Ausgabe 
5.7.1937
 
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Aus der Stadt Gießen

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38 Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

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ner bekannt daß die Vereinigung der Schule als Geburtstagsgeschenk den Betrag von 1000 Mk. zu­gedacht habe, der zum Ausbau der Bibliothek ver­wandt werden solle.

Direktor Dr. Hopfenmüller übermittelte im Auftrage der am Vorabend gegründeten Vereini­gung ehemaliger Oberrealschüler herzliche Grüße und gab bekannt, daß die Vereinigung der Schule

Sonntag der Familienabend in der Volks­halle, der die vielen auswärtigen Gäste, die Er­zieherschaft, die Eltern und die Schüler kamerad­schaftlich vereinigte. Der große Raum war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Abend brachte eine Reihe gymnastischer und turnerischer Darbietungen und war im Nebligen der Unterhaltung und dem Tanze gewidmet, zu dem der Musikzug der SA.- Standarte eifrig aufspielte.

Der heutige Montagvormittag bringt nun noch die S p o r t w e t t k ä m p f e der beiden Schulen.

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heit geleistete zielbewußte und aufopfernde Tätigkeit als Führer der Sanitätskolonne Gießen herzlichen Dank und besondere Anerkennung auszusprechen. Herr Kratz widmet nunmehr seine ganze Kraft dem Amt des Kreiskolonnenführers der Sanitätsabtei­lung des Kreises Gießen. Zu seinem Nachfolger in der Führung der Geschäfte der Sanitätskolonne Gießen wurde sein seitheriger Stellvertreter Wil­helm Luch von dem Präsidenten des Landesmän­nervereins bestimmt. Herr Luch gehört schon seit etwa 25 Jahren der Gießener Sanitätskolonne an und ist seit vielen Jahren mit in deren Führerrat tätig.

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eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungs­einzeichnung bereitzuhalten.

Da im nächsten Monat die Sammlung ausfällt, bitten wir, die Spende für den nächsten Monat mit­zugeben.

Uraufführung im Giadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Winterspielzeit 1937/38 wird nm 24. Septem­ber 1937 mitMaß für Maß" von Shakespeare er-

Oberstudiendirektor Leonhardt dankt in seinem Schlußwort für die zahlreichen Glückwünsche und Grüße. Sie seien ein Ansporn zu weiterer eifriger Arbeit. Man werde weiterhin zusammenstehen in der Arbeit an der deutschen Jugend. Er dankte allen, die das Fest vorbereiten und durchführen hal­fen. Er erinnerte daran, daß die großen Aufgaben zu lösen nur in einem Reiche des Friedens und der Ordnung möglich seien. Um diesen Frieden brauche uns nicht zu bangen, denn der Führer wisse, was Krieg bedeute, und diesen werde er dem.deutschen Volke zu ersparen wissen. Mit einer würdigen Hul­digung an den Führer schloß der Redner die Kund­gebung. Gemeinsam wurden das Deutschlandlied

und das Horst-Wessel-Lied gesungen.

Oer Ausklang der Feiern.

Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete

** T o t im Walde aufgefunden. Am gestrigen Sonntagnachmittag fanden Spaziergänger im Stadtwalde hinter der Waldkaserne einen etwa 40 Jahre alten Mann an einem Baume hängend tot auf. Nach den polizeilichen Feststellungen han- beit es sich um einen Mann aus Friedberg, der von dort schon vor etwa zehn Tagen vermißt ge­meldet wurde. Es kommt einwandfrei Selbstmord * als Todesursache in Betracht.

** Von einem Auto angefahren. Am Samstag gegen 20 Uhr ereignete sich in der Mar­burger Straße, Ecke Wieseckerweg, ein Verkehrs­unfall dadurch, daß ein Kind einem Personenwagen in den Weg lief und von dem Kraftwagen angefah­ren wurde. Das Kind^ mußte mit einigen Verletzun­gen der Klinik zugeführt werden.

