Ausgabe 
6.2.1937
 
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Gaukuliurtagung Hessen-Nassau.

Am 13. und 14.Februar 1937 in Wiesbaden.

NSG. Die gesamte kommende Kulturarbeit des Gaues heffen-Raffau unter eine einheit­liche Leitung und Zielrichtung zusam­men z u f a s s e n, ist der Sinn der großen Gau­kulturtagung, die am 13. und 14. Februar 1937 in Wiesbaden slatlfindet. 3m Mittelpunkt der Veran­staltung stehen die Ausführungen des Gaulei­ters und des Gaupropagandaleiters, die am Sonntag um 11 Ahr im Kleinen Saal des Kurhauses das Wort ergreifen werden. Die offizielle Begrüßung der Teilnehmer erfolgt bereits am Sams­tagmittag durch den stellvertretenden Gauleiter Staatsrat Reiner. Sämtliche Gauamtsleiter, Kreis- teiter, die kulturellen Sachbearbeiter der Gliede­rungen und der angeschlossenen Verbände, die In­tendanten der Theater und des Reichssenders, die Landesteitcr der Reichskutturkammer, sowie zahl­reiche Vertreter des Staates und der Wehrmacht nehmen an dieser großen Kulturtagung des Gaues hefsen-Rassau teil, der ihres Inhaltes wegen eine außerordentliche Bedeutung zukommt.

Der Auftakt zur 5. Reichsstraßensammlung.

Eine Kundgebung im Berliner Sportpalast.

Berlin, 5. Febr. (DNB.) Den würdigen und verheißungsvollen Auftakt zur 5. Reichsstraßen­sammlung für das Winterhilfswerk, die von den Frontsoldaten des großen Krieges Schulter an Schulter mit der jungen Generation durchgeführt wird, bildete am Freitagabend eine Kundgebung im festlich geschmückten Sportpalast. Riesige Hakenkreuz­fahnen grüßten von den Emporen, und Spruch­bänder brachten die Parolen der kommenden Sam­meltage:Eine Gemeinschaft ein Opferwille" oder Das Bernsteinabzeichen Das Schmuckstück für jeden Deutschen". Zu der Kundgebung hatten die S sammelnden Verbände, die NS.-Kriegsopfer- argung, der Reichskriegerbund Kyffhäuser, der NSDStB., der Reichsluftschuß und der DLSV. auf­gerufen. Die Bedeutung der Veranstaltung wurde unterstrichen durch die Reden des stellvertretenden Gauleiters Staatsrat G ö r l i tz e r, des SA.-Ober­gruppenführers von Ja g o w und des Reichskriegs­opferführers Oberlindober, die in aufrütteln­den Worten einen eindringlichen Appell zu weiterer Einsatz- und Opferbereitschaft an das deutsche Volk richteten. Unter den Ehrengästen sah man den Reichsstudentenführer Dr. S ch e e l, den Landes­gruppenführer des Reichsluftschutzbundes Major von Loeper, Oberst v. A r n a u l t vom DLSV., Generalmajor Müller vom Reichskriegerbund, so­wie den Führer der ungarischen Kriegsinvaliden, S z m a t a m a , den der Vertreter des Gauamtes Berlin der NSV., Hoßfeld, besonders herzlich willkommen hieß.

Die Zeiträge zur Arbeitslosenversicherung.

Im Zusammenhang mit der fa st völligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit in Deutschland durch die Maßnahmen des Führers ist hie und da der Hoffnung Ausdruck gegeben wor­den, die Höhe der Beiträge zur Arbeits­losenversicherung der Ziffer der Arbeits­losigkeit anzugleichen. Die Bilanz oer Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung spiegelt deutlich die kräftige Erholung wider, die der Rückgang der Erwerbs­losigkeit automatisch für sie mit sich brachte. Aus dieser Bilanz ist klar ersichtlich, daß ein Betrag, der an eine halbe Milliarde heranreicht, dem Reich zur Verfügung ge st eilt werden konnte, um restlos für die großen Arbeitsbefchaf- funasmaßnahmen der Reichsregierung, d. h. also für die Neuschaffung und Sicheruna von Ar­beitsplätzen Verwendung zu finden. Diese Art der Verwendung der Ueberschusse kommt restlos dem Volke selb st zugute. Außerdem darf nicht über­sehen werden, daß die Reichsanstalt niemals ein reines D e r fi ch e r u n g s u n t e r n e h - men auf eigenen Füßen war. Es hat d i e Hilfe d e s R e i ch e s in den Jahren der Krise mit Riesen­beträgen in Anspruch nehmen müssen. So werden auch alle, die jetzt eine Beitragsermäßigung er­warten, bedenken müssen, ob, ganz abgesehen von der Verwendung der Ueberschüsse für die Arbeits­beschaffung, es nicht recht und billig ist, wenn in den Zeiten der Ueberschüsse die Reichsanstalt dem Reiche ein Aequivalent für die Zuschüsse in den Zeiten der Krise zurückgibt.

