Junge deutsche Nation.
Werk.
Und wir lodern hell wie Brände großer Zeit durchs weite Land, daß sich unser Werk vollende, reihen wir uns Hand in Hand.
Send schürfen wir die Schollen, ig streuen wir die Saat, und in fest verschwornem Wollen treten wir zu Werk und Tat.
Aus den Hämmern spricht das Werde und wir treten froh ins Licht, wie die Saat im Schoß der Erde reift das Werk in Eid und Pflicht.
H. W. Krause.
Dienst am deutschen Such.
Als Lehrmädel
in einer Leipziger Buchhandlung
Gleich morgens bei der ersten Post war mir der dicke Brief mit den bunten Marken aufgefallen. Gewiß, es kommen täglich aus allen Teilen Europas Bestellungen in unsere Buchhandlung. Aber so dick! — Sind mindestens 30 Aufträge! Aha, wie- der Bukarest (Rumänien)! Und nun mußte ich gleich zur „Adca", damit unser Vertreter seine Provision von der Rumänischen Creditbank ausAezahlt erhält. „3m Clearing", sagt man bei uns. Es ist dies der Ausgleich, in dem Banken ihre gegenseitigen For- derunaen und Guthaben berechnen.
Während ich noch auf dem Wege bin, holt meine Arbeitskameradin bereits die Auskünfte über unsere neuen Kunden bei den ausländischen Informationsbüros ein. Dann machen wir die Versand- vapiere mit Zollinhaltserklärungen sowie die Melsungen an die Devisenstelle und Reichsschrifttums- kammer fertig und geben alles ins Lager. Don dort gehen die zusammengestellten Sendungen in den Packraum.
Also „ran ans Verpacken!" Aber erst wird mal alles ein bißchen nach Sachgebieten sortiert. Hier die medizinischen Monatshefte — das sind Sendungen für Polen und Italien. Schnell noch die Rechnungen und Anschriften verglichen —, alles stimmt! Weiter! Run kommen die Wochenzeitschriften und Modezeitungen unserer deutschen Bezieher. Aufpassen, daß die Ecken nicht oeknickt werden! Ein paar Striche mit dem Leimpin^el, — schon prangt fein säuberlich in der Mitte die weiße Anschrift. So, hier ist noch die Sendung Schulbücher an eine deutsche Schule in Chile und das Zeitungspaket für Herrn Miguel in Barcelona. Dann sind wir fertig.
Aber schon wartet eine andere wichtige und sehr interessante Arbeit. Ich muß nämlich jetzt Dertriebs- mappen und Prospektsendungen fertigmachen. Zuerst zu den Dertriebsmappen: In eine schöne „Schale" mit Firmenwappen und Aufdruck müssen die neuesten Prospekte aus allen Gebieten der Literatur eingelegt werden. Diese Mappen bekommen die Vertreter als Unterlagen für ihre Arbeit. Dabei kommt es sehr darauf an, daß man weiß, was die einzelnen Herren hauptsächlich verkaufen.
Haben wir die Bücher nun abgeschickt, kommt aber erst die Hauptarbeit! Es müssen die vielen Konten der Kunden und Vertreter geführt, Auszüge geschrieben, säumige Zahler gemahnt und vielerlei Korrespondenz erledigt werden.
Dazu kommt noch der Verkehr mit unseren ausländischen Bank- und Postscheckkonten und vor allen Dingen mit dem großen Mitarbeiterstab. Sogar eine eigene Rechtsabteilung haben wir. Unser Rechtsbearbeiter steht mit auswärtigen und ausländischen Rechtsanwälten in Verbindung.
Doch wir haben ja nicht nur Auslandskunden. Unser Hauptbetrieb bearbeitet natürlich den über das Deutsche Reich ausgebreiteten Kundenkreis. Hunderte von Büchern, Tausende von Werbeschriften und Gutachten gehen täglich durch unsere Hände. Zehntausende von Bestellscheinen müssen jährlich abgelegt werden. Eine Unmenge interessanter und vielgestaltiger Arbeit. Jeden Tag erleben wir es neu: In Deutschland wird gearbeitet, und die ganze Welt braucht unsere Arbeit. An einem Tage dreißig
deutsche Lexika nach Bukarest! Täglich wiederholt sich dieser Fall in allen Städten Europas und oft sogar in den anderen Erdteilen.
