Nr. 259 Zweites Via«
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag.5. November IQ57
Aus der engeren Heimat.
Dad-Nauheims neuer Bürgermeister eingeführt.
Bad-Nauheim, 4. Nov. (Lpd.) 21m Mittwoch wurde Assessor Hahn, der den Bürgerrnei- sterposten in Bad-Nauheim seit zehn Monaten körn- missarisch verwaltete, in sein Amt als Bürger- m e i st e r der Badestadt durch Kreisleiter Backhaus eingeführt. Kreisdirektor Dr. Braun (Friedberg) nahm die Vereidigung vor. In seiner Ansprache ging Bürgermeister Hahn auf die wirtschaftlichen Verhältnisfe Bad-Nauheims ein und gelobte, eine von tiefem Verantwortungsbewußtsein getragene Arbeit im Dienste der Stadt zu tun.
Vom Schicksal hart getrosten.
Friedberg, 4.Nov. (Lpd.) Fast am gleichen Tage ist in Friedberg das Ehepaar Wilh. Becker gestorben. Der Ehemann, der an einem Gehirn- leiden litt, ging seiner Frau im Tode voraus. (Eine bald darauf eintreffende Nachricht, daß zwei Söhne des Ehepaares bei einem Motorradunfall in Württemberg verletzt worden feien, versetzte die Frau des Verstorbenen in solche Aufregung, daß sie einem Herzschlag erlag.
den oberen Teil in Flensungen stattfinden soll. Als Festtag wurde für Flensungen der 22. Mai, für Nordeck der 29. Mai ins Auge gefaßt
Kreisschatzmeister Weber (Kesselbach) trug die Rechnung vor Diese war bereits durch Schom- b e r (Kesselbach) und H ö ch st (Londorf) geprüft worden. Auf Vorschlag der Rechnungsprüfer wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Die Kasse wies einen Ueberschuß aus.
lieber das Deutsche Bundessängerfest berichtete der Kreisgeschäftsführer Becker (Grünberg). Seine Ausführungen fanden Beifall
lieber das nächstjährige Gausängerfest in Gießen berichtete Provinzführer Wendler (Bad-Nauheim). Träger dieser Veranstaltung ist der Sängerkreis Gießen. Das Fest wird auf vier Tage ausgedehnt.
Nach etwa vierstündigen Verhandlungen konnte der Kreisführer Dönges (Merlau) die Versammlung schließen, indem er alle ermahnte, dem deutschen Lied und damit dem deutschen Volke in Treue
weiter zu dienen. Dann wurde die Tagung in üblicher Weise geschlossen.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linden, 4. November. Durch die Evangelische Frauenhilfe wurde in der Kinderschule ein Bibellehrgang abgehalten. Frau Ohly (Alsbach a. b. Bergstraße) vom Hessischen Hauptoerband der Evangelischen Frauenhilfe leitete die Abende.
I Großen-Linden, 4. Nov. Die Aus- s a a t ist beendet. Nun müßte ein kräftiger Regen kommen, damit die Bauern weiter pflügen könnten. Durch das trockene Wetter haben sich die Feldmäuse sehr vermehrt. — Die hiesige gepflasterte Durchgangs st raße ist so glatt, daß sie mit Pferden schwer befahrbar ist. Gestern sind wieder zwei Pferde gestürzt, wobei jedesmal die Deichsel zerbrach.
# Daubringen, 4. Nov. Die hiesige Krie - gerkamerabschaft konnte ihr Preisschießen beenden. Die ersten fünf Sieger waren Wilhelm Bierau, 35 Ringe, Johann Reif, 35 R., Karl Frey, 34 R., Karl Weimer, 34 R. und Lubwig Reif, 34 Ringe. Den Ehrenpreis erhielt L Mohr II. Die Ehrenscheiben schossen Heinrich
Das Rathaus in Großen-Buseck.
Sängenag
des Sänger>re»>es Oym-Lumoatal.
§ Grünberg, 3. Nov. Arn Sonntagmittag trafen sich die Vertreter des S ä n g e r k r e i f e s Oym-Lumdatal zum ordentlichen Sängertag hier im Saale der Gastwirtschaft Mohr. Einleitend trug der Gesangverein „Sängerkranz" unter Leitung (eines Ehorleiters Nicolai (Großen-Buseck) verschiedene Ehore vor, die allgemeinen Beifall fanden. Sodann begrüßte der Sangerkreisführer Dönges die Vertreter der Vereine. Besonderen Gruß entbot er dem Provinzführer Wendler (Bad- Nauheim).
