Kr.254 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dsnnerrtag, 7. Oktober
Aus der Stadt Gießen.
Eine Hausfrau füllt in Ohnmacht.
o Schon als der Postbote mit dem Telegramm in die Straße einbog, ahnte Frau Karola nichts Gutes. Sie hatte zum Fenster hinausgesehen, sich über den wohlig-warmen Herbsttag gefreut und auch darüber, daß Wochenende war und nun ein beschaulicher Sonntag winkte, den sie mit ihrem Mann und ihren Kindern von Herzen genießen wollte.
Postboten mit Telegrammen sind in kleinen Landsiedlungen nie gern gesehen, wenn nicht eine Hochzeit oder ein besonderer Familienfesttag gefeiert wird. Wo aber, so überlegte Frau Karola, ist heute ein solcher Festtag in der Siedlung? Frau Karola hätte es wissen müssen. Demnach mußte das Telegramm eine andere Bedeutung haben, die meist in einer traurigen oder zumindest betrüblichen Angelegenheit begründet zu sein pflegt.
Als daher der Postbote vor ihrer Gartentür stehen blieb, schlug Frau Karolas Herz mit Recht erheblich schneller. Ein Geschäftstelegramm für ihren Mann konnte es nicht fein, weil' geschäftliche Drahtnachrichten stets in das in der Stadt gelegene Kontor ihres Mannes geleitet wurden.
Aber schon war der Postbote im Garten, winkte Frau Karola mit dem Telegramm zu, und so blieb ihr nichts anderes übrig, als es in Empfang zu nehmen. Erst als der Postbote Haus und Garten verlassen hatte, wagte sie das unheilschwangere Telegramm zu öffnen, dessen Inhalt lautete: „Eintreffen morgen mit unfern Kindern zum Mittagessen." Die Unterschrift des englischen Geschäftsfreundes ihres Mannes konnte Frau Karola gerade noch lesen, dann tat sie, was alle Hausfrauen in solchen Fällen zu tun pflegen: sie fiel in Ohnmacht.
Erst als es dem Bemühen ihres Mannes gelungen war, Frau Karola zu bewegen, die Augen wieder aufzuschlagen, brachte sie das erste Wort hervor: „Unmöglich!" Dann erhob sie sich und, wenn auch noch etwas verwirrt, so äußerte sie sich doch energisch genug dahin: „Lieber Konrad! Du mußt deinem Geschäftsfreunde und seiner Frau sofort abtelegraphieren! Denn wie soll ich als Hausfrau am späten Samstagnachmittag ein Sonntagsessen für eine englische Tischgesellschaft herbeizaubern?
„Ich wüßte einen Ausweg!", sagte der Mann gelassen, zugleich, aber auch etwas verschmitzt lächelnd.
„Und der wäre?"
„Wir essen mit unfern Freunden auswärts!"
Frau Karola sah ihren Mann mit einem langen Blick an: „Hast du inzwischen das große Los gewonnen?"
„Leider nicht! Aber fünfzig Reichspfennig je Mittagsgast und Familienmitglied kann ich schon noch aufbringen. Wir werden diesen Sonntag mit unseren englischen Gästen gemeinsam an dem Eintopfessen teilnebmen, das drinnen in der Stadt für alle Volksgenossen bereitet wird."
Und so geschah es auch! Und wie Mister Plum- pudding später aus Birmingham schrieb, hat es ihm in seinem ganzen Leben noch nie so gut geschmeckt wie bei diesem „One-Topf-Lunch" inmitten eines einigen und kameradschaftlich verbundenen Volkes.
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Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Streit um den Knaben Jo". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn du eine Schwiegermutter hast".
Wieder Lagerbetneb au? dem Gle berg.
Von heute bis zum 16. Oktober veranstaltet das Amt für Politische Erziehung der Reichsstudentenführung in dem Schulungslager auf Burg Gleiberg ein Reichslager. Ungefähr 50 Studenten aus allen deutschen Gauen werden an dieser Schulung teil- nehmen.
Das neueVortragsprogramm des Goethe-Bundes.