Alle diese Bestellungen beweisen, daß das deutsche Buch und mit ihm die deutsche Wissenschaft gebraucht wird, daß man im Ausland das Deutsch- land Adolf Hitlers benötigt und Vertrauen zu ihm hat. A. W.
Lukullisches Erlebnis.
Die Sonne meinte es allzu gut mit uns, als wir auf unserer Sommerfahrt nach Dithmarschen radelten. Es hatte uns viel Schweiß gekostet, bis wir, hungrig mie die Wölfe, am breiten Eiderfluß anlangten. Wie groß war unsere Ueberraschung, als Heilar, unser Führer, anordnete: „Piefke, du brauchst heute nicht zu kochen!" „Was ist denn da los?" fragten wir. Aber Heilar lächelte nur, bis er mit der Sprache herauskam: „Ein Dithmarscher Großbauer hat uns alle zum Mittagessen eingeladen!"
Inmitten von weitem, schier endlosem, ringsum angebauten Acker- und Weideland lag der einige hundert Jahre alte Erbhof unseres Gastgebers. Der Pimpf Pitter, des Bauern Sohn, war uns ein Stück entgegengekommen.
Durch einen großen Obstgarten führte er uns in das Haus, aus dessen Ausdehnung und Größe mir allerlei Schlüsse wgen auf die Art der Verpflegung, die wir so sehnsüchtig erwarteten. Pitter nötigte uns in die Diele! Die Augen ginaen uns über: Auf einer langen, weißgedeckten Tafel standen riesige Näpfe, angefüllt mit dampfenden Riesen- knödeln. Das war etwas Außergewöhnliches. Wie
lange hatten wir nicht mehr an einem weißgedeckten Tisch gesessen! Für uns waren Teller und Schüsseln überflüssiger Luxus geworden.
Bevor wir uns niedersetzten, sangen wir dem Gastgeber ein Bauernlied. Seine Freude darüber war groß. Mit einem kräftigen „Ran!" ging's los. Wir hauten drein wie die Scheunendrescher. Es schmeckte! Rekorde fielen: neun Klöße — Höchstzahl! Aber wir sollten noch mehr staunen. Die Hauptmahlzeit sollte erst kommen. Eine Unzahl von Frikadellen, reichlich Salat und Kartoffeln wurden herangeschleppt. Zäh und verbissen kämpften wir uns durch. Der Gastgeber soll uns nicht kleinkriegen! war unsere Losung. Der aber hatte sich wohl in den Kopf gesetzt, unseren Riesenhunger zu bezwingen.
Doch trotz glänzender Einzelleistungen gelang es uns nicht, Herr zu werden über die bis oben angefüllten Schüsseln und Näpfe. Der Bauer ging aus diesem hartnäckigen Kampfe als überlegener Sieger hervor. Aber auf jeden Fall nötigten wir ihm Achtung vor unserem Appetit ab. Auch der Kleinste von uns, die „Erbs", hatte eine gute Klinge geschlagen. Er seufzte nur: „Ich muß achtgeben, sonst gibt es einen dumpfen Knall, und die ,Erbs' isUplatzt!"
Wir brauchten Ruhe. Am Nachmittag legten wir uns auf einer Wiese vor dem Hause in die Sonne und verdauten. Beinahe wie im Schlaraffenland. Weniger fettreiche Tage folgten. Wir waren weit, weit von unserem nahrhaften Quartier entfernt; aber die dampfenden Knödel und leckeren Frikadellen stehen heute noch vor unseren Augen als ein handfestes Beispiel Dithmarscher Gastfreundschaft.
Hans Herdt.
Die Heimabende des Jungvolks.
Erfahrungen und Erlebni se, Pläne und Ziele.
