Ausbau und Arbeit des Deutschen Frauenwerks.
Der Plan des großen Frauenaufbauwer- k e s umfaßt die frauliche Arbeit aller Vereine und Verbände. Diese Frauenvereine, die in oft jahrzehntelanger Arbeit Wertvolles auf ihren Gebieten geleistet haben, fanden sich unter der Mitarbeit der NS.-Frauenschaft im Deutschen Frauenwerk zu- jammen. Dort stellten sie ihre fachliche Erfahrung in den Dienst des ganzen Volkes.
Wenn wir nun die Frage:
Das will das Deutsche Fraueuwerk?
kurz beantworten sollen, so müssen wir sagen: das Deutsche Frauenwerk will alle deutschen Frauen umfassen und jede einzelne einreihen in das große Aufbauwerk an der Stelle, die ihren Fähigkeiten und Kräften entspricht! Früher war es doch so, daß jeder Verein in einer Gruppe, dem sogenannten Vorstand, eine kleine Anzahl von tätigen Frauen zusammenschloß, die sich um die Aufgaben des Verbandes bemühten, während den übrigen wert zahlreicheren Mitgliedern nichts weiter oblag, als ihren Beitrag pünktlich zu zahlen.
Das Deutsche Frauenwerk wirbt um die tätige Mitarbeit jedes einzelnen Mitgliedes!
Erst dadurch wird es gelingen, die Frau in ihrer ureigensten Arbeit zu schulen, nicht nur für den engen Kreis ihrer eignen Familie, sondern darüber hinaus zur Einsatzbereitschaft für das Gesamtwohl, für den Aufbau unseres Volkes. Wir wollen eine große Arbeitsgemeinschaft bilden, bei der jede Frau sich bereiterklärt, mitzuhelfen nach ihrer Zeit und
nach ihren Kräften. Niemand wird von einer kinderreichen Mutter verlangen, daß sie sich außer ihrer Familie betätigt, niemand wird von einer beruflich stark beanspruchten Frau eine Mitarbeit erwarten, obgleich wir gerade in diesen Reihen die größte Opferbereitschaft finden; aber es gibt so viele Frauen, die noch Zeit und Muße für überflüssige Dinge haben, sie gilt es wachzurütteln und ihre Anteilnahme zu erwecken für das Notwendige in unserer Zeit.
Das Frauenwerk gliedert sich in fünf Abteilungen. Alle Arbeitsgemeinschaften stehen in einem regen Austausch miteinander, sei es nun der Reichsmütterdienst oder das Gebiet der Volks- und Hauswirtschaft, sei es der soziale Hilfsdienst oder die Betreuung der Grenz- und Ausländsdeutschen. Wir bilden keine Frauen zu Soldaten aus wie das feindliche Ausland, sondern
wir wecken die ureigensten Kräfte der $rau, ihre Eignung zur Fürsorge und Pflege, ihr mütterliches Empfinden und ihre Fähigkeit mitzuwirken am Aufbau und an der Erhaltung arteigener Kultur und völkischen Brauchtums.
Im Laufe unserer Werbung werden wir jedes Arbeitsgebiet genau erklären und seine Arbeit und Forderung erläutern. Das Deutsche Frauenwerk ruft! Mögen alle, an die dieser Ruf gerichtet ist, ihn hören! F• K.
Oberhessen.
Diamantene Hochzeit.
* Beuern, 4. Jan. Georg Nachtigall und Frau Anna Maria, geb. Stein, feierten dieser Tage das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Beide erfreuen sich, trotz ihrer 84 bzw. 80 Jahre, noch guter Gesundheit. Don allen Seiten wurde das Jubelpaar beglückwünscht. Besonders groß war die Anteilnahme aus der Gemeinde. Sine besondere Freude bereitete ein Schreiben des Führers, worin er dem Jubelpaar feine herzlichen Glückwünsche aussprach. Bürgermeister Fuhr überreichte em Glückwunschschreiben des Gauleiters sowie eines des Kreisleiters. Dann gratulierte er im Namen der Gemeinde und überreichte als Ehrengabe em Geldgeschenk. Bei vollbesetzter Kirche fand die feier- liche Einsegnung des Jubelpaares statt. Pfarroer- walter Dietz überreichte im Namen der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen und im Auftrag des Landeskirchenausschusses ein Glückwunschschr^- ben und als Ehrengabe ein schönes Gesangbuch. Ferner übermittelte er die Segenswünsche des Propstes Knodt in Gießen und des Dekans Sattler in Wieseck. Im Namen der Kirchenge- meint)e überreichte er als Ehrengabe eine schöne Rudolf-Schäfer-Bilderbibel. Mit dem Liede: „Nun danket alle Gott" fand die kirchliche Feier ihr Ende.
