Ausgabe 
5.11.1937
 
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im bolschewistischen Sinne, also die Vernichtung jeder Ordnung und Zucht, war von Anfang an das Ziel der bolschewistischen Herrscher über das Volk und war treibende Kraft der Außenpolitik der Sow­jetunion, die fick mit allen destruktiven Gewalten au diesem Zwecre verband. So versuchte der Bol­schewismus das chinesische Riesenreich mit Erfolg in Blut und Grauen zu stürzen. Ein Borstoß gegen die Polen im Jahre 1920 wurde durch die Tatkraft des polnischen Marschalls Pilsudski blutig zurück- gefchlagen. In Deutschland und Italien hatte der Bolschewismus, der in der Komintern eine dritte Internationale bildete, anfänglich Erfolg, bis Adolf Hitler und Mussolini fünf Minuten vor zwölf ihre Völker vom bolschewistischen Abgrund zurück­rissen und den Bolschewismus ausrotteten. Das Werden einer neuen Ordnung in Deutschland und Italien, in Polen und Ungarn, die tatkräftige Be­kämpfung des Kommunismus durch die Japaner sind ebenso viele verlorene Schlachten dieser jede Ordnung verneinenden Gewalt.

Aber die roten Zaren im Kreml spekulierten auf die alte Zerrissenheit Europas und auf das Be­harrungsvermögen der alten parlamentarisch regie­ren europäischen Mächte. Seit dem Pakt zwischen Paris und Moskau vom 2. Mai 1935 hat Frank­reich den Unsegen der Dolksfrontregierung genug­sam kennengelernt und ist durch zwei Währungs­abwertungen gegangen, die gewissermaßen die Dor- rucht des Bolschewismus sind. England stellte ich aus Nachwirkungen der Kriegspsychose feindlich >en neuen autoritären Gewalten in Europa gegen­über und trieb eine eigennützige und kaum verhüllte bolschewistischenfreundliche Politik, die die westlichen Demokratien Frankreich und England auch kurzsich­tig die Bestrebungen der Bolschewisten in Spanien unterstützen ließ, bis die nationale Bewegung in Spanien die Versuche, an der Südwestecke Europas eine Filiale des roten Moskau zu errichten, zer­schlug.

Im riesenhaften Blutmeer des Bolschewismus erttank in Rußland auch jeder Versuch, das Riesen­reich zu modernisieren. Der Bolschewismus schwankte von einem marxistischen Experiment zum andern. Nach der Enteignung alles Grundbesitzes kam eine Epoche des Nepp, die der modernen Wirtschafts­politik Konzessionen machte, um unter Stalin dann wieder der strengsten Diktatur in Wirtschaftsfragen zu weichen. Der russische Muschik verlor sein letztes Stückchen Land und sein letztes Stück Vieh. Er wurde willenloser Sklave der staatlichen Einrich­tungen der kollektivierten Landwirtschaft, die aber trotz aller bolschewistischen Anstrengungen nicht ge­nügend erzeugte, um den Massen auch nur eine not­dürftige Existenzmöglichkeit zu geben. In der ehe­maligen Kornkammer Rußland sind Millionen und aber Millionen infolge der fehlgeschlagenen Wirt­schaftsexperimente verhungert und der Rest des Volkes lebt auf einer kaum denkbaren Elendsstufe. Die sogenannte Industrialisierung Rußlands durch die Fünfjahrespläne hat mit einem offenkundigen Mißerfolg geendet.

