Nr. 156 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Donnerstag, 8. Zull 1957
Eriche,n, lüg ttch. autz« Sonntag» and Feiertag» Beilagen: Vie 3Ilu|tnerte Gießener Familienblattei Heimat im Bild Die Scholl» monatsiBesngsprets;
Mit 4 ‘Beilagen RM. 1.8b Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ —25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe
unter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger <5ief$cn Postscheckkonto.
Frankfurt am Main 11686
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfttats Such- und Steindruckerei R. Lange tn Stehen. Schristleitung und Seschaftrftelle: Zchulstrahe 7
Annahme von Anzeige« für Die Mittagsnummer bis 8*/.Uhr des Vormittag»
Grundpreise für 1 mm Höhe
für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von70mm Breite 50 Rps.,PIatzvorschrist nach vorh Vereinbg.25°^ mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins», gemein« nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
„Oer Versailler Vertrag ist die Grundlage aller europäischen Schwierigkeiten" Sensationelle Rede des amerikanischen Ltnterstaatssekretärs Welles.
Deutschlands Absage an Versailles war richtig.-Amerika zu internationaler Mitarbeit bereit, wenn Europa vernünftig ist.
Der Konitzer Prozeß.
Blutjunge Angehörige der deutschen Volksgruppe in Polen zu harten Gefängnisstrafen verurteilt.
3. Begrenzung und spätere Herabminderung der Rüstungen;
4. häufige Besprechungen zwischen den Vertretern der Regierungen sowie freier Meinungsaustausch.
Amerika könne sich den Folgen eines fremden Krieges nicht entziehen und wolle daher weitgehend an der Verhinderung eines solchen mithelfen. Es sei froh darüber, daß die in Buenos Aires geschlossenen Friedensverträge vom Bundessenat ratifiziert worden seien und daß das Britische Weltreich jetzt dem Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten freundlich gegenüberstehe.
Wenn nun die europäischen Rationen ihrerseits die politischen Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages berichtigten,
so werde die amerikanische öffentliche Meinung sicherlich in ihrer überwältigenden Mehrheit die Mitarbeit Amerikas mit den übrigen Nationen an der Befriedung der Welt billigen.
Ein befremdliches Urteil.
Warschau, 8,. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Bezirksgericht in Könitz hat am Mittwochabend nach zweitägiger Verhandlung einen Prozeß mit der Verurteilung von 22 polnischen Staatsangehörigen deutscher Nationalität abgeschlossen, die beschuldigt werden, auf dem Gut K e ns a u im Kreise Tuchel ein Lager nach dem Muster der reichsdeutschen Arbeitsdienstlager organisiert bzw. daran teilgenommen zu haben, wobei sie angeblich seinen Zweck und sein Bestehen vor den Aufsichtsbehörden geheimgehalten haben. Dort hätten, sie eine Schulungsarbeit in einem für den polnischen Staat feindlichen Sinne betrieben. Obwohl die Verhandlung keinen Beweis für diese letzten Anschuldigungen brachte, erkannte der Richter die Angeklagten für schuldig. Es wurden wegen Geheimbündelei verurteilt.
1. Georg K l i e m e k, der das Lager geleitet haben soll, zu 2 Jahren Gefängnis.
2. Armin D r o ß , Mitglied des Hauptvorstandes Der deutschen Vereinigung, der an der Organisation des Lagers beteiligt gewesen sein soll, zu 20 Monaten Gefängnis.
3. Liselotte F r e i m a n n, Gero von Gers- dorff und Günther Krüger, die an der Organisation des Lagers teilgenommen haben sollen, zu je 15 Monaten Gefängnis.
4. Die Besitzerinnen des Restgutes Kenfau, auf dem der größere Teil der Angeklagten zu Gartenarbeiten verpflichtet war, Auguste und Margarethe Wehr, beide an der Grenze des Greisenalters, zu je 10 Monaten Gefängnis.
5. Gerhard Schulz, Willi Mittelftedt^ Walter Anklam und Ulrich A l t f ch ö l e r zu je acht Monaten Gefängnis wegen Teilnahme an dem Lager:
6. Heinz B a n n a ch , Hans Rosenberg, Paul Falkenberg, Bruno Hundt, Walter Ebers- meyer, die Teilnehmer für das Lager geworben haben sollen, zu je sechs Monaten Arrest:
7. Gerhard Marks, Fritz Grzybinski, Alfred F e ch n e r und Otto Saun, zu je fünf Monaten Arrest;
8. die 17jährigen helmuth Adam und Willi Brunk zum Aufenthalt in einer Besserungsanstalt mit dreijähriger Bewährungsfrist.
