Montag, 8. Zebruar 1937
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 32 Zweiter Blatt
Nach der Pause beherrschte Claire Wald off aus Berlin das Feld, die hier offenbar aus dem Rundfunk bereits gut bekannt ist und stürmisch begrüßt wurde. Von Kapellmeister Otto Petersen am Flügel begleitet, legt sie los, und was sie singt, ist konzentriertestes Berlin, unzählige Male auf Pointe und Publikumswirkung hin erprobt: mir der berühmten Soldatenweise von der Annemarie fängt sie an, dann kommt gleich die „Familie Gänseklein" mit einem messerscharfen Refrain, und jetzt sind die Leute schon so animiert, daß sie nach Claires Kommando mitsingen können; beim Lied von der Omama exerziert sie bereits mit dem nachklappenden Parkett wie ein Feldwebel. Zur Belohnung fragt sie: Was soll ich singen? und gibt ein Wunschkonzert. Auf allgemeines Verlangen „Hermann heeßt er" — Sie kennen es sicher auch schon. Dann die kleine Ballade vom allzuflei- ßigen Berliner, „Hier wackelt die Wand" mit rasselndem Refrain, und Berliner Schnadahüpfl, ein Widerspruch in sich, aber alles kann sich daran beteiligen. Das Beste, was sie brachte, war übrigens nicht gesungen, sondern gesprochen: ein paar knappe Berliner Straßenszenen, kleine Volksaufläufe um ein gestürztes Pferd und ein ungeduldiges Fräulein mit Hund; Miniatur-Kabarett von völliger Naturreinheit. — Gelächter und Beifall waren (um im Stile des zweiten Teiles zu bleiben) „ganz groß". Ein allgemeine Scbunkelübung und der mit Recht beliebte Narhalla-Marsch beschlossen den Abend. Das Haus war ausverkauft bis unters Dach.
Hans Thyriot.
Ein Känguruh in Schottland.
Ein Känguruh, das einer reichen Dame in Perth (Schottland) gehörte, wurde dieser Tage endlich wieder eingefangen, nachdem es über fechs Monate in Freiheit gelebt und die Gegend unsicher gemacht hatte. Die Polizei und die Gutsarbeiter hatten sich die größte Mühe gegeben, seiner Freiheit ein Ende zu machen, aber das Tier hatte sich mit größter Schlauheit und Behendigkeit allen Verfolgungen entziehen können, bis es sich schließlich doch einmal irrte; es unterschätzte einen hohen Zaun und sprang so unglücklich dagegen, daß es zurückfiel und von den Verfolgern eingefangen werden konnte. Merkwürdig ist, daß das Känguruh trotz des stürmischen Winterwetters sich in besserer körperlicher Verfassung befand als zur Zeit, in der es ausbrach, so daß das Klima Schottlands ihm durchaus günstig zu sein scheint.
Reue Munition für das WHW.
Aus der Provinzialhauptstadl.
Oer Karneval - ein Irühlingöfest.
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Alte Soldaten, Lustschutz, Lustfport und Studenten im Dienste der Hilfsbedürftigen
Alte Soldaten mit der
Luftschutzhelferinnen sammeln.
Die fünfte Reichsstraßensammlung am Samstagnachmittag und am gestrigen Sonntag, die mit dem Verkauf der Bernstein-Abzeichen dem Winterhilfswerk neue Munition in Gestalt von ansehnlichen Spenden brachte, zeigte wiederum die Front aller deutschen Volksgenossen in opferbereiter Schlagfertigkeit für das große Werk des WHW. Diesmal hatten sich die alten Soldaten, vertreten durch die Männer der NSKOV. und des Deutschen Reichs- kriegerbundes (Kyffhäuser), die Männer und Frauen des Reichsluftschutzbundes), der NS.-Studentenbund und der Reichsluftsportverband als Sammler in die Stellung der aktiven Kämpfer mit der Sammelbüchse begeben. Mit unermüdlichem Eifer erfüllten sie vom Samstagnachmittag bis spät in den Abend hinein und am Sonntagvormittag upd -nachmittag ihre ehrenvolle Pflicht. Erleichtert wurde ihnen das Wirken durch die wiederum ausgezeichnet bewährte Opferfreudigkeit unserer Volksgenossen, die gerne die schönen Bernsteinabzeichen erwarben, sie häufig in mehreren Stücken kauften, da sie, insbesondere für die Frauen, einen schönen Schmuck darstellen.
