Einzelbild herunterladen

gegen die Kohlmengen, die verbraucht werden muffen, findet und erfindet neue Zubereitungsarten für abwechslungsreiche Gerichte und treibt damit auch die Frühjahrsmüdigkeit aus dem Körper.

Oie Frühjahrsmesse eröffnet.

Gestern wurde auf Oswaldsgarten die Frühjahrs­messe eröffnet, leider bei unerfreulichem Wetter. Trotzdem war die Messe gut besucht, und zwar be­sonders von auswärts. Auf den Straßen zwischen Bahnhof und Oswaldsgarten herrschte lebhafter Verkehr. Mancher Einkauf wurde an den Verkaufs­ständen getätigt und viele Besucher gingen mit Paketen vom Platz. Mit der Messe ist natürlich auch wieder der übliche Vergnügungspark verbun­den, der mit seinen mannigfachen Erscheinungen so­wohl die Kinder, als auch die Erwachsenen lebhaft interessiert.Die steile Wand" ist wieder da, das Karussell mit den Meeresungeheuern, die Rutschbahn, Schießbuden fehlen nicht, und wer elektrisch Auto fahren will, kann es auch. Auch für Süßigkeiten ist wieder ausreichend gesorgt, so daß also jedermann auf seine Rechnung kommen konnte.

*

** Neuverpflichtung an das Stadt- theater. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitgeteilt: Für die Spielzeit 1937/38 wurde Joachim Po p elka vom Neuen Theater in Leipzig nach erfolgreichem Gastspiel als Kapellmeister der Operette verpflichtet. Die Schauspielmusiken zumHochtouri- ten" undMatheis brichts Eis" sind seine Kompo- itionen und verhalfen beiden Werken zu einem mrchschlagenden Erfolg.

** Nachsendung von Postsendungen. Das Postamt Gießen teilt mit: Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Formblätter zu benutzen, die an den Post­schaltern und von den Postzustellern zur Abgabe be­reitgehalten werden. Die Verwendung dieser amt­lichen Formblätter gewährleistet die pünktliche Nach­sendung der Post und ist daher zum Vorteil der Empfänger.

** Seinen Verletzungen erlegen. Der schwere Autounfall bei Lang-Göns, über den wir am Freitag ausführlich berichteten, hat leider ein Todesopfer gefordert. Der 31jährige Einschaler Hch. Sehl aus Gleiberg hatte anscheinend neben eini­gen äußeren Verletzungen im Gesicht doch auch in­nere Verletzungen erlitten, die seinen Tod herbei­führten. Der bedauernswerte Mann erlag bereits am Samstagvormittag den schweren Folgen des Unfalles.

** Lastauto gegen Straßenbahn­wagen. Am Samstag spät, nach 23 Uhr, wurde ein Straßenbahnwagen, der von seiner letzten Fahrt kommend, in das Wagendepot einrücken wollte, auf dem Horst-Wessel-Wall an der Straßenkurve vor der Goethe-Schule von einem Lastauto von hinten angefahren. Der Straßenbahnwagen wurde dabei seitlich dicht hinter der vorderen Platte getroffen und so stark angerannt, daß er vollständig aus dem Gleis geschoben wurde. Zum Glück wurden Per­sonen nicht verletzt, es entstand jedoch einiger Sach­schaden.

** Oeff entliche Bücherhalle. Im März sind 2436 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 21, Gedichte und Dramen 16, Erzählende Literatur 1427, Jugend­schristen 402, Länder- und Völkerkunde 152, Kultur­geschichte 2, Geschichte und Biographien 266, Kunst­geschichte 6, Naturwissenschaft und Technologie 57, Heer- und Seewesen 40, Haus- und Landwirtschaft 5, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 35, Sport 2 Bände. Nach aus­wärts kamen 23 Bände.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

k. R. In 7V. Die von dem Fabrikanten verfügte Beschäftigung des kaufmännischen Lehrlings liegt außerhalb des Rahmens der von Letzterem zu er­füllenden Obliegenheiten; er hätte um deswillen die ihm angesonnene Beschäftigungsart ablehnen dür­fen. Eine Verpflichtung des Fabrikanten zum Schadensersatz dürfte nur dann zu bejahen sein, wenn er es dem Lehrling gegenüber an der er­forderlichen Aufsicht und Anleitung hat fehlen lassen. Wäre bei Anwendung der gesetzlich erforderten Sorgfalt und Aufsichtspflicht der Unglücksfall ver­mieden worden, z. B. dadurch, daß die Arbeit ab­gebrochen oder sichere Unterkunft genommen wor­den wäre, so ist, falls diese Voraussetzungen im Fragefall zu verneinen find, der Fabrikant zum Ersatz allen aus diesem Unfall entstandenen und noch etwa entstehenden Schadens verpflichtet.

