bilar in Turnerfrische noch viele Jahre bester Gesundheit beschieden sein.
Semeindetag der petrusgemeinde.
Der Saal des Caf6 Leib war zum Gemeindetag der Petrusgemeinde am Sonntagnachmittag von Erwachsenen, sowie einer stattlichen Zahl von Kindern und Jugendlichen dicht gefüllt. Pfarrer Trapp hieß in seiner Begrüßungsansprache die zahlreich erschienenen Gemeindeglieoer und Gäste herzlich willkommen. Er betonte, daß solche Gemeindetage, wie sie alljährlich gehalten zu werden pflegen. Der Festigung des Zusammenhalts in der Gemeinde in zwangloser, geselliger Form dienen. Er sie günstig, daß dieser Tag gerade in die Ad- venlszeit falle, die der Christenheit in der 23or- freude auf Weihnachten und die Geburt Christi stets ein verstärktes Bewußtsein enger, brüderlicher Verbundenheit gebe.
Wventsstimmung und .freude erfüllte den ganzen Nachmittag. Besonders gefiel das finnige Adventsspiel „Der Alte vom Berge", das im Mittelpunkt der Darbietungen stand (vom Hess. Landesverein für Innere Mission verlegt). Ebenso lösten ein kleines symbolisches Spiel des Mädchenkreises und ein Zwergespiel, sowie einige Volkstänze lebhaften Beifall aus. Groß und klein gaben dabei ihr Bestes. So wurde die aufgewandte Mühe reichlich gelohnt. Gemeinsame Lieder und Vorträge des Frauenchors umrahmten die einzelnen Stücke, mit einigen Adoentsliedern und Schumanns „Hymne an die Nacht" zeigte sich der Chor unter Leitung von Lehrer Kröll auf beachtlicher Höhe.
Pfarrer Trapp dankte am Schluß der wohl- gelungenen Veranstaltung allen herzlich, die an der Vorbereitung und Durchführung mitgearbeitet hatten, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Gemeindetag der noch jungen Petrusgemeinde zu ihrer gedeihlichen Weiterentwicklung einen wesentlichen Dienst geleistet haben möge.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 7. Dez. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, ausländische, Klasse A 12, Wirsing, % kg 8 bis 12, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 28, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, kg 15 bis 40, Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 60, Schwarz- wurzelü 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 20 Pf., Birnen 10 bis 15, Nüsse 35 bis 50, Hähne 90 Pf. bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 50, Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
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* * 79 Jahre alt Am morgigen Mittwoch, 8. Dezember, begeht Frau Margarethe Kreh- b a ft, geborene Junker, in geistiger und körperlicher Frische ihren 79. Geburtstag.
* * Gesund durch Die Natur. Vom Naturheilverein wird uns zu dem Filmvortrag am Mittwoch, 8. Dez., geschrieben: Jedermann weiß heutzutage, welche Bedeutung Licht, Luft, Sonne und Wasser für die Gesunderhaltung des Körpers haben. Aber nicht alle wissen, wie man diese natürlichen Heilmittel auch zweckmäßig anwendet. Dies soll der Film lehren: „Gesund durch die Natur". Wir sehen Gymnastik beim Erwachsenen und vor allem beim Säugling. Deshalb sollten alle Mütter diesen Filmvortrag besuchen. Gezeigt werden weiter Wasseranwendungen als Umschläge aller Art, als Güsse, als Waschungen, als Bäder. Die Hausfrau sieht, wie sie ihre häuslichen Arbeiten falsch oder richtig macht. Der berufstätige Mensch erfährt, wie er sich leistungsfähig erhält.
Gießener Werbung zum Weihnachtsgeschäft
haben. Auf dem Gebiete der Lichtwerbung ist weiterhin eine bengalische Beleuchtung sehenswerter Gebäude heroorzuheben, die sicherlich ebenfalls erhebliches Interesse finden wird.