Platzkonzerte des Musikkorps unseres Infanterie- Regiments 116 und des Musikzugs der SA. erwiesen sich wiederum als gute Förderer des Sammelwerks und bekundeten außerdem, daß sich auch an dieser Stelle die alten Solbaten (im Musikzug der SA.-Standarte 116) und die Kameraden der aktiven Wehrmacht in vereintem friedlichem Kampf für ein großes Werk freudig einsetzten. Ein hübsches Bild der Sammlerfront zeigten alte Soldaten in den Uniformen der Darmstädter Dragoner, die zu Pferde durch die Straßen zogen und eifrig und erfolgreich die Sammelbüchse herumreichten. Recht wirkungsvoll waren ferner die Helferinnen vom Luftschutz in ihren Arbeitsanzügen tätig, denn auch sie fanden durch ihr Gewand die besondere Aufmerksamkeit der Bevölkerung und machten infolgedessen ein „gutes Geschäft" zum Besten des Hilfswerks. Aber ebenso wie diese Sammler und Samm-
Hitler-Lugend Bann 116 Gießen
Vetr.: Theaterbesuch.
Wir weisen alle Einheiten noch einmal auf das Schauspiel „Wasser für Canitoga" am Mittwoch, 10. Februar, hin und empfehlen den Besuch.
Preis 50 Pfennig.
Sammelbüchse. (Aufnahmen [2]: Pfaff, Gießen.)
Lieber 1000 Läger beim Gaujägerappelt in Darmstadt. LPD. Darmstadt, 7. Febr. In den Tagen vom 25. bis 27. Februar findet in Darmstadt die Gau-Trophäenschau statt, die einen Ueber- blick über die Wildpflege, insbesondere die Geweih- und Gehörnbildung in Starkenburg und Rheinhessen, über das Wollen und Können der hessischen Jäger und die Bedeutung der Jagd
für die Volksernährung bieten wird. Am 27. Februar abends findet der Gau-Jägerappell vor dem Landesjägermeister, Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger statt, zu dem die Jäger im Grünrock erscheinen. Anschließend treffen sich die über 1000 Jäger zu einem Kameradschastsabend ' Saalbau beim gemeinsamen Eintopfessen.
Don Günter Hoffmann.
Wenn die Karnevalszeit mit ihrem Mummenschanz und ihren bunten Tollheiten durch das Lanö wirbelt, werden nur wenige daran denken, daß der Karneval ursprünglich ein Frühlingsfest war. In Westfalen sagt man: „Sünte Peter (zu St. Peter, am 22. Februar) fällt de Snee oppen heten Sten , und im mittleren Deutschland heißt es:
An Petri Stuhlfeier sucht der Storch sein Nest und kommt von den Schwalben der Rest.
Die vielen, fast vergessenen Bräuche der Fastnachtstage passen zum Frühlingsfest. Da ist das Pflug- ziehen, bei dem Mädchen oder als solche verkleidete junge Männer den Pflug zogen und den Schnee umackerten. Oder der Kampf zwischen Sommer und Winter, der noch in den Turnieren zu erkennen 'st. Ein junger Mann spielte den Sommer, er war mit jungem Grün umwunden, ein anderer im Strohkleid spielte den Winter. Sie stritten sich, jeder hob seine Vorzüge hervor, hier und da kam es zu Handgreiflichkeiten — aber immer siegte der «Sommer. 3m Triumph führten ihn die Zuschauer durch das Dors und sangen:
Ja, ja, ja, der Sommer, der ist da. Er kratzt dem Winter die Augen aus, und jagt die Bauern zur Stube hinaus.
Am Aschermittwoch hatte dann das fröhliche Treiben ein Ende. Ein großer Strohmann, der den Winter darstellte, wurde dem Flammentode geopfert. In manchen Gegenden begrub man ihn. Mit Gesang begleiteten alle den Todgeweihten:
Den Tod haben wir ausgetrieben, den Sommer bringen wir wieder.
Folge gegeben, so daß bei vielen Sammlern der Vorrat an Abzeichen bald erschöpft war und eine neue „Ladung" herangeführt werden mußte. Alles in allem: Die Sammlung war wieder ein voller Erfolg!
