Ausgabe 
8.7.1937
 
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M.156 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 8. Zull (937

C 61

der das

Dornberg zum ihn, der noch Schlössern das überragt, mit der blühenden

wie stark kann man "bräunen?

Nun - da gibts keine feste Skala; die natürliche Veranlagung ent scheidet! Fest steht aber, daß Sie dasBraunwerden" ganz wesentlich fördern, wenn Sie sich vor jeder Sonnenbestrah­lung gut mit Nivea einreiben

Es kommt eine andere Zeit. Jahrhundertlange Zerstörung sucht die Bergstadt heim, da um sie, als der natürlichen Grenzfeste Thüringens gegen Meißen, wilde Kämpfe entbrennen. 1345 tobt der Grafenkrieg" um die Burg: die Landgrafen von Schwarzburg und die von Orlamünde belagern hier Friedrich den Ernsthaften von Thüringen, bauen Katzen", schleudernBliden", nehmen die Burg und zerbrachen die Dach und verderbeten und ver- branten es". 1612 aber, als Dornburg an Sachsen- Altenburg fällt, zieht Herzogin Anne-Marie als Schloßherrin ein und mit ihre Frieden und Glanz. Anne-Marie ist Witwe, ist noch jung, noch lebens­lustig. Mit großem Gefolge richtet sie sich ein. Der Kurfürst von Sachsen aber heißt sie bald eineVer­schwenderin", setzt Axel von Mäusebach als Ver­walter über Schloß- und Hofhaltung. Dieser be­fiehlt, daß die Pachtgelder Dornburgs an ihn, statt an die Herzogin, abgeliefert werden, entläßt den Koch, den Wildschützen, denKanzellisten", an dessen Stelle der Küchenschreiber tritt.Jhro Gnaden er- grimmeten darüber so heftig", berichtet der Hofpre­diger,daß Jhro Gnaden unmäßig und geretzet worden, und bei meinen geistlichen Ermahnungen Schreie ausgestoßen, so daß das Hoffräulein sich die Ohren zugehalten und aus dem Saale gestürzt

' ist."

allzu sorgsam umgingen, mehr aus Höflichkeit und zu ihrer Beruhigung gesagt:Das ist nicht so schlimm, das bekommen doch nachher die Schweine." Man ist nun erstaunt, diese Redewendung auch be­reits sehr häufig in der Stadt zu hören. Die immer stärker im Ausbau befindliche Erfassung der Küchen­abfälle in den Haushaltungen zur Verwertung für die Schweinefütterung scheint manche Hausfrau dazu zu verführen, nun weniger pfleglich mit den Nah­rungsmitteln umzugehen. Sie tröstet sich damit, daß schließlich doch alles noch seine Verwendung findet. Man kann heute sogar beobachten, daß selbst Kinder zu dieser Nachlässigkeit angehalten werden. Wenn sie nämlich beim Spiel oder aus Unachtsamkeit Brot oder sonstige Eßwaren beschmutzen, dann nimmt man sie ihnen ab mit dem Bemerken, das sei schmutzig und gehöre in den Schweineeimer. Die Verwertung der Küchenabfälle für die Schweinemast bezieht sich aber nur auf tatsächliche Abfälle. Alle Nahrungsmittel müssen bis zum Aeußersten für den menschlichen Verbrauch ausgenutzt werden. Nicht der dient dem Vierjahresplan am besten, der die meisten Küchenabfälle abliefert, sondern wer die Lebensmittel am besten ausnützt und darüber hinaus darauf sieht, daß unvermeidbare und tatsächliche Ab­fälle dann der Schweinefütterung zur Verfügung gestellt werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 8. Juli. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg

Natur der Quell, aus dem der größere Teil Volksgemeinschaft Kräfte für die Arbeit um tägliche Brot schöpft.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Du 'kommst in den Westen, wo der Fluß sich durch das Tal gegraben hat und wo er weiter­fließt in ruhiger, ewiger Welle, wo an seinen Ufern die Städte sich schmiegen, und wo der Wein wächst, süß und feurig, wo die Menschen lachen: Auch das ist Deutschland!