Dr. Otto Henning, Berlin, Vereinsleiter des Goethe-Bundes Gießen, gibt eine Vorschau auf das Vortragsprogramm 1937/38 des Goethe - Bundes und Kaufmännischen Vereins, der wir folgendes entnehmen:
Ein neues Vortragsjahr beginnt. Wieder legt der Goethe-Bund Gießen in Gemeinschaft mit dem Kaufmännischen Verein den Mitgliedern, Freunden und der gesamten Bürgerschaft sein Vortragsprogramm vor. Auch dieses Jahr stehen die Dichterlesungen im. Mittelpunkt des Programms. Die erste dieses Winters ist zugleich eine Kundgebung aus Anlaß der „Woche des Deutschen Buches 1 9 3 7" und wird daher eine besondere Ausgestaltung erfahren. Auch dieses Mal wird ein volksdeutscher Autor in Gießen lesen: Heinrich Zillich. Zillich, ausgezeichnet mit dem Berliner Literaturpreis 1937, schildert als Auslandsdeutscher das kämpferische Leben der Deutschen in Siebenbürgen, ihr Ringen um die Bewahrung des schwäbischen Volkstumsgutes. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen wird die Kundgebung durch eine Ansprache eröffnen. Der zweite Dichterabend wird die Bekanntschaft mit einem Dichter vermitteln, der durch sein Werk lebendigster Ausdruck deutschen dichterischen Schaffens geworden ist: mit Hanns Johst, dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Träger des Preises der NSDAP, für Kunst 1935. Am dritten Abend wird der dänische Dichter und Tierschilderer Svend F l e u r o n aus seiner „Kindheit und Jugend und wie seine Tierbücher entstanden sind" erzählen. Wer Svend Fleuron einmal am Vortragstisch sah und hörte, wird ihn und seine Tiergeschichten nicht mehr vergessen. In diesen Büchern lebt und webt die Natur. Immer spüren wir ein menschlich verstehendes Herz der Kreatur gegenüber. Zur vierten Dichterlesung ist Kuni Tremel-Eggert eingeladen worden. Ihre frauliche Liebe, ihr mütterliches Verstehen schenkt sie den Gestalten ihrer Bücher, der „Barb", dem „Schmied von Haßberg" und dem Menschen- volk in dem Geschichtenband „Sonnige Heimat". So wird die Dichterin ihre Zuhörer schnell in ihren Bann ziehen. Die Reihe der Dichterabende wird Hans Zöberlein beschließen. Zöberlein, dessen großes Werk „Glaube an Deutschland" der Führer mit anerkennenden Worten auszeichnete, gehört zu jenen deutschen Dichtern, die den Krieg als Dolks- tchicksal erlebten und die aus dem Kampf heimkehrten, um durch neuen Einsatz und Glauben die-
WHW. beginnt!
Aufruf an sämtliche Gaststätten und Wirtschastsbetriebe der Stadt Gießen.
Auf der Geschäftsstelle der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, Gießen, Weidengasse 6, können die Eintopf-Gaststättenquittungsblocks für das Win- terhilfswerk in Empfang genommen werden. Die in Frage kommenden Spendenbeträge sind jeweils am Montag nach dem Eintopf-Sonntag in der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr bei der Wirtschafts- gruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, Gießen, Weidengasse 6, abzuliefern. Damit die Abrechnung pünktlich erteilt werden kann, ist es unbedingt erforderlich, daß die Beträge innerhalb der genannten Zeit abgeführt werden.
Der Kreisbeauftragte für das Winterhilfswerk: gez.: Frank.
Nun haben wir ihn wieder!
NSG. Nun haben wir ihn wieder, unseren schon zum gern gesehenen Gast gewordenen Eintopf. Nach so vielen Sommersonntagen finden wir uns wieder um die gemeinsame Schüssel zusammen, die Ausdruck unserer Opferbereitschaft und unseres Willens zur Selbsthilfe ist. Viele haben den Eintopfsonntag in den letzten Monaten sicherlich schon ver-
mißt, so sehr hat er sich mit uns angefreundet. Aber jetzt am 10. Oktober beginnen wir wieder.
In jedem Monat ist es ein Sonntag, an dem die Schüssel des Gemeinschaftsessens dampft. Mit diesen Sonntagen kommen aber auch wieder die großen Kundgebungen, bei denen wir uns auf öffentlichen Plätzen und in Sälen bei der „Gulaschkanone" versammeln, um unseren „Schlag" zu erhalten. Kapellen spielen auf, und der Tag des Eintopfs wird zu einem Festtag des ganzen Volkes.
Am kommenden Sonntag treten wir an für die neue Schlacht des bevorstehenden Winters. Der Fanfarenruf: „Eintopf" findet uns bereit! — Oie Eintopfgerichte für die Gaststätten.
