Einzelbild herunterladen

ttr.153 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Oberhessen)

Mntag,5.Zuli 1937

DieLahchunderi-Keier der Gießener ^ealanstatten.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen begingen am Samstag und Sonntag die beiden Gießener Realanstalten Realgymnasium und Oberreal­schule die Feier ihres 100jährigen Bestehens. Aus dem ganzen Reiche, ja sogar aus dem Aus­land, waren die Festteilnehmer erschienen. Am Samstagabend veranstalteten beide Schulen Begrü­ßungsabende. Der Sonntag brachte vormittags Stun- oen ernster Feiern zur Erinnerung an die Toten und an die Gefallenen des Weltkrieges, anschließend den eigentlichen Festakt, am Abend eine große Fa­milienfeier.

Oer Begrüßungsabend des Realgymnasiums

fand in den Räumen des Gesellschaftsoereins statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die ehemaligen Realgymnasiasten nahmen jahrgangs- weise Platz. Man sah viele alte Herren mit grauen Bärten und weißen Haaren. Der älteste unter ihnen, Dr. G a r t h, hatte die Reifeprüfung vor 51 Jah­ren abgelegt.

Als der derzeitige Leiter des Realgymnasiums, Oberstudiendirektor Angelberger, bie. Schul­glocke schwang, um sich Gehör zu verschaffen, waren von den einstigen Schülern längst alle Ver­bindungen aus der Jugendzeit wieder hergestellt. Gemeinsam wurde zunächst das LiedSind wir vereint zur guten Stunde" gesungen, und an Worte des Dichters jenes Liedes knüpfte Oberstudiendirek­tor Angelberger in seiner Begrüßungsansprache an. Er wies auf die Zeiten Ernst Moritz Arndts hin, die in mancher Beziehung unserer Gegenwart ge­glichen hätten. Dem Führer sei es zu danken, daß diese Feier in Frieden und Ruhe begangen werden könnte, während rings in der Welt Kampf und Un­frieden herrsche. Er begrüßte sodann die Vertreter der Partei, ihrer Gliederungen, der Behörden, der Wehrmacht und schließlich alle ehemaligen Real­gymnasiasten. Aus zahlreichen Zuschriften derer, die nicht dabei sein könnten, spreche, so betonte der Red­ner u. a., herzliche Verbundenheit NHt den Lehrern Und der Schule. Er erinnerte an die Gründung der Vereinigung ehemaliger Realgymnäsiasten vor zwölf Jahren und gab seinem Dank Ausdruck für die mancherlei Unterstützung in materieller und ideel- ler Art, die durch diese Vereinigung der Schule bis­her zuteil geworden sei. Er erinnerte ferner an die regelmäßigen Treffen verschiedener Jahrgänge in Gießen und stellte sie als Beispiel vor Augen. Ober­studiendirektor Angelberger gab weiter seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich auch mancher ehemalige Schüler einfand, der heute die Uniform der Wehr­macht oder des Reichsarbeitsdienstes trage. Die Pri­maner, die an der Feier teilzunehmen für würdig erachtet waren, ermahnte er, es den Alten an Lei­stung und an Treue zur Schule gleichzutun. Er gab abschließend dem Wunsche Ausdruck, daß die Fest­tage allen auch Sonnentage sein möchten. Die lau­nig vorgetragenen Ausführungen des Redners wur­den mit anhaltendem Beifall aufgenommen.

Der weitere Verlauf des Abends brachte manches gemeinsam gesungene Lied. Musikalische Darbie­tungen trugen ferner zur Unterhaltung bei. Einige Kameraden warteten mit launigen Ansprachen und Gedichtvorträgen auf. Schüler des Realgymnasiums führten ein Hans-Sachs-Spiel auf und fanden dazu eine aufmerksame, dankbare Zuhörerschaft.