Und du kommst in den Norden, wo das Meer das Land berührt und wo draußen in diesem Meer die Inseln liegen, wo die Menschen ein ein­faches und hartes Leben führen und dieses Leben den Menschen einfache und harte Züge gegeben hat, wo die Schiffe hinausfahren in die Meere der Welt: Auch das ist Deutschland!

Und fragst du: Was ist Deutschland? So wird dir der Mensch jeder Landschaft ein Bild seiner Heimat zeichnen, und dieses Bild wird in jedem Falle anders sein, und trotzdem ist es Deutschland.

Von diesem Deutschland erzählen die Bücher der deutschen Dichter, von diesem Deutschland erzählen die Menschen, die es erwandert und erlebt haben, die den Süden und den Norden, den Osten und den Westen sahen, und die das Bild von Deutschland in ihr Herz nahmen; aus diesem Herzen brach das Bild und wurde Gestalt. Die Bücher erzählen von den Bergen und Flüssen, von den Tälern und Seen, von der Heide und dem Moor, von den Wäl­dern und den Wiesen, von den Bäumen und ihren Früchten und den Feldern mit ihrem Korn, sie be­richten dir von den Menschen und ihrer Arbeit, von der Vergangenheit, die Stein wurde, und sie richten dein Auge auf die Zukunft dieses Landes, und sie verlangen dein Herz für die Zukunft des Landes und sie verlangen dich ganz.

Es sind nicht immergroße Bücher", es sind Bücher aus einem übervollen Herzen geboren, die den Weg finden wollen zu einem Herzen, das sie versteht. Und wer wollte ein Herz, das sich ganz gegeben hat, nicht verstehen? Ein Herz, das von der Heimat redet, die uns allen gehört, und der wir auf immer gehören.

Oie Farm La Belle Alliance unter dem Kammer.

Die historische Farm La Belle Alliance auf dem Schlachtfelde von Waterloo, bei der am 18. Juni 1815 Blücher und Wellington einander als Sieger begrüßten, gelangte zur Versteigerung. Der bis­herige Besitzer mußte aus Gesundheitsgründen fein Eigentum aufgeben. Bei dem Verkauf war eine große Anzahl von Personen zugegen, und die Farm ging schließlich für 120 000 Franken, ungefähr 10 000 Mk., an einen benachbarten Bauern über; dazu gehörten etwa 1% Hektar Land, die 50 000 Franken brachten.

Uraltgermanische Sage weiht den Schauplatz ihrer Mysterien, krönt heute blumengeziert mit seinen drei romantisch-liebliche Tal der Saale einem Kranz von Rosen. Inmitten Wildnis harrt, in Zauberschlaf versenkt, die Göttin Freya ihres Befreiers, des Sonnenkönigs. Es ist im Jahre 937, daß der OrtDornburg" getauft wird, und von nun an ist seine Vergangenheit wahrhaftkaiserlich". Auf Generationen von Für­sten übt diePerle des Saaletales" infolge ihrer märchenhaften Lage die größte Anziehung aus. Otto der Große erbaut sich dort, wo die Höhe am steilsten abfällt in das Saaletal, eine Burg mit geräumigen Sälen zu kaiserlichen Pfalztagen". Seine Tochter Mathildis, die Enkelin Wittekinds, führt hier, stolz und streng, als Reichsverweserin den Vorsitz. Unter Otto II., Otto III. und Kaiser Heinrich, der hier einen Reichstag abhält, zu dem die Fürsten aus allen deutschen Gauen feierlich her­beiströmen, wird der alte Wodansberg zum Schau­platz glänzender Aufzüge, größter Prachtentfaltung.

bei den polizeilichen Meldebehörden zur Einsicht aus.

Gesuche sind nach Möglichkeit sofort, spätestens jedoch zum 1. August 1937 bei allen Arbeitsgau­leitungen oder den Nachgeordneten Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes, z. B. bei der Reichsarbeits­dienstgruppe 222 Dillenburg, Hindenburgstraße 12, einzureichen.

