gen, in die gepriesene Prager Demokratie zurückzukehren Von allen Staatsangehörigen fremder Nationalität, die in Deutschland ansässig sind, stellen die Tschechen bezeichnenderweise das größte Kontingent. Wahrlich, die Prager Politiker konnten sich kein besseres Zeugnis ihrer verdorbenen Gesinnung ausstellen als diesen Kinderkrieg. Ev.
Deutsche Jugend protestiert
„Niemand ist da, der auch nur einmal nicht satt geworden wäre."
Benneckenstein, 4. Aug. (DNB.) Zu der unverschämten Lügenhetze der tschechischen Presse, mit bei; versucht wurde, eine „Begründung" des Ausreiseverbotes für die sudetendeutschen Kinder nach Deutschland zu geben, nehmen die Teilnehmer des Freizeitlagers Benneckenstein (Harz) wie folgt Stellung:
„Wir 2000 Thüringer Jungen, in Benneckenstein (Harz), einem Freizeitlager der Thüringer Jugend, seit zwölf herrlichen Tagen in bester Gemeinschaft und vorbildlicher Kameradschaft vereint, haben heute voller Entrüstung von der verlogenen Meldung der tschechoslowakischen Presse hinsichtlich des vom tschechischen Staat verbotenen Erholungsaufenthalts von 6000 sudetendeutschen Kindern in Deutschland Kenntnis erhalten. Wir verwahren uns entschiede n gegen die verleumderischen Unterstellungen, daß die verhärmten und hungerleidenden sudetendeutschen Kinder in Deutschland nicht genug zu essen bekommen würden, und wir protestieren gegen die lügnerischen Behauptungen, daß die Kinder in unserem Vaterland statt Butter nur Maisbrot und Pferdefleisch zu ihrer Beköstigung erhalten. Wir 2000 Jungen, Jungarbeiter, Schüler und Angehörige aller Schichten, verleben einepräch- t i g e Zeit, treiben Sport und Spiel, gehen baden, fingen und sonnen uns und haben einen gesunden Appetit. Milchzucker mit Knäckebrot zum Kaffee, Gemüsesuppe mit Rindfleisch zu Mittag und Schokolade, Butterbrot und Käse zum Abend, das verzeichnet die Speisekarte eines Tages in unserem Lager. Nachholen kann sich ein jeder von uns so viel er will, und nie- m a n d ist da, der a u ch nur einmal n i d) t satt geworden wäre. Wir Jungen würden es von Herzen begrüßen, wenn die bedauernswerten Kameraden und Kameradinnen aus den sudetendeutschen Gebieten in unseren herrlichen Freizeitlagern weilen und mit uns unser Brot, unsere Butter und unser Fleisch teilen könnten. Wir würden alle satt und erlebten gemeinsam, wie schön und herrlich und reich unser deutsches Vaterland ist."
Zweierlei Erntehilfe.
Im Volksfrontfrankreich hat selbstverständlich auch der Landarbeiter von Zeit zu Zeit die Arbeit niederzulegen. Es versteht sich von selbst, daß stets bann Streikparolen ausgegeben werden, wenn dem Bauern die Arbeit unter den Nägeln brennt. (Genau so war es einst bei uns.) Nicht alle Landarbeiter sind jedoch soweit marxistisch verseucht, daß sie ruhig zusehen, wie das Vieh ungefüttert und das Getreide ungeerntet bleibt. Folglich stehen sich auch auf dem Lande sehr oft Streikende und Arbeitswillige gegenüber So auch jetzt im Departement Aisne. Jedoch die aufgebotene bewaffnete Mobilgarde ist vom Präfekten angehalten worden, für einen Frieden nach marxistischem Muster zu sorgen, d. h., um Zusammenstöße zu vermeiden, haben die Arbeitswilligen zu Hause zu bleiben. (Gleiche Einstellungen waren bei uns in der Vergangenheit ebenfalls bei gewissen Verwaltungsstellen zu beobachten, wodurch in der Praxis die Streikhetzer begünstigt wurden.) Der „Jntransigeant" beklagt sich bitter über diese Art des bewaffneten „Schutzes" der Erntearbeit. An anderen Stellen wieder, wo man höheren Ortes vernünftiger ist, wird die bewaffnete Macht des Staates im positivem Sinne zugunsten der arbeitswilligen Landarbeiter eingesetzt. In jedem Fall muß der Waffenträger mit geladenem Gewehr auf dem Felde stehen. Dieser wenig anziehenden „Erntehilfe" des Volksfrontfrankreichs steht eine wesentlich anders geartete Hilfe im nationalsozialistischen Deutschland gegenüber. Hier greift alles zu. was Hände hat. hier wird weder gestreikt noch auf den Feldern politisch debattiert. Hier gibt es keine bewaffneten Posten, die nach heranrückenden roten Kolonnen Ausschau halten. Dafür finden sich unter den Erntehelfern viele taufenbe Angehörige der Wehrmacht, die in ihrem Waffenrock und ihren Soldatenstiefeln zu den (Erntearbeiten des Morgens hinziehen und abends auf dem gefüllten Wagen nach Hause fahren. Sie sind von der Wehrmacht eigens für (Erntearbeiten beurlaubt worden. Die Frage, welche Art der Erntehilfe vorzuziehen ist, die des Volksfrontfrankreichs ober bes nationalsozialistischen Deutschland, beantwortet sich bamit von selbst. B. R.
