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6.2.1937
 
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Nr.ZI Erstes Blatt

187. Jahrgang

Samstag, b.Zebruar 1937

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Krankreichs Pakipläne im Rahen Osten.

Keine Verständigung ohne Verständnis.

Don unseremH.Cr.-Berichterstaiter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

London, Februar 1937.

Man kann wohl sagen, daß an der Themse keine Rede irgendeines europäischen Staatsmannes in den letzten Jahren mit solcher Spannung erwartet worden ist wie die des Führers. Nicht nur Außen­minister Eden hat sein Wochenende geopfert und Vorsorge getroffen, daß er sofort den Inhalt der Rede übermittelt bekam, sondern auch die ganze englische Oessentlichkeit, soweit sie politisch interessiert ist, hat mit Spannung den Abendblättern entgegen« gesehen, die denn auch in großen Schlagzeilen und Zwischenüberschriften die Führerrede brachten. Man hatte in London also viel, sogar das Entscheidende aus dem Munde Hitlers für die künftige Gestaltung erwartet.

Noch sind die hohen Beamten des Foreign Office, aber auch des Schatzamtes, mit dem Stu­dium der großen Führerrede beschäftigt. Aus diesem Grunde wurden nur stimmungsmäßige Anweisun­gen an die Presse gegeben und zwar in der Rich­tung, daß die Führerrede die Dinge weder ge­fördert noch erschwert habe, daß die europäische Politik also auf der Stelle trete. Wir glauben nicht, daß diese offiziöse Sprachregelung die eng­lische Auffassung richtig wiedergibt. Diese ist in wei­ten Kreisen sehr diel positiver und freundwilliaer und würde es auch begrüßen, wenn der Vorschlag derTimes", einen Waffenstillstand für einen öffentlichen Meinungsaustausch einzuführen, ver­wirklicht würde. Gemeint ist, daß durch Unter« hcmsdebatten nicht unnötiges psychologisches Por­zellan zerschlagen wird. Wir bezweifeln die Durch- fürbarkeit dieses wohlgemeinten Vorschlages. Ge­wisse Kreise halten es heute nun einmal für not­wendig, dieFreiheit" gegenüber den Diktaturen zu dokumentieren. Eden, vielleicht was wir be­sonders begrüßen würden Baldwin selbst wer­den im Parlament Rede und Antwort stehen müs­sen, Winston Churchill wird seinen alten- Verdre­hungen neue ebenso unbewiesene Behauptungen hinzufügen, Lloyd George an seinen Kollegen Kri­tik üben. Neville Chamberlain sagen, was Herr Eden vergessen hat, Sir Herbert Samuel und Ma­jor Attlee insantifaschistische" Horn stoßen und am Schluß einer tagelangen Debatte werden alle Enaländer so klug sein wie zuvor.

Die englischen Politiker und Parlamentarier sind gewiß nicht denkfauler als ihre Kollegen auf dem Kontinent, aber sie sind nüchterner und phantasie- ärmer. Schon die Tatsache, daß in den übrigen Ländern nicht genau so oder doch ähnlich regiert wird wie in Großbritannien ist ihnen unbequem; denn sie verlangt, daß man sich in fremde Lagen versetzt und über das tägliche Kreuzworträtsel in derTimes" hinaus noch andere Rätsel lösen soll. So liest man denn, halb ungeduldig, halb neu­gierig und halb verärgert über die grundsätz­lichen Ausführungen Adolf Hitlers hinweg, ob­wohl man sich sagen müßte, daß das, was grund­sätzlich richtig ist, auch im einzelnen und praktischen richtig sein muß, und wendet das Hauptaugenmerk den sogenanntenkonstruktiven" Vorschlä­gen zu. So wertet man positiv die Ankündigung, daß die Aera der sogenannten Ueberraschungen zu Ende sei. So hat man auch Verständnis dafür, daß die Kriegsschuldlüge widerrufen, Reichsbahn und Reichsbank unter die Oberhoheit des Reiches gestellt wurden. An die Behauptung, daß Deutsch­land die Schuld am Weltkriege trage, hat hierzu­lande kein Mensch mehr ernsthaft geglaubt. An der Zerstörung dieser Lüge haben englische Historiker ehrlich mitgewirkt.