40000 Mark in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. M., 7. Febr. Die Straßensammlung, die am Samstag und Sonntag von NSKOV., Kyffhäuserbund, Luftschutz, Luftsportoerband und Studenten durchgeführt wurde, hatte in Frankfurt einen großen Erfolg. Die 220 000 Bernsteinabzeichen, die' in Frankfurt ausgegeben wurden, sind restlos abgesetzt worden. Das finanzielle Ergebnis war der Betrag von 40 000 sp>r'"'
So sah man in dem Prinzen Karneval den Frühling. Sein Kommen wird mit Jubel begrüßt, und seine Freunde, sein Gefolge, ist närrisch und jauchzt und lacht. Mit abscheulichen Masken erscheinen sie — um ursprünglich die feindlichen Dämonen zu verjagen. Je häßlicher die Maske, desto besser. Daß die Farben Grün, Gelb und Rot bevorzugt werden, hat seinen Sinn wahrscheinlich darin, daß dies die Farben des Frühlings sind. ,
Das Narrenvolk tanzt hinter dem Prmzen Karneval her. Auch dieser Tanz erweckt Erinnerungen an die Zeit, als der Tanz noch eine religiöse Festhandlung war. So hoch man nämlich dabei sprang, so hoch sollte im Sommer das Getreide wachsen. Die seltsam anmutende Sitte, die Menschen mit der Pritsche zu schlagen, findet ihre Aufklärung in dem Glauben an die Fruchtbarkeit des Tieres, aus dessen Leder sie gefertigt war. Diese Fruchtbarkeit wollte man auf die Geschlagenen Überträgen. Einen ähnlichen Brauch verzeichnete das römische Luperkalien- fest, bei dem ebenfalls Hiebe mit der bocksledernen Peitsche ausgeteilt wurden. Ein Hinweis auf den Sinn des Schlagens ergibt sich auch aus der Bauernsitte, Vieh und Obstbäume mit frischen Birkenruten oder Zweigen der immergrünen Stecheiche zu schlagen. An die Stelle der Ruten trat später die Pritsche.
Der Wagen, auf dem Prinz Karneval feinen Einzug hält, ist wohl das Hauptstück des ganzen karnevalistischen Treibens. Das ist unzweifelhaft ein Erbe aus urgermanischer Zeit. Sogar Tacitus erwähnt den segenspendenden Umzug des Wagens der Naturgöttin Nerthus, die auf dieser Fahrt ihre Hochzeit feierte und damit Fruchtbarkeit den Gegenden brachte, die sie berührte.
Die Bedeutung des Wortes Karneval ist umstritten. Einige behaupten, es käme von dem Rufe „Garne vale“ (Fleisch, lebe wohl!), die anderen meinen, daß er mit dem Namen des Schiffskarrens zusammenhinge, der lateinisch carrus navalis heißt. Wieder andere führen den Namen auf das keltische Wort carn zurück, das Opferaltar bedeutet. Selbst über das deutsche Wort Fastnacht ist man sich nicht im klaren. Manche wollen es „Fasnacht" schreiben und behaupten, daß es mit Fasten überhaupt nichts
zeigt die Prüflinge bei .....t „Fahrausbildung", wobei dem großen Querbaum ein
_______ .... „ „ . , Wehner, daneben der Führer des Reitersturms guten Zureden wurde in den meisten Fällen gerne 147, S ch ö m b s, Gießen. — (Aufn.: Pfaff, Gießen.)
Zunge Männer vewewen ftly um ven ReilerWem
Arn Samstagnachmittag fand in der Reitbahn des Univerfitäts - Reitinstituts des Reitlehrers S ch ö m b s eine Prüfung von jungen Männern statt, die sich um den Reiterschein bewarben, der ihnen die Einstellung und den Dienst in der Wehrmacht erleichtern wird. Die Prüfung, über deren Grundlagen und Zwecke wir im „Gieß. Anz." Nr. 28 vom 3. Febr. eingehend berichteten, wurde von dem SA.-Reiterführer, Standartenführer Wehner als Beauftragtem des Reichsinspekteurs für Reit- unb Fahrausbildung bei der SA. - Gruppe Hessen abgenommen. Unser Bild
krinnen waren alle übrigen Männer und Frauen
mit Den Sammelbüchsen eifrig am Werke und lie- °°m Prusungsabschmtt
r , . , . s. s. __ leoer Der Pflocke an bern uiukcji uueiuuum um
ßen es auch dort wo der Spender oder die Spen- $^b barftellen soll und die jungen Männer in der berin ihre Mithilfe bereits durch ein Abzeichen aus- Handhabung der Zügel geprüft werden. Rechts auf weisen konnten, nicht an anregendem Zuspruch zum bem Bild (im Vordergrund) SA.-Standartenführer Erwerb von weiteren Abzeigen fehlen. Und diesem Wehner, daneben der Führer des Reitersturms
Gießener Stadttheater.
