Ausgabe 
8.7.1937
 
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Nr. 156 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Donnerstag, 8. Zull 1957

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Oer Versailler Vertrag ist die Grundlage aller europäischen Schwierigkeiten" Sensationelle Rede des amerikanischen Ltnterstaatssekretärs Welles.

Deutschlands Absage an Versailles war richtig.-Amerika zu internationaler Mitarbeit bereit, wenn Europa vernünftig ist.

Der Konitzer Prozeß.

Blutjunge Angehörige der deutschen Volksgruppe in Polen zu harten Gefängnisstrafen verurteilt.

3. Begrenzung und spätere Herabminderung der Rüstungen;

4. häufige Besprechungen zwischen den Ver­tretern der Regierungen sowie freier Mei­nungsaustausch.

Amerika könne sich den Folgen eines fremden Krieges nicht entziehen und wolle daher weit­gehend an der Verhinderung eines solchen mithelfen. Es sei froh darüber, daß die in Buenos Aires ge­schlossenen Friedensverträge vom Bundessenat rati­fiziert worden seien und daß das Britische Weltreich jetzt dem Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten freundlich gegenüberstehe.

Wenn nun die europäischen Rationen ihrerseits die politischen Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages berichtigten,

so werde die amerikanische öffentliche Meinung sicherlich in ihrer überwältigenden Mehrheit die Mitarbeit Amerikas mit den übrigen Nationen an der Befriedung der Welt billigen.

Ein befremdliches Urteil.

Warschau, 8,. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Bezirksgericht in Könitz hat am Mittwochabend nach zweitägiger Verhandlung einen Prozeß mit der Verurteilung von 22 polnischen Staatsangehörigen deutscher Natio­nalität abgeschlossen, die beschuldigt werden, auf dem Gut K e ns a u im Kreise Tuchel ein Lager nach dem Muster der reichsdeutschen Arbeitsdienstlager organisiert bzw. daran teilgenommen zu haben, wo­bei sie angeblich seinen Zweck und sein Bestehen vor den Aufsichtsbehörden geheimgehalten haben. Dort hätten, sie eine Schulungsarbeit in einem für den polnischen Staat feindlichen Sinne betrieben. Obwohl die Verhandlung keinen Be­weis für diese letzten Anschuldigungen brachte, er­kannte der Richter die Angeklagten für schuldig. Es wurden wegen Geheimbündelei ver­urteilt.

1. Georg K l i e m e k, der das Lager geleitet haben soll, zu 2 Jahren Gefängnis.

2. Armin D r o ß , Mitglied des Hauptvorstandes Der deutschen Vereinigung, der an der Organisation des Lagers beteiligt gewesen sein soll, zu 20 Mo­naten Gefängnis.

3. Liselotte F r e i m a n n, Gero von Gers- dorff und Günther Krüger, die an der Orga­nisation des Lagers teilgenommen haben sollen, zu je 15 Monaten Gefängnis.

4. Die Besitzerinnen des Restgutes Kenfau, auf dem der größere Teil der Angeklagten zu Garten­arbeiten verpflichtet war, Auguste und Margarethe Wehr, beide an der Grenze des Greisenalters, zu je 10 Monaten Gefängnis.

5. Gerhard Schulz, Willi Mittelftedt^ Walter Anklam und Ulrich A l t f ch ö l e r zu je acht Monaten Gefängnis wegen Teilnahme an dem Lager:

6. Heinz B a n n a ch , Hans Rosenberg, Paul Falkenberg, Bruno Hundt, Walter Ebers- meyer, die Teilnehmer für das Lager geworben haben sollen, zu je sechs Monaten Arrest:

7. Gerhard Marks, Fritz Grzybinski, Alfred F e ch n e r und Otto Saun, zu je fünf Mo­naten Arrest;

8. die 17jährigen helmuth Adam und Willi Brunk zum Aufenthalt in einer Besserungsanstalt mit dreijähriger Bewährungsfrist.

Die Verteidigung hat gegen das Urteil Beru­fung eingelegt.

Japans neues Kabinett der Sammlung.

Von unserem 3R S.-Berichterstaiter.

Nachdruck verboten!

Tokio, Ende Juni 1937.