** D i e Beiträge zur land- und forst- wirtschnftlichen Berufsgenossenschaft' sind aus der Heberolle ersichtlich.

Landkreis Gießen.

gfs. Heuchelheim, 3. Juli. Einen schönen Ausflug bei herrlichem Wetter unternahm die F r a u e n s ch a f t nach dem Forstgarten. Nicht nur gemeinsame Arbeit, auch sorglos verlebte Stunden befestigen das Band echter Volksgemeinschaft. In unserer Frauenschaft wurde eine Jugend- gruppe gegründet, zu der sich bis jetzt sechs Mit­glieder gemeldet haben.

Kreis Alsfeld.

* Deckenbach, 2. Juli. Am kommenden Mon- tag begeht die Witwe Margarete Michel ihren 77. Geburtstag.

ausgenommen. Der Chor des Gymnasiums dann unter Leitung von Reallehrer Blaß LiedZigeunerleben" von R. Schumann und tete dafür anhaltenden Beifall.

Dank der Schulen.

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der Verkehrserziehungswoche.

Die Polizeidirektion Gießen teilt mit, daß die Lärmbekämpfungs- und Verkehrs-Erzie­hungswoche unterstützt wird von der Partei und ihren Gliederungen, insbesondere vom Ver­te h r s e r z i e h u n g s d i e n st des N S K K., der in dieser Woche zum ersten Male in Gießen in Erscheinung tritt und die Berechtigung hat, jeden Verkehrsteilnehmer anzuhalten, der sich vorschrifts­widrig verhält. Zu diesem Zweck sind die Führer und Männer des NSKK. mit B r u st s ch i l d e r n und Haltstäben ausgerüstet, die mit dem Zeichen des NSKK. sowie mit der Aufschrift NSKK.-Verkehrs-Erziehungsdienst" versehen sind. Auch der D D A C. stellt sich in den Dienst der Sache.

Unterstützung der Verkehrserziehungs- und Lärm­bekämpfungswoche hat auch der Oberbürgermeister unserer Stadt zugesagt, insbesondere hier das Städtische Hoch- und Tiefbauamt, das Stadtschul­amt und die Direktoren der Städtischen Betriebe. Ferner haben auch der Kreisdirektor, die Wehr­macht, die Reichsbahn und die Reichspost ihre Mit­arbeit in Aussicht gestellt.

Wechsel in her Führung her Gießener Sanitätskolonne.

Der langjährige Leiter der Sanitätskolonne Gie­ßen, Ludwig Kratz, der feit zwei Jahren auch das Amt des Kreiskolonnenführers der Sanitätsabtei­lung des Kreises Gießen versieht, hat sich infolge der großen Arbeitslast bei der Führung der beiden Aemter veranlaßt gesehen, den Präsidenten des Hes­sischen Lanüesmänner-Dereins vom Roten Kreuz, Staatsrat Reiner, um Entbindung von der Füh­rung der Geschäfte der Sanitätskolonne Gießen zu bitten. Diesem Wunsche hat der Präsident des Landesmänner-Vereins stattgegeben und bei dieser Gelegenheit Herrn Kratz für die in 30jähriger Sa­nitäter-Dienstzeit, darunter 17 Jahre an der Spitze der Gießener Kolonne, zum Wohle der Allgemein­

den Betrag von 200 Mark zur Verfügung stelle.

Beide Mitteilungen wurden mit großer Freude sang

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Und du mein Schatz fährst mit."

NSOAV. - Amt für Volkswohlfahrt.

Ortsgruppe GießenOst.

Betr.: Lebensmittel-Opferring.

Die Sammlung wird Dienstag, 6., und Mittwoch, 7. Juli, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzu­geben.

Ortsgruppe Gießen-Mitte. Opferring-Sammlung.

Am Mittwoch, 7. Juli, werden die

Oberbürgermeister Ritter überbrachte die Grüße der Stadtverwaltung, der Reichs- und Lan­desbehörden, des Divisionskommandeurs und der Wehrmacht insgesamt. Er gab seiner Freude dar­über Ausdruck, daß die Feier so viele Gäste nach Gießen brachte. Er sei überzeuat, daß die beiden Gießener Realanstalten ihre Aufgaben erfüllen würden. Was die Stadt dazu helfen könne, werde geschehen. Die Schule gebe heute der Jugend den Charakter mit auf den Weg, der sie nicht nur an sich selber denken lasse. Mit dieser- Jugend werde das deutsche Volk bestehen, werde es ein Volk des Friedens und der Tatkraft werden.