OeutscherZoologentaa1938 in Gießen

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft, in der die an den deutschen Hochschulen tätigen Zoologen zu­sammengefaßt sind, hielt dieser Tage in Bremen ihre 39. Jahres-Hauptversammlung ab, bei der Prof. Dr. Schmidt (Gießen) die programmatische Er­öffnungsansprache hielt. Im Laufe der Versamm­lung wurde beschlossen, daß die nächstjährige Haupt­versammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Gießen stattfinden soll.

Letzte Gelegenheit zum Umtausch alter Rundfunkgeräte.

DNB. Zahlreiche Zuschriften an die Presse be­kunden das große Interesse an der diesjährigen Um­tauschaktion alter Rundfunkgeräte, die von der Reichsrundfunkkammer gemeinsam mit der Rund­funkwirtschaft durchgeführt wird. Es haben unzäh­lige Volksgenossen bereits ihre alten Geräte gegen solche modernster Art bei ihrem Rundfunkhändler umgetauscht, bei einer Vergütung von 15 v. H. des Bruttoeinkaufspreises. Wer von dieser außerordent­lichen Vergünstigung noch gleichsam vor Toresschluß Gebrauch machen will, der beeile sich, da am 15. Juli die Umtauschaktion abläuft.

Das bekommen ja die (Schweine."

ZdR. Sommergästen auf dem Lande wurde früher sehr häufig, wenn sie ein Stück Brot auf den Boden fallen ließen, oder sonst mit Lebensmitteln nicht

Tausendjähriges Dornburg.

Von Sophie Lederer-Eben.

Aus der Stadt Gießen.

Der Vogel im Bauer.

Schau ich aus meinem Fenster hoch, bann sehe ich dort, wo am gegenüberstehenden Haus das graue Schieferdach anfängt und eine Reihe von ein­zelnen Mansardenfenftern hochragt, einen Vogel­bauer. Er ist aus rötlichem Holz und sehr winzig.

Ein armseliger Käfig. Aber wie unruhig ist er! Denn in ihm sitzt ein schwarzer Vogel und der huscht hin und her, her und hin, ewig schnellen die kleinen Füßchen das Gewicht des Körperchens von einer Käfigwand zur anderen. Seit ein paar Mo­naten wohne ich in diesem Haus. Noch nie sah ich den Vogel, aber sicher stand er schon ost da oben im Freien. Ich sah die starren, grauen Steinfigu­ren an dem Haus gegenüber, ich hörte den Gesang von Männerchören aus dem hohen Wirtshaussaal in diesen Sommerabenden, ich sah es, wie der Ge­witterregen das Schieferdach blankblau wusch ... nur den Vogel sah ich nicht.

Heute, an diesem grellen Julitag, fällt er mir zum erstenmal auf. Er lebt zwischen Himmel und Erde. Sein Vogelherz weiß nichts von Bäumen, vom Schlaf unterm Laub, vom Hüpfen über Kies, er kennt nur die kleine, kahle, hölzerne Welt, die Stäbe des winzigen Gevierts, die kleinen Hölzchen zum Hüpfen, die winzigen Gefäße, aus denen der Vogel Körner pickt und Wasser aufnimmt.

Im Dachkandel scheint nichts Grünes zu sein. Der Vogel hat über sich den hohen Himmel mit weißen Märchenwolken des Juli. Seine schwarzen Kugeläuglein sehen nur diesen Himmel oder das Mansardenfenster mit den weißen Vorhängen. Ich weiß nicht, ob der Vogel aus Bangnis hüpft ober aus Freude und Lust am Leben und Licht. Ich könnte mit seinem Besitzer reden und sagen:Las­sen Sie ihn doch fliegen!" Aber dann fräße diesen Vogel, der nichts von der Freiheit weiß, leicht die Katz'. r. k.

Hände weg vom Jungwild!