Die Verteidigung hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Japans neues Kabinett der Sammlung.
Von unserem 3R S.-Berichterstaiter.
Nachdruck verboten!
Tokio, Ende Juni 1937.
Die Berufung des Präsidenten des Oberhauses, Prinzen Fumimaro K o n o e zum Nachfolger des so erfolglosen Generals hayashi hat in allen Schichten der Bevölkerung große Befriedigung ausgelöst. Kanoe, ein Verwandter des Kaiserhauses und ein Nachkomme altjapanischen Hochadels, genoß gutes Ansehen in allen politisch und wirtschaftlich interessierten Kreisen wegen seines ruhigen Urteils seines diplomatischen Gefchickes als Präsident des Oberhauses und nicht zuletzl wegen seiner modernen Methoden. Zum Beispiel bediente er sich zum ersten Male bei der Kabinettsbildung des, Telephons, und am Abend nach erfolgreicher Kabinettsbildung wandte er sich über den Rundfunk an das Volk uno bat es, indem er in großen Zügen die Richtlinien seiner Regierung darlegte, um tatkräftige Mitarbeit am Wohle der Gesamtnation.
Zu glauben, daß der General hayashi durch die Gegnerschaft der Reichtstagsparteien gestürzt worden ist, entspricht nicht ganz den Tatsachen. Deren Anteil kann nur darin gesehen werden, daß sie der nahezu alle Schichten der Bevölkerung umfassenden Ablehnung hayashis organisierten Ausdruck gegeben hatten. Doch erst nachdem sich der Kriegsminister Sugiyama während einer längeren Informationsreise durch die wichtigsten Wirtschaftsgebiete Japans von der tatsächlich vorhandenen Tiefe und Breite der Gegnerschaft zu hayashi, dem Mann der japanischen Armee, überzeugt hatte, ließ die Armeeführung ihn fallen.
Prinz Konoe hat aus den Fehlern seines Vorgängers hayashi für die Bildung und für die zukünftige Politik seines Kabinettes eine Reihe wichtiger Folgerungen gezogen. Er berief je ein Mitglied der beiden Mehrheitsparteien in fein Kabinett. Von der Minfeito nahm er den Präsidenten der Partei, Herrn N a g a i als Verkehrsminister in sein Kabinett auf; von der Seiyu- kai dein bekannten Industriellen und Pionier der japanischen Flugzeugindustrie Herrn Nakajima als Eisenbahnminister. In den Regierungen der letzten Jahre war es wegen des schroffen Widerstandes der Armee unmöglich, Parteimänner mit einzubeziehen. Diesmal tat es Konoe, ohne auf merkbaren Widerstand zu stoßen.
Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt erklärte Konoe in einer Regierungserklärung, daß der wichtigste Grundsatz seiner Regierungstätigkeit darin beruhen würde, die seit längerer Zeit durch das heroortreten scharfer Gegensätze verlorengegangene Zusammenarbeit des Volkes und der politischen Kräfte des Landes, wiederherzustellen. Und um seiner Absicht Nachdruck zu verleihen, verlangte er in der ersten Kabinettssitzung von seinen Ministern, die den drei anerkannten politischen Kräften Japans, nämlich den Parteien der Staatsbürokratie und der Wehrmacht angehören, auf die Durchfechtung ihrer Meinungsverschiedenheiten zu verzichten.
Diese hier zum Ausdruck gebrachten Anschauungen und Forderungen des Prinzen entsprechen nicht nur einem gewissen innenpolitischen Ruhebedü.-snis. Sie sind der Ausdruck der seit Jahrzehnten gültigen, von den „älteren Staatsmännern" und dem „Kreise der engeren Berater um den Thron" : ertretcnen Grundsätze. Prinz Konoe ist selbst ein Mitglied dieses Beraterkreises auf Grund seiner Verwandtschaft mit dem kaiserlichen Hause. Außerdem Hal er sich selbst mehrmals als „geistigen Sohn" des alten „Genro" des Fürsten Saionji bezeichnet, unter dessen Einfluß und politischer Führung er seit langen Jahren steht. Sicher bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Ansichten Konoes und seines fast doppelt so alten „geistigen Vaters". Der eine Grundsatz ist ihnen aber gemeinsam, nämlich daß drei anerkannten politischen Kräfte an der jeweiligen Staatsführung nur im Umfange des Ermessens des Kaisers, das heißt seiner ihn umgebenden Berater Anteil haben dürfen. Pr.nz Konoe hat mehrmals die japanische Verfassung dahingehend ausgelegt, daß über allen nolitischen Auseinandersetzungen zwischen den Parte en, der Staatsbürokratie und den Vertretern der Wehrmacht als höchste entscheidende Autorität der Thron steht, der nahezu immer nur durch „den >ngen Kreis der Berater um den Thron" eingreift.
