Produktionsmitteln beginnt, und daß die Konsumgüter erst in einigem Abstand folgen.
Besonderes Interesse beanspruchen die Darlegungen des Berichts über die währungspolitische Entwicklung im vergangenen Jahr. Der alte Unterschied zwischen den AbwertungslcHn Dem, in deren Händen etwa 75 v. H. des Welthandels liegen, den „Goldblockländer n", die auf sich etwa 11 v. H. des Welthandelsvolumens vereinen, und den Devisenbewirtschaftun g s l ä n d e r n , die sich in die restlichen rund 14 v. H. des Welthandels teilen, ist durch die neue Abwertungswelle vom letzten Herbst getilgt worden. Der Bericht verzeichnet auch einen sich offenbar anbahnenden Wechsel über die Beurteilung von Wäh- rrmgsabwertungen. Früher war man überzeugt, daß der Hauptzweck die Gewinnung neuer Ausfuhrmöglichkeiten nach anderen Ländern und der Schutz das Binnenmarkts gegen den Zustrom ausländischer Waren sei Neuerdings gewinnt die Lesart an Boden, daß der eigentliche Zweck der Wäh- run^sabwertung die Wiedergewinnung der binnenwirtschaftlichen Handlungsfreiheit sei. Natürlich wird diese „Handlungsfreiheit" auf Kosten derjenigen Volkskreise gewonnen, die Forderungen in Geld haben, also a u f Kosten der Sparer und Rentner. Wenn in einem Land wie England die Währungsabwertung nach einer Abwertung von 40 v. H. gestoppt werden konnte, und wenn sich die Angleichung der Preise und Werte an das neue Verhältnis der Währung zum Gold allmählich und fast unmerklich vollzog, so läßt sich das in einem Lande, das überhaupt noch keine Währungsabwertung durchgemacht hat, allenfalls vertreten. In anderen Ländern dagegen, die bereits eine fast vollständige Enteignung der Sparer und Rentner hinter sich haben, hat eine solche Politik ein ganz anderes Gesicht. Jedenfalls kann die Umdeutung, welche die Währungsabwertung zu erfahren beginnt, Deutschland von seiner bisherigen währungspolitischen Linie nicht abbringev.
Der Ausblick des Halbjahresberichts enthält drastische und leider unbestreitbare Charakterisierungen der Handelspolitik, wie sie von den ausschlaggebenden Weltwirtschaftsmächten im vergangenen Jahr getrieben worden ist und aller Voraussicht nach auch ■im neuen Jahr getrieben werden wird. Der Bericht spricht von „Zollmauern von nie gekannter Höhe" und von „unübersehbaren Netzen von verschiedenartigsten Hemmnissen des Weltgüteraus- tauschs". Diese Dinge tragen einen Teil der Schuld daran, daß der internationale Warenaustausch noch nicht schneller in Gang gekommen ist. Die überseeischen Kaufleute müssen bei der Einleitung und Betreibung von Auslandgeschäften immer gewärtigen, daß ihnen irgendeine der unzähligen Zoll-, Einschränkungs-, Kontingentierungs-, Abfertigungs-, Zahlungs- oder Verrechnungsbestimmungen entgangen ist, die nachher entweder das ganze mühsam vorbereitete Geschäft unmöglich macht oder aber die Kalkulation über den Haufen wirft und aus dem errechneten Gewinn einen tatsächlichen Verlust macht. Genau so wie im vorigen Jahr schließt daher die Reichskreditgesellschaft ihren Bericht mit einem feierlichen Appell an alle weltwirtschaftlich interessierten Mächte, sich politisch zu verständigen und zwischen den Gliedern der Völkerfamilie verbesserte und gesündere Beziehungen anzubahnen.
Derständiaung der Jugend von Volk zu Volk.
