eines Sturmes, der das Eis aufriß und dem Schiff die Möglichkeit gab, an der Küste entlang zu fahren bis hinauf zum 76. Grad. Sodann berichtete der Vortragende wiederum recht anschaulich über seine vielseitigen Wahrnehmungen sowohl auf der Fahrt, wie auch an seinen wissenschaftlichen Arbeitsplätzen. Die Zuhörer wurden bekannt mit den Eigenheiten und Bodenformationen des Landes, mit den Wildbeständen (Schneehasen, Moschusochsen, Schneehühner, die allesamt so zahm und vertrauensselig sind, daß der Jäger oder Photograph sich mitten in diese Tierherden hineinoegeben kann, um zu jagen oder zu photographieren), mit dem Problem der Fjorde, den Vorfeldern an diesen Wasserstraßen im Innern des Landes, sowie mit der Vegetation auf diesen Vorfeldern und mit dem Lebensraum und den Lebensmöglichkeiten der Tierwelt. Dagegen konnte der Vortragende nichts über menschliche Bevölkerung berichten, da er, abgesehen von Jägern, keine Spuren von eingeborenen Menschen
angetroffen hat, so daß er die Vermutung äußerte, die Eskimos seien wohl, dem Standortwechsel der Renntiere folgend, noch mehr nach dem Norden und unbekannten Plätzen des Inneren hin abgewandert. In landschaftlicher Hinsicht bietet auch Ostgrönland, ebenso wie Spitzbergen, außerordentlich reizvolle Bilder, von denen die Besucher manche prächtige Ausschnitte zu sehen bekamen.
Im Schlußteil seines Vortrags faßte der Redner die Hauptmerkmale der behandelten Länder, Spitzbergen und Ostgrönland, sowie die markantesten Unterschiede zwischen beiden kurz zusammen. Dabei betonte er, daß die Erforschung dieser arktischen Länder nicht mehr nur ein Gebot der Wissenschaft sei, sorü>ern auch eine Sache des Verkehrs, der Wirtschaft und der Politik. .
Der aufschlußreiche Vortrag, dessen Wirkung auf die Zuhörer durch die durchweg guten Lichtbilder noch verstärkt wurde, fand die dankbare Anerkennung der Zuhörer.
Landarbeiter in der Front des Bauerntums.
Tagung der Hof- und Betriebsgefolgschast und ihrer Fachschaften in Friedberg.
NSG. Am gestrigen Donnerstag begann in Friedberg die Tagung der H o f - u n d Betriebsgefolgschaft und ihrer Fachschaften innerhalb derLandesbauernschaftHessen- Nassau. Der Landarbeiter fühlte sich in den Zeiten des Liberalismus weder organisatorisch noch ideell mit dem Bauerntum verbunden. Wenn nun diese Tagung gleichsam der Ausdruck eines neuen Bekenntnisses unseres Landarbeitertums zum gesamten deutschen Landvolk darstellt, so ist dies eines der hervortretendsten Momente ihrer Bedeutung. Es zeigt sich hierin das Wesen der nationalsozialistischen Agrarpolitik, die alle Kräfte eines Standes zusammenfaßt, um sie dem ganzen Volk nutzbar zu machen.
Nachdem der Landarbeiter durch das Gesetz des Führers dem Reichsnährstand angegliedert war, wurde seine Betreuung gemäß seiner Arbeitsgliederung in Fachschaften aufgeteilt. In unserer Landesbauernschaft Hessen-Nassau bestehen die Fachschaften: landwirtschaftliche Angestellte, Gärtnereigefolgschaft, Gutshandwerker und Lohndrescher-Lohnpflüger, Winzergefolgschaft, Tierpfleger, Forst- und Fischereigefolgschaft. Jede Fachschaft wird bei der Landesbauernschaft von einem Landesfachschaftswart und in jeder Kreisbauernschaft von einem Kreisfach- schaftswart betreut. Die Arbeit in sämtlichen Fachschaften erstreckt sich in erster Linie auf die sozialpolitische Betreuung und die zusätzliche Berufsfortbildung. Das sind die beiden wichtigsten Aufgaben, die in der Verbesserung der Lebensführung des Landarbeiters und in seiner fachlichen Weiterentwicklung zu erfüllen sind.
Bei der Eröffnung der Tagung, die mit einem Sieg-Heil auf den Führer begonnen wurde, waren alle Fachschaften unseres Gebietes vertreten.
