Nr. 285 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 7. Dezember IQ5Z
Aus der Stadt Gießen.
Freuden, die jetzt kommen.
Ich kam in das Zimmer, auf dem Tisch stand Weihnachtsgebäck, es duftete. Da waren die alten Tage sofort wieder da. Die Tage der Kindheit. Das Konfekt in den Weißblechdosen, Zimtsterne, Mandelküchelchen, Buttergebackenes, Spritzkonfekt' Schokolademuscheln — hei, bis die Weihnachtslichter aus der Türritze kamen, heiß, verlockend, feierlich — bis dahin waren die meisten Gutserln gemaust und verspeist Jung gewohnt, alt getan. In fünf Minuten wird zu Mittag gegessen, aber der Mann kommt heim und nascht Weihnachtsgebäck.
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In den Hofeinfahrten werden die Filialen des Waldes erstehen. Tannenbäume, Fichten. Siedecken alle Hast der Straße zu. Und der Benzingeruch kommt auf einmal gar nicht mehr auf gegen den Duft von Harz, Tannennadeln, diesen Ozon der Wälder. Weißt du noch, sommers, wie das Harz aus der Rinde quoll, bernsteindunkle Tränen? Auch das ist' eine Weihnachtsfreude.
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Die roten Postwagen rollen dahin. Pakete, Pakete bis auf das Verdeck: Ich habe kein Paket zu erwarten. Aber vielleicht ist doch eins dabei. Der Wagen rollt. Mein Paket rollt mit. Und wenn keines für mich mitfährt, so steckt doch im Postwagen einer fremden Stadt eines drin, das ich selber verpackt habe. . Das Schenken ist doch eine schöne Sache. Man hat soviel Freude daran.
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Am Abend. Ein merkwürdig warmer Wind ein richtiger Schnupfenwind weht durch die Straßen. Aus einem Haus kommt Gesang und sanftes Geklimper auf einem Klavier. Kinder üben ein Weihnachtslied. Man summt es leise mit.
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Auch um die Weihnachtszeit ist es so, daß die Vorfreuden sehr schön sind. r. k.
Bornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis 22 Uhr ,Lch liebe dich". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Elefanten - Boy". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die glücklichste Ehe
Stadtkheater Gießen.
Heute abend findet die Wiederholung des Lustspiels „Ich liebe dich" (I love you) von Niewiaro- uncz, deutsche Uebersetzung von Horst, statt. Spielleitung Wolfgang Kühne. Die Aufführung findet als 11. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Beginn 20, Ende 22 Uhr.
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TtS.-Gemeinschaft „Kraft durch Jreube“. Theatervorstellung.
Sonnabend, den 11. Dezember 1937, Große KdF- Miete Gruppe II (5. Vorstellung):
„Uta von Raumburg".
Schauspiel in 3 Akten von Felix Dhünen.
Karten zu 90 Pf. und 1 Mark sind auf der Kreisdienststelle erhältlich. 80771)
Auf dem Heimweg tödlich verunglückt.
Am Sonntag gegen 20 Uhr verunglückte in der Nähe von Steinbach der 27 Jahre alte Otto Wambsganß aus Gießen, der aus Garbenteich gebürtig war, auf dem Heimweg in der Dunkelheit tödlich. Der Verunglückte kam mit einem Kameraden von Oppenrod her und wollte nach Steinbach gehen, um von dort auf der Landstraße nach Gießen zu aelangen. Um den Weg abzukürzen und einen schmutzigen Feldweg zu vermeiden, benutzten beide
zwischen Albach und Steinbach die Baustelle der Reichsautobahn als Weg, wobei sie auch eine etwa sieben Meter hohe Brücke, die dort über eine tiefergelegte Straße geführt wird, benutzten. Auf dieser Vrucke, die als Bauplatz natürlich keine Sicherung hatte, stürzte Wambsganß infolge eines Fehltritts m der Finsternis etwa sieben Meter tief ab. Sein Begleiter eilte nach Steinbach und holte von dort Hilfe herbei, jedoch fanden die Helfer bei ihrem Eintreffen an der Unglücksstelle den bedauernswerten jungen Mann bereits tot vor.
Mit dem Auto gegen einen Baum.
In der Nacht zum Sonntag, kurz nach Mitternacht, rannte ein von Hungen nach Friedberg fahrendes, mit vier Personen besetztes Auto in der Kurve am Ortseingang von Langsdorf in der Richtung nach Bettenhausen gegen einen Baum. Bei dem Anprall wurde die mitfahrende Hedwig Gemrich durch Glassplitter leicht verletzt, während die übrigen Mitfahrenden unverletzt davonkamen. Der Kraftwagen wurde stark beschädigt.
Ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst.
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Kettenschlußstück und Medaillon. (Aufnahmen: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Gegenwärtig ist im Schaufenster des Goldschmiedes Karl Schmidt in der Bahnhofstraße ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst zu sehen. Es handelt sich um eine große Amtskette mit Medaillon, die bei festlichen Anlässen vom Landesmeister der Goldschmiede in Hessen getragen werden soll und die in vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit zahlreicher hessischer Goldschmiede geschaffen wurde. Gleichzeitig stellt diese Kette ein Kunstwerk, ein Zeugnis hochwertigen handwerklichen Schaffens dar, das erkennen läßt, daß die Handwerkskunst auch heute noch Wertschätzung zu genießen berechtigt ist.
Die Kette, die nach einem Entwurf entstand, aber doch dem einzelnen beteiligten Handwerksmeister die Möglichkeit einer mitgestaltenden Arbeit
überließ, besteht aus vielen Gliedern, insbesondere aus Wappenschildern, die zum Teil in kräftig plastischer Art die Handwerkszeuge der Goldschmiede tragen (Hämmerchen, Bohrer. Feilen. Meßgeräte, Lötlampe, Schmelztiegel usw.), die von Eichenkränzen umgeben sind, welche aus vielen Blättchen bestehen. Jeweils unter einem solchen Schild sieht man die Wappenbilder jener Stadt, in welcher der an dieser Gemeinschaftsarbeit mithelfende Goldschmied seinen Wohnsitz hat. Eines dieser Kettenglieder hat der Goldschmied Karl Schmidt in der Bahnhofstraße geschaffen und selbstverständlich bei seiner Arbeit das Gießener Wappen verwandt.
Das Medaillon an der Kette zeigt das Hakenkreuz, das Zahnrad-Hakenkreuz der Deutschen Arbeitsfront, das Standeszeichen des Handwerks und das Symbol der Goldschmiede, einen Pokal mit drei Ringen. Diese symbolischen ^Zeichen sind umgeben von einem Eichenkranz, der aus 120 Blättchen besteht. Kunstvolle 34blättrige Rosen tragen außerdem zum Schmucke bei.
Nicht weniger kunstvoll ist das Schloß, das den sogenannten „Krätzwurm" trägt, der schuld daran ist, wenn einem Goldschmied seine Arbeit mißrät. Der „Krätzwurm" ist hier gebändigt dargestellt. Im Schloß befindet sich ein kleines Kästchen, das viele zarte, goldene Täfelchen birgt, auf denen die Namen derjenigen Meister eingegraben sind, die an der Kette mitarbeiteten.
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Das Kettenglied aus der Gießener Goldschmiedewerkstätte Schmidt.
An hie Bevölkerung des Kreises Weilerau.
Das Sammelergebnis am Tage der nationalen Solidarität konnte um mehr als 40 v. h. gegenüber dem des Vorjahres gesteigert werden. Dies ist ein erneuter Beweis für die stets bewiesene Opferwilligkeit der Bevölkerung unseres Kreises. Ich spreche deshalb den einsatzbereiten Sammlern und allen Spendern den Dank der Partei aus.
Besondere Anerkennung verdient die Bevölkerung der Stadt Gießen, die am vergangenen Samstag 100 v. h. mehr als im vorigen Jahre für das HJin- terhilfswerk des deutschen Volkes gespendet hat.
heil Hitler!
Backhaus. Kreisleiter.
Ausflugs-Sonderzug
Gießen—Lustschiffha en Frankfurt a.M.
Am nächsten Sonntag. 12. Dezember, fährt die Reichsbahndirektton Frankfurt (M.) einen Verwaltungssonderzug mit 60 Prozent Fahrpreisermäßigung von Gießen zum Flug- und LuftschWafen Rhein-Main und anschließend nach Frankfurt. Dieser Zug ist auf Wunsch, des Publikums eingelegt, und er soll eine billige und günstige Gelegenheit
Herrlich erfriichend
gründlich reinigend und dabei den Zahnschmelz schonend. Große Tube 40 TL, kleine Tube 25 TL
bieten, das Luftschiff „Graf Zeppelin" zu besichtigen und gleichzeitig Frankfurt einen Besuch abzu-- statten.
