Nr. 285 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Dienstag, 7. Dezember |<)37
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutschland fordert sein koloniales Eigentum zurück.
Reichsleiter Ritter v. Epp begründet auf einer Berliner Kundgebung des Reichskolonialbundes Deutschlands koloniale Forderung.
Berlin, 7 Dez. (DNB.) Im Berliner Sportpalast fand eine vom Neichskolonialbund veranstaltete Kundgebung statt Unter den anwesenden Ehrengästen sah man Reichsminister Dorpmüller, Ministerialdirektor W i e h n vom Auswärtigen Amt, Admiral Schniewind in Vertretung des Reichskriegsminister, ---Gruppenführer Wolf in Vertretung des Reichsführers -- Himmler Admiral Mensche von der Auslandsorganisation der NSDAP., sowie den Bundesführer des Kyffhäuser- bundes, ---Gruppenführer Reinhardt, und viele andere.
Reichsleiier General Ritter v. Epp
erklärte, das deutsche Volk erhebt einmütig A n - spruch auf Rückerstattung seines ihm durch den Versailler Vertrag und die damit verknüpften Satzungen des Völkerbundes oorenthaltenen kolonialen Eigentums Das deutsche Volk will keinem anderen von seinem Eigentum etwas wegnehmen. Es verlangt nur den ihm gehörenden Teil überseeischen Raumes zurück, den es einstmals auf rechtmäßigem und friedlichem Wege erworben hat und den es jetzt zum Leben notwendig braucht Deutschland hat keinerlei Absichten auf das koloniale Eigentum anderer Staaten. Die öffentliche Meinung derjenigen Staaten die Deutschlands koloniales Eigentum als Mandat besitzen, hat die gerechte Forderung zum Gegenstand einer lebhaften Diskussion gemacht. Sie hat versucht, in Rede und Druck den unabweisbaren Anspruch Deutschlands aus der Welt zu schaffen. Aber logifcherweise hat sich bei der internationalen Debatte darüber mehr und mehr die Stimme der Vernunft Geltung verschafft, die unwiderlegbar sagt, daß man Frieden nicht dadurch schafft, daß man siegreiche Besitzende und entrechtete Habenichtse zu einer Einheit binden möchte.
3e mehr sich aber diese Stimme der Vernunft durchsetzt, desto bedauerlicher ist es, wenn eine gewisse ausländische presse fetzt wieder Meldungen über deutsche Absichten auf den belgischen Kongo, auf portugiesisch -Angola erfindet. Solche Erfindungen sollen lediglich dazu dienen, die Atmosphäre zu vergiflen. Das ist um so weniger verständlich, als man in den letzten Wochen den Eindruck gewonnen hat, daß die Mandatare anfangen zu begreifen, daß die Kolonialfrage Deutschlands ein akutes und z u lösendes Problem ist. Unsere Forderung ist nach der geschichtlichen Entwicklung und nach der rechtlichen Seite logisch und geschlossen. Man kann in ihrem Aufbau nicht willkürlich andere Gedankengange einschieben oder einen anderen Schlußstein einsehen
Dann begründete General Ritter v. Epp völkerrechtlich und geschichtlich den deutschen Standpunkt, indem er die Kolonialgeschichte im einzelnen aufzeichnete, den Raub der Kolonien durch das Versailler Diktat charakterisierte und die Bemühungen schilderte, die das nationalsozialistische Deutschland zur Wiedererlangung seiner Kolonien in die Wege geleitet hat. Besonderen Nachdruck legte General v. Epp auf die Verdienste, die sich Deutschland um :bie Kolonien durch d i e Bekämpfung der tropischen Krankheiten erworben hat, die es den anderen Nationen überhaupt erst ermöglichte, ihrerseits mit Erfolg in den Kolonien zu arbeiten. Deutschland wolle seiner Kultur und seiner Industrie, seinen Verkehrsmitteln und seinem Handel ein eigenes Betätigungsfeld schaffen, -und teilhaben an der Entwicklung, am Ausbau und •am Ertrag der Europas Raumkräfte ergänzenden Kontinente, allen voran in dem vor Europas Toren liegenden Afrika.
