Wie sieht es in der Wirtschaft aus?
Die Wochen um den Jahresschluß pflegen tm allgemeinen ärmer an wirtschaftlichen Largängen besonderer Bedeutung zu sein als die übrigen Zeitabschnitte des Jahres. Immerhin brachte aber der Jahresschluß auf handelspolitischem Gebiet einige bemerkenswerte Vertragsabschlüsse mit fremden Staaten, so u. mit der Schweiz, Dänemark und den Niederlanden. Mit diesen Ländern liefen die zumeist Ende 1935 abgeschlossenen Handels- und Zahlungsabkommen ab. Es zeuat von der Bewährung des deutschen Außenhandelssystems, wie er durch den „Neuen Plan" durchgesetzt wurde, daß im allgemeinen die alten Verträge ohne wesentlichen Zusatz oder Ergänzungen verlängert werden konnten. So ist z. B. das Reiseverkehrs- und Warenverkehrsabkommen mit ber Schweiz fast unverändert geblieben. Es bleibt bei der bisherigen Kontingentierung. Darüber hinaus hat die Schweiz eine Reihe von autonomen Zollermäßigungen für deutsche Waren zugestanden. Das Wichtigste an der zukünftigen Regelung des Zahlungsverkehrs mit der Schweiz ist der W e g f a l l d e r f o g. „F u n di n g- B o n d s". An ihre Stelle tritt eine Regelung, wie sie bereits zwischen Deutschland und den Niederlanden besteht. Danach wird der Zinsanspruch der Schweizer Finanzgläubiger auf einen Höchstbetrag von 5,5 o. H. limitiert. Davon kommen 3 o. H. zur Barausschüttung. Für die restlichen 2,5 o. H. bekommt der Schweizer Gläubiger entweder eine Reichsmarkanweisung A, die zur Auswertung seines Guthabens in Deutschland berechtigt, oder eine Reichsmarkanweisung B für diejenigen Gläubiger, die in Deutschland keine Verwertungsmöglichkeit für ihre Sperrmark haben. Diese können das Papier veräußern bis zu einem Höchstkurs von 30 v. H. Eine neue Verschuldung Deutschlands wird durch diese Regelung nicht eintreten, da sie sich selbst aus den Erlösen der deutschen Ausfuhr finanzieren muß.
Der am 31. Dezember 1936 abgelaufene Handelsvertrag mit Dänemark hatte an sich eine erfreuliche Belebung des beiderseitigen Güterverkehrs gebracht, jedoch dadurch einen auf die Dauer unerquicklichen Zustand herbeigeführt, als einmal die dänischen Einfuhren nach Deutschland größer waren als umgekehrt und zum anderen durch die Tatsache, daß die dänischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse von Deutschland sofort bezahlt wurden, während für die nach Dänemark ausgeführten deutschen Jndustrieerzeugnisse längere Zahlungsziele, zum Teil drei bis fünf Monate, in Anspruch genommen wurden, ein erheblicher Debetsaldo zuungunsten Deutschlands aufgelaufen war. Um dies in Zukunft zu verhindern, ist in dem neuen Vertrag eine völlige Anpassung der Einfuhr an die Ausfuhr oorgenommen worden. Für den Umfang des voraussichtlichen Warenverkehrs im Jahre 1937 hat man die Endzhlen des Jahres 1936 zugrundegelegt, die schon höher waren als zu Beginn des Jahres 1936. Da der Handel Deutschlands und Dänemarks sich glücklich ergänzt, liegt eine weitere Steigerung des Warenaustausches durchaus im Bereich der Möglichkeiten. Der neue deutsch-niederländische Vertrag wird sich vor allem bemühen, den im Jahre 1935 aufgelaufenen Rückstand im deutsch-niederländischen Clearing durch die Erlöse der deutschen Ausfuhr zu tilgen. Sobald es die Umstände erlauben, wird von den Regierungen geprüft werden, ob an eine Erweiterung des Bezuges niederländischer oder niederländisch-indischer Waren durch Deutschland erfolgen kann. Im übrigen lehnt sich der neue Vertrag eng an den vorherigen an unter Weiterentwicklung der im alten Vertrag aufgestellten Grundsätze, insbesondere soweit sie den Bezug von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Rohstoffen durch Deutschland betreffen.