Die Berufung des Präsidenten des Oberhauses, Prinzen Fumimaro K o n o e zum Nachfolger des so erfolglosen Generals hayashi hat in allen Schichten der Bevölkerung große Befriedigung aus­gelöst. Kanoe, ein Verwandter des Kaiserhauses und ein Nachkomme altjapanischen Hochadels, genoß gutes Ansehen in allen politisch und wirtschaftlich interessierten Kreisen wegen seines ruhigen Urteils seines diplomatischen Gefchickes als Präsident des Oberhauses und nicht zuletzl wegen seiner modernen Methoden. Zum Beispiel bediente er sich zum ersten Male bei der Kabinettsbildung des, Telephons, und am Abend nach erfolgreicher Kabinettsbildung wandte er sich über den Rundfunk an das Volk uno bat es, indem er in großen Zügen die Richtlinien seiner Regierung darlegte, um tatkräftige Mitarbeit am Wohle der Gesamtnation.

Zu glauben, daß der General hayashi durch die Gegnerschaft der Reichtstagsparteien gestürzt worden ist, entspricht nicht ganz den Tat­sachen. Deren Anteil kann nur darin gesehen wer­den, daß sie der nahezu alle Schichten der Bevölke­rung umfassenden Ablehnung hayashis organisier­ten Ausdruck gegeben hatten. Doch erst nachdem sich der Kriegsminister Sugiyama während einer längeren Informationsreise durch die wichtigsten Wirtschaftsgebiete Japans von der tatsächlich vor­handenen Tiefe und Breite der Gegnerschaft zu hayashi, dem Mann der japanischen Armee, über­zeugt hatte, ließ die Armeeführung ihn fallen.

Prinz Konoe hat aus den Fehlern seines Vorgän­gers hayashi für die Bildung und für die zukünf­tige Politik seines Kabinettes eine Reihe wichtiger Folgerungen gezogen. Er berief je ein Mit­glied der beiden Mehrheitsparteien in fein Kabinett. Von der Minfeito nahm er den Präsidenten der Partei, Herrn N a g a i als Ver­kehrsminister in sein Kabinett auf; von der Seiyu- kai dein bekannten Industriellen und Pionier der japanischen Flugzeugindustrie Herrn Nakajima als Eisenbahnminister. In den Regierungen der letzten Jahre war es wegen des schroffen Wider­standes der Armee unmöglich, Parteimänner mit einzubeziehen. Diesmal tat es Konoe, ohne auf merk­baren Widerstand zu stoßen.

Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt er­klärte Konoe in einer Regierungserklärung, daß der wichtigste Grundsatz seiner Regierungstätigkeit darin beruhen würde, die seit längerer Zeit durch das heroortreten scharfer Gegensätze verlorengegangene Zusammenarbeit des Volkes und der politi­schen Kräfte des Landes, wiederherzustellen. Und um seiner Absicht Nachdruck zu verleihen, verlangte er in der ersten Kabinettssitzung von seinen Mini­stern, die den drei anerkannten politischen Kräften Japans, nämlich den Parteien der Staats­bürokratie und der Wehrmacht angehören, auf die Durchfechtung ihrer Meinungsverschieden­heiten zu verzichten.

Diese hier zum Ausdruck gebrachten Anschauun­gen und Forderungen des Prinzen entsprechen nicht nur einem gewissen innenpolitischen Ruhebedü.-snis. Sie sind der Ausdruck der seit Jahrzehnten gültigen, von denälteren Staatsmännern" und demKreise der engeren Berater um den Thron" : ertretcnen Grundsätze. Prinz Konoe ist selbst ein Mitglied die­ses Beraterkreises auf Grund seiner Verwandtschaft mit dem kaiserlichen Hause. Außerdem Hal er sich selbst mehrmals alsgeistigen Sohn" des alten Genro" des Fürsten Saionji bezeichnet, unter dessen Einfluß und politischer Führung er seit lan­gen Jahren steht. Sicher bestehen erhebliche Unter­schiede zwischen den Ansichten Konoes und seines fast doppelt so altengeistigen Vaters". Der eine Grundsatz ist ihnen aber gemeinsam, nämlich daß drei anerkannten politischen Kräfte an der jewei­ligen Staatsführung nur im Umfange des Ermessens des Kaisers, das heißt seiner ihn umgebenden Berater Anteil haben dürfen. Pr.nz Konoe hat mehrmals die japanische Verfassung da­hingehend ausgelegt, daß über allen nolitischen Auseinandersetzungen zwischen den Parte en, der Staatsbürokratie und den Vertretern der Wehrmacht als höchste entscheidende Autorität der Thron steht, der nahezu immer nur durchden >ngen Kreis der Berater um den Thron" eingreift.