LW.Ein junger Hase, ein junger Hase!" mit wildem Geheul stürmt die Meute auf das ent­deckte Versteck des Junghasen, der sich wehrlos noch enger an den Erdboden kuschelt. So sorgsam, wie es nur die rauhen Jungenhände tun können, wird das Tier aus seinem Nest heraus geholt, und fort geht es mit der Beute.Den können wir zu Haufe aufziehen 1" Zwei oder drei Tage dauert die Freude. Der Junghase wird immer matter und schwächer und schließlich ist er tot. Traurig stehen die Jun­gen um das arme Tierchen, sie haben ihm Futter gegeben, es gut behandelt, und nun ist es doch gestorben. Nie wird der Mensch mit noch soviel Liebe und Hingabe es fertig bringen, Jungwild zu Hause mit künstlichen Mitteln die Mutter zu er-

torlärm dieses Fahrzeugs wirklich so stark sein, daß er (trotz Lärmbekämpfungsbestrebungen) an den Nerven aller Straßenanwohner reißt? Vor allem in bergigen Straßen ist dieser gewaltige Motorenkrach festzustellen. Soweit Lastautos ober Fernlastzüge in Betracht kommen, wirb man sich ja wohl oder Übel mit stärkerem Motoren­geräusch abfinden müssen, weil eben die Schwere des Fahrzeuges und der Ladung die entsprechende Arbeit des Motors bedingt. Aber muß denn auch bei Personenkraftwagen und bei Motor­rädern unbedingt der gleiche Krach hingenommen werden? Man beobachte nur einmal unauffällig also nicht etwa in der Polizei- ober der NSKK- Uniform, denn diese wirken schon an sich auf manche Kraftfahrer sehr erzieherisch den Kraftfahrbetrieb etwa in der Frankfurter Straße zwischen der Liebig- straße und der Hofmannstraße, oder in der Licher Straße, ober in ber oberen Kaiserallee, nicht minder auch in der oberen Marburger Straße. Da kann man häufig ein blaues Wunder erleben. Mancher Kraftfahrer scheint eben das Gebot der Lärmbe­kämpfung allzu engherzig nur auf das Hupen anzuwenden, aber bas Arbeiten des Motors dabei auszuschließen. Da wird denn auf der an­steigenden Straße aufgedreht, noch mal aufgedreht und immer noch einmal aufgedreht! Und wenn bann ber Wagen ober das Motorrad etwa mit 70, 80 oder 90 Stundenkilometer die Straße hinauf­fliegt, freut sich der Kraftfahrer. Die Straßen­anwohner aber fluchen und wettern und fragen nur das eine: Lärmbekämpfung, w o bist du? Was hier in kurzen Worten von den Ausfall­straßen gesagt wird, das kann man zum Teil auch in den Straßen des Stadtinnern bemerken. Daher unser Wort an alle, die es angeht: Wir loben und preisen euch ob des bisherigen Lärm-

Dichtung aus deutscherLandschast.

Von Erich Langenbucher.

Fragst du, was Deutschland sei, so wird es dir schwer, eine Antwort zu geben, denn Deutschland ist so verschieden wie die Menschen seiner Land­schaft, dieses Land ist so vielgestaltig und reich, so voll Ueberraschung und immer wieder neu; trotz­dem ist es dir so vertraut, weil es eben deine Hei­mat ist, und immer ist es ein großes leuchtendes Bild, das vor dir aufsteigt, wenn du den Namen Deutschland hörst, und immer wird dein Herz höher schlagen, wenn Du dieses Wort hörst und wenn du ganz verstehst, was es bedeutet. Der, der sich Deut­scher nennt, Deutscher aus dem tiefsten Herzen, wird dieses Wort verstehen und deuten können.

