Massenbesuch auf der „Grünen Woche".
Der letzte Ausstellungstag brachte der „Grünen Woche" in Berlin mit 7 0 0 0 0 Besuchern nochmals einen Massenzustrom von nah und fern. Damit hat diese erste diesjährige Schau eine Gesamtbesucherzahl von rund 300 000 zu verzeichnen und das Ergebnis des Vorjahres noch um etwa 80 000 übertroffen, ein bemerkenswerter Auftakt zum Ausstellungsjahr 1937. Etwa zwei Drittel aller Besucher sind Volksgenossen vom Lande, Kleingärtner und Kleinsiedler gewesen; aber auch namhafte ausländische Interessenten waren zahlreich vertreten, wie überhaupt der Auslandsbesuch über Erwarten stark war. Ebenso sind die Aussteller selbst mit dem wirtschaftlichen Ergebnis außerordentlich zufrieden. Gute Umsätze wurden besonders in Landmaschinen und landwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Geräten aller Art erzielt. Viele Firmen heben die Anknüpfung wertvoller Auslandsbeziehungen hervor. Der große geschäftliche Erfolg kommt auch darin zum Ausdruck, daß eine erhebliche Zahl von Ausstellern schon jetzt wieder Stände für die nächste „Grüne . Woche" bestellt hat.
Der Mörder Joseph Schäfer wieder ergriffen.
Die Fahndungsmaßnahmen gegen den am 1. Februar im Walde bei Oberndorf entsprungenen vierfachen Mörder Joseph Schäfer aus Betra (Hohen- zollern) haben jetzt zum Ziele geführt. Schäfer war bereits kurz zuvor gesichtet worden, doch war es ihm noch einmal gelungen zu entfliehen. Schließlich gelang es einem Jäger, den unter einer Schicht Moos versteckten Mörder zu entdecken und festzunehmen. Schäfer wurde sofort in sicheren Gewahrsam genommen und nach Stuttgart gebracht.
Blutiges Familiendrama in Berlin.
Im Osten Berlins spielte sich ein entsetzliches Familiendrama ab. Ein 26jähriger Mann erschoß seine beiden 3 und 2 Jahre alten Kinder, verletzte dann seine Frau schwer und machte schließlich seinem Leben durch einen Kopfschuß ein Ende, lieber die Beweggründe liegen noch keine Anhaltspunkte vor.
3tad) 18 Jahren
Vor kurzem erhielt der Riechssender Berlin von einer Mrs. Martin aus Portsmouth (England) einen kleinen Taschenkalender zugesandt, der ihr von einem englischen Frontsoldaten übergeben worden war. Dieser hatte ihn 1918 an der Westfront gefunden. Der Kalender war, wie aus seinen Eintragungen hervorging, einem deutschen Frontsoldaten von seiner Braut geschenkt worden. Der Reichssender Berlin richtete am 3. Februar einen Appell an seine Hörer, und schon wenige Minuten nach ter Sendung rief die Besitzerin des Kalenders beim Sender an. Der Notizkalender hat dem Leutnant ter Reserve Johann Brunn von der 1. Maschinengewehr-Kompanie des Reserve-Jnfanterie-Regi- ment 221 gehört. Noch am 3. November 1918 hatte er seiner Braut geschrieben und sich für den 9. November zur Hochzeit angemeldet. Statt jeiner kam jedoch am Morgen des 9. November ein Brief an
eidliches Gesellenwandern.
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Unter der tatkräftigen Förderung des Reichsstandes des Deutschen Handwerks und der Deutschen Arbeitsfront ist das Gesellenwandern wieder zu Ehren gekommen. Es gibt wieder Handwerksgesellen, die mit Freude und Stolz davon reden, daß sie einige Monate auf der „Walze" waren, Land und Leute kennenlernten, von den Meistern ihres Handwerks „mit Gunst" ausgenommen wurden und schließlich in anderen Teilen des Vaterlandes neue Betriebsarten studieren und ihre beruflichen und sonstigen Kenntnisse erweitern konnten. Auch für dieses Jahr ist das Wandern der Gesellen vorgesehen und es sind diesmal andere Berufe dazu ausersehen. Waren es früher besonders Gesellen aus den Nahrungsmittelgewerben, so sind jetzt die Holzhandwerke starker an die Reihe gekommen. In allen Landesteilen rüstet man sich auf den neuen Wanderzug und es werden auch die organisatorischen Vorbereitungen getroffen, damit der Wandergesell nach seiner langem „Fahrt" am Ziele der Reise in einer Werkstatt seines Berufes wieder Arbeit findet.