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Jetzt liegen auch die Ziffern vor, die die Entwicklung der Weltproduktion im Einzelnen beleuchten. Das W e 11 a u f r ü ft e n der Staaten hat unzweifelhaft die Produktion angeregt, aber darüber hinaus ist die Steigerung der Produktionsmengen doch auf eine echte Kaufkraft- Zunahme vor allem der großen A grarge b i e t e zurückzuführen, da sich die Preise für deren Produkte stark gehoben haben. Auf den Rohstoffmärkten herrschte demgemäß eine Haussestimmung, die erst in den letzten Tagen ruhigere Bahnen einschlug. Die Weltproduktion an Steinkohle betrug im Jahre 1932 957, im Jahre 1936 1220 Millionen Tonnen, für Erdöl sind die entsprechenden Ziffern 181 und 250 Millionen Tonnen, für Roheisen 36,9 und 90 Millionen Tonnen. Die Kupfererzeugung stieg von 931 000 To. tm Jahre 1932 auf 1 498 000 To. im Jahre 1935 und 1 600 000 To. im Vorjahre. Während 1932 751 Tonnen Gold und 5129 Tonnen Silber gefördert wurden, waren es im Jahre 1936 1050 Tonnen Gold und 8400 Tonnen Silber. Die Zahl der Automobile stieg von 1 977000 Stück auf 5 850 000 Stück und die Produktion von Kunstseide von 243 000 To. auf 500000 Tonnen. Die Weltproduktion des Bergbaues und der Industrie ohne Sowjetrußland hatte 1928 den Index 100, im Jahre 1932 den von 65, im Jahre 1936 aber wieder 101 erreicht, also um ein Leichtes den Stand des letzten Jahres der Hochkonjunktur überschritten. Gegen Ende 1936 gibt es fast kein Land, in dem sich die Wirtschaft nicht belebt hatte, selbst China hat nach der Neuordnung seiner Währungsverhältnisse einen Aufschwung erfahren, ebenso Britisch- und Niederländisch-Jndien. Ausgenommen ist nur Frankreich, das weiter von politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen zerrissen wird.
Im Vergleich zur gesamten Ackerfläche nimmt in Deutschland die Zuckerrübenanbaufläche einen verhältnismäßig kleinen Raum ein. Nur 2,2 d. 5). der gesamten Anbaufläche entfallen auf den Zuckerrübenanbau. Und doch hat die Zuckerrübe eine außerordentlich große Bedeutung, sowohl a l s Nahrungsmittel, aber auch als Lieferant eines der wichtigsten Futtermittel. Aus der gesamten Zuckerrübenernte fallen jährlich etwa 30 Mill. Zentner Zucker an, daneben aber noch 150 Mill Zentner Rübenköpfe und -blätter, 100 Mill. Zentner Naßschnitzel und 8 Mill. Zentner Melasse. Da der Zucker als Nahrungsmittel heute eine so große Bedeutung erlangt hat — je Kopf und Jahr werden etwa 21 Kilogramm verbraucht — ist es notwendig gewesen, auch die Zuckerwirtschaft in ihrem gesamten Umfang in die Marktordnung des Reichsnährstandes einzubeziehen. Die Ruben- anbauer, die Zuckeroerteiler, die Zuckerfabriken und Raffinerien, Hefefabriken, die Syruphersteller ufw. wurden zur H a u p t o e r e i n i g u n g b e r de u t- f eben Zuckerwirtschaft bzw. ihren Untergliederungen, den Zuckerwirtschaftsverbänden, zusammengeschlossen. Durch diese berufsständische Erfassung der Zuckerwirtschaft innerhalb des Reichsnährstandes ist nun eine allgemeine Regelung des Marktes möglich geworden, so daß letzt neben den
beiden wichtigsten Ackerbaufrüchten, dem Getreide und der Kartoffel, auch für die Zuckerrübe eine s/lltsti Bewirtschaftung sicherge-
Durch diese Regelung der Zuckerwirtschaft wird in Zukunft die Höch st e Ausnutzung der E r- zeugung, aber auch in der Verarbeitung der Zuckerrübe gewährleistet. Auch für die Verteilung des Zuckers vom Bearbeiter zum Verbraucher sind einheitliche Richtlinien herausgegeben worden. Zum erstenmal ist damit auch der Verbrauchszuckermarkt einer Regelung unterworfen worden. Waren bisher nur die Betriebe der Zuckerindustrie auf gesetzlicher Grundlage fest zusammengeschlossen und in ihrer Preisbildung einheitlich