Für die Kreisleitung Wetterau der NSDAP, überbrachte Pg. Holländer Glückwünsche und Grüße. Er betonte, daß es im Reiche Adolf Hitlers dem Pflichtgefühl, der Treue und der Verantwor­tung zu leben gelte. Jeder habe sich als ein Trä­ger der Idee des Führers zu beweisen. Nicht nur Wissen solle den jungen Menschen gegeben werden, sondern ein ganzer Mensch solle er schon von der Schule her werden. Mit dem Wunsche, daß die Gie­ßener Realanstalten auch in Zukunft stets ein Hort deutscher Geistes- und Willensbildung sein möchten, schloß der Redner.

Oberstudiendirektor Dr. W o l k e w i tz sprach im Namen des von ihm geleiteten Landgraf-Ludwigs- Gymnasiums, der übrigen Gießener Schulen und der hessischen höheren Lehranstalten. Mit Stolz, so sagte er, dürften die Realanstalten auf ihre Ent­wicklung zurückblicken. Die Realanstalten seien Er­fordernisse der Zeit gewesen, und sie seien es heute, wie ehedem. Im Grunde sei von allen Schulen immer das Ziel verfolgt worden, Pflanz- und Pflegestätten edler Gesittung, der Vaterlandsliebe und alles Edlen und Schönen zu sein. Er über­reichte den Direktoren der beiden feiernden Anstal, ten je eine von Prof. Walther künstlerisch aus­geführte Glückwunschadresse, und er gab dem Wunsche Ausdruck, daß zwischen den drei Anstalten immer das gleiche freundschaftliche Verhältnis herr­schen möge, wie bisher.

Sanitätsrat Dr. Becker übermittelte die Grüße der Vereinigung ehemaliger Realgymnasiasten und sprach von ihrer steten Bereitschaft zur Unter­stützung der Anstalt in ideeller und materieller Hin­sicht. Als Ausdruck dieser Bereitschaft gab der Red-

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(Opferring-Sammlung) durch die NS.-Frauenschaft

betrachtet werden im Zusammenhang mit der poli­tischen, wirftchc-ftltchen, sozialen, biologischen und kulturellen Entwicklung von Volk und Staat. Schule hat keine Eigenbewegung, sondern folgt der all- aemeinen Kulturbewegung und empfängt von ihr Inhalt und Form. Große Zeitenwenden im Leben des Volkes bringen auch Wendepunkte in der Ent­wicklung des Bemühens der Völker und Staaten um die Erziehung und Bildung der folgenden Ge­nerationen.

So schafft sich nach den Stürmen der französischen Revolution und den Freiheitskriegen das empor­strebende deutsche Bürgertum in oerRealschule" die ihm gemäße Ausbildungsstätte seines Nach­wuchses. Reaktionäre Regierungen widerstreben, aber nach der französischen Julirevolution 1830 ist der Kampf zu Gunsten der Realschule entschieden. Nach größeren Städten bekommt auch Gießen 1837 seine Realschule. Das Sturmjahr 1848 bleibt für die Schule ohne nennenswerte neue Formungen. Wie im Politischen, ist die Bedeutung dieser Jahre im Schulleben zu sehen in der inneren Stärkung und Ausgestaltung des Vorhandenen unter tüchtiaen Pädagogen und ablesbar an Schülerzahlen und der Besserung räumlicher Unterbringung durch ein eige­nes Heim.

So steht die Schule bereit für neue Aufgaben, als Bismarck die Einigung zum Zweiten Reich in den drei Kriegen durchführt. Seit 1866 stellt das Recht der Verleihung des Einjährigenscheines, nach 1870 der gewaltige wirtschaftliche Aufschwung diese neuen Aufgaben, die zu bewältigen sich man nicht leicht vorstellen darf. Aber die Schule schaffte es. Organisatorisch drückt sich das Ergebnis der erfolg­reichen Arbeit aus in der Erweiterung eines Zwei­ges der Realschule zur Vollanstalt, dem Realgym­nasium (1880 erste Reifeprüfung unter Direktor Soldan), zahlenmäßig im Anwachsen der Schüler­zahl auf 600 in 19 Klassen. Dem später stärker dif­ferenzierten erweiterten Bildungsbedürfnis entspricht dann auch der Ausbau der Realschule zur Voll- anstalt, beendet 1905; die zahlenmäßige Entwick­lung bedingt die Trennung der beiden Schulen Ostern 1914. Ein Zeichen der gesunden Aufwärts­bewegung der Stadt und ein beredtes Zeugnis lebendigen, opferfreudigen Gemeinsinns!

