Ausgabe 
6.1.1937
 
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Bie-

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Fundbüro

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um hat der

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Fremdenorte in erreichbarer Nähe hatte. Alland hatte sich kurz entschlossen in dem netten kleinen Hotel angemeldet, das ihm von dem Kollegen so warm empfohlen war.

Wie beglückend diese Reise gleich von Anfang an! Aus einem trüben, regnerisch kalten Herbsttag in München war man binnen zwölf Stunden schon wie durch Zauberei in den strahlendsten Sommer versetzt, der immer wärmer und heiterer wurde, je weiter einem der Zug nach Süden führte. Als er endlich, ein bißchen gerädert von der langen Fahrt, an der unscheinbaren kleinen Station ausstieg, vor der sich doch ein so großartiges Panorama von dunklen Bergen und blauem Meer ausbreitete da wußte er schon gleich: hier würde er sehr glück­lich sein. Vierzehn Tage lang an keinen Patienten und keine Krankengeschichten denken, nur schwim­men, nichts als schwimmen und ein wenig spazie­rengehen, ganz dem Genuß der Landschaft hinge- geb'en, ganz frei, ohne irgendwelche selbst ganz oberflächlichen Bindungen gesellschaftlicher Konven­tion ein vergnügter Einsiedler ...

Und dann war doch alles ganz anders gekom­men, wenn auch freilich unendlich viel glücklicher noch, als er es sich erträumte. Gerade heute vor sechs Jahren, an diesem 21. September, war er ihr zuerst begegnet. Alles stand noch so deutlich vor seinem geistigen Auge, als wäre es gestern gewesen.

inden werde, statt am ersten Samstag im Fe­bruar, hielten Soldatenlieder, Erzählungen aus Krieg und Frieden, Stall und Unterstand, die alten und jungen Artilleristen noch lange beisammen. Es war ein echter Soldatenabend.

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** Eine Neunundsiebzigjährige. Am morgigen Donnerstag, 7. Januar, kann Frau Maria Wurm, Witwe, geb. Rullmann, Kirchenplatz 9, ihren 79. Geburtstag feiern.

Das große Gebiet des Verkehrswesens, wozu die Bearbeitung aller Verkehrsunsälle gehört. Sicherheits- und Ordnungsdienst, wie z. B. Theater- und Zirkusdienst/ Absperrung der Bränden, Kundgebungen usw., Ueberwachung der Pferde- und Viehmärkte, Wochenmärkte und Messen. Forst- und Feldpolizei-Angelegenheiten, Bearbeitung aller eingegangenen Strafan­zeigen, die eine Uebertretung zum Gegenstand haben.

Bearbeitung von Waffen-, Waffenerwerbs- und Munitionsvorratsscheinen.

Bearbeitung von Schießerlaubnisscheinen.

Bearbeitung der Anträge über Straßenbe­nutzung und Anträge über Aufstellung von Weißbindergerüsten.

Anträge auf Ausstellung von Führerscheinen für Kraftfahrzeuge aller Art.

Bearbeitung des umfangreichen Kraftdrosch­kenwesens.

Alte und junge Soldaten zusammen!

Wenn alte Soldaten zusammen sind, dann ist es allemal schön, aber wenn alte und junge in bunter Reihe sitzen, dann ist esam schönsten".

Am 2. Januar hatte der Artillerieverein Gießen (im Waffenring) seinen ersten Kameradschaftsabend 1937 imHessischen Hof", eine Abordnung der Un­teroffizieroereinigung III/A. R. 9 war dabei zu Gast. Der Kameradschaftsführer begrüßte mit herzlichen Worten alle Kameraden und gab der besonderen Freude Ausdruck über den Besuch der aktiven Jün­ger der heiligen Barbara. In seiner Erwiderung betonte der Führer der Unteroffizier-Vereinigung, daß sie, wie auch ihr Kommandeur, mit den alten Kameraden stets beste Kameradschaft pflegen wür­den als Waffenbrüder und besonders auch, weil der junge Soldat in dem Frontsoldaten sein Vorbild sehe.