In der Beurteilung der Komintern sind die Meinungen geteilt. Der Engländer kennt ja den Kommunismus nur vom Hörensagen und nicht aus praktischer Erfahrung. Eine wirkliche Sinneswand- lung in der Richtung auf eine klare Erkenntnis der ungeheuren Gefahr, der Europa durch den Sowjet­pakt der Franzosen und Tschechen ausgesetzt ist, wird und kann erst dann eintreten, wenn der Kommu­nismus im eigenen Lande stark zunimmt, was durchaus außerhalb des Möglichen liegt, ober auf Frankreich übergreift. Das gleiche mangelnde Ver­ständnis besteht gegenüber dem Vierjahres- p l a n. Der Engländer ist so daran gewöhnt, wirt­schaftliche Schwierigkeiten durch Kreditmanivulatio- nen, wenn auch nur vorübergehend, zu beseitigen, er ist so sehr von der Güte seines Wirtschaftssystems überzeugt, daß es ihm schwer fällt, den deutschen Vierjahresplan überhaupt zu begreifen. Das gleiche gilt von der Kolonialfrage, wozu noch eine pfncho- loaifche Tatsache hinzutritt. Die Mandatsgebiete sind für den Mann auf der Straße äußerlich der einzige Gewinn, den England aus dem Weltkriege mit nach Haufe brachte. Auf ihn verzichten bedeutet für ihn soviel, wie vier Jahre langfür die Katz" gekämpft zu haben. Aber das hindert nicht die Feststellung, daß für die überwiegende Mehrbeit des englischen Volkes die ehemaligen deutschen Ko­lonien kaum eine dauernde Trübung der deutsch- englischen Beziehungen wert sind.

Das Echo der Rede in der Presse ist allerdings eigenartig ausgefallen. Die englischen Zeitungen bezeichneten die Rede des Führers als Enttäuschung, weil ihrer Meinung nach Hitlerzu wenig an Positivem" angeboten hätte. Dabei hätte sich die englische Presse eigentlich darüber im Klaren sein müssen, daß Deutschland Großbritannien gegen­über nicht mehr betonen konnte, als seinen herz­lichen Wunsch, mit ihm zusammenzuarbei- ten. Es müßte englischen Ansprüchen eigentlich auch genügen, wenn Deutschland durch den Mund

Paris, 5. Febr. (DJIB.) Perttnax imEcho de Paris wie auch der außenpolitische Schriftleiter der humanite, Erie, der Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der Kammer ist, wollen wissen, daß ein M i t i t ä r a b k o m m e n zwischen Frank­reich und Ankara im Entstehen sei. Rach dem Echo de Paris soll Frankreich bereits den Staa­ten der Kleinen Entente undohne Zweifel" auch der Türkei einen allgemeinen gegenseitigen Beistandspakt angeboten haben. Delbos soll dieses Militarabkommen als Verstärkung des gegenseitigen Beistandes zwischen Frankreich und allen seinen Freunden betrachten. Auch andere Blätter enthalten Kombinationen in dieser Richtung.

Die Interessen der Türkei.

Eine Unterredung mit Rüschtü Aras.