Landesgefolgschastswart Steidle
von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau begrüßte die Arbeitskameraden und die Vertreter der Partei, der Arbeitsftont, des Landesarbeitsamtes und der Stadt Friedberg, und knüpfte dann in seinen Ausführungen unter anderem an das alte Kampfwort der Bewegung: „Der Kampf geht weiter!" an. Auch heute geht der Kampf noch weiter, denn er wird mit unermüdlicher Härte um die nationalsozialistische Volksgemeinschaft geführt. Aus einer echten und ehrlichen Gemeinschaft entsteht dann auch eine fruchtbare Arbeit. Der Landesgefolgschastswart erörterte dann den Aufbau der Fachschaften, die sozial betreut und durch die Berufsfortbildung zu einer Höherleistung gebracht werden, aus der sich dann auch ein höheres Einkommen ergibt. Landarbeiter zu fein, ist heute ein Ehrenname, und so muß denn dem Landarbeiter heute auch die Ach
tung entgegengebracht werden, die ihm gebührt. Die Fachtschaftsleiter ermahnte Parteigenosse S t e i d l e, sich draußen in ihrer Arbeit mit aller Kraft für den Gedanken der Gemeinschaft und der Kameradschaft einzusetzen. Jeder Landarbeiter aber muß sich von etwaigen Minderwertigkeitsgefühlen, die ihm vielleicht aus den Zeiten liberalistischer Mißachtung noch anhaften, freimachen und sich dessen bewußt werden, daß er ein vollwertiges Mitglied in der großen Front des Nationalsozialistischen Nährstan- des ist. Wer die nationalsozialistische Weltanschauung aus ganzem Herzen bejaht, der wird gar keine andere Einstellung wie diese haben können. Lan- desgefolgschaftswart Steidle richtete weiter an die Landarbeiter die Aufforderung, zu ihren Kräften mit dazu beizutragen, daß der Jude aus Öen Dörfern bleibt, und wandte sich abschließend gegen das Tippelunwesen, das dem Berufsstand des Landarbeiters nur Schaden bringt.
Im Anschluß an die eindrucksvolle Eröffnung der Gesamttagung begannen
die Sondertagungen der Fachschaften,
in denen der Charakter dieser gesamten Zusammenkunft als einer ausgesprochenen Arbeitstagung klar hervortritt. Die Ziele der Sondertagungen entsprechen den vordringlichsten Aufgaben innerhalb der einzelnen Fachschaften. Es wird für die Forstge- f o l g s ch a f t die Erhöhung der Leistung und des Einkommens durch eine intensive zusätzliche Berufs- fortbiDung erstrebt. Die Gärtner sollen vor allem wieder dem Bauerntum nähergebracht und zum bäuerlichen Denken hingeführt werden, damit sie sich nicht mehr allein als Gewerbetreibende, sondern auch als Zugehörige zum Landvolk und dessen Aufgabe betrachten. Wichtig ist auch die Sicherung der ©utsange ft eilten, die in nationalsozialistischer Gesinnung zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft stehen sollen. Bei den Tierpflege rn zeigt es sich mehr noch als bei anderen Fachschaften als notwendig, solche Elemente auszu- scherden, die dem gesamten Berufsstand schaden. Das ailt vor allem für die Beseitigung des Tippel- unwesens. Wer mit einem zerfetzten Karton unter dem Arm, verkommen aussehend, durch das Land zieht und sich zu einer Plage der Landstraßen entwickelt, hat nicht das Recht, einem Berufsstand anzugehören, der sich in strenger Disziplin in das Aufbauwerk des nationalsozialistischen Staates eingliedert. Für die Schäfer ist im Sinne der volkswirtschaftlich notwendigen Förderung unserer Schafzucht die Schaffung einer gesunden Arbeitsbasis unerläßlich.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
§ Lollar, 4. Febr. Die durch den Wegzua des Lehrers Brasch nach Chile fteigewordene Lehre r st e l l e an der hiesigen Volksschule wurde dem Lehrer Ruckelshausen, der seither in Ober- Ofleiden (Kreis Alsfeld) war, übertragen. Lehrer Ruckelshausen wurde durch Schulrat N e b e I i n g in feine neue Stelle eingemtefen und mit der Schulleitung beauftragt. ~ ,
"Y" Rüddingsha u f e n, 4. Febr. Die Ortsgruppe Busecker- und Lumdatal des Reichsluftschutzbundes führt auch hier eine Schulung der Blockwarte und der Selbstschutzkräste durch. Am Montagabend hielt Lehrer Eberle aus Lollar einen Vortrag über das Verhalten der Bevölkerung bei Luftangriffen, die Aufgaben der Selbstschutzkräfte, die Frau im Luftschutz und Aufgaben des ländlichen Luftschutzes. Der Vortrag war sehr gut besucht, besonders auch von den Frauen, und wurde mit großem Interesse ausgenommen.
