Nr.8I Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 8. April (937
Rekioraisübergabe an der Llniversiia'i Gießen.
Eindrucksvolle Feier des Semester-Eröffnungsappells in Gegenwart des Gauleiters.
Rektor und Senat der Ludwigs-Universität Gießen hatten für den gestrigen Mittwochoormittag zum semester-Eröffnungsappell eingeladen, mit dem diesnial die Uebergabe des Rektorats an den neuen Rektor, Se. Magnifizenz Prof Dr. Baader verbunden war. An der Feier nahmen zahlreiche Ehrengäste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliederungen, aus der Wehrmacht und der staatlichen und städtischen Behörden teil.
Der große Kreis der Freunde unserer Universität füllte gemeinsam mit den Studierenden die Neue Aula bis auf den letzten Platz, als Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, der bisherige und der neue Rektor, der Kanzler, die Dekane und die Dozenten den Saal betraten. Anschließend wurden die Fahnen feierlich eingebracht, die vor dem Rednerpult Aufstellung nahmen. Mit dem feierlichen Marsch aus „Herakles" von Händel, vorgetragen vom Collegium musicum unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Prof. Dr. Temesvary, fand der Appell einen weiteren feierlichen Auftakt.
Professor Dr. Walther Schultze als Führer des Dozentenbundes und der Dozentenschaft begrüßte sodann den Gauleiter mit einer Ansprache, in der er u. a. sagte:
Bor vier Jahren war es das letztemal, daß Sie, Gauleiter, in unseren Räumen weilten. In der Zwischenzeit hat sich an den deutschen Hochschulen manches geändert. Es ist alles entfernt worden, was undeutsch und morsch war. In Gießen ist durch zahlreiche Weg- und Neuberufungen ein großer Wechsel entstanden. Während wir noch vor einem Jahr weite Lücken im Lehrkörper zu verzeichnen hatten, sind diese jetzt ausgefüllt. Es sind nicht nur neue Gesichter gekommen, sondern es hat sich wirklich in vielem eine Wandlung vollzogen. Ich kann heute als Dozentenschafts- und Dozentenbundsführer Ihnen, Gauleiter, sagen, daß bei uns der ehrliche Wille vorhanden ist, das Beste für Volk und Staat zu leist e n. Gießen ist zwar der Besucherzahl nach eine der kleinsten Unioarsitäten, sie hat aber wie nur ganz wenige Hochschulen den großen Vorzug, daß durch eine früheinsetzende, weitschauende Hochschulpolitik hier eine wirkliche Universitas durchgebildet worden ist. Hier, wo die Möglichkeit engster Zusammenarbeit gegeben ist, kann auch für Wissenschaft und Forschung das Beste geleistet werden.
Ich begrüße mit allen Dozenten und Mitarbeitern der Universität es aufs herzlichste, daß Sie, Gauleiter, bei uns als Reichsstatthalter den Semesterantrittsappell eröffnen und den neuen Rektor einführen. W i r wollen, daß Sie an unserer Arbeit Freude haben und mit Stolz sagen können: „In meinem Dienstbereich ist die einsatzbereite, leistungsfähige Hochschule Gießen, auf die ich mich voll und ganz verlassen kann".
StudentenschastsführerFrank sagte dem Gauleiter besonderen Dank dafür, daß er an dieser Feier teilnehme, zu einem Zeitpunkt, da sich an den Universitäten eine neue Epoche anbahne. Die Arbeit, die an der Universität geleistet werde, gelte allein dem Führer und dem Volk. Die Gießener Studentenschaft grüße den Reichsstatthalter in Ehrerbietung und mit stolzer Freude. Es sei als eine symbolische Handlung zu werten, wenn der Gauleiter heute nach Gießen komme zu einer Zeit der Wende studentischen Lebens. Die Studentenschaft werde es sich stets angelegen sein lassen, im nationalsozialistischen Geiste Die Belange des deutschen Volkes zu vertreten. Und die Studentenschaft von heute werde ihre Pflicht erfüllen, wie jene von Langemarck. Bei aller eisernen Arbeit aber werde die Studentenschaft auch bemüht sein, sich einen fröhlichen und gesunden Geist zu erhalten Den Gauleiter bitte er, daß er der Arbeit der Studenten alle Unterstützung leihen möge. Die Studentenschaft gelobe Treue und eiserne Pflichterfüllung.
Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger bei seiner Rede. (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger
sprach nunmehr über die Ziele der Universitätsarbeit im nationalsozialistischen Staat. Er erinnerte an sein Verweilen in der Gießener Universität im Jahre 1933, bei dem er bereits im Umbruch die Forderung aufstellte, daß
die Gesinnung und die Leistung den Inhalt aller weiteren Arbeit ausmachen müssen
und betonte, daß die Hochschule am Anfang einer tausendjährigen neuen Epoche der deutschen Geschichte ihre besondere Aufgabe zu erfüllen hat. Eingehend behandelte er in diesem Zusammenhang die Schuld des Systems an der falschen Führerausbildung. Hier hat der Nationalsozialismus bereits eine grundlegende Aenderung durchgeführt.
Die Unmöglichkeit des Studiums für finanziell Minderbemittelte, die in der Vergangenheit eine nicht wegzuleugnende Tatsache war, wird durch den Aufbau der Adolf-Hitler-Schulen ausgelöscht sein. Diese Schulen stellen den Unterbau für die Hochschule dar.
Damit ist sichergestellt, daß die besten und gesündesten Jungen mit den hervorragendsten Lharakteranlagen zu den Hochschulen geführt werden. Die Anforderung an die Universität ist deshalb größer denn je, doch die einheitliche und geschlossene Führung wird auch dieser erhöhten Anforderung gewachsen sein.
Anschließend zeigte der Gauleiter die Entwicklung des Studentenbundes aus einer kleinen Kampfgemeinschaft zur Gliederung der Partei. Nach allen Gärungen innerhalb der Studentenschaft marschiert sie nun ausgerichtet und zielbewußt. Verantwortlich für ihr ganzes Tun ist sie einzig der P a r t e i. Er erinnerte dann an die erste Studentenversammlung im Jahre 1928, wo er zu den Versammelten von der Forderung sprach, erst das Reich zu erobern und sich danach über studentische Bräuche zu unterhalten. Ganze sechs Mann stellten sich damals dem Kampf der NSDAP, zur Verfügung. Daran ist am besten die Schwierigkeit zu erkennen, die es zu überwinden
Nach der Sicherung der Arbeit ist eine Rückschau nun nicht mehr erforderlich. Wenn jeder in dem vom Führer geforderten Sinn mitarbeitet, ist die Einheit innerhalb der Hochschule ebenso her- gestellt, wie draußen zwischen Partei und Volk.
Unter dem besonderen Beifall der versammelten Studenten und Dozenten machte der Gauleiter dann Mitteilung davon, daß der Appell an die Alten Herren, die NS.-Studentenkampfhilfe nicht ungehört verhallt ist: . H e s s e n - N a s s a u nimmt hierbeidie erste Stelle im ganzen Reich ein.
Der Gauleiter schloß mit den bestimmten Worten, daß im Nationalsozialismus, als der allumfassenden Weltanschauung, alles leben kann, es sei denn, daß es undeutsch ist und damit außerhalb unseres Volkes steht. Mit dem Dank an den scheidenden Professor Pfähler und Begrüßungsworten an den neuen Rektor Professor Baader war die Rektoratsübergabe vollzogen.
Im Anschluß an diese Worte wandte sich der Gauleiter an den bisherigen Rektor Prof. Dr. P s a h l e r und sagte ihm herzlichen Dank für seine innerhalb der zweieinhalb Jahre geleistete Arbeit und übermittelte ihm die besten Wünsche für die Fortführung feiner wissenschaftlichen Arbeit. Gauleiter Sprenger nahm sodann die Amtskette aus Professor Pfählers Händen entgegen und übermittelte sie dem neuen Rektor Professor Dr. Baader mit besten Wünschen für eine erfolgreiche Arbeit.
Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Vaader
erinnerte in der Einleitung seiner Rede an den Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, durch den er im Einverständnis mit dem Reichsstatthalter in Hessen zum Rektor der Ludwigs-Universität ernannt wurde. Dann sagte er, zum Gauleiter Reichs- statthalter Sprenger gewandt: Indem Sie, Herr
Reichsstatthalter, die Rektoratsübergabe persönlich vollzogen, haben Sie dem alten Amt die ganze Autorität und Würde des jungen Reiches verliehen und damit nach außen hin bekundet, daß nunmehr die Universität ganz in den nationalsozialistischen
Staat eingegangen ist.