Es bleibt die Frage, wie eine solche Gewaltherr­schaft, die ein riesiges Nationalvermögen vernichtete und mindestens 3,5 Millionen von Menschen erbar­mungslos hinschlachtete, 20 Jahre bestehen konnte. Der grauenvolle Terror, die Allmacht der Tscheka und der Roten Armee sowie der rücksichts­los durchgeführte Klassenkampf ist Erklärung genug. Er hat Stadt und Land gegeneinander gehetzt, kleine Bauern gegen die großen Besitzer, Landlose gegen Kleinbauern, hungernde Proletarier gegen das Landvolk getrieben, überhaupt den Kampf aller gegen alle zum Lebensgesetz gemacht. Nur durch ein solches System konnte sich die Dikta­tur einer marxistisch-jüdischen Minderheit erhalten, zumal die Absperrung gegen die übrige Welt zur Vollkommenheit gebracht wurde. Die Vertreibung der letzten Ausländer aus demArbeitervaradies erfolgte gerade deshalb, um das Ausland in Un­kenntnis über die wirklichen Zustände in der Sow­jetunion zu halten. Ein kurzer Rückblick nur über eine lange Leidenszeit von 20 Jahren. Welche furchtbare Geißel wird über dem alten Rußland geschwungen! Wann wird die Welt endlich dem Rufe Adolf Hitlers folgen und einen festen Wall bilden, der dazu bestimmt ist, die Menschheitskultur vor der roten Barbarei zu bewahren! D. S.

Madnd knallrott

Wenn die englische Politik gerade wieder einmal zur Zeit geht sie Franco um den Bart auf ihre rotspanische Liebe zurückkommt, so erklärt sie feier­lich, daß derMinisterpräsident" Negrin der Va­lencia-Regierung ein zarter Philantrop und fein Kriegsminister Brieto ein vernünftiger Sozialdemo­krat ist. Wir lesen nun in derTime s":Ma­drid ist schon heute beflaggt und wird in diesem Schmuck zu Ehren des 2 0. Jahrestages der russischen Revolution eine Woche bleiben. Sowjetrußland wird durch Vorführung sowjet- russischer Theaterstücke und Filme gehuldigt, eine Ausstellung von Büchern, Graphiken und Illustra­tionen soll den Fortschritt Rußlands in Wirtschaft und Verwaltung seit 1917 darstellen; ebenso Kon­zerte und Vorlesungen Die Gran Via (Hauptstraße) wird inAllee der Sowjet-Union" umgetauft." Die Times" fügt hinzu:Flaggen und Musik, während Tod und Verzweiflung ihre täglichen Opfer fordern, das ist das tapfere Bild Madrids nach außen... Den Jahrestag seines eigenen Leidens und sei­ner eigenen Verteidigung feiert Madrid m i t Schweigen."

Der nationale Heeresbericht.

Salamanca: 5. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht vom Donnerstag lau­tet: Madrid: Am Donnerstagfrüh versuchte der Gegner im Abschnitt Araoaca einen Hand­streich auf unsere Stellungen durchzuführen. Er verlor dabei elf Tote; ein Leutnant mit sieben Milizen wurde gefangen genommen, zwei Unterofiziere und acht Milizen liefen zu uns über. Aragon: Jrn Abschnitt Sabinanigo wurde eine Höhe im Süden von Allue von uns besetzt. Jrn Sektor Villamayor stellten die bei Magallon stehenden Truppeneinheiten die Verbindung mit denen bei Monte Macerado her und besetzten den Berg Macerado und eine Höhe.

Die britischen Handelsagenten für das nationale Spanien.

London, 4. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Chamberlain erklärte im Unterhaus, die britische Regierung habe nicht die Absicht, ihre bisherige Haltung gegenüber den beiden Parteien in Spa­nien zu ändern. Sie müsse aber den Schutz der britischen Staatsangehörigen und der britischen Handelsinteressen in ganz Spanien in Rechnung stellen, einschließlich der weiten Gebiete in Nordwest, und Südwest-Spanien, sowie in Spa­nisch-Marokko, die sich in Händen Francos.

Oie Londoner wird den spanischen

London, 4. Nov. (DNB.) In der Donnerstags­sitzung des Dollausschusses des Nichteinmischungs­ausschusses wurden von dem Vorsitzenden, Lord Plymouth, die beiden Entschließungen vorgelegt, der Entwurf zum englischen Plan, der die Freiwilligenfrage, die Wiedererichtung der Kon­trolle und die Gewährung der Kriegführenden- Rechte behandelt, sowie die Empfehlung, daß die britische Regierung sofort den beiden Parteien den Entschließungsentwurf zur Stellungnahme unter­breiten soll, während inzwischen, vorbehaltlich der Stellungnahme der Sowjetregierung, in der Frage der Kriegführenden-Rechte die technische Durchfüh­rung des britischen Planes weiter geklärt werden soll.