Als weitere Maßnahme der Werbung sind sechs Platzkonzerte des SA.-Musikzuges Der Standarte 116 vorgesehen, Die am kommenden Samstag ihren Anfang nehmen werden. Die Konzerte werden am Samstag, 11. Dezember, und Sonntag, 12. Dezember, Mittwoch, 15. Dezember, Samstag, 18., und Sonntag, 19. Dezember, ferner am Mittwoch, 22. Dezember, jeweils um 16 Uhr b e - ginnend, stattfinden. Die Konzerte werden zwei- mal am Selterstor und zweimal am Kreuzplatz, je einmal an der Plockftraße und am Lindenplatz gegeben werden.
Damit auch die Schaufenster in wirkungsvoller Weise beleuchtet sein werden, sind Den an Der Gemeinschaftswerbung beteiligten Einzelhandelsfirmen weitgehende Beleuchtungsmög- l i ch k e i t e n vom Elektrizitätswerk an Die Hand gegeben worden. Man kann durch diese reichliche Verwendung von allerlei Lichtquellen, im Zusammenwirken mit Den übrigen Werbefaktoren, sicher Darauf rechnen. Daß auch in diesem Jahre in Gießen eine Weihnachtswerbung Zustandekommen wird, die sich Durchaus gleichwertig gegenüber anderen Städten erweisen wird.
Der tatkräftige Einsatz aller Werbungskräfte durch Die an Diesem Gemeinschastswerk mitarbeitenben Einzelhandelsfirmen und Durch den Fremdenverkehrsverein unserer Stadt verdient alle Anerkennung und insbesondere auch die tatkräftige Förderung aus allen Bevölkerungskreiseu.
OieVerkaufssonntaaevorWeihnachten
Im Bezirk der Stadt Gießen wird an den zwei Sonntagen vor Weihnachten, nämlich dem 12. und 19. Dezember, auf Grund des § 105b Abs. II der Gewerbeordnung in der Zeit von 12 bis 18 Uhr die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen zugelassen. Es dürfen sonach an diesen Tagen gemäß § 41a der Gewerbeordnung während der gleichen Zeit die Verkaufsläden zum Gewerbebetrieb offengehalten werden.
In diesem Jahre drängt sich das Weihnachtsgeschäft allerorten nur auf verhältnismäßig wenige £age zusammen. Im Hinblick darauf gilt es, alle Kräfte in straffer Zusammenfassung einzusetzen, um einerseits dem kaufenden Publikum Die besten Möglichkeiten für Die Weihnachtsbesorgungen zu bieten, anDerseits Der Geschäftswelt Die Abwicklung Des Weihnachtsgeschäftes so ertragreich als möglich zu erschließen. ,
Eine Anzahl von Gießener Einzelhan- delsfirmen hat sich in Gemeinschaft mit Dem FremDenverkehrsverein zusammengetan, um Die Gießener Weihnachtswerbung m Diesem Jahre nach großzügigen Gesichtspunkten straff Durchzuführen. Diese Einzelhandelsfirmen, Die sich in anerkennenswerter Weise für Diese Gemeinschaftsleistung einsetzen und Dafür auch allerlei Opfer bringen, werden nach außen hin kenntlich gemacht durch einen 1,20 Meter hohen und 70 Zentimeter breiten stilisierten W e i h n a ch t s b a u m, der von einem farbenfreudig hergestellten Weihnachtsmann getragen wird. Dieses Weihnachtszelchen soll der Kundschaft Dartun, Daß Die jeweilige Firma sich in opferbereiter Weise an Der großzügigen Gemeinschaftswerbung beteiligt. Ferner werben in Den Orten Der Umgebung von Gießen Werbepla - k a t e angebracht werden, Die gleichfalls Die Aufmerksamkeit auf Die Gießener Weihnachtswerbung lenken sollen.
