Einzelbild herunterladen

dieser Autostraße führt nach der lettischen Grenze in Richtung auf Dünaburg, eine andere Abzweigung zur polnischen. Im letzten Jahr seien 250 Kilometer der Straße fertiggestevt worden.

©er Bolschewismus an den Grenzen Lndiens.

Sowjetrussische Agenten in Chinesisch- Turkestan.

London, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) lieber die Umwandlung von Chinesisch-Turke st an in eine sowjetrussische Provinz berichtet dieDaily Mail", daß im März von Moskau aus 6 0 sow­jetrussische Agenten zur Unterstützung der turkestanischen Kommunisten bei der Errichtung eines Sowjetregimes und der Aufstellung einer roten Armee entsandt worden sind. In der Rich­tung auf die indische Grenze zu, würde ein ganzes Straßennetz angelegt und auch der Transportdienst gehe immer mehr in sowjetrussische Hände über. Die indische Nordostgrenze ist ein stän­diger Unruheherd, der immer wieder neue Opfer an Blut und Geld erfordert. Es ist daher verständ­lich, daß dieGeschäftigkeit" der Bolschewisten in Chinesisch-Turkestan bei den Engländern starkes Un­behagen auszulösen beginnt.

MedieTsOekamSarcelonawittet

Paris, 7. Jan. (WB. Funkspruch.) DasEcho de Paris" berichtet, j^.s in dem früheren Kloster San Gevasio in "Barcelona, in dem die kata­lanische Tscheka ihr Hauptquartier ausgeschlagen hat, täglich geaen 100 Gefangene ermor.- det merben.xUtn jede Spur von den beispiellosen Verbrechen zu verwischen, wurden die Leichname in den Oefen eines Zementwerkes ver­brannt. Der Chef der katalanischen Tscheka, Aiera, ist nicht weniger als 93mal verurteilt wor­den. Unter seinen letzten Opfern befindet sich der bekannte Professor der Philosophie an der Univer­sität Barcelona, Thomas Carrera Artau. Am Tage, an dem bekannt wurde, daß der An­führer der Anarchisten, Durruti, in Madrid er­mordet worden sei, hat die Tscheka ein grauen­haftes Blutbad unter den Gefangenen ange­richtet. Don 189 Geiseln sind 165 erschossen worden. In Barcelona höre man weiter, daß die Anarchisten den Kampf mit den anderen Parteien in schärfster Form ausgenommen haben. So werden jetzt die Mit­glieder der sog.Katalanischen Staats­partei" (Estad Catala), d. h. die Freunde des Präsidenten Companys, verhaftet und hin- gerichtet.

Kunstschähe des Prado werden nach Gowietruß'a nd verschoben.

Salamanca, 6. Jan. (DNB.) Nach Mitteilung eines nationalen Senders sind im Hafen von Valencia die vor einigen Wochen auf Anord­nung des Bolschewistenhäuptlings Largo Caballero geraubten und nach der Levante-Küste verschlepp­ten Gemälde aus dem Madrider Prado- Museum mit einem sowjetrussischen Dampfer nach Odessa verladen worden. Unter den Ge­mälden befinden sich weltberühmte Werke von Ru­bens, Goya und Murillo.

AmVortage der Prinzenhochzeit im Haag

Die Residenz im HochzeitSschmuck

Orange die Farbe des Tages.