Begrüßungsabend der Oberrealschule

Welch weite Kreise unserer engeren Heimat Gene­rationen hindurch ihren Lebensweg durch die Ober­realschule genommen haben, bewies der Begrü­ßungsabend imCaf6 Leib". In herzlicher Art ent­bot der Leiter der Oberrealschule, Oberstudiendirek­tor L e o n h a r t, allen Lehrern, denEhemaligen" und den jetzigen Schülern und Schülerinnen den Willkommensgruß. Es sei ein schöner Zug des Men­schen, so sagte er einleitend, sich zu erinnern an die vergangenen Tage. Die Gießener Oberrealschule

habe durch ein Jahrhundert bewiesen, daß die Grundlage, die sie ihren Schülern auf den Lebens­weg mitgegeben hat, eine sehr gute war. In hu­morvoller Weise ließ der Redner Erlebnisse anklin­gen, um dann anerkennend festzustellen, daß seine Amtsvorgänger und alle Kameraden so an der Jugend gearbeitet hätten, wie das deutsche Volk sie brauche. Sein besonderer Gruß galt dann den Ver­tretern der SA., der HI. und Oberstudiendirektor a. D. Karl Roller. Diesem seinem Amtsvorgän­ger, der unter sehr schweren Umständen die Anstalt in eine bessere Zeit hinübergeleitet hat, sprach er ganz besonderen Dank aus. Den schönsten Beweis für die Notgemeinschaft der Erzieher und Schüler abq: erblicke er in dem Besuch der vielen auswär­tigen Gäste aus allen Teilen des Reiches. Er dankte ihnen für die schöne Geste, durch die sie der heutigen Jugend zeigen, daß ihre Väter und Vorgänger die Tugend der Dankbarkeit für ihre Schule bewahrt und auch jenseits der Meere am heutigen Tage mit ihren Gedanken unter ihren Schulkameraden weilen. Diese Verbundenheit haben Max H o s s e (1886/97) und die türkischen Schüler Ahmet Seyfettin- Kayatürk und Fahri Asis aus Ankara durch Uebermittlung ihrer Grüße und Wünsche bewiesen. Ferdi Z ia sei'sogar von Istanbul eigens zu dem Ehrentag nach Gießen gekommen. Als ältesteEhe­malige" begrüßte Oberstudiendirektor Leonhardt den in Gießen allseits bekannten Rentner Reiber aus Bad Homburg und Kinkel, Gießen, die beide im 81. Lebensjahr stehen. Zum Schluß rief der Red­ner der Jugend von heute die Mahnworte zu: Noch ist die Schule euer Leben, bald wird das Leben eure Schule sein!

Anschließend wurde bekanntgegeben, daß eine Kameradschaft ehemaliger Gießener Oberrealschüler gegründet wurde, deren Leiter der Direktor der Bezirkssparkasse, Dr. Hopfen- müller, ist, die betonte, daß die Kameradschaft aller Vereinsmeierei abhold sei, und lediglich der Jugend ihre, über die Schule gewonnene Auffassung der dankbaren Erinnerung durch die Tat klarmachen, der Anstalt selbst durch Geldmittel die Anschaffung von Turn- und Sportausrüstungen und die Förde­rung von Studienfahrten erleichtern und den Zu­sammenhalt derEhemaligen" vertiefen wolle. Zu dieser Mitarbeit rief er alle alten und jungen Ober­realschüler auf. Als seine Mitarbeiter berief er: Beigeordneten Vogt, Verwaltungsdirektor Kolb, die Kaufleute Schwarz jr., W a l d s ch m i dt jr., und Gustav G e i ß e, Prokurist Leo Martin, so­wie Studienrat Kurz, sämtlich aus Gießen; ferner Professor Ratz aus Worms.

Totengedenkfeier im Realgymnasium.

Einen packenden Verlauf nahmen die Toten­gedenkfeiern am Sonntag, die die beiden Schulen vor den Ehrentafeln ihrer Schulhäuser abhielten.