Nach Bekanntgabe verschiedener Befehle des Bundesführers des Bundes der Waffenringe und Führers des Waffenringes der ehem. deutschen Feldartillerie, Generalleutnant Freiherr von Matter, wurde mit besonderer Freude zur Kennt­nis genommen, daß sich die alten Waffenbrüder immer mehr im Waffenring zusammenschließen und auch überall enge Verbindung mit der Truppe aus­genommen worden ist, was ganz besonders er­wünscht sei. Wenn man auch stetsgerade stehen" solle fürseinen Bund", so habe doch jeder Kame­rad aus den Waffenringen die Pflicht, sich allen anderen Zusammenschlüssen alter Soldaten gegen­über vorbildlich und kameradschaftlich in Wort und Tat zu benehmen, damit ihnen niemand Unkame­radschaftlichkeit und Unduldsamkeit vorwerfen könne.

Stehend gedachten dann die Kameraden eines der markantesten Soldaten der Nachkriegszeit, des so plötzlich nach einem Leben der Pflicht zur großen Armee abberufenen Generalobersten von Seeckt. Er schuf, allem Undeutschen zum Trotz, aus den Resten des alten Heeres die neue Reichswehr und legte in diesem nicht vom Parteigeist angekränkelten 100 000-Mann-Heer den Keim zu unserer heutigen starken Wehrmacht. Wie dieser große Soldat den Grund legte zu dem stärksten Hort unseres Reiches, so schuf der Führer und Kanzler die innen- und außenpolitischen Voraussetzungen für die Verstär­kung und den Ausbau dieses Schutzes zu unserer heutigen Wehrmacht, und ihm galt der einmütige Heil-Gruß der Artilleristen-Kameradschaft.

Nachdem noch bekanntgegeben worden war,, daß die Jahreshauptoersammlung am 20. Februar statt-

gefangen von Fahrrädern, Wagen aller Art bis herunter zu kleinen Damenhandschuhen, Uhren, Gold- und Silberwaren sowie Geldbörsen mit und ohne Inhalt findet man überhaupt alles, was nur nur Menschen zu verlieren imstande sind.

Nun begeben wir uns zum ersten Stock. Hier be­finden sich die Amtsräume des Polizeidirektors, des Außendienstleiters, des Leiters der Verwaltungs­polizei, sowie des Leiters der Gewerbe- und Nah­rungsmittelpolizei. Im gleichen Stock ist auch die Staatspolizeistelle untergebracht. Weiter befindet sich im größten Raume des Stockwerks der Unterrichts­saal. Nur von einzelnen dieser Abteilungen, und zwar von denen, die für alle Volksgenossen wichtige Gebiete bearbeiten, soll hier die Rede sein.

Oie Außendienststelle.

Sie ist die Stelle, die den gesamten Dienst der uniformierten Polizei zu regeln und zu organisieren hat. Ihr Arbeitsgebiet ist ein umfangreiches. Dw wichtigsten Aufgaben seien nachstehend aufgeführt:

** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Der Schuhmachermeister Ehr. Schmidt, Bahnhof­straße 62, kann am heutigen Mittwoch, 6. Januar, seinen 75. Geburtstag feiern.

** Außerkurssetzung von Reichs- silbermünzen. Im Reichsgesetzblatt vom 31. Dezember ist eine vom Reichsminister der Fi-

Wasserpolizei und

_ nicht zuletzt das große Gebiet des Luftschutzes.

Ein nicht unwichtiges Arbeitsgebiet ist auch die Aus- und Weiterbildung der Polizeibeamten im Schießen, Körperertüchtigung und nicht zuletzt im Unterrrichten der vielen zum Neuaufbau unseres Staates so wichtigen Gesetze, Verordnungen und

Die Polizei als Diener und Freund des Volkes Einiges aus dem Aufgabengebiet der heutigen Polizei.

Ein junger Mann aus Allendorf a. d. Lda. war angeklagt, einen Diebstahl zum Nachteil eines Ar­beitskameraden ausgeführt zu haben. Trotz ein­gehender Beweisaufnahme konnte dem Angeklagten nicht einwandfrei nachgewiesen werden, daß er die Tat begangen hat. Er wurde deshalb freigefprochen.