Dem Tätigkeitsbericht des Kreisgeschäftsführers Becker war folgendes zu entnehmen: Der Sän- gerkreis zahlte zu Beginn 1936 35 Vereine mit 1104 aktiven und 585 passiven Mitgliedern. Drei Vereine (Frohsinn Bernsseld, Gemischter Chor Büßseld, Harmonie Nieder-Ofleiben) mußten wegen ungenügender Sangepzahl ihre Sangestätigkelt einsiel- len. Zwei Vereine (Sangerkranz Grunberg und Eintracht Lumda) sind dem Kreis neu zugeteilt. Somit zählte der Kreis zu Beginn des Jahres 1937 34 Vereine mit 1058 aktiven und 551 unterstützenden Mitgliedern. An den diesjährigen Wertungs- !Ingen nahmen sämtliche Vereine teil. 15 Vereine angen in Geilshausen. Die restlichen 19 Vereine angen in Nieder-Ohmen. Am Deutschen Sänger» bundessest nahmen 16 Mitglieder von Kreisvereinen teil.
Für 19 3 8 sind wiederum zwei Wertungssingen vorgesehen. Mit Rücksicht auf die Größe des Sängerkreises hat sich als zweckmäßig erwiesen daß bei den Kreisoeranstaltungen der Kreis geteilt wird. Damit werden den einzelnen Kreisver- einen wesentliche Fahrtkosten erspart. Teutonia Nordeck will sein 75sahriges Bestehen feiern, und erbat deshalb die Uebertragung des Festes 1938. Männergesangverein Allendors blickt auf eine 60- jährige Sängertätigkeit zurück, und will diesen Anlaß festlich begehen. Sängerkranz Beltershain hat vor einigen Jahren eine Fahne angeschafft und will die eigentliche Weihe jetzt noch vornehmen. Lieber- kranz Flensungen beabsichtigt, eine Fahne anzu- schasfen, und erklärte sich zur Uebernahme eines Festes ebenfalls bereit.
In der Aussprache ergab sich, daß Allendors zugunsten Nordecks verzichtete und verschiedene Sprecher für Flensungen sich entschieden. Daraufhin entschied der Kreisführer, baß das Fest und Wertungssingen für den unteren Teil in Nordeck und für
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wg. Großen-Buseck, 5. Nov. Durch Entfernung des alten Bewurfs und durch Erneuerungsarbeiten ist das hiesige Rathaus in feiner ursprünglichen Form und Bauweise als Fach- werkbau wieder hergestellt worden. Nur der Seitenbau, der massiv ist, konnte dieser (Erneuerung nicht unterworfen werben. Die Balken sinb in dunklem Braun gehalten, während die Fachwerke in ihrem elfenbeinfarbigen Verputz, der blau- grau abgefetzt ist, sich wirkungsvoll abheben.
Unser Rathaus, bas nun wieder ein Schmuckstück für unser Dorf geworden ist, zeugt von der bauhandwerklichen Kunst unserer Vorfahren, die ihren ganzen Stolz darein setzten, ihre Gebäude so groß un^ so schön zu bauen, als es ihnen nur möglich war. Auch bei den hiesigen Handwerkern, bie mit den Erneuerungsarbeiten beschäftigt waren, konnte man bemerken, mit welchem Eifer und Arbeitswillen sie sich ihrer Aufgabe widmeten, um die Baukunst im Geist ihrer längst Heimgegangenen Berufskameraden wieder erstehen zu lassen.
Der Zeitpunkt der (Erbauung des Hauses kann nicht mehr einwandfrei nachgewiesen werden. Es hat aber eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Bestimmt hat es früher, als Großen-Buseck der Hauptort des Gerichtsbezirk „Bufecker Tal" war, als Gerichtsgebäude gedient. Als das Gericht am 1. April 1827 aufgehoben und nach Gießen verlegt wurde, diente das „Thalifche Rathaus", wie es damals hieß, als Wohnung des zweiten Pfarrers von Großen-Buseck. Als im Jahre 1834 die hiesige Volksschule zweiklassig wurde, sah sich die Gemeinde Großen-Buseck genötigt, dieses „Thalifche Rathaus" käuflich zu erwerben, und sie richtete einen neuen Schulsaal und eine Lehrerwohnung darin ein. Die Kosten beliefen sich auf 1449 Gulden und 48 Kreuzer, wovon im Jahre 1835 = 439 Gulden 59 Kreuzer, und 1836 = 1009 Gulden 49 Kreuzer zu zahlen waren. Im Jahre 1845, als bie dritte Schulklasse errichtet wurde und wiederum
entsprechende Räume geschaffen werden mußten, erhielt das Gebäude einen seitlichen Anbau an der Südseite des Hauses, wo sich bis dahin ein Gärtchen befand. Der ßängsbau ist der älteste Teil, in dem nun zwei Schulsäle eingerichtet und die Lehrerwohnung in den neuen Seitenbau verlegt wurde. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 5020 Gulden.