Die Heimabende nehmen einen wichtigen Raum in der Arbeit des Jungvolks ein Wenn die kalte Jahreszeit Fahrten und Ausmärsche einschränkt, roirö das Heim zum lebendigen Mittelpunkt des Jungenlebens. Die Erfahrungen und Erlebnisse des Sommers gilt es auszuwerten und zu überprüfen. Neue Pläne werden geschmiedet unö neue Ziele gesteckt.
Schulung wechselt ab mit technischen und theo- retiscyen Vorbereitungen für den Geländedienst. Kartenlesen, Skizzenzeichnen, Meldungen, Geländebeurteilung, all diese geländesportlichen Dinge können zwar auf dem Heimabend keine praktische Erprobung erfahren, jedoch vorbereitet und ausgebaut werden. Dazu dient z. B. auch der in vielen Einheiten vorhandene Sandkasten, an dem ausgezeichnete Geländekunde vermittelt werden kann.
In der Schulung wird natürlich auf trockene Wissensvermittlung verzichtet. Wie im übrigen Dienst, soll auch im Heimabend über das Erlebnis der bleibende, erzieherische Wert geweckt werden. Geschichts- und bedeutsame Gegenwartsbilder entstehen vor den Augen der Jungen; das politische Derantwortungsbewuhtsein wird geweckt, wenn sie in fesselnden Erzählungen mit den Taten großer Deutscher bekannt gemacht werden und die Leistungen deutscher Schaffenskraft und Genialität kennenlernen, wenn sie den starken Atem der Geschichte spüren, der Geschichte unseres Volkes, aus der wir so viel für unsere Gegenwart lernen können. Aus dieser Schau entwickelt sich unbewußt die politische Haltung, die die Frucht des Heimabends und der mit ihm verbundenen weltanschaulichen Schulung sein soll. Der Heimabend wird natürlich auch die Gelegenheit zu praktischer Arbeit sein. Basteln, nicht nur als Spielerei, sondern als sinnvolle, nützliche Arbeit betrieben, vermag praktische Fertigkeiten zu vermitteln, die dem Jungen später zugute kommen. Die Werte, die in der Bastelei ausgelöst werden, sind nicht hoch genug einzuschätzen.
In erster Linie erstreckt sich diese Betätigung in den Heimabenden auf Dinge, die für die Formation selbst nutzbar sind Mit der Heimgestaltung beginnt sie. Nach eigenem Ermessen und eigenen Plänen wird das Heim ausgestaltet und ausgebaut. Viele Jungzüge des Jungvolks im ganzen Reich haben
sich ihre Heime völlig neu errichtet — vom Grundstein bis zum letzten Dachziegel, als eigenes, selbständiges Werk. Sie waren ihr eigenes „Bauunternehmen", stellten aus chren Reihen die Zimmerleute, Ofensetzer, Malermeister und Bauarbeiter und bewiesen damit, zu welchen Erfolgen die gemeinsame Arbeit alle Jungen führen kann.
Was auf dem Heimabend darüber hinaus auch theoretisch erörtert werden konnte, wird in den Zeltlagern wieder zu praktischer Nutzanwendung gelangen. Im Lager sind die Jungen einmal völlig auf sich selbst gestellt und erkennen bald, wie entbehrlich manche der sonst so „unentbehrlichen" Dinge des täglichen Lebens sind. Sie packen selbst überall an, und wie selbstverständlich gehen ihnen bald Arbeiten von der Hand, die sie vorher vielleicht nur dem Namen nach kannten. Was zu Hause zum täglichen Gebrauch gehört, all das muß im Lager mit den vorhandenen einfachen Mitteln selbst hergestellt werden.
Das Umgehen mit den Werkzeugen, wie Säge, Hammer, Zange, Spaten, stellt manchen vor schwierig zu lösende Aufgaben. Was wird nicht alles im Heim wie im Lager selbst hergestellt! Stühle, Tische, Lampen, Zäune, Regale, Beobachtungstürme, Lagertore, Bootsstege, Flöße usw. Hier kann der Phantasie freier Lauf gelassen werden, und es ist manchmal staunenswert, wie schnell sich der Junge den besonderen Aufgaben und Bedingungen gewachsen zeigt, die so an ihn gestellt werden. Auf jede Weise wird also versucht, den praktischen Sinn der Pimpfe zu wecken und ihn maßgeblich zu beeinflussen, ,-den Jungen zu schaffen, den wir haben müssen, der ebenso geschickt und praktisch wie begeistert und hochdenkend ist".