Und doch fragt man, was Deutschland sei, und wird nicht so rasch eine Antwort finden. Du wirst einen Augenblick still werden und ihm dann er­zählen von dem Dorf, in dem du geboren bist, von den Bäumen, die an deinem Schulweg standen, von den Häusern, in denen du aus und ein gingst, von den Menschen, die dich auf deinem Weg begleiteten, von der Stadt, deren dröhnendes Arbeitslied deine Jugend umschloß; wirst ihm erzählen von den Tieren und Vögeln des Waldes, vom Frühling mit feinen Blumen, vom Sommer mit feinem Korn, vom Herbst mit den fruchtschweren Baumen und vom Winter mit seinem Schnee und von Tannen des Weihnachtstages. Und du fragst weiter ist das wirklich Deutschland, und du erhältst die Antwort: ja, das ist Deutschland, das ist meine Heimat, da bin ich geboren, da lebe ich und da werde ich wohl auch sterben. Und du kommst in den Süden dieses Landes und du siehst die weichen Berge mit ihren Wäldern untr Häusern, du siehst die weidenden Her­den, den Schäfer, der über seine Herde wacht. Und du hörst das Läuten der Glocken, das am Abend und am Sonntag aus den Tälern heraufklingt auf die Höhen, wo der Himmel und die Erde sich zu berühren scheinen. Das ist Deutschland!

Du kommst in den Osten, dort, wo die unend­lichen, weiten Seen in der Landschaft liegen wo die Wildenten und die Wildgänse durch die Lu st gleiten und wo die Höfe einsam zwischen den Fel­dern liegen und wo du stundenlang gehen kannst und nur das reifende Korn dich umgibt, und wo bu stundenlang wandern kannst, und der Schnee eine weite Einsamkeit bildet, wo sich die Burgen aus deutscher Geschichte erheben und dir Kunde aeben von großen Männern und ihren Taten. Auch das ist Deutschland!

Aber die Zeit ruhiger Prunkentfaltung ist ohne­hin vorüber, denn 1631 brechen die Plünderungen des Dreißigjährigen Krieges über Dornburg herein. Ein Liebling der Herzogin, der Wege und Stege kennt, führt die Kroaten nachts den Dornberg hinan, Anne-Marie selbst wird in ihrem Schloß verwundet, aber dieGetreuen von Dornburg" eilen in letzter Not ihrer geliebten Herzogin zu Hilfe; die Plünderer, verfolgt, ergreifen auf ihren Pfer­den die Flucht, und stürzen in der Finsternis den zweihundertfünfzig Meter hohen Felsen hinab. Die Stelle heißt noch heute derKroatensturz .

Vom ältesten Schlosse führen wenige Schritte zum Rokokoschloß, einem zierlichen Lusthaus, das sich Herzog Ernst August von WeimarZu anständiger Hofhaltung im Grünen" erbaut (1736/47). Dieser Mittelpunkt der märchenschönen Gartenanlagen, in dessen Tuffsteingrotte Ernst August sich mit einem Magier derGoldmacherei" ergeben bat, um flu Der Erkenntnis zu kommen, daßdiese Adepten Wind­macher und Galgenvögel" seien, wird dadunh be­deutsam, daß G o e t h e in den Raumen des Mittel­schlosses die erste Prosafassung derIphigenie nie- berfd;rieb. Am 2. März 1779 teilt er der Freundin Charlotte von Stein in Weimar mit: Das Stuck formt sich und kriech Glieder!" und den Freund Knebel schreibt er später:Hätte ich die paar Tape in dem ruhigen und lieblichen Dornburger Schlöß­chen nicht gehabt, das Ei wäre, halb ausgebru- tet, verfault". X

Durch die kühle Dämmerruhe des Schloßgartens gelangt man zum Stomannschen SdWen, dem eigentlichen Goethe-Schloß. das der Dichter ,m Sommer 1828 in Gesellschaft seines Dieners und seines Sekretärs, bei dem schmerzlichen Zustande eines Innern" für neun Wochen bezog um tm Verkehr mit seiner Allheilenn Natur vom Schmerze um den Tod seines Fürsten und langfahrigen Freundes Carl A.igust zu genesem Hier regelt er tonen Tag nach dem Gang der Gestirne, die ihm prächtig zu Stäupten glühten". Bon den Fenstern einer Bergstube" konnte er das Saaletal Mit den gegenüberliegenden Bergen, konnte er den ganzen Simmel Überblicken und Wolkenstudien treiben. Im Garten schauend und finneni), von Blume -ju Blume, von Rebe zu Rebe schreitend, machte er seine botanischen Auszeichnungen Das Märchen, das er in Dornburg lebte, brachte ihn au; den Gedanken, dieser Aufenthalt sei ihm ,ham°n,sch angewiesen, und er schloß es m bie Worte em: Wie es auch sei, das Leben es ist gut!