Die Gesamtuniversität dankt ihnen aufrichtig für diesen Beweis Ihres Vertrauens. Hierauf begrüßte der Rektor die Gäste, die Dozentenschaft und die Studierenden. Weiter bezeichnete er es als feine erste Pflicht beim Eintritt in das Rektoramt, dem aus dem Amte scheidenden seitherigen Rektor Professor Dr. Pfähler und dem ebenfalls ausschei-- denden Prorektor Professor Dr. Hummel den herzlichen Dank der Universität für ihr Wirken in diesen Aemtern in einer Zeit voller Kämpfe, voller Spannungen und mit immer neuen Aufgaben auszusprechen. Wir danken den beiden Kameraden dafür, daß sie niemals schwach wurden in der Verteidigung der Lebensrechte unserer Universität, daß sie immer wieder aus echt nationalsozialistischem Empfinden heraus die Vorzüge der kleinen Hochschule für Lehrer und Studierende betonten.
Dann sagte der Redner u. a. weiter: Die Aufgaben der Unioersitätsführung sind größere, als in vergangener Zeit. Zu den alten Pflichten sind neue getreten, die ausgesprochen weltanschaulichpolitischer Natur und darum weit umfassender und bedeutender sind.
Grundlage der gesamten Universitätsführung ist ausschließlich die nationalsozialistische Weltanschauung, von hier aus werden die Ziele gesteckt, von hier aus sind die Entscheidungen zu treffen und zu rechtfertigen, wenn man vor Volk und Führer bestehen soll.
Die Wissenschaft kann und darf nur Dienst am Volke sein. Die anmaßende These von der wertfreien Wissenschaft, mit der der absterbende Liberalismus den angerichteten Wirrwarr zu rechtfertigen suchte, ist für die deutschen Hochschulen tot und begraben. Aber damit allein ist es noch nicht getan. Nicht mehr die mit liberalistischen Zutaten ausge- ftattete Idee der Humanität, von der das deutsche Volk seit Versailles durch einen 15 Jahre währenden Anschauungsunterricht gründlich geheilt ist, schweißt die Fakultäten zur Universitas zusammen, sondern allein die nationalsozialistische Weltanschauung bildet das geistige Band.
Wird der Gesamtheit aller Wissenschaften im Nationalsozialismus eine neue gemeinsame Grundlage gegeben, so kann doch nicht übersehen werden, daß die Auswirkungen auf die Einzelwissenschaften einen ganz verschiedenen Wirkungsgrad haben. Mit voller Wucht treffen die neuen Gedanken auf das Gebäude der Rechts- und Staatswissenschaften. Die Wirtschaftswissenschaften und verwandte Zweige werden die Folgerungen zu ziehen haben, der Philosophie und Geschichte erwachsen neue Fragestellungen, der Medizin hundertfache Anregungen. Aber an den Ufern der reinen Naturwissenschaften werden die Wellen schon niedriger gehen und die reine Mathematik dürste kaum berührt werden.
Wir können somit feststellen, daß die Ideenwelt des Nationalsozialismus sich vorwiegend beim Neuaufbau der Geisteswissenschaften auswirkt, indem er deren Substanz und Inhalt umgestaltet. Bei den reinen Naturwissenschaften und den naturwissenschaftlich ausgerichteten Gebieten dagegen wird die nationalsozialistische Grundlegung den Inhalt nicht ändern können, wohl aber wird hier der Nationalsozialismus diese Wissenschaften dazu verpflichten,
Und dabei überaus gründliche Reinigungskraft, Schonung des Zahnschmelzes, angenehm mik der u. erfrischen-, der Geschmack.
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Erbe der Ahnen.
Von Ludwig Iinckh.
Jeder von uns birgt tausendfältige Keime in sich; jeder ist höchste Verdichtung aller vorangegangenen Erbstoffe. Du kleines, unschuldiges Kind, eben zur Welt gekommen, bist Gesäß aller deiner Ahnen; sie leben in dir noch einmal, sie bewegen, erfüllen dich, du bist sie, sie sind du, abgewandelt durch einander, und du wirst sie auf der Erde Herumtragen und weitergeben an deine Enkel.
Kennst du dich?
Um dich zu erkennen, muß du deine Ahnen erkennen. Es genügt nicht, daß du deine Ahnentafel ausstellst, so wie du es gelehrt wirst, mit bloßen Zahlen: dies ist nur das Gerippe, der erste Ansang. Du mußt es'ausfüllen mit Fleisch und Blut, mußt von btr dazutun. Unsere Ahnenforschung steckt noch in den Kinderschuhen. Schon unsere Urgroßeltern hätten so anfangen müssen. Du mußt bei jedem Ahnen zu erfahren suchen, was für ein Mensch er war. Beim Vater und bei der Mutter kannst du es selbst beurteilen; du kennst ihre äußere Gestalt in allen Einzelheiten, du magst dich auf ihren inneren Wert, ihre Eigenschaften, ihre Eignung im Leben besinnen. Schon schwieriger ist die Nachschau bei den Großeltern — vier.' Menschen für sich, vier Persönlichkeiten, die alle ihr Gesicht und ihr Leben hatten. Und aus diesen Gesichtern blicken Augen heraus, über die man lange nachzudenken hat. Was sahen sie, was trugen sie? Erbe Der Ahnen.
