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Herr Michael Keßler

im Alter von 85 Jahren.

Magdalene Keßler, geb Hamel.

Gießen (z. Z. Danziger Straße 9), den 4. Dezember 1937.

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Dehra Dun, 18. November 1937.

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meraufenthalt.

Wir fanden Filchner in einem idyllischen kleinen Hotel im Bungalowstil ganz in der Nähe seiner Arbeitsstätte auf dem Gelände des Suroeys. Ob­wohl es schon spät am Abend war, empfing er uns mit der ihm eigentümlichen humorvollen Lie­benswürdigkeit. Wir wollten eigentlich nur seinen Wohnsitz feststellen, um ihn am nächsten Morgen aufzusuchen, aber er ließ uns nicht fort, dann kam noch seine Tochter Erika von einem Spaziergang zurück, und wir konnten eine gemütliche Stunde bei einem Glas Wermuth verplaudern. Filchner, der sich seinen Bart hat abnehmen lassen, sah noch jugendlicher aus als sonst. Man sah ihm nicht an, daß er erst vor vier Tagen das Hospital ver­lassen hatte, wo er zwei Wochen an einem Haut­ausschlag mit Fiebererscheinungen, die die Aerzte bis heute noch nicht erklären konnten, gelegen hatte. Filchner hatte sich vor einiger Zeit in Kalkutta untersuchen lassen, er hatte sich vor zwei fahren bei einem Sturz vom Kamel einen Hals­wirbel gebrochen, der ihm seitdem dauernd Schmer­zen bereitet. Dazu kommen die Beschwerden, die die vierjährige Expedition ausgelöst hat, so daß er vorläufig eine längere Erholungspause emlegen muß. Aus diesem Grunde wird er auch seine Ar­beiten hier unterbrechen und am 3 0. Dezember nach Deutschland reisen.

Wie er mir ferner mitteilte, hat er gerade in Dehra Dun seine letzten Messungen be­endet, womit das Programm, das er aufgestellt hatte, lückenlos durchgeführt ist. Er hat, wie er sagt, mehr erreicht, als er ursprünglich erwartet hatte. Damit sei der erste Teil seiner Arbeiten ab-- geschlossen. Es folge nunmehr der zweite Teil, der hauptsächlich in den Berechnungen und der Aus­wertung der Messungen sowie in der Ausarbei­tung des umfangreichen kartographischen Materials bestehen werde. Diese Arbeiten werden sich aller­dings über Jahre ausdehnen. Er möchte auch diese gern in Dehra Dun durchführen, da hier die um­fangreichsten Unterlagen vorhanden sind. Ganz be­sondere Sorgen hatte der Forscher um sein reiches Photomateri'al gehabt, das er der Agfa in Kal­kutta zur Entwicklung übergeben hatte, aber er wurde auf das angenehmste überrascht, da sämtliche Filme, die teilweise schon vier bis fünf Jahre alt

ich nicht mehr imstande sein sollte, noch größere Expeditionen auszuführen, will ich den Rest meines Lebens dazu verwenden, meine guten englischen Verbindungen dazu zu benutzen, die Beziehungen zwischen diesen beiden verwandten Nationen Deutschland und England zu verstärken."

Zum Schluß unserer Unterredung teilte mir Filchner mit, daß er inzwischen über fünf­hundert Briefe und Hunderte von Te­legrammen von deutschen Volksgenossen erhalten habe, die er bei seiner reichen Tätigkeit leider nicht im einzelnen beantworten können wird. Er bat mich daher, durch die deutsche Presse allen Volks­genossen herzlichst für ihr liebes Gedenken und für die Glückwünsche zu danken, er habe sich über jeden einzelnen Brief riesig gefreut.

So verließen wir die idyllische, ruhige Arbeits­stätte des deutschen Forschers in Dehra Dun, um ihn nicht noch länger von seinen Arbeiten abzuhalten. Er begleitete uns mit seiner Tochter Erika, die die leuchtenden blauen Augen von ihrem Vater ge­erbt hat, bis zum Wagen. Dann drückten wir uns noch einmal herzlich die Hand und schieden mit einem kräftigenHeil Hitler!" voneinander._______

Meine Strafkammer Gießen.

Vor der Kleinen Strafkammer hatte sich der Friedrich Hofmann aus Niederwöllstadt zu ver­antworten. Er hatte am 2. November 1935 mit einem Komplicen mittels Einbruchs einige Hafen gestohlen. Hierfür erhielt er in erster Instanz vom Amtsgericht Friedberg sechs Monate, während der andere drei Monate Gefängnis erhielt. Der Mit­angeklagte ließ die Strafe rechtskräftig werden, Hof­mann jedoch führte die Berufung durch. Dabei stellte sich aber heraus, was vom Amtsgericht Fried­berg nicht berücksichtigt worden war, daß schwerer Diebstahl im Rückfall vorlag, so daß das Beru­fungsgericht die Strafe auf ein Jahr erhöhte. Dieses Urteil stützte sich in erster Linie auf die Aus­sage der Ehefrau des Komplicen, die damals unter Eid ausfagte, daß Hofmann sich bei dem Hafen- diebstahl beteiligt hatte.