In Den Straßen der Stadt sind an den verschiedensten Stellen 12 Weihnachtsbäume ausgestellt worden, Die Dem Straßenbild ein weihnachtliches Gepräge geben werden. Zur wirksamen Ausgestaltung unserer Geschäftsstraßen werden weiterhin a l l*e Straßenlampen der Innenstadt für die Dauer der Weihnachtswerbung eine besonders verstärkte Beleuchtung durch 500-Watt-Lampen erhalten, die im Zusammenwirken mit den elektrisch beleuchteten Weihnachtsbäumen eine gute Lichtwerbung erwarten lassen. Die Hauptgeschäftsstraßen werden außerdem mit Girlanden schmuck zwischen zwei hohen Masten beiderseits der Straßen versehen werden, an den Girlanden wird allerlei Weihnachtsschmuck, bestehend aus großen Sternen und Zapfen, zu sehen sein. Insbesondere wird dieser Straßenschmuck an den Torhäufern feinen Platz
sonenwagen sich zu dreiviertel um feine Achse drehte und dann mit der Spitze in Richtung Moltke- flraße zum Stehen kam. Die beiden Insassen des Personenautos, Die ebenfalls keinerlei Papiere bei sich hatten, tarnen wie Durch ein WunDer unverletzt Davon, jeDoch wurDe Das Auto am Dorderbau fo stark befdjäbigt, Daß es offensichtlich fahrtunfähia geworden war. Die Polizei war auch hier rasch zur Stelle und nahm Die erforderlichen Feststellungen vor.
Sowohl im Interesse der Kraftfahrer selbst, als auch zum Schutze Der Durch Derart leichtfertige Fahrer gefährdeten Fußgänger muß dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß m dieser verkehrsreichen Straße und insbesondere an den gefährlichen Straßenkreuzungen künftighin von allen Fahrern mehr Verantwortungsbewußtsein bekundet wird. Vielleicht würde auch eine öftere polizeiliche Kontrolle auf dieser Strecke ein gutes Stück Verkehrserziehung leisten können.
Tödlicher Llnfall bei Allendorf (Lahn).
A l l e n D o r f (Lahn), 7. Dez. Gestern gegen 20.30 Uhr ereignete sich am Ortsausgang nach Dutenhofen, an der Kurve und unweit des Abhanges, ein schwerer Derkehrsunfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der etwa 44 Jahre alte Landwirt Friedrich Loh von Dutenhofen, befand sich mit feinem mit Mehl beladenen Fuhrwerk auf dem Rückweg nach Dutenhofen. Plötzlich kam ihm ein Lastkraftwagen entgegen, Der von Ludwig Kriege! aus Lützellinden gesteuert wurde, Der sich auch seinerseits auf Der Heimfahrt nach Lützellinden befand. Der Lastkraftwagen fuhr mit großer Wucht gegen das Pferdefuhrwerk. Der bedauernswerte Landwirt Loh wurde dabei so schwer verletzt, daß bald nach dem Zusammenstoß Der Tod eintrat. Auch Das Pferd wurde erheblich verletzt, so daß es sofort nach Der Veterinärklinik nach Gießen gebracht werden mußte. Auch Der Wagen wurDe beschädigt; die Deichsel brach unter Dem Zusammenprall. — Der Kraftwagenführer Briegel wurDe von der inzwischen herbeigerufenen Gießener Kriminalpolizei in Haft genommen. Der bei Dem Unfall ums Leben gekommene Landwirt Loh hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Der Unfall ist um fo tragischer, als bereits vor einiger Zeit der Bruder des Verunglückten auf ähnliche Weife um das Leben kam.
Todessturz aus dem Fenster.
Unerhörte Autoraserei leichtfertiger Fahrer.
Wer täglich Gelegenheit hat, den Kraftfahrverkehr in der Kaiferallee zwischen Voltshalle und der Straßenkreuzung bei der Persiluhr zu beobachten, ganz besonders auch in den Abendstunden, Der muß sich nur immer wieder darüber wundern, daß von Dort nicht alltäglich mindestens ein Autounfall mit Todesopfern zu berichten ist. Manche Kraftfahrer scheinen diese glatte Straßenfläche, ungeachtet Der verschiedenen Straßenkreuzungen, geradezu als eine Rennbahn anzusehen, auf der nach ihrer Meinung aus Der Kraft Des Motors Die höchste Leistung herausgeholt werden muß. Auswärtigen Kraftfahrern könnte vielleicht einigermaßen zugute gehalten werden, daß sie die Gefahr dieser Straße mit den verschiedenen Straßenkreuzungen .und Straßeneinmündungen nicht kennen, einheimische Kraftfahrer können aber diesen Milderungsgrund — wenn man ihn überhaupt gelten lassen will — nicht für sich in Anspruch nehmen. Da wird drauflos gerast, daß den Fußgängern oft geradezu Die Haare zu Berge stehen, nicht nur um Der leichtfertigen Autofahrer selbst willen, sondern auch wegen Der durchaus berechtigten Besorgnis, daß ein solcher mit höchster Geschwindigkeit einherrasender Wagen bei Der geringsten Hemmung seitwärts auf den Bürgersteig sausen und dort Fußgänger verletzen, vielleicht sogar überrennen und töten kann. Besonders kann man diese verantwortungslose Fahrerei selbst an Der sehr gefahrvollen Straßenkreuzung Moltkestraße-Licher Straße-Kaiserallee bei Der Persiluhr beobachten, wo manche Fahrer
es kaum für notwendig halten, die hohe Geschwindigkeit ihres Wagens zu mindern.
