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Nr. 81 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)'

Donnerstag, 8.April 1957

Ewiger Krieg am Khaiber-Paß

Von unserem W.S.-Berichierstatik»,

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Indien, Größe und Schicksal der englischen Weltmacht, bereitet seinen Beherrschern ge­rade in diesen Tagen schwere Sorgen; ein unruhiges Land mit unruhigen Grenzen, zu deren Verteidigung England seit Jahren, ja Jahrzehnten einen Kolonialkrieg zu führen gezwungen ist, von dem die Welt nur dann erfährt, wenn die Indien-Sachverständigen des Unterhauses der Kolonialarmee etwas am Zeuge flicken wollen. Unser Berichter­statter gibt ein anschauliches Bild von diesem Krieg am Khcriberpaß.

London, März 1937.

Zwei Brigaden kriegsmäßig ausgerüsteter eng­lisch-indischer Truppen sind kürzlich dem in der indischen Nordwestprovinz W a z i r i st a n stehenden Grenzschutzkorps zugeteilt worden. Die Oeffentlich- keit hat davon erst einiges auf dem Umwege über eine Presseinformation mohammedanischer Kreise erfahren, so daß sich nunmehr das Indien-Ministe­rium genötigt sah, den Tatbestand einer neuen sehr ernsten Gärung unter den Bergstämmen dieser Provinz zuzugeben. Während die englische Presse um die Jahreswende über heftige und verlustreiche Kämpfe in Waziristan ausführlich berichtete, hat sie sich diesmal in tiefstes Schweigen gehüllt. Was sich im Augenblick in Waziristan abspielt, läßt sich noch nicht klar erkennen. Hier sitzen kampferprobte Stämme, die in dem ewigen Krieg rechts und links des Khaiberpasses schon tausendfach die Klinge mit den Briten gekreuzt haben. Sie haben oft genug bewiesen, mit welcher Leidenschaft, Hartnäckigkeit und Geschicklichkeit sie in ihren wildzerklüfteten bis zu dreitausend Meter ansteigenden Bergen für ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu kämpfen wissen.

Schon die Mongolen hatten auf ihren großen Kriegszügen bis an die schlesische Grenze mit diesen Bergvölkern zu rechnen, deren Widerstand erst durch eine besonders zusammengestellte Heeresgruppe ge­brochen werden mußte, was aber nur für kurze Zeit gelang. Seit Jahrzehnten mühen sich nun die Engländer ab, an der Nordwestgrenze friedliche Verhältnisse zu schaffen. Immer wieder muß der mit Militärposten reichlich ausgestattete Khaiberpaß verteidigt werden. Erst vor zwei Jahren waren die Stämme, wenn auch nur für Stunden, Herren dieses Ueberganges. Ein Offizier und einhundert­fünfzig Mann fielen im Kampfe mit dem aus guter Deckung heraus feuernden Gegner. Zu spät rückten die Reserven heran, sie fanden die tapferen Ver­teidiger tot neben den leeren Patronenkästen ihrer Maschinengewehre. Im vorigen Jahre verlor die Grenzschutztruppe allein im Gebiet des Tori-Khel- Stammes in Waziristan 120 Mann.

Anfang November vorigen Jahres mußten recht erhebliche Streitkräfte genau so wie fetzt zu einem Demonstrationsmarsch" durch das Khaisora- T a l ausrücken. Der schon sagenhafte Fakir von I p i, ein mohammedanischer Fanatiker und Wan­derredner, hotte die Bevölkerung gegen die Eng­länder aufgewiegelt. Er beherrschte praktisch das Khaisora-Tal mit seinen Nebentälern. England hatte hier nichts mehr zu bestimmen. Hüben wie drüben war man sich über die Bedeutung diesesDemon­strationsmarsches" vollkommen im Klaren. Die bri­tisch-indischen Truppen wußten, daß sie nicht nur mit den Bajonetten funkeln sollten, wenn auch in der englischen Presse zu lesen war, daß vorerst keine Gewalt angewendet werden würde; die Bergbewoh­ner wiederum, nur wenige tausend Mann, richteten sich auf bewaffnete Auseinandersetzungen ein. Auf englischer Seite geschah auch zunächst nichts anderes, als daß man die Straßen zum Khaisora-Tal hin­aus in Ordnung bringen ließ, daß man den Bau neuer Straßen mit Macht förderte und, während