Der italienische Botschafter Graf Grandi wies nachdrücklich auf die Schwierigkeiten hin, die durch das Verhalten Sowjetrußlands gegeben feien. Er erklärte, daß eine weitergehende Durch­führung des englischen Planes, wie das in der Entschließung angegeben sei, nicht in Frage komme, wenn nicht Sowjetrußland seine Haltung ändere oder wenn nicht eine an­dere Lösung, die der durch die sowjetrussische Haltung geschaffenen Lage Rechnung trage, gefunden werde.

Der deutsche Vertreter, Gesandter Dr. Woe r- m a n n erklärte, daß Deutschland den plan annehrne, obwohl es nach deutscher Ansicht besser gewesen wäre, wenn die durch das foro- jetrussifche Verhalten geschaffene Lage vor­her geklärt worden wäre. Er teile hierin die Auffassung des italienischen Botschafters. Deutschland könne den Folgerungen, die man aus der sowjetrussischen Stimmenthaltung ziehe, nicht zustimmen. Diese Frage müsse somit noch einmal geprüft werden, insbesondere in­sofern hierdurch die Verfahrensfrage berührt werde. Die heute eingenommene Haltung dürfe jedenfalls nicht als Präzedenzfall ange­sehen werden. Denn der Sowjetbotschafter sich in der Frage der Kriegführenden-Rechte nicht den anderen Dächten anschliehe. müsse eine andere Lösung gefunden werden, um das Gleichgewicht zwischen pflichten und Rechten zu wahren und um die Benachteiligung Francos auszugleichen.

Ferner müßten vier weitere Fragen ge­klärt werden.

Entschließung Parteien zugeleitet.

1. Sei es zweckmäßig, daß eine Partei an den Erörterungen einer Frage teiInehme, an deren Lösung sie nicht mitarbeiten wolle?

2. Was bedeute es praktisch, daß die Sowjet­regierung die Verantwortung für die Nicht­einmischung als Ganzes a b l e h n e ? Selbst wenn diese Haltung keine juristische Bedeutung habe, so habe sie doch eine politische.

3. Welche Folgerungen ergeben sich daraus, daß Sowjetrußland seinen Anteil an den Kosten des Nichteinmischungsplanes nicht mehr bezahle.

4. Die Haltung Sowjetrußlands in der Frage der Kontrolle fei völlig offen und widerspruchsvoll. Es müsse daher eine Klarstellung der Haltung Sowjet­rußlands gegenüber der Kontrollfrage erfolgen. Deutschland könne jedenfalls weiteren Aktionen auf der Grundlage des brittfchen Planes nur zustim­men, nachdem d i e Lage völlig geklärt worden sei.

Der französische Botschafter sprach sich für die beiden Entschließungsentwürfe aus, hob je­doch hervor, daß Frankreich einer Aufrechterhaltung der Kontrolle nachdem sie wiederhergestellt sei nur zustimmen würde, wenn eine völlige Lösung der Freiwilligenfrage erfolge. Die Vertreter Oesterreichs, Ungarns und Albaniens stellten nachdrücklich fest, daß sie der Haltung Deutschlands und Italiens voll und ganz z u - stimmten. Der Sowjetbotschafter Maisky wie­derholte den bekannten sowjetrussischen Standpunkt, ohne sachlich etwas Neues hinzuzufügen. Endlich stimmte der portugiesische Vertreter mit Aus- führungen, die sich in großen Zügen mit denen des deutschen und italienischen Vertreters deckten, den Entschließungen zu. Dann wurde der Entschlie­ßungsentwurf zum britischen Plan von sämtlichen Mächten angenommen, wobei der Sowjet­vertreter den bekannten Vorbehalt wegen der Ge­währung der Kriegführenden-Rechte machte. Die zweite Empfehlung wurde hingegen einstimmig an­genommen. Der Vorsitzende ist also ermächtigt wor­den, an die beiden spanischen Par­teien heranzutreten. Er wird das voraussichtlich durch Vermittlung der brittfchen Regierung tun. Inzwischen wird der Vorsitzende für die Fortsetzung der technischen Vorarbeiten zur Durchführung des britischen Planes sorgen. Eine neue Sitzung der Ausschüsse ist vorerst noch nicht wieder in Aussicht genommen worden.