Worte höchster Anerkennung fand der Redner alsdann für den herrlichen Geist der deutschen Ju­gend in den Schicksalsjahren des Weltkrieges. Die Schule darf stolz sein, so führte er aus, daß sie we- sentlicken Anteil hat an all dem Opfermut und 'der Vaterlandsliebe des von ihr herangebildeten Ge­schlechts.

Sie darf aber auch ebenso als richtige Wertung des Zeitgeschehens buchen, daß die Versuche des Zwischenreiches zur Einstellung in seinem Sinne keinen günstigen Nährboden an den höheren Schu­len fanden. Zeigt so die Geschichte der 100 Jahre, fährt der Redner fort, die Schule stets als treue und erfolgreiche Helferin bei der Durchführung va­terländischen Strebens, wie sollte das nach dem un­vergleichlichen Umschwung 1933 anders sein?

Die Geschichte schaffte Klarheit über die Aufgabe und die Möglichkeiten der Schule. Sie weiß, was sie leisten kann, und was sie dem Staat schuldig ist. Wird ihr dazu das Ziel so klar, so eindeutig und überzeugend gezeigt, wie es der Führer getan hat, dann kann es nur eine Losung geben: Einsatz ern­ster Entschlossenheit aller, die es angeht, Pflicht­treue und volle Hingebung im Kampf um Deutsch­lands Erneuerung im festen Glauben an die deut­sche Jugend, in unbeirrbarem Vertrauen zum Füh­rer, im bewußten Verantwortungsgefühl vor Volk und Vaterland.

Nach der mit anhaltendem Beifall aufgenom­menen Festrede brachten Chor und Orchester der Oberrealschule das LiedSchön ist der Friede" aus derBraut von Messina" (G. Selle) zum Vortrag.

Glückwünsche.

Oberschulrat Dr. Leib (Darmstadt) überbrachte sodann im Auftrag des Leiters der Abteilung VII der Landesregierung, Ministerialrat Ringshau- f e n, die herzlichsten Grüße und Glückwünsche. Er sprach Worte des Ruhmes und des Dankes für die Arbeit der Gießener Realanstalten. Der Beweis, daß die Schulen ausgerichtet seien im nationalso­zialistischen Geiste, sei erbracht. In seinen weiteren Ausführungen fchliderte der Redner die Schulen im Wechsel der Zeiten und betonte, daß die Schule rm Dritten Reich eine Schule des Volkes sein müsse. Heute könne man in Ruhe der Umbildung des Schulwesens entgegensehen, denn der völkische Sinn sei unserer Schule gewahrt. Um ihrer Verankerung im völkischen Willen werde sie sich immer behaup­ten.

Ist sie zu einer bekannten Familie geflohen. Das habe ich dir ja schon einmal erzählt, Anna. Weiter weiß ich selber nichts. Und in Hamburg habe ich sie dann nach so vielen Jahren wiedergetroffen."

Es ist so merkwürdig, daß Mutter zu mir nie von meinem Vater gesprochen hat", meinte das Mädchen verträumt.Ich habe kein Bild von ihm, keine Erinnerung, gar nichts. Auch Mutter hat nichts hinterlassen. Ich weiß nur, daß er längst tot ist. Ein bißchen wenig, Josi; saa selber"

Fogg trank sein Bier aus und knurrte kurz: Komm schlafen jetzt, Anna! Was, schon halb elf?! Gute Nacht, Anna."

18.

Viktoria nähte Kinderhemdchen.