Auch damit hatte H. noch nicht genug, sondern er suchte sich durch Beeinflussung bekannter Per­sonen ein Alibi zu verschaffen. So veranlaßte er einen Mann, an die Kleine Strafkammer in Gie­ßen einen Brief zu schreiben, in dem dargetan wurde, daß Hofmann sich an dem fraglichen Abend zusammen mit dem Briefschreiber in Frankfurt in einem Lokal aufgehalten habe. Unter Bezugnahme auf diesen Brief beantragte Hofmann die Wie­deraufnahme des Verfahrens, die aber von der Strafkammer in Gießen abgelehnt wurde. Nun ließ Hofmann stärkeres Geschütz auffahren: er verfolgte Beschwerde beim Oberlandesgericht in Darmstadt. Er verstand es, einen anderen Zeugen zur Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu veran­lassen, in der dem Gericht ebenfalls das Märchen von dem gemeinsamen Aufenthalt in dem Frank­furter Lokal aufgetischt, wurde. Einzig auf diese falsche eidesstattliche Versicherung hin ordnete das Oberlandesgericht in Darmstadt die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Dies hatte zwangsläufig ein Meineidsoerfahren gegen die Hauptbelaftungszeu- gin, die aber die Wahrheit gesagt hatte, zur Folge.

Die jetzige Hauptverhandlung vor der Kleinen Strafkammer gestaltete sich sehr dramatisch. Der erste Entlastungszeuge, der den Brief schrieb, hatte sich schon in der Voruntersuchung in Widersprüche verwickelt und fiel nun in der Hauptoerhandlung restlos um. Dabei gab er mit gepreßter Stimme zu, daß der Angeklagte ihn in seinem Sinne beeinflußt habe. Der andere Zeuge, der die falsche eidesstatt­liche Versicherung abgegeben hatte, blieb zunächst bei feiner Darstellung, er gab dann aber schließlich nach eindringlichen Vorhaltungen ebenfalls der Wahrheit die Ehre. Es stellte sich dabei heraus, daß die ganze Geschichte von dem Angeklagten vollkom­men erfunden und dem Zeugen suggeriert worden ist. Der Zeuge kannte den Angeklagten lediglich daher, daß beide einmal kurze Zeit an einer Ar­beitsstelle gearbeitet hatten. Er mußte zugeben, daß er die falsche eidesstattliche Versicherung bewußt uni) in voller Kenntnis der Tragweite abgegeben hatte und ihm auch bekannt war, daß diese vor Gericht verwertet werden sollte.

Daraufhin legte der Verteidiger die Verteidigung nieder und empfahl dem Angeklagten, den Wieder­aufnahmeantrag zurückzuziehen. Da dies aus ver­fahrensrechtlichen Gründen nicht möglich war, mußte die Verhandlung durchgeführt werden.

Der Vertreter der Anklagebehörde geißelte in scharfen Worten das Verhalten des Ängeklagten und empfahl dem Gericht eine höhere Bestrafung. Er bedauerte, daß die Handlungsweise in dem jetzi-

roaren, ganz tadellos waren, ein besonderer Beweis für die Güte des deutschen M a t e r i a l s , wie er meinte. Somit sind sowohl feine Auszeich­nungen wie auch das Photomaterial restlos geret­tet worden. Filchner war gerade dabei, feine wertvollen Instrumente zu verpacken um sie nach Deutschland zu schicken. Er ist sehr besorgt daß ihm die Zollbehörden durch unsachgemäße Dehnung die äußerst empfindlichen Instrumente befchadigen könnten. Ick luchte ihm sedock diese Vesor^nis lo-

Statt Karten.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir unseren innigsten Dank.

Im Namen der Hinterbliebenen:

Ludwig Bende.

Die Trauerfeier findet am Dienstag. 7. Dezember, nach­mittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt

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gen Urteil nicht berücksichtigt werden könnte, gab dem Angeklagten jedoch die Versicherung, daß dies bei dem demnächst zu erwartenden Verfahren wegen zweifacher Verleitung zum Meineid in entsprechen, der Form gewürdigt werde.

Das Urteil lautete wegen schweren Diebstahls im Rückfall auf eineinhalb Jahre ©efdng. n i s. Gleichzeitig wurde Haftbefehl erlassen.