Auf dem Gebiete des Segelflugmodellbaues, dessen Bedeutung einen kaum geahnten Umfang angenommen, und der einen wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung der Heimabende im Jungvolk hat, sind freiwillige Modellbauarbeitsgemein- schasten eingerichtet worden. Hier beginnt der erste Abschnitt der gesamten Fliegerausbildung der Jungen, die später in den Luftsportscharen der HI. fortgesetzt und erweitert wird und ihren Abschluß durch den Erwerb des A», B» und C-Scheines für Segelflug findet. W.
Verfolgt...
Wer folgt, wo unsre Fahne weht, der ist, wie wir, Soldat.
Und wer mit uns für Deutschland steht, ist unser Kamerad.
Was zu uns aus den Sternen spricht, ist Ziel uns und Gebot,
So wächst das Reich in Eid und Pflicht; daß es gelingt, gibt Gott.
Weil jeder ganz der Pflicht sich gibt, ist uns das Dienen Glück, und wer die Fahne wahrhaft liebt, weicht nicht von ihr zurück. H. W. K.
Klemer Krieg im Moor.
Wegen Mangels an Aktualität wurde die total veraltete original - mittelalterliche Raubritterfehde zwischen den beiden Jungzügen abaeblafen und an ihrer Stelle der zeitgemäßere Abessinienkrieg ausgerufen. Natürlich lehnte sich der Abessinienkrieg der Pimpfe nicht in allen Einzelheiten yaargenau an fein historisches Vorbild an, denn er wurde z. B. nicht ohne Kriegserklärung eröffnet, es wurden auch keine Giftgase und Dum-Dum-Patronen verschossen, keine Lazarette bombardiert, und er verlief zudem ohne Sanktionen und Protesttelegramme an den Völkerbund. Sonst war er ganz stilecht.
Jungzug II hatte sich freiwillig erboten, das Abessinierheer zu mimen, Horst, der Jungzugführer, war ihr Ober-Ras. Er hatte geschworen, den Tanasee (der mit seinem gut bürgerlichen Namen Steinhuder Meer heißt), bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, während Peter vom Jungzug III als Marschall Petrolio an der Spitze seiner Truppen dem Ober-Ras und seinen Leuten Sitte, Anstand, Zivilisation und noch diverse andere Requisiten der Kultur beibringen wollte.
Die Abessinier hatten sich am Tanasee hinter Torfhaufen verschanzt, nur mit Badehosen bekleidet, und sich, um au einer Abessinierhautfarbe zu kommen, mit Torflake beschmiert. Die Italiener rückten indessen mit der Lorenbahn, die in den Torfstich führt, heran. Von der Endstation ging es im Sturmschritt über das Moor, über quietschende „Gummiwiesen", in Sprüngen übe schwarzbraune Tümpel, von einer Insel, die oft nur für ein Grasbüschel Platz hatte, zur andern. Mancher brave weiße Krieger der Heimatarmee fiel dabei in die Moorlake und wurde als brauner Eingeborenenkrieger wieder herausgezoaen.
Mit wüstem Kriegsgeschrei wurden sie von den Abessiniern empfangen. Torfbrocken flogen ihn?n aus der feindlichen Stellung entgegen, so daß sie schleunigst hinter den nächsten Torfhaufen in Deckung gehen mußten. Petrolios Truppen erwiderten das Feuer, aber während die Abessinier zu Anfang nur mit alten harmlosen Torfstücken, die von Regen und Wind vollständig ausgelaugt waren und nur noch aus weichem Wurzelwerk bestanden, geschossen hatten, feuerten sie jetzt mit harten Brocken und tunkten die weichen schwammartigen Stücke vorher in die schwarzen Tümpel. Als den Italienern das nasse Zeug um die Ohren klatschte, steigerte sich ihre Wut, und sie entschlossen sich zum offenen Angriff. In einem kühnen Umgehungsmanöver fielen sie dem Feind in den Rücken und rollten seine ganze Front auf. Der Feind floh in Scharen, einige versuchten sich in den See zu retten, wo sie jedoch bald abgeschossen wurden, an Land zurückschwammen und sich winselnd ergaben. Ihr Ober-Ras, der die Stellung bis zum teufen Atemzug zu verteidigen geschworen hatte, und seine Unter-Rase waren in rasender Eile zuerst ausge- rückt, hatten sich ihre Uniformen unter den Arm geklemmt und auf die Lorenbahn geschwungen.