Landkreis Gießen.
* Klein-Linden, 4. Jan. Am Neujahrstag verstarb nach langem schweren Leiden der Kirchenvorsteher Ludwig Weigel XIII. im Alter von 67 Jahren. Unter den Klängen des Posaunenchores, zu dessen Mitgliedern der Verstorbene gezählt hatte, und unter dem Geleite einer großen Trauerge- meinde wurde am Sonntag der Verstorbene zu Grabe getragen. Der Kirchenchor sang am Sterbehaus und am Grabe letzte Grüße. Pfarrer König widmete dem verstorbenen Kirchenvorsteher und früheren langjährigen Kirchengemeindevertreter unter Niederlegung eines Kranzes einen ehrenden Nachruf.
00 Klein-Linden, 4. Jan. Zur Freude unfern Jugend traf dieser Tage ein Schäfer mit einer großen Schafherde in unserem Dorfe ein, um den Winter in unserer Gemarkung zu ver- bringen.
— Allendorf (Lahn), 4. Jan. Am Samstag fand in der Wirtschaft Henkelmann die Ge- neral-Versammlung des Rindvichversiche- rungsoereins statt. Der Vorsitzende Konrad G l o ck erstattete den Geschäftsbericht. Die Bilanz weist einen Ueberschuß von 630 Mk. auf. Entsprechend dem Antrag des Kassenprüfers Karl Flohr wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Vorsttrndswahl wurden sämtliche Mitglieder
wiedergewählt. Der Vorstand schloß die Versammlung mit dem Wunsche, daß die Mitglieder auch fernerhin der Versicherung die Treue wahren.
£ Lollar, 5. Jan. In der ersten Hälfte des Winterhalbjahres wurden in der Freiwilligen Feuerwehr drei Unterrichtsabende abgehalten. Hauptbrandmeister Schelm hielt einen Vortrag über Baustoffe, Baukonstruktionen usw. Er schilderte in großen Zügen die Entwicklung des deutschen Bauwesens von dem Höhlen- und Pfahlbau bis zu den heutigen modernen Bauten, ihre Baustoffe, die Festigkeit und die Einsturzgefahren bei evtl. Brün- den. Die baupolizeilichen Vorschriften wurden erläutert. Ferner wurden praktische Vorführungen gezeigt von imprägniertem Holz, das vorn Feuer nicht angegriffen wurde. Oberbrandmeister Schwabe schulte die Löschmeister und Oberfeuerwehrleute. An Hand eines Planspiels wurden seine in der Feuerwehrfachschule sowie in einem Luftschutzlehrgang gesammelten Erfahrungen zur Kenntnis gebracht. Ein Merkblatt über Brandursachen, Brandstiftung und ihre Ermittlung gelangte zur Ausgabe. Oberbrandmeister Schwabe wurde die Einübung der neuen Exerziervorschriften übertragen. Kreisfeuerwehrführer Bouffier sprach zu den Wehrmännern über die Entstehung des Feuers und seine Bekämpfung. Die Entstehung des Feuers bei festen, flüssigen und gasförmigen Stoffen und die verschiedenen Bekämpfungsmittel bei ausgebrochenen Bränden wurden erläutert. Die hochexplosiven Stoffe wurden besonders behandelt. Das reiche Wissen des Vortta- genben in theoretischer und praktischer Hinsicht ergab, daß die Führung des Kreis- sowie des Provinzverbandes in guten Händen liegt. Eine aufmerksame Zuhörerschaft dankte dem Kreisfeuerwehrführer. Bürgermeister Böhm verpflichtete hierauf noch die restlichen fünf Kameraden. Ein kameradschaftliches Zusammensein unter Mitwirkung des Musikzuges schloß sich an.
wg. Grohen-Buseck, 5. Jan. Dem hiesigen prakttschen Arzt Dr. med. G e n g n a g e l ist es ver- gönnt, heute im Kreise seiner Angehörigen m vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 7 0. Geburtstag feiern zu können. Der Jubi- lar hat sich während seiner 45jährigen Tätigkeit in Großen-Buseck und in der ganzen Umgebung alle Wertschätzung und Beliebtheit erworben. Trotz seines hohen Alters versieht Dr. Gengnagel noch in vollem Umfange feine ausgedehnte Praxis.