auf diesen Wegen die mobilisierten Truppen mit ihrem Kriegsgerät heranrückten, den Eingeborenen zu verstehen gab, daß dieses Kriegsgerät rücksichts­los eingesetzt werden würde, falls es zu Feindselig­keiten der Bevölkerung kommen sollte. Als Antwort darauf ließ der Fakir den unbeugsamen Widerstand der Eingeborenen verkünden.

Damit begann ein neues Kapitel des ewigen Krie­ges am Khaiber-Paß. Die Engländer rückten nahezu unbehelligt vor. Gelegentlich schwirrten ein paar Gewehrkugeln aus irgendeinem Hinterhalt den Sol­daten um die Köpfe, die an den Seiten ihrer Vor­marschstraßen wiederholt Ansammlungen bewaffne­ter Bergbewohner feststellen konnten. Zum ersten größeren Zusammenstoß mit den Bergstämmen kam es, als sich die Truppen anschickten, in das T o ch i - Tal einzudringen. Immer wieder mußten die MG.- Schützen in Stellung gehen, immer wieder streute die Artillerie Schrapnells über die Berghänge, während Flieger die in Felseinschnitten oder auf den Höhen sitzenden Eingeborenen durch Bomben­würfe und Maschinengewehrfeuer zu vernichten suchten.

Die für das Tochi-Tai bestimmte Abteilung hatte jedoch den Befehl erhalten, nach Zurücklegung einer bestimmten Entfernung wieder kehrt zu machen. Sie sollte also lediglich in den Dörfern und Weilern Englands Waffenmacht zeigen. In dem Augenblick aber, als sie sich anschickte, in das Lager von Mirali zurückzukehren, setzte schlagartig ein Feuerüberfall der Eingeborenen ein. Nur mühsam konnte der Gegner abgewehrt werden. Ununterbrochen knat­terten die englischen Maschinengewehre, die Ge­schütze donnerten, Fliegerbomben krachten. Ein Höllenlärm erfüllte das sonst so stille Tal. Meile um Meile ging die Truppe, dauernd fechtend, auf das Lager von Mirali zurück, von dem sie ausge­zogen war. Ein Regiments- und ein Bataillons­

kommandeur brachen bei diesem Rückzug tödlich ge­troffen zusammen.

Am 30. November, kurz nach dem Eintreffen der Nachricht von diesem verlustreichen Rückzugsgefecht, mußte der Unterstaatssekretär für Indien dem ner­vös gewordenen Parlament Rede und Antwort stehen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr die Oeffentlich- keit, daß allein die Kämpfe der drei voraufgegan­genen Tage den Truppen in Waziristan einen Ver­lust von 19 Gefallenen gebracht hatten, während 119 Mann verwundet aus dem Kampfgebiet her­ausgeschafft werden mußten. Diese Mitteilungen riefen im Parlament heftige Auseinandersetzungen hervor. Einige Abgeordnete forderten sogar stür­misch die Nichtanwendung von Gewalt, was jedoch bei den Verantwortlichen im Indien-Ministerium nur ein ironisches Lächeln auslöste. Man kümmerte sich um die parlamentarischen Lehrmeister und Berater nicht, sondern erteilte den Befehl zum Einsatz neuer Streitkräfte.