Lärmbekämpfung in der Stadt! Ein Wort, bei dem bisher viele mitleidig lächelten. Mit diesem Lächeln oder auch mit knappen Worten wurde gewissermaßen einUnmöglich" zum Aus­druck gebracht. Dennoch möchte man in Gießen, nach den Beobachtungen der letzten Tage, sagen: dasUnmögliche" i st Wirklichkeit ge­worden! Zwar noch nicht hundertprozentig, aber doch immerhin zu neunzig bis fünfundneunzig Pro­zent. Man hört in unseren Straßen kaum noch ein Hupensignal der Kraftfahrer oder das erregende Klingeln eines Radlers. Und unsere Straßenbahnen sind geradezuSchleicher" geworden, denn sie kom­men fast völlig geräuschlos durch die Straßen und um die Ecken. Wer sich früher an den Haltestellen ganz in seine Gedanken vertieft hatte und auf das Klingeln des Straßenbahnführers sich getrost ver­lassen konnte, der muß heute Augen und Ohren aufsperren, sonst fährt ihm, oder richtiger gesagt schleicht" ihm der Straßenbahnwagen vor der Nase weg. Also: Soweit das Hupen und Klin­geln in Betracht kommt, ein überwältigen­der Sieg der Polizei und aller ihrer Helfer in der Woche der Lärmbekämpfung und der Verkehrs­erziehung!

Wir haben diese Feststellung bewußt auf das Hupen und Klingeln beschränkt. Denn zur Lärm­bekämpfung, die natürlich nicht das Ziel einer Kirchhofsruhe in den Straßen haben kann, gehört ja auch noch einiges mehr. Und damit kommen wir nach dem Lob an die Kraftfahrer zu unserer Bitte an diese. Es ist uns klar, daß das Kraftfahrzeug bei der Arbeit seines Motors stets als Quelle des Geräuschs im Straßenverkehr zu bemerken sein wird. Aber wir fragen uns manch­mal, auch in Der jetzigen Lärmbekämpfungswoche, bei manchem Auto oder Kraftrad: Muß der Mo-

Gießen ohne Lärm.Heute Disziplinund künftig?

Lob und Bitte an die Kraftfahrer. - Llnfere Straßenbahner ganz bei der Sache.

setzen.

Es brauchen, ja nicht immer diebösen Buben" zu sein, die dem Jungwild, das gerade in dieser Zeit seines Wachstums besondere Ruhe und Scho­nung erfordert, nachstellen oder es durch die Scho­nungen oder über Die Felder jagen. Wie oft kommt es vor, daß auch Pilzsammler ober Erholung­suchende unseren jungen Tieren schweren Schaden durch Unachtsamkeit zufügen. Freunde der Natur werden zu ihrem bittersten Feind. Dabei ist es in vielen Fällen gar nicht so böse gemeint; Liebe am unangebrachten Platze schadet eben mehr als es sich die meisten Menschen vorstellen können. So kommt es doch in der Natur vor, wenn auch nur einmal zarte Hände über ein Tier streicheln, die Mutter sich dieses Jungtieres nicht mehr mit dem von Menschenhänden berührten Tier abgibt, und das arme Geschöpf hilflos eingeht.

Jetzt, wo sich die Natur wieder erneut und ver­jüngt hat, muß der Mensch auf dieses Wunder die erdenklichste Rücksicht nehmen. Vernünftig soll er selbst Anteil daran haben und das frohe und ge­heimnisvolle Treiben im dunklen Wald und auf Den weiten Feldern belauschen. Darüber hat aber doch Die uneingeschränkte Achtung vor Der Schöp­fung zu stehen; ist doch der Wald und die ganze

bekämpfungserfolgs beim Hupen. Unser Lob und Dank wird aber noch stärker sein, wenn ihr die Lärmbekämpfung auch auf den unnötigen, d. h. auf den vermeidbaren Motoren- krach ausdehnt!