Daß der gerade seit den blutigen Ereignissen vom Februar 1936 so heiß enbrannte Kampf für oder gegen eine „autoritäre Regierung" so vlötzlich und ohne Erschütterungen abgebrochen werden konme, wird erst von dieser dem japanischen Volke eigenen politischen Auffassung aus verständlich. Es wird auch verständlich, weshalb die Armee, die stärkste Ver- treterin der Forderung nach einer „antiparlamentarischen, autoritären Regierungsführung" sich ohne Schwierigkeiten in das Sammlungskabinett des Prinzen Konoe einordnete. Denn hier handelte es sich nicht wie so oft in Europa um prinzipielle Grundfragen des staatlichen Lebens, sondern um Zweckmäßigkeitsfragen, die von „höherer Warte" je nach den Umständen entschieden werden. Bisher allerdings hat es diese „höhere Warte" bewußt vermieden, einer der drei politischen Kräfte eine diktatorische Vormachtstellung und damit die Bildung einer „autoritären Regierung" zu gestatten.
Die heutige Regierung wird kaum mit Schwierigkeiten von feiten Der Armee zu rechnen haben. Besonders deshalb nicht, weil Konoe, rot? feine Vorgänger, im Rahmen des „denkbar Möglichen" d i e Mittel zur Aufrüstung Japans zur Verfügung stellen wird. Auch in anderer Beziehung hat Konoe gezeigt, daß er den Wünschen der Wehr-
Washington, 8. Juli. (DNB.) Unterstaatssekretär Welles hielt am Mittwoch vor dem Institute of Public Affairs in Charlesville im Rahmen einer allsommerlichen Vortragsreihe der Universität des Staates Virginia einen Vortrag. Er1 gab in seiner Rede eine sehr bedeutsame offene Dar- \ legung der amerikanischen Stellung-^ nähme zur europäischen politischen Sage, Der um so größere Wichtigkeit beizumessen ist, ' als seine Ausfühungen dem Präsidenten Roosevelt und Außenminister Hüll Vorgelegen haben dürften.
Die Ausführungen Welles' gingen aus von den Ergebnissen der britischen Weltreichskonferenz und namentlich von den Verhandlungen mit dem belgischen Ministerpräsidenten van Zeeland in Washington. Welles bezeichnete zunächst Spanien als das Schlachtfeld, auf dem zwei einander feindliche Weltanschauungen sich bekämpfen. Er stellte fest, es sei nirgendwo ein diplomatisches Geheimnis, daß die Vertreter dieser widerstreitenden Weltanschauungen während der ganzen Dauer des spanischen Konfliktes der einen oder der anderen Seite in irgendeiner Form Beistand geleistet hätten. Amerika habe sich von Anfang an aus diesem Konflikt herausgehalten und durch ein Gesetz verhindert, daß Freiwillige, Kriegsmaterial oder geldliche Unterstützungen an die kriegführenden Parteien in Spanien geliefert würden. Leider werde, solange die Mächte, die mit der einen oder der anderen Seite sympathisierten, sich nicht streng jeder Einmischung enthielten, die Welt auf Gnade und Ungnade dem Zufall ausgeliefert sein, der durch irgendeinen Zwischenfall einen internationalen Krieg herbeiführen könne.
Aber, so betonte Welles dann, der spanische Krieg ist nur ein äußeres Anzeichen der Krankheit, an der die Well leidet, ist nicht die Krankheit selbst. Schuld ist der Versailler Vertrag, der die Besiegten zu minderwertigen Rationen stempelte und ihnen jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft raubte.