Berchtesgaden, 5. Jan. Der Jugendführer des Deutschen Reiches Baldur von Schirach empfing im Namen des Führers die Teilnehmer am deutsch-englischen Jugendlager in der „Adolf-Hitler-Jugendherberge" in Berchtesgaden. Er erklärte u. a.: Wenn deutsche und englische Jugend hier 1n Berchtesgaden zu Gaste sei, so solle sie wissen, daß des Führers große Hoffnung für den Frieden der Zukunft die Verständigung der Jugend von Volk zu Volk sei. Für Verständigung und Verständnis wirbt man nicht, indem man die Ideen des eigenen Volkes einem anderen einzuflößen sucht. Die Jugend soll sich gegenseitig überzeugen, daß die Ideale des eigenen Volkes eben für dieses Volk die gesündesten und nützlichsten sind. Das Lager will durch Pflege des Sportgeistes und der Aussprache Verständnis reifen lassen, daß Freundschaft und Achtung vor fremder Leistung zur Folge hat. Wenn die Jugend der Völker daran geht, sich zu verständigen, so schmiedet sie damit ihr eigenes Glück. Denn sie kann aus ihrer Erfahrung und Kenntnis anderer Völker in späteren Jahren viel dazu beitragen, Katastrophen zu verhüten.
Wiedersehen mit „Pamir".
Lon Heinrich Hauser.
Heinrich Hauser, der einstige Segelschiffsmatrose, dessen Buch und Film über die letzten Segelschiffe noch nicht vergessen sind, hat sich aufs neue auf Fahrt begeben, und zwar mit der „Pamir", seinem alten Schiff. Wie er es nach sechsjähriger Pause in Kopenhagen wiederfand, erzählt er in dem folgenden Bericht.
Es waren drei große Segelschiffe, die da draußen ankerten, so weit, daß das unbewaffnete Auge kaum die Masten zählen konnte. Die Luft zitterte über dem Wasser und in diesem Flimmern, das sich im Fernrohr ungeheuer verstärkte, tauchte plötzlich wie aus Dampf der Rumpf eines der drei Schiffe, riesengroß, das ganze Sehfeld füllend. Ich fieberte, ich konnte das Glas kaum genügend ruhig halten; mühsam fand ich die Scharfeinstellung und las den Namen: „Passat".
Links von „Passat" lag das nächste Schiff. Wieder zuckte der Wasserspiegel unruhig über das Seefeld, wieder wurde es schwarz vor meinen Augen von einem mächtigen Schiffsrumpf und nun las ich: „Pamir". Ich stand auf. Ich war tiefbewegt, konnte aber keinen Ausdruck dafür finden. Da lag es vor mir, das Schiff, die Wirklichkeit, mein altes Schif.
Jetzt musterte ist es genauer durch das Glas. Es ragte hoch aus dem Wasser; augenscheinlich hatte es keine Ladung, nur Ballast. Es tat mir weh, das zu sehen. „Passat" und noch weiter links die „Pommern" waren auch in Ballast. Alle drei waren „zu meiner Zeit", — vor sechs Jahren, noch unter der deutschen Flagge gefahren. Jetzt wehte an der Gaffel am Heck, kaum von dem nordischen Himmel sich abhebend, die blasse Flagge Finnlands, das hellblaue Kreuz im weißen Feld.
Wir mieteten ein Motorboot und fuhren hin. Es war ein seltener Anblick, daß drei von diesen letzten elf Segelschiffen zusammen vor Anker lagen. Sie waren bis zur Wasserlinie hinunter frisch gemalt. Nach Kopenhagen kamen sie, um ins Deck zu gehen, den Unterwasseranstrich zu erneuern und Proviant zu nehmen.
Ich hatte nur noch Augen für „Pamir". Sie
Hat Amerika wieder Hoffnung?
Von Or. Friedrich Sohn.
VII.
Wo die Staubstürme entstehen.
Ueber 2500 Kilometer haben wir auf amerikanischem Boden zurückgelegt, als der westlichste Punkt der Reise in Kansas City — etwa in der Mitte zwischen den beiden Ozeanen — erreicht wird. Auf der bisherigen Fahrt lernten wir neben einigen Notstandsgebieten vor allem die besten Agrar- bezirke Nordamerikas kennen. Vergleicht man die Verhältnisse mit denen des Jahres 1932, als ich zuletzt in diesen Gegenden weilte, so ist auch auf dem Lande ähnlich wie in der Stadt eine Besserung der Wirtschaftslage zu erkennen. Infolge der Trockenheit der letzten Jahre hat sich allerdings der Viehbestand erheblich vermindert, aber von der Geldseite gesehen scheint es den Farmern nicht schlecht zu gehen. Die Furcht, daß man dem Ansturm der Krise erliegen werde, ist jedenfalls weitgehend gewichen. Auf dem zweiten Teil unserer Entdeckungsfahrt werden wir uns mit ernsten Problemen beschäftigen, die auch durch eine vorübergehende „gute Konjunktur" nicht beseitigt werden. Die B o d e n e r h a l t u n g ist für den nördlichen Teil der Vereinigten Staaten unb. Kanada weniger ein Problem als für den Süden und Westen. Bei einer starken Spezialisierung auf die Viehwirtschaft erhält der Boden im wesentlichen das zurück, was ihm entnommen wird, ganz anders aber liegen die Verhältnisse in den Gebieten einseitigen 'Pflanzenbaues. Die Bodenzerftörung, die außerdem in USA. durch klimatische Einwirkungen — Wasser und Wind — verstärkt wird, geht in so schnellem Tempo vor sich, daß die besten Bodenfachleute in dieser Entwicklung die größte nationale Gefahr erblicken.