Weitere englisch-indische Truppen stiegen in das Khaisora-Tal hinauf. Fast sah es so aus, als hät­ten die Verstärkungen die Eingeborenen eingeschüch­tert. Denn der Stamm der Zarini Waziris lieferte seine Gewehre ab. Wahrscheinlich waren es aber die Verluste in den letzten Kämpfen, die feine Kampfkraft zum Erlahmen gebracht hatten. Der Fakir wühlte und hetzte jedoch bei den anderen Stämmen weiter. Ununterbrochen kam es zu klei­neren Schießereien und zu Ueberfällen auf die Straßenbaukolonnen. Doch ein neuer schwerer Schlag der Eingeborenen sollte unmittelbar vor dem Weihnachtsfest erfolgen.

Sieht man sich die reichlich dürftigen Nachrichten über die Ereignisse in der zweiten Dezemberhälfte an, dann erhält man den Eindruck, als ob die zur Weihnachtsruhe in das Khaisora-Lager zurückgezo­genen Truppen von der Umwelt gänzlich abge­schnitten worden waren. Zwei Brigaden mußten

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-«.y?

Britische und indische Truppen gehen nach einem vorbereiteten Artillerie-Bombardement gegen die von den Aufständischen besetzten Höhenzüge (im Hintergrund des Bildes) vor. (Scherl-Bilderdienst-M.)

*

Dieser Turm ist der frühere Wohnsitz desFeuer- Fakirs" von I p i, der von englischen Offizieren nach belastenden Dokumenten durchsucht wird. (Scherl-Bilderdienst-M.)

antreten. Aber nur eine erhielt den Befehl, das Tal bis zu einem bestimmten Punkte vom Feinde zu säubern. Die andere Brigade mußte die Höhen und umliegenden Berge besetzen, so daß die ab­marschierende Truppe eine lange aus britisch-indi­schen Soldaten gebildete Gasse passierte. Es ist wohl so gewesen, daß die eine Brigade erst einmal den Belagerungsring der Eingeborenen sprengen mußte, damit die andere ins Freie gelangen konnte. 12 Meilen wurden von dem Expeditionskorps zu­rückgelegt. Fortwährend gab es auf diesem Marsch kleine Scharmützel.

Zwischen Biche Kashkai und Azad Khel erfolgte dann ein heftiger Angriff der Eingeborenen. Wie­der tobte Schlachtenlärm durch das Tal, wieder schossen Jagd- und Bombenflieger hin und her und suchten die feindlichen Schützen zu vernichten. Nach langem Kampf blieb der Brigade schließlich nichts anderes übrig, als den Rückzug anzutreten, ver­folgt von einem Gegner, der zwar schwere Verluste erlitten hatte, sich aber als Sieger fühlte und noch am Heiligen Abend zu einem Angriff auf das Khaifora- Tal selbst ansetzte. Der Angriff wurde abgewiesen. Die Kraft der Aufständischen war erschöpft. Kund­schafter teilten den Engländern mit, daß der Ein­fluß des Fakirs nachlasse. Drauf wurde mit den Stammesführern ein einwöchiger W a f f e n st i l l - stand vereinbart, der jedoch nicht den gewünsch­ten Erfolg hatte, die Thori-Khel, die mit ausfallen­der Verbissenheit und Wut gekämpft hatten, liefer­ten als Zeichen künftigen Wohlverhaltens einhun­dert Gewehre ab und stellten die geforderten ein­hundert Geiseln. Auch andere Stämme ergaben sich, nur ein Rest blieb dem Fakir treu.

Nach Ablauf des Waffenstillstandes wurde der Demonstrationsmarsch" wieder aufgenommen, ohne daß es zu neuen Feindseligkeiten kam. Von der Zahlung eines bestimmten Betrages pro Kopf der Bevölkerung, wie das bisher der Fall war, ist keine Rede mehr. England zahlte pro Kopf und Jahr ein Pfund, um sich damit den Frieden zu erkaufen. Aber fast immer gingen die Pfundbeträge a n heimliche Waffenhändler, die für den nächsten Aufstand Gewehre und Munition heran­schafften. Nach englischer Meinung sollen in letzter Zeit bolschewistische Agenten in Waziri-

Einquartierung.