Von der Universität Gießen.

Ernennungen im Lehrkörper.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der Führer und Reichskanzler hat am 7. März 1937 Dr. Eduard Zentgraf zum ordentlichen Professor für forstliche Produktionslehre in der Phi­losophischen Fakultät, 2. Abteilung der Universität Gießen ernannt.

Am 19. März 1937 sprach der Führer und Reichs­kanzler die Ernennung des nichtbeamteten außer­ordentlichen Professors Dr.-Jng. Karl Scharrer zum ordentlichen Professor für Agrikulturchemie in der Philosophischen Fakultät, 2. Abteilung der Uni­versität Gießen aus.

Der ordentliche Professor Dr. D u k e n, Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Gießen, ist zum 1. April 1937 in gleicher Diensteigenschaft in die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg be­rufen worden. Gleichzeitig wurde der a. o. Profes­sor Dr. Paul Frick mit der Vertretung der Pro­fessur für Kinderheilkunde an der Universität Gie­ßen beauftragt.

Der geschäftsführende zweite Direktor der Rö­misch-Germanischen Kommission des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches, Dr. Kurt Stade in Frankfurt a. M. erhielt den Auftrag, den freien Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Gießen bis auf weiteres zu vertreten.

3um Studentenführer der Universität Gießen berufen.

Reichsstudentenführer Scheel hat den cand. med. vet. Albert Frank, der bereits seit drei Semestern das Amt des Gießener Studentenführers versieht, mit Wirkung vom 1. Februar 1937 zum Studentenbundsgruppenführer der NSDStB.- Gruppe Universität Gießen und zum Leiter der Studentenschaft der Universität Gießen berufen. Er führt die AmtsbezeichnungStudentenführer der Universität Gießen".

Oie Gießener Studentenführung.

Für das Sommersemester 1937 sind die Amts­leiterposten in der Studentenführung der Universi­tät Gießen wie folgt besetzt worden:

Studentenführer: cand. med. vet. Albert Frank. Stellvertreter: cand. med. Fritz Müller.

Amt Wissenschaft: cand. med Arnold Crone.

Wirtschafts- und Sozialfragen: Gerichtsreferen­dar Heinz-Jürgen Adam.

Kultur: cand. med. Wilhelm Hedrich.

Presse und Propaganda: cand. phil. Otto Rein.

Körperliche Ertüchtigung: cand. phil. Karl Grünig.

Auslandsarbeit: stud. phil. Ernst Mahr.

Kaffe und Verwaltung: cand. med. vet. Wil­helm Lindemeier.

Studentinnen: stud. med. Margret Maidt.

Studentenbund:

Amt Kaffe und Verwaltung: stud. med. vet. Franz Pohl.

Politische Erziehung: N. N.

Studentischer Einsatz: cand. agr. Karl Hamel.

Studentenkampfhilfe: Med. Praktikant Dr.

Hermann.

F a ch s ch a f t s l e i t e r:

Medizner: cand. med. Ernst Stuhl.

Abt. Vorkliniker: stud. med. Helmut Bartels.

Beterinärmediziner: cand. med. vet. Philipp Geyer.

Theologie: stud. theol. Richard Lind.

Philosophie I: cand. phil. Erwin Ohlemutz.

Philosophie: II: cand. phil. Hans Meyer.

Wirtschaftswissenschaft: cand. rer. pol. Wilhelm

Astheimer.

Rechtswissenschaft: stud. jur. Erich Pfeil.

Landwirtschaft: cand. agr. Karl Hamel.

Forstwissenschaft: cand. korest. Wilh. Eichenauer.

Studentenwerk:

Leiter des Vereins: Gerichts-Ref. Heinz-Jürgen Adam.

Abt.-Leiter für Kameradschaftsförderung: N. N.

Hochschulförderung: cand. agr. Wal­

ter Carle.

Darlehnsförderung: Direktor Fr.

Grebe.

Gesundheitsdienst: cand. med. Ernst

Stuhl.

Berufsberatung: Ger.-Ref. Heinz-

Jürgen Adam.

