Spaniens neuerBotschafier beim Führer
Empfang auf dem Obersalzberg zur Entgegennahme des Beglaubigungsschreibens.
Berchtesgaden, 6. Aug. (DNB.) Der F ü h - rer und Reichskanzler empfing in seinem Hause auf demObersalzbergden vom Chef des spanischen Staates, General Franco, ernannten neuen spanischen Botschafter Antonio Marques de Magaz zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter war von dem bisherigen spanischen Geschäftsträger in Berlin, Baran de la Torres, und dem Militärattache, Oberst im Generalstab Martinez, sowie dem stellvertretenden Protokollchef des Auswärtigen Amtes, Legationsrat B o l tz e, begleitet. Am Bahnhof Berchtesgaden wurde er bei seinem Eintreffen durch Staatssekretär und Chef der Präsidialkanzlei, Dr. Meißner, empfangen und im Kraftwagen des Führers zum Obersalzberg geleitet, wo eine Wache der SS.-Leibstandarte ihm Ehrenbezeigungen erwies.
Botschafter Marques de Magaz überreichte das Handschreiben seines Staatschefs, General Franco, dem Führer und Reichskanzler mit einer Rede in spanischer Sprache, in der es hieß: Seit langer Zeit unterhält Spanien die besten Beziehungen zu Deutschland, Beziehungen, die auch durch den großen europäischen Krieg keine Beeinträchtigung erlitten, jedoch jetzt, wo mein Land durch den blutigen Kampf zerrissen ist, fühlt das gesunde, von General Franco geleitete Spanien um so mehr die gleiche Gesinnung wie Deutschland, die sich im gemeinsamen Haß gegen denKom- munis mus ausdrückt, sowie eine unermeßliche Dankbarkeit für ihm erwiesene wahre und echte Freundschaft. Diese Dankbarkeit, in einem so feurigen und freigebigen Land wie Spanien, ist der beste Beweis für eine feste und offene Freundschaft, die einen glücklichen Austausch der materiellen und moralischen Interessen zwischen den beiden Ländern zu sichern verspricht. Der bei meiner Ankunft unterzeichnete Vertrag, der die Handelsgrundlagen zwischen Deutschland und Spanien festlegt, ist ein glückliches Vorzeichen dafür, daß sich während meiner hiesigen Amtstätigkeit die Bande,
die unsere Völker miteinander verbinden, enger und enger gestalten werden.
Der Deutsche Reichskanzler antwortete: Es ist mir eine besondere Freude, in Ihnen einen Vertreter des spanischen Volkes zu begrüßen, dessen Ringen um seine Einigkeit und seine Freiheit ich seit langem mit wärmster Sympathie verfolge. Das deutsche Volk, das mit dem spanischen durch Jahrhunderte alte freundschaftliche, auch in den Stürmen des Weltkrieges bewährte Beziehungen verbunden ist, nimmt an dem heroischen Kampf des spanischen Volkes und an dem Aufbau des spanischen Staates regsten inneren Anteil. Es ist des deutschen Volkes und mein aufrichtiger Wunsch, daß es der Armee Ihres Staatschefs, des Herrn Generals Franco, gelingen möge, dem spanischen Volke Frieden und Freiheit zu erkämpfen und damit zugleich eine Gefahr zu bannen, die über die Grenzen Ihres Landes hinaus Europa bedroht. Ich fühle mich einig mit Ihnen in der Auffassung, daß das gemeinsame Ziel der Abwehr der zerstörenden Kräfte des internationalen Kommunismus unsere beiden Völker eng verbindet. Meine besonderen Wünsche begleiten daher die spanische Staatsführung in ihrem Bestreben, einen der spanischen Eigenart und Ueberlieferung entsprechenden nationalspanischen Staat aufzubauen. 'Sie haben, Herr Botschafter, die Unterzeichnung des neuen Handels-abkommens zwischen Deutschland und Spanien als ein günstiges Vorzeichen für die engere Gestaltung des Verhältnisses zwischen unseren beiden Ländern bezeichnet. In der Ueberzeugung, daß der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen im wohlverstandenen Interesse Deutschlands und Spaniens liegt, ist es auch mein lebhafter Wunsch, daß der Güteraustausch nach Kräften gefördert wird.