Die Abfahrt in Gießen ist auf 8.20 Uhr vorgesehen, der Zug hält dann noch in Butzbach (8.43), Bad-Nauheim (8.54) und in Friedberg (9.01) und kommt im Luftschiffhafen Rhein-Main um 9.48 Uhr an. Nach Besichtigung des Luftschiffes geht die Fahrt vorn Luftschiffhafen Rhein-Main um 12.15 Uhr nach Frankfurt (M.)-Süd In Frankfurt erhalten die Teilnehmer auf Wunsch gegen Vorzeigen der Sonderzugkarte ermäßigte Eintrittskarten zum Tiergarten und Palmengarten. Rückfahrt ab Frankfurt (M.)-Süd 21.12, Ankunft in Gießen 22.36 Uhr.
Die um 60 v. H. ermäßigten Preise für Hin- und Rückfahrt einschl. Gebühr für Betreten deS Flughafens und Jnnenbesichtigung des Luftschiffes „Graf Zeppelin" betragen von Gießen 3,10 RM., Butzbach 2,60, Bad-Nauheim 2,20, Friedberg (Hess.) 2,10 Reichsmark.
78. Geburtstag eines Turners.
Am morgigen 8. Dezember begeht der in weiten Kreisen bekannte älteste aktive Turner Gießens, Wilhelm D a p p e r . in körperlicher und geistiger Frische seinen 78. Geburtstag. Im Jahre 1874 trat er als Zögling in den Turnverein 1846 ein. Seine turnerische Ausbildung erhielt er von den ehemaligen Turnerführern Christoph R ü b s a m e n und Karl Demuth. Dapper hat als junger Turner für seine Heimatstadt Gießen bei Bezirks-, Gau- und Kreisturnfesten hervorragende Siege, darunter verschiedene erste, errungen. Als 77jähriger nahm er noch im vorigen Jahre an dem Hohe'rodskopfturn- feft teil und errang in der Klasse der älteren Turner einen Sieg. Trotz seines hohen Alters nimmt er auch heute noch an den regelmäßigen Uebungs- stunden in der Turnhalle teil und ist im fröhlichen Kreise ein gern gesehener Kamerad. Mögen dem Ju-
Oberhessischer Kunsiverein.
Weihnachtsausstellung.
Die Weihnachtsausstellung des Kunstvereins wurde gestern nachmittag eröffnet. Sie umfaßt Oel- gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Plastik und Kunst- gewerbe Beteiligt sind insgesamt 14 Künstler unseres engeren Heimatbezirks
Bon Carl Fries (Ortenberg) finden wir neben ibem „Weg zur Ziegelhütte", den wir kürzlich bereits auf der Gau-Ausstellung in Frankfurt kennen lernten, u. a. den „Herbsttag", ein stilles, klares, gut gegliedertes Bild, eine der besten Arbeiten, die wir in langen Jahren von Fries überhaupt gesehen haben. Karl Lenz (Erdhaufen) zeigt die beiden, -ebenfalls von der Frankfurter Ausstellung her bereits rühmlich bekannten Oelgemälde „Schwälmer Bauer" und „Dorfstraße in der Schwalm": beides Zeugnisse einer tüchtigen, kraftvollen, bodenständigen Kunstübung. Margarete Kranz (Butzbach) Dringt zwei ihrer liebevoll durchgearbeiteten, dabei Durchaus dekorativ wirkenden Blumenstücke, in die man sich mit Muße vertiefen soll.
Felix K l i p st e i n (Laubach) zeigt neben dem -sanften, sommerlichen Stilleben mit Rosen, das wir in der Ausstellung im Stadttheaterfoyer zuerst zu fehen bekamen, eine interessante Arbeit aus dem IJahre 1910: das große Gemälde „Dorf Segovia" <Kastilien); die Siedlung in die Landschaft eingebettet, zusammengefaßt von erhöhtem Standpunkt •aus gesehen, sehr konzentriert gemalt, dabei farblich weich, belebt und gelockert. Von Lotte Droese (Gießen) sei zunächst das schöne, verinnerlichte Bildnis der jungen Bäuerin genannt; neben einem färb» llich delikaten Aepfel-Stilleben kommt auch das hier «günstiger belichtete „Bauernhaus" erfreulich zur «Geltung, auf das wir schon vor einiger Zeit um ssemer koloristischen Feinheiten willen aufmerksam gemacht haben.
Wilhelm Viehmann (Klein-Linden) ist mit den schlichten, volkstümlichen und heimatlich vertrauten Gestalten der „Spinnerin" und der „Hütten- bergerin" vortrefflich vertreten. Wilhelm Stephan ^Gießen) zeigt ein Vetzberg-Bild in feiner Federstrich-Technik; daneben ist es interessant, von ihm, den man sonst fast nur als Zeichner kennt, eine malerische Arbeit zu sehen, eine Gleiberg-Landschaft, die den Beschauer durch ihre ruhige Linienführung Juni) die perlmutternen Lichter des hohen Himmels gewinnt.