Das war der Verlauf des Abessinienkrieges der Pimpfe im Moor, wie ihn unvoreingenommene Augenzeugen erlebt haben. Der 587. Heeresbericht aus dem unauffindbaren Hauptquartier des Ober- Ras allerdings meldete dann später von einer siegreichen Schlacht der Abessinier, die ein paar Dutzend Tanks und ein paar Großßflugzeuge abgeschofsen haben sollten. H. S.
Kalle Äachl.
In der Nacht hatte ich Krach gekriegt mit Tüdel. Wegen der Decke. Er behauptete, es sei seine, und er würde mich verschlagen, wenn ich mich noch einmal unterstehen würde... Tüdel hat einen größeren Bizeps als ich, ich zog es daher vor, vorläufig weiter zu frieren. — Als Tüdel zum erstenmal fein Schnarchen hinunterschluckte, war es soweit, daß ich mich unterstehen konnte. Schließlich war es ja auch meine Decke, nicht wahr? Ich rollte mich also in meine zweite Decke ein, bohrte mich in den Strohballen und schlummerte sofort in meiner Mulde ein, ohne zu frieren.
Ich weiß nicht genau, wie der Traum anfing, ich entsinne mich jedoch, daß es in Afrika war. Und zwar unter der mörderisch brennenden Sonne. Ich hockte auf einem Stein und beobachtete, wie meine Schweißtropfen lautlos auf den Stein klatschten und sofort verdampften. Es war natürlich lächerlich mit dem Eisklumpen, den ich plötzlich vor dem Stein liegen sah. Aber ein Eisklumpen war es, weih Gott, ich sehe ihn jetzt noch. Ich hob ihn auf und wollte mich daran kühlen. Da kam einer an mit roten Haaren und sah aus wie der Tüdel. Er fletschte einen Zahn und fragte, was ich da mit seinem Eisklumpen machte; wenn ich ihn nicht sofort hergeben würde, wäre er nicht abgeneigt, mich zum Frühstück zu erledigen. Da machte ich mich nebst dem Eisklumpen aus dem Staube. Er hinter mir her. Ich rannte. Tagelang. Immer den Eisklumpen in den Händen, nach Norden, über Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Lappland. Ich weiß nicht wie: ich war auf einmal in Grönland. Da blieb ich stehen. Ich wollte ihm den Eisklumpen geben, was sollte ich hier überhaupt damit, hier war die ganze Welt ja aus Eis, zudem fror ich, hu — hu —, daß ich schlotternd und bibbernd aufwachte. Die Decke! war mein erster Gedanke. Futsch!
Tüdel mußte sie natürlich haben, die Decke. „Hör mal, Tüdel", brüllte ich, daß alle erschreckt hochfuh- ren, „ich will sofort meine Decke haben, verstehst du, sofort sage ich, sonst..." Mir fällt erneut Tü- dels Bizeps ein, darum schweige ich.
Tüdel sagte, es [ei feine Decke, ich solle jetzt meine Klappe halten, und wenn ich nicht wollte, so würde er mich durch die Scheunenwand schmeißen. Mönkin lachte in einer fernen Ecke; es klang, wie wenn
eine alte Geiß meckert. Die anderen blökten; sie wollten ihre Ruhe haben. Ich schwieg betroffen und fror von neuem. Lediglich ein Gefühl der Rache erwärmte mich ...