Ihr Bruder lehnte am Fenster und starrte auf die gegenüberliegende Brandmauer und auf eine Dachaltane, auf der ein mageres Dienstmädchen Wasche au^ing. Der Raum, in dem die Geschwister hausten, war eine Dachkammer im äußersten Schwa­bing, giftgrün gekalkt, und die eine Wand war schief. Wie Dicki das nur aushält! dachte der junqe Mensch verzweifelt.

Die Lebenskurve der Geschwister bewegte sich augenblicklich weit unten. Viktoria war nach jener häßlichen Szene in der Engasser-Villa nach Mün­chen gefahren, trotzig entschlossen und planlos, und vor allem sehr überstürzt. Sie hatte etwas Wasche eingepackt, Hemdhöschen, ein Kleid, Strümpfe, was .eben/ Zwergkoffer so ging, aber das Wich­tigst ließ sie jnü voller Absicht in Schellenberg zurück. Geld. \ Geld in keinem Fall und unter gar keinen Umstanden. Der Satzaus Armseligkeit hervorgeholt" brannte zu tief. Ja, und nun war sie also in München, 5Uid das einzig mögliche Unter­kommen war bei n^ranz, ihrem Bruder, und der wohnte sehr bescheiden. Am nächsten Tag tat sie sich nach Arbeit um. W,-er so etwas unternimmt, muß Treppen steigen, iwimerzu Treppen, muß die Zeit verwarten, muß ssich in Vorzimmern herumdrücken,

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Vornan von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

öffnet. Es gelangt die neue Uebersetzung von Hans Josten zur Uraufführung. Die Spielleitung führt Intendant Schultze-Griesheim.

Der Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Herr Hermann Wolff, seit 1930 an unserer Bühne tätig, wurde von Generalintendant Egon Klitsch für drei Spielzeiten an die städtischen Bühnen in Kö­nigsberg (Pr.) als Betriebsdirektor verpflichtet.

Neue Anorhnung über hie Verbraucherpreise für Wurst.

DNB. Der Reichskommissar für Preisbildung veröffentlicht im Reichsgesetzblatt eine zweite Ver­ordnung über Fleisch- und Wurstpreise vom 2. Juli 1937. Danach darf der Preis für Wurst bei Abgabe an den Verbraucher zwei Reichsmark je Pfund nicht überschreiten. Wurst, die der Kleinhandel vom Her­steller bezieht, darf er höchstens mit einem Aufschlag von 25 v. H. auf die Einstandspreise verkaufen. Diese Spanne sichert ihm die Deckung seiner Unkosten und einen angemessenen Nutzen.

Der Verbraucher wird also in Zukunft Wurst nicht teuerer als zu 50 Pf. je ein viertel Pfund ein­kaufen, aber auch diejenigen Wurstwaren, die bis­her schon unter diesem Preis lagen, werden z. T. billiger werden, weil die Hersteller von Wurst ihre Preise nicht heraufsetzen dürfen und die Einzelhändler die Spanne von 25 v. H. einhalten müssen. Nur bei der Einzelabgabe von Vie Kilo an den Verbraucher darf der Einzelhändler einen Zuschlag von zwei Pf. nehmen, der aber schon nicht mehr berechnet werden darf, wenn gleichzeitig von zwei verschiedenen Wurstsorten je Vie Kilogramm verkauft wird.

Geprüfte Hausgehilfinnen.

In Anwesenheit des Kreisschulrats Pg. Nebe» l i n g und der Rektorin Weitzel fand die Prü­fung der Haushaltslehrlinge, die zwei Jabre in einem Haushalt gelernt haben, in der Berufsschule statt. Die Sachbearbeiterin der Abteilung Volkswirt­schaft-Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk für den Kreis Wetterau, Frau Mathy, begrüßte die Mädchen und loste unter ihnen die Prüfungsauf­gaben aus. Der Vormittag wurde dazu benutzt, ein Mittagessen selbständig herzustellen. Da gab es Fisch in verschiedener Art zu bereiten, Gemüsesuppen und andere Eintopfgerichte, während ein anderer Lehr­ling an einem Braten zeigen mußte, was er gelernt hatte. Der Tisch wurde mit großer Sorgfalt gedeckt und alle leckeren Gerichte zur Probe für die Prü­fenden, zierlich angerichtet, aufgestellt. Nach dem Essen, dessen Zubereitung befriedigte, kam die Haus­arbeit daran. Reinemachen und Fensterputzen, Waschen und Bügeln, das alles will gelernt fein, und nur eine geschickte und geübte Hand wird darin etwas leisten. Auch die Geschicklichkeit mit der Nadel im Nähen, Flicken und Stopfen mußte unter Beweis gestellt werden und fand die Zufriedenheit des Prüfungsausschusses. Nach gut bestandener Prüfung haben die Mädchen das Recht, sich alsge­prüfte Hausgehilfinnen" zu vermieten. F. K.

und murrte:Nicht mal eine Zigarette kann man sich kaufen."