Der A. D. aus Gießen, jetzt in Königsberg, ver­kaufte im Sommer vorigen Jahres einem hiesigen Geschäftsmann einen gebrauchten Personenkraft- jen. Da der Käufer des Wagens schleppend

nanzen am 29. Dezember 1936 erlassene Verordnung Geschäftsmann einen gebrauchten Personenkraft- über die Außerkurssetzung der Reichssilbermünzen wagen. Da der Käufer des Wagens schleppend im Nennbeträge von 1 Mark, IReichsmark und I zahlte, begab sich der Angeklagte eines Tages zu

Um dem einzelnen Volksgenossen dieses Aufzah­len von Polizeiaufgaben schmackhafter und gemein­verständlicher zu machen, bitte ich, im Geiste mit mit zu dem allen Gießenern bekannten Polizei­direktionsgebäude zu gehen und mir nun zu folgen.

Nachdem wir das Polizeidirektionsgebäude betre­ten haben, sehen wir gleich im Erdgeschoß links die Tag und Nacht mit einem Polizeibeamten besetzte

Amiswache.

Hier in diesem Raume, in dem sich auch die Fern­sprechanlage mit dem dazugehörigen Klappenschrank befindet, werden alle ankommenden Stadt- und Ferngespräche an die jeweils in Frage kommenden Dienststellen weitergeleitet. Werden Verbrechen, Vergehen oder Verkehrsunfälle gemeldet dies geschieht täglich und namentlich auch sehr häufig nachts so werden sofort das Notrufkommando und die Vorgesetzten alarmiert, und in wenigen Minuten ist der Tatort erreicht und die Aufklä­rungsarbeit beginnt. Gegenüber der Amtswache liegt das

Einwohnermeldeamt.

Hier werden alle Zu-, Um- und Wegzüge kartei­mäßig erfaßt und registriert. Das Meldeamt wird mit Recht die Seele'der Polizei genannt. Gewis­senhaftes Arbeiten ist hier erforderlich, um alle Volksgenossen, die hier zuziehen und sei es auch nur vorübergehend restlos zu erfassen. Wie mancher Volksgenosse hat es schon bitter erfahren und bereut, daß er es unterlassen hatte, sich ord-

Diese zauberhafte Mondnacht, die ihn so lange vor dem kleinen Cafö am Strande hatte verweilen lassen, bis der Kellner im Hintergrund die Tische zusammenrückte diese zauberhaft helle Nacht hielt ihn auch dann noch im Freien zurück. Unmöglich, an schlafen zu denken, solange der Meeresspiegel wirklich ein Spiegel das sanfte Licht des Mon­des so intensiv zurückstrahlte, daß es fast blendete. Wenn schon der Heimweg, so mindestens doch ein Umweg! Der schmale, steinige Fußpfad rings um das weit vorspringende Kap, sonst bei Nacht kaum gangbar, lag heute beinahe überall in taghellem Licht. Die wellenzerfressenen, zackigen Klippenfelder drunten am Meeressaum wirkten in dieser seltsam körperlichen Beleuchtung selber phantastisch-farblos und kahl wie eine Landschaft auf dem Mond und nicht wie ein Stück mondbeschienener Landschaft. Erst wenn man den Blick darüber hinaus zur Küste schweifen ließ, wo das helle Band der gro­

ßen Straße in die vielen Lichter des nächsten grö­ßeren Ortes mündete, erst dann kam wieder mensch­liche Lebendigkeit in dieses gar zu unwirkliche Bild von Wasser und Urgestein.

Er hatte es sich mit Hilfe des zusammenge- rolften Bademantels auf den Wurzeln einer Pmie bequem gemacht, die, vom Wege überhängend, ihn selber fast völlig mit ihrem Schatten bedeckte. Plötz­lich schreckte er unwillkürlich auf. Ganz in der Nähe war ein menschlicher Schritt zu hören, ein hastiger und dann wieder stockender Schritt, aber kurz und leicht wie der eines Kindes. Fischerkinder wahr­scheinlich, die jetzt noch Tintenfische in den Felsen zu fangen hofften. Jetzt schien der Schritt sich wie­der zu entfernen, aber dann ließ das Geräusch rollender Steine eher vermuten, daß jemand vom Wege aus vorsichtig über das zackige Klippenfeld zum Meer hinabstieg.