OieGaubestenimReichsbernfswettkampf

135 Sieger des RBWK. aus dem Gau Hessen-Nassau fahren nach München.

NSG. In dem vom 1. bis 4. April in Darmstadt ausgetragenen G a u e n t s ch e i d zum 4. Reichsberufwettkampf wur­den aus den 783 Wettbewerbern 13 5 Gau- beste ermittelt, die am Reichsentscheid in München teilnehmen. Auch der Leiter des Jugendamtes der DAF., Bannführer Kurth, war für kurze Zeit in Darmstadt anwesend.

Nach Erledigung ihrer berufspraktischen und -theoretischen Aufgaben und der weltanschaulichen Prüfungen traten am Sonntag die 783 Teilnehmer des Gauentscheids in Darmstadt zur Abnahme der sportlichen Prüfungen an. In Form eines Drei­kampfes Hochsprung und Medizinballwerfen in der Halle und 1000-Meter-Lauf im Freien soll­ten die Jungen und Mädel auch ihre sportliche Ausbildung unter Beweis stellen. Unter Leitung des KS.-Abteilungsleiters, Gefolgschaftsführer Rein­hard, gaben die jungen Kämpfer und Kämpferin­nen ihr Bestes her. Der Verlauf des Sportkampfes bewies erneut den hervorragenden Stand gerade des jüngsten Jahrganges.

Zu der Abschlußkundgebung, in der die Sieger geehrt wurden, drängte sich die Darmstädter Be­völkerung, die während des ganzen Gauentscheids schon ihre lebhafte Anteilnahme gezeigt hatte, dicht im Hofe des Alten Schlosses. Nachdem Bannführer Heim gemeldet hatte, sprach Gebietsführer Brandt zu den 135 Mädeln und Jungen des Gaues Hessen-Nassau, die als Sieger aus dem Gau­entscheid hervorgegangen sind und die nun in Mün­chen beim Reichsentscheid ihren Heimatgau vertre­ten werden.Kein Gesetz hat Euch hierher geführt. Wir haben Euch gerufen unh Ihr seid freiwil - l i g gekommen. Das ist das Große am Reichsbe­rufswettkampf! Ihr habt wiederum bewiesen, daß ein Jahr harter Arbeit an Euch selbst Euere Lei­stungen gesteigert hat, daß der Marsch, den der

Führer begonnen, durch Euch stetig fortgesetzt wird. Ihr kehrt zurück an Euere Arbeitsstätte mit dem stolzen Bewußtsein, in jüngsten Jahren an einem Werk mit zu schaffen, dessen Grundstein der Führer legte. Stolz könnt Ihr 135 auf Euere Leistungen fein. Für die anderen sei es ein Ansporn, weiter zu arbeiten an sich selbst."

Der Gaujugendmalter der DAF., Unterbannfüh­rer Sauer, verlas bann die Namen der Sieger und Siegerinnen der einzelnen Berufsgruppen, in denen sich die Auslese der schaffenden deutschen Jugend unseres Gaues vereint.

Oie Besten aus Oberhessen.

Aus der umfangreichen Namenliste der Sieger und Siegerinnen im Gauentscheid stehen für uns die jungen Volksgenossen aus Oberhessen und den nächsten preußischen Gebieten naturgemäß im Vor­dergrund. Es sind dies folgende:

Berufsgruppe Nahrung und Genuß: Wilhelm Stein, Klein-Linden; Heinz Schepper, Schotten.

Berufsgruppe Textil: Otto Hansel, Ilbeshausen.

Berufsgruppe Eisen und Metall: Helmut Schieferstein, Gießen.

Verkehr und öffentliche Betriebe: Helmut Wolf, Gießen; Hans Frank, Friedberg; Emmi Straub, Büdingen.

Berufs gruppe Bergbau: Gustav Stumpf, Wohnbach.

Reichsnährstand: Hans Thylmann, Fried- berg.

Berufsgruppe Steine und Erde: Er­win Jammer, Hausen; Otto Seuling, Alten-Buseck; H. Rhodius, Wetzlar, Ursula Riefer, Schlierbach.

Berufsgruppe Gaststätten: Hans Stahl, Gießen.

Skandal nm Dr.Vandergmen

Vornan von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Maria geht nicht weiter daraus ein, wenn ihr auch diese Erklärung wenig glaubhaft erscheinen will.

Die überstandenen Aufregungen machen Ihnen wohl noch etwas zu schaffen? Uebrigens wenn Sie Lust haben, will ich Ihnen nachher unter Gärt- lein zeigen. Oder willst du es tun, ©teff?'