Verbesserter Kundenschutz im Wertvapierqeschäst.

Ein neues Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren.

Berlin, 5. Febr. Die Reichsregierung hat auf Vorschlag des Reichsministers der Justiz Dr. Gürt- ner ein neues Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren verabschiedet, das von folgenden Grundgedanken getragen ist:

Den Ausgangspunkt bildet die Notwendigkeit der Sicherung, her Erhaltung und des Ausbaues eines den Bedürfnissen des nationalsozialistischen Deutschlands genügenden Kapitalmark­tes. Für die Förderung eines solchen Kapitalmark­tes ist nicht nur die Organisation der Bör- s e n und des börsenmäßigen Handels, sondern auch eine das Vertrauen stärkende und den Kunden­schutz verbessernde Verwahrung und An­schaffung von Wertpapieren für an- d e r e wesentlich. Diese organische Ausgestaltung des Bankendepotrechts muß sich auf dem Boden der wirtschaftlichen Gegebenheiten aufbauen. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich zwei Not­wendigkeiten: Ziel der Neuregelung muß der Schutz des Sparers fein, der seine Ersparnisse in Wertpapierform anlegt. Damit ist dem Gesetz eine Verbesserung des Kundenschutzes gegenüber dem geltenden Bankdepotrecht gewiesen. Dieses Ziel sucht das Gesetz zu verwirklichen: Ein­mal in der Erhaltung des Eigentums für o e n Hinterleger bei dem Verwahrungsge- fchaft, und zum anderen in der möglichst schnellen Verschaffung des Eigentums für den Bankkunden beim Anschaffungsgeschäft. Als geeignetes Mittel sieht das Gesetz die Aufstellung fester Rechtsregeln an, die nur da abdingbaren Rechtsbestimmungen Platz machen, wo dies mit den sonstigen Zielen des Gesetzes in Einklang steht und insbesondere wo die Person des beteiligten Bank- künden dies rechtfertigt. Als geeignetes'Mittel für

Genecnlfelörnacfthall o. Mackensen

zur 5.Heidisftrofien|ammlung öes Winterhilfsmcrkes am ü./7. Zebruar 1937

Mit dem Führer für Deutschland gegen die Not I Drauf und durch l Wir Frontsoldaten kennen es nicht anders.

Waldhaus Falkenwalde,

U, Z1

t/L

den 4 . Januar 1937

Schafft Schwimmbäder auf dem Lande!

Aktion der Hitlerjugend und des Reichsnährstandes.

Berlin, 5. Febr. (DNB.) Der Reichsbauern­führer Reichsminister R. D a r r 6 , Reichsminister Dr. Goebbels und der Jugendführer des Deut­schen Reiches von Schirach haben nachfolgenden Aufruf erlassen:

Innerhalb der allgemeinen körperlichen Ertüchti­gung der deutschen Jugend ist das Schwimmen gesundheitlich, erzieherisch und sportlich eine der wichtig st en Leibesübungen. Es stärkt die Kraft und Gesundheit der in den Entwicklungs­jahren stehenden Jugend, erzieht au Wagemut und Entschlossenheit und fördert durch den sportlichen Wettkampf die körperliche Leistungsfähigkeit und das Vertrauen zum eigenen Können. Darum soll in Zukunst jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädel schwimmen kön­nen und spätestens bis zum Ausscheiden aus der Hitler-Jugend bzw. dem Bund Deutscher Mädel das Freischwimmerzeugnis besitzen.