Hieran schloß sich eine längere freundschaftliche Unterhaltung. Im Laufe des Nachmittags kehrte Botschafter Marques de Magaz mit seinen Begleitern über die Alpenstraße und die Autobahn nach München zurück, von wo er am Abend die Rückreise nach Berlin antritt.
Kein Nutzholz mehr als Feuerung.
Gegebenenfalls Ablösung der HolznuhungSrechte.
Berlin, 6. Aug. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt I 91 vom 6. August wird eine „Verordnung zur Förderung der Nutzholzgewinnung des Beauftragten für den Vierjahresplan und Reichsforstmeisters veröffentlicht. Sie wirkt in erster Linie in der Richtung, daß wertvolles Volksgut restlos der Bestimmung zugeführt wird, die ihm zukommt. Denn noch immer führt Deutschland jährlich eine Menge von 10,2 Millionen Festmeter Nutzholz oder rund'ein Viertel seines Bedarfes ein, während auf der anderen Seite eine erhebliche Menge Holz eigener Erzeugung, das zur Verwendung als Nutzholz durchaus geeignet ist, genau wie in längst vergangener Zeit, als die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Holzzellulose noch unbekannt waren, im Ofen verfeuert wird. Demgemäß bestimmt der § 1 der neuen Verordnung, daß Rohholz, das zur Verwendung als Nutzholz geeignet ist, nicht als Brennholz verwendet werden darf.
Der zweite Teil der Verordnung befaßt sich mit den Holznutzungsrechten, die soweit wie möglich beseitigt werden müssen, wenn das Verbot der Aufarbeitung von zu Nutzzwecken geeignetem Holz als Brennholz wirksam sein soll. Die Bestimmungen gehen von der Tatsache aus, daß auf Grund von zumeist weit zurückreichenden Rechtsverhältnissen ein erheblicher Teil der Forsten durch Grunddienstbarkeiten belastet ist. Diese Rechtsverhältnisse sind heute um so weniger tragbar, als es sich bei ihrer Begründung fast ausschließlich um Nutzholzrechte f ü r Brennholz und nicht für Handelsholz handelte. Infolgedessen
bestimmt die Verordnung, daß Holznutzungsrechte weder neu be ft eilt noch erweitert werden dürfen, und daß sie. ferner als erloschen gelten, soweit sie in den letzten 30 Jahren nicht ausgeübt worden sind. Im übrigen sind Holznutzungsrechte umzuwandeln, soweit die Leistung nur dadurch erfüllt werden kann, daß zur Verwendung als Nutzholz geeignetes Holz als Brennholz aufgearbeitet wird, ober soweit diese Rechte die volkswirtschaftlich beste forstliche Bewirtschaftung hindern. Bei der Umwandlung erhält der Berechtigte andere Holzarten ober - sor - t e n in einer Menge von gleichem Nutzungswert. Sofern eine Ummanblung ber Holznutzungsrechte nicht möglich ist ober von bem Berechtigten abgelehnt wird, ist das Recht in dem erforderlichen Umfange abzulöfen. Auch können Holznutzungsrechte abgelöst werden, soweit sie über den eigen- wirtschaftlichen Bedarf des Berechtigten hinaus- aehen. Die höhere Forstaufsichtsbehörde kann die Ablösung auch gegen den Willen der Beteiligten einleiten, wenn sie nötig ist, um die Deckung des Holzbedarfes ficherzustellen. Die Entschädigung für die Ablösung von Holznutzungsrechten soll nach Möglichkeit durch Landabfindung erfolgen. Eine Waldabfindung darf nur gegeben werden als Gemeinschaftswcttd. zur Gesamtabfindung eines größeren Kreises von Berechtigten. Wenn eine Waldabfindung nicht in Frage kommt und die Landoder Sachabfindung von dem Berechtigten abgelehnt wird, und bem Verpflichteten nicht zuge- mutet werben kann, ist die Entschädigung in Geld zu gewähren.
mentlich aus den osteuropäischen Staaten und aus Amerika hinein, so baß heute die jübische Bevölkerung auf annähernd 400 000, ein Drittel ber Gesamteinwohnerschaft angewachsen ist. Mit ber ftei= genben Zahl empfanben bie Araber auch immer mehr ben wirtschaftlichen Druck ber kapitalkräftigeren jüdischen Einwanderer, die daran gingen, bem arabischen Bauern bas Lanb abzunehmen, um darauf Apfelsinenplantagen großen Stils anzuleyen.