Was Tausenden gemeinsam ist, ist Volkserbe. Dies deutsche Land hatten unsere Ahnen. Sie schufen auf seiner Scholle, sie bauten ihre Burgen und Städte und Dörfer, sie stiegen auf diese Berge und fuhren auf jenem See. Dieser Bach, dieser Strom wurde von ihnen durchschwommen. Es war ihre Heimat. Und jeder Wald, Berg, Bach, jeder Vogel und jede Wolke erfreute sie, bildete sie, labte sie, schuf einen Abdruck in ihrer Seele, wurde ihr Eigentum, ein Teil ihres Erbes: es wurde der deutsche Mensch.
Die deutsche Heimat gehört zu unserem Ahnenerbe. Jedes Kind, das auf die Welt kommt, hat Teil an ihr, und wird jie wieder lieben, sich an
ihr erfreuen, für sie kämpfen und sie schützen. Und wenn du fortgehst aus dieser Heimat in die Fremde, ins Ausland, um die Erde, so begleitet sie dich, du trägst sie in dir als unverlierbares Gut.
Wer schuf diese deutsche Heimat?
Da waren Bauern, die Korn pflanzten, Müller, die Mehl mahlten, und Bäcker, die Brot buten — deine Ahnen. Wenn du deine Vorfahren der letzten vier Jahrhunderte kennst, so hast du bestimmt eine Reihe von Bauern, Bäckern, Müllern darunter; aber auch Schuster, Weber, Zimmerleute, — Handwerker aller Art.
In dieser Heimat malten große Maler herrliche Bilder, und wie schön die Heimat ist, sehen viele erst auf ihnen: Erbe der Ahnen! Das bist du. Du hast teil an diesem Ahnengut, und wenn du genau nachforschst, so fließt ein Tropfen Blut in dir und jenen Malern gemeinsam.
Und Lieder sang diese Heimat. In Jahrtausenden wurde in deutscher Tonkunst Ton an Ton gereiht, unendlich reich und gewaltig. Die Gabe hat sich erbtümlich gebildet, aus Urklängen, dem Vogel hat es der Germane abgelauscht, früh hat er Flöten und Hörner geschaffen, und so ist die Schöpferkraft in ihm gehäuft und gesteigert worden zu wunderbarem Zusammenklang. Da wurden Bach und Händel geboren, Mozart und Haydn, Beethoven, Schumann, Richard Wagner und viele andere. Dies Erbe der Ahnen klingt in dir. Du mußt es bilden und werten. Und auch ihr Enkel bist du, Blutsträger und Keimling aus ihrem Stamm.
War der Deutsche nicht Dichter von Anbeginn? — Skalden und Volkssänger kannte das Altertum, da die Heldentaten berichtet wurden von Mund zu Mund. Minnesänger lebten auf den deutschen Burgen. Und so bildete sich eine Kunst heraus, die den Deutschen eigentümlich ist, deren Reihe nicht abreißt, im Norden wie im Süden, die mit Walther von der Vogelweide beginnt, von Goethe und Schiller zu Hölderlin und Mörike führt und heute nicht aufhört. Die deutschen Dichter gehören dir. Du bist ihr Erbe. Du verstehst sie, trägst sie und pflanzst sie weiter.
Deutsche Gedanken wurden von Geistern gedacht und über die Welt gebreitet, — von Sternen durch Kepler, vom Sinn des Seins durch Denker, Naturforscher, Aerzte, — Kant, Schopenhauer, Schelling,
Fichte, Hegel, Nietzsche, die Fülle der Namen be- dränat, Robert Mayer war der letzte nicht. Erbe der Ahnen umfaßt sie alle, doch ist der Gedanke Tat geworden in der Gestaltung, in Triebwerken, Luftschiffen, Flugzeugen, in Kraftbahn und Funkwerk. Immer weiter schreitet der Geist, eines baut sich aus dem anderen gesetzmäßig, — ohne die Erbschaft der Ahnen wäre dies unmöglich.
Deutsche Ahnen zu haben ist gut. Auf sie stolz zu sein ist erlaubt. Sie zu mehren ist notwendig. —
Deine besondere Sache aber ist es, in deiner Sippe das Ahnengut zu bewahren. Du forscht ihm nach, in den Berufen und Gestalten deiner Vorfahren, du stellst es heraus, und du schließest die Augen nicht vor dem, was dir nicht gefällt. Denn nur das, was du erkennst, kannst du ändern. Unter dem Erbe find nicht nur Güter, sondern auch Mängel, und sie auszuschalten bist du verpflichtet.