Im Realgymnasium war die Ehrentafel im Flur des ersten Stockwerkes mit frischem Grün geschmückt. Schüler standen Ehrenwache. Viele Teil­nehmer fanden sich zu der Feier ein, so daß die Flure und die angrenzenden Zimmer fast überfüllt waren. Die gegenwärtige Schülerschaft nahm ge­schlossen in der Uniform der Hitler-Jugend teil. Ge­tragen und feierlich klang KlopstocksAuferstehung" (in der Vertonung von ©raun), vom Chor der Schüler gesungen, zur Eröffnung der Feier durch das Haus. Ein Wort des Führers Adolf Hitler, in dem er den gefallenen Helden ein Denkmal der Unvergessenheit setzte, klang aus dem Munde eines Schülers; ein anderer Schüler sprach das Gedicht von Walter FlexDie Dankesschuld".

Nach einer vom Musikchor der Schule wieder­gegebenen Hymne von Gluck hielt Professor Dr. Schmoll die Gedenkrede.

Er gedachte zunächst der verstorbenen Kameraden, die mit uns auf der Schulbank saßen, deren Bild aber gerade in dieser Stunde vor dem geisti­gen Auge aller lebendig sei. Er gedachte auch der

verstorbenen Direktoren und Lehrer, denen man­cher Schüler viel schuldig geblieben sei, und deren heute in aller Dankbarkeit, in Vertrauen und Ver­ehrung gedacht werde. Der Redner führte die Ge­danken dann zu jenen Toten, die auf dem Felde der Ehre starben, die von der Schulbank fort in das Feld zogen, vom Spiel der Jugend in den furcht­baren Ernst des Krieges, und deren Leben über Nacht tiefen und heiligen Sinn bekommen habe. Dann wandte der Redner die Gedanken jenen 24 Helden zu (deren Namen auf der eichnen Tafel der Schule verzeichnet sind), die von der Schulbank fort unmittelbar in den Krieg zogen und ihr Leben für das Vaterland gaben. Die Gefallenen feien für uns nicht tot, sie feien auch nicht unbekannt, vielmehr riefen sie den jetzigen Schülern täglich die Mahnung zu, Herz und Hand dem Daterlande zu weihen. Die Totengedenkfeier sei ganz von selbst zu einer Brücke zwischen dem alten und dem neuen Reich geworden, denn den Gefallenen des Weltkrieges feien jene im Braunhemd gefolgt. Die Opfer feien nicht vergeblich gewesen. So sei auch in dieser Stunde das Herz voll Dank an den Führer, der uns wieder groß und frei gemacht habe, willig und bereit, auch den letzten Tropfen Blutes für Volk und Heimat, Familie und Vaterland zu geben.

Das feierliche Ave verum von Mozart und ein Gedichtvortrag (Will Vesper:Der Führer") be­schlossen die feierliche Stunde. An der Ehrentafel wurde ein Kranz nieberqelegt, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Im An­schluß an die Feier wurde auch am Erinnerungs­stein im Schulgarten ein Kranz niedergelegt.

Totengedenkfeier der Oberrealschule.

Die Oberrealschule hielt ebenfalls vor der mit ftischem Grün geschmückten Ehrentafel eine ein­drucksvolle Totengedenkfeier ab, die der Chor der Anstalt mit der alten Weise von Krügerlieber den Sternen wohnt der Frieden" sinnig einleitete. Ein Schüler trug AnackersTotenehrung" vor.

Nach einer musikalischen Einleitung las Pfarrer Studienrat Reinhardt aus feinem alten Feld- teftament. In feiner Ansprache widmete er jenen Helden, die aus diesem Hause auszogen und ihr hoffnungsvolles Leben auf den Opferaltar des Va­terlandes legten, aber auch all den Bekannten und

Unbekannten, die im ersten Jahrhundert aus der Gemeinschaft der Schule abberufen wurden, ein herzliches Gedenken. Aus einem Feldpostbrief eines Gefallenen ließ der Pfarrer das Heldentum der Feldgrauen verständlich werden. Eingedenk der Führerworte:Wer feinem Volke so die Treue hielt, soll selbst in Treue unvergessen bleiben", stellte Studienrat Reinhardt die jedem Einzelnen aus Tod und Gedächtnis abgeforderte Verpflichtung zu ver­antwortungsbewußtem und tätigem Leben dar. Mit einem Segensspruch, der am 23.4.1837 bei der feierlichen Eröffnung der Schule mit auf den Weg gegeben wurde, und der auch dem neuen Jahrhun­dert voranstehen solle, Hana die Ansprache aus.