Die Einrichtung und Benutzung des Rathauses blieb nun unverändert bis zur Einweihung des neuen Schulhauses in der Wilhelmstraße im Jahre 1922. Im Rathaus wurden nun mit Einschluß der vorhandenen Lehrerwohnung vier Wohnungen eingerichtet, die infolge der großen Wohnungsnot sofort vermietet wurden. Nach und nach wurde aber das schon jahrhundertealte Haus wieder geräumt, und nach einem abermaligen Umbau im Jahre 1934, genau 100 Jahre- später als es in den Besitz der Gemeinde gelangte, der jetzigen gemeindlichen Benutzung übergeben. So enthält das Rathaus im Innern heben der Bürgermeisterei noch Räume für den Gemeinderechner und für verschiedene Gliederungen der Bewegung Mit dem im Jahre 1935 gärtnerisch neu- und schön angelegten Anger, an dem es steht, bildet es eine Zierde Großen-Busecks.
Unser Bild zeigt das neuhergerichtete Haus mit seinem schönen Fachwerk. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Bierau und ß.; Euler. — Die Eheleute Heinrich Schäfer und Frau Elifabethe, geb. Wagner, feierten gestern das Fest der Silberhochzeit.
£ Odenhausen (Lumda), 5. Nov. Unser langjähriger Ortsdiener Peter Peter wird morgen 7 9 Jahre alt. Semen Dienst versieht der alte, sehr rüstige Herr noch zur vollsten Zufriedenheit Leider hat er am vergangenen Montag einen Unfall erlitten. Er rutichte aus und brach dabei den linken Arm. Hoffen wir, daß er bald genesen ist Seit fast drei Jahrzehnten überbringt er seinen Mitbürgern sein ihm liebgewordenes Heimatblatt, den Gießener Anzeiger. Herzlichen Glückwunsch.
I Garbenteich, 4 Nov Am Montagabend wurde in einer Sitzung der Ratsherren unter Vorsitz von Bürgermeister Burk die Gründung einer F r e i w i 11 i g en Feuerwehr beschlossen Zu diesem Zweck versammelten sich schon Mittwoch abend alle Mitglieder der Pflichtfeuerwehr auf dem Rathaus Bürgermeister Burk sprach über die Wichtigkeit des Feuerlöschwesens und die Notwendigkeit, eine Wehr zu schaffen, die auf der Grundlage der Freiwilligkeit stets zu vollem Einsatz bereit ist. Durch (Eintragung von 34 anwesenden Pflichtfeuerwehrleuten in die Gründungsliste wurde die Gründung einer freiwilligen Wehr sofort vollzogen. Der Bürgermeister dankte für das sofort entgegengebrachte Verständnis und gab der Hoffnung Ausdruck, daß noch viele Volksgenoffen den Weg zu dem Neugeschaffenen finden mögen und der Aufbau und Organisation sofort in geeignete Hände kommt. — Die hiesige NS. -Frauenschaft eröffnete dieser Tage einen Mütterschulungskursus. Unter der bewährten Leitung von Frau Günter (Gießen) nehmen gegenwärtig 22 Mitglieder der NS.-Frauenschast daran teil. — Der diesjährige erste Kursus im zivilen Luftschutz, der am 25. Oktober begonnen hat, nähert sich seinem Ende. Zahlreiche männliche Volksgenossen von 45 Jahren aufwärts als Teilnehmer zeigten sich als Interessenten für alles bereit und aufnahmefähig, was ihnen die Vorträge brachten.
Kreis Alsfeld.