Die Enttäuschuna der Araber Palästinas, die ihre Rassegenossen in Aegypten, im Irak, in Trans- jorbanien, ja sogar in Syrien unb im Libanon mit ber Zeit wachsenbe Selbltänbigkeit gewinnen sahen, machte sich in blutigen Unruhen Luft, bie noch in aller (Erinnerung sinb. Mit Rücksicht auf bie Stimmung in ber arabischen Welt unb bas wachsenbe Ansehen, bas ben Italienern ihr Abessinienfelbzug im nahen Orient verschafft hat, mußte Englanb in Palästina sachte auftreten. Man verfiel in Lon- bon auf ben Ausweg einer Untersuchungskommission, wie sie ähnlich ja in Jnbien unb anberswo schon gute Dienste geleistet hatte. Fast möchte man sagen, üderraschenberweise glückte es dieser Kommission, einen Plan zu ersinnen, ber bas Ei bes Kolumbus zu sein scheint. Palästina soll nach ihrem Vorschlag so geteilt werben, baß ber jübische Staat zwar nur ben kleineren unb nördlichen Teil, die Provinz Galiläa, mit Ausnahme der Stadt Nazareth und des Hafens Haifa umfassen wurde, aber dazu einen breiten Küstenstrich, allerdings wieder mit Ausnahme der Hafenstadt Jaffa, die mit Jerusalem, Bethlehem und Nazareth als vorwiegend christliche Andachtsstätten, wie Haifa als Endpunkt der Erdölleitung aus bem Mossulgebiet unb Akaba, einem kleinen Hafenort auf ber Sinai-Halbinsel am nordöstlichsten Apfel bes Roten Meeres britisches Manbat bleiben soll, währenb ber größere Rest, im wesentlichen der südöstliche Teil des Landes, arabisch werden und vermutlich mit dem benachbarten Transjorba- nien vereinigt werben soll. Auf ben ersten Blick fällt an biefem Vorschlag auf, mit welch heißem Bemühen bie Kommission bie britischen Interessen sorgfältig zu wahren gewußt hat. Von ber Bebeutung Haifas sprachen wir schon, Jaffa, ein Hasen gleicher Größe, soll mit Jerusalem burch einen Korribor verdunben werben und geht damit ben Arabern verloren, bie keinen bebeutenben Hafenplatz behalten, währenb bie Juben mit ihrer im amerikanischen Stil aufqebauten Renommiersieblung Tel Aviv eine Großstabt an ber Küste ihr (Eigen nennen können. Die Bebeutung Akabas am Roten Meer hat im Weltkrieg ber türkisch-deutsche Vorstoß zum Suez-Kanal gezeigt. Zudem bleibt auch der Hauptluftstützpunkt Lidda im Korridor von Jerusalem britisches Mandat.