Von Peter Mattheus.

Wir saßen am Frühstückstisch meine Frau und ich, als unsere Elise den Kopf zur Tür herein steckte.

Bitte schön Fenster putzen kann ich heute nicht."

Meine Frau runzelte leicht die Stirn, wie sie das in ernsten Augenblicken immer tut.

Wieso?" fragte sie.Wir hatten doch be­sprochen ..."

Es geht nicht", sagte Elise und kicherte eigen­artig.Am besten. Sie kommen selber mal gucken."

Meine Frau stand auf und ging hinaus. Hutsch­putsch ließ ich mein Ei stehen und folgte ihr. Ich bin von Natur schrecklich neugierig.

Elise führte uns auf den kleinen Balkon hinter unserer Küche, auf dem wir allerlei Hausgerät auf­bewahren. Schweigend hob sie den Arm und wies auf die Leiter.

Oh!" sagte meine Frau. Und da mir nichts Besseres einfiel, sagte ich auch:Oh!"

Auf der oberen Sprosse der Leiter klebte ein Nest ein nettes rundes Vogelnest, auf dem eine Drossel saß. Augenscheinlich brütete sie. Sie machte durchaus nicht den Eindruck, als sei sie irgendwie beunruhigt durch unsere Nähe. Im Gegenteil sie hielt den Kopf ein bißchen schief, als wollte sie sagen:« Sie wünschen?

Tja, eigentlich wünschten wir die Leiter. Aber das ging ja nun wohl nicht.

Was tut man da?" fragte meine Frau ratlos.

Trotz aller schlechten Erfahrungen kann ich es nicht lassen, mitunter Vorschläge auf dem Gebiet der Hauswirtschaft zu machen.

Läßt du die Fenster eben nicht putzen", sagte ich.

Ein eisiger Blick wies mich in meine Schranken zurück.

Das verstehst du nicht", sagte meine Frau.Die Fenster müssen geputzt werden!"

Dann laß sie halt später putzen", schlug ich vor. Und dieser Vorschlag schien schon eher Gnade zu finden.

$)m wie lange kann es wohl dauern?" wandte sich meine Frau an Elise, die vorn Lande ist und mit solchen Dingen Bescheid weiß.

Acht Tage etwa", antwortete EliseAber manchmal brüten sie noch einmal..."

Wie, gleich hinterher?"

Elise mcfte.

Meine Frau sah überrascht und etwas bekümmert aus. Sie äußerte jedoch nichts. Die Drossel hin­gegen legte den Kopf auf die andere Seite und

betrachtete uns mit einem Blick, der deutlich sagte: Meine Herrschaften, Sie stören hier!

Wir zogen uns in die Küche zurück und über­legten eine Weile, ohne zu einem Entschluß zu kommen.

Man kann doch nicht", sagte meine Frau.

Nein, natürlich nicht!" sagte ich sehr entschieden. Ich wollte noch hinzufügen, daß man Fenster über­haupt nicht zu putzen braucht, so lange man noch hindurchsehen kann. Aber ich schluckte es lieber hin­unter. Manchmal denke ich, daß ich von Hauswirt­schaft vielleicht doch nichts verstehe.

Endlich kam Elise auf den rettenden Gedanken, werd' mal zu Herrn Gröschel gehn", sagt sie (Herr Gröschel ist unser Portier).Wenn ich ihn bitte, borgt er mir die Hausleiter."

Das war sozusagen das Ei des Kolumbus. Ich stattete Elise mit einer kräftigen Brasil aus, denn Herr Gröschel liebt keine leichten Sachen, und sie ging. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen. Die Fenster konnten geputzt werden, und die Drossel durfte trotzdem brüten. Alles war in Ordnung.