Ich werde ihm morgen früh einen Feldstein in den Affen packen; seinen Kaffee werde ich mit Salz und Pfeffer würzen, durch feinen rechten Stiebe! einen ansehnlichen Nagel kloppen und sein Kochgeschirr werde ich mit ausgewachsenen Regenwürmern füllen. Nie hatte ich geglaubt, daß Rache so erwärmen und glücklich machen kann.
Es war natürlich dumm, dachte ich nach, daß wir am Mittag nicht in Gersfeld geblieben waren; es gab doch da eine Jugendherberge, man hätte sich nicht wegen einer Decke aufzuregen brauchen, und gefroren hätte man auch nickt, nein. Ich hatte es gleich gesagt. Und am Abend war alles zu rasch gekommen mit der Dunkelheit und dem Regen, eigentlich konnten wir ja überhaupt noch froh sein, diesen windigen Strohschober erwischt zu haben.
So oder so, ich werde es ihm schon ankreiden. So schlief ich tatsächlich zum zweiten Male ein. Ohne meine zweite Decke. Ohne Traum. Als ich aufwachte, blinzelte es schon hell durch die Latten und Dachpfannen. Ob der Tüdel auch schon wach war? Nein, er schlief fest. — Ich werde ihm meine Kamelhaardecke nehmen. Vorsichtig, um ihn nicht in Raserei zu bringen, fummelte ich nach meiner Decke. Meine Decke war weich und braun; die ich in den Händen hielt, war jedoch rauh und grau. Eine zweite Decke hatte Tüdel nicht. Merkwürdig. Dabei hatten wir doch jeher Amei Decken gehabt. Was sollte man davon halten? Vielleicht hatten wir sie auch nur ins Stroh gestrampelt. Mal nachsehen. Augenblick. Aber im Stroh unter und neben mir liegt keine Decke.
Das werden wir ja gleich haben. Raus aus der Schlummermulde und suchen gegangen. Da lag Fietje, der hat sie nicht, die Decke, er hat auch nur eine. Aber er hatte doch zwei! Es war doch Befehl, daß jeder zwei Decken mitbringen mußte. Da liegen Ott, Franzl, Werner, Heio, alle liegen da und haben bloß eine Decke! Kapiert das einer? Ich nicht!
Man muß sie also suchen, wenn man sie finden will, sagte ich mir in meinem Scharfsinn. Also suchte ich den kalten Schober ab. In der äußersten Ecke fand ich sie schließlich nach langem Fluchen alle beieinander, jedoch konnte ich mir keinen rechten lDers daraus machen. Wie kommen die denn bloß
hierher? — Zuoberst lag meine weiche, warme, braune Decke aus Kamelhaar. Als ich sie aufheben wollte, vernahm ich ein dumpfes Brummen unter den vielen Decken. Ich nahm ziemlich schnell meine weiche Decke und kroch eilig auf meine Schlummermulde zu. Da ließ ich mir die Sache durch den Kopf gehen. Ziemlich lange sogar. Ich erwog alle Möglichkeiten, und plötzlich — da hatte ich es! Kam das meckernde Lachen heute Nacht nicht aus der entferntesten Ecke? Nur Mönkin lachte so wie eine alte Geiß. Und, zum Teufel, alle lagen wir beisammen, nur Mönkin nicht. Er mußte in der Ecke liegen, die Decken wird er uns heimlich im Schlafe geklaut haben, so war es.
Ich schlief zum dritten Male ein, warm und ohne große neue Rachegedanken. Ich hatte ja meine Decke, meine weiche, warme Decke aus Kamelhaar. Bald wurden Stimmen laut, Knurren, Lachen. Als ich erwachte, waren alle wach. Keiner vermißte feine zweite Decke, weil eben ein jeder auf einmal zwei Decken hatte. Ich schlug mir eine Beule an die Stirn: hatte ich geträumt?