Trotzdem hört man aus London, daß das britische Kriegsmini st erium von bem Teilungsplan nicht voll befriedigt fei. Noch weniger bie beiben übrigen von ihm betroffenen Parteien. Das überrascht einigermaßen von den Juden, die bei weitem besser wegkommen sollen, als bie Araber, aber auf bem soeben in Zürich tagenben Zionistenkongreß hat ber Leiter ber Jewish Agency Dr. Weizmann, ber ben Teilungsplan befürwortet hat, starken Wiberspruch gefunben. Ob biese jübische Opposition nur Taktik ist, um von Englanb noch mehr zu erpressen, als ber Plan schon ohnehin bietet, mag bahingestellt bleiben. Erheblich ernstere Schwierigkeiten sinb aber ber britischen Palästina-Politik burch bie entrüstete Ablehnung entstauben, bie ber Teilungsplan der königlichen Kommission in ber gesamten arabischen Welt gefunben hat. In Kairo unb Mekka legt man sich zwar amtlich vorerst noch eine gewisse Zurückhaltung auf, obwohl in ber ägyptischen Presse ber Plan bereits lebhaft kritisiert wirb, aber zum Sprecher ber arabischen Gegner bes Planes hat sich ber irakische Ministerpräsibent Hikmet Soleiman in Baqbab gemacht, ber, wie unser bärtiger Berichterstatter hier schon vor einigen Tagen bärge» legt hat, ben Teilungsplan für einen verhängnisvollen Fehlgriff hält unb bie ungeteilte Uebergabe ganz Palästinas an bie Araber verlangt mit ber nicht zu roiberlegenben Begrünbung, baß bas Laub feit Jahrhunberten rein arabischer Besitz sei, ber gesamten mohamebanilchen Welt nicht minber heilig, als ber christlichen, und vernünftigerweise nicht eingesehen werden könne, warum einem höchst zweifelhaftem und anfechtbarem Experiment des Weltjudentums zuliebe Tausende von Arabern unter Fremdherrschaft gestellt werden sollen. In Palästina selbst ist der 'Großmufti von Jerusalem Mohamed Emin el Husseini, das Oberhaupt ber mohamebanischen Gläubigen bes Laubes, bie Seele bes Wiberstaubes gegen ben Tei- lungsplau. Zweifelhaft ist anscheinenb nur bie Haltung bes Emirs von Transjorbauien, ber von den Engländern mit ber im Teilungsplan vorgesehenen Vereinigung bes arabisch bleibenben Teils von Palästina mit Transsorbanien geföbert mürbe.
Englanb hat sich vorerst bamit aus ber Affäre zu ziehen versucht, daß es ben Teiluuqsplan ber Köuialichen Kommission ohne eigene Stellungnahme der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf zugeleitet hat. Aber in Genf ist auch bereits ein Protestschreibeu der Regierung des Irak eingegangen, daß ein ungeteiltes arabisches Palästina verlangt, in bem ben- Juben bie Stellung einer völkischen Miuberheit einoeräumt werben soll. Ferner wirb Englanb uachbrücklich daran erinnert, daß es seinerzeit nur dem (Eingreifen ber arabischen Könige zu verbauten war, wenn es gelang, ohne schweres Blutvergießen unb einen regelrechten Krieg bie aufständischen Araber Palästinas zum Einleuken zu bewegen. Damals hätten die Fürsten im Vertrauen auf Englands Gerechtigkeitsgefühl gehandelt, um fo bitterer empfänden sie jetzt die Enttäuschung, vor ihren Rassegeuosseu in Palästina durch ben britischen Teilungsplau sich desavouiert zu sehen. Wie bie Angelegenheit in Genf weiter verlausen wird, ilt noch nicht zu übersehen. Die Hoffnung, daß Italien dort eine Lanze für bie arabischen Wünsche brechen werbe, bürste im augenblicklichen Stabium ber britisch - italienischen Aunäheruugsbemühuugeu boch sehr zweifelhaft sein. Immerhin wird England die so energisch vorgebrachteu Einwände der arabischen Welt schon mit Rücksicht auf sein Verhältnis zu Aeguvten und die vielen Mohammedaner des eigenen Reiches nicht unbeachtet lassen können.