Die Schwimmbäder aber, über die wir heute in Deutschland verfügen, reichen bei weitem nickt aus, um dieses große Ziel zu erreichen. Hunoerttausende der ländlichen Jugend können heute ttotz des guten Willens das Schwim­men nicht erlernen, weil jede Schwimmöglichkeit fehlt, und viele fallen heute noch alljährlich dem nassen Tode zum Opfer, weil sie des Schwimmens

unkundig sind. Das kann und darf nicht mehr sein! Wir rufen deshalb d i e Dörfer und Gemein­den und die O r t s b a u e r n s ch a f te n und Ortsgruppen der Partei auf: Schafft Schwimmbäder für die deutsche Ju­gend, nutzt jeden Dach, jeden kleinen Fluß, jeden Teich aus. Schafft Stätten der Erholung und der körperlichen Ertüchtiaung und helft mit an der großen Erziehungsarbeit des Reichsnährstandes und der Hitler-Jugend.

Zur Förderung des Schwimmsportes wurde e i n Propagandaausschuß gebildet, zu dessen Vorsitzenden der Jugendführer des Deutschen Reiches auf Vorschlag des Reichssportführers den Leiter des Amtes für Leibesübungen in der Reichsjugendfüh­rung, Gebietsführer Schlünder, ernannt hat. Dem Ausschuß gehören ferner die hierzu bestimmten Referenten aus den Stäben oder Aemtern der Unterzeichner des Aufrufes an. Reichssportführer von Tschammer und Osten hat einen Aufruf an die Gliederungen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen erlassen, in dem er sie auffordert, sich mit allen Kräften an der Durchführung dieser Werbung zu beteiligen und zum endgültigen Er­folg das Ihre beizutragen.

Erzielung eines verstärkten Kundenschutzes sieht das Gesetz weiterhin vor, daß alle Vereinbarungen, die die Rechtsstellung des Kunden beim Verwahrungs­und Anschaffungsgeschäft beeinträchtigen, nur auf Grund ausdrücklicher und schrift­licher Erklärung des Kunden zustande kommen können. Insbesondere schränkt das Gesetz die Möglichkeit ein, daß der Verwahrer und der Kommissionär die Befugnis zu Maßnahmen, die die Rechtsstellung des Kunden verschlechtern, aus den Geschäftsbedingungen ableiten kann. Andererseits mußte aber auch berücksichttgt werden, daß die Notwendigkeit des Kundenschutzes mit der Notwendigkeit eines geordneten und beweglichen Wertpapierhandels und mit den berechttgten Belangen der Verwah­rer (Bankanstitute) in Einklang zu bringen ist, da sonst die Wertpapierverwahrung und der Wert­papierhandel in volkswirtschaftlich nicht vertret­barer Weise erschwert und verhindert würden.

Oie Befreiung der Reichsbank.

Eine Dankadresse an den Führer.

Berlin, 6. Febr. (DNB.) Am Freitagnachmit­tag empfing der Führer und Reichskanz­ler den Neichsbankpräsidenten Dr. Schacht, so­wie Vertreter der Beamten, Angestellten und Ar­beiter der Reichsbank. Dem Führer wurde eine Urkunde überreicht, die folgenden Wortlaut hat: Dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dankt die gesamte Gefolgschaft der Reichsbank in Er­gebenheit und Treue für die Befreiung der deutschen Notenbank von letzten internatto­nalen Bindungen. Dem Auslande ist das uns in Zeiten der Not und des Niederganges abgepreßte Recht, auf die Deutsche Reichsbank als Träge­rin der deutschen Währung Einfluß zu nehmen, wieder genommen worden. Das deutsche Zentralnoteninstttut ist nunmehr völlig der Hoheit des Reiches unterstellt. Das ge­waltige Befreiungswerk des nationalsozialistischen Deutschlands ist damit zum Abschluß gekommen. Die Reichsbank ist sich in allen ihren Gliedern ihrer Verantwortung für Volk und Staat bewußt und hat es stets als ihre vor­nehmste Aufgabe angesehen, nur Deutschland zu dienen. Mit umso größerer Begeisterung be­grüßen es die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Reichsbank, daß die Verbundenheit des Noten- institutes mit dem Reich auch nach außen hin wie­der uneingeschränkt in Erscheinung tritt. Unter dem Eindruck der Erklärung vom 30. Januar 1937 ge­lobt die Gefolgschaft der Reichsbank in einmütiger Geschlossenheit von neuem dem Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler rückhaltlose Einsatz­bereitschaft und Pflichterfüllung im Dienste des Dritten Reiches."