Man kann aus seinen Anlagen heraus einen Weg einschlagen. Einst glaubte man an eine Vorherbestimmung, an ein unabänderliches Schicksal, von Sternen gelenkt, von Göttern bestimmt schon vor der Geburt. — Schicksal ist Ahnenerbe. Im Anfänge des Erbstoffs ist der Weg gegeben: Richtung und Ziel. Aus deinem Erbe gestaltest du dein Schicksal, mit deinem Willen, den du bildest und übst.
Du hältst Ahnenschau, und erhältst so Aufschluß über dich selbst. Im Spiegel der Ahnen erblickst du deine Kinder, du verstehst und lenkst sie. Im Werden der Geschlechter siehst du sich vollenden, was ein Schöpfer in den Anbeginn gelegt hat aus reichen Strömen, gespeist von zwei' Seiten jeweils bei jedem Menschen, der neu hinzutritt, immer bunter, immer wechselvoller, immer mehr Möglichkeiten erschließend.
Denn nun wissen wir: auch die Mütter steuern ihr gemessen Teil zum Ahnenerbe bei, Ahnfrau ist so viel wie Ahnherr, in der Frau ruht ihr Va- ter und ihre Mutter vollgültig beschlossen. Oft rührt sich das Erbe der mütterlichen Seite.
Das Mutterteil am Erbe beläuft sich auf genau so viele Punkte wie das Vaterteil. So ist die Gleichartigkeit hergestellt, die Ebenbürtigkeit im Zustrom, und kein Adam kann Eva eine besondere Erbsünde vorwerfen. Doch mag die Eigenart des Weibes, die rechte Mischung die Ergänzung des Mannes- tums bringen, — wenn wieder der Urtrieb, die ge
sunde Witterung, das starke Blutgefühl in jedem lebendig geworden ist: was zum anderen paßt.
Und da wird nun sichtbar, daß Erbe der Ahnen m die Zukunft weist. Nicht gleichgültig ist, wie sich die künftigen Ströme gestalten, sie müssen bedachter, ausgewählter, weniger willkürlich zuströmen, sie müssen art- und sippengemäß fein.
Es war nicht notwendig, daß sich in manchem deutschen Zweigfluß fremües Blut verirrte, ihn trübte, verwirrte, — es wird notwendig, ihn klar und rein zu halten, und das Ahnenerbe zuchtvoll aufzuführen: deutsch ist deine Verpflichtung, Beispiel zu sein und Vorgang der Menschheit.
Ser sehr beliebte „Hamlet".
Ohne Zweifel ist ,F)amlet" das beliebteste Theaterstück, wie Shakespeare überhaupt auch heute noch der erfolgreichste Dramatiker in der Welt ist. Das zeigen einige Zusammenstellungen, die in englischen Blättern gemacht werden. Am Anfang jeder Spielzeit in London ist immer eine große Nachfrage, wann „Hamlet" aufgeführt wird, und es gibt ununterbrochene Reihen von Aufführungen dieses Dramas, die uns erstaunlich scheinen. Fast jeber* bedeutende englische Schauspieler versucht sich am Hamlet, und es gibt anderseits Theaterliebhaber, die ihren Stolz daran setzen, jeden neuen Hamlet zu sehen. Den Rekord hielt anscheinend der jetzt verstorbene Chance Newton, der feststellte, daß er über 90 Schauspieler in dieser Rolle gesehen habe, und heute nimmt John Parker, der Herausgeber von „Who's who in the theatre", in Anspruch, der beste Kenner auf diesem Gebiet zu sein; Denn er kennt 50 Hamlets. In der Gesamtzahl der Theater- aussührungen Englands steht Shakespeare regelmäßig an der Spitze. Von Hamlet-Rekorden wird berichtet, daß Irving im Jahre 1874 es auf 200 Vorstellungim brachte, während Gielgud im Neuen Theater in Neuyork im Jahre 1934 auf 155 Aufführungen kam und damit eine Gesamteinnahme nach Abzug der Steuern von 670 000 Mark erzielte. Von anderen Stücken Shakespeares sind cs „Heinrich VIII." und „Romeo und Julia", die zu ähnlichen Zahlen kommen. Von dem ersten Stück wurden in London sogar im Jahre 1910 252 Ausführungen hintereinander veranstaltet.