Richtig, da kaum zwanzig Meter weiter, wo der Pfad eine Biegung machte trat eine Gestalt aus dem Baumschatten hervor und strebte, vor­sichtig gebeugt über die spitzen Zacken tastend, der Stelle zu, wo eine einzelne Klippe weit vorstoßend unmittelbar ins freie Meer abfiel. Aber das war durchaus kein Fischerjunge, das war eine weibliche Gestalt, offenbar eine junge Dame sogar, die da mit hastigen, aber doch unverkennbar anmutigen Be­wegungen umherkletterte. Wahrscheinlich eine ro­mantische Engländerin aus irgendeiner der großen Villen, deren Gärten fast bis hier heruntergehen. In diese Traumlandschaft paßt eine badende Nixe ausgezeichnet, vorausgesetzt, daß sie schön ge­nug ist.

Dort im Schatten scheint sie das Kleid abzu­streifen, und da steht sie schon im weißen Schwimm­trikot oben auf der Klippe, bewegungslos, wie ge­bannt von dem Mondlicht, das sie jetzt ganz um­fließt: das edelgeformte Gesicht, fast kindlich noch, mit großgeschnittenen Augen unter dem weichen Gelock des silberblond schimmernden Haares. So steht sie da oben ein Wesen aus irgendeiner an­dern, märchenhaften Welt regungslos, entfernt und unwirklich. Nur ein paar Augenblicke. Dann wirft sie sich mit einer erschreckend gewaltsamen Bewegung, die Arme halb sportlich, halb wie in Verzweiflung über dem Kopf zusammenschlagend, mit einem mächtig Hochschnellenden Sprung ins Meer.

so mehr. Jeder Finder einer verlorenen <5ad>e nach § 965 BGB. der Polizeibehörde, sofern Empfangsberechtigte unbekannt ist, unverzüg­lich von dem Funde Anzeige zu machen, den Gegen­stand mindestens ein Jahr aufzubewahren, oder der Polizeibehörde zwecks Aufbewahrung abzu- liefern. Dies gilt jedoch nur von den über 3 Mark Wert betragenden Gegenständen. Ist der Verlierer nach einem Jahre noch nicht bekannt oder ermittelt worden, so geht der Fundgegenstand in den Besitz des Finders über. Was sich alles bei einem Polizei- funbbüro befindet, läßt sich kaum beschreiben. An-

23on polizeiverwaliungs-Oderinspettor Beate.

nungsgemäß an-, um- oder abzumelden. Die Aus­stellung von amtlichen Ausweisen, wie z. B. von Reisepässen, Führungszeugnissen usw. hängt einzig und allein ab von der ordnungsmäßigen An-, Um- und Abmeldung. Ist diese unterblieben, so kann dem Betroffenen das für ihn meist wichtige Dokument nicht ausgestellt werden, was naturgemäß unange­nehme Folgerungen nach sich zieht. Darum, lieber Volksgenosse und liebe Volksgenossin, Melde­pflicht ist dringende Staatsbürger­pflicht! Zu den Aufgabengebieten des Einwoh­nermeldeamtes gehören noch die Führung und Be­richtigung wichtiger Listen und Karteien. So z. B. die Jmpfliste, die alle Impflinge zu erfassen hat, die Schulliste, in die sämtliche schulpflichtigen Kin­der erfaßt werden, die Liste aller Fortbildungs­schulpflichtigen, ferner werden alle hier wohnhaften Aerzte, Apotheken, Krankenpfleger, Schwestern und das sonstige Pflegepersonal listenmäßig erfaßt. Seit Einführung der Wehrdienstpflicht durch unseren Führer ist dem Einwohnermeldeamt noch das sog. Wehrdezernat angegliedert. Hier gilt es, alle wehrpflichtigen Männer zu erfassen und alles so vorzubereiten, daß die jährlich stattfindenden Mu­sterungen und Aushebungen reibungslos vonstatten gehen können. Wahrlich, das Einwohnermeldeamt Ist ein wichtiges, zum Polizeikörper gehöriges Organ.