△ Harbach, 4. Febr. Der Ortsring Harbach des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat, der seither elf Mitglieder zählte, hat auch im neuen Rechnungsjahr seine Mitgliederzahl behalten. An die Stelle eines ausscheidenden Mitgliedes trat Landwirt Wilhelm Stark, der sich für volkskundliche Dinge sehr interessiert. — Die Untergruppe Harbach des Reichsluftschutzbundes wird demnächst durch ihre Amtsträger die Keller besichtigen lassen, um geeignete Schutz- räume ausfindig zu machen. Die Bevölkerung wird gebeten, das Lustschutzpersonal bei seiner ehrenamtlichen Arbeit zu unterstützen und jede gewünschte Auskunft zu erteilen. — Da auf dem hiesigen Rodungsgelände noch größere Restbe- stände Holz vorhanden sind, ist der Einwohnerschaft Gelegenheit gegeben, sich billiges Brennmaterial zu verschaffen. Das Holz wird mit einem Lastwagen, der jeweils fünf Festmeter lädt, angefahren. Eine Fuhre kostet einschließlich Bringerlohn 25 RM. Da in den hiesigen Gemeinde- und Staatswaldungen wenig Holz geschlagen wurde, nutzt die Bevölkerung gerne die Gelegenheit aus. Auch die Nachbarorte werden beliefert. — Durch die Ortsschelle wurde bekanntgegeben, daß alle Obstbaumbesitzer bis zum 15.März ihre Bäume ouszuputzen haben. Säumigen wird nach diesem Termin auf ihre Kosten die Arbeit ausgeführt. Der größte Teil der Obstbäume ist schon vor der Jahreswende in Ordnung gebracht worden und in gutem Zustand.
r l fyarb ad), 4. Febr. Wilhelm Scheid, der Sohn des Erbhofbauern Heinrich Scheid III., glitt auf einer vereisten Stelle der Hofteite aus und kam so unglücklich zu Fall, daß er sich den Knöchel des rechten Fußes brach. — Unser Schäfer Adolf Wirth zog sich eine leichte Fußverletzung zu. Da sie harmloser Art war, schenkte er ihr weiter keine Beachtung. Aber schon nach einigen Tagen trat starke Drüsenschwellung und Blutvergiftung ein. Da sich der Zustand des Kranken zusehends verschlimmerte, sah sich der Hausarzt genötigt, an Ort und Stelle eine Operation vorzunehmen; sie verlief sehr glücklich. Zufällig kam der acht Jahre alte Sohn des Patienten in das Krankenzimmer und war Augenzeuge der Operation. Dem Jungen wurde es schlecht, und er mußte schleunigst das Freie aufsuchen. Während er die Haustreppe hinuntereilte, überfiel ihn ein Schwindelanfall, und er stürzte ohnmächtig auf die Fliesen. Dabei zog er sich eine schwere Verletzung über dem linken Auge zu, so daß er ebenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Beide Kranken befinden sich auf dem Wege der Besserung.
ch Ettingshausen, 4. Febr. Im Rathaus fand dieser Tage eine gutbesuchte Mitgliederver- ammlung der Deutschen Arbeitsfront statt. Der Ortsobmann sprach ausführlich über die
Beitragseinstufung der selbständigen Handwerker und Gewerbetreibenden.
I H a u s e n, 4. Febr. Der evangelische Frauen- chor Hausen ließ es sich nicht nehmen, seinem passiven Mitglied Frau Katharina Vonderheid Witwe zu ihrem 8 0. Geburtstage am gestrigen Mittwochabend ein Ständchen zu bringen. Ist doch Frau Vonderheid seit Gründung des Chores vor 9% Jahren Mitglied desselben. Nach zwei Be- grüßungsliedern des Chors brachte Pfarrer Steine r hie Glückwünsche des Chors zum Ausdruck Der im Hause wohnende Sohn dankte im Namen seiner Mutter. Zwei Heimatlieder gaben den Ausklang der Ehrung für die greife Jubilarin, die an diesem Tage viel Liebe und Anerkennung erfahren durfte.