Um eine dieser Gefahren, die Bodenverwehungen, kennen zu lernen, wollen wir im Geist einen Ausflug in die noch weiter westlich gelegenen Gebiete der „Großen Ebenen" (Great Plains) machen. Ich bin dort vor einigen Jahren gewesen, als sich in dieser Landschaft unter Anwendung der neuesten technischen Erfindungen, der Traktoren und Mähdrescher, die Weizenerzeugung in mächtigem Aufschwung befand und die Weltmärkte aus den „halbtrockenen" Räumen der Erde unter immer stärkeren Druck gesetzt wurden. Ein Ueb erb lief über die Agrarprobleme Nordamerikas wäre unvollkommen, wenn ich nicht in ganz großen Zügen die Geschichte der Landschaft zwischen dem Mittelwesten und dem Felsengebirge darstellen würde.
Als die „Großen Ebenen" bezeichnet man das Gebiet, das sich etwa vom 98. Längengrad nach Westen hin bis zum Felsengebirge erstreckt. Allein in USA. hat dieser Raum in nord-südlicher Richtung eine Ausdehnung von etwa 2500 Kilometer; die Ebenen setzen sich aber noch um viele Hunderte von Kilometern nach Kanada hinein fort. Dieses Land hat drei besondere Merkmale: die Baumlos i g k e i t, die verhältnismäßig ebene Ober- flächengestaltung und die Armut an Wasser. Dadurch — und auch durch die gewaltigen Entfernungen von den Verbrauchsmärkten — werden die landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten außerordentlich eingeengt. Bis weit in die „Großen Ebenen" hinein erstreckt sich im Norden die kanadische und amerikanische „Sommer- w e i z e n z o n e", in der Mitte die „W inter- weizenzone", und im Süden erreicht die „B a u rn w o l l z o n e" hier ihre westliche Grenze. Im äußersten Süden sind die ackerbaulichen Nutzungsmöglichkeiten auf das stärkste beschränkt, weil wegen der höheren Verdunstung nur ein kleiner Teil der geringen Niederschläge für das Wachstum ausgenutzt wird.
In diesem Raum, in dem das Deutsche Reich mehrmals Platz haben würde, hat in der Zeit von 1925 bis 1930 eine unerhörte Entwicklung stattgefunden. Hier sind die „G e t r e i d e f a d r i k e n" entstanden, von denen wir soviel gehört haben. Erst durch die Traktoren und den Mähdrescher ist dieses Land, dessen bisherige Nutzungsweise die extensive. Weidewirtschaft war, ackerbaufähig geworden. Es gibt hier Betriebe, deren Bewirtschafter mitunter Hunderte von Kilometern von der Farm entfernt in Städten wohnen und nur zur Bestellung und Ernte aufs Land kommen. Oft werden Tausende von Morgen Land mit Hilfe der Maschinen von ein bis zwei Leuten bewirtschaftet.