Ein Chor fang das Lied vom Reitertod, und nach einem Gedicht legte Oberstudiendirektor Leon­hardt mit einigen verpflichtenden Worten einen Lorbeerkranz vor dem Ehrenmal nieder, während Studienrat Krause auf dem Klavier das Lied vom guten Kameraden spielte.

Ausstellungen.

Mit großem Interesse wurden dann die Ausstel­lungen in den Schulen betrachtet. Im Realgym­nasium zog besonders eine Schau von Segelflug­zeugmodellen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Man sah eine stattliche Anzahl von Modellflugzeugen, die von den Schülern nach Anleitung in der Schule meist in der Freizeit gebaut und zum größten Teil mit außerordentlicher (Sorgfalt konstruiert waren. Mit großem Interesse betrachtete man ferner die Modelle in den verschiedenen Stadien ihrer Fertig­stellung. Verschiedene Lehrmodelle ließen erkennen, daß die Schüler eingehend mit der Materie des Segelfluges vertraut gemacht werden. Besondere Aufmerksamkeit galt ferner der Ausstellung der Zeichnungen, in der eine UeberfüUe von Arbeiten zur Schau gestellt war, die manchen Schluß auf die zeichnerische Begabung in einzelnen Schülern zu­ließ.

In der Oberrealschule war ebenfalls eine Besichtigung der Schulräume möglich, die viel In­teressantes bot. Besondere Aufmerksamkeit fanden die Schulsäle für Chemie und Physik, die anschau­lich die vordringendsten Tagesfragen in ihren Ent­wicklungen sehen ließen, wie die Gasmaske, die Vistrafaser, die Zuckererzeugung und den Gasschutz.

Wilämus-Iesiaki in der Volkshalle.

Einen eindrucksvollen Auftakt fand der gemein­same Festakt beider Schulen in der Volkshalle, der am Sonntag um die Mittagsstunde stattfand, mit demGebet vor der Schlacht" (C. M. v. Weber). Der vereinigte große Chor der beiden Schulen brachte unter Leitung von Reallehrer Blaß die Komposition in einer schönen Gemeinschaftsleistung zu Gehör. Sodann hielt

Oberstudiendirettor Leonhardt die Begrüßungsansprache. Zurückzuschauen sei schön, so führte er u. a. aus, um so schöner, wenn man in dieser Erinnerung nicht allein sei, sondern Kame­raden habe. Deshalb sei es besonders erfreulich, daß sich eine so große Gemeinde eingefunden habe, um den Tag der Gründung der Gießener Realanstalten festlich zu begehen.

Oberstudiendirektor Leonhardt hieß sodann die zahlreichen Ehrengäste willkommen. Er begrüßte be­sonders den Vertreter von Ministerialrat Rings- Haufen, Oberschulrat Dr. Leib (Darmstadt), und versicherte ihm, daß sich die Leitungen der beiden Anstalten ihrer großen Ausgaben im Dritten Reiche bewußt seien und kein schöneres Versprechen für die Zukunft wüßten, denn das: jederzeit der Pflicht ge­mäß zu handeln! In seinen Grußworten an Ober» bürgermeiefter Ritter betonte der Redner, daß die Universitätsstadt Gießen auf ihrem jetzigen kul­turellen Stand nicht stehenbleiben dürfe, sondern

immer höher gehoben werden müsse. Er dankte ihm für die bisherige Unterstützung und versprach Mit­arbeit an der kulturellen Aufwärtsbewegung unse­rer Stadt. In feinen weiteren Grußwvrten wandte sich der Redner an den Vertreter der Kreisleitung der NSDAP., Pg. Holländer, und betonte, daß das nationalsozialistische Gedankengut von den Schu­len rein übernommen worden und in der Jugend verankert sei. Schließlich hieß der Redner noch die Vertreter der Wehrmacht, der Universität und der Behörden willkommen, widmete ferner herzliche Worte der Begrüßung allen Gästen, allen ehema­ligen Schülern, den Berufskameraden aus dem Kreise der Erzieher und nicht zuletzt auch den El­tern der Schüler und den Schülern selbst.