Ein Humorist mochi Gesetze.
Einer der volkstümlichsten Männer Englands ist der Humorist A. P. Herbert, Redaktionsmitglied eines Witzblattes und Verfasser erfolgreicher Bühnenwerke leichteren Charakters. Dieser Mann hat das fertiggebracht, was von den britischen Politikern jahrzehntelang vergeblich erstrebt wurde, nämlich eine Lockerung der strengen Bestimmungen über öie Ehescheidung. Allein die Gerichtskosten machten in England die Scheidung fast unmöglich A. P. Herbert hat den Kampf um seine „Ehe- reform" jahrelang mit der Feder geführt, er ließ sich dann vor zwei Jahren von der Universität Oxford besonders deshalb ins Unterhaus wählen, um feiner Forderung auch in der Volksvertretung' Ge- hör zu verschaffen. Vor langen Jahren war eine Milderung der strengen Ehescheidungsgesetze Englands hauptsächlich an der starren Haltung der anglikanischen Kirche gescheitert. Das und die Erfahrungen mit einer Reform des veralteten Gebetbuches, die im Unterhaus Ablehnung fand, gab der Regierung Veranlassung, sich mit solchen Gesetzen nicht zu befassen, die den konservativen Auffassungen der britischen Gesellschaft im Wege stehen. Die Ehescheidungsreform blieb also der Initiative einzelner Abgeordneter überlassen, die Regierung zeigte keine Neigung, solche Projekte zu erleichtern. Als der frühere Ministerpräsident Baldwin einmal erklärte, das Kabinett wolle wöchentlich nur noch einen Tag für Initiativanträge der einzelnen Abgeordneten freihalten, da zog der Abgeordnete Herbert seinen Antrag aus der Tasche, legte ihn auf den Tisch des Hauses und kündigte an, er werde dieses Verfahren jeden F r e i t' a g fo'rt = setzen, solange er Mitglied des Unterhauses sei. Diese Drohung fand viel Beifall und Unterstützung, und tatsächlich gelang es der „Bill", den Vorrang vor anderen Anträgen zu verschaffen. Was von vielen Leuten als Prahlerei ober als Marotte eines Humoristen betrachtet würbe, würbe Tatsache.
Die burchaus gemäßigten Vorschläge des Antrags wurden bann im Unterhaus f a st einstimmig angenommen unb selbst bie englischen Bischöfe verzichteten biesrnal im Oberhause auf eine grunb- sätzliche Opposition. Der erfolgreiche Humorist würbe in seiner Eigenschaft als Gesetzgeber lebhaft gefeiert unb bürste bas Ziel seiner parlamentarischen Arbeit als erreicht ansehen. B. R.