§ Queckborn, 4. Jan. Die Grippe hatte unser Dorf bisher verschont. Nun aber tritt sie um so bösartiger auf, besonders bei älteren Leuten, von denen viele an Lungenentzündung erkrankt find.
+ Grünberg, 4. Jan. Bei der hiesigen Freiwilligen Feuer wehr fand dieser Tage eine
Ehrung derjenigen Mitglieder statt, die das sechzigste Lebensjahr überschritten haben und auf eine 4 0jährige Zugehörigkeit zur Wehr zurückblicken können. Zu der Feier, die im „Hotel Hirsch" stattfand, hatten sich der Führerrat und der erweiterte Vorstand und eine größere Anzahl Kameraden der' Wehr eingefunden, von Gießen waren Provinzial- und Kreisfeuerwehrführer Bouffier und Kamerad Klein erschienen. Provinzial- und Kreisfeuerwehrführer Bouffier wies in feiner Ansprache auf die Bedeutung der Feuerwehr als Polizeitruppe im neuen Reich hin und ermahnte zu strenger Pflichterfüllung in jeder Beziehung. Er würdigte dann die langjährigen treuen Dienste der zu ehrenden Kameraden, denen er dabei das Ehrenzeichen für 40jährige Mitgliedschaft überreichte. Es waren dies die beiden Löschmeister Georg Daniel Haas und Karl Heidt und die beiden Feuerwehrmänner Jakob und Julius Von-Eiff. Zwei weitere Mitglieder, denen die Auszeichnung verliehen wurde', Löschmeister Karl Becker und Oberfeuerwehrmann Heinrich Schmidt III., waren am Erscheinen verhindert. Hauptbrandmeister Seifart beglückwünschte die Ausgezeichneren und ermahnte die Jüngeren, sich an diesen älteren Kameraden ein Beispiel zu nehmen. Kamerad Heidt dankte im Namen der Geehrten und versprach auch weiterhin treu zur Wehr zu stehen. Nach der Besprechung einiger Organisationsfragen schloß sich noch ein geselliges Beisammensein an.
= Steinbach, 4. Jan. Dieser Tage hielt die hiesige Kriegerkameradschaft ihre Jahresversammlung ab. Man versammelte sich im Saale des Kameraden Gärlach. Kameradschaftsführer Jakob Sehrt eröffnete die Versammlung und gedachte der Toten des letzten Jahres. Der Jahresbericht des Kameradschaftsführers gab einen kurzen Ueberblick über das Dereinsleben im vergangenen Jahr. Die Rechnung wurde ebenfalls vom Kameradschaftsführer vorgetragen. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Ueber den Schießsport berichtete dann der Schießsportleiter Karl Steller II. Das Ergebnis ist erfreulich: eine goldene, zwei silberne und mehrere bronzene Ehrennadeln wurden geschossen und im Wettschießen der 16. Preis erkämpft. Zum Schießen für das WHW. hat die Kriegerkameradschaft einen Zimmerstützen angeschafft, auch wurde im vergangenen Jahr der Schießstand gemeinsam mit dem Schützenverein in Ordnung gebracht. Als nächste Veranstaltung der Kameradschaft wird ein ernster Filmabend am 21, Februar geplant, am Abend des Heldengedenktages. Damit war der geschäftliche Teil erledigt, und überlieferungsgemäß zogen die Kameraden im Zug, voran die Spielleute, in das neue Dereinsheim, das, jährlich wechselnd, dieses Jabr bei Kamerad A. Schleuse sich befindet. Hier fand ein geselliges Beisammensein statt.