Kreis Bübingen.
* Büdingen, 4. Febr. Eine Siedlungsgesellschaft erwarb aus dem Besitz der hiesigen fürstlichen Standesherrschaft den etwa 280 Morgen großen, mit 70 Morgen Wiesen, Findörfer Hof bei Düdelsheim und hat damit fünf Gehöfte z u Erbhöfen aufgefüllt. Das Restgut von dem einstigen standesherrlichen Besitz wird ebenfalls als Erbhof fortgeführt werden.
HNidda, 4. Febr. Infolge Unzulänglichkeit der Wasserleitung in Notfällen errichtete die Nach- barsgemeinde Geiß-Nidda auf dem höchstgelegenen Teile des Dorfes einen in Beton gefaßten, von der Wasserleitung gespeisten Brand weiher, in dem ständig etwa 110 Kubikmeter Wasser zur Verfügung stehen. Auch die Gemeinde Fauerbach sah sich aus gleichen Gründen zur Errichtung eines, hochgelegenen, etwa 400 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters veranlaßt, der ebenfalls von der Gemeindewasserleitung gespeist wird.
Kreis Schotten.
* Ruppertsburg, 4. Febr. Auf Veranlass sung der Gartenbauberatungsstelle Büdingen-Schotten fand hier im Saale des Gastwirts O. Wagner eine Versammlung des Obst - und Garten« bauoereins statt. Sie war gut besucht. Auch von Wetterfeld hatten sich mehrere Mitglieder eingefunden. Nach kurzen Begrüßungsworten durch Inspektor Metternich, Büdingen, sprach Dr. Wetzel, Frankfurt, über das Thema: „Was hat der Obstbauer zu beachten, um seiner Aufgabe, die ihm der Dierjahresplan stellt, gerecht zu werden?" Reicher Beifall lohnte den Vortragenden. Eine außerordentlich lehrreiche und ausgiebige Ansprache schloß sich an. Dr. Wetzel und Inspektor Metternich hatten dabei noch Gelegenheit, über Kalkdüngung der Obstbäume, richtige Sortenwahl, Obstbewirtschaftung usw. ausführlich zu sprechen.
Kreis Alsfeld.
G> Alsfeld, 2. Febr. Am vergangenen Sonntag gab die Deutsche Musikbühne Berlin (Reichswanderoper) im großen Saal des „Deutschen Hauses" ihr zweites Operngastspiel dieses Winters, das für Alsfeld und die weitere Umgebung auch diesmal wieder zu einem großen
V 129-280
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PUTZT ALLES
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Das fremde Gesicht.
JRoman von Laren.
35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Evelyn begriff sofort, daß irgend etwas Schlimmes geschehen sein mußte, und daß er gekommen war, um sich mit ihr auszusprechen. Er war noch beim Frühstück so vergnügt gewesen wie überhaupt in den letzten Tagen, seitdem dieser Alpdruck Monno endgültig von ihnen gewichen zu sein schien. Und jetzt — was gab es jetzt wieder Neues, Schreckliches ...?
Angstvoll suchte ihr Blick den seinen. Alland verstand die stumme Frage und nickte zustimmend.
„Der Bär muß jetzt schlafen gehen, Liebling", beschwichtigte Evelyn die Kleine, die in kindlicher Unersättlichkeit weiterzuspielen begehrte. „Morgen — morgen kommt er wieder, wenn du brav bist."
Sie schälte sich aus ihrer Vermummung und glättete mit beiden Händen das verwirrte Haar.
„Gehen Sie mit Karin noch ein wenig in den Garten, Schwester Hanni", wandte sie sich nach einer beklommenen Pause an die Kinderpflegerin, die, diskret über eine Strickarbeit gebeugt, am Fenster saß. „Es ist grabe ein bißchen Sonne."
Sie hob das Kind zu sich auf und küßte den weinerlich verzogenen Mund. „Nicht eigensinnig fein, Karin! Bring mir Kastanien aus dem Garten mit, bann wirb Mutti dir eine Kette machen, eine schöne, lange Kette."
„Und Schiffchen!" jubelte die Kleine, schnell getröstet.
„3a, und Schiffchen", versprach Evelyn mit abwesendem Lächeln.