Der Irak proiestiertgegeneineTeilungpalästinas
Genf, 4. Aug. (DNB.) Der Außenminister bes Irak Najiak-Asil hat an ben Generalsekretär bes Völkerbunbes einen Protest gegen den britischen Teilungsplan für Palästina gerichtet unb ein völlig unabhängiges ungeteiltes Palästina vorgeschlagen. In bem Schreiben heißt es, baß ber Irak an ber Lage in Palästina aus rassischen, politischen, religiösen, wirtschaftlichen unb strategischen Orünben stark interessiert fei. Die Tei
lung Palästinas würde eine Ungerechtigkeit gegenüber der Bevölkerung dieses Landes barftellen. Der Vorschlag der britischen Palästinakommission sei nicht nur unvereinbar mit der vollen Unabhängigkeit dieses Landes, wie sie das Mandat unb ber Völkerbunbspakt oorsehen, fonbern biete auch keine Hoffnung auf eine bauernbe Regelung. Eine solche Hoffnung hänge von ber Anerkennung eines vollkommen unabhängigen Palästinas ab, in bem bie 3 üben ein für alle Mal bie Stellung einer Minberheit einnehmen. Die Regierung bes Irak fei ber festen Ueberzeugung, baß ber Weg, um ben Juben ben ftänbigen Genuß ber Früchte ber Balfour-Deklaration zu sichern, barin bestehe, ein unabhängiges, ungeteiltes Palästina anzuerkennen, bas feinen Platz unter ben anberen arabifchen Nationen einnehmen solle. Die Regierung hoffe, baß ihr Protest gegen bie Verstümmelung bes Nachbarlanbes bem Manbatsausschuß eine Lösung ber oben angegebenen Richtung erleichtern werbe.
Japanisch-chinesischer"
irischastskneg
Tokio, 5. Aug. (DNB.-Funkspruch. Ostasien- bienft bes DNB.) Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan unb China sinb nahezu völlig abgebrochen. Da auf militärischem Gebiet eine gewisse Atempause in Norbchina eingetreten ist, bie von beiben Parteien zur Heranführung von Verstärkungen benutzt wirb, ist ber Wirtschaftskrieg im vollen Gange. Wie bie Agentur Domei melbet, sinb in allen Teilen Chinas bie meisten Geschäftsabschlüsse mit Japan annulliert worben. Die in Jnnerchina ansässigen japanischen Kaufleute sinb geflohen. Ebenso würben bie Textilfabriken in Schanghai unb Tientsin stillgelegt. Die japanischen Exporteure beginnen sich auf bie sübpazififchen Märkte umzustellen. Die Ursache für ben Abbruch ber Wirtschaftsbeziehungen ist in ber japanfeinblichen Stellung ber Chinesen und in ber Furcht vor ber fommenben Auseinanbersetzung zwischen Japan und China im Raum der fünf Provinzen Nordchinas zu suchen.
In Tsingtau liegende japanische Kriegsschiffe schifften ein Landungskorps aus, das durch die Stadt marschierte, was erhebliche Unruhe unter der Bevölkerung verursachte. Die Tsingtauer Börse ist noch geschlossen. Die Behörden ermahnen in Anschlägen die Bevölkerung zur Ruhe und sagen ben Ausländern Schutz zu. Dennoch ist ber Ab ström sehr .stark und der Schiffsraum voll in Anspruch genommen. Auf ber Tsingtau-Tsinan-Bahn mußte bie Zugfolge verstärkt werden, um ben Ab- wanberungsverkehr zu bewältigen. Die chinesischen Arbeiter verlassen aus patriotischen Beweggründen die japanischen Arbeitsstätten, was die Schließung von Spinnereien veranlaßte.
Die überlegene Bewaffnung der Japaner.
Schanghai, 4. Aug. (Dftafienbienft bes DNB.) Der frühere Bürgermeister von Peiping, Tschin- tehtschun, ber zusammen mit bem Stabschef ber 29. Armee zu Besprechungen mit Regierungsstellen in Nanking eingetroffen ist, berichtete, daß sich bie Verluste ber 29. Armee an Toten unb Ver-
rounbeten auf 5000 Mann belaufen. Die hohen Verluste seien auf bie lange Derteibigungslinie, bie Unmöglichkeit ber rechtzeitigen Zusammenziehung ber Truppen und vor allem auf die Heber-- legenheit der japanischen Artillerie, Panzerwagen und Flugzeuge, die namentlich bei den Kämpfen um Nanyuan sehr fühlbar gewesen sei, zurückzuführen. Die chinesischen Truppen hätten trotzdem tapfer gekämpft. Sie hätten drei Tage und Nächte um Lanfang gerungen, so daß auch die japanischen Verluste recht hoch sein müßten.