Das mit dem .Ernähren^ ist Schmarrn, Franzi. Und von wegen Zigarette? So notig sind wir nun wieder nicht daran. Da sind zwanzig Pfennig. Lauf malrunter an den Automat und hole sechs Stück. Eine mir, fünf dir; ich glaube, ich gewöhne mir auf meine alten Tage noch das Rauchen an. Ver­führt hast du mich, daß du es weißt. Mit Zigarette ist das ganze Leben bedeutend leichter, finde ich jetzt allmählich auch", lächelte sie. Als der Bruder die Dachkammer verlassen hatte, löschte dieses Lächeln jäh" aus. Sie geriet ins Grübeln.

Franz war so unpraktisch, geradezu hilflos in vielem. Immer mußte man ihn anziehen und be­muttern und achthaben, daß er nichts vergaß. Es war eine Schnapsidee gewesen, ihn nach Amerika zu lassen und sich dort eine Zukunft für ihn zu versprechen. Mit Amerika war es nichts gewesen, leider. Das schöne Geld, dieses beschämende Dar­lehen von Engasser, war glatt zum Fenster hinaus­geworfen. Da Franz dem Professor die betreffende Summe von Neuyork aus nicht zurückzahlen konnte, hatte es vor einigen Wochen Krach und bitterböse Worte in der Villa gegeben. Viktoria mußte sich von dem erzürnten Professor sagen lassen, ihr aus­gewanderter Bruder sei ein lebensuntüchtiger Mensch, ein Verschwender und Galgenstrick, der ihm nicht mehr unter die Augen kommen solle. Auch ihre schwesterlichen Briefe mußte sie seither in aller Heimlichkeit schreiben. Und nun war Franz nach anderthalb Jahren abgebrannt und arm wie eine Kirchenmaus nach Deutschland, nach München, zu­rückgekehrt und befand sich seit etlicher Zeit auf einer zermürbenden Stellenjagd. So schlimm, wie Engasser ihn machte, war Franzl ja nun nicht; aber daß er geschoben werden mußte, daß er ein bißchen schlapp und verttäumt war, das stimmte.

Wurden die eigenen Sorgen dadurch leichter, daß man sie mit denen des Bruders zufammenlegte? Sie schrak auf.

Hier sind die Zigaretten, Vicki", sagte Franz und startete eine weltmännische Verbeugung.

Sie riß die Packung auf und steckte sich und dem Bruder eine in den Mund.

Und da ist die Post. Der Briefträger hat sie mir gleich auf der Stiege gegeben. Wird wieder ein schöner Mist sein, lauter Absagen!" meinte er höhnisch.Wir sind halt Pechvögel, wir zwei, du

mit deinem Professor und ich mit dem anderen! War uns auch nicht an der Wiege gesungen; aber so geht's halt. Erft wird man vorn Schicksal ver­wöhnt ich Kollegs mit üppigem Monatswechsel, du Körbe austeilende Jungfrau und dann, wie Vater starb, war auf einmal nichts da oder wenig­stens nicht viel. Das bißchen genügte gerade zum Fertigmachen für mich und für deine Kurse. Und dann hat sich alles vorschriftsmäßig entwickelt. Bei dir diese Ehe, von der ich oir abgeraten habe, wie du weißt; bei mir diese blödsinnige Amerikafahrt. Dieser seriöse Herr in den besten Jahren war eine schwere Niete, Schwesterchen."

Du, ich mag das fein nicht, wenn man sich über Abwesende lustig macht!" wies sie ihn zurecht.Sei nur still, du haft auch deine Fehler!"