* A l s f e l d , 5. Nov. Der bei der Reichsautobahn beschäftigte Arbeiter Karl N o l 1 i n g e r aus Offenbach erlitt bei feiner Arbeit am Kippwagen einen Unfall. Mit erheblichen Verletzungen an den Oberschenkeln und an den Händen mußte er in die Klinik nach Gießen gebracht werden.
ch Bleidenrod, 4. Nov. Der Gesangverein „Lieder kranz" hielt dieser Tage eine außerordentliche Generalversammlung ab. Als einziger Punkt stand die Dirigentenfrage auf der Tagesordnung. Der seitherige Dirigent, Lehrer S t r e ck f u ß (Burg-Gemünden), der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, schlug zu seinem Nachfolger den vor kurzem nach hier versetzten Lehrer Dietz vor und fand damit die einstimmige Zustimmung der Sangesbrüder. Vereinsführer Buch dankte dem scheidenden seitherigen Dirigenten für feine über ein Jahrzehnt dem Gesangverein in selbstloser Weise geleisteten Dienste und ernannte ihn zum Ehrendirigenten. Lehrer S t r e ck f u ß übergab dem neuen Dirigenten den Chormeisterstab mit der Bitte, das Werk, das er so lange Jahre geleitet, weiterzuführen zum Wohle des deutschen Männergesangs. — Zum Befehlshaber der hiesigen Pflichtfeuerwehr wurde Theodor Keller von hier ernannt.
ch Wäldershausen (bei Homberg), 4. Nov. Gestern wurde in den Freiherrlich von Schenkschen Waldungen die Holzhauerei wieder ausgenommen, nachdem man die Arbeiter den Sommer über in umfangreichem Waldwegebau beschäftigt hatte.
Kreis Bübingen.
* Bingenheim, 5. Nov. Vor einigen Tagen hatte sich der hiesige Steinarbeiter Hermann Günther eine Kopfverletzung zugezogen. Da sich Komplikationen einstellten, mußte der Verletzte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Mit einer Blutvergiftung liegt er schwer darnieder.
Lichtspielhaus: „Oie Landstreicher/'
Aus einer Operette von Ziehrer wurde ein munterer Verwechslungsschwank, in dem die Musik nicht mehr die Hauptrolle spielt, aber eine hübsche Begleitung abgibt für eine Anzahl mit Geschick und Sorgfalt ausgeklügelter Situationen von grotesker Komik. Zwei Landstreicher, die in besseren Tagen bei einem Wanderzirkus waren, haben aus dem Zusammenbruch dieses Unternehmens nichts gerettet als den Wunderhund Napoleon: aber sie machen es mit der Frechheit, und das Glück ist ihnen hold und bringt sie wunderbarerweise statt ins Kittchen auf die Hohe des Ruhms. Der Regisseur Carl L a m a c hat das Abenteuer mit Witz und Laune in Szene gesetzt. Paul Hörbiger und Rudolf Carl sind zwei Landstreicher mit Mutterwitz und goldenem Gemüt, Walter G r ü t e r s ist ein scharmanter junger Liebhaber; Lucie Englisch und Rudolf Platte bereichern den Schwank mit komischen Pointen von ausgesprochener (Eigenart. — Ein lehrreicher Kulturfilm und die neue Fox- Wochenschau ergänzen das unterhaltsame Programm. Hans Thyriot.
Hochschulnachrichten
Der Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den ordentlichen Professor der technischen Physik, thüringischen Staatsrat und Reichskultursenator Dr. Abraham E s a u zum Rektor der Universität Jena ernannt. Der bisherige Rektor, Professor Dr. h. c. Meyer- Erlach, amtierte seit 1. April 1935
Dem Abteilungsvorsteher Dr.-Jng. Walter Z i m° mermann in Hohenheim ist unter (Ernennung zum ordentlichen Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim der Lehrstuhl für landwirtschaftliche Technologie übertragen worden.
Nicharb-Wagner-Abend.
I. Konzert des Städtischen Orchesters und des Gießener Konzertvereins.
Das Werden des Musikdramas mußte Richard Wagner von den m der Oper üblichen Wegen wegsühren hin zu der Prägung einer neuen Ausdrucksweise unter Einbeziehung erweiterter und differenzierter Ausdrucksmittel. Die traditionelle musikalische Form der Oper entbehrte der inneren Einheitlichkeit und Bezogenheit der einzelnen-klanglichen Episoden. Diese gewünschte innere Organik aber schwebte Wagner in der Symphonie vor, und so weitet er das Wesen des Symphonischen hin zum Dramatischen. „Die neue Form der dramatischen Musik muß die Einheit des Symphoniesatzes aufweisen, um wiederum ein Kunstwerk zu bilden. Diese Einheit gibt sich dann m einem das ganze Kunstwerk durchziehenden Gewebe von Grundthemen, welche sich ähnlich wie im Symphoniesatze gegenüberstehen, ergänzen, neu gestalten, trennen und verbinden." (Richard Wagner: „lieber bie Anwendung der Musik auf das Drama".)