General P e i ch u n g s h i, der Oberbefehlshaber der Kwangsi-Truppen, traf auf dem Flugplatz von Nanking ein. Er wurde vom chinesischen Kriegs- minifter, den Generalstabsches und dem Ersten Adjutanten des Marschalls Tschiangkaischek begrüßt, dessen Ehrengast er in Nanking ist. Aus der Umgebung des Generals verlautet, daß das Heer und bie Bevölkerung der Provinz Kwangsi bereit seien, sich an einem nationalen Widerstandskrieg gegen ausländische Angriffe zu beteiligen.
Ruhe in Peiping.
Peiping, 5. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der seit zwei Tagen unterbrochene Verkehr zwischen Peiping unb Tientsin ist wieder a u f g nommen worden. Am Mittwochabend erreichte der erste Zug feit dem 25. Juli Peiping. Die Peipinger Ordnungspolizei ist inzwischen aufgebaut worben, die verschrobensten Schichten bes Bürgertums sinb bazu herangezogen worben, unb sechs japanische Berater würben ihnen beigegeben. Die Stabttore sind vorübergehenb geöffnet worben unb zwar im wesentlichen für bie Lebensmittelversorgung ber Stabt. Innerhalb unb außerhalb herrscht Ruhe unb Zuversicht. Japanische Truppen, bie in ben letzten beiben Tagen vor einem Stabttore lagerten, würben am Donnerstag zurückgezogen. Im Norben Tientsins sollen Kämpfe um ben Besitz bes Hankaupafses im Gange sein. Ebenso sinb bie Japaner bei Matschang 50 Kilometer süblich von Tiensin mit ben Chinesen in Kämpfe verwickelt.
Zn Ostasiens Gpannnngszone.
Von unserem H.T.-Äerichierstatier.
So fing es an.
Nachbruck verboten!
Dairen, Enbe Juli 1937.
Das war vorgestern gewesen! Auf bem Dachgarten bes großen Eisenbahnhotels in Dairen, von bem man den wundervollen Fernblick über die Halb- millionenstadt, den qualmenden Hafen, das glitzernde Meer und die toten Berge ringsum hat. Man aß „Sukijaki", jenes in Japan so beliebte „Verlegenheitsessen", trank eiskaltes Bier dazu und schäkerte ein bißchen mit ben kleinen japanischen Kellnerinnen, bie in ihren prächtigen Kimonos an große Schmetterlinge erinnern.
In ber Stabt schlägt bie Uhr zehn. Irgendeiner fragt: „Haben die Herren übrigens schon gehört — in Nordchina, vor den Toren von Peking soll es schon wieder z u einer Schießerei gekommen sein? Zwischen einer japanischen Abteilung, die Nachtübung hatte unb chinesischen Mannschaften von ber 29. Armee? In den Zeitungen steht merkwürbigerweise noch nichts baoon, obwohl ..."
„Lieber Gott! Wenn bie Zeitungen hier jebe kleine Schießerei melben wollten, bann würben sie noch lanameiliger werben, als sie es schon sinb. Diese lächerlichen Kriegsübungen, bie ..."
„Abwarten! Abwarten! Meine Herren, biesrnal scheint bie Sache tatsächlich ernster zu sein. Ich traf vorhin einen ber Direktoren ber sübmanbschurischen Bahn. Die Leutchen haben ein Telegramm aus Tientsin bekommen, bas augenscheinlich erhebliche Aufregung in allen Amtsstuben ausgelöst hat. Mit Einzelheiten wollte ber Japaner natürlich nicht herausrücken, aber er war mehr als besorgt. Angeblich ist in bas ranbvolle Glas ber berühmte Wassertrovfen gefallen, ber es zum Ueberlaufen bringt. Sie werben sehen, bie Zeitung wirb sicher morgen ..."