Haag, 6. Jan. (DNB.) Am Dprtage des von ganz Holland fieberhaft erwarteten festlichen Er­eignisses hat der Zustrom der Massen trotz des reg­nerischen Wetters schon einen gewissen Höhepunkt erreicht. In der Innenstadt sind besondere Verkehrs­maßnahmen ergriffen worden, um die unaufhörliche Flut der Besucher zu leiten. Der Weg, den der Brautzug am morgigen Tage nehmen wird, ist aller Ziel. In ununterbrochenem Strom ziehen über die ganze Straßenbreite Tausende und aber T a u se n d e, um den Haag im hochzeitlichen Fest­kleid zu bewundern. Die bei aller Verschiedenheit der Ausschmückung doch einheitliche künstlerische Gestal­tung beweist überzeugend, wie eng das Haus Ora- nlen-Nassau mit dem Volke verbunden ist. Die Farbe des Hauses Oranien ist es auch, die stark überwiegt. Denn das Fest ist in erster Linie ein Familienfest des Hauses Oranien-Nassau, ein Fest allerdings, an dem die ganze holländische Volksfamilie beteiligt ist. Wenn auch die Farben des Landes und der Provinzen neben denen der be­teiligten Geschlechter und der Gäste des königlichen Hauses sowie die Landesfahnen der Botschaften, Gesandtschaften und Konsulate im Straßenbilde sicht­bar werden, ist die Farbe des Tages orange, man kann von einem wahren Orangerausch sprechen.

Der königliche Palast Noordeinde hebt sich durch die Schlichtheit seines in Tannengrün und Silber gehaltenen Schmuckes heraus. Aber schon die erste Straße, die in das Herz der Stadt, am Hof­weiher und dem Außenhof vorbei zum Rathaus und der großen St.-Jakobs-Kirche den Stätten der bürgerlichen und kirchlichen Trauung führt, ist in eine Allee blühender Orange­bäume verwandelt. Im Jnnenhof, wo die Regie­rungsgebäude, die Zweite Kammer des Parlaments und die Ministerien liegen, sind die Wappen der Staaten und der überseeischen Besitzungen in ganzer Höhe der Balkone ausgerichtet, Kerzenkandelaber leuchten aus dem dunklen Grün, Fahnenaufbauten umrahmen das schöne Standbild des Prinzen von Oranien. Die Zugänge des Rathauses und der gro­ßen Kirche find zu Triumphpforten umgewandelt. Der ganze Fahrdamm ist mit starken Stricken abge­sperrt. die Hauseigentümer haben sicherheitshalber alle tief gelegenen Fenster durch Holzverschalungen gesichert.

Die Ehrenwachen ziehen an den für sie be­stimmten Plätzen bereits zur Probe auf Die ersten großen Tribünen steigen auf der Straße, die zum ganz schmucklos gebliebenen Friedenspalast führt, himmelan. Die Mehrzahl der Besucher aber findet auf den Aufbauten Platz, die sich kilometerlang zur Linken und Rechten des Alexanderplatzes, des Pa­radeplatzes der Residenz, entlang ziehen, und den Eingang zur Alexander-Kaserne der roten Husaren fast völlig verdecken. Kräftig ist auch die .Aus­schmückung des Platzes von 1813, der an sich schon

eine Zierde dieser an schönen Plätzen so reichen Stadt ist. Die japanische Gesandtschaft, die am Wege des Brautzuges liegt, hat ihr Haus völlig in ihre Nationalflaggen gehüllt.

Der ganze Zauber dieser in ein Schmuckkästchen verwandelten Stadt aber entfaltet sich erst mit dem Einbruch der Dunkelheit, wenn Millionen Lich­ter an den Häuserfronten ausglühen oder sich in weitem Bogen über die Straßen spannen, um die Feststadt in der Pracht ihrer bunten Tücher, ihrer Blumen und Girlanden in ein Märchen aus Tau­send und einer Nacht zu verwandeln, und diese Derlichting" ist denn auch seit ihrem Beginn das tägliche Ziel vieler Zehntausender geworden.

Der Auftakt.

Ein Ehrenabend der Künste.

Die offiziellen Veranstaltungen nahmen am Dienstagabend mit einem glanzvollen Ehren- abend im Hause der Künste und Wis­senschaften ihren Anfang. Dem Festabend wohnten die Königin, das prinzliche Brautpaar sowie die ausländischen Gäste des Königshauses, unter ihnen der Herzog von Kent als Vertre­ter des englischen Königshauses bei. Auch die Re­gierung mit Ministerpräsident Colijn, die Gene­ralität, die Diplomatie sowie die ausländischen Mis­sionen waren vertreten.