Im Parterrestock und zwar links, befindet sich weiterhin die Registratur und die Schreibstube. Wenn man die

farbigen Gegensätze in der Landschaft haben ihn besonders angezogen. Viele staatliche und städtische Galerien in Deutschland, Ungarn, England, Amerika und in der Türkei haben Werke von ihm angekauft. Seit 1930 lebt er wieder in seiner Heimatstadt Neustadt; hier hat ihn die Landschaft in ihrer be­sonderen Schönheit zu neuem Schaffen und Schauen gereizt. Seine Arbeiten sind in vielen Ausstellungen gezeigt worden.

Es wird reizvoll sein, auch einmal einen Künstler aus der pfälzischen Landschaft in Gießen zu sehen, zumal die ausgestellten 30 Gemälde und etwa 35 Aquarelle einen geschlossenen Ueberblick über die bisherigen Leistungen des Künstlers geben können.

Umfangreiche Verbesserungen an der Biebertalbahn.

Registratur

das Hirn der Behörde bezeichnet, so ist dies richtig und nicht übertrieben. Alles, was an Schriftstücken bei der Polizei einläuft, geht durch die Registratur. An Hand eines besonders für die Polizei ausge­arbeiteten Registraturplanes, der 32 Hauptabtei­lungen und soundso viel Unterabteilungen aufweist, müssen die täglich in großer Anzahl einlaufenden amtlichen und nichtamtlichen Schriftstücke registriert und so weggelegt werden, daß irgendein Vorgang und sei er noch so unwichtig nach Monaten, ja nach Jahren wieder gefunden und vorgelegt werden kann.

Im gleichen Stockwerk befindet sich noch das Rechnungs- und Fundbüro. Während die Beamten des Rechnungsbüros nur innere und die Beamten angehende Arbeiten verrichten, interessiert dagegen das

5 Reichsmark veröffentlicht. Die Reichssilbermunzen im Nennbetrag von 1 Mark, 1 Reichsmark und 5 Reichsmark gelten ab 1. April 1937 nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel und sind einzuziehen. Von diesem Zeitpunkt ab ist außer den mit der Einzie­hung beauftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

Amtsgericht Gießen.

jenem und bat ihn, ihm den Wagen für eine kurze Fahrt einmal zu überlassen, er werde ihn bald wieder zurückbringen. Diesem Versprechen kam der Angeklagte aber nicht nach, sondern er verkaufte den Personenkraftwagen an eine dritte Person. Wegen Betrugs verurteilte ihn das Gericht zu 80 Mark Geldstrafe, hilfsweise 16 Tage Gefängnis. Außerdem belegte es den Angeklagten mit den Kosten des Verfahrens.

Der 47 Jahre alte F. F. aus Dortmund, zur Zeit in einem auswärtigen Gerickstsgefängms m Untersuchungshaft, ist bereits vorbestraft. Wegen Betrugs nach § 263 StGB, verurteilte ihn das Amtsgericht zu zwei Monaten Gefängnis. Von der Strafe gelten 25 Tage Untersuchungshaft als ver­büßt. Der Angeklagte hatte sich bei einem hiesigen Gastwirt einlogiert und war eines Tages unter Hinterlassung einer Schuld von etwa 40 Mark ab­gereist.