Nach großen Erfolgen in der Zeit von 1924 bis 1929 ist eine schwere Krisis über dieses Land hereingebrochen, und der Optimismus dieser Menschen, die hier ihr Glück suchten, ist dumpfer Verzweiflung gewichen. Die Natur scheint sich zu rächen, sie sträubt sich dagegen, daß der Mensch ihr Antlitz verändert. Wird die natürliche Grasnarbe umgebrochen, und der Boden durch die Bestellung aufgelockert, so entstehen in diesem Lande mit den nirgends gebrochenen Winden die S t a u b st ü r m e, die in kurzer Zeit zerstören, was die Natur in Jahrmillionen aufgebaut hat. Die amerikanische Ostküste, die über 2000 Kilometer von dieser Gegend entfernt ist, wurde wiederholt durch die Staubmassen verdunkelt, die der Wind mit sich führte. Hier hat die Natur den Amerikanern, die bisher unbekümmert um die Zukunft den Boden ausbeuteten, ein Warnungszeichen gegeben. Die Katastrophen der letzten Jahre haben in der öffentlichen Meinung einen so tiefen Eindruck hinterlassen, daß sich wahrscheinlich in der Einstellung zum Boden eine Wandlung vollziehen wird.
Die „Großen Ebenen" sind eine Landschaft, an der man sich die gewaltigen Wandlungen im amerikanischen Raum während weniger Jahrzehnte besonders deutlich machen kann. Vor 60 bis 70 Jahren graften hier noch Büffelherden, und die Rothäute auf ihren flinken Pferden waren die Beherrscher des Landes. Als dann die ersten Eisenbahnen dieses weite Niemandsland durchquerten, und der weiße Mann in größerer Zahl erschien, da war es aus mit den Büffelherden. Die Steppe mit ihren nährstoffreichen Gräsern diente großen Herdenbesitzern als Weide für ihre Tiere. Da die Wasserlöcher in dem regenarmen und flußlosen Gebiet selten waren, gehörten blutige Zusammenstöße und Reibereien zu den Alltäglichkeiten. Es entwickelte sich jener eigentümliche gesetzlose Zustand, der als „Wildwest-Romantik" in unseren Vorstellungen lebt. In der baumlosen und wasserarmen Steppe versagten die Rechtsgrundsätze, die man aus dem regenreichen England nach Nordamerika gebracht hatte. Die unerbittliche Natur erzwang eine Anpassung des Rechts und der Gesellschaftsformen an die hier gegebenen Bedingungen. Die moderne Brunnenbautechnik, die Windmotoren und der in Amerika erfundene Stacheldraht veränderten bann das Wirtschaftsgefüge zum zweiten Male. Auch in der baumlosen Steppe wurde es möglich, die Weiden mit Hilfe des Stacheldrahtes ooneinanber abzugrenzen und überall Tränkstellen für das Vieh einzurichten. Man konnte darangehen, eine zielbewußte Rindoiehzucht zu treiben und die Tiere den besonderen Verhältnissen der Landschaft anzupassen.
Die „Großen Ebenen" entwickelten sich so zu einer der wichtigsten Quellen der amerikanischen Rindfleischversorgung. Am östlichen Rande der Ebenen, wo die Niederschläge für den Ackerbau gerade noch ausreichten, lauerte aber bereits der Getreidefarmer. Die ebene Fläche, die Stein- losigkeit und die Jungfräulichkeit des Bodens reizten ihn, feinen Zug nach dem Westen weiter fortzusetzen. In niederschlagsreichen Jahren und in Zeiten mit hohen Weizenpreisen stieß die Siedlungswelle immer wieder nach Westen vor, um in schlechten Jahren wieder zurückzusluten, jedesmal Unglück, Verzweiflung und Not zurücklaslend. Die beiden letzten großen Einbrüche ereigneten sich während des Krieges und in der Zeit von 1925 bis 1930. In der Nachkriegszeit hat die Landwirtschaftstechnik in der Tat die Grenze des Ackerbaues beträchtlich ausgeweitet. Aber auch die letzte und stärkste Bewegung stieß zu weit vor. Wir erleben daher in dem Landstreifen östlich des Felsengebirges eine neue Tragödie. Es gehen hier nicht nur viele Existenzen zugrunde, die Bodenzerstörung durch den Wind hat eine Gefahr heraufbeschworen, gegen die ein gigantischer Kampf geführt werden muß.
Die neue Streikwelle in Paris.
Paris, 6. Jan. (DNB. Funkspruch.) Seit Dienstag wird auch die Großmolkerei Maggi bestreikt, die ein Drittel der ganzen Milch für die Stadt liefert. Die Betriebe und die Hunderte von Verkaufsstellen wurden von den Streikenden besetzt. Verlangt werden Einheitsrahmenvertrag und Lohnerhöhungen. Verhandlungen zwischen den Streikenden und der Betriebsleitung führten nur zu dem Ergebnis, daß beide Teile die An
wuchs und wuchs, und ihre Masten übertürmten uns. Matrosen arbeiteten noch auf den Raaen am Festmachen der Segel. Ich hatte ein ganz merkwürdiges Empfinden: Was ich da sah, war ohne Zweifel Wirklichkeit, aber daß es Wirklichkeit war, das war so unwirklich.