Stefan ist über eine solche Zumutung geradezu fassungslos.Aber Kind, ich muß doch gleich in die Vorlesung." (Er sieht auf die Armbanduhr.)Höch­stens eine Zigarette kann ich mir noch genehmigen." Und während er das Etui aus der Tascye zieht: Was denkst du, Herr Koltschew bekäme Anfälle, wenn er sich einmal umsonst in die Universität be­mühen müßte. Wie ist es, Fräulein Amelung, auch eine Zigarette?"

Gisch hat Augen, so groß und rund wie ein See­löwe. Koltschew! Da ist ja der Name!

Koltschew sagen Sie? Wer ist das?"

Nanu?" lacht Stefan.Wieso interessieren Sie sich für Herrn Koltschew?"

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich bitte Sie aber, mir alles mitzuteilen, was Ihnen über diesen Herrn bekannt ist."

Stefan fixiert das Mädchen eine kurze Zeit mit eindringlicher Schärfe.Was sagst du dazu, Maria? Dieses kleine Fräulein bekundet ein ausfallendes Interesse für geheimnisvolle Leute?"

Maria spielt mit einem kleinen Amulett, das sie an einer dünnen Goldkette um den Hals trägt.Ist Ihnen denn der Name Koltschew bekannt?"

Gisch schluckt ein paarmal. Soll sie sprechen, alles sagen? Ist es nicht ihre Pflicht, diese beiden Ahnungslosen zu warnen. Aber wovor zu war­nen? Sie weiß ja nichts.

Eigentlich nein! Nur ich habe ihn unter merkwürdigen Umständen nennen hören."

Stefan Vandergruen lächelt nachsichtig.Wenn Sie so großen Wert darauf legen: Herr Koltschew ist nach außen hin Privatmann, russischer Emigrant, ein Herr in mittleren Jahren und mit vielseitigen wissenschaftlichen Neigungen. Beispielsweise hat er vor einiger Zeit eine Schwäche für das Studium der japanischen Sprache entdeckt. Er nimmt als Gasthörer an meinen Vorlesungen teil, einer meiner begabtesten und fleißigsten Schüler."

Ja, und was ist er in Wirklichkeit?"

Tja, mein liebes Fräulein, wer das wüßte! Man munkelt dies und das. Was kümmert es mich und was kümmert es Sie?

Er steht lachend auf und legt einen kurzen Augen­blick feine Hand aus Marias Schulter.Also, mach's gut, Mariandl. Ich denke, daß ich bis fünf Uhr zurückkomme. Wenn Otfuki anrufen sollte, dann sage ihm, daß ich mich freuen würde, ihn heute abend bei mir zu sehen."

Dann reicht er Gisch Amelung die Hand und spürt nicht ohne Unbehagen ihre warmen, schlanken Fin­ger.Na, dann viel Glück weiterhin, kleines ^Fräu­lein! Da Sie mir meine Grobheit von heute nacht hoffentlich verziehen haben, dürfte einem freund­lichen Gedenken beiderseits nichts im Wege stehen. Ja?"

Gisch druckst irgend etwas hervor, guckt erst in­ständig auf Stefans Westenknöpfe, und dann hebt sie, in einem kühnen Anlauf, den Blick zu seinem Gesicht empor.

Ihre Augen verfangen sich für ein Weilchen in den feinen, werden festgehalten von etwas Geheim­nisvollem, von etwas unsagbar Schönem, von etwas, das ihr plötzlich das Herzblut stocken macht.

Ihr Mund öffnet sich wie in jähem Schmerz. Sie weiß nicht, sie kann nicht ahnen, was in diesem Augenblick mit ihr geschieht.

Stefan blinzelt ihr ermunternd zu, und endlich bringt sie, etwas stockend und sehr leise, die Ant­wort heraus:Ja, ich werde gerne an Sie denken, Herr Doktor!"

Na, das freut mich aber!" ruft er lachend, und feine laute, schallende Stimme ist fast eine Roheit, aber so sind die Männer.Also dann auf Wie­dersehen!"

Während er mit seinen langen Schritten aus dem Zimmer stürmt, schaut Maria aus schrägen Augen das Mädchen an. Ihr ist nichts entgangen. Armes

kleines Mädel, denkt sie, das ist ja heller Wahn­sinn. Er ist zehn Jahre älter als du, und in [einem Herzen hat nur die Arbeit Raum. Schlag dir das aus dem Kopf, Mädel!