Rom. 4. Febr. (DNB.) 3n einer Unterredung, die der türkische Außenminister vor seiner Abreise aus Mailand der ..Tribuna gewährte, betonte Rüschtü Aras, daß die Meerengen-Frage und die Sanbf d)af-5 rage heute im Mittel­punkt des politischen Interesses des türkischen Vol­kes stehen. Die Zusage Italiens, zu gegebener Zeit dem Meerengen-Abkommen beizutreten, bekräftige die nationalen Ansprüche der Türkei. In der San­dschak-Frage soll zwischen Frankreich und der Türkei über eine beschränkte militärische Zusammenarbeit zum Schuhe der Identität des Sandschak verhandelt werden. Außerdem sei ein pakt zwischen der Türkei, Iran, Afghanistan, dem Irak und hedschas in Vor­bereitung, der in einigen Monaten unterzeichnet werden soll. Andere Verträge seien im nahen Orientnichtin Sicht. Im übrigen seien auch seiner Ansicht nach seht genügend pakte abge­schlossen worden, so daß man sagen könne, daß die ArbeitsürdieFestigungderbestehen- ben pakte wichtiger sei. als ber Abschluß neuer Vereinbarungen. Weiter begrüßte ber Außen­minister den Abschluß bes jugoslawisch-bul­garischen Vertrages unb bie immer freunb- schastlicher roerbenben Beziehungen mit ben Staaten bes Valkan-Bunbes unb gab ber Ansicht Ausbruck. baß gegen Enbe Mai eine außerorbent- liche Völkerbunbsversamrnlung zur Ausnahme Aegyptens unb zur £i quibierun g ber abessinischen Frage stattfinben werbe.

In Betgrab hatte ber türkische Außenminister Besprechungen mit bem jugoslawischen Minister- präsibenten Stojabinowitsch über ben Balfan- Bunb, wobei auch bie Mailänber Besprechungen den Gegenstand freundschaftlicher Mitteilungen bil­deten.

Wenn der türkische Außenminister Rüschtü Aras angekündigt hat, daß der sogenannte groß- mohammedanische Pakt in den nächsten Monaten unterzeichnet werden könne, so ist damit ein Ziel der panarabischen Bewegung, ntit den

des Führers erklärt, daß es sich seiner Ver­pflichtungen bewußt ist, an der Losung der europäischen Probleme mitarbeiten zu müssen, datz es nichts weniger wünscht als Isolierung, daß eine Kriegsmöglichkeit mit Frankreich überhaupt aus­scheidet, daß die besonders in London so unbe leb­tenUeberraschungen" aufhören usw. Deutschland hat also A n g e b o t e z u r G e n u g e gemacht und dennoch spricht man von einer Enttäuschung, den­noch erklärt man, daß Deutschland viel weiter hatte gehen sollen. Was erwartet man eigentlich an der Themse? Sollen wir auf vage Zusicherungen hin unseren Vierjahresplan aufgeben? Vielleicht einzig und allein aus dem Grunde, weil man in Genf die Frage der Rohstoffe bespricht? Oder sollen wir weil London auf einem anderen Standpunkt steht, versöhnt in die Arme der Sowietumon sinken? Wenn man eine europäische Verständigung will, dann ist Voraus^ebung dafür, daß man dem Part­ner gegenüber a'ch das notwendige Der- ft S n'b n i s aufbrinnt. ®erftant>igiina ohne SR»x« ständnis für die Lage des anderen ist Mid bietbt ein Unding. Und deshalb sollte die englische Presse sich die Mühe geben, sich einmal ch die Lage Deutschlands zu versetzen und den Versuch machen, die Probleme auch einmal von Mittel-Eu­ropa aus zu sehen und nicht nur von der ge­wiß glücklichen und beneidenswerten Stellung aus, die Großbritannien nun einmal einnimmt.