"Y" Watzenborn-Steinberg, 4. Jan. Der Gesangverein „Germania^ hielt am Samstagabend im Vereinslokal „zum goldenen Löwen" seine Jahreshauptversammlung ab. Vereinsführer Theodor Jung eröffnete die Versammlung und gedachte der drei Mitglieder, die im ad- gelaufenen Vereinsjahr durch den Tod abgerufen wurden. Es sind dies die Mitglieder Johann Georg Sommer, Balthasar H e ß und Johannes Schmitt, die von der Versammlung geehrt wurden. Aus dem vom Dereinsführer vorgetragenen Jahresbericht war zu ersehen, daß der Verein unter der Leitung seines Dirigenten Georg Harnisch (Steinberg) ein gutes Stück zum kulturellen Aufbau und Pflege des deutschen Männergesanges beigetragen hat und schöne Erfolge buchen konnte. Ü. a. weilte der Verein am 9. und 10. Mai auf einer Sängerfahrt bei dem befreundeten Männer- gefangoerein „Treue" Eichen zu Gast, und besuchte das Wertungssingen in Garbenteich. Der Rechner Karl P i tz gab den Kassenbericht bekannt, aus dem zu ersehen war, daß der Kassenbestand auf seiner Höhe gehalten werden konnte. Die beiden Kassenprüfer Friedrich Heinrich Müller und Ludwig Burger konnten über eine einwandfreie Kassenführung berichten. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die vom Vereinsführer unterbreiteten neuen Vereinsstatuten wurden von der Versammlung gutgeheißen. An Stelle des ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Karl Sommer V. trat Sänger Friedrich Heinrich Müller. Der Vorstand blieb in seiner seitherigen Besetzung bestehen. Das diesjährige Wertungssingen des Sängerkreises Gießen, Gruppe 2, findet voraussichtlich in der neuen geräumigen Volks- Halle in unserer Gemeinde statt. Das Wintervergnügen des Vereins wurde auf Samstag, den 23. Januar, festgelegt. Im Lause des Abends konnten acht Neuaufnahmen getätigt werden. Der Verein zählt
nun 155 Mitglieder. Ortsgruvpenleiter Wilhelm Philipp tat in trefflichen Ausführungen feine Anerkennung über die Pflege des deutschen Liedes kund und richtete an die Sänger den Appell, auch fernerhin treu z*m deutschen Lied und Vaterland zu stehen.
c^Langsdorf, 4. Jan. Nach schönem Brauch, der an der Jahrhundertwende durch Philipp Köh- l e r (Langsdorf) eingeführt worden war, versammelte sich auch in der diesjährigen Silvesternacht die Dorfjugend und viele andere Einwohner in der Mitternachtsstunde auf dem Schulschwan zwischen Rathaus und Kirche zu schlichter Feier in her gebrachter Form. Die Ansprache, die sehr beifällig ausgenommen wurde, hielt Zellenleiter Fabian. Die üblichen Gesänge wurden von dem jungen Posaunenchor begleitet. —
Kreis Alsfeld.
O Alsfeld, 3.Jan. Dir Alsfelder SS. ver- anftaltete am Neujahrsrage im großen Saal des „Deutschen Hauses" ein sehr gut besuchtes Konzert, zu dem die Standartenkapelle der 83. SS.-Standarte unter Leitung ihres Musikzugführers SS.-Sturrn- führer Bach gewonnen worden war. Die Kapelle, Die schon am Nachmittag bei einem Platzkonzert auf dem Marktplatz mit dem Vortrag schwungvoller Märsche ihr Können unter Beweis gestellt hatte, erntete auch am Abend mit einer abwechslungsreichen Vortragsfolge bei den dankbaren Hörern begeisterten Beifall. Eine von der Alsfelder SS. durchgeführte Verlosung und der sich an das Konzert anschließende Tanz, zu dem Mitglieder der Standartenkapelle fleißig aufspielten, erhöhten die Stimmung des wohlgelungenen Abends, der die SS-Männer in echter Kameradschaft mit den Besuchern noch lange zusammenhielt.
Kreis Schotten.
# Ober-Schmitten, 4. Jan. Die 240 Personen starke Gefolgschaft der Moufangschen Papierfabrik versammelte sich am Samstag mit Frauen im Döllschen Saale zu einem Kameradschaftsabend. Kreisleiter K r o m m (Schotten) war als Gast anwesend. Die Werkkapelle musizierte, humorvolle Darbietungen und mehrere Einakter, von Mitgliedern der Gefolgschaft dargeboten, unterhielten aufs beste. Betriebsführer Dipl.- Jng. Fritz Moufang sprach über den Sinn und die Bedeutung der Kameradschaft im neuen Deutschland.