Oer Gauleiter sprach in Biedenkopf.

NSG. Die Kreisstadt Bindenkopf im nördlichsten Zipfel Hessen-Nassaus, liegt in einem vorwiegend landwirtschaftlichen Kreis, doch geht ein großer Teil der Bevölkerung dem Broterwerb in der Industrie der Steine und Erden nach. Früher hatten diese Leute zum weitaus größten Teil landwirtschaftlichen Besitz und erwarben ihr Verdienst zusätzlich, wäh­rend sie heute zu 70 v. H. reine Arbeiter sind Diese Verhältnisse günstiger zu gehalten, ist die Hauptsorge der Partei und des Staates Das kam sinnfällig durch den Besuch des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger bei einer der Hin­terländer Eisengießereien zum Ausdruck. Die etwa 500 Köpfe zählende Gefolgschaft dieses Wer­kes, das vorzugsweise Oefen und Herde herstellt, ist durch das wache Interesse des Gauleiters in der Ueberzeugung bestärkt worden, daß unser neues Deutschland die Arbeitskraft pflegen und erhalten will.

Am Abend sprach der Gauleiter auf einer Kund­gebung, die aus dem überfüllten größten Saal Bie­denkopfs durch Lauffprecher auf drei weitere eben­

falls vollbesetzte Räumlichkeiten übertragen wurde. Wir sind von der Erkenntnis ausgegangen, so er­klärte der Gauleiter u. a., daß man ein hungerndes Volk nicht durch Worte, sondern durch Taten sättigt. 2lber nicht nur Arbeit soll der Arbeiter wieder haben, er soll in erster Linie auch wieder Mensch werden, der sich vollbewußt neben den Angestellten und den Betriebsführer stellt. Dieser Wandel ist bereits vollzogen, und hätte Adolf Hitler nichts an­deres vollbracht, als dies, so müßte ihn die Welt schon um dessentwillen als den genialsten Führer der Geschichte anerkennen. Und doch ist für uns alles, was bis jetzt geschaffen wurde, e r ft ein B e- ginnen. Auf dem Fundament trägt der Führer Baustein um Baustein zusammen und errichtet so den herrlichen deuffchen Dom. An den bösen Zei­chen, die rings um unsere Grenzen die Völker be­unruhigen, sehen wir erst recht unsere Stärke, und wir können stolz darauf sein, daß die Welt unseren Führer bereits als den genialsten Staats­mann aller Zeit en anerkennt. Jetzt ist es Pflicht eines jeden Volksgenossen, sich eng an die Führung der Partei anzulehnen, denn zu jedem weiteren Aufstieg liegt in ihr die Dynamik.

Die Tradition der Schutztruppe in Deuffch-Ostasrika.

Hamburg, 5. Febr. (DNB.) In Wands- beck-Jenfeld wurde auf dem Kasernenhof des J.-R. 69 die Tradition der ehemaligen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika durch General von Lettow- D o r b e ck an das 2. Bataillon des J.-R. 69 über­geben. Aus Anlaß dieses Tages hatten die Kaser­nen reichen Flaggen- und Girlandenschmuck ange­legt. Im großen Viereck waren die Gliederungen der Wehrmacht, der Partei und der alten soldatt- schen Verbände, unter ihnen d i e Männer des Reichskolonialkriegerbundes, in ihren alten Uniformen auf marschiert. Gcucral von Let- tow-Vorbeck schritt unter den Klängen des Präsentiermarsches in Begleitung des kommandie­renden Generals des 10. Armeekorps, General der Kavallerie Knochenhauer, und des Batail­lonskommandeurs Oberstleutnant Strack, die Front des 2. Bataillons und der aufmarschierten Verbände ab. Dann würdigte Wehrkreispfarrer Hunzinger die heldenmütigen Taten des Ge­nerals von Lettow-Vorbeck und feiner Getreuen. Den 750 deutschen Soldaten, die in Deutsch-Ostafrika für ihr Vaterland fielen, galt ein sttlles Gedenken.