Daß der gerade seit den blutigen Ereignissen vom Februar 1936 so heiß enbrannte Kampf für oder gegen eineautoritäre Regierung" so vlötzlich und ohne Erschütterungen abgebrochen werden konme, wird erst von dieser dem japanischen Volke eigenen politischen Auffassung aus verständlich. Es wird auch verständlich, weshalb die Armee, die stärkste Ver- treterin der Forderung nach einerantiparlamen­tarischen, autoritären Regierungsführung" sich ohne Schwierigkeiten in das Sammlungskabinett des Prinzen Konoe einordnete. Denn hier handelte es sich nicht wie so oft in Europa um prinzipielle Grundfragen des staatlichen Lebens, sondern um Zweckmäßigkeitsfragen, die vonhöherer Warte" je nach den Umständen entschieden werden. Bisher allerdings hat es diesehöhere Warte" bewußt ver­mieden, einer der drei politischen Kräfte eine dik­tatorische Vormachtstellung und damit die Bildung einerautoritären Regierung" zu gestatten.

Die heutige Regierung wird kaum mit Schwierig­keiten von feiten Der Armee zu rechnen haben. Be­sonders deshalb nicht, weil Konoe, rot? feine Vor­gänger, im Rahmen desdenkbar Möglichen" d i e Mittel zur Aufrüstung Japans zur Ver­fügung stellen wird. Auch in anderer Beziehung hat Konoe gezeigt, daß er den Wünschen der Wehr-

Washington, 8. Juli. (DNB.) Unterstaats­sekretär Welles hielt am Mittwoch vor dem Institute of Public Affairs in Charlesville im Rah­men einer allsommerlichen Vortragsreihe der Uni­versität des Staates Virginia einen Vortrag. Er1 gab in seiner Rede eine sehr bedeutsame offene Dar- \ legung der amerikanischen Stellung-^ nähme zur europäischen politischen Sage, Der um so größere Wichtigkeit beizumessen ist, ' als seine Ausfühungen dem Präsidenten Roosevelt und Außenminister Hüll Vorgelegen haben dürften.

Die Ausführungen Welles' gingen aus von den Ergebnissen der britischen Weltreichskonferenz und namentlich von den Verhandlungen mit dem bel­gischen Ministerpräsidenten van Zeeland in Washington. Welles bezeichnete zunächst Spanien als das Schlachtfeld, auf dem zwei einander feind­liche Weltanschauungen sich bekämpfen. Er stellte fest, es sei nirgendwo ein diplomatisches Geheimnis, daß die Vertreter dieser widerstreitenden Weltan­schauungen während der ganzen Dauer des spani­schen Konfliktes der einen oder der anderen Seite in irgendeiner Form Beistand geleistet hätten. Amerika habe sich von Anfang an aus diesem Kon­flikt herausgehalten und durch ein Gesetz verhindert, daß Freiwillige, Kriegsmaterial oder geldliche Un­terstützungen an die kriegführenden Parteien in Spanien geliefert würden. Leider werde, solange die Mächte, die mit der einen oder der anderen Seite sympathisierten, sich nicht streng jeder Ein­mischung enthielten, die Welt auf Gnade und Un­gnade dem Zufall ausgeliefert sein, der durch irgend­einen Zwischenfall einen internationalen Krieg her­beiführen könne.

Aber, so betonte Welles dann, der spanische Krieg ist nur ein äußeres Anzeichen der Krank­heit, an der die Well leidet, ist nicht die Krank­heit selbst. Schuld ist der Versailler Vertrag, der die Besiegten zu minderwerti­gen Rationen stempelte und ihnen jede Hoff­nung auf eine bessere Zukunft raubte.