befinden. Dementsprechend fei die britische Regie­rung über die Ernennung von Agenten bei General Franco zur Beratung der britischen und spanischen Handelsinteressen in Verhandlungen eingetreten. Die französische Regierung sei auf dem laufenden gehalten worden. Auf die Frage des Oppositionssprechers Attlee, ob das nicht eine de facto-2Inertennung der Franco-Regie­rung bedeute, antwortete Chamberlain:Nein! Wie mir gesagt wurde, ist das nicht der Fall.."

Die Schweiz wahrt ihre Neutralität im Span eu-Konflikt.

Basel, 4. Nov. (DNB.) Die von der schweize­rischen Bundesanwaltschaft in Basel, Zürich und der Ostschweiz bei einer Reihe von Kommunisten vorgenommenen Haussuchungen führten zu umfangreichen Beschlagnahmen. Die Unter­suchung wurde auch auf die Redakttonsräume der kommunistischenFreiheit" in Basel ausgedehnt. Nationalrat Bodenmann, der Baseler Großrat Meili, der Züricher Parteisekretär Schwarz, sowie mehrere weitere Kommunisten wurden v e r h a f - t e t. Don derFreiheit" wurden eine Reihe von Belegschaftsmitgliedern ins Gefängnis abgeführt. Die 'Bundesanwaltschaft hat grobe Verstöße gegen die Neutralitätsoerordnung zum Spanienkonflikt festgestellt, die Kommunisten unterhielten eine Or­ganisation zur Anwerbung von Freiwilligen für das bolschewistische Spanien.

Keine Vorlesungen

an Lemberger Hochschulen.

Warschau, 5. Nov. (DNB. Funkspruch.) Er­neute Zusammenstöße an der Technischen Hochschule und an der Universität in Lemberg, in deren Ver­lauf mehrere Studenten verletzt wurden, veranlaßten die Rektoren, die Vorlesungen und Hebungen aus» fallen zu lassen. Die Zusammenstöße wurden da­durch veranlaßt, daß die jüdischen Studen­ten sich geweigert hatten, den Vorlesungen und Uebungen auf den ihnen besonders zuge­wiesenen Plätzen beizuwohnen. Die polnischen Studenten an der Krakauer Universität über­reichten dem Rektor eine Denkschrift, in der sie eben­falls die Einführung abgesonderter Plätze für Juden fordern. In der Warschauer Handelshochschule erklärten die polnischen Hörer, sie würden die Hör­säle nicht eher räumen, bis dafür Sorge getragen werde, daß die jüdischen Hörer und Hörerinnen a b - gesondert von ihnen den Vorlesungen bei­wohnen.

Aegypten.

Der Kampf um die formale Unabhängigkeit Aegyptens von der englischen Schutzmacht ein Kampf, der schwer genug war wurde von der ägypttschen Unabhängigkeitspartei, dem sogenann­tenW a f d" aeführt, deren Führer ursprünglich Zaghlul Pascha und seit 1927 bis auf unsere Tage Nahas Pascha gewesen ist. In diesem Kampfe einigten sich alle nationalen Kräfte Aegyp­tens. Aber jetzt, nachdem England wenigstens for­mal in einem sogenannten Bündnisvertrag die Eigenstaatlichkeit Aegytens anerkannt hat, regen sich neue Kräfte. Praktisch gesehen, ist die Unab­hängigkeitspartei seit einigen Monaten gespalten. Im Vordergründe stehen persönliche Zerwürfnisse, im Hintergründe aber rührt sich der Widerspruch gegen die Bestimmungen des englisch-ägyptischen Bündnisvertrages, der den englischen Generalen noch immer einen aanz wesentlichen Einfluß auf die ägyptische Aufrüstung einräumt.

Es hat schon früher eine ägyptische Armee ge­geben, aber niemals einen Aegypter, der es zu einem höheren Posten als dem eines Majors ge­bracht hätte. Praktisch herrschte der englische Offi­zier und sogar Unteroffizier vor. Die Opposition findet nun, oaß die englischen Militärberater auch jetzt auf die Stärke der ägyptischen Armee drücken.