Entschuldige, Vicki! Ich meinte nur wegen dieser Hemdennäherei da", sagte er beschämt.

Bei diesen Hemden werde ich nicht alt, des kannst du versichert sein. Das ist nur so ein Heber- gang, lieber Bruder Franz/

Sie schlitzte mit der Stoffschere die Briefe auf. 2Ibfage, Ablage, Absage. Bezugnehmend auf Ihre

t Offerte vom T-ten, bedauern wir höflich ..3 r- T bl?5 °ieIe Porto. Plötzlich schrie sie auf: xat? Der Lunaoerlag nimmt dich

als Lektor. 250 Mark im Monat. Habe ich nicht gleich gesagt, es kommt eine bessere Zeit? Man darf nur nicht immer sofort die Flinte ins Korn werfen. Du gehst jetzt hin und stellst dich vor! Dei­nen blauen Anzug habe ich ausgebügelt. Gib mir mal Die Krawatte mit den roten Tupfen her!"

Sie war voll Geschäftigkeit und guter Ratschläge, \ bQ5 Schleifchen, sie bürstete ihn ab, sie ä ajirfte chn weg. Seit dieser Bries gekommen war, j icgien mit einemmal die Sonne ins Zimmer.

Sils der Bruder gegangen war, sann sie nach, l roas sie ihrem Mann schreiben sollte. Es war Zeit, ,

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Fortsetzung folgt

muß sich zuweilen anschnauzen lassen, muß sich ganz klein und häßlich machen und aufsteigende Tranen hinunterschlucken, muß abschätzende und unan­ständige Männerblicke über sich ergehen lassen und am Abend als Ergebnis buchen: Diesmal war es nichts. Noch nichts, aber es kommt schon. Nein, das Postensuchen war kein ungetrübtes Vergnügen.

Nach vielen Fehlschlägen und Enttäuschungen war Viktoria bei diesen Hemden gelandet. Männer- hemüen, Kinderhemden. Von den erstgenannten be­kam sie für jedes Stück siebenundsechzig Pfennig. Obschon sie fleißig war, brachte sie es nur auf fünf bis sechs Stück im Tag, weil sie der Ansicht hul­digte, daß auch billige Hemden ordentlich und dauer­haft genäht sein müssen. Mit dem Erlös den Unter­halt von zwei ausgewachsenen Personen zu be­streiten, war jeden Morgen eine neue Aufgabe.

Ihr Bruder riß den Blick von dem wäscheauf­hängenden Dienstmädchen los und drehte sich um. Er machte Viktoria ein Zeichen, sie möge das Näh­maschinengeratter einstellen, und sagte:

Hör mal, Vicki, willst du nicht doch lieber zu deinem Mann zurückkehren?"

Nie!" flammte sie auf.Wir sind zwar zwei ganz arme Hascherl, wir beiden, aber unfern Stolz haben wir doch, gel, Franzl?"

Schon. Es ist mir ja nur um dich, Vicki. Du sollst das nicht; es ist deiner nicht würdig, dieses Abrackern und diese Jammerbude und alles", sagte er mit heißer Zärtlichkeit.

Laß nur, Franzl. Wir müssen den Kops oben behalten. Es kommen auch wieder andere Zeiten."

Du bist so tapfer, Vicki", flüsterte er bewundernd.

Ich halte es eher für Trotz. Das Leben soll mich nicht so einszweidrei unterkriegen. Wir sind doch noch jung, Franzl."

Goldene Worte, Vicki. Ich habe sie mir auch vorgebetet, wie ich drüben in Neuyork gestanden bin. Aber wer von den Dollarbrüdern sucht schon einen Kunsthistoriker? Als es mit der Kunstgeschichte nichts war, habe ich das Uebliche gespielt, Taxi­chauffeur, Tellerwäscher, Laufbursche. Nicht mal das ist mir auf die Dauer geglückt. Und was ist in München? Ich lungere herum, warte auf eine Stellung, die nie kommt, und lasse mich von meiner izrau Schwester ernähren", seufzte er und ließ mut­los die Schultern fallen.

Der junge Mensch, es stand nur ein Jahr zwi­lchen ihm und Viktoria, setzte sich auf den Bettrand