Wir kletterten die Lotsenleiter hinauf an Bord. Als ich die Menschen sah, hatte ich die verrückte Idee: „Du kennst sie ja alle! — Du mußt „Guten Tag" sagen! — Himmel, wie hieß der doch gleich?" Der nächste Gedanke war: „Wie sonderbar, daß sie genau so sind, wie ich sie in Erinnerung hatte. Eigentlich müßten sie doch sechs Jahre älter geworden sein."
Da erst fiel die Verwirrung zusammen, ich erkannte, daß es nicht dieselben Leute sein konnten. Es war nur der Typ gewesen, der Typ des Segelschiffsseemanns, dessen Angehörige sich so außerordentlich ähnlich sehen.
Sie fielen mir auf, genau wie damals, als besonders groß, besonders hager, mit knochigen Gesichtern, mit festen Lippen, mit Entschlossenheit und Ruhe in den Zügen. Ihre Bewegungen aus der Ruhe heraus waren jäh, zupackend und katzenhaft flink.
Und dann war etwas, was ich ganz vergessen hatte: der Gesang des Windes im Takelwerk. Es wehte gar nicht stark, und doch klang sie gewaltig und unheimlich, die riesige Windharfe der Sparren und Drähte und laue. Sie schien durch die Wolken zu wandern, und mir war wie in einem Dom, in dem die Orgel ankündigend präludiert. Ein anderes, ein größeres, ein entsetzlich einsames Leben tat sich wieder vor mir auf, das Leben auf dem Meer auf einem Segelschiff. Unendlichkeit und Zeitlosigkeit vereint.
Wir begrüßten den Kapitän. Er heißt Mörn. Er ist mehr von slawischem als von nordischem Typ. Mittelgroß. Ein von Natur, nicht von den Tropen dunkles Gesicht. Von Temperament scheint er sehr ruhig, sehr still. Er spricht wenig. Sein Englisch ist hart, aber recht fließend.
In meiner Unkenntnis der Verhältnisse hatte ich mir in Berlin einen finnischen Sprachführer gekauft. Ich nahm an, auf einem finnischen Schiff werde man finnisch sprechen. In Wirklichkeit spricht man Schwedisch Ich hoffe irgendwo in Kopenhagen noch einen deutsch-schwedischen Sprachführer aufzutrei- ben. 3n jedem Fall werde ich viel abgeschlossener
von der Welt sein, als ich es früher auf „Pamir" war.
Wir gingen in die Kajüte. Unverändert war sie bis auf die Tischdecke aus hellblauem Samt und bis auf das Bild der Frau des Kapitäns in der Ecke. Aber elektrische Lampen hatten sie eingebaut! Ich bekam fast einen Schreck über diese Neuerung. Der Kapitän beruhigte mich: Diese Lampen brannten nur zu Repräsentationszwecken im Hafen. Man mußte für sie extra einen kleinen Motor laufen lassen. Auf See brannte die gute alte, leierförmige Petroleumlampe.
Meine Kammer kam mir größer und schöner vor, als ich sie in Erinnerung hatte. War ich etwa kleiner geworden? Es ging mir umgekehrt wie bei Kindheitserinnerungen. Ich scheute mich, sie näher anzusehen. Dazu würde ja noch genug Gelegenheit {ein, — später.
Ich erfuhr etwas mehr von „Pamir". An Bord befinden sich nur 28 Mann, alles in allem. Unter deutscher Flagge führte das Schiff 33 Mann Besatzung. Da wird es viel zu tun geben! Von den 28 sind nur sechs oder sieben Vollmatrosen. Der Rest sind „Apprentices", junge Leute, die Steuermann werden wollen, und ihre Fahrzeit auf Segelschiffen sich verdienen müssen. Die Vollmatrosen erhalten eine Heuer zwischen 500 und 600 Finnenmark. Das ist recht wenig nach deutschem Geld, vielleicht 30 Mark im Monat. Die „Apprentices" — wir würden die Kadetten nennen — erhalten nur eine nominale Heuer und zahlen dagegen 6000 Finnenmark, also etwa 300 Mark, für ihre zweijährige Ausbildung.