Diese Meinungsverschiedenheiten können bei der starken Erregung der arabischen Welt gegen Eng­land wegen Palästinas und gegen Frankreich wegen Syriens und Nordafrikas noch einmal von erheb­licher Bedeutung werden. Inzwischen versucht der junge und sehr beliebte ägyptische König Faruk, seine Selbständigkeit gegenüber allen parteipoliti­schen Einflüssen nachdrücklich zu unterstreichen und hat zum Chef seines Kabinetts Ali Mäher er­nannt, der vielfach als der fähigste Politiker Aegyp­tens angesprochen wird. Auf der anderen Seite bringen neben den schon geschilderten zersetzenden Einflüssen in die Wafd-Partei ein: Einmal der Ge­gensatz der jungen zur alten Generation und zum zweiten auch schon soziale Gegensätzlichkeiten. Die Studenten der berühmten mohammedanischen Uni­versität in Kairo haben dieser Tage gestreikt, wobei es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Op­position und der Polizei kam und die Polizei von der parteiamtlichen Jugendorganisation des Wafd, den sogenannten Blauhemden, unterstützt wurde.

Grundlose Gerüchte über einen Brief des Generals Ludendorff.

Berlin, 4. Nov. (DNB.) Amtlich wird mit­geteilt: Seit einiger Zeit werden Gerüchte verbrei­tet, daß General Ludendorff in einem Brief, der an eine Persönlichkeit im Auslande gerichtet gewesen sei, die deutsche Außen­politik, vor allem im Zusammenhang mit den freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu einer anderen Macht, sowie mit Bezug auf die Ereignisse in Spanien, aufdas schwerste angegriffen habe. Eingehende Untersuchungen, die mit bereit­williger Hilfe einer auswärtigen Macht geführt wurden, haben einwandfrei ergeben, daß es sich bei diefem angeblichen Brief um eine Fäl­schung handelte, und General Ludendorfs weder einen solchen Brief verfaßt, noch sich ähnlich geäußert hat. Amtlich wird dazu fest­gestellt, daß alle gegen General Ludendorff in die­sem Zusammenhang erhobenen Beschuldigungen jeglicher Grundlage entbehren.

Oer Langemmck-Ausschuß.

Berlin, 4. Nov. (DNB.) Baldur v. Schirach hat den Arbeitsausschuß Langemarck, unter Vorsitz des Generalmajors a. D. Freiherr v. Grote, zu einer ersten Arbeitssitzunb für Samstag nach Berlin einberufen. Der R eich s;ug end führ er ernannte zu feinem Beauftragten den Leiter des Hauptrefe­rates Gefallenen-Ehrung Oberbannführer M o k a. Als Vertreter der Hitler-Jugend wurden berufen die Obergebietsführer v Tschammer und Osten, Cersf, Rodatz, Reckewerth, Gebietsführer Berger und Bannführer Kaufmann. Für die Reichsstudentenführung Reichsstudentenführer Dr. Scheel und Reichsamtsleiter Dr Gerhardt Krü­ger. Die NSKOV. vertritt der Reichskriegsopfer­führer Oberlindober, den Kyffhäuferbund Oberst a. D Reinhardt, den Reichsverband der deutschen Offiziere Oberst a. D. v. Rodenberg, den Volksbund deutsche Kriegsaräberfürsorae Bun­desführer Dr. Eulen und Architekt Tischler, die Vereinigung der Frontkämpferverbände ff» Sturmbannführer Stahmer. Die Reservekorps, die vor Langemarck gekämpft haben, werden durch General der Artillerie a. D. v. Matter, Oberst B ö ß e r , Oberleutnant a. D. Weiland und Derlagsbuchhändler K n i e I i n g vertreten. Als Rechtsberater berief der Reichsjugendführer den Rechtsanwalt W. Eisen.

Die Rattfikattonsurkunden des deutsch-eng­lischen Abkommens über die Begren­zung der Seerü st ungen und den Nach­richtenaustausch über Flottenbauten vom 17. Juli 1937 wurden im englischen Außenamt ausge» tauscht.