ausgerichtet, so ist nun der ganze Zuckergroßhandel und die Verteilerschaft bis zum letzten Verteiler an einheitliche Preise gebunden. Lediglich Verbraucher- Höchstpreise waren bisher festgesetzt worden. Durch die neue Regelung werden an Stelle dieser Verbraucherhöchstpreise Verbrau cherfe st preise gesetzt, die gebietsweise für die Wiederverkäufer und Verarbeiter von Zucker in den einzelnen Gebieten festgelegt wurden. Dadurch wurde verhindert, daß der Einzelhändler der Schleuderkonkurrenz einzelner Verteiler ausgesetzt ist. Nach den neuen Festsetzungen liegt der Preis je Kilogramm Zucker zwischen 74 und 78 Pfg., während bisher die Preise zwischen 76 und 82 Pf. je Kilogramm lagen. Durch diese Schaffung der Festpreise ist es
dem Einzelhändler jetzt möglich, mit einer sicheren festen Spanne zu rechnen. Die Verkaufspreise liegen fest und können nicht mehr von Außenseitern unterboten werden. Dadurch, daß auch die Geschäftsbedingungen festgelegt sind, konnten unerträgliche Wettbewerbsverhältnisse, die hier und da bestanden, ausgeschaltet werden. Es ist durch diese Regelung der Zuckerwirtschaft gelungen, die ausreichende Versorgung mit Zucker zu sichern, dem Verarbeiter und Verteiler eine gerechte Spanne zukommen zu lassen und dem Verbraucher Zucker zu einem einheitlichen Preis zur Verfügung zu stellen, der der Lebenswichtigkeit dieses Nahrungsmittels entspricht.
Holland feiert die Hochzeit der Kronprinzessin.
Den Haag, 7. Jan. (DNB.) Den Haag, das die Holländer auch heute noch mit berechtigtem Stolz „bas schönste Dors Europas" nennen, hat feine vornehme patriarchalische Ruhe aufgeben müssen. Zum erstenmal seit langer Zeit hat bie Residenz eine Rächt bewegtester Freude, erfüllt von lebhaftem Betrieb, Musik und Singen hinter sich. Die Polizei- tunde war aus guten Gründen aufgehoben worden. Denn obwohl auch bie umliegenben Stäbte zur Unterbringung ber Besucher in Anspruch genommen waren, war es unmöglich, für alle Quartier zu be- chaffen. So verbrachten bie Massen bie Nacht in den Gasthäusern, um schon in ben ersten Morgen- tunben, mit Klappstühlen unb anberen Sitzgelegenheiten bewaffnet, bie Plätze an ben Straßen, burch bie ber Hochzeitszug kommen wirb, einzunehmen. Aber auch bie Tribünenbesucher mußten Frühaufsteher fein; benn viele Stunben vor ber Ankunft des Zuges war in ber Jnnenstabt an ein Durchkommen nicht mehr zu denken. Nur für bie Wagen der Gäste an ber Trauung war eine schmale Gasse von ben Absperrungen freigelassen.
Der Brautzug kommt!
Vor bem Königlichen Palast N o ordeinbe hat sich der Brautzug formiert Einer Abteilung reitender Artillerie und Kavallerie mit Standarten und Musikkorps folgen Staatskarossen mit den Brautjunfern und den Brautführern. Begeisterter Jubel begrüßt die berühmte goldene Kutsche, die mit acht prächtigen Pferden bespannt ist unb unter Vorantritt zweier Postillione auffährt. Die Staatskarosse, in ber b a s B r a u t p a a r zur Trauung fährt, ist von einem festlich galonierten Kutscher bei jedem der 8 Pferde unb 4 Lakeien an jeber Seite geleitet. Der Kommandant der 2. Husaren, des Regiments, dem Prinz Bernhard als Rittmeister angehört, und dessen Galauniform er trägt, reitet zur Rechten, ber Kommandant ber esfortierenben Eskadron zur Linken der Kutsche. Mit begeistertem Jubel wird auch die mit vier Pferden bespannte gläserne Kutsche mit der K ö n i g i n und der Prinzessin Bernhard zur Lippe-Biesterfeld empfangen. Die Hunderttausend^ die sich in den Straßen drängen, werden nicht müde, dem Brautpaar und der Landesmutter ihre Verehrung zu bezeugen.