# Ober-Schmitten, 4. Jan. Der Abgang an Kartoffeln, der in diesem Winter durch Fäulnis zu verzeichnen ist, hat bei den verschiedenen Bauern den Entschluß gezeitigt, noch in diesem Jahre Kartoffelsilos anzulegen.
* G e d e r n , 3. Jan. Die Firma Wilhelm Wiesner, Sattlerei und Polsterei, konnte dieser Tage auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Zugleich feierten die Eheleute Sattlermeister Jakob Wiesner und Frau Karoline, geb. Bergheimer, das Fest der Goldenen Hochzeit.
Kirche und Schule.
§ Queckborn, 4. Jan. Im Jahre 1936 wurden in Queckborn 10 Kinder getauft. 6 Brautpaare wurden kirchlich getraut. 7 Personen wurden beerdigt. Am Heiligen Abendmahl nahmen 795 Gemeindeglieder teil und 399 Männer und 396 Frauen, das sind 124,04 v. H. der evangelischen Einwohnerschaft. An den 64 Gottesdiensten des Jahres nahmen insgesamt 6404 Kirchenbesucher teil, davon waren 2206 Männer, 2377 Frauen und 1821 Kinder. Das ergibt einen durchschnittlichen Gottesdienstbesuch von 34 Männern, 37 Frauen und 29 Kindern. An Kollekten und sonstigen Gaben gingen 253,87 Mark ein.
<x> Langsdorf, 4. Jan. Ueber die Bewegung des kirchlichen Lebens geben die Kirchenbücher und kirchlichen Statisttken folgende Auskünfte: Getauft wurden 19 Kinder, konfirmiert 19 Kinder, kirchliche Trauungen fanden 5 statt, beerdigt wurden 20 Personen. An gottesdienstlichen Feiern fanden 144 statt. Sie weisen folgenden Besuch auf: 8078 Männer, 9232 Frauen, 4011 Kinder, zusammen 21321 Personen. Im Durchschnitt der 52 Wochen betrug der Besuch 155 Männer, 178 Frauen = 333 Erwachsene und 77 Kinder = 410 Personen. Das bedeutet pro Wochendurchschnitt etwa 49 v. H. der Erwachsenen oder etwa 46 v. H. aller Evangelischen. Am heiligen Abendmahl nahmen 538 männliche und 634 weibliche, insgesamt also 1172 Personen teil, was einem Hundertsatz von etwa 167 der Erwachsenen entspricht. An Gaben evangelisch-kirchlicher Liebestätigkeit gingen etwa 3100 Mark ein. Die genauen Ergebnisse liegen
Das fremde Gesicht
JRomatt von Caren.
8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Den Hut noch immer auf dem Kopf, so wie er eingetreten war, hockte Alland vor dem großen Schreibtisch in seinem Ordinationszimmer und wühlte mit nervöser Hast aus den untersten, selten benutzten Schubfächern Stöße von alten Papieren hervor, ärztliche Korrespondenzen zumeist, vergilbte Manuskripte wissenschaftlicher Arbeiten, Fachzeitschriften und dann ein großes Paket mit alten Krankengeschichten aus seiner Assistentenzeit, als er noch keine eigene Klinik hatte und nur ab und zu mit Erlaubnis des Professors Privatpatienten sel- ber behandeln durfte.
Während Alland mit zitternden Fingern die Schnur des gewichtigen Packes aufriß uni) in den großen gelben Aktenbogen zu blättern begann, beschlich ihn trotz aller Aufregung ein gewisses Gefühl der Befriedigung, wie gewissenhaft das alles geführt und wie sauber in alphabetischer Reihenfolge jeder Jahrgang für sich übersichtlich angeordnet war. Er lächelte bitter über diesen Anflug von kindlicher Selbstzufriedenheit — gerade jetzt, da seine ganze schöngeordnete Existenz zusammenzustürzen drohte, weil sie auf einem trügerischen Fundament aufgebaut war.
Da — 1929 — wie war nur der Name gleich — Gal... da, Gallatin, natürlich: John B. Gal- latin, geboren 18. Dezember 1892 in New Orleans (Louisiana, USA.). Und dann mußte es auch noch ein Photo geben oder zwei sogar — ja richtig, hier!