Es ist denn auch fein Wunder, daß es gerade an dieser Straßenkreuzung öfter zu Unglücksfällen kommt. So rannte am Sonntagabend an der Ecke Kaiferallee-Moltkestraße eine Geschäftsdreirad mit allerlei Tempo von hinten auf einen Lastwagen auf, daß es ganz gehörig „rappelte". Natürlich gab es an dem Dreirad allerlei „Kleinholz", der Fahrer kam aber zu feinem Glück unverletzt davon. Bei den sofortigen polizeilichen Ermittlungen ergab sich, daß die zu dem Fahrzeug gehörigen Ausweispapiere nicht vorhanden waren. 24 Stunden später, am gestrigen Montag um 22 Uhr, krachte es an dieser Straßenkreuzung schon wieder. Diesmal war Die Situation weit gefährlicher als am Abend vorher, weil der Anprall mit ungeheurer Wucht erfolgte. Der Sachverhalt vom Montagabend ist folgender: Ein Personenauto, das von einem Gießener Fahrer gelenkt wurde, kam mit ungeheurer Geschwindigkeit die Kaiserallee herab in Richtung Ludwigsplatz. Vor Der Straßenkreuzung an Der Ecke Moltkestraße hatte Der Wagen noch eine ge- raDezu unheimliche GeschwinDigkeit. In diesem kritischen Augenblick kam ein Lastauto aus Der Moltkestraße heraus, um nach Der Licher Straße zu fahren. Der Lenker des rasenden Personenautos versuchte jetzt, seinen Wagen zu stoppen, wobei dieser infolge der hohen Geschwindigkeit jedoch ins Schleudern kam und mit der linken Seite des Vorderbaues gegen Die linke Seite Des Hinterbaues Des Lastwagens so heftig anprallte, Daß Der Per-
Ranstadt, 7. Dez. In der Sonntagnacht ereignete sich in unserem Orte ein schwerer Unfall. Der 32jährige Installateur Heinrich Jakob stürzte aus dem Fenster feiner Wohnung und zog sich Dabei schwere innere Verletzungen zu. Der Verunglückte mußte sofort vom Roten Kreuz NiDda in Die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werDen. Obschon sofort zur Operation geschritten wurDe, erlag Der Verunglückte am Montagmittag Den Folgen Der erlittenen schweren Verletzungen.
Rundsunkprogramm
Mittwoch, 8. Dezember.
6 Uhr: MorgenlieD. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Aus Der Königsbacher Brauerei AG., Koblenz- Königsbach: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten (auch aus Dem SenDebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Uns gefällt Die Welt! 15: Volk unD Wirtschaft: Worüber man heute spricht! 15.15: „Es weihnachtet sehr". 16: Martin Plüdde- mann, ein vergessener deutscher Balladenkomponist. 16.30: Puppen- und Spielmusik. Ein Unterhaltungskonzert für kleine und große Leute. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 21.15: Klänge Der Heimat. 22: Nachrichten (auch aus Dem SenDebezirk).
Der heutigen Gesamtausgabe liegt ein Werbeblatt mit Preisausschreiben Der Firma Kaisers Kaffee- Geschäft bei. 8070V
Blandine setzt sich durch
Roman von
Hans-Joachim Freiherr» von Reihenstein
Copyright by Carl Ouncker
Schluß. Nachdruck verboten.