DNB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den ersten Eintopfsonntag am 10. Oktober folgende Eintopfgerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind:
1. Fischeintopf nach eigener Wahl.
2. Bohnensuppe mit Wurst oder Fleischeinlage.
3. Gemüsetopf vegetarisch.
4. Hammelfleisch mit Wirsingkohl.
Die Festlegung dieser Eintopfgerichte gilt nur für Gaststätten.
Personenstands- und Betriebsaufnahme
Nach dem Stand vom 11. Oktober wird eine Personenstands- und Betriebsaufnahme durchgeführt. Die Eintragungslisten werden vom heutigen 7. Oktober ab ausgetragen, das Einsammeln der ausge- gefüllten Liften erfolgt von Donnerstag, 14. Oktober, ab durch die Blockwalter der NSV. Da alle Helfer (Blockwalter der NSV.) ehrenamtlich tätig find, wird weitgehende Unterstützung ihrer Arbeit als selbstverständlich angesehen. Ebenso ist es eine Selbstverständlichkeit daß sämtliche Fragen in den Listen lückenlos und richtig beantwortet werden.
Wochenendschulung der Mädelführerinnen.
> Zu der Schulung am 9. und 10. Oktober haben alle Schar-, Schaft- und Gruppenführerinnen zu erscheinen. Entschuldigungen werden nur in ganz dringenden Fällen,entgegengenommen. Die Führerinnen sind auf folgende Schulungsorte verteilt:
Gießen, Untergaubienftftelle:
M.-Gruppe 1/116, 2/116, 17/116, 18'116.
Gießen, Hochstätterheim:
M.-Gruppe 3/116, 4/116, 19/116, 5/116.
Grünberg, BDM. - Heim :
M.-Gruppe 9/116, die Standorte Beltershain, Weitershain, Lumda, Reinhardshain, Harbach, Saa- fen, Hattenrod, Lindenstruth, Bersrod, Ettingshausen. In Grünberg beginnt die Schulung erst am Sonntag, 8 Uhr.
Langsdorf:
M.-Gruppe 13/116, die Standorte Lich, Ober- und Nieder-Bessingen, Birklar, Bettenhausen, Obbornhofen, Bellersheim, Utphe, Trais-Horloff, Steinheim, Inheiden.
Lang-Göns:
M.-Gruppe 15/116, 16/116 und die Standorte Holzheim, Gröningen, Oberhörgern, Eberftadt, Dorf- Gill.
Londorf, B D M. -Heim:
M.-Gruppe 7/116, die Standorte Geilshausen, Rüddingshausen, Londorf.
Die Führerinnen aus den Standorten Alten- Bufeck, Watzenborn-Steinberg, Steinbach, Annerod,
Großen-Bufeck, Beuern, Trohe, Rödgen, Burkhardsfelden, Reiskirchen, können an der ihnen am nächsten liegenden Schulung teilnehmen.
An der Schulung haben außerdem alle Gruppen- fportroartinnen teilzunehmen.
Mitzubringen ist Turn- und Schreibzeug. Mittagessen gibt es in den Privatquartieren.
Die örtlichen Führerinnen nehmen immer eine Kameradin mit nach Hause.
LM.-tlnierqau 116, Gießen.
Dienstbefehl.
Am Sonntag, 10. Oktober, finden die ersten Winterschulungen statt, zu der alle Jungmädelgruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen, auf dem Lande auch die Führerinnenanwärterinnen, antreten.
Beginn um 8.15 Uhr vormittags, Ende zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags, in den Heimen des BDM. Mitzubringen sind Turnzeug, Schreibzeug, Schere, Lineal, gummiertes Glanzpapier, Liederbuch, Brotbeuteloerpflegung, Trinkbecher.
Gruppe: 1, 2, 3, 4/116 17, 18, 19/116 14, 15, 16'116 13, 11 (halb)/116 5, 7/116 8, 9/116 12, 11 (halb)/116
Schulungsort: Gießen (Moeserheim) Gießen (Dienststelle) Watzenborn-Steinberg Hungen Lollar
Grünberg Lich
Großen-Buseck 6, 10/116.
Von der JM.-Gruppe 11/116 gehen nach Lich: Ober-Hörgern, Eberstadt, Muschenheim, Be^en- hausen: nach Hungen: Bellersheim, Obbornhofen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe.
Ein Volk Hilst sich selbst!