Alland hielt ein etwas verblichenes Bild unter den Schirm der Schreibtischlampe, um ja nur recht genau zu sehen. Er starrte darauf, als ob sein Leben davon abhinge, diesen Mann zu erkennen, der da in einer etwas unscharfen Amateuraufnahme dem Beschauer ein Gesicht von merkwürdig brutaler Intelligenz zuwandte. Die stutzerhafte Eleganz, mit der das etwas wellige Haar über die linke Stirnseite gekämmt war, paßte nicht gut zu diesem sonderbar direkten, beinahe drohenden Blick der Augen, die auf einen unsichtbaren Feind zu zielen schienen.
Kein Zweifel! Es war nicht nötig, die Photographie noch einmal mit der auf dem Steckbrief zu vergleichen. Er war es. Damals hieß er eben Gallatin, wie ein andermal Monno, aber fein eigentlicher Name, der am besten zu ihm paßte, war dieser Apachenname. „Jo la Terreur". Der Schrecken! Ja, wirklich der Schrecken — der Schrecken für alle, die je mit ihm zu tun hatten — auch für mich und für Evelyn. Evelyn ...! Wie aus einem Angsttraum erwachend, schrak Alland auf. Evelyn! Er mußte sie gleich jetzt, so rasch wie möglich, sprechen. Mußte sie um Verzeihung bitten für all sein törichtes Mißtrauen. Mein Gott, was mußte sie gelitten haben in diesen Wochen und Monaten, vielleicht schon seit Jahren! Was wußte er? Wie hatte er nur so blind sein können, nicht zu merken, daß sie da neben ihm mit aller Kraft und aller List ihres weiblichen Instinkts für ihn und für die Erhaltung ihres gemeinsamen Lebens kämpfte — für ihn, für das Kind und endlich auch für sich. Alles, alles wurde jetzt verständlich: ihre geheimnisvollen Ausgänge, das Telegramm und selbst noch das unverschämte Benehmen dieses widerlichen Bertrand ...
Frank Alland stöhnte beklommen auf. Mein Gott, wie furchtbar! Jetzt ist alles aus . .! Aber ganz gleich — wenn auch jetzt alles zusammenbricht: Evelyn und ich, wir gehören zusammen. Unlösbar! Vielleicht, daß man doch noch zusammen irgendeinen Ausweg findet ...? Vielleicht ...?
Eilig stopft Alland die Papiere alle wieder in die Schreibtischfächer zurück, die er sorgfältig wieder verschließt. Nur die paar Bogen mit der Krankengeschichte von John B. Gallatin steckt er, sorgfältig zusammengefaltet, zu sich, das und die beiden Photos, die er nach kurzem Zögern wieder herausnimmt und gesondert in seiner Brieftasche verwahrt. Dann loscht er die Lampe und jagt wie gehetzt die Treppen hinunter, stoh, von niemanden gesehen und aufgehalten worden zu fein.
Es dämmerte bereits, als Alland mit hastigen Schritten den Garten durchquerte. Die welken Herbstblätter, die der letzte Regen von den Bäumen geschüttelt hatte, rauschten melancholisch unter seinen Tritten. Fröstelnd knöpfte Alland seinen Rock zu. Da hörte er ganz in der Nähe eine Kinderstimme. Zwischen den Stämmen bewegte sich ein pastell- blaues Mäntelchen. Karin — durchzuckte es ihn
freudig. „Karin!" rief er unwillkürlich. Die kleine Gestalt in dem hellblauen Mäntelchen blieb eine Sekunde, von dem Anruf getroffen, stehen und kam bann wie ein abgeschossener Pfeil auf den Vater zugeflogen, mitten in seine ausgebreiteten Arme. Alland hob die Kleine zu sich empor und küßte den dargebotenen Kindermund. Ein heißes Glücksgefühl überflutete fein Herz. Wie ähnlich dieses Kind der Mutter sah!
Die gleiche Haarfarbe, dieses ganz seltene, ins Rötliche spielende Metallblond, das auch Evelyns Naturfarbe war; dieselbe Zartheit des Gliederbaues, das bezaubernde Oval des Gesichts, ach — und dieses Lächeln, das wie ein Sonnenaufgang das ganze Gesichtchen gleichsam von innen heraus erhellte! Nur die Augen hatten nicht den goldbraunen Sammetton von Evelyns Augen. Sie waren blau, dunkelblau und sehr lebhaft, wie die des Vaters.