Das sind sicherlich schwere Bedingungen für die harte Seemannsarbeit, aber auch der Reeder Eric- son hat es hart, um seine Schiffe am Leben und in Fahrt zu halten. Sie machen ja nur eine Reise im Jahr, eine Reise von zehn Monaten ungefähr. Die Hälfte der Reise läuft das Schiff mit Ballast, es verdient nichts und auf der Heimreise mit Weizen von Australien sind die Frachten zum Verzweifeln niedrig. Die Ericson-Schiffe fahren schon alle unversichert, weil die Prämien viel höher sein würden als der Ertrag der Schiffe — wenn überhaupt von einem nennenswerten Ertrag die Rede fein kann. Der Beamte vom Lloyds meinte, daß so ein Segelschiff heutzutage, wenn es gut geht, vielleicht 50 englische Pfund im Jahr als Reingewinn buchen könne.
wendung des obligatorijchen Schiedsgerichtsoerfah, rens annehmen wollen. Im übrigen wurden Maß. nahmen getroffen, um die Milchversorgung der Stadt zu sichern. Der Streik in den Grog. Wäschereien geht weiter. Die besetzten Betriebe sind allerdings von den Streikenden geräumt war. den. Für das Wochenende droht ein Streik der Pa. rifer Kraftdroschkenfahrer. Im Bau. arbeitergewerbe herrscht wegen Lohnstreitig, feiten neue Streikgefahr.
Vorfreude tn Holland.
Die Hochzeitswoche hat begonnen.
A m ft e r i) a m , 5. Jan. (DNB.) Ganz Holland hat in diesen Tagen ein festliches Gewand angelegt. Vom Regierungssitz Den Haag und der Hauptstadt A m st e r d a m angefangen bis zum kleinsten Dörfchen wehen die rotweißblauen und Orange- fahnen, ziehen sich Girlanden an den Häuserfronten entlang, leuchten die Initialen der Kronprinzessin Juliana und des Bräutigams, des Prinzen Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, die am 7. Januar den Bund fürs Leben schließen. Jeder Schritt in diesem Lande weist darauf hin, daß ein festliches Ereignis bevorsteht, an dem das ganze Volk, hoch und niedrig, jung und alt, arm und reich, Stadt und Land gleichermaßen teilhaben wollen.
Am 19. Dezember nahm das Festprogramm seinen Anfang. Mit Ausnahme der Weihnachts- unb Neujahrstage gab es Tag für Tag Konzerte, Fest- Vorführungen, Fackelzüge, Aufmärsche, turnerische und sportliche Wettbewerbe, Sängerchöre und Huldigungszüge der holländischen Jugend. Die Zahl der Huldigungsgedichte, der Festspiele und Festkompositionen, der Kunstausstellungen und Theaterstücke ist so groß, daß die einzelnen Werke in den Theater- und Konzerthallen der Residenzstadt allein gar nicht aufgeführt werden können. Ein Film mit den großen Ereignissen, an denen das königliche Haus teil hatte, erfreut sich eines solchen Zuspruches, daß er bis um Mitternacht, eine für das solide Holland recht ungewöhnliche Zeit, laufen muß. Kein Schaufenster gibt es, in dem nicht das Bild des Brautpaares, mit Dranqeblüten und Flagaen umkleidet, zu sehen ist. Die Anfangsbuchstaben findet man auf allen möglichen und unmöglichen Gegenständen, auf Bonbons, Zigarettenetuis, Halstüchern, Geldbörsen, Brieftaschen unb Taschentüchern, auf Bierdeckeln und Milchflaschen. In einem Schaufenster der Hauptstadt sind Braut unb Bräutigam festlich gekleidet in Lebensgröße als ... Wachspuppen aufgestellt.
Die Rekrutierungsschwierigkeiien in England.