General von Lettow-Vorbeck erklärte, es erfülle ihn mit Stolz, die Tradition der Kaiser­lichen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika dem 2. Ba­taillon des J.-R. 69 übergeben zu können. Er wisse, daß sie in gute Hände komme. Viereinhalb Jahre hätten seine Soldaten in heldenmütigem Kampfe ausgehalten und als einzigen Besitz d i e Tradition heimbringen können.Wir über­geben Euch jungen Soldaten", schloß General von Lettow-Vorbeck,diese heilige Ueberlieferung a l s Quelle soldatischer Kraft. Seid treue Hüter und Wahrer dieses Besitzes." Der Regiments­kommandeur Oberst von Briesen sprach den Dank des Regiments für die hohe und ehrende Verpflichtung aus. Nach einem dreifachen Hurra auf General von Lettow-Vorbeck sprach General Knochenhauer die Versicherung aus, daß die Soldaten der hohen Verpflichtung, die ihnen die neue Traditton auferlege, nachkommen würden. Im Namen der Trupve gelobte er diese Verpflichtung mit einem Sieg-Heil auf Deutschland und seinen Führer.

Die Offiziersvorbilduna in Oesterreich.

W i e n , 5. Febr. (DNB.) Jrn Staatsrat wurde das neue Offiziersvorbildungsgesetz beraten, das insofern von grundlegender Bedeutung ist, als darin dem Gedanken des Volksheeres, wie ihn das neue Deutschland in vorbildlicher Weise heraus- gearbeUet hat, Rechnung getragen wurde. In der alten österreichisch-ungarischen Armee, deren Struk­tur im großen und ganzen dem Aufbau der neuen österreichischen Wehrmacht zum Vorbild dient, konn­

ten grundsätzlich nur in höheren Schulen vorgebildete Personen Offiziere werden. In Zukunft werden besonders begabte Un- terof fixiere nach zehnjähriger Dienstzeit und zweijährigem Besuch einer Offiziersschule zu Offi- zierenernannt werden können. Der größte Teil der künftigen Offiziere des Bundesheeres wird in der Theresianifchen Militärakademie ausgebildet wer. den. Für den Truppenoffizier ist im An- schluß an den Besuch der höheren Schule ein drei- jähriger Lehrgang in der genannten Akademie vor- geschrieben. Wer in den G e n e r a l st a b aufrüden will, muß einen vierjährigen Lehrgang durchmachen und außerdem einen dreijährigen Generalstabskurs besuchen.

Die Erinnerungen d esKanunerherrn vonOldenburg.

In seinen Erinnerungen, die hier kürzlich bespro­chen worden sind, hat der frühere Kammerherr und Reichstaasabgeordneter Elard von Olden» burg-Januschau die Rede noch einmal ab- drucken lassen, die er im Oktober 1930 von der Reichstagstribüne über d i e Lage in der Reichswehr hielt. Herr von Oldenburg schickt in seinem Buche der Rede eine Erläuterung vor- aus, in der es heißt:Zwei Offiziere, die über den Rahmen des alltäglichen Dienstes hinaus sich poli­tische Gedanken gemacht und einige Gespräche mit Außenstehenden geführt hatten, wurden in Ulm von der Front weg verhaftet und in ein Hochver­ratsverfahren verwickelt. In einem anderen Fall hatte man einem Druck aus zivilen Kreisen soweit nachgegeben, daß man die Wache nicht mehr in Uniform, sondern in Z-ivil versehen ließ. Schließlich ging man sogar so weit, daß man dem­jenigen Soldaten eine goldene Uhr Der« sprach, der den Urheber eines politisch mißliebi­gen Gesprächs zur Anzeige brachte." Wegen dieser Maßnahmen und Erlasse griff Herr von Oldenburg in seiner Rede auch den damaligen Chef der Heeres- leitung persönlich an.Generaloberst Heye, den ich persönlich hochschätze wenn ich auch fein rnili- tärisches Tun zu begreifen nicht in der Lage bin hat bei Besichtigungen die Soldaten aufgefordert, wenn einer sich bedrückt fühle, soll er sich an ihn persönlich wenden: seine Tür stünde jedem jederzeit offen... Nun möchte ich einmal wissen, was ge» schehen würde, wenn der vorschriftsmäßige Be­schwerdeweg in der Form verlassen wird, wie der Herr Generaloberst Heye das wiederholt vorge- schlagen hat..."