Der bis auf den letzten Platz gefüllten Saal bot mit den goldbestickten Röcken der Diplomaten, dem bunten Tuch der Uniformen und Nationaltrachten und der verschwenderischen Eleganz der Damen ein reizvolles Bild. Königin und Brautpaar wurden mit der holländischen und mit den deutschen Natio­nalhymnen begrüßt, die von den Anwesenden ste­hend angehört wurden. Den Ehrenabend eröffnete ein Willkommensgruß an das Brautpaar, dem sich der Brautchor ausLohengrin", in deutscher Sprache von dem Chor der Gesellschaft zur För­derung der Tonkunst gesungen, anschloß. Hollän­dische und deutsche Volkslieder aus verschiedenen Jahrhunderten leiteten über zu einem Ballett der Tanzgruppe Dar ja Collin. In der Pause hielten die Königin und das prinzliche Brautpaar Cercle. Den zweiten Teil nahm die Aufführung eines musi­kalischen Einakters und die ApotheoseHuldigung der Niederlande und seiner überseeischen Gebiete" an das prinzliche Brautpaar ein. Nach den Vor­führungen kam es zu lebhaften Huldigungen für das Brautpaar, die Königin und die Mutter des Prinzen Bernhard. So war denn der Ehrenabend ein stimmungsvoller Auftakt der Festlichkeiten, an denen das ganze Holland begeistert Anteil nimmt.

9er Glückwunsch des Führers.

Berlin, 7. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat Ihrer Majestät der Köni­gin der Niederlande zur Vermählung ihrer königlichen Hoheiten der Kronprinzessin Juliana und des Prinzen Bernhard telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt.

Reise durch dieZmiere Mongolei.

Dr. Lippert Oberbürgermeister der Reichshauptstadt.

Dr. Julius Lippert. (Scherl-Bllderdienst-M.)

Berlin, 6. Dan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat durch Erlaß vom 5. Januar 1937 den bisherigen S 1 a a t s f o m m i f- far Br. Julius Lippert zum Oberbür- gertneiffer und Stadtpräsidenten der Reichshauptstadt Berlin ernannt

*

Dr. Lippert wurde am 9. Juli 1895 in Basel geboren. Er besuchte die Deutsche Schule in G e - n u a, bis er nach Wiesbaden auf das Gym­nasium kam. Bei Beginn des Weltkrieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und wurde bei der Tankschlacht bei Cambrai als Jnfanterieführer eines Geschützzuges schwer verwundet. Bereits 1921 schloß er sich der deutsch-völkischen Freiheitsbewe­gung an und arbeitete zunächst als Handelsredak­teur und später als politischer Redakteur imDeut­schen Tageblatt". Zwei Jahre später trat er in die Reihe der Nationalen Freiheitsbewegung ein und nach ihrer Neugründung in die NSDAP. 1927 wurde er vom Gauleiter Dr. Goebbels in die Schrift- kitung desAngriff" berufen und im Jahre 1929 in das Berliner Stadtparlament gewählt. Da er als langjähriger Führer der nationalsozialistischen Stadtverordnetenfraktion mit den Verhältnissen und der Verwaltung Berlins bestens vertraut war, wurde er im März 1933 zum Staatskommis- s a r beim Oberbürgermeister der Stadt Berlin und später zum Staatskommissar (Oberpräsident) der Stadt Berlin ernannt. In dieser Stellung hat er die Stadtverwaltung neu aufgebaut und maßgeblich an der Sanierung der Berliner Verhältnisse mitge- wirkt. Die Neugestaltung des Stadtbil­des, das unter seiner Führung durch zahlreiche große Neubauten ein städtebaulich einwandfreies Bild bekommen hat, brachte ihm viel Anerkennung ein. Dr. Lippert ist es zu verdanken, daß die Ar­beitslosenziffern in Berlin bis auf ein Minimum zurückgegangen und der Haushalts­plan des neuen Jahres ebenso wie der alte voll­kommen ausgeglichen ist.

Don unserem se.-Mitarbeiier.