Wilhelm Großhaus (Lützellinden) bringt neben dem „Baumstück" (Lithographie) eine milde, stimmungsvolle Vorfrühlingslandschaft. Fritz Ben
der (Herborn) zeigt einige Westerwaldlandschaften, auch einen Blick ins Lahntal, deren wir uns aus der Ausstellung im Theater zu erinnern glauben; die zartfarbigen Aquarelle scheinen uns besonders gelungen. Hans Hagenauer (Gießen) bringt diesmal kein Porträt; ein vortreffliches Bild ist das volltonige, trocken gemalte und lebhaft konturierte Stilleben; auch die Landschaft mit Schäferkarren sei nicht übersehen
W. L i ft (Gießen) hat zwei Aquarelle ausgestellt, „Flußlandschaft" und „Oberrheinische Landschaft", beide mit empfindlichem, koloristischem Gefühl gemalt und trotz der fließenden Wafserfarben-Technik von bemerkenswerter Festigkeit in Haltung und Umriß. Den großen Jungvolk-Trommler von Walter Kröll (Gießen) sahen wir bereits auf der Gau- Ausstellung im Frühjahr: das Bild beherrscht repräsentativ die Rückwand des Saales; ferner eine gute, malerisch aufgebaute Flußlandfchaft „Runkel an der Lahn" und „Die Nidder bei Ortenberg" mit dem koloristischen Reiz der Spiegelung des Himmels im bewegten Wasser —
Heinrich Küchel (Gießen) zeigt in einer Ditrin« eine hübsche Auswahl neuer Metallarbeiten; sehr sauber ausgeführt, apart und geschmackvoll Von der reinen Plastik her wird die Weihnachts-Ausstellung durch die monumentale, charaktervoll durch- aearbeitete Porträtbüste des Ministerpräsidenten Göring von Ludwig Gänger ich (Gießen) höchst wirkungsvoll ergänzt. Hans Thyriot.
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Stadtbaurat Gravert hieß in seiner Eröffnungsansprache die Erschienenen im Namen des Kunstvereins und der ausstellenden Künstler herzlich willkommen Es sei das erstemal daß Künstler und Kunstverein im Sinne der Bestimmungen der Reichskammer der bildenden Künste gemeinsam ausstellten. Anknüpfend an ein Wort des Berliner Kunsthistorikers Wilhelm Pinder schilderte Baurat G r a v e r t den nach den Richtlinien der Kammer durchgeführten Prozeß der Prüfung und Aussiebung im Bereiche des künstlerischen Schaffens: zuerst habe man alle Schaffenden erfassen müssen, um sie zu kennen und zu erkennen; erst dann habe man nach Beruf und Berufung aussondern können. Heute sei der Jdealzustand verwirklicht. Der Künstler müsse sich der Kritik stellen, zu der man ebenso berufen sein müsse wie zur Kunst. Nicht Quantität, sondern Qualität sei das Kennzeichen dieser Ausstellung; es sei unser Ehrgeiz, von hier aus erst in die Gau-Ausstellung und von da in die große Reichsausstellung in München vorzudringen Dies sei keine reine Verkaufsausstellung auch nicht nur für das Publikum gemacht, sondern für das Volk und im Glauben an die Zukunft: nie habe man
mehr Grund dazu gehabt als heute im neuen Deutschland. — Mit diesen Woxten erklärte Baurat Gravert die Ausstellung für eröffnet
„Elesanten-Boy."