Im Oktober 1930 ist Generaloberst Heye von der Leitung der Reichswehr zurückgetreten. Herr von Oldenburg.Januschau sendet jetzt berDeut­schen Allgemeinen Zeitung" eine Zuschrift, in der es heißt:5Bie mir der Generaloberst Heye jetzt mitteilt, hat er bei seinem Scheiden aus Kö­nigsberg die Soldaten aufgefordert, sich an ihn per- sönlich zu wenden, falls sie bei der Anstel- lung im Zivildienst Schwierigkeiten hätten. Es hat sich nicht um aktive Soldaten ge­handelt. Wie mir der Herr Generaloberst Heye fer« ner mitteilt, ist er auch bezüglich des von mir kri­tisierten Uhrenerlasses, der Verhaftung von Offizieren vor der Front durch einen Zioilrichter, des Uniformerlasses bei Aufzieben von Wachen und des Leipziger Prozesses nicht beteiligt. Diese Vorgänge waren die Ursache, daß der Chef der Heeresleitung den Generalfeld­marschall von Hindenburg um seinen Abschied b a t und von seinem Posten zurücktrat. Mit Rück­sicht auf das Ansehen der Reichswehr hat er hier­über bis heute geschwiegen. Es trifft meine damalige Reichstagsrede auf den Herrn Ge- neraloberft Heye ni cht zu, was ich hiermit fefteUe."

Roosevelt fordert Reform der Bundesgesetzgebung.

Washington, 5. Februar. (DNB.) Präsident Roosevelt übersandte dem Bundeskongreß eine Bot- sckaft, in der er das Bundesgerichtssystem als vollkommen veraltet bezeichnet. Roosevelt sagt, daß alle drei Instanzen so überlastet seien, daß jeder Prozeß jahrelang dauere und arme Leute es sich nicht leisten könnten, zu prozessieren. Die Kammern seien mit überalterten Richtern besetzt, die nicht zwangsweise pensioniert werden könnten. Ein Teil von ihnen sei geistig schon so schwach, daß ihre Arbeit darunter leide und sie selbst nicht fühlten, daß sie abgehen müßten. Außerdem stelle das Pro­zessieren wegen angeblich verfassungswidri­ger Gesetze eine schwere Belastung für die Re­gierung dar. Die verschiedenen Bundesgerichte trä­fen verschiedene Entscheidungen in wichtigen Verfassungsfragen, manchmal dauere es Jahre, bis das Oberste Bundesgericht irgendeine Frage für das ganze Land entscheide. Inzwischen herrsche Ungleichheit, Unsicherheit und schwere Be­hinderung der Regierungsarbeit. Der Präsident verlangt, daß für jeden Richter, der unter 70 Jahre alt und zehn Jahre im Amt ist, aber sechs Monats nach Erreichung des 70. Lebensjahres noch nicht zurückgetreten ist, ein weiterer Richter be­stellt werde. Dies würde die Zahl der Richter im Obersten Bundesgericht worauf es Roose­velt in erster Linie ankommt von 9 auf 15 er­höhen. Dadurch würden die alten Richter, die die Gesetze neuen Kurses für verfassungswidrig erklär­ten und fast jede Reformmaßnahme töteten, matt gesetzt. Kein Bundesgericht solle über die Ver­fassungswidrigkeit eines Gesetzes enffcheiden oder einen Einbaltebefehl erlassen können, ohne vorher den Justiz Minister benachrichtigt zu haben, damit dieser genügend Zeit hat, um das Ge­setz vor Gericht verteidigen zu können. Der Eingriff des Präsidenten in die Organisation der Bundes- gcrichtsbarkeit bildet in Amerika die Sensation des Tages. Von den meisten Parlamentariern wird zu- geben, daß Roostvelt seine Forderungen gut be­gründet hat, und damit seinen Hauptgegnern den Wind aus den Segeln nahm.

Undurchsichtige Lage im Nordweiien Chinas.

Kommunistische Ausbreitungsversuche.

Peiping, 5. Febr. (DNB.) Die politischen Kreise Peftüngs haben die Bemühungen der Nan­king-Regierung, Verhandlungen mit dem Nord­westen solange hinzuziehen, bis der Zentralvollzugs­ausschuß der Kuomintang über die künftige Richtung der chinesischen Politik entschieden hat, sehr pessi­mistisch aufgenommen. Die Ereignisse der letzten Tage in Sianfu wurden vier Generale, die sich für eine gemäßigte Politik einsetzten, ermor­det beweisen die zunehmende Radikali­sierung der im Augenblick maßgebenden Kreise im Nord westen. Der Nordwesten fordert geschlossener