Dieser Bericht aus Kalgan schildert die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eines Gebiets, das durch Die Kämpfe zwischen Mongolen und Chinesen und die Gefangen­schaft Tschiangkaischeks in Sianfu das Interesse auf sich gezogen hat. Hier liegt eine der gefährlichsten Reibungsflächen zwischen Japan und Sowjetrußland.

Eine Reise in die Innere Mongolei ist mit zahl­losen Schwierigkeiten verknüpft. Es gehört schon eine gewisse Entschlußkraft dazu, bis zu den Weide­plätzen und Jurten der Jnnermongolen vorzu­dringen. (Eine neue Entdeckung war ferner, daß wir nicht einmal die alte berühmte Karawanen­straße von Kalgan nach Urga, die quer durch Chahar führt, benutzen konnten. Der Weg über Sowjetrußland und die Aeußere Mongolei ist ge­sperrt. Auch durch Mandschukuo, von Hailar oder Jehol aus, wird jeder Zutritt in die Provinz Chahar der Inneren Mongolei von japanischer Seite unterbunden. Noch vor einem Jahre soll es durchaus möglich gewesen sein. Heute aber sperren Posten einer unter japanischer Anleitung entstehen­denJnnermongolischen Armee" jeden unerwünsch­ten Besucher gleich nördlich Kalgan aus. Eine politisch bezeichnende Entwicklung.

Wir mußten also nach Westen auf der aus­schließlich von Chinesen gebauten Eisenbahnlinie PeipingSuiyuanPaotao Weiterreisen. Denn die Innere Mongolei besteht nicht nur aus der Provinz C h a h a r, die im Osten an Mandschukuo angrenzt, sondern noch aus den westlichen Provinzen <5 u i = Yuan und Ninghsia, die ebenfalls staatsrecht­lich zu China gehören. In K w a i s u i, der Pro­vinzialhauptstadt von Suiyuan, Ausgangspunkt des großen Karawanenweges nach Tibet und Turkestan, hinderte uns niemand, ins Innere der Mongolei zu reifen. Die chinesischen Militärposten begnügten sich mit unseren Visitenkarten und ließen unseren uralten klappernden Fordwagen ungehindert und ohne Untersuchung passieren.

Doch andere Schwierigkeiten stellten sich ein, die es uns nicht ganz so leicht machten, zu den Mon­golen selbst zu kommen. Vergeblich hatten wir in Kwaisui, der Provinzialhauptstadt, nach den Mon­golen und mongolischen Charakterzügen der Stadt ausgeschaut. Die Stadt ist rein chinesisch, wie alle nordchinesischen Zentren. Doch auch das Land blieb chinesisch, selbst als wir mit großer Mühe den hohen Paß erklommen hatten, der im Norden von Kwaisui zu den unendlichen Hochebenen führt. (Die mongolischen Steppen liegen über 1000 Meter hoch.) Meilen um Meilen fuhren wir durch die Hirse- und Kauliangfelder der chinesischen Siedler. Immer wie­der tauchten chinesische Dorfsiedlungen mit ihren Lehmhütten und Lehmmauern auf; von den Mon­golen und ihren gurten war nichts zu sehen.

Der chinesische Bauer erobert die Innere Mongolei. Jahr um Jahr dringt er mit einer Mil­lion neuer Siedler weiter nach Norden vor, bricht die Steppe, die seit Tausenden von Jahren noch keine Hacke oder Pflug gekannt hat, um, macht aus ihr wogende Kornfelder oder intensiv bearbeitete Gemüsebeete; auf ganz breiter Front, vom Ostzipfel der Inneren Mongolei in Chahar angefangen, bis herunter an das Wüftengebiet der Provinz Ningh- fia: lautlos, unbemerkt, mit dem zähen Fleiß des chinesischen Bauern. Nach unseren Karten zu urtei­len, mußten wir uns schon längst mitten im Herzen der Inneren Mongolei befinden, als endlich die Getreidefelder der Chinesen unregelmäßig wurden,

der Weg mehr und mehr im Gras der Steppe ver­schwand. Niemandsland begann. Dann tauch­ten ganz fern der erste Lamatempel auf und die ersten drei Filzyurten der Mongolen. Eine winzige kleine Menschensiedlung mitten in unend­lich weiten Steppenräumen.