Oberstudiendirektor Angelberger

hielt sodann den Festvortrag über das Werden der Gießener Realanstalten während ihres 100jährigen Bestehens.

Sollen Jubiläen, wie die Gießener Realanstal­ten es feiern, ihre innere Berechtigung haben, dann dürfen sie sich nicht darauf beschränken, den Ablauf gewissen Geschehens während einer runden Zahl von Dezennien herauszustellen und zu feiern, viel­mehr muß der tiefe Sinn des Geschehens in der Vergangenheit Wille und Kraft auf ein sich ergeben»

| des Ziel in der Zukunft einstellen.

I Demzufolge muß die Geschichte unserer Schulen

Getarntes (Schrifttum.

Feierstunde im Giudentenhaus.

Die Reichsdienststelle zur Förderung des deutschen Schrifttums hielt am Samstagnachmittag eine Arbeitstagung in Gießen ab. Im Anschluß daran sand abends eine Feierstunde im Studentenhaus statt. Kreispresseamtsleiter Pg. Ewald hieß namens der Landesdienststelle zur Förderung des deutschen Schrifttums und der Kreisleitung Wetterau die Erschienenen willkommen und begrüßte die Dichter Fritz U s i n ge r, Eduard Lachmann und Heinrich Philipp Tempel. Darauf hielt Lan­desdienststellenleiter Pg. Dr. Kirchner (Frank­furt a. M.) einen Vortrag über das ThemaGe­tarntes Schrifttum" und führte u. a. etwa folgendes aus:

In der großen geistigen Umwälzung, in der wir heute mitteninne stehen, ist es nicht möglich, das gesamte Schrifttum zu übersehen und zu durchdrin­gen. Auch in der weltanschaulichen Auseinander­setzung ist Kampf der Vater aller Dinge. Leider wird der Kampf von der Gegenseite nicht mit offe­nem Visier geführt; deutsche und jüdisch-liberali- stische Kampfesweise stehen einander gegenüber. Die großen Begriffe Volk, Führer, Vaterland, Nation, die uns heilig sind, werden vielfach durch erstaun- UAe. Kniffe und Schliche verfälscht und ins Gegen­teil:': verkehrt. Die Tarnung ist charakteristisch für solche Kampfesweise. Die Verfasser solcher Mach­werke sind ausländische Juden und Emigranten, reaktionäre Mächte im bürgerlichen Lager, Libera- listen und konfessionell orientierte Gruppen.

Anschließend gab der Vortragende Beispiele für die" verschiedenen Grade des getarnten Kampfes im Schrifttum. Am harmlosesten sind solche Fälle, wo es sich um mangelndes Verständnis handelt. Hierher gehören zum Beispiel Schriften des George- Kreises; die von George verkündete Führeridee war aber nur geistig-kulturell, nicht politisch-völkisch und im Sinne einer rassischen Erneuerung gedacht. Bös­artiger rft die von katholisch-kirchlicher Seite aus- Schende der nationalsozialistischen

beermeVt)or aiienf das Konjunkturschrifttum,

H" mMÄ« Wortschatz--der febient besonders im Hmdli<"k auf das Raffenpro blem Eine Reihe von Beispielen erläuterte die e Dadegunqen Mud) anbcre Begriffe b«. nahonah fatalistischen Ideengutes werden verfälscht, u I war Io raffiniert, daß dergleichen nicht mehr mit \ Verständnislosigkeit entschuldigt werden kann. Einig