. Das Winterhilfswerk 1937 hat begonnen. Damit sind auch die Frauenschaft und die Mitglieder des Frauenwerks wieder auf den Plan gerufen worden mitzuhelfen, die Ernte fachgemäß und sparsam zu verwerten. Die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft lädt alle Hausfrauen zu kurzen Kochlehrgängen im „Einhorn" ein. Auch die „perfekte" Hausfrau kann in unseren Tagen, da eine Fülle von neuen Erkenntnissen auf dem Gebiete der Ernährung erschlossen wurde, sich dazu bereitfinden, etwas Neues zu lernen.
fern Ringen feinen Sinn zu geben. So wird Zöberlein zum Gestalter des Kriegsgeschehens und des Kampfes der Bewegung.
Die Dichterlesungen werden ergänzt durch einen Vortragszyklus von fünf allgemeinen Vortragsabenden. Für die Eröffnungsveranstaltung ist der bekannte Weltreisende und 'Reiseschriftsteller Dr. Colin R o ß zu einem Lichtbildervortrag „Asien — Amerika — Europa" verpflichtet worden. Colin Roß schildert nicht nur fremde Länder und Völker, Schicksale und persönliche Erlebnisse, sondern macht seiner Zuhörerschaft die weltpolitischen Zusammenhänge allgemeinverständlich klar. Besondere Bedeutung wird für unsere Garnisonstadt der Lichtbildervortrag von Universitätsprofessor Dr. Eugen von Frauenholz über „Deutsche Kriegsgeschichte von den Urzeiten bis zur Gegenwart" haben. Professor von Frauenholz, ein ausgezeichneter Wehrwissenschaftler, wird sicher zu einer großen Zuhörerschaft sprechen können. Sodann wird Wilhelm Müseler, bekannt als Verfasser der volkstümlichen Kunstgeschichte „Deutsche Kunst im Wandel der Zeiten", einen Lichtknldervortrag halten über „Deutsche Kunst als Erlebnis". Müseler ist dazu berufen, die Freude an der deutschen Kunst und Verständnis für sie weiten Kreisen unserer Volksgenossen nahezubringen. Ein besonderes Ereignis wird auch der Lichtbilderoortrag des hervorragenden Forschers Dr. Hugo Adolf Ber- n a tz i k „Auf den Spuren unbekannter Völker in Hinterindien" werden. Dr. Bernatzik unternahm 1936/37 mit feiner Frau eine Expedition nach Hinterindien, um eine Reihe wichtiger völferkund- licher Probleme zu lösen. Der Vortragende berichtet an Hand interessanter Lichtbilder von seinen Abenteuern mit Menschen und Tieren.
Wie alljährlich wird neben den Dichterlesungen und Vorträgen auch ein Sprechkunstabend veranstaltet. In diesem Jahr ist die ausgezeichnete Sprechkünstlerin Friedel Hintze, deren Namen durch ihre erfolgreiche Mitwirkung bei den Morgenfeiern des Stadttheaters im letzten Winter bekannt wurde, zu einem Vortragsabend „Lachendes Leben" verpflichtet. Des weiteren erhalten dank dem Entgegenkommen der Intendanz des Stadttheaters die Mitglieder des Goethe-Bundes und Kaufmännischen Vereins zu den Morgenfeiern des Stadttheaters Eintrittsvergünstigungen.
Die Vorschau zeigt, daß ein ausgezeichnetes und vielseitiges Dortragsprogramm aufgestellt wurde. Um es recht vielen Volksgenossen zugänglich zu machen, wurde wieder eine enge Zusammenarbeit mit der Gießener Volksbildungsstätte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ausgenommen. Das neue Vortragsprogramm soll eine Vor
bereitung sein auf die 25-Jahrfeier des Goethe- Bundes im Frühjahr 1939. Sie soll ein starkes Bekenntnis unserer Heimatstadt zu dem großen deutschen Dichtergenius werden.
Lederstrumpf.
Dichtung und Wirklichkeit.
Der alte Lederstrumpf ist von Old Shatterhand niemals völlig verdrängt worden, und heute sind die Erzählungen von ihm, die Cooper der Welt geschenkt hat, bei uns neu wieder aufgelebt, wie eine erst kürzlich erschienene unverkürzte deutsche Ausgabe zeigt. Daß sie lange nur mehr als Kinderbücher gegolten haben, hatte seinen Grund darin, daß vor allem verkürzte und verstümmelte Ausgaben „für die reifere Jugend" verbreitet wurden. Aber die Gestalt des Natty Bumppo gehört der Weltliteratur an und steht auf einer Stufe mit den großen Helden der anderen englischen Literatur. Man hat in Lederstrumpf den „Hauptschauspieler in dem Epos der Neuen Welt" gesehen. Dabei hat man aber diese große Gestalt Coopers kulturhistorisch auf einen Platz gestellt, auf den sie nicht gehört, weil man die Menschenklasse und die Umgebung, in der sie erscheint, ungenügend gekannt hat. Dr. Georg F r i e b e r i c i stellt in den „Forschungen und Fortschritten" sehr anschaulich Lederstrumpf den „Pionieren, die den Weg für den Marsch der Nation über den Kontinent geöffnet haben", und als deren typischen Vertreter man ihn angesehen hat, gegenüber und zeigt, wie wenig sie miteinander zu tun hatten.