Aber neben bem großen Einfluß bes Judentums auf Hochfinanz unb öffentliche Meinung, der bei ben Entschließungen in Loudon schwer in bie Waagschale fallen wirb, spielt Englands eigenes militärpolitisches Interesse, wie wir schon sahen, eine geradezu ausschlaggebende Rolle. Mau glaubt dies anscheinend durch ben Teilungsplau in einem Mindestmaß gewahrt —, bas Kriegsmini- fterium hat ja noch weitergeheude Wünsche. Unb baß England nach ber burch ben Abessinienfelbzug geschaffenen Lage im Nahen Orient seine militärpolitischen Belange unter gar keinen Umständen arabischen Selbstäubigkeitswünschen zu opfern bereit ist, hat ja schon bie Erklärung Abens zur Kronkolonie gezeigt, wobei bas Gebiet dieses süd-
arabischen Hafens am Südausgaug des Roten Meeres, bislang rund 9000 Quabratmeilen, kurzerhand um bas gesamte Gebiet Hadramaut mit ber Hauptstabt Makalla auf insgesamt 42 000 Quabratmeilen erweitert würbe, ohne lange nach bem Echo zu fragen, bas bie „Erhebung" ber bisher nur unter britischem Protektorat lebenden 120 000 Araber ber Sultane von Hadramaut zu Untertanen ber britischen Krone in ber übrigen arabischen Welt, vor allem in dem nur durch die Wüste von Hadramaut getrennten Saudiarabien, dem Sitz des arabischen Nationalismus, finden mag. So wird das letzte Wort über Palästina noch nicht gesprochen sein, aber ob in dieser Frage die Beurlaubung der hohen Politik auf einige Wochen die Wirkung lindernden Balsams haben wird, ist ebenso zweifelhaft wie der Fortgang der augenblicklichen Krisis in O st a f i e n , deren gefährliche Undurchsichtigkeit den britischen Staatsmännern, die auch dort die Interessen eines Weltreichs zu verteidigen haben, selbst in ihrem sommerlichen Urlaubsidyll nicht unerhebliches Kopfzerbrechen machen wird. Dr. Fr. W. L.
Die britisch-italienische Annäherung.
Die diplomatischen Besprechungen beginnen Anfang September in Rom.
London, 6. Aug. (DNB.) Wie verlautet, sollen bie im Briefe Chamberlains an Mussolini angeregten englisch-italienischen Besprechungen Anfang September in Rom beginnen. Die Verhandlungen sollen zunächst zwischen bem italienischen Außenminister Graf C i - a n o unb bem britischen Botschafter Sir Eric Drummond geführt werben. Die nächsten Wochen sollen zunächst sowohl von ber englischen wie von ber italienischen Regierung bazu benutzt werden, bie verschiebenen Fragen nach ihrem neuesten Stanb zu prüfen unb so bas gesamte erfor- berliche Material für bie Besprechungen bei» berseits vorzubereiten.
Vor Antritt eines Urlaubs ist Sir Eric Drummond am Freitag von Außenminister Graf Ciano zu einer kurzen Unterredung empfangen worden. Die englisch-italienische Wiederannäherung, so wird auch von italienischer Seite betont, habe bereits zu einer Klärung ber europäischen Lage geführt, sie sei gegen niemanben gerichtet, also auch nicht gegen Frankreich. Auch werbe bie Politik ber
Achse Berli n—R o m burch bie englisch-italienische Wieberannäherung in keiner Weise g e - schwächt.
Erste Bahnfahrt nach Tientsin.
Wolkenbrüche verhindern militärische Operationen.
Tientsin, 6. Aug. (DNB.) Aus dem seit acht Tagen von ber Außenwelt hermetisch abgeschnitte- nen Peiping lief heute früh unter japanischem militärischem Schutz ber erfte Zug in Richtung Tientsin aus, wo er mit neun Stunben Verspätung eintraf. In bem Zug befan- ben sich größtenteils festgehaltene Reisegesellschaften unb Kaufleute. Die nur unbebeutenb beschäbigte Strecke Peiping—Tientsin ist jetzt roieber betriebssicher. Alle Stationen haben stärksten militärischen Schutz erhalten, sie gleichen kleinen Festungen. Ueberall sinb Schützengräben, MG.-Nester unb Bar- rifaben burch chinesische Kulis unter Aufsicht von japanischen Pionieren angelegt. Auf ben Wassertürmen sieht man überall Beobachtungsposten. Gepanzerte Wagen üben bie Streckenkontrolle aus, Auf ber ganzen Strecke herrscht Höch st e Alarmbereitschaft, ba bas Gebiet burch Hunberte versprengter Banbiten unb Plünberer immer noch unsicher ist. Der Hauptbahnhof in Ti ent- s i n gleicht einem Heerlager. Fortgesetzt treffen aus Tanku kleine Verstärkungen ein. Auf ben Bahnsteigen sinb ganze Berge von Munition aufgestapelt. Ueberall führen Truppen schärfste Absperrungen burch.