Die Ungerechtigkeit und die falsche Begrün­dung der Bestimmungen des Friedensvertrages waren der Hauptgrund für das Chaos, das dem Weltkrieg folgte und folgen mußte. Der Völker­bund wurde zu dem Zwecke geschaffen, Uneben­heiten auszugleichen und künftige Kriege zu ver­meiden. Aber: Erstens Durften die besiegten Natio­nen in den ersten Jahren nicht als gleichberechtigte Partner im Völkerbund auftreten, zweitens waren die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland nicht vertreten. Der hauptsächliche Grund für das Fehl­schlagen war aber die Einfügung des tragischen Versailler Vertages in den Völkerbundspakt, wodurch sich der Völkerbund gerade in seiner ersten formgebenden Periode zu einem Mittel machte, die Ungerechtig­keiten und Die unerträglichen moralischen und mate­riellen Lasten, Die Die Sieger Den Besiegten auferlegt hatten, für unbestimmte Zeit fortzusetzen. SoDann stellte Welles sich voll und ganz auf d i e Seite Deutschlands hinsichtlich Der Zerreißung Des Versailler Diktates, inDem er feier­lich erklärte:

Wir sollten in den Jahren seit dem Ver­sailler Vertrag gelernt haben, daß ein dau­ernder Friede nicht auf Rachege­fühlen aufgebaut werden kann, daß Millionen von Menschen nicht gezwungen wer­den können, einer hoffnungsvollen Zukunft ins Auge zu sehen, daß man von ihnen nicht er­warten kann, ihr ganzes Leben der Aufgabe zu widmen, Reparationen zu leisten für die an­geblichen oder tatsächlichen Sünden der Führer einer früheren Generation in ihrem Vater­lande. Männer und Frauen, die in solche Lage gedrängt werden, haben stets und werden stets die erste Gelegenheit ergreifen, um sich von

macht bereitwillig gegenüber steht. So ist das unter Hayashi geschaffenePlanungsam t", rin vom Militär besonders gewünschtes Organ zur Vorbe­reitung weit reichender innerer Reformen, bei be­halten worden und durch Den Dem Militär sehr genehmen Hirota besetzt worben. Auch Der Wunsch Der Wehrmacht nach einemGesunDheits- m i n i ft e r i u m", um Dem beDenklichen Sinken Der GesunDheit Der japanischen Wehrpflichtigen Einhalt zu tun, roirD von Der neuen Regierung erfüllt.

Der vom Militär so scharf abgelehnte Außen­minister Sato ist Durch Den ehemaligen Außen­minister unD MinisterpräsiDenten Hirota ersetzt worDen. Es Darf nicht vergessen roerDen, Daß unter Hirotas MinisterpräsiDentschaft Das Deutsch-ja­panische Abkommen unterzeichnet mürbe; daß unter seiner Führung bes Auswärtigen Amtes Diestarke Chinapolitik" Durchgeführt wurde und Der GrunDfatz, Daß JapanDer einzig stabilisierende Faktor Ostasiens fei", Gültigkeit erhielt. Und wenn auch Hirota manchen neuen Realitäten und verän-

solch unerträglicher Knechtschaft zu befreien. Ich glaube, daß die Leiden, an denen die Welt heute krankt, in erster Linie die fun­damentale Ursache haben, daß die Ungerech­tigkeiten und falschen Gebietsver­teilungen nach dem Weltkrieg nie berichtigt oder behoben worden sind, und diese Ursachen sind ganz offensicht­lich sowohl politischer wie wirtschaftlicher und finanzieller Ratur."

Was könne die amerikanische Regie­rung tun, um an ihrem Teil zum Wiederauf­bau eine gesunden und glücklicheren Welt beizutragen, fragte nun Welles. Amerika unterbreite ein weitzügiges Programm, an Dem mitzuarbeiten es voll bereit fei:

1. Vertragstreue bezüglich der freiwillig einge­gangenen internationalen Verpflichtungen;

2. Abschaffung oder Milderung der zahllosen künstlichen Schranken im Welthandelsverkehr;

Bromberg, 7. Juli. (DNB.) Im Prozeß ge­gelt Die 22 angeklagten Mitglieder der Deutschen Vereinigung in Könitz sand Die erste VerhanD- lung statt. Die Anklageschrift versucht, neben Den bereits mitgeteilten Vorwürfen Darzustellen, Daß Die von Der Deutschen Vereinigung betriebene Ju- genDarbeit nicht im Einvernehmen mit Den Sat­zungen Dieser Deutschen Organisation gestanDen habe. Die Anklage versucht ferner, durch Einzel­heiten Darzustellen, Daß Die gemeinschaftliche LanD- arbeit in Kensau illegal gewesen wäre und Die Voraussetzung für eine Bestrafung nach Artikel 165 Des polnischen Strafgesetzbuches, Der Den Begriff Der GeheimbünDelei umfaßt, gegeben fei. Vor allen Dingen wird versucht, Den Nachweis zu erbringen, Daß man in Kensau im Rahmen eines straff orga­nisierten Lagerbetriebes systematische Schulung be­trieben habe.