Um diese menschenleeren Steppenräume wird heute in aller Stille gekämpft. Von Norden her haben sich Sowjet-Einflüsse bis an die in­nermongolische Grenze vorgeschoben. Von Osten her beginnt jetzt der japanische Einfluß sich gel­tend zu machen. Die Japaner versuchen durch über­wiegend militärisch-politische Maßnahmen entschei­denden Einfluß auf die Innere Mongolei zu gewin­nen. Träger dieser Bestrebungen ist die in Man­dschukuo eine so hervorragende Rolle spielende j a - panische Kwantungarmee. Schrittweise hat diese Armee ihre Stützpunkte über die Mandschukuv- Grenze nach Chahar vorgeschoben. An manchen wichtigen Stellen, wie z. B. nördlich von Kalgan und westlich davon, an der Grenze der Suiyuan- Provinz, sind diese Stützpunkte zu militärisch- politischen Zentren ausgebaut worden mit Militär­schulen für junge Mongolen.

Freilich soll dieser Einfluß in der Bildung eines von China unabhängigenJnnermongoli­schen Rates" der innermongolischen Banner­führer ausgewertet werden. Dieser Rat soll zukünf- ttg der Sammelpunkt für alle Selbständigkeitsbestre­bungen der Mongolen werden, dem sich auch eines Tages die heute noch unter Sowjet-Einflüssen stehende Aeußere Mongolei anschließen könnte. Te Wang, der energischste und gebildetste der innermongolischen Fürsten, scheint als Kandidat für die Führung eines solchen Rates vorgesehen zu sein, besonders, da Te Wang auch in der Provinz Suiyuan Besitz und Einfluß hat. Ansätze zu die­ser Entwicklung sind in der japanischen Beeinflus­sung des von China als aufgelöft erklärtenJn­nermongolischen Rates" inPailmgmiau in Suiyuan, dicht an der Chahar-Grenze, zu sehen.

Diese militärische Durchdringung, die mit der Bildung einerJnnermongolischen A r - m e e" verbunden worden ist, ist erfolgreicher als die politische Gewinnung der Chahar-Mongolen. Soweit unter diesen überhaupt politisches Interesse vor­handen ist, hat dieses sich noch nicht eindeutig den Japanern zugewandt. Auch heute noch ist die Hal­tung des schon erwähnten Fürsten Te Wang schwankend und sein Einfluß bei den anderen Für­sten nicht groß. Außerdem hat gerade die kürzlich erfolgte Aufdeckung der Verbindung eines hohen, als japanfreundlich angesehenen Mongolenführers, im Nordweften Mansdchukuos mit den Sowjets die Unzuverlässigkeit mancher aktiven Mongolen zum Ausdruck gebracht. Die standrechtliche Erschießung dieses Führers zusammen mit seinen Helfern hat die freundschaftlichen Gefühle der Mongolen für Japan kaum erhöht.

Die Hauptziele des japanischen Verbringens in die unendlichen mongolischen Räume sind strate- g i s ch e r Natur. Japan will um Mandschukuo und Nordchina ein einigermaßen gesichertes Var­ge l ä n d e gegen Sowjetrußland schaffen. Sicherlich dürften auch Gedanken an die Flau- kenstellung gegen das asiatische Ruß­land eine erhebliche Rolle spielen. Theoretisch ist das Bild dieser Flanke, die von Wladiwostok bis an den Baikalsee reicht, natürlich sehr verlockend. Praktischen Wert aber dürften solche Vorstellungen heute und in absehbarer Zukunft noch nicht haben;

besonders nicht für den, Der diese unendlichen, leeren Steppenräume gesehen hat. Ebenso theoretisch sind auch die wirtschaftlichen Beweggründe, die dem japanischen Eindringen in die Mongolei zu­grundeliegen sollen. Selbst der so dringend gewor­dene Wollbedarf Japans hat heute noch zu keinen nennenswerten praktischen wirtschaftlichen Maßnah­men in dieser Richtung in dem von Japan kontrol­lierten Teile der Inneren Mongolei geführt.

