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Ur. 105 Erstes Blatt
181. Jahrgang
Samstag, 8. Mai 1937
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Teilnahme, Bewunderung und Vertrauen in aller Welt
des bekannten französischen Luftschiffkonstrukteurs und -führers Henry Kapferer, der trotz des tragischen Endes des deutschen Luftschiffes „Hindenburg" nachdrücklich unterstreicht, man müsse i n d i e
Und dennoch!
Ueber den Schmerz und das herzliche Mitgefühl, die jeder Deutsche bei der Schreckensnachricht über das Luftschiff „Hindenburg" empfand, ist kein Wort zu verlieren. Diese silbern glänzenden Wunderwerke, die wir auf ihren Deutschland-Fahrten immer wieder mit einem Gemisch aus stürmischer Begeisterung und Bewunderung unter dem tiefen Orgelton ihrer vieltausendpferdigen Motoren dahinziehen sahen, sind den Deutschen schon seit jenem 5. August 1908 ans Herz gewachsen, als höhere Gewalt das Luftschiff des Grafen Zeppelin nach seiner ersten großen Fahrt bei Echterdingen im Sturm zerstörte. Diese geradezu liebevolle Zuneigung der Deutschen zu dem Werk von Friedrichshafen konnte mit jedem neuen Luftriesen, der die dortigen Hallen verließ, nur noch wachsen, und wenn wir uns bei dem bitteren Ende des „Hindenburg" daran erinnern, daß in der größten der Friedrichshafener Hallen schon wieder das nächste „LZ" vor der Vollendung steht, noch größer als der „Hindenburg", noch schöner, noch moderner, dann haben wir ein bestimmtes Gefühl, daß jener Neubau gewissermaßen schon die Antwort an ein blindes Schicksal ist, und daß wir die Fortsetzung des Lebenswerkes Zeppelins und seiner Mitarbeiter nun geradezu als eine gemeinsame Ehrensache aller Deutschen ansehen.
Ist auch über die eigentliche Ursache der Katastrophe vorläufig Abschließendes noch nicht zu sagen, so steht angesichts der unzähligen Reisen von Zeppelin-Luftschiffen aller Art mit ihrer von der ganzen Welt bewunderten absoluten Zuverlässigkeit und mit ihrer geradezu fahrplanmäßigen Pünkllichkeit schon jetzt fest, daß auch die geringste Nachlässigkeit oder ein Fehler in der Führung und Handhabung des Luftschiffes als ausgeschlossen erscheint. Mit vollem Recht sprach Kapitän Lehmann, der mit rauchgeschwärztem Gesicht aus dem Feuer gerettet wor- den war, die Worte: „Ich kann es nicht ver* * stehen ...", dann brach er bewußtlos zusammen und ist nun im Krankenhaus allen anfangs gehegten Hoffnungen auf sein Aufkommen zum Trotz verschieden. Die deutsche Untersuchungskommission, die sich sofort nach Amerika auf die Reise gemacht hat, wird mit äußerster Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit alle Momente prüfen, die zur Aufklärung der Katastrophe führen könnten. Die Kommission kann dabei der Unterstützung aller amerikanischen Dienststellen sicher sein, nachdem schon bei der Katastrophe selbst die Amerikaner in der energischsten urtb hilfreichsten Weise eingegriffen haben.
Was Menschenkraft und Menschengeist zu erdenken vermochten, ist schon an den bisherigen Zeppelinluftschiffen auf dem Gebiet der technischen Durchbildung und der Betriebssicherheit getan worden; der beste Beweis ist ja schon allein die Tatsache, daß ja auch heute noch das Luftschiff „Graf Zeppelin", das vom Augenblick der Vollendung des „Hindenburg" an im Munde einer allzu schnelllebigen Zeit als „das alte" zu gelten begann, noch immer seine Fahrten mit der gewohnten Präzision durchführt. Auch die elfte Amerika-Reise des „Hindenburg" und viele weitere wären glücklich von- statten gegangen, wenn nicht ein nach menschlichem Ermessen unberechenbarer unglücklicher Zufall oder höhere Gewalt seinen Fahrten ein Ende gesetzt hätte. Die Erwartungen der Welt gegenüber den Leistungen der deutschen Luftschiffe stiegen mit der Vollendung jedes einzelnen dieser Luftriesen — regelmäßig wurden diese Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern immer noch übertroffen; nicht umsonst schnellten die Zahlen der Passagiere sowie der Post- und Lastenbeförderung sprunghaft in die Höhe. Mit uns Deutschen kann sich die Umwelt darauf ver/as- sen, daß auch das bald vollendete neue Luftschiff in Friedrichshafen selbst „Hindenburg" in seinen Leistungen und in seiner Betriebssicherheit noch übertreffen wird.