Proben kennzeichneten die raffinierten Methoden der Umdeutung aus dem katholischen Weltbild her­aus, die den harmlosen Leser zu täuschen vermögen. Auch die Theosophen erheben den Anspruch, beim Nationalsozialismus Pate gestanden zu haben. Hin­zu kommen bösartige Angriffe ausländischer Hetzer und die jüdisch - zersetzende Schundliteratur, die ziemlich offene Propaganda für den Kommunismus treiben. Diese Sorte von Schrifttum kann eigentlich schon nicht mehr als getarnt bezeichnet werden. Auch hierfür wurden Beispiele aus dem Auslande an­geführt, die sich insbesondere mit dem Kampf gegen denRassismus" befassen. Aus alledem geht hervor wie wichtig es ist, daß eine zentrale Dienststelle auf der Hut ist und solche Machwerke verfolgt und ausrottet. Für uns gilt der Wahlspruch: Viel Feind , viel Ehr! Wir sind immer zum Kampfe und zur Abwehr bereit.

Nachdem Pg. Ewald dem Vortragenden für feine Ausführungen gedankt hatte, lasen die drei der Feierstunde beiwohnenden Dichter aus eigenen Werken, zuerst Fritz U s i n g e r ; er sprach drei durch ein gemeinsames Thema verbundene ®eoicnte aus dem BandeDas Wort", welche das Verhält­nis des deutschen Menschen zur deutschen Land­schaft behandeln:Gesang für die deutsche (^de als Dank und Gruß an die heimatliche Landschaft;

Die Ahnen", eine dankbare Erinnerung an die bäuerlichen Vorfahren; endlich das wundervolle Ge­dichtMit einem Feidblumensttauß , das in der Schlichtheit und Innigkeit des Gefühls vollkommen genannt werden muß.

Eduard Lachmann las eine anekdotisch ge­rundete ErzählungReiter und Ring , eine Ge­schichte aus dem großen Kriege (oder vielmehr gleichsam am Rande des Krieges), klar und gelassen geformt, mit einer fast überraschenden Pointierung, ausklingend in einem einfachen Retterlied.

Ph. H. Tempel las zuletzt: denWeg zur Arbeit" aus einem GegenwartsbucheDie Heim­kehr", woriy sich aktuelle Probleme der Erzeugungs­schlacht, der Gemeinschaft und des^Verhältnisses von Bauern und Arbeitern, von ländlichem und indu­striellem Lebenskreis zueinander andeuten. Den Schluß bildete die episodische Sch. derung einer Kaiserkrönung aus einem noch unvollendeten histo- rischen Manuskript. Die drei Varl-,enden wur- den mit lebhaftem Beifall bedacht. Pg. Ewald schloß die Veranstaltung mit dem Dank an die Dichter und dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer. hth-

Aus den Kindheitstagen des Kinos.

Von der gewaltigen Entwicklung der Filmindu­strie, die in den führenden Ländern mit zu den größten gehört, wendet sich der Blick gern zurück zu den überaus bescheidenen Anfängen vor noch nicht einem halben Jahrhundert, die an verschiede­nen Stellen zugleich zu verzeichnen sind. Der Eng­länder Leslie Wood hat unter dem TitelThe Romance of the Movies ein Buch erscheinen lassen, in dem er die Geschichte dieser Industrie mit vielen Einzelheiten erzählt. Aber neben den ernst­haften Arbeiten der Muybridge, Edison, ßumiere, Meßter, aus denen die Weltindustrie hervor­ging, sind es gerade die kleinen Einzelzüge aus den Anfängen, von denen man mit Interesse Kennt­nis nimmt.