Gloria-Palast
Rudyard Kiplings Erzählung „Toomai, der Liebling der Elefanten" bot die Grundlage für das Drehbuch von John Collier: es - wurde eine Dschungelgeschichte in Bildern daraus, der Bericht vom Knaben Toomai, dem Sohne des berühmten und erfahrenen Fährtensuchers; der Ehrgeiz treibt den Dreizehnjährigen, sich als Führer des riesigen Arbeitselefanten Kala Nag der Expedition des weißen Jägers Petersen anzuschließen, der mit einer kleinen Herde zahmer Elefanten auszieht, um eine große Herde ihrer wilden Artgenossen für die indische Verwaltung zu fangen, sie einzukreisen und in den für sie errichteten gewaltigen Kral zu treiben. Die Erlebnisse des kleinen Toomai auf dieser Expedition machten handlungsmäßig den eigentlichen Inhalt des Films aus: beim nächtlichen Ueberfall eines Tigers auf das Lager der lange erfolglos pürfchenden Expedition wird Toomais Vater getötet. Der Elefant Kala Nag wird von feinem bösartigen neuen Treiber mißhandelt, reißt sich los, „läuft Amok" und soll erschossen werden. Toomai gelingt es, das rasende Tier zu besänftigen und mit ihm zu fliehen, da er glaubt fein Liebling werde trotz seiner flehentlichen Fürsprache nach dem „Gesetz des Dschungels" getötet werden. Die Expedition folgt Toomais Spuren, findet ihn endlich erschöpft und halb verhungert zu Füßen seines Elefanten. Toomai hat auch kurz zuvor die lange vergebens gesuchte Herde der wilden Elefanten entdeckt, die nun aufgespürt und in den Kral getrieben werden. Dem Knaben aber wird von den Treibern der Ehrentitel seines Großvaters zuerkannt: „Liebling der Elefanten". Der Film erschließt — unter der Spielleitung von Robert Flaherty und Zoltan K o r d a — eine bisher bildhaft kaum sichtbar gewordene, ferne, phantastische und abenteuerliche Welt in einer Reihe von Photographien, die großartig zu nennen sind; der Kameramann Osmond Borrodaile hat allen technischen Schwierigkeiten zum Trotz Ausgezeichnetes geleistet. Die Szenen der Tigerjagd, des rasenden Elefanten, der riesigen Herde auf der Flucht sind von höchster Eindringlichkeit, die Bilder der im Bad bei der Mutter spielenden Elefantenbabies daneben ein drollig-rührendes Idyll; von ungemeinem Reiz in ihrer Gegensätzlichkeit das Zusammenwirken der beiden Hauptdarsteller, des mächtigen Arbeitsele
fanten Kala Nag, dessen Kraft, Geschicklichkeit und Intelligenz gleicherweise zu bestaunen sind, und des kleinen Jnderknaben (Babu, der den Toomai darstellt: noch durch den fremden Klang der Synchronisation hindurch wirkt die natürliche Anmut und seelische Ausdruckskraft dieses Kindes mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit. — (Tobis.)
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3m Beiprogramm sieht man die neue Ufa- Wochenschau und einen luftigen Eulenfpiegel-Film mit Theo Lingen in der Hauptrolle.
Hans Thyriot.
Abenteuerlicher Flug.
Der bekannte englische Flieger Hauptman H. C. Biard erzählt von einer aufregenden Begebenheit, die er erlebte, als er in Southampton einen neuen Flugzeugtyp ausprobierte. „Mein Mechaniker war an den Flügeln entlanggegangen, um die Motoren anzuwerfen. Erst der eine, dann der andere fingen an zu surren, und ich sah den Mechaniker zu seinem Sitz zurückwandern. Ich ließ ihm die übliche Zeit, um einzusteigen, und flog dann los, hinauf in den blauen Winterhimmel. Ich kam auf eine Geschwindigkeit von 240 Stundenkilometer und befand mich in großer Höhe über dem Kanal, als ich rings um mich blickte, um festzustellen, ob alles in Ordnung sei. Man stelle sich mein Entsetzen vor, als ich meinen Mechaniker wie einen Affen an einem Ast weit draußen zwischen den Flügeln hängen sah, seine Arme und Beine um eine der Streben gewunden, seine Hände um die Motorkapsel geklammert und der riesige Propeller nur etwa einen halben Meter über seinem Kopfe surrend. Seine Kleider standen hinter ihm ab, als ob sie mit Zement gefüllt wären, und die Motorkapsel mußte zu der Zeit schon beinahe glühend sein. Unter ihm war der Abgrund von einigen lausend Fuß und die graue winterliche See. Nie in meinem Leben habe ich ein Flugzeug rascher zur Erde gebracht. Als die Maschine stand, brachte ich es kaum über mich, mich umzusehen, aus Angst, daß er verschwunden sein könnte. Aber dieser erstaunliche Mann war immer noch da. Als ich ihm half sich loszumachen, war er jedoch auf dem Punkt, zusammenzubrechen. Aber alles, was er sagte, war: „Schon gut. Sie können nichts dafür." Er war, als er den zweiten Motor in Gang hatte, noch einmal zu dem ersten zurückgegangen, um nach irgendeiner geringeren Einzelheit zu sehen, während ich ihn bereits in feinem Sitz glaubte Wenn dieser Mann jemals Alpdrücken hat, so kann ich mir vorstellen, was ihm da im Traum erscheint!"