Veileidskundaebungen aus aller Welt.
Berlin, 7. Mai. (DNB.) Außer dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika haben Ihre Majestäten König C h r i st i a n von Dänemark, König Haakon von Norwegen, König F a- r u k von Aegypten, Seine Durchlaucht Reichsverweser von H o r t h y sowie die Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik und der Republik von San Domingo dem Führer und Reichskanzler telegraphisch ihre tiefempfundene Anteilnahme an dem Unglück des Luftschiffes „Hindenburg" zum Ausdruck gebracht. Der Führer und Reichskanzler hat feinen Dank hierfür telegraphisch übermittelt. In aller Welt sind bei den deutschen diplomatischen Vertretungen Beileidskundgebungen der fremden Staatsmänner eingegangen. Auch weite an der Entwicklung der Luftschiffahrt interessierte ausländische Kreise haben sich der Trauer des deutschen Volkes angeschlossen. In Paris hat der Präsident der Republik, Lebrun, bei der Vorstellung der deutschen Reiteroffiziere im Elysse dem deutschen Botschafter Grafen W e l - c z e k sein Beileid zum Ausdruck gebracht und ihn gebeten, es dem Führer zu übermitteln. In der Kammer hat Ministerpräsident Leon Blum das Mitgefühl Frankreichs zu dem Zeppelinunglück in Lake- hurst zum Ausdruck gebracht. Der Kammsrvor- sitzende erklärte, das Haus schließe sich den Worten des Ministerpräsidenten an und drücke dem deutschen Volk sein Mitgefühl aus. Außenminister D e l b o s hat sein Beileid dem deutschen Botschafter in Paris persönlich übermittelt. Luftfahrtminister Pierre C o t hat an Generaloberst Göring ein Telegramm ge
sandt, in dem es heißt, die französische Luftfahrt nehme tief erschüttert durch den Verlust des Zeppelins „Hindenburg" an dem Schmerz der deutschen Luftfahrt teil.
Außerdem sind beim Führer und Reichskanzler aus all en Teilen des Reiches und aus dem Auslande zahlreiche Telegramme und Zuschriften eingegangen, die die tiefste Anteilnahme an der Katastrophe, zugleich aber auch den Willen zum Bau eines neuen Luftschiffes „Hindenburg" zum Ausdruck bringen.
Weitere Beileidskundgebungen liegen vor vom Reichsluftfahrtminister Göring, sowie von den Ministern Dr. Goebbels, v. Blomberg, Dr. Frick, Ohnesorge und S e l d t e.
Das Beileid Mussolinis.
Berlin, 7. Mai. (DNB.) Der italienische Regierungschef Mussolini hat seine Anteilnahme an dem Unglück des Luftschiffs „Hindenburg" durch folgendes Beileidstelegramm zum Ausdruck gebracht:
„Die Nachricht vom Brande des „Hindenburg" hat in Italien eine tiefe Bewegung ausgelöst. In dieser Stunde schmerzlichen Mitgefühls für die be
freundete Nation steht das italienische Volk in besonderer Zuneigung eng verbunden mit dem deutschen Volk. Mussolin i."
Der Führer und Reichskanzler hat dem italienischen Regierungschef mit folgenden Worten telegraphisch gedankt:
„Für die überaus herzliche Anteilnahme, die Sie zugleich im Namen des befreundeten italienischen Volkes mir und dem Deutschen Reich in so wohltuender Weise zum Ausdruck gebracht haben, bitte ich Eure Exzellenz, meinen und des deutschen Volkes tiefempfundenen Dank entgegenzunehmen.