Die Trauung.
An dem zu einer Triumphpforte verwandelten Eingang des alten Rathauses wird das Brautpaar vom Bürgermeister der Residenz empfangen und in das Arbeitszimmer geführt, wo er die bürgerliche Trauung vollzieht. Unter erneutem Jubel geht ber Brautzug bann zur „Großen Kirche" weiter, die im Gegensatz zu dem farbenfrohen Bild ber Straßen im Innern mit betonter Schlichtheit gestaltet wurde. Sie bedarf in der Schönheit ihrer gotischen Architektur, der dunklen Holztäfelung und ber schweren kostbaren Teppiche keiner weiteren Ausschmückung, um einer ber Feier angemessenen würdigen Eindruck hervorzurufen. Nur im Kanzelraum deutet ein dezenter aus Blattpflanzen und weißen Lilien bestehender Aufbau rund um die Kanzel auf das festliche Ereignis. Vor der Kanzel stehen unter einem kleinen Betpult bie Sessel für das Brautpaar. Als die goldene Kutsche auf der zum Fischmarkt gelegenen Seite vor der Kirche vorfährt, wirb bas Brautpaar an ber Tür durch den Oberkammerherrn in das Konsistorium geleitet, gefolgt von ber Königin unb ben übrigen Gästen.
In der Kirche sind alle Platze mit den Mitgliedern des Kabinetts, Staatswürdenträgern, ber Generalität unb Admiralität besetzt. Man sieht ferner die Spitzen aller Behörden und öffentlichen Körperschaften, bie Gäste des Hofes, den gesamten Hofstaat bis zu den Pächtern, Arbeitern und Angestellten ber königlichen Güter, enblich die Chefs der diplomatischen Missionen und Vertreter ber Presse.
Unter feierlichem Orgelklang betritt das Brautpaar die Kirche. Der Hofprediger Professor Dr. Ob ding schildert die Freude ber Nieberlande bei der Nachricht von der Verlobung ber Prinzessin, bie Freube, bie aufs neue emporgelobert sei, als das Volk den Auserwählten der Braut kennenlernte, der sogleich durch seine Person und sein Auftreten alle Herzen gewonnen habe. Schließlich machte sich ber Hofprediger zum Vermittler ber Glückwünsche des ganzen holländischen Volkes. Das niederländische Volk wolle in bem Paar, bas viele unb segensreiche Ausgaben in ben Niederlanden zu erfüllen habe, ein Vvrbilb in Treue, Pflichterfüllung und Gott- vertrauen sehen. Die kirchliche Handlung der Trauung nahm darauf der greife Alt-Hofprediger Dr. Welter vor. Unter Orgelspiel kehrte bas junge Paar bann in bas Konsistorium zurück, um dort bie Wünsche ber Eltern unb Verwanbten entgegenzunehmen.
Die Hochzeitsseier im SchloS.
Nachdem ber Hochzeitszug in bas Schloß Noorbeinbe zurückgekehrt war, mußte sich bas junge Paar, die Königin unb bie Mutter bes Prinzen immer wieder ber Menge zeigen. Ununterbrochen schallten bie Hochrufe unb bie Klänge vaterländischer Lieder zum Schloß empor. Das Schloßinnere war in einen einzigen Blumengarten verwandelt. Im großen Festsaal fand ein H o ch z e i t s f r ü h - stück statt, zu bem bie Königin 210 Personen geloben hatte. Das Brautpaar und die - Blutsver- manbten saßen an einer großen Tafel, bie übrigen Gäste an vielen kleinen Tischen. Unter ben Ge- labenen befand sich auch als Vertreter ber Regierung ber hollänbische Ministerpräsibent Dr. Coli j n , ber Minister für die auswärtigen Angelegenheiten G r a e f f, als Vertreter der Wehrmacht der Kommandeur des Feldheeres Leutnantgeneral Jonkheer Roell und der Chef des Generalstabes Leutnantgeneral R i j n b e r s , ferner ber erste Kom
missar ber Königin Jonkheer van Karnebek. Außerdem waren alle Offiziere des Militärkabinetts, die an dem Festzuge teilgenommen hatten, zur Tafel geladen, unter ihnen auch der indische Prinz M a n g k o e V e g o r o , ber als Abjutant ber Königin zu besonderem Dienst im Zuge mitgeritten war, weiter waren die Bürgermeister von Amsterdam, Rotterdam und der Residenzstadt Den Haag anwesend. Dom diplomatischen Korps waren der deutsche Gesandte Graf Zech, der englische Gesandte und der Gesandte von Schweden als Doyen des Diplomatischen Korps geladen.