Waren bisher die Themen der Symphonien mehr oder weniger auf einem musikalischen Urgrunde erwachsen, so entstehen sie bei Richard Wagner aus der Durchdringung des Dramatischen durch das Gefühl, und in gleichsam seherischer Schau durchleuchtet er das bisher verstandesmäßig aufzunehmende Wortgepräge mit der Kraft des (Emotionalen. Diese musikalischen Symbole bezieht er in gleicher Weift aufeinander, wie die Sprache bie Begriffe logisch bindet. Und so wird seine Musik zu einer Ton- sprache im strengsten Sinne. Was sich auf der Szene und in der Gedankenwelt ber hanbelnben Personen vollzieht, bildet sich gleichzeitig im musikalischen Vorgang ab. dessen klanglicher Träger das Orchester ist So läßt Wagners Musik auch bei ber Aufführung im Konzertsaal bas innere Geschehen mit plastischer Deutlichkeit an uns vorüberziehen, gestützt auf bas allgemeine Bekanntfein ber Hanb- lung. ,
Mit bem „Fliegenben Holländer" begann sich Richard Wagner loszulöfen von der Bindung an die bisherige Oper. So spricht die Ouvertüre als eine symphonische Dichtung zu uns, die das Erleben ber gigantischen Naturgewalt des Meeres mit bem Walten bes Schicksals verknüpft, ausklingenb in ber (Erlöfungsibee bes Schluffes, ben Wagner nach Abschluß ber Tristanpartitur in ber heutigen Form festlegte.
Als ein Zeugnis persönlichen Erlebens laßt Wagner in dem „Siegfriedidyll" die Freude über die
Geburt feines Sohnes'Siegfried klangliche Gestalt gewinnen.
Inmitten ber bramatisch bewegten Szenen seiner Bühnenwerke findet Richard Wagner Ruhepunkte musikalischen Verweilens, bie als Seelengemälde tiefster Eindringungskraft gelten können, so der Abschiedsschmerz Wotans, so der besinnliche Fliedermonolog Hans Sachsens in den „Meistersingern".
Wie eine Vision mutet das Vorspiel zum 1. Akt des „Lohengrin" an: das Hernieberschweben bes heiligen Grals auf bie (Erbe. „In unendlich zarten Linien zeichnet sich mit allmählich" wachsender Bestimmtheit die wunderspendende Engelsschar ab, bie, in ihrer Mitte bas heilige Gefäß geleitend, aus lichten Hohen unmerklich sich herabsenkt." (R. Wagner.)
Das Vorspiel zum 3. Akt ber „Meistersinger" läßt uns burch bie Musik bas erleben, was bas Bühnengeschehen nicht voll ausschwingen läßt, Hans Sachsens Herzenskampf: ein Verzicht auf ein eigenes Liebesglück, „Ruhe bes Gemüts in ber Entsagung", ein Durchringen „ber Erschütterung einer tiefergriffenen Seele zur Heiterkeit einer milben unb seligen Resignation".
Diesen Aufgaben zeigte sich bas Gießener Stäbtische Orchester mit seinem jetzt erheblich erweiterten Körper, voll gewachsen, sowohl in klanglicher wie auch in technischer Hinsicht. Welcher bynamischen Aufwallung bie Streicher fähig find, ließ schon bie Ouvertüre zum „Fliegenben Hollänber" ersehen; in ihrer hohen Qualität erwiesen sie sich im Sieg» srieb-Jbyll mit berounberungsroürbiger Ausgeglichenheit unb gesättigter Farbe. Die schwebenben Geigen- Akkorbe bes „Lohengrin"-Vorspiels, bie Sauberkeit und Durchsichtigkeit ber Figuration im Feuerzauber unb die tiefe Gefühlsgebundenheit im Vorspiel zum 3. Akt der „Meistersinger" wurden zu jedesmal erneuter Bestätigung. Die Blechgruppe gab sich mit machtvoll eherner Pracht; schicksalsgebunden in ber Welt bes Nibelungenringes. (Stellenweise wäre eine leichte Zurückhaltung ben räumlichen akustischen Bedingungen günstiger gewesen.) Was bas Orchester an seinen Hornisten besitzt, trat überzeugenb 'in bem Solo bes Siegfrieb-Jbylls hervor. Zwischen biesen beiben Gruppen stauben bie Holzbläser in farbiger Weichheit, Nachgiebigkeit unb Austönung.