50 Jahre

Landwirtschaft!. Konsumverein Wi cseck

Wieseck, 5. Dez. Der Landwirtschaftliche Konsumverein Wieseck, der am 1. Dezember auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hatte seine Mitglieder für den Samstagabend zu Gastwirt Braun eingeladen. Von vielen Geschäftsfreunden waren, als Zeichen der Verbundenheit, Blumen ein­gegangen. Die Wiefecker Musikkapelle sorgte für die nötige Unterhaltung. Der Vorsitzende des Aufsichts-» rotes Karl Daupert begrüßte zunächst die an­wesenden Mitglieder und Gäste, besonders den Orts­gruppenleiter und Bürgermeister Euler, den Ver­bandsvertreter Holzei, den Vertreter der bäuerlichen Hauptgenossenschaft Speckert, Oberrevisor Hart­mann sowie die noch lebenden 13 Gründer des Vereins.

Sodann ging er auf den Zweck der Gründung im Jahre 1887 ein. Von den damaligen 60 Gründern konnten noch 13 das Jubelfest erleben. Ferner fchil- derte er den Werdegang des Vereins in den vergange­nen 50 Jahren, daß es trotz aller Ereignisse in dieser langen Zeit immer möglich war, das Unternehmen auf einer leistungsfähigen Höhe zu halten. So war es bereits im Jahre 1911 möglich, die Verkaufs­stelle II im eigenen Anwesen unterzubringen, und 1936 wurde das Grundstück der Verkaufsstelle I käuflich erworben. Noch kurz auf die auch den Ge« noffenfchaften im Dierjahresplan gesteckten Aufgaben eingehend, schloß er mit dem Dank an die Gründer und alle, die dem Unternehmen in dieser langen Zeit selbstlos gedient haben, seine Ausführungen.

Als Vertreter des Verbandes ländlicher Genof- fenfchaften überbrachte Herr Holzei Grüße und Glückwünsche. In längeren Ausführungen sprach er über das Genossenschaftswesen und ganz beson­ders über die seinerzeitigen Gründungen ländlicher Genossenschaften. Er besprach dann die Zusammen- arbeit im genossenschaftlichen ideellen Sinn. Seinen weiteren Ausführungen war zu entnehmen, daß die Genossenschaften sich nach der Neuordnung un­serer Wirtschaft feit dem Umbruch der Nation gut in den Gemeinschaftsgedanken des Volkes einfügen konnten, da die Zusammenarbeit das immer war, was die Genossenschaft lebensfähig machte. Als Zeichen der Wertschätzung überreichte er dem Ver­ein ein Diplom.

In gleicher Weise wurde von ihm Lagerhalter Karl Wacker für 25jährige treue Mitarbeit geehrt. Als Vertreter der bäuerlichen Hauptgenossenschaft überbrachte Herr Speckert Grüße und Glück- wünsche.

Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Euler überbrachte den Glückwunsch der Gemeinde. Seine Ausführungen galten dem Aufbau des Vaterlandes und dem Vierjahresplan. Auch wies er auf den Tag der nationalen Solidarität hin und in diesem Zusammenhang auf das Wirken der NSV. und das Winterhilfswerk. Mit dem Gruß an den Führer schloß er feine Ausführungen. Nachdem noch einige Stunden der Geselligkeit gewidmet waren, fand die Feier ihren Abschluß.

Am nächsten Morgen besuchte ich den Forscher in seinem Observatorium auf dem Gelände des Sur- veys, wozu er mir freundlicherweise die Erlaubnis

winzigen kleinen Häuschen, das den NamenAbso­lutes Haus Nord" führt, in dem sich eigentlich nur ein Sockel für die Aufstellung des magnetischen Theodolithen befindet. Ich wollte einige Aufnahmen von Filchner bei seiner Arbeit machen. Nachdem dies geschehen, gingen wir wieder in sein Bungalow zu- hief. Filchner erzählte mir, in welch äußerst zuvor­kommender und liebenswürdiger Weise die engli­schen Beamten seine Arbeiten unterstützen und för­dern. Er ist inzwischen mit seiner Tochter zum Ehrenmitglied des Denra Dun Clubs ernannt wor­den. Ferner hat ihn dieRoyal Central Asiatic So­ciety" zu einem Vortrag im März nächsten Jahres nach London eingeladen, welche Einladung er na­türlich gern angenommen hat.

Als ich ihn fragte, was er mit dem Nationalpreis zu tun gedenke, sagte er, daß er sich noch gar nicht recht vorstellen könne, der Besitzer einer Jo großen Summe geworden zu sein.Sie wissen", fuhr er wörtlich fort,daß ich für mich persönlich nichts zu verwenden pflege. Was ich je verdient habe, hauptsächlich durch meine Vorträge, habe ich restlos in meine Wissenschaft hineingesteckt, wahrscheinlich werde ich auch diesen Betrag für meine Wissen­schaft verwenden. Es hat Zeiten gegeben, wo ich nicht ein Stück Brot zu essen hatte. Aber das hat mich nie ernstlich bedrückt, meine Arbeit galt stets nur meinem Vaterlande und der Wissenschaft. Wenn

Mittwoch, den 8. Dezember 1937, abends 8 Uhr

Film-Vortrag

imKatholischen Vereinshaus. Thema:

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Rednerin: Frau Oberlandgerichtsrat FUCHS aus Darmstadt.

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