Adolf Hitler." ♦
Der Führer hat dem Präsidenten Roosevelt mit folgendem Telegramm gedankt:
„Euer Exzellenz danke ich aufrichtig für die herzlichen Worte der Teilnahme, die' Sie mir und dem deutschen Volke anläßlich des Unglücks ausgesprochen haben, dem das Luftschiff „Hindenburg" zum Opfer gefallen ist. (gez.) Adolf H i t l e r."
Dem Führer ist außerdem aus den Vereinigten Staaten eine große Anzahl von Beileidstelegrammen aus den verschiedensten Kreisen des amerikanischen Volkes zugegangen.
Rüpilän Lehmann seinen Verletzungen erlegen.
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Lakehurst, 8. Mai. (DNB.) Der Verlreler der Zeppelin-Gesellschaft teilt mit, daß Kapitän Lehmann im Hospital in Lakewood am Frei
tag um 23.05 Uhr Berliner Zeit seinen Verletzungen erlegen ist.
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Oberleutnant zur See d. R. Ernst Lehmann, Direktor der Deutschen Zeppelin-Reederei und Luftschiff-Führer, wurde 1886 in Ludwigshafen als Sohn des Chemikers Dr. Lehmann geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums war Lehmann 1905 bis 1906 Seekadett. Von 1906 bis 1912 widmete er sich dem Schiffbaustudium. 1912 bis 1913 wirkte er als Marinebauführer auf der kaiserlichen Marinewerft in Kiel. Im Kriege führte Lehmann die Armeeluftschiffe „Sachsen", „Z II", „LZ 90", „LZ 98" und „LZ 120". 1917 wurde Lehmann zum Lust» schiffbau Zeppelin als Leiter der Bauaufsicht kommandiert. Mit Dr. Eckener zusammen wirkte er als Lehrer bei der Ma'rineluftschiffabteilung. Von 1920 bis zum vorigen Jahre hatte er den Posten eines Prokuristen beim Luftschiffbau Zeppelin inne. Anschließend wurde er Direktor der Deutschen Zeppelin-Reederei. Lehmann hat etwa von 1928 bis jetzt fast alle Fahrten des „Graf Zeppelin" als verantwortlicher Kommandant mitgemacht. Mit Kapitän Lehmann ist ein Mann dahingegangen, der an der sicheren Ausgestaltung des Luftschiffverkehrs durch viele Jahre entscheidend mitgewirkt hat. Sein Andenken wird unvergeßlich bleiben.
Zukunft des Luftschiffes Vertrauen haben. Man müsse berücksichtigen, daß Luftschiffe, Flugzeuge, Schiffe und Eisenbahnen, ebenso zahlreiche wie unerklärliche Unglücksfälle aufzuweisen hätten. Das Luftschiff sei im Vergleich hierzu er st am Anfang seiner Entwicklung. Trotz des Verlustes an Menschenleben dürfe man den Mut nicht sinken lassen.
Die Turiner ,.G a z z e t t a del P o p o l o" hebt die bewunderungswürdige Haltung hervor, mit der das deutsche Volk den schweren Schlag ertrage. Es habe den Anschein, daß dieses Volk, anstatt unter dem Schlag zusammenzubrechen, daraus einen Grund.für neue Anstrengungen, neue Opfer und neue Energien gewinne, um auf dem vom Grafen Zeppelin vorgezeichneten Woge weiter zu schreiten. Die große argentinische Zeitung „La Nacion" hebt hervor, daß eines der vollkommensten Werke der Welt zerstört worden sei. Das Mißgeschick des deutschen Volkes, das von der ganzen Menschheit geteilt werde, werde keinesfalls zu Entmutigung oder Verzicht führen, schreibt die Zeitung „La P r e n s a". Die „Nc> ticias Graficas" bezeichnen das Luftschiff als ein Symbol der Errungenschaften der europäischen Zivilisation, dessen bewundernswerte Sicherheit allgemein anerkannt werde.
Ein Beileidstelegramm des Führers.