Doch die Provinz Chahar ist nur ein Teil der Inneren Mongolei. Die Provinz Suiyuan, die wir in allen Richtungen hin bereiften, ist noch fest in den Händen der chinesischen Prvvinzial-Re- gieung. Und diese scheint fest entschlossen zu sein, nicht kampflos ihre Position zu räumen, wie die jetzigen Kämpfe zeigen. Im Zusammenhang mit der allgemein versteiften Haltung Nord- und Zentral- Chinas Japan gegenüber entfalten gerade die Sui- yuan-Chinesen eine erhebliche Aktivität. Die kleinen Ortschaften im chinesischen Siedlungsgebiet werden zu kleinen Festungen ausgebaut. Die seit Jahrhun­derten zerfallenen altchinesischen Grenzmauern und Grenztürme werden erneuert und mit Posten ver­sehen. Das chinesische Siedlungsland gleicht einem militärischem Vorgelände. Dementsprechend ist die Stimmung der chinesischen Soldaten. Sie haben auf­gehört,Arbeitslose in Uniform" zu sein.

Ein plötzlich hereinbrechendes gewaltiges Step­pengewitter zwang uns in der nächstliegenden Mongvlenyurte Zuflucht zu nehmen. Ohne viel asiatische Zeremonien krochen wir durch die kaum einen Meter hohe buntbemalte Holztür der spurte, die wohlhabendere Mongolen den früher üblichen, aber nie dicht schließenden Filzvorhängen vorziehen. Ehe wir uns viel umschauen und unsere Verbeugungen machen konnten, waren wir schon vom Hausherrn auf die Ehrenplätze dicht beim Hausaltar gedrängt worden und bekamen eine dampfende Schale des für den Europäer nahezu ungenießbarenmongolischen Tees" in die kalt ge­wordenen Hände gedrückt.

Gespannt hörten Hausherr und Hausfrau dem Berichte unseres mongolisch sprechenden Reisebeglei­ters über uns zu. Die Gesichter der Mongolen sind trotz der ungewöhnlich breiten Backenknochen in ihren großen Linien klar und stark, bei den Frauen teilweise sogar von klarer Schönheit. Am meisten Freude an den seltenen Gästen hatte die kleine Tochter Hongor, das einzige Kind des Ehepaares. Mit unbezähmbarer Neugierde tastete sie an unse­ren Photoapparaten und sonstigen ihr völlig un­verständlichen Ausrüstungsgegenständen herum.

Die Yurte, das mongolische Wohnzelt, wie alle anderen, in denen wir von nun ab übernachteten, rasteten oder vor Ungewitter flüchteten, ist aus dickem Filz gemacht. Mühselig wird dieser Filz aus gepreßter und dann gerollter Schafwolle hergestellt und an ein leichtes Holzgestänge, das der Hurte die Form gibt, gehängt und gebunden. Auch auf den Fußboden, der einen Durchmesser von ungefähr vier Metern hat, wird der dicke Filz gelegt. Kreis­rund ist der Bau, an den Wänden nur meterhoch. Das Filzdach wölbt sich in der Mitte bis über Man­neshöhe. An der höchsten Stelle, über dem Mittel­punkte der Hurte, bleibt ein Loch in der Decke für den Rauchavzug frei, das aber bei starkem Regen zugezogen werden kann; dann allerdings ist die Purte in wenigen Minuten von dem stechenden Rauch des mit getrocknetem Kuh- und Kamelmist unterhaltenen Feuers erfüllt. Der Feuerplatz, ein lamaistischer Hausaltar, verschiedene Truhen und Gestelle für Geräte und Vorräte machen die Be­hausung der Mongolen vollständig.