„Aber Frau Hertel, so habe ick Det nu wirklich nich jemeint!" brachte Lüdtke — schon wesentlich kleinlauter geworden — vor.
„Nich jemeint?" ereiferte sich Frau Hertel. „Nehmen Sie rnir's nich übel! Aber entweder sind Sie ein janz dämlicher Trottel, Der auf’n Kopp gefallen 15; denn sonst hätten Sie auf so'n Blödsinn nich reinfallen Dürfen. ODer Sie sind ein jemeiner Kerl, ein Schuft — ein Schuft so groß, wie er im Buch steht. Nu können Sie sich aussuchen!"
Lüdtke wollte aufbegehren, hielt es aber Dann doch besser, zu schweigen.
Frau Hertel mäßigte sich Denn auch bereits im Ton, als sie fortfuhr:
„Denken Sie Doch mal ruhig nach! Wie kommt Denn Das, daß meine Tochter sich überall ihre Stellung schafft? Sie wissen das doch auch. Fragen Sie doch in Der Lambertzschen Klinik. Oder hören Sie mal, was Frau Molny von ihr hält. Das ist ein Mensch, Der Die Welt kennt. Oder gehn Sie zu Diehls unD erfunDigen Sie sich. Uebrigens Diehls — Da konnten Sie mir sogar einen großen Gefallen tun, wenn Sie dahin gehen würden. Ich wollte noch an einem Kleid was ändern, das meine Tochter dagelassen hat. Würden Sie das vielleicht abholen? Da hätten Sie Den schönsten VorwanD, um mit Der Frau Professor zu sprechen."
LüDtke wußte nicht, was er erwidern sollte.
„Sie sehen, ich will Ihnen Gelegenheit geben, alles wieder gutzumachen", sagte Frau Hertel halb gutmütig, halb spöttisch.
„Ja, ick fürchte, ick muß mir doch jeschlagen geben", lachte Lüdtke, noch immer verlegen. „Denn der Oberarzt scheint ooch von Ihre Partei zu sein."
Frau Hertel hatte keine Lust, ihm darauf zu antworten. Sie sagte nur: „Wenn Sie noch ein kleines bißchen Anstandsgefühl im Leibe haben, Lüdtke, dann wissen Sie übrigens jetzt, was Sie zu tun Haden. Herr Doktor Schrader hat mich gebeten, ihn anzurufen, wenn ich mit Ihnen gesprochen habe. Ich glaube, den Jroschen kann ich sparen."
„Gewiß, Frau Hertel, ich weiß noch immer, was sich jehort. Und da wir gerade mal davon sprechen, da will ick Ihnen mal janz offen sagen: ick bin een mächtig eifersüchtiger Kerl! Und ick hätte ihr zu fern eins ausaewischt, weil sie von mir nifcht hat wissen wollen."
„Sie sind mir ja ein lieber Junge! ’ne Dolle
Nummer!" sagte Frau Hertel. „Sie sollten sich doch eigentlich was schämen!"
Im Ton ihrer Stimme lag etwas, das es Lüdtke ratsam erscheinen ließ, sich schleunigst zu verabschieden.
Ein Glück, daß mir noch an Dem Abend, an dem ich an Die Polizei habe schreiben wollen, Die Tinte eingetrocknet war, dachte er, als er sich auf Den Weg machte, um Die nicht geraDe sehr angenehmen Aufträge zu erledigen.
Pünktlich um Drei Uhr war Herr Schmittke am Montag zur Stelle. Pünktlich trug Frau Hertel Den duftenden Kaffee und Den selbstgebackenen Kuchen auf.
Der Gast genoß wieder einmal Die Behaglichkeit, Ruhe und Gediegenheit von Frau Hertels Häuslichkeit und Tisch. Und Dann, nach Dem Kaffee, wurde er in die Sofaecke genötigt und bekam eine gute Zigarre. Und nun war ja wieder fast ein Jahr herum, und Frau Hertel würde es vielleicht nicht aufdringlich finden, wenn er seinen Antrag wiederholte.