London, 6. Jan. (DNB. Funkspruch.) Das englische Kabinett wird sich mit einem Plan des Kriegsministers Duff-Cooper zur Beseitigung der Rekrutierungsschwierigkeiten befassen. „Morning Post" meldet, daß der Plan u. a. eine Erhö - hu n g der Löhnung vorsieht, ferner eine Aus- bildung, die dem Soldaten eine leichtere Rückkehr in das Zivilleben ermöglichen soll, und schließlich für die territorialen Einheiten im Londoner Bezirk moderne Exerzierhallen. Auch wird die Errichtung ständiger Rekrutenlager erwogen, um unterernährte Rekruten durch „Auffütterung" und körperliche Ausbildung in frischer Luft dienstfähig zu machen. Eine ungewöhnliche Zahl von Freiwilligen, die sich für die Armee melden, sind infolge falscher Ernährung für den Wehrdienst unfähig. Man beabsichtigt, bas erste Re- krutenlager dieser Art in Canterbury einzurichten.
Oie Beisetzung Erzherzog Friedricks
B u d a p e st, 5. Jan. (DNB.) Unter weitgehender Beteiligung der Bevölkerung fand die Beisetzungsfeier für den früheren Dbertommanbierenben der österreichisch-ungarischen Armee im Weltkrieg, Feld- marschall Erzherzog Friedrich, statt. Der Sarg war in der Familiengruft der Stadtpfarrkirche auf- yebahrt. An der Trauerfeier nahmen der Reichsverweser von Horthy, der frühere König Alfons von Spanien sowie zahlreiche Abordnungen ausländischer Staatsoberhäupter teil. In Vertretung des Führers und Reichskanzlers legte General der Infanterie von R u n d st e d t am Sarge einen Kranz nieder. Der deutschen Offiziersabordnung gehörten ferner General Freiherr von Weiths, Vizeadmiral Saalwächter und General G r a u e r t sowie zahlreiche höhere Offiziere an. Auch der Budapester deutsche Gesandte von Ma ck e n s e n war erschienen. Die Einsegnung erfolgte durch den Kardinal- Fürst-Primas von Ungarn Seredy.
Daß diese Schiffe überhaupt noch in Fahrt sind, überhaupt noch etwas verdienen können, das ist nur möglich, weil Kapitän Ericson den größten Teil seiner Flotte sehr billig kaufen konnte. „Pamir" hat, soviel ich weiß, als Neubau anderthalb Millionen Mark gekostet. Verkauft wurde „Pamir" vor fünf Jahren für sage und schreibe zwanzigtausend Mark. So ähnlich waren auch die Preise der anderen Segelschiffe.
Ich habe nicht den Vorzug, Herrn Kapitän Eric- fon zu kennen, aber ich habe die größte Hochachtung vor ihm, weil er die letzten großen Segelschiffe in Fahrt erhält. Er bewahrt sie vor dem Abwracken, er erhält die Schönheit einer längst verstorbenen Zeit auf dem Meere lebendig und er tut es aus Leidenschaft, aus Liebe zu den Segelschiffen, nicht um Gewinn.
Was haben Sie für einen Huf?
Man findet neuerdings in Briefköpfen neben dem ölten „Telephon", den neueren „Fernsprecher" oder „Anruf" auch den „Ruf" verzeichnet. Dagegen wendet sich die Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins, „Muttersprache", indem sie ausführt: Das Wort „Ruf" ist nicht eindeutig; denn wenn z. B. jemand fragt: „Was haben Sie für einen Ruf?" so wird er in der Regel wohl antworten: „Das weiß ich nicht ganz genau, da müssen Sie einen anderen fragen; ich möchte aber doch hoffen, daß ich keinen schlechten habe!" Entsprechend dem Fernamt wird mon unter „Fernruf" den Anruf nach einer anderen Stabt verstehen. Wenn ich meinen Wohnungsnachbar über das Amt anrufe, so ist das zweifellos kein Fernruf. Es bleibt also das Wort „Anruf" übrig, das auch insofern richtig ist, als es zu dem längst eingebürgerten Tätigkeitswort „anrufen" paßt. Diese Uebereinftimmung des Hauptwortes mit dem Tätigkeitswort ist notwendig. Man sagt ja nicht: „Rufern Sie mich morgen!" sondern: „Rufen Sie mich morgen a n !", wenn man nämlich durch den Fernsprecher angerufen sein will. Unter „rufen" versteht man das Rufen ohne Vermittlung des Fernsprechers. Hat jemand besondere Anschlüsse für den Fernverkehr, so kann er vor ihre Nummern „Fernruf" setzen, also zwischen „Anruf" (im Ortsnetz und „Fernruf" (nach außerhalb) unter3 scheiden, R
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