Die wiederholten Verkehrsunfälle auf der bertalbahn und die leider nur allzusehr begründeten Beschwerden in der Oeffentlichkeit haben dazu ge­führt, daß am gestrigen Dienstag eine Bespre­chung von Vertretern der Regierung, der Reichs­bahn, der Stadt, der Polizei und der Siebertal» bahn im Bereiche der Biebertalanlagen in Gießen stattgefunden hat, die einer umfassenden lieber» Prüfung der verschiedensten Fragen des Betriebes diente. Es wurden sorgsame Erwägungen und Vorschläge nach verschiedensten Richtungen hin an- gestellt bzw. unterbreitet. Als Ergebnis der Bera­tungen kann die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß die geschäftsführende Firma der Bie- bertalbahn umfangreiche Ausbesserungsarbeiten an den Bahnanlagen, insbesondere am Unterbau per Gleise, vornehmen will. Die Geldmittel dazu sind in einem Betriebsrücklagefonds vorhanden, ebenso stehen die Arbeitskräfte für diese Aufgabe zur Verfügung. Es kann damit gerechnet werden, daß schon in aller Kürze mit den Erneuerungsarbeiten begonnen wird, so daß in absehbarer Zeit wohl wieder annehmbare Verkehrsverhältnisse auf der Biebertalbahn herrschen werden.

Wenn im Laufe der kommenden Woche, der Polizeiaufklärungswoche, alle Volks­genossen, ob jung ober alt, aufgeklärt werden über die Mittel und Wege, die notwendig sind, um sich vor Gefahren und Schaden zu bewahren, und ihnen anderseits mit Recht immer wieder gesagt wird, daß der Polizeibeamte im nationalsozialistischen Staat der Freund, Beschützer und Helfer aller Volksgenossen fein will, so werden wohl diese auf­klärenden Zeilen, die einiges aus dem Aufgaben­gebiet der Polizei bringen, von allen mit Freuden begrüßt werden.

Viele Volksgenossen, so glaube ich, wird es aller- dings geben, die sich und vielleicht auch schon an­deren die Frage vorgelegt haben:Was macht denn nun alles die Polizei?" Ihr Gedankengang ist meist der: Ist ein Radfahrer verkehrt gefahren und hat somit gegen die Reichsverkehrsvorschriften Der- stoßen, dann kommt der Schutzmann und schreibt ihn auf; oder es wird ein Dieb, der gestohlen hat, festgenommen; ist irgendwo eine Schlägerei, dann kommt der Polizeibeamte gewiß immer erst dann, wenn alles vorbei und die Rühe wieder eingetre­ten ist. Das, liebe Volksgenossen, war so etwa die Meinung über die Polizei in früheren Jahren. Es soll auch keinem übelgenommen werden, denn was weiß denn der Einzelne von dem überaus großen Aufgabengebiet, das volksverbunden zu bewälttgen höchste und vornehmste Pflicht jedes Polizeibeam­ten im Dritten Reiche ist. Interessieren dürfte es deshalb, etwas Näheres zu erfahren über alles das, was zum Pflichtenkreis der Polizei gehört.

Bestimmungen.

Oie Gewerbe- und Tlahrungsmittei- polizeistelle.

Diese für die gesamte Bevölkerung unserer Stadt wichtige Dienststelle hat die Pflicht und die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit den hierzu mitberufenen Stellen, wie Gewerbeaufsichtsamt, Chemisches Un­tersuchungsamt, Kreisveterinäramt, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsamt, und Handwerskammer ufw., alle die Industrie, das Gewerbe und das Handwerk betreffenden Fragen an Hand der hier­zu erlassenen vielseitigen Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen aufzuklären, zu bearbeiten und darüber hinaus die zum Schutze der Arbeiter und

Eine gute Schwimmerin offenbar, fährt es Alland durch den Kops (er ist als ehemaliger Meisterschwim­mer auf diesem Gebiet fast ebenso sachverständig wie auf dem ärztlichen), sie springt vorzüglich, aber beinah wie eine Selbstmörderin. Wenn man nicht nach dem leichten Aufprall des Körpers jetzt die regelmäßigen und nur ein wenig zu raschen Schwimmzüge hörte, könnte man fast fürchten, daß es sich nicht bloß um das nächtliche Bad irgend­eines harmlos exaltierten Mädchens handelt ...