Ab 1. Februar ist dieser Gedanke des Austausches der erprobten Kräfte und ihrer Erfahrungen auf einige Zweige weiblicher Handwerker ausgedehnt worden. Um es vorab zu sagen: die jungen Mädchen sollen nicht als neuartiger Wandervogel zu Fuß von Ort zu Ort ziehen, sondern werden selbstverständlich die Bahn benutzen. Der Zweck der Uebung ist vielmehr der, gut ausgebildeten Gesel
linnen die Gelegenheit zu geben, an verschiedenen Orten ihre berufliche Tätigkeit zu erproben und aus den örtlichen Verschiedenheiten zu lernen. Man erwartet, daß solche Kräfte dann zu den besten Meistern ihres Handwerks werden. Diese Gesellinnen müssen mindestens 19 Jahre alt fein, sie erhalten bei der Abreise ein „Werkstattwanderbuch" und sind verpflichtet, nach Ablauf der auf sechs Monate begrenzten Wanderzeit an den ursprünglichen Arbeitsplatz zurückzukehren. Bei späterer Arbeitsvermitt- lung sind sie bevorzugt zu behandeln. Die Reisen welchen von der „Abteilung Gesellenwandern des deutschen Handwerks" gemeinsam mit dem „Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront" organisiert.
Bis auf weiteres ist die Aktion auf die Berufe der Schneiderinnen, Putzmacherinnen, Pelznäherinnen, Friseuse und Photographinnen beschränkt. Man erwartet von dieser Auswahl, daß sie sich günstig auf die Gestaltung derjenigen Handwerke auswirkt, die für die deutsche Mode immer neue Anregungen brauchen. Damit wird der kulturelle Beruf des deutschen Handwerks eine Förderung erfahren, die ihm im Interesse seiner Geltung innerhalb der Wirtschaft wohl zu gönnen ist. Daß den Gesellinnen unterwegs jede Unterstützung zuteil wird, versteht sich von selbst. Im Werkstattwanderbuch sind zudem alle Ratschläge für das Verhalten auf der Reise zusammengestellt.
ihn als unbestellbar zurück. Er wurde als vermißt gemeldet und blieb seitdem verschollen. Das kleine Notizbuch ist also das erste Schicksalszeichen, das seine Angehörigen seit mehr als 18 Jahren von ihm erhalten haben.
Neue Ueberschwemmungen in Süd-England.
Infolge anhaltender Regenfälle wurden weite Teile Sud-Englands erneut von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Besynders zu leiden haben viele Ortschaften in der Grafschaft Dorntshire und Puddletrenthied; dort stehen die Hauptstraßen völlig unter Wasser. Die Bewohner mußten in die oberen Stockwerke flüchten. An manchen Stellen ist der Verkehr völlig lahmgelegt. Auch die Themse ist wieder an vielen Stellen über die Ufer getreten.
Entgleisung eines Salpeterzuges in Chile.
Bei der Entgleisung der Salpeterbahn in der Nähe von Jquique (Chile) kamen fünf Arbeiter ums Leben. Zwei Arbeiter wurden unter den Salpetermassen verschüttet. Die Lokomotive und 36 Wagen des Zuges wurden vollkommen zertrümmert. Das Unglück dürfte auf den schlechten Unterbau der Bahnstrecke zurückzuführen sein.
Beim Spahenschießen tödlich verunglückt.