Das Ganze führte Kapellmeister Paul Walter mit tiefem (Einbringen in bie geistige weihegebunbene Welt Wagners; mit Naturfrische unb Unmittelbarkeit beutete er Wagners motivische Symbolkraft in feinster bynamischer Durchbildung unb Abstufung bes thematischen Gefüges mit klanglicher Beherrschung und Ausgleich.
Jean Stern, der genugsam bekannte Bariton vom Frankfurter Opernhaus, gestaltete auch hier,
ohne ben szenischen Rahmen, mit Einbringlichkeit unb Kraft bes Ausbrucks als Ausfluß einer langen Bühneubewährung. Sein tlanggerunbetes Organ erscheint in seinem Gesamtumfang voll ausgeglichen und überaus charakterisierungsfähig. Wagners Wort-Ton-gezeugte melodische Führung durchleuchtete er zu individueller Geltung, dabei stets aus dem Sinne der gegebenen Bühnensituation nach- schaffend, voll Nachdenklichkeit im Fliedermonolog, voll herzlicher Wärme im Abschied der „Walküre" unb zwingenber Kraft bes Mahners in ber Schlußansprache des Hans Sachs in den „Meistersingern".
Das vollbesetzte Haus zollte bem würbigen Wirken und Wollen aller lebhafte Anerkennung.
Dr. Hermann Hering.
Vögel als Wächter.
Daß der Vogel bem Hunbe feinen Ruf als treuester Wächter in manchen Fällen streitig machen kann, ist eine kaum bekannte merhnürbige Tatsache. So zum Beispiel ber Trompeterkranich in Venezuela, ein langbeiniger, kräftiger Vogel, ber von ben (Eingeborenen als Schafhirt verwenbet wirb. Den ganzen Tag über geht er in merkwürdiger unb aufmerksamer Haltung mitten unter ben roeibenben Schafen, unb abenbs sorgt er bafür, baß sie alle in ben Stall zurückkehren. Eine anbere Kranichart, die sich in Mittelamerika findet, wird dort in fast allen Gärten gehalten, benn bieser Kranich ist die Wachsamkeit und Aufmerksamkeit selbst. Betritt ein Fremder bas Grunbstück, so läuft ber Vogel eilig hinter ihm her, belästigt ihn nicht, aber läßt ihn nicht aus ben Augen unb stoßt zugleich einen lauten anhaltenben Ruf aus. Nichts kann ihn bazu bewegen, zu schweigen, bis fein Herr ober eines ber Familienmitglieber erscheint. Dieser Vogel läßt also meber bei Tag noch bei Nacht irgenbeine unbekannte Person unbemerkt einbringen. Eine dritte Kranichart, der in Brasilien heimische Ca- riama, hält ben Garten ober bas Felb. auf bem man ihm Gastfreunbschaft gewährt, von Schlangen frei. Er ist außerordentlich kriegerischer Natur und nimmt selbst mit einer großen Klapperschlange sofort ben Kampf auf. Währenb er ben einen Flügel als eine Art Schilb vor ben Körper hält, packt er bie Schlange mit seinen fporenberoaffneten Füßen unb hält sie fest umklammert, baß sie sich nicht befreien kann.
Zeitschriften.
— Das Novemberheft ber Zeitschrift „Neues Volk", Blätter bes Rafsenpolitischen Amtes ber NSDAP-, bringt in glücklich gewählter Zusammenstellung unterhaltenben unb belehrenben Stoff aus bem großen Gebiet ber Erb- unb Rasfenkunbe. Die Zeitschrift zeigt in anschaulicher Weift, wie alles Geschehen im Leben bes beutschen Volkes irgenbroie von Rasse- unb Erbgesetzen beeinflußt wirb. Wir sehen etwa bie Stammtafel eines Verbrechers, besten Nachkommenschaft fast ausnahmslos kriminell geworben ist. Diese Stammtafel gibt ben Nachweis, wieviel Unheil hätte verhütet werben können, wenn dieser Mann rechtzeitig unfruchtbar gemacht worden märe. Ein fesselnder, anschaulich illustrierter Bericht führt in bie Arbeit bes Preußischen Hauptgestütes in Grabitz. Der Bilbbericht „Arbeiter ober Arbeitskuli" vergleicht außerorbentlich einbrucksvvll bas Los ber elenben, von bolschewistischen Antreibern gehetzten Kulis mit bem bes freien, für sein Volk schassenden beutschen Arbeiters.