Zärtlich preßte Alland das Kind an sich.
„Warst du spazieren, Liebling? Ist Mutti bei dir?"
Die Kleine schüttelte verneinend die blonden Locken, und ein Schatten von Kümmernis verdunkelte ihren Blick.
„Bloß Hanni. Mutti ist weggefahren. Immerzu ist sie jetzt weg, die Mutti. Nie geht sie mit mir spazieren."
Der kleine Mund zuckte wie von verhaltenem Weinen. Plötzlich bog sie sich in Allands Armen zurück und sah ihm aufmerksam in die Augen.
„Sag, Daterli — war Mutti denn unartig, weil du bös mit ihr bist?"
Alland wurde unwillkürlich rot unter dem ernst forschenden Blick der hellen Kinderaugen. Er zwang sich zu einem Lachen.
„Böse? Ich mit Mutti? Wie kommst du daraus?" „Ich weiß es. Paula hat es gestern zur Hanni gesagt, und Hanni ..."
„Ist ja nicht wahr", fiel ihr die eben hrnzutre- tenbe Kinderschwester erschrocken ins Wort. Ihr Gesicht erglühte bis unter die Haube. „Schwatz keinen Unsinn,' Karin! Paula hat ja bloß Spaß gemacht, sie — sie wollte .. ."
„Schon gut, Schwester Hanni, lassen wir bas."
Der Arzt machte eine mübe abweisende Hand- bemegung. Also sie klatschen schon über fein Zerwürfnis mit Evelyn! Bitterkeit verzog seinen
Mund. Sanft stellte er das Kind zu Boden und nahm es an die Hand.
„Wissen Sie zufällig, wo meine Frau hingefahren ist, Schwester?" brach er nach einer Weile das peinliche Schweigen. „Die Kleine sagt, sie sei ausgegangen."
„Ja, wir sind ihr unterwegs begegnet", beeilte sich Schwester Hanni mit höflicher Beflissenheit, die Scharte von vorhin wieder auszuwetzen. „Die Frau Doktor nahm uns ein Stück mit bis zum Spielplatz. Sie ist zu einer Tee-Einladung nach Zofingen hin- ausgefayren zu Frau von Lossow, glaub ich. Dor dem Abendbrot wird sie wohl kaum zurück sein."
Alland gab unwillkürlich einen Laut ber Enttäuschung von sich. Ein schmerzhaftes Unbehagen befiel ihn bei bem Gedanken, gerade jetzt, in dieser Stimmung, womöglich noch stundenlang auf Evelyn warten zu müssen.
„Wenn meine Frau zurückkommt, ich bin in meinem Zimmer", sagte er im Vorbeigehen zu bem Stubenmädchen, das ihnen die Haustür öffnete. Er wollte sich von Karin mit einem Kuß verabschieden, aber das Kind ließ seine Hand nicht los.
„Nicht fortgehen, Vati", bettelte es, „komm solange mit Karin spielen, bis Mutti wieder da ist!"
Die blauen Kinderaugen füllten sich mit Tränen, als der Vater sanft feine Hand befreite und sich mit einer zerstreuten Ausrede zum Gehen wandte. Die Kleine tat ihm leid, er hätte ihr gern den Gefallen getan, aber er fühlte sich außerstande, jetzt mit ihr zu spielen und ihrem kindlichen Geplauder zu folgen, während ihm diese unheimliche, qualvolle Spannung fast das Herz abdrückte. Nein — lieber allein sein. Lieber in irgendeinem Winkel sitzen und warten. Warten, bis die Dunkelheit kam.
Tief atmend betrat er fein Arbeitszimmer und drehte in Gedanken den Schlüssel um. Die Gegenstände des großen Raumes verschwommen bereits im Zwielicht, nur den Schreibtisch am Fenster streifte noch eine letzte Sonnenspur. Ein durchdringender süßer Geruch erfüllte das ganze Zimmer stark, daß Frank Alland betroffen suchend umherblickte. Da entdeckte er auf dem Schreibtisch in einer bauchigen Kristalvase einen Strauß dunkelroter Rosen, die diesen verschwenderischen Duft verströmten. Daneben lag ein kleiner weißer Zettel, ein Kalenderabriß mit bem Datum: 21. September
(Fortsetzung folgt!)