Wenn auch nicht völlig bewußt, so haben doch mit einer gewissen weitschauenden Großzügigkeit die Politiker am Ende des vorigen Jahrhunderts durch Len Abschluß der Kongoakte den Beweis erbracht. daß die Lösung einer einmal dringend werbenden europäischen Frage bei gutem Willen gefunden werden könne. In diesem Sinne ist Sie Kongoakte das Beispiel einer vorausblickenden „Flurbereinigung" innerhalb einer der natürlichen Raumreserven Europas
Soll daher das Raum- und Rohstoff- Prob 1 e m — das ist die deutsche kolonialforde- tung — einer bleibenden und gerechten Lösung zugeführl werden, so ist es Voraussetzung, daß zunächst einmal die Ergebnisse des Geistes von Versailles restlosver- schwinden. Eine Vereinigung des Kolonialproblems kann nur in paritätischem Geiste stattfinden. Dabei muh es gründ- legende Voraussetzung fein, daß man das friedlich und rechtmäßig erworbene Eigentum wieder zum Besitz seines Erwerbers macht. Solange nicht diese Voraussetzung sicher- gestellt ist, wird es keine fruchtbringende Aussprache über die Lösung der deutschen Kolonialfrage geben Alle anderen Beiträge zu diesem Thema werden immer nutzlos sein, weil sie nicht von dieser natürlichen und wesentlichen
Voraussetzung ausgehen.
Entrüstetes Echo in Portugal
Gegen haltlose Verdächtigungen Deutschlands
Lissabon, 6. Dez (DNB.) Die immer wieder verbreiteten Gerüchte über angebliche Ö e u t = \ ch e Absichten a u f Portugals Kolonie Angola verursachten in portugiesischen Kreisen trefe Entrüstung über solche Brunnenvergiftung Der Unwille ist um so größer als Deutschland durch viele gemeinsame Grundsätze mit Portugal verbunden ist In der Nationalversammlung gab der Abgeordnete N o s o l i n i eine begeistert aufgenommene Erklärung ab, daß das Portugiesische Reich ein unteilbares Ganzes sei und daß seine Kolonien niemals Objekt internationaler Kombinationen sein könnten, um so weniger jetzt, wo Portugals Kolonien unter der autoritären Regierung eine starke Aufwärtsentwicklung erlebten. Die Revision von Versailles solle nicht neues Unrecht tun, sondern mit dem Recht Ernst machen.
Die portugiesische Presse erkennt allgemein Deutschlands Anspruch auf Kolonien an, wendet sich aber heftig gegen die gewissenlose Angstmacherei deutschfeindlicher Cliquen die Portugals überseeischen Besitz in Zusammenhang damit bringen
wollten. So schreibt „Diario de Lisboa": „M a n gebe Deutschland was es fordert, ohne von unbeteiligten Nationen unberechtigte Opfer zu fordern. Die Annahme, daß portugiesische oder belgische Kolonien verwendet werden können, damit die großen Kolonialkolosse ihre Ungelegenheiten los werden, wäre flagranter Widerspruch zu ihren oft betonten Friedenswünschen!"
(Sin portugiefifcfoer (Sonderbeauftragter bei der spanischen Nationalregierung.
Lissabon, 7 Dez. (DNB Funkspruch) Das portugiesische Außenministerium erklärt. „Die por- tugiesiiche Regierung beabsichtigt ihre Vertretung bei der Regierung General Francos enger und harmonischer z u ge st alten in Anbetracht der freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen Behörden und Bevölkerung der beiden Nachbarländer bestehen Im Einvernehmen mit General Franco ernennt die portugiesische Regierung daher .einen Sonderbeauftragten in der Person des jetzigen Handelsministers Dr. Teutonio Pereira Minister Pereira wird aus diesem Grunde aus dem Kabinett ausscheiden Die Regierung teilte General Franco mit, daß sie mit Vergnügen einen gleichrangigen spanischenVertreter inPortugal empfangen werde."
Senerdlfelbmarftball v. Mackensen- 88. SebiMaa.
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Unser Bild zeigt links den Generalfeldmarschall mit seiner Gattin an der Tür seines Hauses während des Geburtstagskonzertes. In der Mitte die Schwiegertochter des Feldmarschalls — Rechts: Falkenwalder Jugend, deren Glückwünsche der Generalfeldmarschall entgegennahm. In der Mitte im Hintergrund Oberst von Chapuis, der Kommandeur des Inf.-Regts. 5.
Stettin, 6 Dez (DNB) In seinem Falkenwalder Landhause bei Stettin feierte am 6 Dezember Generalfeldmarfchall v Mackensen in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 8. Geburtstag.
