der E r - trag für das WHW. war über Erwarten groß. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht hat deshalb verfügt, daß in Zukunft im ganzen Reich der „Tag der Wehrmacht für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes" am Sonntag nach dem „Tag der Nationalen Solidarität" durchgeführt wird.
Auch der Lhef der roten Luftwaffe verhaftet.
Schon vor einiger Zeit kam aus Moskau das Gerücht, daß der Chef der sowjetrussischen Luftwaffe, General Alkfnis, von Stalin auf die schwarze Liste gesetzt worden sei. Man hörte dann nichts mehr von ihm. Jetzt wird berichtet, daß er verhaftet fei. Er gehört also auch zu den „Saboteuren", „Spionen" und „Staatsfeinden". Erst vor kurzem hatte er selbst Gelegenheit, derartige Elemente beiseite zu fegen. Er saß in dem Gerichtshof, der T u ch a t s ch e w s k i und Genossen abzuurteilen hatte. Jetzt hat er seine Rolle wechseln und auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Welche Gründe dazu geführt haben, ihn zu verhaften, sind unbekannt, wie ja bisher immer über die angeblichen Verbrechen unliebsam gewordener Stützen der Sowjetherrscher geschwiegen wurde. General Alkfnis war noch im vergangenen Jahr bei der englischen Luftwaffe in Hendon zu Gast.
Die besondere Bedeutung der Abhalfterung des Chefs der Luftwaffe liegt darin, daß er für die am Sonntag erfolgenden sowjetrussischen „W a h l e n" als einer der vielen Sowjetprominenten auf der amtlich vorgeschriebenen Kandidatenliste stand. Es ist das der erste Fall, daß ein prominenter Wahlkandidat in die GPU.-Keller geschickt wird. Bis zur Stunde seiner Verhaftung galt die Kandidatur als eine relativ hohe Lebensversicherung. Es steht ja auch der sowqetrussische Außenkommissar Litwinow-Finkelstein auf der Lifte der Wahlkandidaten, in welcher Eigenschaft er ja kürzlich in feinem „Wahlkreis" eine Rede halten durfte.
Reue Krise der SoiVielivirtschasi.
Die Produktion gegenüber dem Borjahr um 14,8 v. H. gesunken!
Moskau, 7. Dez. (DNB.) Der „Volkswirtschaftsplan" für das Jahr 1938 bringt interessante Aufschlüsse über die Lage der Sowjetwirtschaft. Der Wert der gesamten industriellen Produktion der Sowjetunion für das Jahr 1938 wird auf 84,3 Milliarden Rubel veranschlagt, was gegenüber 1937 eine Zunahme von 15,3 o. H. darstellen soll. Hieraus läßt sich errechnen, daß die Produktion für 1937 also auf 73,1 Milliarden Rubel anzusetzen ist, was gegenüber dem für 1937 aufgestellten Plan einen Fehlbetrag von 30 Milliarden Rubel ergibt und im Vergleich zu der
— mit 85,4 Milliarden Rubel bewerteten — Produktion des Jahres 1936 einen Rückgang um 14,8 v. H. a u s m a ch t. Das katastrophale Sinken der Produktionsziffern führt sogar soweit, daß der Voranschlag für 1938 noch nicht einmal dem Wert der Produktion von 1936 gleichkommt.
Im einzelnen soll der für 1938 erhoffte Ausgleich in erster Linie wiederum der Schwer- und Kriegsindustrie zugutekommen, während für die Gebrauchsgüterproduktion nur eine ganz geringe Steigerung vorgesehen ist, somit also die Warenknappheit für das nächste Wirtschaftsjahr unvermindert bleibt und die dem Volke seit Jahren versprochene Preissenkung um „mehrere Dutzend Prozent" sich in D u n ft und Nebel a u f l ö st. Ferner ist bezeichnend, daß nur noch erneute Mil - liardeninoestitionen und eine weiter gesteigerte Ausbeutung der menschlichen Arbeitskräfte durch das sogenannte Stachanow- Sy st e m die für 1938 vorgesehenen Ziffern erreicht werden können.
Nichtsdestoweniger wird in der Sowjetpresse mit geradezu unübertrefflicher Demagogie der Plan als ein Dokument bezeichnet, „das absolut einleuchtend vor der ganzen Welt die Vorzüge des Wirtschaftssystems demonstriert, das keine Krisen und keine wirtschaftlichen Erschütterungen kennt". In Wirklichkeit liefern die Ziffern den Schlüssel für die Schädlings- und Sabotagepfychose, die in unzähligen Prozessen Tausende von Opfern als Prügelknaben für die Wirtschaftskrisis gefordert hat. Im übrigen muß natürlich auch bei dem engen Zusammenhang zwischen Staat- und Wirtschaftsapparat in der Sowjetunion der politische Terror und die Lawine der Verhaftungen als Ursache für die neue Wirtschaftskatastrophe gelten.
Der Führer ber General Ludendorff.
München,?. Dez. (DNB.) Der Führer stattete heute dem erkrankten General Ludendorff in München einen Besuch ab und sprach ihm feine und des Generalfeldmarschalls von Blomberg beste Genesungswünsche aus. — lieber das Befinden General Ludendorffs wurde am Dienstagabend folgender Bericht ausgegeben: In den letzten Tagen ist eine erfreulicheBesserungin dem Kräftezustand des Generals Ludendorff zu verzeichnen.