Wie siebtes in derWittschafiauS?

Die Entwicklung der Spareinlagen in de» Monaten Juli bis September zeigt einen außer­ordentlichen Zuwachs der Einzahlungen bei ver­hältnismäßig geringen Auszahlungen, obwohl es sich um Sommermonate handelt, in denen die Spar­einlagen nach den bisherigen Erfahrungen den Durchschnitt der bis dahin erreichten Jahresentwick­lung zum mindesten nicht zu übersteigen pflegen. Für die betrachteten drei Monate beläuft sich die Summe der Salden auf ein Vielfaches früherer Jahre. Unter den verschiedenen Erklärungsmöglich­keiten verdient besonders Beachtung, daß nach den Berichten des Reichskuratoriums für Wirtschaftlich- kett die Zunahme der Einzelhandels­umsätze im Juli und August dieses Jahres dem Steigerungsgrad für das Jahr 1936 und für das erste Halbjahr 1937 ziemlich genau entspricht, ob­wohl das Arbeitseinkommen eine stärker steigende Tendenz aufweist. Daraus kann geschlossen werden, daß der Nachholungsbedarf an Gütern, vor allem elastischer Nachfrage, der wieder in den Erzeugungs­prozeß Eingeschalteten im großen und ganzen zum Stillstand gekommen ist. Nicht zuletzt haben wohl auch Parolen wieKampf dem Verderb" und Sparen als nationale Lebensnotwendigkeit" ihre Wirkung getan. *

Der in Wirtschaft und Statistik gebrachte Nach­weis über das Ergebnis der Bautätigkeit im ersten Halbjahr 1937 bestätigt die Erwartungen. Im Bau von Nichtwohngebäuden zeigt die Kurve weiterhin nach oben führende Tendenz. Vom ersten Halbjayr 1936 zum ersten Halbjahr 1937 sind die Bauvollendungen von 18 725,30 cbm umbauten Raumes auf 25 749 000 cbm, die Bauerlaubnisse von 49 432 cbm auf 62 173 000 cbm gestiegen. Im Wohnungsbau haben sich zwar auch die Bau­vollendungen erhöht, und zwar um 10,8 v. H. auf 119 883, die Bauerlaubnisse dagegen hier wirkt sich die schärfere Ueberwachung des Wohnungs­baues in der Materialverwendung und Facharbei­terzuweisung und insbesondere das Abstoppen des zu kostspieligen Wohnungsbaues aus sind um 9,4 v. H. auf 172 840 Wohnungen gesunken. Der Wohnungsbau zeigt eine bemerkenswerte Verlage­rung zu den kleineren Gemeinden und erfreulicher­weise gerade zu den Arbeiterwohnungen. Der Kleinwohnungsanteil hat sich von 41,3 v. H. auf 49,2 v. H. erhöht, der Kleinsiedlungsanteil von 9,6 auf 10,1 v. H. Daß man im übrigen hin­sichtlich des Kleinwohnungsbaues mit Vertrauen der weiteren Entwicklung entgegensehen kann, zeigt die soeben erfolgte Heraufsetzung des Höchstbetrages der Reichsbürgschaft um weitere 200 Millionen auf 700 Millionen Reichsmark.