H a a g , 7. Jan. (DNB.) Eine Sonderausgabe des holländischen Regierungsanzeigers, die am Donnerstag erschienen ist, enthält drei königliche Beschlüsse. Laut erstem Beschluß verleiht die Königin der Niederlande Prinz Bernhard zu Lippe- Biesterfelb ben Titel Prinz ber Niederlande mit bem Prädikat Königliche Hoheit. Durch zweiten königlichen Beschluß wird ber Prinzessin Juliana ber Nieberlanbe der Titel Prinzessin zu Lippe-Biest e r f e lb gegeben unb im brüten Beschluß wirb Prinz Bernhard der Niederlande indenStaats- r a t ausgenommen.
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Die goldene Staatskarosse mit bem Brautpaar. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
DieMünchenerBergsteigerFreygeborgen
Mühsames Rettungswerk im orkanartigen Sturm.
Berchtesgaden, 7. Jan. (DRB.) Die Alpine Rettungsstelle Berchtesgaden teilt mit, daß die beiden Münchener Bergsteiger Frey am Donnerstag um 12.30 Uhr gerettet worden find. Sie wurden etwa 150 Meter unterhalb der Südspihe angetroffen.
lieber die Rettung teilt die Deutsche Bergwacht u. a. mit: Nach dem Aufstieg am Donnerstagfrüh wurde A s ch a u e r (Berchtesgaden) in bie Ostwand abgefeilt, konnte aber keine Wahrnehmungen machen, ba bauernd Lawinen abgingen. Dann folgten Schmaberer unb & ö 11 n er, am Schluß Kurz (Berchtesgaden) in die Wand hinunter. Um 11.30 Uhr unternahm Schmaderer noch einen letzten Versuch, ließ sich noch tiefer in bie Wand hinunter und entdeckte 40 Meter unter sich die beiden Frey. Er ließ ihnen sofort Essen hinunter. Sodann begann das mühevolle Aufseilen. Sowohl die beiden Frey als auch die Rettungsmannschaft mußten heraufgezogen werden, da sie in den lockeren meterhohen Pulverschnee einfach versanken. Um 15 Uhr war alles oben am Gipfelgrat wieder versammelt, und nach einer kurzen Ruhepause begann der Abstieg.
Die beiden Frey sind zur Wimbachgrieshütte hinuntergegangen, allerdings mit Unterstützung. Während der ganzen Unternehmung herrschte ein orkanartiger Sturm; sogar die Leute, die bereits im Kaukasus und im Himalaya waren, brachten zum Ausdruck, daß sie etwas Derartiges noch nie erlebt hätten. Die Schneelage neigte zu außerordentlicher Lawinengefahr. Es mußten deshalb die gesamten Geräte unb Ausrüstungsgegenstände, Zelte, Seile usw. zurückgelassen werden, wenn man nicht eine neue Katastrophe heraufbeschwören wollte.
Die beiden Frey hätten ohne fremde Hilfe den Gipfel unter keinen Umständen mehr erreicht. Sie hatten feit drei Tagen -keinen Proviant mehr. Die letzte Rächt verbrachten sie ohne Zettsack, da sie in der Annahme, den Gipfel noch am Mittwoch zu erreichen, den Zeltsack zurückgelassen hatten.
Beide hatten sich die Füße erfroren und werden in der Wimbachgrieshütte zur Zeit sachgemäß behandelt. Von den vom Flugzeug abgeworfenen Proviant und den Ausrüstungssäcken konnten sie nichts erreichen.
Die „Weinende Prinzessin" und die „Weiße Postmeister".
Zum Tag der Briefmarke am IO. Januar.
Von M. A. v. Lütgen-orff.