Wenn eine Einigung Zustandekommen soll, bann müssen alle Parteien von ihren Forderungen etwas abstreichen, damit eine gemeinsame Lime gefunden wird. Und im politischen, wie auch im menschlichen Leben ist es Sache ber Reichen und Wohlhabenden als erste mit gutem Beispiel voranzugehen. Eng­land, zusammen mit Frankreich, hat sich Zwar be­reiterklärt, wirtschaftliche Zugeständ­nis s e zu machen, beide haben aber dieses Angebot in mindestens ebensovage F o r m en" gekleidet, mie man das von den Angeboten des Führers hier in London behauptet. Man kann von uns nun nicht erwarten, daß wir als der Habenichts ben ersten Schritt tun. Deutschlanb ist sich darüber klar das erkennen alle Ehrlichen in England ^uch an -, daß eine Zusammenarbeitnotwe n d i g ist unb nicht nur jetzt, sondern mehrmals hat der Führer erklärt, daß Deutschland sich an dem Auf-

Türken und Jraniern und Afghanen zusammen­zugehen, der Verwirklichung nahegerückt. Der Pakt würde im vorderen Orient ein Gebilde schaffen, das eine selbständige Politik gegen Sowjetrußland, aber auch gegen England betreiben würde. Die Natio­nalisierung der einzelnen Staaten der mohamme­danischen Welt ist soweit fortgeschritten, daß jetzt auch äußerlich diese Machtentfaltung in bie Er­scheinung tritt. Aber bie Pariser Politiker, in der Angstpsychose vor Deutschland, seit dem Militär- oertrag mit Moskau vom 2. Mai 1935 an ben bol­schewistischen Wagen gebunden, planen darüber hinaus noch eine Ergänzung ber Paktpoli- t i f, die nach der Kriegszeit der verstorbene Direk­tor des Quai d'Orsay, 'B e r t h e l o t, begann und im wesentlichen trotz der Fassadenreden eines Briand und Laval für den Frieden doch zu einem Instrument der militärischen Hegemonie Frankreichs über Europa aufzubauen bemüht war. Ueberein- ftimmenb berichtet die Pariser Presse, nicht nur d j e Pakte mit ber Kleinen Entente müßten enger gefaßt werben, sonbern auch Mit der Türkei sei ein Militärbündnis er­strebenswert und nahe. Nun hat Rüschtü Aras be­tont gesagt, mit Frankreich fei nur über eine be-

London, 6. Febr. (DNB. Funkspruch.) Bezeich­nend für ben Stimmungsaufschwung inderWehr- frage in England war die in London tagende Versammlung der englischen Hoch­kirche. Auf dieser Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der der Regierung das Recht zu­gestanden wird, sich eine Wehrmacht zu schaffen, wie sie dem Parlament für die Durchführung der Regie- rungspolitik notwendig erscheint. Der B i s ch v f v o n London erklärte, baß eine wirkliche Gefahr für ben Weltfrieden nur die Pazifisten bedeuteten, der Erzbischof von York sagte, daß es unter Umständen Christenpflicht fein könnte, zu töten. Die pazifistische Agitation vergrößere die Kriegsgefahr. Aehnliche Aeußerungen hätte man vor noch gar nicht so langer Zeit wohl kaum aus dem Munde englischer Kirchensürsten vernommen. Jetzt aber machen sie sich zu Verfechtern des Rüstungs­programms ber Regierung.

Kriegsminister Duff Cooper erklärte in einer Rede, er freue sich, baß eine überwältigende Mehr­heit der englischen Kirchenführer die Meinung der englischen Regierung in der Frage der Wehrpolitik teile. Fromme Ansichten seien zwecklos, wenn man nicht bie Gewißheit habe, daß ein st a r k e s Schwert dahinter stehe. Andere Nationen seien den Engländern militärisch zur Zeit noch vor­aus. Er sei aber überzeugt, daß England sie nicht nur einholen, sondern s i e überflügeln werde.