Man hat besonders in Daniel Boone, der die Tätigkeit eines Jägers, Händlers, Viehzüchters und Feldmessers in seiner Person vereinigte und feine Taten zwischen 1760 und 1820 vollbrachte, ganz allgemein den „historischen Lederstrumpf" erblicken wollen. Boone ist in der Geschichte der Vereinigten Staaten und im Herzen ihres Volkes die charakteristische Gestalt der Eroberung und Besiedelung des neuen Westens zwischen den Alleghanies und dem Mississippi, der Heros der Hinterwäldler, der Vertreter der rauhen Grenzer, die im Vortrupp der Wanderscharen den Westen für die Vereinigten Staaten gewonnen haben. Ein Vergleich des Natty Bumppo Coopers und dieser wirklichen Pioniere zeigt, wie groß der Gegensatz zwischen den beiden ist.
Lederstrumpf war bis zu seinem 42. Lebensjahre Jäger und Kundschatter in britischen Diensten, dann lebte er 34 Jahre lang völlig zurückgezogen als Jäger und Fischer in seiner einsamen Hütte am
Wie jeder Handwerker, jeder Gewerbetreibende fortschreiten muß und sich über die Neuerungen in feinem Fach unterrichtet, so ist es auch die Pflicht jeder weiblichen Arbeitskraft, sich in ihrem Aufgabenkreis den Forderungen einer neuen Zeit an- zupaffen. Es ist keine Schande einzugestehen, daß die Kenntnisse von Mutter und Großmutter heute nicht mehr maßgebend sind. So gut die Hausfrau die Erfindungen zur Erleichterung der Haushaltsführung zu nutzen weiß, ebenso aufgeschlossen sollte sie auch für die neuen Kochvorschriften sein, die einheimischen Lebensrnittel verwenden und sich im Verbrauch danach richten, was der Markt des Inlandes der Jahreszeit entsprechend bietet.
Pflegen und verwalten, einteilen und sparsam verwenden, das sind die Grundpfeiler für die Nährfreiheit unseres Volkes. Der Hausfrau ist das kostbare Erntegut anoertraut. Möge jede einzelne sich der Verantwortung bewußt sein und sich bemühen, an ihrem Platze mitzuhelfen, daß Obst und Gemüse, Brot und Mehl erhalten und sachgemäß und sparsam verwendet werden.
Die Art der Kurse, die in der neu hergerichteten Küche im „Einhorn" stattfinden, wird noch bekannt- gegeben. Die Sprechstunden der Sachbearbeiterin der Abteilung, Frau M a t h y, finden jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in der Geschäftsstelle der Kreisfrauenschaft, Frankfurter Straße 1, statt. F. K.
Schwanen-nsel im Bau.
Im Teich an der Schlageter-Allee wird gegenwärtig eine Insel für die Schwäne gebaut, da sich das Unterkunftshaus für die Vögel in feiner bisherigen Form wohl als nicht völlig zweckmäßig erwies. Nachdem das Wasser des Teiches abgelassen war, hat man sich beim städtischen Hoch- und Tiefbauamt entschlossen, den Schwänen eine stattliche Insel zu bauen, auf der ihnen das Brutgeschäft ungestörter möglich sein wird, als es bisher an den Ufern des Teiches der Fall war. Die im Entstehen begriffene Insel hat eine Fläche von 12 X 9 Meter auf dem Grund des Teiches, baut sich aus Steinen und Erdreich konisch auf und wird nach ihrer Fertigstellung eine benutzbare Fläche von etwa 10 X 7 Meter haben. Die Oberfläche der Insel wird mit Grasstücken belegt evtl, auch mit einigen Büschen bepflanzt werden. Die Schaffung der Insel bedeutet eine reizvolle Bereicherung der Teichanlage.
Heimatvereinigung Schiffenberg.