Unwillkürlich ist er aufgestanden und ein Stück die Klippe entlang geklettert, um die Schwimmerin besser sehen zu können. Sie ist schon ein gutes Ende vorwärts gekommen inzwischen und hält sich mitten in der breiten Silberstraße, die der Mond durch das dunkle Gewässer zieht. Lange wird sie dieses Tempo nicht aushalten, so ruhig das Wasser ist. Und dabei schwimmt sie immer noch geradeaus, immer weiter dem offenen Meere zu. Schnurgerade ohne rückwärts zu schauen. Wenn sie dann plötzlich ermüdet und womöglich den Kopf verliert ...? Verdrehte kleine Närrin, man sollte besser auf sie aufpassen ...! Ob man ihr nicht zurufen soll, um­zukehren? Aber das sieht beinahe so aus, als ob sie überhaupt nicht mehr umkehren wollte ...!

Von plötzlicher Unruhe ergriffen, schlüpft er rasch aus Hemd und Hose und streift das noch feilte Schwimmtrikot über, das zusammengerollt in seinem Bademantel steckt. Dann kletterte er weiter bis zum Rand der Klippe. Zieht die Schuhe von den Füßep und läßt sich ins Wasser gleiten.

Einen Moment hat er das Mädchen aus dem Gesicht verloren. Aber dann leuchtet weit vor ihm erschreckend weit vor ihm der helle Kopf im Mondlicht auf. Er wird sich sputen müssen, um sie einzuholen. Und es wird gut sein, wenn er sie ein­holt, denn ihre Bewegungen scheinen schon lang­samer zu werden. Aber sie wendet trotzdem nicht um ...

Gut, daß sie nicht, wie er selber, krault, so wird er den Abstand doch bald einbringen können. Er schießt wie ein Torpedo vorwärts, den Richtungs­punkt immer wieder mit sicherem Blick kontrollie­rend. Arme und Beine arbeiten so exakt wie beim Wettschwimmen.

(Fortsetzung folgt!)

Das fremde Gesicht.

CRotnan von Caren.

9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Der einundzwanzigste September ...! Es gab Alland einen Stich durchs Herz. Großer Gott wie hatte er nur dieses Datum vergessen können! Dieses verhängnisvolle Datum, das er bisher als den feierlichsten Höhepunkt seines Lebens betrachtet hatte und noch betrachtete, auch heute noch, trotz allem und allem weil es ihm den Beginn allen Glückes bedeutete. Eines Glückes, wie er es nie für sich zu erträumen gewagt hätte ...

Jedes Jahr stellte ihm Evelyn an diesem Tag einen Strauß roter Rosen auf den Schreibtisch, und auch diesmal hatte sie es, trotz ihres Zerwürfnisses, nicht vergessen. Es war der Tag ihrer ersten Be­gegnung, der Tag oder vielmehr die Nacht, in der er auf eine so seltsame und schicksalhafte Art ihren Weg gekreuzt hatte. Die roten Rosen sollten ihn daran erinnern, ihm sagen, daß auch ihr dieser Tag unvergeßlich war. Sie waren ein Ruf ihrer Liebe. Ein stummer Alarmruf an sein innerstes Gefühl...

Frank Alland ließ sich langsam in den Schreib- tischsessel gleiten und verbarg sein Gesicht in den Händen. Er merkte nicht, wie allmählich die Dun­kelheit kam und das Zimmer mit ihrem Schatten füllte. Immer mehr versank sein Geist in der Ver­gangenheit. Und aus der Tiefe seines Bewußtseins löste sich Bild um Bild die ganze Folge von Geschehnissen, die sein Gedächtnis mit überleben­diger Deutlichkeit bewahrt hatte ...

... Seltsam, von was für Zufällen das Schicksal abhängt .. .! Als ihm damals die kleine Erbschaft von Tante Melanie zufiel und er den Entschluß

faßte, nun endlich einmal seine alte Sehnsucht zu erfüllen und feinen Urlaub im Süden zuzubringen, hatte er erst lange zwischen der italienischen und französischen Riviera geschwankt. Die Prospekte Hangen alle gleich verlockend, es war schwer, sich zu entscheiden. Bis ihm dann eines Tages ein Kollege von dem kleinen Küstenort zwischen Nizza und Mentone erzählte, wo man so herrlich ungestört, beinahe ländlich leben konnte und doch die großen!