Uraufführung: „Diogenes" von Heinz Steguweit.
Die zehnte Morgenfeier bescherte uns die dritte Uraufführung in dieser Spielzeit: „Diogenes" oder „Das Urteil nach dem Augenschein", ein frohes Spiel von Heinz «Sie guro e i t*). Dies ist ein Scherz in klassischem Gewände, ein antiker Schwank im Stile der Laienbühne, spielend um das Jahr 340 v. Chr. nahe bei Athen, unmittelbar vor der berühmten Tonne, welche, wie allgemein bekannt, dem weisen und bedürfnislosen Diogenes als Klein- und Alleinwohnung diente. Es spielen mit: Diogenes persönlich, der mit dem Hund und mit dem Faß; Philomele, die mit der Eifersucht; noch ein Mädchen, Eugenia, die mit dem Ring; Ajax, der in der Klemme; Terxes, ein Hund aus Lumpen, Wolle und Draht; ferner, im Gefolge des Diogenes: eine Wurstpelle, eine Tonne, ein Lupe und etwas Ungeziefer. ' *
Ein Personenverzeichnis, das sich sehen lassen kann, und aus dem man, noch ehe es angefangen hat, unschwer ablesen wird, daß es sich hier um die Liebe handelt: dafür sprechen sowohl die Eifersucht als auch der Ring; ganz zu schweigen von oer Klemme, in welcher Ajax sich befindet. Diogenes, über irdisches Treiben und gemeine Lust philosophisch erhaben, scheidet aus dem menschlichen Konflikt aus: er spielt die Rolle des Raisonneurs oder des antiken Chors; er schlichtenden Streit. (Die berühmteste klassische Anekdote — „Geh mir aus der Sonne!" — wird bloß gestreift; der große Alexander tritt nicht auf, wird nur flüchtig zitiert.) Dramatisch ist der Konflikt mit geometrischer Klarheit bezeichnet: das berühmte Dreieck, der Mann zwischen zwei Frauen: hie Philomele — dort Eugenia, das Weltkind Ajax in der Mitten und folglich in der Klemme.
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Ajax, mit Philomele verlobt, hat, was er nicht sollte, vor Diogenessens Tür ein Rendezvous mit Eugenia. Philomele, die dem Weifen ihren Verdacht und ihre Eifersucht geklagt hat, schaut hinter der Tonne zu, wie die Treulosen sich treffen und wie Eugenia von Ajaxen für einen Ring mit einem Kuß belohnt wird: ha, Verrat! Aber das Urteil nach dem Augenschein ist trügerisch; es ist der Ring,
*) Textausgabe im Theateroerlag Albert Langen- Georg Müller (Volksspieldienst), Berlin, erschienen. Preis kart. 1,10 Mark.
den Philomele selber „am Zypressenstrand" verlor, der von Eugenia bloß gesunden wurde. Ajax hat sie herbestellt, den Fund auszulösen; Finderlohn: zween Küsse. Da sieht man's
Der Hund Terxes aber mit der Wurstpelle dient dazu, die Handlung gewissermaßen ins Gleichnishafte zu erheben: auch Diogenes fühlt sich von dem Hunde, der ihm zehn Jahre lang die Treue hielt, schnöde betrogen: „Von andern ließ das Vieh sich streicheln, von andern nahm es Futter an!" Aver während Diogenes und Ajax den Hund am Wickel kriegen, um ihn lebendigen Leibes zu schlachten, dämmert den grauen die Erkenntnis, die der bedürfnislose Weise mit dem wallenden Bart sinnig verkündet: „Es ist die Pelle noch kein Schwartenmagen, ein Wurstfell nicht die ganze Wurst." Und: „Ein Treubruch sieht in jedem Falle seit alters her viel wüster aus!" Endlich: „Es wirkt wie eine giftge Beere das Urteil nach dem Augenschein —!" Was zu beweisen war. Das ist ja nochmal gut gegangen, und das versöhnte Trio zieht „mit heitern Gesprächen links ab", indes der bärtige Alte mit seinem Hund, seinen Läusen und seiner Lupe in nachdenklichem Selbstgespräch wie zu Anfang in der Tonne verschwindet. — *
Günter Winkel hatte den Scherz in Szene gesetzt; er traf den lockeren, improvisatorischen Ton des volkstümlichen, gleichsam sich selber parodierenden Spiels, in dem alles auf Ulk und Spaß, auf fmiste Ironie und komische Uebertreibung klassischer Vorstellungen gerichtet ist. Dem entsprach auch das entzückende Szenenbildchen, das Herr Löffler zum Vergnügen der Zuschauer bei offenem Vorhang aus der Drehbühne herumschwenkte. Die runde Einzimmerwohnung des freundlichen Welsen war em sehenswürdiges Idyll aus Altgriechenland.