Meine Frau lief der Elise noch ins Treppenhaus nach und rief:

Später wollen wir die Leiter aber doch lieber auf den Hängeboden stellen."

Ich hoffe nur, daß die ^Drosseln nächstes Jahr nicht beleidigt fein werden."

Wie die Vitamine entdeckt wurden.

Die Vitamine als Heilstoffe der Natur spielen in der heutigen Ernährung und Heilkunde eine her­vorragende Rolle. Den ersten Anstoß zu ihrer Be­achtung gab ein Zufall. Wie Dr. Gerhard Venz- mer in einem Aufsatz des Aprilheftes von Del - Hagen & Klafings Monatsheften er­zählt, bemerkte, ein holländischer Kolonialarzt auf einem Gefängnishof in Niederländisch-Jndien eine Schar von Hühnern und Tauben, die an einer selt­samen Krankheit zu leiden schienen. Sie vermoch­ten sich nicht regelrecht zu bewegen wie gesundes Hausgeflügel, sondern manche von ihnen taumelten wie betrunken daher, andere konnten sich überhaupt nicht aufrecht halten, sondern lagen wie gelähmt in verkrampfter Haltung am Boden. Je eingehender der Arzt das merkwürdige Verhalten der Tiere be­obachtete, um so mehr fiel ihm die Aehnlichkeit der geheimnisvollen Geflügelkrankheit mit der in jenen Gegenden häufigen, gefürchteten menschlichen Beriberi auf, die ebenfalls mit Nervenentzündung, Lähmungen usw. einhergeht. Er suchte sich zunächst über die Fütterung der Hühner und Tauben, die jene eigenartigen Störungen aufwiesen, zu verge­wissern. Es ergab sich, daß das Geflügel mit den

Ueberbleibseln der Gefangenenkost, meist gekochtem Reis, gefüttert wurde. Nun kam Entdeckerfreude über den jungen Arzt; eine richtungweisende Ahnung blitzte in ihm auf. Sie hieß ihn, bis dahin gesunde Hühner ebenfalls ausschließlich mit gekoch­tem Reis ernähren zu lassen; und siehe da: sie wurden regelmäßig nach einigen Wochen von ge­nau den gleichen Krankheitserscheinungen befallen. Andere Hühner dagegen, die er, um die Gegen­probe zu machen, gleichzeitig mit rohem Reis er­nährte, blieben völlig gesund. Jetzt konnte kein Zweifel mehr darüber bestehen: durch das Kochen war ein lebenswichtiger Nahrungsstoff im Reis­korn zerstört worden. Auch das Schälen oder Po­lieren der Reiskörner hatte die gleiche Wirkung. Ja, es genügte sogar, an künstlich beriberikrank gemachte Hühner und Tauben die durch den Poliervorgang als Abfall gewonnenen Reishäutchen zu verfüttern, um die Tiere in kürzester Zeit wieder gesund zu machen. In diesen Häutchen mußte also jener ge­heimnisvolle, unentbehrliche Begleitstoff enthalten sein, dessen Fehlen die schwerwiegenden Krankheits­erscheinungen, ja bei nicht rechtzeitiger Behandlung den Tod zur Folge hat.

Es dauerte noch nahezu anderthalb Jahrzehnte, bis man die Gedankengänge des Arztes aufgriff und weiterverfolgte. Und doch waren diese For­schungsergebnisse nichts Geringeres als die Keim­zelle eines völlig neuen Zweiges der Forschung, dem es bestimmt war, in kurzer Zeit zu einem Baume von riesenhaften Ausmaßen auszuwachsen. Der rätselhafte Begleitstoff, den der Arzt mit sehe­rischer Ahnung in dem Reishäutchen vermutete, war nichts anderes als das erste Vitamin, nämlich das antineuritische, d. h. Nervenentzündung bekämpfende Vitamin B.

Oer Mann ans dem Bocksten-Moor.