Als die Tür sich hinter Karin und der Schwester geschlossen hatte, lief sie auf Alland zu und drängte ihr Gesicht bang forschend an das feine. „Ist etwas geschehen, Frank? Ich seh' es dir an..."
Alland nickte mit zusammengepreßten Lippen.
„Ja, es ist etwas geschehen. Monno hat mir soeben wieder einen neuen „Patienten" geschickt."
„Und — du?"
„Ich habe dem Mann gesagt, daß er morgen früh um neun Uhr zur Operation kommen kann." Er
nickte schwer. „Dieses eine Mal noch, Evelyn. Dann ist Schluß. Ich — kann nicht mehr!"
Alland preßte in stummer Verzweiflung die Hände gegen die Schläfen und ließ sich, da kein Stuhl in der Nähe war, auf Karins niedrigen Spieltisch fallen. Wie ein Verurteilter saß er da, den Kopf zwischen den Händen, in einer Haltung, die den äußersten Grad von Hoffnungslosigkeit ausdrückte.
Da spürte er plötzlich Evelyns Hand auf seinem Haar, und diese warme und zärtliche Berührung durchdrang ihn bis ins Innerste wie ein wieder- belebender Strom. Aufblickend zog er sie neben sich, ganz nah und fest, und legte den Kopf an ihre Schulter.
Endlich sagte er: „Es muß noch einen Ausweg geben. Laß uns nachdenken. Lieb. Was meinst du, wenn ich bas alles hier aufgeben, wenn ich die Klinik verkaufen würde? Mehr als die Hypotheken wird dabei freilich kaum herauskommen — aber einerlei. Ich könnte mich dann irgendwo als praktischer Arzt niederlassen, irgendwo auf dem Land vielleicht, ganz bescheiden und unauffällig. In Deutschland vielleicht oder sonstwo. Wärst du damit einverstanden Eoelnn?"
„Aber Liebster!^ Sie wandte ihm ihr unter Tränen lächelndes Gesicht zu. „Wie kannst du überhaupt fragen! Für mich ist es doch ganz gleich, wo ich lebe. Wenn ich nur bei dir bin."
Sie senkte den Kopf und setzte leiser hinzu: „Aber für dich als Chirurgen wird es hart sein, den einfachen Landdoktor spielen zu müssen, nachdem ..."
„Nicht so hart, als wenn ich hierbleibe und mich immer wieder von diesen Schurken vergewaltigen lassen muß. Man kann auch als einfacher Landdoktor feinen Beruf ausfüllen, wenn man ihn ernst nimmt, und sogar seine Befriedigung daraus ziehen. Davor ist mir nicht bange."
Alland versank wieder in Nachdenken. Seine Stirn versinsterte sich.
„Aber wenn sie mir hier eines Tages dahinterkommen — die Polizei meine ich — wenn es herauskommt, daß ich mich zu so etwas hergegeben habe — dann bin ich erledigt. Dann sperren sie mich ein und entziehen mir die Praxis. Und dann bleibt mir wirklich nichts anderes übrig als ..."
„Nein, auch bann nicht, Frank! Dann werbe eben ich für uns arbeiten so lang, bis du etwas anderes
gefunden hast. Es gibt ja so viele Frauen, die ihre Familie ernähren. Warum sollte ich das nicht auch können? Ich habe doch etwas gelernt, ich..Sie bemerkte ein schmerzliches Zucken in seinem Gesicht und fuhr errötend fort: „Und wenn du nicht willst, daß ich wieder tanze — es gibt ja cikch anderes, was in mein Fach schlägt, Heilgymnastik zum Beispiel, bas interessiert mich schon lange. Gymnastikkurse für kranke und schwächliche Kinder, weißt du. Ich hätte dich auch so um die Erlaubnis gebeten, daß ich so etwas anfangen darf. Ich bin soviel allein den Tag über; wenn Karin erst einmal zur Schule geht, werde ich gar nicht wissen, wo ich mit meiner Zeit hin soll. Es ist so schön, etwas Ernsthaftes zu arbeiten, auch wenn man es nicht grabe dringend nötig hat. Und hat man es bann einmal nötig, dann ist es um so schöner?"