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Herr v Gschmeidler in der Titelrolle, mit haariger Hose und einem wahren Sauerkrautbart angetan, hatte sich mit Beschaulichkeit und philosophischer Abgeklärtheit in die Rolle des hilfreichen Beraters, Richters und Streitschlichters versetzt; er sprach das Urteil mit der Unwiderruflichkett eines antiken Furienchores: lauste sich und hielt Zwiesprache mit seinem Lumpenhunde, ohne merklich an komischer Würde zu verlieren.
Die beiden Frauen wurden ganz auf lebhafte Kontrastwirkung gespielt: Fräulein B i r kman n in Blau, als Philomele, eine gekrankte Unschuld, bittere Eifersuchtstränen an Diogenessens Bart trocknend; Frau Stirl, in Rot, als Eugenia, verführerisch, kokett und mit dem Mund vorneweg.
Herr Schorn machte recht witzig den Ajax als jungen athenischen Kavalier und Liebhaber zwischen zwei Feuern. —
Die Morgenfeier — unter der Devise „Eine Stunde Schmunzeln" — wurde eingeleitet mit Rezitation, Gesang und Tanz. Herr Nieren stellte mit munteren Reden sogleich den Kontakt mit dem Publikum und als Ansager die Verbindung zwischen den einzelnen Nummern des ersten Teiles her. Hilde L e s ch, Friedel Schön und Monika Schneider begannen mit einem Gymnastiktanz. Herr Geißler erzählte, in dreifacher Verwandlung, hübsch pointierte „gereimte Ungereimtheiten über Liebe". Hilde Le sch und Friedel Schön zeigten einen effektreichen langsamen Spitzenwalzer. Herr Greif fang vier Lieder von Morgenstern in der Vertonung von Paul Graener; der unge- schneuzt entschreitende „Palmström" erwies sich auch in der musikalischen Fassung als wahrhaft unverwüstlich. Tanzmeisterin Irmgard Zenner machte mit einer amerikanischen Humoreske lustig den Schluß. — (Am Flügel: Ernst Bräuer.)
Das Haus war bemerkenswert stark besucht und in bester Stimmung. Großer Beifall für alle Mitwirkenden. Insbesondere die kleine Uraufführung brachte einen durchschlagenden Heiterkeitserfolg. —
Bunter Abend mit Claire SötHboff,
Der Sonntagabend war ganz und gar auf faschingsmäßige Volkstümlichkeit gestimmt. Das bunte Programm wurde im ersten Teil von Kräften des Theaters bestritten. Herr Nieren, der die Leitung des Abends hatte, machte mit einem Fafchingspro- log den Anfang. Die Tanzgruppe brachte den Step der Springtime-Girls aus „Nofretete" und die beliebte Mimik „Alt- Berlin", dazu Ballettmeisterin Zenner persönlich (amerikanische Humoreske) und eine Kinder-Polka. Herr Kuen sang, sehr stimmungsvoll, „Kleines Haus am Rhein", das Quartett der Gießener Sängerknaben (die Firmenbezeichnung steht noch nicht ganz fest) wandelte nicht unbegabt auf den Spuren des Meister-Sextetts, und das Publikum fang unter Nierens sachverständiger Anleitung einen, karnevalistischen Schunkelgesang, was nicht nur schön klang, sondern auch sehenswert war. Ein Harfensolo von Luise Frank (Gs-ckur-Walzer von Durand), ein unheimlicher Sketsch „Der Zaubersessel" und ein Willi Ostermann-Potvourri vervollständigten das reich- Mf:o besetzte Programm des ersten Teiles. (Musikalische Leitung: Ernst Bräuer.)