Die Hurtensieblungen bestehen meistens aus zwei ober drei solchen Purten, selten aus mehr als fünf. Denn immer wohnt nur eine Familie im engeren Sinne zusammen ober eine burch einige Derwanbtschaftsgrabe erweiterte Großfamilie, -sel­ten beansprucht biese bei ber auffoüenben Kinber- armut mehr als fünf Wohnyurten. Der Unterschied zwischen armen und reichen Mongolen ist nur bei scharfer Überprüfung ber Trinkbecher, des Altars unb bes silbernen Kopfschmuckes der Frauen zu er­kennen. Die Viehherben, ber einzige wirkliche Reichtum ber Mongolen, sinb ausnahmsweise in ber Nähe ber Purten zu sehen. Sie grasen wett- oerftreut in der Steppe. Dort trifft man ab unb zu scheinbar milbe ungepflegte Schaf-, Kuh-, Pferbe- unb Kamelherben. Nur bie gefährlichen, jeben Frem- ben angehenden Mongolenhunde treiben um bie Durten ihr Unwesen. Prioatbesitz an Grund unb Bob en kennt ber Mongole nicht. Das Land gehört ber Stammesorganisation, berLiga" ober demBanner", was heute in der- Praxis zu einem sehr weitgehenden Verfügungsrecht der Banner­fürsten über den Grund unb Boden geführt hat.

Der Unterschied im Herdenreichtum ist allerdings sehr beträchtlich. Unsere erste Nachtruhe fanden wir in einer Hurte bei einer Mongolenfamilie, bereu Herdenbesitz sie nicht mehr bas ganze Jahr über ernähren konnte. Im Sommer lebt ber Mongole fast ausschließlich vom M i l ch e r t r a g seiner Her­ben, bie wegen der geringen Milchergiebigkeit er­heblich größer fein müssen als bei anderen Herden­wirtschaften. Im Winter aber muß er sich wegen der furchtbaren Kälte trotzdem der Mongole Lama ist, also Buddhist ist von Hammel­fleisch nähren. Nebenverdienst ist eine weitver­breitete Notwendigkeit für viele Mongolen gewor­den. Als Karawanenbegleiter, als Viehtreiber der reicheren Mongolen oder bei chinesischen Siedlern und Handelsniederlassungen im chinesischen Sied­lungsgebiet versucht er seine Existenz im Winter zu sichern. DerGeneral" dagegen, wie der reiche Mongole, bei dem wir einmal übernachten muß­ten, scherzhasterweise genannt wurde, weil er früher einmal eine berüchtigte Banditenschar befehligte, war ein ausgesprochenerHerdenkapitalist". lieber 800 Pferde nannte er fein eigen; viele Hunderte von wertvollen Kamelen waren fein Hauptstolz, und zahllose Schaf- und Kuhherden machten ihn zu einem, bei Chinesen unb Bannerfürsten angeseyenen Mongolen. Seiner wirtschaftlichen Stärke entsprach sein politischer unb abminiftratioer Einfluß in ber Suiyuan-Provinz. Natürlich war er aufs engste mit ben chinesischen Hanbels- und Bankkreisen ver­bunden und auch mit der chinesischen Provinzial» Verwaltung.

Sv haben bie Mongolen schon aufgehört, ein ein­heitliches Hirtenvolk mit ungefähr gleichem Sehens- ftanbarb zu sein, aus bem nur die Bannerfürsten durch Reichtum und Macht hervorstachen. Diese in­nere Auflockerung des Herdenvolkes wird heute aber nicht etwa durch die alte Rolle der Stammes- fürften ausgeglichen ober aufgehalten. Früher war ber Fürst Organisator der zahllosen Streifzüge ber Mongolen gegeneinanber ober gegen andere Völ­ker; Streifzüge, die ben Mongolen jahrhunbertelang Tribute unb zusätzliche Konsumgüter lieferten, bie bie extensive Weibewirtschaft niemals hervvr» bringen konnte und auch heute nicht erzeugen kann. Heute ist diese Rolle der Fürsten längst vorüber. Sie sind Mongolen, deren Hauptinteresse darin liegt, ihre Herden zu vergrößern und für diese die heften Weideplätze zu bekommen. Außerdem aber