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Der im Zusammenhang mit dem Reichsnährstand von der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt her­ausgegebene Bericht über die Kreditlage der deutschen Landwirtschaft im Wirtschafts­jahr 1935/36 spiegelt auf einem der wichtigsten Teil­gebiete die fortschreitende Wiedergesundung der deutschen Landwirtschaft wider. Es ist eine e r - neute Entspannung der Kredittage einge­treten, und zwar nicht nur infolge weiterer öffent­licher Entschuldungsmaßnahmen, sondern auch in­folge der gebesserten Ertragslage. Aus den um 500 Millionen RM. gestiegenen Verkaufserlösen konnten die um 5,4 v. H auf 5,85 Milliarden RM. er­höhten Betriebsausgaben in der Hauptsache ohne wesentliche Jnanspuchnahme neuer Fremdmittel ge­deckt werden. Die Schuldenbelastung hat sich 1935/36 um etwa 1 v. H. auf 11,2 bis 11,3 Mil­liarden RM. (ohne Renten- und Altentette), die Zinsbelastung um 3 v. H. auf ungefähr 630 Mil­lionen Reichsmark gesenkt. Die Zinsen beliefen sich 1935/36 nur noch auf 7,2 v. H. der Verkaufs­erlöse gegen 13,6 v. H. im schärfsten Krisenjahr 1931/32. Es liegt demnach bei den Zinsen eine fast 50prozentige Entlastung vor. Schauoilder über die Lage in den einzelnen Landesbauernschaften lassen die Schulden in den westlichen Landesbauernschaf­ten, Westfalen und Rheinland - H e s s e n ° N a s- sau- Saarpfalz, neben Württemberg-Baden und Hannover-Oldenburg als am geringsten erscheinen. In der Verschuldung in Prozenten des Ein­heitswertes steht Westfalen mit 22 an unterster, also an bester Stelle, dann folgt das Rheinland mit 29 Prozent. Bei dem Zinsendienst war die Hektar-Belastung im Rheinland mit 20,7 vor Würt­temberg-Baden mit 21,4 und Westfalen mit 23,7 Reichsmark am günstigsten.

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Im laufenden Jahr hat sich das Ackerland mit 19,41 Millionen Hektar um 13 000 Hektar, gleich 0,10 v. H., die Wiesen mit 5,61 Millionen Hek­tar um rund 34 000 Hektar, gleich 0,6 v. H. ver­kleinert, und zwar sind vorwiegend schlechte Wie­sen vermindert worden. Demgegenüber sind die Gärten um 8000 Hektar, Die Viehweiden um 12 000 Hektar, die Ob st anlagen um 3500 Hektar vergrößert worden. Die Fläche der Wein­berge mit rund 82 000 Hektar ist fast unverändert geblieben. Die Moorflächen gingen um 7000 Hektar, gleich 1,6 v.H., und Oed - und Unland um rund 37 000 Hektar, gleich 12,6 v. H., zurück. Die Kultivierung der Moor- und Oedlandflächen führte der Landwirtschaft im Laufe des Jahres rund 52 000 Hektar zu, so daß der Gesamtverlust der Landwirtschaft nur 23 000 Hektar beträgt. Der Ernteertrag ergab für Winterroggen eine Ver­änderung von minus 8,1 v. H. gegenüber 1937, für Sommerroggen eine Zunahme von 5,7, für Winter­weizen eine Abnahme von 8,9 und für Sommer­weizen eine Zunahme von 38,6 v. H. Für Hafer wurde ein Plus von 2,4, für Menggetreide von 14,9, für Mais zur Körnergewinnung sogar von 98,2 v. H. verzeichnet. Entsprechend ist eine Steige­rung der Ernte auf fast allen Gebieten zu verzeich- nen, für Linsen sogar von 54,7 v. H., Süßlupinen von 90,7, und die Spätkartoffelernte hatte eine Zu­nahme von 3,8 v. H. zu buchen.

Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Italien und Japan haben bis auf die Beschlüsse über die japanischen und italienischen Schiffahrtslinien günftige Fortschritte gemacht. Da­gegen sind die englisch-amerikanischen Handesvertragsverhandlungen nicht recht vom Fleck gekommen, und wenn auch die USA. darauf hin­gewiesen haben sollten, daß die Präferenzbestim­mungen gemäß dem Ottawa-Abkommen keine Hin­dernisse bildeten, so ist es doch Tatsache, daß ge­rade gegen sie sich "die Amerikaner wenden und es erscheint fraglich, ob die Handelsoertragsverhand- lungen überhaupt in diesem Jahr noch beginnen, so sehr auch England seit vielen Monaten auf ein schnelles und günsttges Ergebnis zu hoffen ge­neigt war. Unter Berücksichtigung der wichtigsten Weltbörsen betrug der auf Goldbasis erstellte Rod- st o f f i n d e x unter Vergleich der Zahl 100 für Ende 1930 am 29. Oktober (die Ziffern vom 22. Oktober): Silber 91,6 (91,2), Nickel 93 (93,2),