..Auch nichts bringen! Herrschaften, es ist doch lächerlich, sich über diese Schießereien aufzuregen. Seit fünf fahren haben wir in der Mandschurei allein einen Kleinkrieg, der die Japaner jährlich rund tausend Tote kostet, und wer redet darüber? Niemand! — Am Amur sind eben russische Kanonenboote zusammenaeschossen worden, und was ist geschehen? Nichts! Und wenn man nun gar die „Inzidente" in Nordchina, die fortgesetzten Reibereien zwischen Javanern unb Chinesen ernst nehmen wollte ... Wo sollten wir bann hinkommen? — Boy-San, noch einen Whisky!"
Zwölf Stunben später. Die Morgenblätter bringen nur kurze Melbungen über ben neuesten ,,Norb- china-Zwischenfall". Immer bie alte G e - schichte — jeber behauptet vom anbern, baß er angefangen habe. Als Deutscher wirb man gut bar- an tun, der „Schulbfrage" gar nicht erst nachzugehen, ba bie Dinge hierzu viel zu verwickelt sinb — unb vor allem bie Ruhe nicht zu verlieren. Denn vielleicht wirb man sich nun nach alter vstasiatischer Gepflogenheit boch roieber an ben Verhanblungs- tisch setzen, unb nach brei Tagen wirb fein Mensch mehr von ber Geschichte reden. Denn so ist bisher noch iedes „Hornberger Schießen" in Fernost ausgegangen ... _ Z ___
Nachmittags ein Telephonanruf vom Konsulat: „An a 11 e D e u t s ch e n !" Inhalt: Die 3ur 'inbi- gen japanische Militärbehörben haben eben mitgeteilt, baß heute abend in Dairen eine Verdunkelungsübung stattfindet. Auch die Deutschen möchten sich im Interesse der Sache genau nach Vorschrift daran beteiligen. — Aber klar! Versteht sich von selbst! — Und im übrigen herrscht eine infernalische Hitze! Es ist wohl am besten, mit ber Vorortbahn ober bem „Bus" in eins ber Seebäber zu fahren, die bas Wohnen in Dairen so angenehm machen.
Ka-ka-ka°shi heißt eins biefer Vorortbäber am Meer. Durch einen großen Park roanbert man zum Stranb unb sucht sich bort irgenbroie abgelegene ungestörte Schwimmstelle aus ... Nanu, Was ist benn bas bort? Dicht am Stranb ist ein japanisches Infanterie-Bataillon auf- marschiert. Felbmarschmäßig unb funkelnagelneu eingefleibet. In ber Mitte des hufeisenförmig angetretenen Bataillons eine kleine Tribüne. Darauf ber Kommanbeur. Vor ihm ein kleiner Lautsvrecher. Der Major verliest eine Ansprache an die Truppe. (Es wirb präsentiert. Die Offiziere salutieren mit bem Degen. Svnberbar, sehr fonberbar! Solbaten am Straube? Das war boch früher nicht?
Als man abenbs mit bem Vorortzug zurückfährt — sieh mal einer an! Was ist benn bas nun roieber? Auf den bestellten Feldern hält in Marschkolonne eine Batterie Feldartillerie mit allem, was dazu gehört. (Ein Trupp berittener Offiziere im Dorgelände mit großen Karten. Ferngläser, die die Gegend absuchen. Herumjagende Meldereiter — nur die Batterie hält unberoealich. Hm! Genau so sah das früher bei ben „Preußen" aus, wenn eine Stellung ausgesucht würbe. Sonderbar, sehr sonderbar! Aber — halt! Heute ist ja Verdunkelungsübung — wahrscheinlich mit Flugabwehr verbunden! Also eine ganz natürliche Erklärung...