Seit Donnerstag abend ohne Unterbrechung niedergehende Wolkenbrüche verwandeln das nord- chinesische Kriegsgebiet in eine Sumpfebene. Die Regenzeit hat jetzt begonnen. Die Straßen stehen vielfach unter Wasser, und die Wege auf dem Lande sind unpassierbar, wodurch die Bewegungsfreiheit der motorisierten Truppenverbände st a r k behindert ist. In ben Frembenvierteln in Tientsin herrscht jetzt völlige Ruhe.
Beratungen in Nanking.
Kung soll Ministerpräsident werden.
Nanking, 6. August. (Ostasienbienst bes DNB.) In Nanking sinb bie höchsten Würdenträger bes ganzen chinesischen Reiches zusammengekvmmen. Außer dem Kwangsi-General Paichunghsi und dem Wehrkreiskvmmandeur von Schansi und Sui- juan, Marschall Ienhsischan, bem „Muster
gouverneur", sind die höchsten militärischen unb zivilen Vertreter ber Provinzen Schansi. Kwantung, Hufei, Huschnei, Szetschuan, Jünnan unb anberer anwesenb. Die Provinzoertreter erstatten Tschiang- k a i s ch e k Bericht über bie Stimmung in ihren Provinzen unb erhalten Anweisungen für bie zu ergreifenben Maßnahmen In Nanking wird der Auffassung Ausdruck gegeben, daß noch nie ein solches Maß von Einigkeit in ganz China zu verzeichnen gewesen sein wie jetzt. Tschiangkaischek soll telegraphisch ben auf feiner Europareise zur Zeit in Paris weilenden Finanzminister Dr. Kunz gebeten haben, halb nach Nanking zurückzukehren, um bas Amt eines Präsibenten b e s R e i ch s- voll zugsamts, b. h. also als Ministerpräsibent zu übernehmen. Tschiangkaischek wolle seine Arbeit auf bas militärische Gebiet konzentrieren. Dr. Kung ist neben seinem Posten als Finanzminister auch Vizepräsibent bes Reichsvollzugsamtes, besten Präsibent Tschiangkaischek ist.
Stalin wütet weiter.
Wieder 18 führende Funktionäre ins wahre „Sowjetparadics" eingegangen.
M o s k a u , 6. Aug. (DNB.) Das amtliche Organ des norbkaukasischen Gebietes berichtet, baß i n Orbschonikibse (früher Wlabikawkas) am 30. Juli ein neuer Prozeß gegen 18 Funktionäre ber Norbkaukasischen Eisenbahnverwaltung stattgefunben hat. Alle 18 Angeklagten würben vom Obersten Militärgerichtshof zum Tobe d e r urteilt. Das Urteil ist bereits vollstreckt worben. Dem übllchen Schema ber bisherigen Pro- zesse entsprechend, wurden bie Angeklagten bes „Trotzkismus, ber Sabotage und Spionage zugunsten einer auswärtigen Macht" bezichtigt. Auch dieses Urteil wirb von ber Moskauer Presse mit Stillschweigen übergangen. Im Stalinabab würbe unter ben bisherigen Spitzenfunktionären ber Tadjikischen Sowjetrepublik ein sensationelles Strafgericht vorgenommen. An ber Spitze ber zu „trotzkisttschen Verbrechern, Staatsfeinden und Spionen" erklärten Funkttonäre steht ber Präsident d e s Z e n t r a I e j e f u t i d f o m i • tees von Tadjikistan Schotemor, also bas formelle Staatsoberhaupt biefer Sowjetrepublik. Wie die Präsidenten ber übrigen Räterepubliken gehörte auch er bisher bem obersten Regierungsgremium ber Sowjetunion an. Ferner würben zu „Staatsfeinden" und „Spionen" erklärt: ber Vizepräsident bes Tadjikischen Volkskommissarenrates Kaktyn, ber Sekretär bes Tabjikifchen Zentralexekutivkomitees Jmanow, ber Justizkommissar Schirinow sowie ber Leiter bes Jungkommunistenverbandes Gerassimow. Die Genannten werden übrigens auch „nationalistisch-chauvinistischer Umtriebe unb ber Zusammenarbeit mit einer auswärtigen Macht" beschuldigt. Die Rostower Zeitung „Molot" gibt bekannt, baß ber Armeekommanbeur Zweiten Ranges Ti moschen ko zum Befehlshaber des nordkaukasischen Militärbezirks ernannt worden ist. Hierdurch werden Gerüchte über bie Amtsenthebung seines Vorgängers, bes Generals Kaschirin, bestätigt. Das ist um so bemerkenswerter, als Kaschirin noch beim Stanb- gericht über Marschall Tuchatschewski als Rich- t e r tätig war.