30000 Matk für die Familien der Befatzungsmiiglieder.
Berlin, 7. Mai. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hak an die Deutsche Zeppelin-Reederei folgendes Beileidstelegramm gerichtet:
„An dem schweren Schicksalsschlag, der Sie durch den Verlust des Luftschiffes „Hindenburg" und durch den Tod zahlreicher Mitglieder der Besatzung und Passagiere betroffen hat, nehme ich herzlichsten Anteil. Ich bitte Sie, den Familien der verunglückten Fahrgäste sowie den Hinterbliebenen der in treuer Pflichterfüllung ums Leben gekommenen Angehörigen Ihrer Reederei mein tiefempfundenes Beileid, den Verletzten meine Dünsche für baldige Dieder- herslellung auszusprechen.
Als erste Hilfe für die Familien der Besatzungs- Mitglieder stelle ich Ihnen den Betrag von 30 000 Mark zur Verfügung.
Gez.: Adolf Hitler."
Göring an die deuWe Luftfahrt.
Das große Opfer verpflichtet zu neuer Anstrengung.
Die presse aller Zungen setzt das größte Vertrauen
Berlin, 8. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die ausländische Presse befaßt sich in ausführlichen Arttkeln mit dem tragischen Verlust des „Hindenburg", wobei aufrichtiges Mitgefühl über die Katastrophe und höchste Anerkennung für die bisherigen Leistungen der deutschen Luftschiffe deutlich zum Ausdruck kommen. So heißt es in einem Leitartikel des „New Port American" u. a.: Die Herrschaft des Menschen über die Lust, die noch am Anfang der Entwicklung stehe, 'werde trotz, ja vielleicht gerade infolge solcher Tragödien errungen werden, die nur Kilometersteine des Fortschritts bedeuteten. Das Luftschiff „Hindenburg" hinterlasse ein stolzes Zeugnis der vollbrachten Leistung, die durch sein trauriges Ende nicht geschmälert worden sei.
Auch die englischen M o r g e n b I ä 11 e r bringen ihr aufrichtiges Mitgefühl mit dem nationalen Unglück zum Ausdruck. Verbunden mit der
tiefen und ehrlichen Anteilnahme wird die Bewunderung für die großartigen Leistungen Deutschlands auf dem Gebiet des Luftschiffbaues zum Ausdruck gebracht, die Zeitungen sind überzeugt, daß Deutschland unentwegt an der Weiterentwicklung dieses Verkehrsmittels arbeiten wird.
„D aily Telegraph" schreibt u. a.: Im Luftschiffbau ist Deutschland der Welt führend vorangegangen, und wir find überzeugt, daß dieses Werk nicht beendet ist. Der Fortschritt in der Eroberung der Luft wird weitergehen und wird in Deutschland durch den erlittenen Verlust wahrscheinlich eher gefördert als gehemmt werden. Die Gefühle, die durch eine solche Katastrophe erweckt werden, erinnern uns aber auch daran, daß d i e Bande der Menschlichkeit zwischen den Nationen stärker sind als die Feindseligkeit, die sie von Zeit zu Zett trennen.
Der Pariser „Figaro" veröffentlicht Erklärungen
Berlin, 7. Mai. (DNB.) Reichsminister der Luftfahrt Generaloberst Göring hat folgenden Aufruf erlassen:
An die Männer der deutschen Luftfahrt!
Ein harter Schicksalsschlag hat die deutsche Luftfahrt getroffen. Mit ihr gedenkt das ganze deutsche Volk in tiefer Trauer und Erschütterung der Opfer, die ihr Leben bei der Katastrophe unseres stolzen Luftschiffes „Hindenburg" lassen mußten. Sie waren wahrhafte Pioniere des Weltluftverkehrs und als solche leben sie für uns fort, die Besatzung, die pflichttreu bis zum Tode ihren Dienst erfüllt hat, und die P a f s a g i e r e, die durch ihr Vertrauen zum deutsch-amerikanischen Uebersee-Luftver- kehr dies große Werk mitfördern halfen. Dieses Vertrauen zu der so zahlreiche Male erprobten und bewährten Luftverbindung zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volk ist u n erschüttert. Wenn ein unerklärliches Schicksal uns so schwer getroffen hat, so find wir die letzten, die sich kleinmütig machen lassen. In der Not zeigt der Starke seine Kraft. So verpflichtet uns
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Unser Bild zeigt den „Hindenburg" auf dem Flugplatz von Lakehurst bei einer Landung im vergangenen Jahre. — (Scherl-M.)