„Jetzt reift das gnädige Fräulein schon von ihrem Ersparten in Den Wintersport. Jetzt braucht sie Sie doch ganz bestimmt nicht mehr."
Frau Hertel sann seinen Worten nach. Dann sagte sie leise:
„Ich alaube, Kinder brauchen einen immer."
Was sollte sie Herrn Schmittke aber sonst noch Jagen? „Können wir beide in unserm Alter nicht ein für allemal gute Freunde bleiben?" versuchte sie vorzuschlagen. „Das wäre soviel einfacher."
Herr Schmittke schluckte schwer. Und nach einer Pause sagte er bescheiden:
"Frau Hertel, ich habe eine große Bitte:'nehmen Sie mir nicht die Hoffnung!" Dann wechselle er das Thema.
Was soll sie einem solchen Mann sagen? Kann sie ihm sagen, daß es ein Unterschied ist, ob eine Frau mit einem Menschen gut befreundet sein will, oder ob ihr das Herz fast die Rippen zersprengt, wenn sie eines Mannes Schritte von ferne hört?
Einstweilen wurde sie der Antwort enthoben. Denn es klingelte draußen sehr laut. Und dann bekam sie ein Telegramm von ihrer Tochter.
„Schlechtes Wetter. Ankomme vier Uhr. Nicht abholen. Gruß Blandine."
„Dann will ich nicht mehr stören, Frau Hertel", sagte der Gast. „Sie werden noch einiges oorzurich- ten haben. Kann ich Ihnen irgend etwas helfen?"
„Nein. Danke vielmals, Herr Schmittke."
Er erhob sich. „Dann muß das kleine Fräulein ja bald Da fein."
„Das glaube ich auch", sagte Frau Hertel erleichtert. Sie drückte ihm zum Abschied fest Die Hand. „Sie sind, fo viel mir bekannt ist, mein bester
Freund, Herr Schmittke. Und das bleiben Sie auf alle Fälle!"
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Berlin ist wie eine brave, tüchtige Frau, der aber bei weitem nicht alles steht.
Das Wetter dieses seltsamen Winters veränderte die klare Stadt schmerzlich. Sie ist für die Altertumsschwärmer sonst fast zu sauber, nüchtern und übersichtlich. Denn ein aufgeräumtes Haus ist schon, und Staub hinter den Schränken ist nicht schon. Aber man findet vielleicht einen interessanten, halbvergessenen Zettel oder ein vergilbtes Dokument dahinter.
Jetzt webt ein ungewohnter Nebel einen Schleier um Die Stadt. Aber hier wirkt er nicht romantisch, sondern nur unangenehm für die Atmungsorgane und besonders für die Stimmung.
Blandine fährt nach Hause. Sie ist gräßlich müde nach einer durchweinten und durchwachten Nacht. Und richtig lebensmüde ist sie. Ihr Glück ist zerbrochen, ihre Hoffnungen sind tot. Sie selbst kommt sich beschmutzt und widerlich vor. Angesichts Der nieseligen Landschaft nickt sie ein und wird erst kurz vor Berlin wieder wach.
Ihr gegenüber rüstet sich ein junges Mädchen fröhlich zur Heimkehr. Vergnügt und unbekümmert reibt und malt und pudert sie an sich herum.
Ihre Gesichtshaut ist schlaff und körnig, denkt Blandine. Sie hat auch einen grauen Hals. Merken denn die Männer eigentlich gar nicht, was unter dem make up sitzt? Schließlich ist doch das das Wesentliche. Ach was, Männer scheinen überhaupt für das Wesentliche in einem Mädchen keinen Sinn zu haben. Wer sich am besten zurechtmacht, hat sie. Dieser kluge Doktor Schrader verachtet nun mich aus Herzensgrund. Aber zu Greta kehrt er zurück. Zum Hohnlachen ist das.
Das Mädchen ihr gegenüber bürstet den verstäubten Puder von ihrem Kleid.