Die Ungerechtigkeit und die falsche Begründung der Bestimmungen des Friedensvertrages waren der Hauptgrund für das Chaos, das dem Weltkrieg folgte und folgen mußte. Der Völkerbund wurde zu dem Zwecke geschaffen, Unebenheiten auszugleichen und künftige Kriege zu vermeiden. Aber: Erstens Durften die besiegten Nationen in den ersten Jahren nicht als gleichberechtigte Partner im Völkerbund auftreten, zweitens waren die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland nicht vertreten. Der hauptsächliche Grund für das Fehlschlagen war aber die Einfügung des tragischen Versailler Vertages in den Völkerbundspakt, wodurch sich der Völkerbund gerade in seiner ersten formgebenden Periode zu einem Mittel machte, die Ungerechtigkeiten und Die unerträglichen moralischen und materiellen Lasten, Die Die Sieger Den Besiegten auferlegt hatten, für unbestimmte Zeit fortzusetzen. SoDann stellte Welles sich voll und ganz auf d i e Seite Deutschlands hinsichtlich Der Zerreißung Des Versailler Diktates, inDem er feierlich erklärte:
„Wir sollten in den Jahren seit dem Versailler Vertrag gelernt haben, daß ein dauernder Friede nicht auf Rachegefühlen aufgebaut werden kann, daß Millionen von Menschen nicht gezwungen werden können, einer hoffnungsvollen Zukunft ins Auge zu sehen, daß man von ihnen nicht erwarten kann, ihr ganzes Leben der Aufgabe zu widmen, Reparationen zu leisten für die angeblichen oder tatsächlichen Sünden der Führer einer früheren Generation in ihrem Vaterlande. Männer und Frauen, die in solche Lage gedrängt werden, haben stets und werden stets die erste Gelegenheit ergreifen, um sich von
macht bereitwillig gegenüber steht. So ist das unter Hayashi geschaffene „Planungsam t", rin vom Militär besonders gewünschtes Organ zur Vorbereitung weit reichender innerer Reformen, bei behalten worden und durch Den Dem Militär sehr genehmen Hirota besetzt worben. Auch Der Wunsch Der Wehrmacht nach einem „GesunDheits- m i n i ft e r i u m", um Dem beDenklichen Sinken Der GesunDheit Der japanischen Wehrpflichtigen Einhalt zu tun, roirD von Der neuen Regierung erfüllt.
Der vom Militär so scharf abgelehnte Außenminister Sato ist Durch Den ehemaligen Außenminister unD MinisterpräsiDenten Hirota ersetzt worDen. Es Darf nicht vergessen roerDen, Daß unter Hirotas MinisterpräsiDentschaft Das Deutsch-japanische Abkommen unterzeichnet mürbe; daß unter seiner Führung bes Auswärtigen Amtes Die „starke Chinapolitik" Durchgeführt wurde und Der GrunDfatz, Daß Japan „Der einzig stabilisierende Faktor Ostasiens fei", Gültigkeit erhielt. Und wenn auch Hirota manchen neuen Realitäten und verän-
solch unerträglicher Knechtschaft zu befreien. Ich glaube, daß die Leiden, an denen die Welt heute krankt, in erster Linie die fundamentale Ursache haben, daß die Ungerechtigkeiten und falschen Gebietsverteilungen nach dem Weltkrieg nie berichtigt oder behoben worden sind, und diese Ursachen sind ganz offensichtlich sowohl politischer wie wirtschaftlicher und finanzieller Ratur."
Was könne die amerikanische Regierung tun, um an ihrem Teil zum Wiederaufbau eine gesunden und glücklicheren Welt beizutragen, fragte nun Welles. Amerika unterbreite ein weitzügiges Programm, an Dem mitzuarbeiten es voll bereit fei:
1. Vertragstreue bezüglich der freiwillig eingegangenen internationalen Verpflichtungen;
2. Abschaffung oder Milderung der zahllosen künstlichen Schranken im Welthandelsverkehr;
Bromberg, 7. Juli. (DNB.) Im Prozeß gegelt Die 22 angeklagten Mitglieder der Deutschen Vereinigung in Könitz sand Die erste VerhanD- lung statt. Die Anklageschrift versucht, neben Den bereits mitgeteilten Vorwürfen Darzustellen, Daß Die von Der Deutschen Vereinigung betriebene Ju- genDarbeit nicht im Einvernehmen mit Den Satzungen Dieser Deutschen Organisation gestanDen habe. Die Anklage versucht ferner, durch Einzelheiten Darzustellen, Daß Die gemeinschaftliche LanD- arbeit in Kensau illegal gewesen wäre und Die Voraussetzung für eine Bestrafung nach Artikel 165 Des polnischen Strafgesetzbuches, Der Den Begriff Der GeheimbünDelei umfaßt, gegeben fei. Vor allen Dingen wird versucht, Den Nachweis zu erbringen, Daß man in Kensau im Rahmen eines straff organisierten Lagerbetriebes systematische Schulung betrieben habe.