In der entferntesten Ecke des Schobers brüllte Mönkin: „Ihr seid eine ganze gemeine Bande, versteht ihr mich, wer hat mir eine Decke geflaut?" Ich stellte plötzlich fest, daß ich keine zwei, sondern drei Decken habe. „Hör mal", sagte ich, „schrei erst- mal nicht so, und dann habe ich mir meine Decke heute Nacht selbst aus deiner Ecke dahinten geholt, also war es nicht nötig, daß du mir im Morgengrauen noch deine Decke brachtest. Hier hast du sie..., und sag mal, hast du kein Alpdrücken unter den vierzehn Decken gekriegt, he?"
Mönkin schwieg betroffen. Darum schwieg ich auch. Ader als Mönkin am Morgen feinen Kaffee trank, gingen ihm die Augen über, wahrscheinlich hatte einer Salz und Pfeffer darein getan. Als wir unterwegs waren, begann er zu hinken und zu fluchen. Er zog feinen rechten Stiefel aus, da ragte ein Mordskerl von Nagel heraus. Gegen Mittag schmiß er keuchend den schweren Affen weg, besann sich jedoch und öffnete ihn. Es war nur ein zwan- zigpfündiger Feldstein darin. Gegessen hat Mönkin nichts, obgleich es Gulasch und Makkaroni, seine Lieblingsspeise, gab. Mönkin kehrte in sich. Er rooüte zeigen, daß er kein Waschlappen mar. Darum af$ er nichts. So sagte er wenigstens. Vielleicht tat er es wirklich darum. Vielleicht tat er es aber nur, roeil fein Eßgeschirr voll ausgewachsener Regenwürmer war... Frajof.
Frühspott mit Hindernissen.
„Wo ist denn nun schon wieder mein Turnschuh?" Ich mache mich daran, noch einmal auf dem Boden herumzurutschen, suche überall, sogar unterm Bett. Kein Turnschuh ist zu finden! Da — ein Pfiff! Mit einem Turnschuh und einem Strumpf schiebe ich michi ns Glied. Neben mir steht Ella und kann es nicht lassen, lachend auf meine einseitige Fußbekleidung zu gucken. — Nun wird auch noch Helge aufmerksam. „Ursel, was hast du denn da an deinen Füßen?" „Ja, als gepfiffen wurde, war ich noch nicht fertig." — „Zieh den andern Schuh an und melde dich sofort zurück!"
Ich liege wieder auf dem Bauch, juche und suche und sinde nichts. Klettere auf den Schemel und suche in den Betten. Vielleicht hat diese Pummel, eingedenk des nassen Waschlappens, auf Rache gesonnen. Na warte! — Ich stehe wieder im Glied, ohne Turnschuh. „Er ist nicht zu finden." — „Hast du ihn denn auch nach der Lagerordnung an Ort und Stelle gehabt?" — „Ja, ganz bestimmt — das heißt, ich glaube ..." — „Hier ist er! Heute früh lag er im Waschraum. Paß nächstens auf deine Sachen auf!" Natürlich, da hatte ich heute früh beim Anziehen gebummelt und nachher vor lauter Eile vergessen, nach meinen Sachen zu sehen.
„Rechts um — im Laufschritt!" Durch den Wald, der hinter der Herberge liegt, laufen wir zum Sportplatz. Wir lockern unfern Körper durch Schwingen, Kreisen, Beugen und Hüpfen. Wir machen Bockspringen und Rollen zu zweien. Inge hat ihr Seil, eine Wäscheleine, die ihren Dienst getan hat, mit zum Sportplatz genommen. Hilde und Gerti müssen das Seil halten, und wir springen hintereinander darüber. — Dann laufen wir nacheinander durch den Seilbogen. Wir wechseln mit einem Zwischensprung, linkes Bein, rechtes Bein, vorwärts und rückwärts, zu zweien und mehreren. Als Abschluß steigt noch ein Neckspiel. Erika hält das Seil an einem Ende, und am anderen Ende baumeln ein paar Turnschuhe zum Be- schweren. Sie schwingt das Seil nun in einem halben Meter Höhe über dem Boden im Kreis herum, und wir stehen neben Erika und springen dauernd über das Seil, damit es uns nicht an die Beine schlägt. Wer das Seil berührt, muß in die
. Mitte. — Ja, da muß manf chon flink [ein!