Der Führer und Reichskanzler hat an den Generalfeldmarschall nachstehendes Geburtstagstelegramm gerichtet:
„Zu Ihrem 88 Geburtstage bitte ich Sie, Herr Generalfeldmarschall meine herzlich st e n Wünsche für Ihr weiteres Wohlergehen und meine besten Grüße entgegenzunehmen gez Adolf Hitler "
Außer dem Glückwunschtelegramm des Führers traf auch eines von Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v B l o m b e r a ein Die Mitglieder der Reichsregierung sowie die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile ließen ebenfalls dem Generalfeldmarfchall herzliche Grüße übermitteln Aus allen Teilen des Reiches und aus dem Auslande gingen ihm unzählige Glückwunschschreiben zu
Besonders eindrucksvoll war die Ehrung durch die Wehrmacht: Am Montagmorgen zog eine Ehrenkompanie mit Musikkorps und Spielleuten vor dem Hause des Feldmarschalls auf. und ein Doppelposten nahm als Ehrenwache Aufstellung Dann brachte das Musikkorps des Infanterieregiments Nr 5 dem greifen Heerführer ein Geburtstags st ändchen dar Im Verlaufe bet Tages erschien der Kommandierende General des II Armeekorps General Blaskowitz um die Wün'che des Armeekorps tu überbringen Anschließend statteten sämtliche Kommandeure
der Stettiner Truppenteile und die Leiter der Stettiner Dienststellen der Wehrmacht dem Generalfeldmarfchall ihren Besuch ab Das Kavallerieregiment Nr. 5 hatte eine stattliche Abordnung zu dem Geburtstag seines Chefs entsandt Die Glückwünsche des Gauleiters von Pommern, Schwede- Coburg, überbrachte Gauschulungsleiter Eckhardt. Die Liebe und Verehrung aller Schichten des Volkes zu der lauteren und schlichten Persönlichkeit des greifen Feldmarschalls kam in der Herzlichkeit zum Ausdruck, mit der die Einwohner und besonders die Jugend von Falkenwalde und Umgebung dem Heerführer gratulierten und ihm immer wieder Ovationen bereiteten.
Amerikas tzeeresreformen
Washington 6 Dez (DNB.) In seinem Jahresbericht stellt der.amerikanische Generalstabs- chef Craig fest, daß das Motorisierungsprogramm 1938 bei der Armee zu etwa 66, bei der Nationalgarde zu 45 v H vollendet sein werde Die Erfahrungen in Spanien und China hätten gezeigt, daß die Entscheidung in einem Kriege immer noch bei der Infanterie liege Die neuen Waffen könnten den Infanteristen nur helfen nicht aber i h n ersetzen Diese Ueberzeugung hätten auch die Versuche des amerikanischen Kriegsministeriums m i t T a n k s bestätigt. Es müsse deshalb eine Tankart gefordert werden, die für eine enge Anpassung an die Infanterie geeignet sei Als ernste Mißstände in der amerikanischen Armee führt Craig den Mangel an Flakgeschützen und' moderner Tankabwehr an. _____ _______ ___
Ser schwedische Uviienplan.
-öon unterem O—g -Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Stockholm, Dezember 1937.
Der „Große Flottenplan" des Chefs der schwedischen Marine, Admiral de Champs. Hai Oie jahrelangen Auseinandersetzungen m Schweden über die Ausrüstung zur See aufs Neue belebt. Um Irrtümern oorzubeugen, mutz aber von vornherein bemerkt werden, üatz es sich bei diesem Plan im Grunde genommen nicht um einen Auf- rüstungsoorschlag handelt, wie der Leser der großen Zeitungsüberschriiten zunächst annehmen mutzte, sondern nur um einen Versuch, die Leistungsfähigkeit der schwedischen Flotte überhaupt uus dem 9 e u t i_g e n Stande z u erhalten. Denn der dem Admiral de Champs erteilte Auftrag lief nicht auf eine Untersuchung dessen hinaus, was bei der gegenwärtigen Weltlage für die Verteidigung Schwedens an Flottenkräften notwendig ist, sondern beschränkte sich aus die Frage, wie die jetzige Schlagkraft der Flotte eerh alten werden könne