Zum ersten Male ist jetzt ein vollkommener An­zug eines Mannes aus dem Mittelalter unter merk­würdigen Umständen gefunden worden. In dem Bockften-Moor, südlich von Göteborg in Schweden, das in früheren Zeiten noch wilder und unzugäng­licher gewesen sein muß als heute, wurde eine Leiche gefunden; nach den Umständen kam man zu dem Schluß, daß etwa im 14. Jahrhundert hier ein Rei­sender überfallen, getötet und beraubt wurde und daß man dann die Leiche ins Moor geworfen hat, um sie aus dem Weg zu räumen. Offensichtlich han­delte es sich um einen wohlhabenden Kaufmann oder einen Adeligen; es war noch zu erkennen, daß es ein Mann mit feinem rötlich-braunem Haar, guten Zähnen und hellbraunroten Augenbrauen sowie gleichfarbigem kurzem Bart war. Besonders wichtig

waren die Aufschlüsse über seine Kleidung, die sich in dem Moorboden gut erhalten hatte und die im Museum von Varberg unter Leitung des Kura­tors S a n d k l e f sachverständig behandelt wurde, um erhalten zu werden. Das Hauptgewand war, wie in der Frankfurter WochenschriftDie Um­schau" darnach mitgeteilt wird, ein Rock mit einem runden Loch für den Hals, mit langen Aerrneln und glockig geschnittenem langen Schoß. Als Gürtel trug der Mann einen Ledergurt mit zwei Dolchscheiden; ein quer über die Schulter laufender Lederriemen war schon lange abgefallen. Um die Beine trua er eine Art Strumpfhose aus Wollstoff, die Füße waren in wollenes Tuch gehüllt, die ledernen Schuhe waren ziemlich verfallen, lieber dem Rock trug er noch einen Umhang aus etwas dünnerem Stoff aus einem Stück mit einer Oeffnung für den Kopf, über den er eine Kapuze mit einem langen zopf­ähnlichen Schwanz gezogen hatte. Der Anzug war augenscheinlich hellgrau, der Umhang leuchtend rot und die Kapuze dunkelgrau.

Die wollenen Stoffe hatten sich im Moorboden gut erhalten, obwohl die Nähfäden zerstört waren. Nachdem man den Rock aus dreizehn Stücken wieder zusammengenäht hatte, blieben noch einige Stücke übrig, aus denen man einen Köcher wiederherstel­len konnte. Dagegen hat man bisher keine Unter­kleidung gefunden; sie war augenscheinlich unter den Einwirkungen der Säuren des Moores zerfal­len, und die Stoffe werden noch weiter geprüft, ob man Spuren von ihnen entdeckt. Die butterweich gewordenen Reste von Holz und Leder wurden einer chemischen Behandlung unterworfen, durch die sie wieder gehärtet wurden. Die Dolchklinge war voll­kommen weggerostet, während die Lederscheiden und die Holzgriffe noch erhalten werden konnten.

Da man bisher noch nirgends derartig vollständige und wohlerhaltene mittelalterliche Kleidungsstücke gefunden hat, gibt es nur auf Bildern Vergleichs­möglichkeiten, und man hat feftgeftellt, daß auf einem italienischen Bilde aus dem Jahre 1370 Petrarca einen ganz ähnlichen Anzug trug; man datiert daher den Fund etwa in das 14. Jahrhun­dert. Der Fund wird nach sorgfältiger Behandlung im Museum von Varberg zur Schau gestellt werden.

Zeitschriften.

Das neue Heft derSire n e", der illustrier­ten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, berichtet in aufschlußreichen Bilder-Artikeln über deutschen Luftschutz auf dem Lande, über Englands gewal­tige Maßnahmen zum Schutze feiner Hauptstadt und über die Volksgasmaske in Dänemark Eine Plauderei erzählt,Wie Sirenen tuten", ein inter­essanter Beitrag mit Bildern schildert China.