In dieser Hoffnung rühmen wir heute die Disziplin der Kraftfahrer und unserer Gießcmer Straßenbahner. Wir hörten von zahlreichen Kraft­fahrern und von unseren Straßenbahnern, daß sie selbst es nicht für möglich gehalten hätten, ohne Hupen und Klingeln ihre Fahrzeuge durch die Straßen zu bringen. Aber es geht ganz vortrefflich! Unsere Straßenbahner, die wir allesamt als pflichtbewußte und stets einsatz- und opferbereite Diener Der Allgemeinheit kennen, wer- Den auch künftighin Dem Klingelknopf seinen Ruhe­stand gönnen, falls nicht etwa ein Zustand höchster Gefahr es erheischt, ihn doch einmal anzuschlagen. Wir hegen auch Die Hoffnung, daß die Kraftfahrer Die Schreihälse ihrer Fahrzeuge verstummt sein lassen merDen. JeDoch möchten wir gaüz still unö leise noch Die Frage aufwerfen: Wird Der jetzige löbliche Zustand Der Lärmbekämpfung eine Einrichtung von Dauer roeröen? Als solche ist das Ziel Der Lärmbekämpfungswoche ja ge- Dacht. Und nur dadurch allein erhält die gegen­wärtige vorbildliche und anerkennenswerte Er­ziehungsarbeit der Polizei und ihrer Helfer an allen Verkehrsinteressenten erst ihren eigentlichen Sinn und ihre verdiente Belohnung. Freilich als Dauerzustand nicht nur die Lärmbe­kämpfung durch Ausschaltung von Hupen und Klingeln, sondern den gleichen Kampf auch gegen den unnötigen Motorenlärm, ins­besondere während Der NachtstunDen, Damit Das Gebot Der Nachtruhe für Die schasfenDen Volks­genossen überall zur erfreulichen Wirklichkeit wirD!

Gloria-Palast, Seltersweg:Meiseken". Hand- arbeiten-Schau: 10 bis 18 Uhr, Hotel Prinz Carl, Seltersweg. Berliner Mozart-Chor: 20 Uhr, Aula.

Einstellung von Führer-Anwärtern beim Reichsarbeitsdienst.

Die Reichsleitung Des Reichsarbeits- Dienstes gibt bekannt:

Zum 1 Oktober 1937 roerDen bei allen Arbeits- gauen F ü h r e r a n w ä r t e r eingestellt. In Frage kommen Bewerber, welche zum 1. Oktober 1937 ihrer aktiven Wehrpflicht genügt haben und nicht über 24 Jahre alt finD, bevorzugt wird, wer schon im Arbeitsdienst gewesen ist. Der Bedarf erstreckt sich vornehmlich auf Bewerber für Die untere Führerlaufbahn, erwünscht ist eine handwerkliche oder kaufmännische Vorbildung.

In der unteren Laufbahn ist Die Beförderung zum Truppführer, Obertruppführer und bei ent­sprechender Bewährung zum Unterfeldmeister mög­lich. Bei vorzüglichen Leistungen und Nachweis einer angemessenen geistigen Veranlagung ist Der Aufstieg in Die mittlere Laufbahn nicht ausge­schlossen.

Heber Die einzelnen Laufbahnen, Die gestellten AnforDerungen, Beförderungen, Besoldungs- und Versorgungsverhältnisse im Reichsarbeitsdienst und Die Art Der Unterlagen, Die Den Bewerbungen bei­zufügen sind, ist Näheres aus Dem MerkblattFüh­rer- und Amtswalterersatz Des Reichsarbeitsdienstes" zu entnehmen. Dieses Merkblatt kann von allen Dienststellen erlangt werden und liegt außerdem