Die Vernehmung der einzelnen Angeklagten ergibt, daß eine einheitliche Ausrichtung, wie sie von der Anklageschrift Den Angeklagten vorgeworfen roirD, in Kensau nicht beftanDen habe. Der Angeklagte Armin D r o ß hebt hervor, Daß es ihm Daran gelegen sei. Die städtische arbeitslose Deutsche JugenD mit Der länDlichen bekanntzumachen. Er und seine FreunDe hätten Die Absicht gehabt, den Schwestern Wehr materiell DaDurch zu helfen, daß ihnen billige Arbeitskräfte zur Bestellung bes großen ©artens zur Verfügung gestellt mürben, ferner Den Teilnehmern bie Möglichkeit zu geben, nach langer Arbeitslosigkeit wieher Beschäftigung zu haben. Den stäbtischen Teilnehmern sollte bei dieser Landarbeit die Möglichkeit gegeben werden, sich auch körperlich zu erholen.
Im wesentlichen ergab bie Aussage ber Teilnehmer, baß etwas anberes nicht beabsichtigt und auch nicht ftattgefunben hat. Die Anklage will bagegen in ber Feier bes Geburtstages bes Kanzlers Des Deutschen Reiches, ADolf Hitler, und in gemeinsamen BunD- unD Spielabenden Das Bestehen eines Lagers mit systematischer Schulung erblicken. Die bereits seit Drei Monaten in Haft befindlichen Geschwister Wehr führen basselbe aus, ebenso Dr. Gero Frhr. von Gersborff, einer der Hauptangeklagten. Sämtliche Angeklagten erklären, baß sie unschuldig seien unb sich keiner strafbaren Hanblung bewußt wären. Die Ver- teibigung beanftanbet bie Art der Vernehmung ber Angeklagten.
berten Machtverhältnissen in Asien unb Europa Rechnung tragen muß, so wirb er bennoch außenpolitisch bie Fühlung mit ben Wünschen ber Wehrmacht ebenso aufrecht erhalten, wie er es vor zwei Jahren getan hat. .
Es ist kaum anzunehmen, baß Die Parteien Der Regierung erhebliche Schwierigkeiten bereiten roerDen. Aeußerlich finD sie zwar ungehalten über ihre geringe Vertretung im Kabinett. In Wirklichkeit aUerhings Dürfen sie froh sein, einem weiteren Frontalzusammenstoß mit Der Armee oei Der kom- menDen außerorDentlichen Reichstagssitzung entronnen zu sein. AußerDem leben sie auch heute noch in Der ftänDigen Furcht einer von Regierungskreisen geförDerten neuen P a r t e i g r ü n D u n g. Von änDerer Seite her tauchen weit schwerere Probleme für Die Regierung auf. Die bisherige Aufrüstung hat schon heute sehr akute w i r t s ch a f t l i ch e :i n D finanzielle Schwierigkeiten hervorgerufen. Die ungenügende RohstoffgrunDlage Japans ist zu einer offenen Rohstoffkrisis geworben. Ter
vom Stanbpunkt Der Aufrüstung unzureichende industrielle Apparat, hat zu außerordentlichen Preissteigerungen und einer besorgniserregenden Passivität der Handelsbilanz geführt. Und endlich beginnen Schwierigkeiten deutlich zu werden, die Fi- nanzierungsansprüche der Rüstungsindustrie unb gleichzeitig bie Unterbringung wachsenber innerer Staatsanleihen miteinanber in Einklang zu bringen. Die sozialen Folgen aber biefer Erscheinung setzen sich ebenfalls heute burch.
Als eine ber eben erwähnten Folgen nimmt bie „soziale Massenpartei" in erstaunlichem Umfange zu. Die Sorgen bes Alltags treiben bie Arbeiter, Kleinhänbler unb Intellektuellen in ihre Reihen. Auf ber anberen Seite beginnen sich Die rechtsradikalen Kreise zu sammeln, kün- Den Den alten Parteien und besonders Der neuen auffteigenDen „linken Partei" Den schonungslosen Krieg an. Der Gegensatz zwischen „links und rechts" öffnet sich deutlicher als bisher. Schließlich meldet die Marine, Die bisher in ihrem Aufrüstungs-