Maria erhebt sich und stellt mit gewohnten Grif­fen Tassen und Teller zusammen.Nun, wenn Sie also Lust haben!"

Diesen kleinen Garten findet Gisch wirklich ent­zückend. Mitten in der Stadt, nicht zu glauben!

Maria ist verändert. Ihre Worte sind beherrscht, zurückhaltend, das Herz scheint keinen Anteil mehr zu haben.

Gisch nimmt die Wandlung mit Bestürzung wahr, und da sie den Grund nicht ahnen kann, drängt sie, aus dem Hause fortzukommen.

So sind also diese Leute. Erst meint man wunder was, und hernach können sie einen nicht rasch ge­nug wieder loswerden.

Eine bittere Enttäuschung für Gisch Amelung!

Ihr Kleid ist in Ordnung gebracht, also besteht kein Grund mehr, länger zu verweilen, zumal das Fräulein Vandergruen keine Miene macht, den überstürzten Aufbruch zu verhindern.

Sie begleitet Gisch zur Haustür, gibt ihr die Hand und wünscht ihr alles Gute.

Gisch bedankt sich höflich für die Gastfreund­schaft.

Als die Tür sich hinter ihr geschlossen hat und das laute Leben der Straße sie umfängt, atmet sie auf. Sie eilt in das Hotel zurück, um sich von Tante Liesa ein paar Pfennige zu borgen.

7.

Frau Bürklein ist sonst eine gute Seele, aber das ist sogar ihr ein bißchen zu toll. Sie denkt, der Schlag rührt sie, wie sie zur gewohnten Zeit das Frühstück bringt, und weit und breit ist nichts von einer Gisch zu sehen.

Sie kann sich nicht vorstellen, was geschehen sein soll. Fräulein Amelung, dieses Muster eines ge­ordneten Lebenswandels, ausgeschlossen, auch nur die Möglichkeit eines nächtlichen Bummels in Er­wägung zu ziehen.

Was dann? Ein Unglück? Man liest soviel in der Zeitung. Aber nein, dann wäre es längst ge­meldet worden.

Dann klingelt es. Frau Bürklein ist noch nie so schnell und in solcher Aufregung an die Tür gesaust.

Aus der engeren Heimat.

Tragischer Tod eines Kindes.

* Obbornhofen (Kr. Gießen), 5. April. Am gestrigen ©onntagmittag ereignete sich in unserem Orte ein tragischer D er k e h r s un f all, der leider den Tod eines Kindes zur Folge hatte. Das fünf Jahre alte Söhnchen Kurt des Schreines Kammer lief, aus einer Seitengasse kommend, di­rekt in ein im gleichen Augenblick vorbeifahrendes Personenauto hinein, von dem das Kind ersaht und so heftig zur Seite geschleudert wurde, daß es auf der Stelle t o t liegen blieb.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden, 4. April. Der Geflü­gelzuchtverein Klein-Linden 19 31 hielt am Samstagabend im Caf6 Lutz feine diesjährige Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht des Vereinsführers August Lenz war zu ersehen, daß der Verein im verflossenen Jahre 8 Mitgliederver­sammlungen und eine Ausstellung abgehalten hat. Den Rechnungsbericht erstattete Der Rechner Otto Lippert. Die Rechnung wurde genehmigt. Es wurde ferner beschlossen, tm Mai einen Familien­ausflug nach Wetzlar zu unternehmen.

-- Sau bringen, 5. April. In den Buderus- fchen Eisenwerken zu Lallor konnte dieser Tage Ar­beitskamerad C. Reinhardt auf eine 2 5 j ä t) rige Tätigkeit zurückblicken. Der Jubilar wurde von der Firma und den Arbeitskameraden aus diesem Anlaß vielfach geehrt.

+ Mainzlar, 5. April. Zur Förderung der Seidenraupenzucht hat die hiesige Ge­meindeverwaltung rund um den hiesigen Sportplatz Maulbeerbäumchen pflanzen lassen.

Kreis Alsfeld.

co Deckenbach, 5. April. Dieser Tage ver­starb in unserem Orte einer der beiden letzten Veteranen aus dem Kriege 1870/71, Heinrich Sohl II. Der Verstorbene konnte im Februar sei­nen 88. Geburtstag feiern. Zu seinem 87. Geburts­tag war ihm durch den Führer ein Bildnis und ein Geldgeschenk zuteil geworden.

# Ruppertenrod, 4. April. Hier fand heute die Konfirmation von 21 Kindern statt, und zwar sieben Knaben und vierzehn Mädchen. Seit 1908 ist in unserem Orte ein so starker Konfirman­denjahrgang noch nicht wieder zu verzeichnen ge­wesen.