21 Uhr: Sirenengeheul. Aha! Licht aus! Gehorsam knipst man die Lampe aus, ermahnt bie chinesischen Boys und setzt sich in ben Garten. Besuch von nebenan unb gegenüber erscheint — bie Stimmung ist merkwürdig gedrückt. Denn irgend etwas liegt in der Luft. Fast mit ben Händen ist bie aufgespeicherte Elektrizität zu spüren. Aus Norbchina liegen allerlei Mewungen vor, aber alle beginnen mit bem Satz: „Genehmigt vom japanischen Hauptquartier in Tientsin!" Was bas be- beutet, weiß jeder alte Krieger. Jrgenb etwas stimmt also nicht. Chinesische Meldungen fehlen vollkommen. Irgendwo hoch oben am nachtschwar- zen Himmel zieht ein japanischer Flieger feine Kontrollbahn. Gespenstisch leuchten die rot-grünen Positionslaternen. Unwillkürlich denkt man an jene fernen Zeiten, als man im Westen in irgendeinem Heldenkeller faß. Vielleicht will auch deswegen ein richtiges Gespräch nicht aufkommen. Das Gescheiteste wäre wohl, man führe mal nach Mukden zur japanischen Militärmission, an deren Spitze jetzt als Nachfolger des bekannten Generals Doi- h a r a der General Miura steht. Mal sehen, was der zu der Sache sagt.
In aller Herrgottsfrühe mit dem Stromlinien- Superexpreß Afia nach Mukden. Der große
Schluß-Aussichtswagen wird durch besondere Kuhl- maschinen auf Eisschranktemperatur gehalten — bei 40 Grad Außenhitze mehr als angenehm. Zwei japanische Generale, die eifrig miteinander tuscheln und in großen Karten blättern, ein paar bedrückte Zivilisten — das ist alles, was an „Krieg" erinnert.
Auf Buhnhof Mukden — wohlbekannt aus bem russisch-japanischen Kriege — der e r ft e Mili. tärtransportzug. Ein Jnfanteriebataillon — feldmarschmäßig — neue Kammeruniformen. Die Offiziere stehen auf dem Bahnsteig zusammen und blicken mit seltsam steinernen Gesichtern ins Leere. Das „Zivilvolk" hält sich geflissentlich abseits. Als wolle es die Truppe — ober ben Krieg — nicht sehen. Das Thermometer zeigt 45 Grab. Jetzt „Sprung-auf! Marsch-Marsch!" Wachen — mit einem Querschläger burch bie Kniescheibe — man kratzt sich etwas unbehaglich burch bie spärlichen Haare...
Im Auto zur Militärmission, bie gerabe — nicht sehr beruhigenb! — mit Stacheldraht eingebrahtet wirb. Anmelbung. Gleich darauf erscheint der General. Schlank, sehnig, glatt rasiert, und — wie alle japanischen Generäle — sehr gut aussehend. Tee. Zigaretten. Die Unterhaltung dauert fast anderthalb Stunden, in denen ber General mit sehr vielen unb liebensroürbigen Worten nichts sagt. Einzige positive Erklärung: „Der Kurs i ft f e ft» gelegt!" Soll also augenscheinlich heißen: Dies- mal gehts auf Biegen unb Breche n. Ent- roeber geben bie Chinesen nach, aber das berühmte „Tada-Programm", bas bie Einverleibung Norb- chinas bis zum Gelben Fluß unb bie Schaffung eines großen Blocks, ber bie Mandschurei, Korea unb die fünf nordchinesischen Provinzen umfaßt, rollt ab.
,T)b Rußland neutral bleiben wird?" — Der General glaubt es. „Und wenn nicht?" — Nun, dann ist die Kwantung-Armee da, um den in Nord- china stehenden Truppen Rücken unb Flanke zu beefen. — „Ob bereits Transporte rollen?" — Der General weiß baoon selbstverstänblich nichts, obgleich ber chinesische Bahnhofsvorsteher in Tientsin jebes eintreffenbe Bataillon unb jeden Tank und jedes Geschütz zählt und der lokalen Presse mitgeteilt hat.
Es ist still im Raum. Ordonnanzen kommen und gehen. Die Telephone rasseln. „Hm!" sagt der General plötzlich, wie aus tiefem Sinne erwachend, „wenn Sie Authentisches über die Lage erfahren wollen, dann ist wohl Tientsin, der Sitz des japanischen Oberkommandos, der richtige Platz. General F u r u j o in Dairen wird Ihnen sicherlich gern ..."
General Furujo — richtig! Der muß jetzt weiterhelfen!