Die meisten Blätter nehmen die Wehrentschlie­ßung der Kirche mit Zustimmung auf.Daily Te­legraph" erklärt, die Pazifisten seien eine Minder­heit in England, im Verhältnis zur großen Masse

bau eines wirklichen Friedenssystems beteiligen will. Da er das wiederum getan hat, ist die Bahn zu Verhandlungen also frei und kann beschritten werden. Man löst berartig große Probleme ja nicht am Mikrophon von Land zu Land, sondern in enger Zusammenarbeit am Verhandlungstisch. Die Tür zu Verhandlungen ist deutscherseits geöffnet worden. Es sollte daher die englische Presse auch vermeiden, diese Tür zuzuschlagen. Wenn hier von englischer Presse geredet wird, dann ist damit bie Mehrheit der Zeitungen gemeint. Es gibt glück­licherweise auch andere, die die Richtigkeit der deutschen Haltung anerkennen.

So kommen wir bei der Prüfung ber Aufnahmen der Führerrede in England zu dem Ergebnis, daß bei der breiten Masse eine wirkliche Verständi­gungsbereitschaft besteht. Daß diese Tatsache in der Presse nicht zum Ausdruck kommt, ist fein Gegenbeweis. Aber ebenso wäre es falsch, die Stimme der Presse zu unterschätzen. Denn sie ist, wenn auch an verschiedenen Melodien reich, d i e Stimme d e r Regierung. Der Witz de^ eng­lischen Demokratie ist ja nur der, daß sie das Volk glauben macht, es regiere sich selbst und zur Auf­rechterhaltung des Glaubens zu Konzessionen an bie sehr behutfam und an langer Leine gegängelte öffentliche Meinung bereit ist. In entscheidenden Fraaen führt allein das Kabinett und nie­mand sonst. Wie aber im Schoße bes Kabinetts die Führerrede beurteilt wird, bas wird sich nicht heute und nicht morgen, frühestens vielleicht in vierzehn Tagen zeigen, wenn Eden von seinem Erholungs­urlaub zurück ist. Daß man in offiziellen Kreisen bisher außerordentlich zurückhaltend gewesen ist, läßt vielleicht darauf schließen, daß man in White- hall in ber Führerrede sehr wohl einen Anknüp­fungspunkt für eine Aussprache gegeben sieht. Allerdings scheint es so, als wollte die britische Regierung immer noch an dem Standpunkt fest­halten, daß jede politische Regelung in Europa u m- fassend fein müßte, alle Staaten des Festlandes einschließen müßte, daß sie sich noch nicht zu der Ansicht bekannt hat, daß der Weg zum europäischen Frieden auch schrittweise gegangen werden kann. Das, was die Lage in Europa heute aber günstiger erscheinen läßt, ist der Umstand, daß die ausschlaggebenden Mächte von der Notwendigkeit

schränkte militärische Zusammenarbeit in der Frage des Sandschaks Alexandrette verhandelt worden, nicht über weitere Paktpläne. Es ist auch nicht ersichtlich, wes­halb sich die Türkei ohne weiteres an Frankreich binden soll. In Paris scheint der Wunsch ber Vater bes ©ebanfens eines Paktes militä- rischer Natur mit ber Türkei gewesen zu sein. Aber die Wirklichkeit ergibt keinerlei Anhaltspunkte für die französischen Wünsche. Und zudem ist eine engere Verknüpfung der Balkanstaaten mit Frank­reichs Interesse doch kaum möglich, zumal die Bal­kanstaaten sich immer mehr Rom zuneigen. Die Franzosen merken jetzt, daß ihr künstlicher politi­scher Einfluß auf bie Balkanstaaten gerade in ber letzten Zeit durch die italienische Aktivität abge- nommen hat. Sie phantasieren daher von weiteren Paktplänen in Fortsetzung der alten Paktpolitik, die doch gerade die Ursache dafür gewesen ist, daß Europa praktisch in zwei Lager zerfiel. Die Wie­derholung einer solchen Paktpolitik aber ist um so schwieriger, als allgemein der Ruf gerade nach Abbau solcher Pakte, die nur in Frankreichs In­teresse liegen, erhoben worden ist.