Große Lustmanöver über London.
L o n b o n , 7. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Am Montag unb Dienstag werben große Luftmanöver über der englischen Hauptstadt stattfinden. Insgesamt werden 176 Bomber aller Größen Scheinangriffe auf London und d i e weitere Umgebung durchführen, während für die Verteidigung 222 Maschinen zur Verfügung stehen. Die Angriffe werden 15 Stunden lang fortgesetzt. Durch die Manöver soll bie Lonboner Luftabwehrorganisation ber Territorial-Armee geprüft werben. Als Angriffsziele find bie Hafenanlagen von Tilbury, bas Arsenal im Themsehafen, bie Gaswerke, verschiebene Flugplätze unb Munitionswerke festgesetzt worben.
Oer Landeskirchenausschuß zurückgetreten.
Lpb. Darmstadt, 6. Aug. Das am 2. August ausgegebene Gesetz- unb Verordnungsblatt ber Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen bringt folgenbe Bekanntmachung: „Die bisherigen Mitglie- ber bes Lanbeskirchenausschusses sind von ihrem Amt zurück getreten. Der Herr Reichs, unb Preußische Minister für bie kirchlichen Angelegenheiten hat ihre Tätigkeit damit für beendet er- klärt unb durch Erlaß vom 29. Juli 1937 die Führung der laufenden Geschäfte des Landeskirchenausschusses im Sinne des § 2 der Verordnung vom 20. März 1937 bis zur Bildung einer verfastunosmäßigen Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche bem Präsibenten der Landes- kirchenkanzlei, Kipper, übertragen."
Oer neue Oberreichsanwatt tritt sein Amt an.
Leipzig, 6. Aug. (DNB.) Der als Nachfolger des verstorbenen Oberreichsanwalts Dr. Werner vom Führer unb Reichskanzler zum Oberreichsanwalt ernannte bisherige Generalstaatsanwalt Emil Brett le aus Karlsruhe würbe burch ben Reichsminister ber Justiz, Dr. (Eürtner, in sein Amt eingeführt. Der Minister wies barauf hin, baß Brettle ber erste Oberreichsanwalt sei, ben ber Führer in sein Amt berufen habe, unb zugleich auch ber erste aus bem ßanbe Baben. Die gute Verwaltung bieses Amtes hat ihren wohlgemeffenen An- teil baran, baß bas beutsche Recht fest unb sicher bleibt unb baß eine Einheitlichkeit in sei- ner Fortbilbung im Geiste ber neuen Zeit gesichert ist. Gerabe in ber jetzigen Zeit, wo neue Formen bes Rechts vielfach noch gar nicht gegossen sind, gilt es, alte Formen mit neuem Inhalt zu erfüllen. Daran beim Reichsgericht mitzuarbeiten, ist eine der vornehmsten Aufgaben bes Oberreichsanwalts.
Im Namen bes Reichsgerichts richtete Reichsge- richtspräsibent Sumte herzliche Willkommens- grüße an ben neuen Oberreichsanwalt. Der Präsibent schloß mit ber Hoffnung unb bem Wunsch, baß bie heranbrängenben gewaltigen neuen Aufgaben in ber Hanb bes neuen Oberreichsanwalts sicher unb klar behandelt werben. Im Namen ber Beamten unb Angestellten ber Reichsanwaltschaft sicherte Reichsanwalt Nagel bem neuen Ober- reichsanwalt restlosen Einsatz aller Angehörigen zu.
Oberreichsanwalt Brettle erklärte in seiner Erwiberung, seine jahrzehntelange Praxis als Rich- ter unb Staatsanwalt in Stabt und Land habe ihm Mut unb Vertrauen zu ber Uebernahme bieses Am-