Blandine hat nicht einmal Lust, in den Spiegel zu sehen, ob ihr Haar in Ordnung ist. Es lohnt ja alles nicht. Endlich holt sie ein Fläschchen Kölnisch Wasser heraus und wäscht sich mit Watte Gesicht, Hals und Hände sauber. Dann fährt sie sich unwillig ein paarmal mit dem Taschenkamm durchs Haar.
Und während ihre Reisegefährtin ihre Kappe vor dem Spiegel so lange hin und her probiert, bis sie fesch sitzt, stülpt Blandine trotzig ihren Hut auf das lockige Haar, das so natürlich fällt, daß es immer in Ordnung scheint, und sieht mit einem einzigen schiefen Blick neben dem Spiegelbild der andern, daß es so geht. Dann rafft sie ihre Sachen zusammen.
Aus dem Bahnsteig drängen sich die Aussteigenden und die sie Erwartenden. Jeder wird abgeholt, so scheint es Blandine, nur sie selbst nicht. Im Augenblick vergißt sie oder will sie vor Selbstmit
leid vergessen, daß sie sich verbeten hat, sie abzuholen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, sie hätte die Mutter kommen lassen, um sich gleich jetzt bei ihr auszuweinen. Denn auf etwas anderes wird es nicht herauskommen. Blandine hat in manchen Situationen gerabegeftanben. Sie hat sich schwer Durchgearbeitet unb burchgekämpft und ist anberen oft ein Halt gewesen. Aber es hat ja alles keinen Sinn mehr. Unb sie will sich einfach ihrer Mutter an den Hals werfen unb wie ein Kind meinen.
Das Schieben unb Drängen der Leute auf Dem Bahnsteig ängstigt sie heute sehr. Jeder scheint zu jemand zu gehören unb an solchem einzeln gehenben Mäbchen herumzustoßen. Einer nimmt seine Schneeschuhe nicht in acht, sonbern schwatzt mit seiner Braut, bie ihn abgeholt hat. Pärchen kommen braungebrannt unb lachenb unb plaubernb von der gemeinsamen Reise. Unb auch um sie muß man einen Bogen machen, wenn man sich nicht an ihren Skistöcken stoßen will.
Blanbine hat keine Hanb frei. Der Beamte an ber Sperre muß bie Fahrkarte aus ihren Fingern losen, bie gleichzeitig bie Schneeschuhe und Stöcke umklammern.
Während dieses kurzen Aufenthaltes tritt plötzlich vom äußeren Bahnsteig her jemand dicht an sie heran. Ein Herr zieht den Hut, um sie zu begrüßen.
Blandine blickt erschrocken zu ihm auf.
„Guten Tag", sagt Doktor Schrader, und er zieht sie ein paar Schritte seitwärts aus Dem Gewühl heraus. Jetzt kann sie wenigstens stillstehen und frei atmen. Sie sieht ihn nicht an. Ist das ein Zufall, daß er hier ist? Warum spricht er denn überhaupt mit ihr — nach gestern abend? Trotzig und erstaunt fragt sie:
„Wie kommen Sie denn hierher?"
Er schüttelt den Kopf: „Nicht fragen, bitte!" Dann lehnt er die Schneeschuhe, die er ihr abgenommen hatte, neben sich an eine Bank. Sie sieht ihn willenlos an. Er blickt sie liebevoll an unb lächelt. „Ich finbe, wir haben schon viel zu viel gerebet."
Da blitzt sie ihn kampfbereit an: „Sie haben geredet. Ich habe Ihnen noch gar nichts erklärt." Alle Müdigkeit ist plötzlich von ihr abgefallen und sie sieht wunderbar lebendig und hübsch aus.
Wohlgefällig mustert er ihre zierliche, kleine und gestrafte Gestalt. „Ist auch gar nicht mehr nötig , sagt er. „Lüdtke ist nicht mehr wiederzuerkennen.
„Aber —" will sie von neuem beginnen.
„Gar kein Aber mehr", sagt er leise und Schrader legt seinen Arm um ihre Schultern.
„Doch!" wehrt sie ab.
Da zieht er sie einfach an sich.
„Aber — ich —", stammelt Blandine.
Da sagt ganz dicht an ihrem Ohr die tvarme Stimme, die sie so liebt:
„Nein. Nur noch ,W i rT