Ihr Gesicht glühte vor Eifer. Alland betrachtete sie gerührt. Das Bewußtsein, baß sie freudig jede Not mit ihm teilen würde, erfüllte ihn mit einem tiefen Glücksgefühl. Aber er mußte ihre Begeisterung dämpfen, so schwer es ihm fiel. So schonend wie möglich sagte er:
„Du darfst nicht vergessen, Liebling, daß im Falle einer Entdeckung auch du nicht leer ausgehen würdest. Man würde dich natürlich sofort als meine Mitschuldige verhaften. Und bedenke doch nur — alles spricht gegen dich von Anfang an, besonders wenn ein Richter es im negativen Sinne beuten will. Schon daß du damals nach Ostrowskis Verhaftung geflohen bist, würde man dir als Schuldbeweis auslegen. Und daß es obendrein noch Monno gewesen ist, mit dem du flüchtig gingst, macht die Sache nicht besser. Denn selbstverständlich wird jeder Richter daraus den Schluß ziehen, daß du mit Monno und seiner Bande im Einvernehmen warst — und wenn es auch zehnmal ein Trugschluß ist. Der Schein ist jedenfalls gegen dich — ebenso wie gegen mich. Ich höre schon den Herrn Staatsanwalt von deinem .früheren Freund und Komplicen Monno< sprechen, den ich ,mit deinem Wissen und auf deine Veranlassung hin* operiert habe zu dem Zweck, ihn für die Polizei unkenntlich zu machen. Wie wollen wir uns gegen alle diese erdrückenden Indizien verteidigen? Wie den Beweis erbringen, daß du in der Ostrowski-Affäre ebenso schuldlos und gutgläubig warst, wie ich es Monno und Bertrand gegenüber gewesen bin?
Monno hat ganz recht in seiner These, daß Nichtwissen schwer zu beweisen ist, besonders wenn man dafür keinen andern Entlastungszeugen hat als sich selbst.
„Meinetwegen!" Die junge Frau zuckte geringschätzig die Achseln. Eine tiefe Erregung weitete ihre Pupillen, und um ihren Mund lag wieder jener eigensinnig entschlossene Zug, den er so gut an ihr kannte. „Sollen sie mich nur auch ins Gefängnis sperren — mir ist es einerlei. Wenn du bestraft wirst, will ich gar nicht leer ausgehen."
Sie warf den Kopf zurück und lachte plötzlich laut auf, als ob sie mit diesem Lachen einen quälenden Druck abschütteln wollte.
„Aber wir sitzen hier wirklich schon beisammen wie auf einem Armsünderbänkchen", versuchte sie zu scherzen. „Wenn uns irgendein Detektiv so sähe, würde er uns bestimmt gleich verhaften. Komm, Frank", sie sprang auf und zog Alland mit sich empor, „wozu sich schon immer im voraus abquälen? Es kommt ja bann boch immer ganz anders. Ich habe schon einmal gedacht, bas Leben sei aus für mich. Unb bann ist es doch noch fo schön geworden. So schön. Liebster!"
Sie umschlang ihn mit beiden Armen und leuchtete ihm mit einem glücklichen Lächeln in die Augen.
Dann öffnete sie bas Fenster und ließ mit einem tiefen Atemzug die reine Herbstluft einftrömen. Nach langen Nebeltagen war es zum erstenmal roieber klar. Der Himmel strahlte in einem sanften, gläsernen Blau. Eine Amsel fang unermüdlich. Und über dem Laub der Kastanien lag es wie ein Schimmer von Gold...
*
„Der Patient ist fo nervös, Herr Doktor, ich weiß nicht, was ich mit ihm anfangen soll. Er wollte sich gar nicht auf den Operationstisch schnallen lassen. Und gerabg heute, wo der Herr Assistenzarzt in Urlaub ist..
Das Gesicht der Schwester war gerötet. Sie fühlte sich durch diesen widerspenstigen Patienten sichtlich in ihrem Berufsstolz gekränkt.
Alland hörte einen Moment auf, feine Hände mit der Bürste zu bearbeiten, unb streifte die Schwester mit einem ärgerlich zerstreuten Seitenblick.
(Fortsetzung folgt!)
fei
WPfg.
Smmer fehlt Soße bei ‘Wikabellen, ßeber, Koteletts, Schnitzeln, liieren/
Die beste Mahlzeit schmeckt aber bann trocken. Was tun? Ganz einfach: 1 Knorr Bratensotzwürfel fein zer- brücken, glattrühren, mit V4 Liter Wasser unter Umrühren 3 Minuten kochen. Das ergibt V4 Liter Bratensoße so recht sämig, so angenehm gewürzt, so abgerundet im Geschmack. Hauptsache dabei:
'TSnOVv Bratensoße