# Ober-Ohmen, 4. April. In unserem Orte wurden zehn Kinder, vier Knaben und sechs Mäd­chen konfirmiert. Die Konfirmation sand unter starker Beteiligung der Gemeinde statt.

Einbruch

in eine Winterhilfslotterie-Stelle.

Der Täler schwer bestraft.

LPD. Fulda, 3. April Der 31jährige St arx Ritter brach in die Fuldaer Geschäftsstelle der Winter Hilfslotterie ein und stahl aus der Kasse etwa 7 5 Mark. Das Geld wurde größten­teils mit Freunden am gleichen Tage verjubelt. Die Tat wurde vom Gericht, vor dem sich jetzt der Täter zu verantworten hatte, als eine ganz gemeine Schandtat gegeißelt, die um so schwerer ins Gewicht fallen müsse, als sich der Täter an Geldern vergriff, die für die notleidenden Volksgenossen be­stimmt waren. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis.

Schwerer Verkehrsunfall in Frankfurt.

Auto In Flammen. Vier Ausländer verletzt.

LPD. Frankfurt a. M., 3. April. An der Frankfurter Hauptwache ereignete sich in der ver­gangenen Nacht ein schwerer Verkehrsunfall. Zwei Autos stieß en mit voller Wucht zu­sammen, wobei der eine Wagen in Brand ge­riet. Die Insassen des andern Wagens, vier in Frankfurt weilende Ausländer, konnten schnell aus dem brennenden Trümmerhaufen befreit werden, doch mußten sie sämtlich mit schweren Kopf- und Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus gebracht wer­den. Die beiden Insassen des in Brand geratenen und völlig zerstörten Wagens blieben unverletzt.

Kirchliche Nachrichten.

katholische Gemeinden.

Mittwoch, 7. April.

Hungen. 7 Uhr: Messe.

Donnerstag, 8. April.

Laubach. 7 Uhr: Messe.

Ach, Herr Knack! Sie bringen Nachricht? Ist ihr etwas zugestoßen? Nein, ich bin ja so aufgeregt!"

Wat is 'n los, Mutter Bürkeln? Sprechen Sie etwa von meiner Braut?"

Na ja, klar! Die ist doch die ganze Nacht fort- gewesen und bis jetzt nicht nach Hause gekommen!"

Emil Knack reiht vor Entsetzen Augen und Ohren auf.Was was sagen Sie da? Die ganze Nacht--?"

Jawoll, die ganze Nacht fortgewesen!"

Herr Knack fühlt sich in seinem erhabensten Fühlen getroffen. Seine Brust mögt bedenklich. Er würde ohne weiteres hier vor Frau Bürkleins Augen Kopf stehen, wenn es ihm dadurch gelänge, den derzeitigen Aufenthalt von Gisch zu ermitteln.

Sie ist wirklich nicht da?" Er kann es nicht glauben.Haben Sie auch ganz genau nach­gesehen?"

Frau Bürklein erlaubt sich ein entrüstetes Lä­cheln.Na, hören Sie mal!" -

Tja, was tut ein Junger Mann, dem an einem ganz gewöhnlichen Freitagmorgen unversehens die Braut abhanden kommt?

Emil Knack weiß zwar in der Wurstbranche aus­gezeichnet Bescheid, aber in dem vorliegenden Fall versagt er vollkommen.

Erst will er hierbleiben und warten, aber das redet ihm Frau Bürklein nachdrücklich aus, es fehlte ihr noch, den zappligen Jüngling in der Wohnung zu haben.

Gehen Sie doch zur Polizei!"

Um Himmels willen, was denken Sie!" Man hat Gott sei Dank, dreimal unberufen, toitoitoi, nicht das geringste mit der Polizei zu schaffen.

Man müßte ihre Spur verfolgen", schlägt er zögernd vor.Von dem ZeitpunSt ab, da sie zum letztenmal gesehen mürbe. (Ein neuer Beweis für den schädlichen Einfluß schlechter Kriminalromane!)

Das märe eine Möglichkeit!" atmet die Bürk­lein auf. So kriegt sie ihn am schnellsten ans dem Haus.

Also, dann fahre ich jetzt an ihren Arbeitsplatz. Dort muß die Suche ihren Anfang nehmen."

Vielleicht kommt sie heute zur Arbeit wie sonst auch!"

(Fortsetzung folgtI)