Der 19jährige Philipp Leidinger von Ilbesheim (Pfalz) wurde mit einer Schußwunde über dem rechten Auge blutüberströmt aufgefunden; er
wurde in das Krankenhaus gebracht. Dort stellte man fest, daß ein Schuß aus einem Flobertgewehr in das Gehirn eingedrungen war. Wenige Stunden darauf ist der Verunglücke gestorben. Der junge Mann schoß mit Vorliebe mit einem Flobertgewehr auf Spatzen, und es ist anzunehmen, daß ihm dabei das Unglück zugestoßen ist.
Zwölf Tote beim Absturz eines belgischen Flugzeugs in Afrika.
Ein belgisches Flugzeug, das. den Dienst zwischen Belgien und dem Kongo versieht, ist in Afrika a b - gestürzt. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben.
Furchtbares Autobusunglück bei Graz.
In der Nähe von Graz hat sich an einem Bahnübergang ein Autobusunglück ^eignet, das als eines der furchtbarsten anzusprechen ist, die in Oesterreich seit vielen Jahren vorgekommen sind. Die Zahl der Todesopfer beträgt drei, jedoch besteht bei mehreren der 16 Schwerverletzten wenig Hoffnung auf Rettung. Die UnglücksstäU^e bietet einen erschütternden Anblick. Der Kraftwagen, dessen Insassen sich zu einem Schispringen oege'-en wollten, wurde von der Lokomotive 300 Meter weit mitgeschleift und völlig zertrümmert. — Vor nicht langer Zeit hat sich an der gleichen Stelle ein schweres Unglück unter fast den gleichen Begleitumständen ereignet.
Büchertisch.
— Großtiers des Landes, Lebensbilder aus Urzeit und Gegenwart. Don Dr. Heinrich Schütz. 63 Seiten. Mit 31 Kunstdrucktafeln. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Kart. 2,60 Mark, Leinen 3,60 Mark. — (20) — lieber die Menge der Tiergestalten aller Zeiten ragen immer wieder einzelne Riesen empor. Scheinbar wahllos auftauchend und verschwindend wie eine flüchtige Laune der Schöpfung gehorchen auch sie den großen Gesetzen, die keinen Zufall kennen. Einmal in seinem erdgeschichtlichen Dasein faßt jeder Stamm alle feine Bildekräfte zusammen. Damit hat er das Letzte erfüllt und sich selbst die Grenze gesetzt. Don Entwicklung, Leben und Untergang der Elefanten, Nashörner, Flußpferde, der Mammute, Riesen- Hirsche und Höhlenbären, der Drachen der Saurierzeit, der Schildkröten. Panzerechsen und Riesenschlangen erzählt Heinrich Schütz in packenden Lebensbildern in diesem Buck. Es enthält auch eine Menge eindrucksvoller Tafelbilder.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Die im Bereiche zufammenfinkender Kaltlust zum Wochenende aufgekommene Witterungsbesserung bleibt nur ganz vorübergehend. Bereits im Laufe des Sonntags brachte an der Vorderseite eines neuen Wirbels herangeführte und an der Kaltlust zum Aufgleiten kommende milde Meeresluft Bewölkungsaufzug und von Westen her einsetzende Niederschlagstätigkeit. Die Niederschläge bestanden in den höheren Lagen anfangs aus Schnee, sind dann aber in Regen übergegangen. Deutschland bleibt im Bereiche von Tiefdruckstörungen, so daß bei uns das unbeständige Wetter erhalten bleibt, doch kann nach anfänglicher Milderung neue Abkühlung erwartet werden.
Aussichten für Dienstag: Wolkig bis bedeckt und Niederschläge. Bei südlichen bis westlichen Winden anfangs mild, später Abkühlung.
Lufttemperaturen am 7. Februar: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 2,7 Grad; am 8. Februar: morgens 1,5 Grad. Maximum 7,3 Grad, Minimum heute nacht 0,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Februar: abends 2,5 Grad; am 8. Februar: morgens 1,3 Grad. — Niederschläge 6 mm. — Sonnenscheindauer 4,3 Stunden.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen» letter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 37: 11250. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts- Buch- tmb Steindrückerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gi?ßen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
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