Wer war die erste Filmschauspielerin? Eine Frau, die ihre Augen bewegte, meint Wood, und er er­zählt, daß ein englischer Photograph, William Friese-Greene in Bath, von dem man sonst wohl kaum gehört hat, das erste kinematographische Bild gezeigt habe, das nichts weiter darstellte als eine Frau, deren Augen sich plötzlich von links nach rechts und wieder zurück bewegten. Aber dieser Erfinder hatte wie viele andere Bahnbrecher ein trauriges Schicksal. Er geriet in Schulden und mußte deshalb ins Gefängnis wandern; feine - finemafo= graphischen Apparate wurden auf einer Versteige­rung verkauft, und er brachte es auch später zu nichts; denn als er an einer Versammlung eng­lischer Hersteller teilnahm, in der darüber beraten werden sollte, ob man nicht lieber alles auf diesem Gebiete den Amerikanern überließe, und dort plötz­lich starb, betrug seine ganze Hinterlassenschaft einen Schilling und zehn Pennys.

Lustig ist die Geschichte des ersten Tonfilms, den Thomas Edison herstellte. In diesem sah man, wie fein erster Gehilfe lächelte und sich zum Gruß verbeugte; dazu war seine Stimme mit einer Grammophvnplatte synchronisiert. Eins der ersten Kinobilder, die Edison bann herstellte, hatte den TitelDas Niesen". Der einzigeSchauspieler", der darin auftrat, hieß Fred 011. Er fjatte nichts weiter zu tun als eine riesige Prise Schnupftabak zu nehmen und dann sein Gesicht die ganze Reihe von Verwandlungen vornehmen zu lassen, die sich bei einem Manne zeigen, der ein Niesen zu unter­drücken versucht. Die Grimassen, die er dabei schnitt, nahmen die ganzen zwölf Meter Filmstreifen in Anspruch, und es war ein erstaunlicher Erfolg in den Hallen mit automatischen Kinoapparaten, in denen man sie zu sehen bekam.

Von Anbeginn an war sich die Filmindustrie über die Wichtigkeit der Reklame klar, und so liest man denn eine der ersten Anzeigen, die von einem Kinounternehmen aufgegeben wurde:Bequem sitzend, können Sie Züge in Bewegung sehen, fer­ner schwere Seen, die über Felsen hinwegspülen, rasende Stürme und Bäume, die sich graziös im Winde wiegen. Größte Anziehung allabendlich für Tausende von Besuchern in London, Paris und Neuyork!!!" Diese Anzeige erschien 1896.

In der Zeit, als das Schicksal der Filmindustrie bedroht schien durch eine ganze Reihe von gefähr­lichen Bränden, die in Kinotheatern entstanden waren, erschien der erste große, eine ganze Fabel erzählende Film, der je gemacht worden ist:Der große Eisenbahnüberfall". Er war im Jahre 1903 mit einem Kostenaufwande von 2000 Mark her­gestellt, und er brachte viele Tausende in allen Ländern der Welt. Die erste Filmbearbeitung des Hamlet" hatte ganze 22 Bilder; der Film war an einem einzigen Tage gemacht worden, und seine Vorführung dauerte fünfzehn Minuten.

Hochschulnacknckten.

Dem außerordentlichen Professor Dr. phil. habil. Karb Rode in Breslau ist unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie an der Technischen Hochschule Aachen übertragen worden.

Professor Dr. Friedrich Pietrusky, Ordina­rius für gerichtliche und soziale Medizin, an der Universität Bonn, ist zum Mitglied der Society de m^dicine fagale de France in Paris ernannt worden.

Professor Dr. Karl Jaspers, Ordinarius der Philosophie an der Universität Heidelberg, ist von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Jaspers, 1883 in Oldenburg geboren, habilitierte sich 1913 in Heidelberg, wo er 1920 außerordentlicher ynd ein Jahr später ordent­licher Professor der Philosophie wurde. Von,s^inen Schriften seien genannt dieAllgemeine Psychd^ Pathologie", diePsychologie der!Hettanschauun- gen", die dreibändigePhilosophie"^ außerdem die Untersuchungen über Strindberg, ,tzan Gogh und Nietzsche undDie geistige (5itua}iqn der Zeit".

Professor Dr. August Grisebach, Ordinarius für neuere Kunstgeschichte an der Universität Hei­delberg, ist auf Grund des '§ q des Berufs« beamtengesetzes entpflichtet wordei«.