Von der kanadischen Postverwaltung ging unlängst eine Warnung aus, die die amerikanischen Briefmarkensammler sehr bestürzte. Sie lautete dahin, daß von der „W einenden Prinzessin" Fälschungen im Umlauf seien. Die „Weinende Prinzessin" war bisher eine sehr gesuchte Seltenheit. Eine Marke, auf der die englische Prinzessin Elisabeth abgebildet ist, von der aber Fehldrucke heraus- gekommen waren, auf denen unter bem rechten Auge ber Prinzessin ein kleiner Fleck sichtbar war, der wie eine Träne aussah. Natürlich wurden diese Fehlmarken sofort wieder eingezogen, aber eine kleine Zahl war bereits herausgegangen, und nach dieser „weinenden Prinzessin" wurde denn sofort eifrig gejagt. Nun ist man aber darauf gekommen, daß es Falschem gelungen ist, die Träne künst - lich auf die Marken zu zeichnen, und zwar so ausgezeichnet, daß man die Fälschung nur mit Hilfe einer scharfen Lupe erkennt.
Es gibt auch erlaubte Fälschungen. So handelte es sich zum Beispiel bei den ersten Briefmarken, die mit dem Kopf König Eduards VII. von England herauskamen, insofern um eine „Fälschung", als die Marken nicht nach dem Kopf des Königs, sondern nach den Zügen eines Mannes gezeichnet wurden, der ihm aufs Haar ähnlich sah und auch allgemein als sein Doppelgänger galt. An Stelle des Königs ließ sich dieser Mann — ein Deutscher, der in London ansässig war — von dem Künstler zeichnen, und als die Marke in den Verkehr kam, hat wohl kaum jemand die Fälschung, zu der übrigens der König seine Einwilligung gegeben hatte, bemerkt.
Im Sinne der Post unerlaubt handelte der Postmeister James Buchanan aus Baltimore. Es war zu Ende der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, zu einer Zeit, da Baltimore noch keinen großen Postverkehr mit Europa hatte unb keine Briefmarken befaß. Aber eines Tages kam ein
Mann aufs Postamt unb wollte eine Karte nach Lonbon aufgeben, unb auf biefe Karte hätte nun eigentlich eine Briefmarke gehört. Doch Buchanan wußte sich zu helfen. Er nahm bie Karte unb zeichnete unb malte einfach eine Marke barauf. unb bamit war bie Karte frankiert. Der Mann, ber die Karte abgefanbt hatte, war aber überaus geschäftstüchtig, und als er bald darauf nach London kam, war sein erstes, sich die Karte von dem Adressaten, der sie glücklicherweise noch besaß, aushändigen zu lassen, worauf er sie einem Briefmarkensammler anbot und schon damals ein hübsches Stück Geld dafür erhielt. Heute ist die „W e i ß e P o st m e i ft e r", bie einmalig ist, Unsummen wert. Obwohl sie eigentlich keine Briefmarke im Wortsinn ist unb, genau genommen, auch eine „Fälschung".
Auch bei ber seltenen Bermuda-Penny- mar k e von 1849 hängt ber Wert von bem Postmeister ab, ber sie bamals ausgab. Dieser Postmeister pflegte nämlich bie Marken mit feinem Namen „W. B. Perot" zu versehen. Marken, bie er nicht auf biefe Weise kennzeichnete, waren ungültig. Späterhin würben bie Briefmarken mit bem Namenszug des gewissenhaften Postmeisters sehr gesuchte Stücke, für die phantastische Preise erzielt wurden.
Daß durch Briefmarken eine Revolution hervorgerufen wurde, war auch schon ba. Im Jahre 1885 hatte Korea ben Plan gefaßt, sich bem Weltpostverein anzuschließen. Ein hoher Beamter, Herr M i n Aon I k, hatte bie Verhandlungen geleitet, unb schon waren Marken — bie ersten Briefmarken von Korea — gebrückt worben. Demnächst sollte also ber Postverkehr eröffnet werben, aber ba erhob sich auf einmal eine Gegenpartei. Dieser neue Postverkehr, hieß es im Volk, fei ein „Werk ber fremden Teufel" unb würbe bem Land nur Unglück bringen. Min Aon Jk wurde überfallen und schwer verletzt. In Söul brachen Unruhen aus, das Volk scharte