Rasche Verabschiedung. Im Auto zur Dahn. (Eben läuft der Schnellzug aus Hsingkinq ein. Noch immer zeigt das Thermoter 35 Grad. Nach fünfstündiger Fahrt — viel zu langsam für die kribbelnde Nervosität —donnert der Expreß mit völlig verdunkelten Lichtern in den in nachtschwarze Finsternis gehüllten Hauptbahnhof Dairen ein. Nicht eine Lampe brennt in der Halbmillionenstadt. Alle Fenster find schwarz verhängt. Nur in der Luft das Motorengeknatter der Flieger . Was soll das denn nun schon wieder bedeuten? „Verschärfter Luftschutz, angeordnet vom Oberkommando", erklärt ein Beamter ... Vorsichtig rollt das Auto durch die totenstille Stadt. Kaum ein Mensch auf den Gassen. Ab und zu Kontrollpar- trouillen des Luftschutzes In der Ferne das dumpfe Raffeln von Fahrzeugen, das den nächtlichen Marsch großer Truppenmassen verrät. Der Zutritt zum Hafen ist gesperrt. Es riecht nach Krieg!
Noch in der Nacht wird gepackt. Am Morgen mit allen möglichen Stellen telephoniert — mittags sind bie Einsührungs- unb Empfehlungsschrei, ben an bie wichtigsten Persönlichkeiten im Ober» kommanbo Tientsin fertig. Auch bie Pässe sinb in Drbnung. Um 18 Uhr geht bie „Tientfin-Maru" nach Tientsin ab. Zum „Hornberger Schießen"? Ober wirb es biesrnal ernst?
Ser Vatikan und General franco.
R o m, 4. Aug. (DNB.) LnkgegenderNach- richten von der Anerkennung der national- spanischen Regierung durch den hl. Stuhl wird in vatikanischen Kreisen erklärt, der Vatikan habe schon vor einiger Zeit den Erzbischof von Toledo beauftragt, mit General Franco Fühlung zu nehmen. Eine ähnliche Fühlungnahme zwischen dem Vertreter der Regierung in Salamanca und der Kurie sei auch in Rom ausgenommen worden. Trotz dieser tatsächlich vorhandenen Beziehungen könne — so stellt man in vatikanischen Kreisen fest — von einer amtlichen Anerkennung der nationalspanischen Regierung durch den hl. Stuhl zur Zeit noch nicht gesprochen werden.
Die Erzbischöfe und Bischöfe Spaniens haben ein Rundschreiben an alle katholischen Bischöfe der Welt gerichtet. Ls heißt darin: „Die anarcho-komumnistische Revolution war von langer Hand vorbereitet. Sie war eine der blutigsten der Weltgeschichte. 20000 Kirchen wurden zerstört und etwa 40 v.h. der Geistlichen der einzelnen verwüsteten Diözesen wurden ermordet. 3n einigen Diözesen erreichte die Zahl der ermordeten Geistlichen nicht weniger als 80 v. h." Die Zahl der ermordeten Zivilpersonen wird in dem Schreiben auf 300 000 geschätzt.
Sie Verhaftungswelle in Moskau.
Moskau, 3. Aug. (DNB.) Amtlich wird be» fanntgegeben, daß zum Volkskommissar für das Ge- sundheitswesen der Sowjetunion M. F. Boldyrew ernannt worden ist. Dabei verlautet nichts über bas Schicksal seines Vorgängers Kaminski, ben hartnäckige Gerüchte bereits seit einiger Zeit zu ben Verhafteten zählten. Die (Ernennung Bolbyrews läßt keine Zweifel mehr darüber bestehen, baß Kaminski in Ungnabe gefallen ist. Kaminski ist bamit bereits der vierte Volks- kommissar, ber spurlos von ber Bildfläche verschwindet, indem für ihn einfach ein anderer ernannt wirb, ohne baß über bie Amtsenthebung bes Vorgängers auch nur bie geringste Bemerkung erfolgte. Unter ben Verhafteten soll sich auch ber Generalsekretär ber illegalen polnischen Kommunitischen Partei, Lanski - Leszczynski, befinden. Der Verhaftete leitete seit ber bolfcheroifti- chen Revolution in Rußland bie kommunistische Agi- ntion auf polnischem Gebiet. In Polen betätigte er ich unter falschem Namen als Spezialist in ber Organisation von Massenstreiks. Seine Verhaftung burch bie GPU. soll jetzt wegen „gegenrevolutionärer Betätigung" erfolgt sein.