Die Vernehmung der einzelnen Angeklagten er­gibt, daß eine einheitliche Ausrichtung, wie sie von der Anklageschrift Den Angeklagten vor­geworfen roirD, in Kensau nicht beftanDen habe. Der Angeklagte Armin D r o ß hebt hervor, Daß es ihm Daran gelegen sei. Die städtische arbeits­lose Deutsche JugenD mit Der länDlichen bekannt­zumachen. Er und seine FreunDe hätten Die Absicht gehabt, den Schwestern Wehr materiell DaDurch zu helfen, daß ihnen billige Arbeitskräfte zur Be­stellung bes großen ©artens zur Verfügung gestellt mürben, ferner Den Teilnehmern bie Möglichkeit zu geben, nach langer Arbeitslosigkeit wie­her Beschäftigung zu haben. Den stäbtischen Teilneh­mern sollte bei dieser Landarbeit die Möglichkeit gegeben werden, sich auch körperlich zu erholen.

Im wesentlichen ergab bie Aussage ber Teilneh­mer, baß etwas anberes nicht beabsichtigt und auch nicht ftattgefunben hat. Die An­klage will bagegen in ber Feier bes Geburtstages bes Kanzlers Des Deutschen Reiches, ADolf Hitler, und in gemeinsamen BunD- unD Spielabenden Das Bestehen eines Lagers mit systematischer Schulung erblicken. Die bereits seit Drei Monaten in Haft befindlichen Geschwister Wehr führen basselbe aus, ebenso Dr. Gero Frhr. von Gersborff, einer der Hauptangeklagten. Sämtliche Angeklagten er­klären, baß sie unschuldig seien unb sich kei­ner strafbaren Hanblung bewußt wären. Die Ver- teibigung beanftanbet bie Art der Vernehmung ber Angeklagten.

berten Machtverhältnissen in Asien unb Europa Rechnung tragen muß, so wirb er bennoch außen­politisch bie Fühlung mit ben Wünschen ber Wehr­macht ebenso aufrecht erhalten, wie er es vor zwei Jahren getan hat. .

Es ist kaum anzunehmen, baß Die Parteien Der Regierung erhebliche Schwierigkeiten bereiten roerDen. Aeußerlich finD sie zwar ungehalten über ihre geringe Vertretung im Kabinett. In Wirklich­keit aUerhings Dürfen sie froh sein, einem weiteren Frontalzusammenstoß mit Der Armee oei Der kom- menDen außerorDentlichen Reichstagssitzung entron­nen zu sein. AußerDem leben sie auch heute noch in Der ftänDigen Furcht einer von Regierungskreisen geförDerten neuen P a r t e i g r ü n D u n g. Von änDerer Seite her tauchen weit schwerere Probleme für Die Regierung auf. Die bisherige Aufrüstung hat schon heute sehr akute w i r t s ch a f t l i ch e :i n D finanzielle Schwierigkeiten hervorgeru­fen. Die ungenügende RohstoffgrunDlage Japans ist zu einer offenen Rohstoffkrisis geworben. Ter

vom Stanbpunkt Der Aufrüstung unzureichende in­dustrielle Apparat, hat zu außerordentlichen Preis­steigerungen und einer besorgniserregenden Passivi­tät der Handelsbilanz geführt. Und endlich begin­nen Schwierigkeiten deutlich zu werden, die Fi- nanzierungsansprüche der Rüstungsindustrie unb gleichzeitig bie Unterbringung wachsenber innerer Staatsanleihen miteinanber in Einklang zu bringen. Die sozialen Folgen aber biefer Erscheinung setzen sich ebenfalls heute burch.

Als eine ber eben erwähnten Folgen nimmt bie soziale Massenpartei" in erstaunlichem Umfange zu. Die Sorgen bes Alltags treiben bie Arbeiter, Kleinhänbler unb Intellektuellen in ihre Reihen. Auf ber anberen Seite beginnen sich Die rechtsradikalen Kreise zu sammeln, kün- Den Den alten Parteien und besonders Der neuen auffteigenDenlinken Partei" Den schonungslosen Krieg an. Der Gegensatz zwischenlinks und rechts" öffnet sich deutlicher als bisher. Schließlich meldet die Marine, Die bisher in ihrem Aufrüstungs-