Der vor einiger Zeit bestimmte Ausschuß zur Ausgestaltung des von dem verstorbenen Geheimrat Professor Dr. Sommer der Heimatvereinigung geschenkten Limesgeländes und zur Vorbereitung der feierlichen Uebernahme des Geländes durch die Heimatoereinigung hat in letzter Zeit eine rege Tätigkeit entfaltet. Zunächst fand eine nochmalige Besichtigung des Limesgeländes unter Zuziehung von Sachverständigen statt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Platz zur Ausstellung der geplanten Blockhütte festgelegt. Die an den Eisteichen in der Nähe der Straße von Gießen nach Hausen stehende Schutzhütte wird in den nächsten Tagen entfernt und nach entsprechender Umarbeitung in der Nähe des Barbarensteines aufgestellt. Weiter wurde die Umzäunung um den Barbarenstein, die teilweise defekt ist, entfernt, wodurch der Gedenkstein besser zur Geltung kommt. Der Gedanke, den Pfahlgraben am nördlichsten Ende zu vertiefen, bzw. ihm die ursprüngliche Gestalt zu geben, wurde nach eingehender Besprechung mit Rücksicht auf die technischen Schwierigkeiten und die hohen Kosten aufgegeben. Zum Andenken an den verstorbenen Geheimrat Sommer und dessen Gattin sollen in
' und nachher
Dann wird man Ihren Händen die Tagesarbeit nicht ansehen. Mit Nivea-Creme gepflegte Haut wird widerstandsfähig u. geschmeidig.
Otsegosee, um 1793 als 76jähriger Greis auf der Flucht vor der anrückenden Kultur mit seiner Büchse und allein mit feinen Hunden den Weg nach Westen anzutreten, wo wir ihn jenseits des Mississippis in der „Prärie" wiederfinden. Von den Grenzern des Westens trennt ihn grundsätzlich seine Einstellung zu 'ben Eingeborenen des Landes. Hatte auch er unter ihnen feine Todfeinde, so war es nicht deshalb, weil sie Angehörige der roten Rasse waren, sondern er bezeugte immer nur feine Achtung und Freundschaft für diese und hat ihnen gegenüber feine Spur von Überheblichkeit. Er bezeichnet das Skalpieren als nicht zu den Gaben des weißen Mannes gehörig und sagt: „Weiß bin ich geboren und weiß will ich sterben!" Der alte Jäger spricht von dem Tage, „wenn die Weißen die Rothäute beim Jüngsten Gericht treffen werden und Gerechtigkeit das Gesetz sein wird und nicht Gewalt".
Eine solche Gestalt, wie Coopers Lederstrumpf, so wundervoll sie auch gezeichnet ist, hat es in den Wildnissen des Westens von Nordamerika nicht gegeben: er gehört weder seiner Gesinnung noch den Umständen nach, unter denen ihn Cooper leben läßt, unter die Schar der kühnen Pioniere, die den Westen wirklich erobert haben. Für diese alle war jeder Indianer von vornherein ein Feind und ein Schädling, das Leben einer Rothaut, ob Mann oder Weib, war in ihren Augen kaum der Rede wert. Grundsätzlich und planmäßig knallten sie jeden ihnen vor die Flinte kommenden Indianer beiderlei Geschlechts und jeden Alters mit Kugel und Schrot nieder. „Mache das Niederknallen der roten Teufel zu deiner Lebensarbeit!" war die Lehre des Hinterwaldvaters an feinen jungen Sohn, und jeder war ein Skalvjäger, der seine Ehre darein setzte, möglichst viele Kopfhäute einzubringen. Keiner von ihnen hätte Verständnis für die an Fengänge und Aeußerungen Lederstrumpfs gehabt. Für sie war das Skalpieren einer Rothaut nichts anderes, als wenn sie einem Wolf die Ohren abschnitten, um die Prämie dafür einzustreichen, oder wenn sie einem Bären die Haut abzogen, um sie beim Händler in Pulver, Blei und Whisky umzusetzen. Diese wirklichen Trapper waren nach S e a l s f i e l d „Auswürflinge oder Geächtete, die dem strafenden Arm des Gesetzes entflohen waren, oder auch unbändige Naturen, denen selbst die rationelle Freiheit der Staaten noch Zwang deuchte".
So ist Lederstrumpf nicht der vollendete, nicht einmal der idealisierte Typus der kühnen Grenzer und Späher, den man in ihm hat sehen wollen; das Volk der Vereinigten Staaten, dessen ganz anders geartete Pioniere die Mitte des nordamerikanischen Kontinents bezwungen haben, kann ihn kaum zu den Seinigen rechnen. B-