Demgemäß enthält die Denkschrift des Flottenchefs nur einen Bauplan für die nächsten fünf Jahre, der über die bereits laufenden Baupläne hinaus u a. den Bau von drei Panzerkreuzern zu je 8000 Tonnen, 4 Torpedobooten, 3 U-Booten, 1 U-Boot-Mutterschiff und 10 Motortorpedobooten vorsieht Daneben weist aber die Denkschrift ganz eindringlich daraus hin, daß zu dem erstrebten Zwecke der Ausrechterhaltung der gegenwärtigen Flottenstärke in weiterer Zukunft auch der Ersatz der drei noch im Dienst befindlichen 10 000-Tonnen-Panzerschiffe der Soerige-Klafse und der Bau eines leichten Kreuzerverbandes notwendig sei Tatsächlich ist die schwedische Flotte außerordentlich veraltet. Im Jahre 1914 zählte sie noch über 60 Kriegssahrzeuge, darunter 12 Panzer- schiffe. Von diesen, die bei uns im allgemeinen als .Küsten-Panzerschiffe" bekannt sind, sind heute nur noch drei voll o e r w e n d u n g s s ä h i g die aber auch schon ziemlich alt geworden ünb. Schon seit zehn Jahren soll ein viertes gebaut werden, ein Plan, der bisher aber m den parlamentarischen Ausschüssen hängen geblieben ist
Emer der leidenschaftlichsten Verfechter einer Aufrüstung zur See, der ehemalige General der Küsten-Artillerie W r a n g e l, hat vor einiger Zeit eine Schrift veröffentlicht, deren Titel „Riket i fara" lDas Reich in Gefahr) schon die Eindringlichkeit spüren läßt, mit der der alte Soldat die Teilnahmslosigkeit feiner Landsleute in diesen Fragen zu bekämpfen sucht Er weist darauf hin, daß gerade das an allen Seiten vom Meer umgebene Schweden eine starke Flotte zum Schutz seiner Neutralität brauche. Das schwedische Volk könne beim gegenwärtigen Stand seiner Wehrkraft >ur See im Falle eines Krieges seine Neutralität nicht einmal mehr zum Scheine aufrecht erhalten An biefen Zustand der schwedischen Flotte habe gerade aber Sowjetrußland mit seinem nach Nordwesten gerichteten Expansionsdrang das größte Interesse. Das beweise die über 200 Jahre lange russische Maulwurfsarbeit, und das beweise heutzutage besonders die von Moskau dirigierte Hetzkampagne der schwedischen Kommunisten gegen die Wehrkraft zur See.
Wenn die Sowjetunion die Ostsee beherrsche, sei es für sie em Leichtes, sich in Schweden die nötigen Flugzeugstützpunkte zu schaffen. Auch eine feindliche Invasion sei von der See her ein Kinderspiel, wenn die Verteidigung nur aus Landtruppen bestehe. Ueberzeugend weist General Wrangel vor allem auf den Umstand hm, daß Schweden bei dem bekannten Appetit Sowjetrußlands auf die nord- schwedischen Bodenschätze große Truppenstärken für den Schutz Norrlands benötige, die es aber ohne eine brauchbare Seeoerteidlgung nicht in Südschweden freimachen könne, wo man doch immer mit einem gleichzeitigen sowjetrussischen Landungsversuch rechnen müsse Nach einer Besetzung ron Gotland und Oeland könne der Feind beim Fehlen einer ausreichenden schwedischen Flotte „wie im tiefsten Frieden" seine Heeresmacht auf das Festland hinüberführen, em ähnliches Argu- mem kehrt übrigens auch in der Denkschrift des schwedischen Flottenchefs wieder
In der Debatte über diese Frage werfen die Gegner eines großzügigen Flottenbau-Programms ein, es habe für ein kleines Land wie Schweden feinen Zweck, größere Kosten auf die Flotte zu verwenden. da es ja doch nicht nut den Großmächten zur See „konkurrieren" könne Oder aber, so sagen sie, es genügt für die Verteidigung Schwedens .me reine Schären-Flotte aus leichteren Seeftreitfrä'ten, die natürlich erheblich billiger 'st. In dieser grundsätzlichen Frage setzt sich die Marineleitung in der erwähnten Denkschrift für das Panzerschiff ein. Eine Flotte von kleineren und leichteren Fahrzeugen kann der Feind schon mit Hilfe einer überlegeneren Anzahl leichterer und schnellerer Schiffe, insbesondere Zerstörer, vernichten Besteht aber der Kern der Flotte aus Panzerschiffen, so wird dadurch der Einsatz von Schlachtkreuzern auf der Gegenseite erzwungen, die somit in ihrer militärischen Handlungsfreiheit erheblich beeinträchtigt wird
Hier liegt nun, worauf gerade General Wrangel in ferner Schrift ganz besonders hinweist die Bedeutung der schwedischen S ch ä r e n k ü st e für die Verteidigung des Landes. Wer einmal über See nach Stockholm gefahren ist, wird sich erinnern, daß fein Dampfer schon viele Stunden vor dem Eintreffen in der schwedischen Landeshauptstadt das freie Meer verließ und durch ein Gewirr kleiner bewaldeter und vielfach als Sommeraufenthalt her- gerichteter Inseln hindurchgelotst werden mufjtCb