der Engländer, bie zwar gegen einen neuen Krieg seien, aber wenn sie es für nötig hielten, zum Kampf bereit seien. Der Erzbischof von York habe bie Ansicht aufrichtiger Friedensfreunde roiebergegeben, als er erklärte, daß die pazifistische Propaganda die Gefahr eines Krieges nicht ver- mindere, sondern vermehre. Der Ausbruch eines Krieges wäre in den nächsten Jahren wahrscheinlich, wenn man annehmen würde, ein pazifistisches Eng­land wolle sich seinen Verpflichtungen entziehen. Die konservattveMorning Post" wendet sich eben­falls gegen die pazifistische Propaganda. Jedes Land würde sich verteidigen, wenn es angegriffen würde. In dieser Hinsicht seien auch bie englischen Kirchenvertreter einig.

Öer neue britische Botschafter in Berlin.

London, 5. Febr. (DNB.) Der König hat ber Ernennung des b i s h e r i g en britifchenBot« schafters in Argentinien und Paraguay, Sir Neville M. Henderson, zum britischen Bot­schafter in Berlin zugestimmt. Sir Neville M. Hen­derson ist 55 Jahre alt. Er steht seit 32 Jahren im diplomatischen Dienst und ist seit 1935 Botschafter in Buenos Aires unb zugleich Gesandter bei der Republik Paraguay. Vorher war Henderson von 1925 bis 1935 Gesandter in Belgrad. Er konnte sich besonders guter Beziehungen zu dem in Marseille ermordeten König Alexander von Jugo­slawien erfreuen. In feiner diplomatischen Laufbahn hat Henderson vorher in Tokio, Rom, Istanbul unb Kairo gewirkt. Er ist, wie viele ber englischen Diklomaten, in Eton erzogen worben.

einer friedlichen Zusammenarbeit überzeugt find. Der einzige Störenfried, die Sowjetunion, wird diese Zusammenarbeit auch nicht aufhalten können, denn für die Staaten, bie sich ber europäi­schen Zivilisation verpflichtet fühlen, besteht ein einfacher Zwang zum Frieden.

Polen unb die Führerrede.

Warschau, 5. Febr. (DNB.) Zur Rebe bes Führers erklärt die halbamtlichePolnische Poli­tische Information" u. a.: Von den Polen gewid­meten Worten des Kanzlers ist zweifellos ber wich­tigste Abschnitt der, ber von den Völkern unb Staa­ten spricht, bie heute Realität geworben finb, mit denen also bie verantwortlichen Staats­männer rechnen müssen. In bie Reihe dieser Na­tionen unb Staaten hat ber Reichskanzler neben Italien unb Deutschland Polen gestellt. Wir müß­ten hier noch auf bie Tatsache aufmerksam machen, daß Hitler, als er von Polen als von einer Realität des gegenwärtigen Europa sprach, mit besonderem Nachdruck hervorhob, er richte diese Worte an seine eigenen Volksgenossen. Wir sehen hierin die logische und konsequente Linie des Kanz­lers, der zusammen mit dem großen Marschall Po­lens der Schöpfer bes neuen Kurses der deutsch- polnischen Beziehungen und zugleich in feiner hohen Autorität der Fürsprecher dieser Idee unter seinem eigenen Volk geworden ist. Auf diesen Hintergründen gewinnt die Wichtigkeit der Erklärung Hitlers noch an Ausdruckskraft. Angesichts der Vergangenheit unb durch die Eintagsbeziehungen hindurch, in denen man Lösungen für die verschiedenen oft schwierigen Probleme des nachbarlichen Zusammenlebens sieht, gehören so freundschaftliche Worte des Führers des deutschen Volkes Polen gegenüber zu Erscheinungen, die ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen. Die Erklärung des Führers über die Notwendig­keit der gegenseitigen Achtung ber Rechte ber nationalen Minber heilen ist in Polen als Garantie ber freien kulturellen Ent­wicklung ber polnischen Bevölkeung in Deutschland verstanden worben."

Die englische Hochkirche unterstützt das Wehrprogramm der Regierung.