Tat bekunden will, der kann es für die NSV. auch auf dem Gebiete des Kindergartens tun und damit beisteuern zum Gelingen eines bedeutsamen Stückes deutscher Aufbauarbeit. B.
3n Kindergarten zu Besuch.
Halten wir zunächst einmal Umschau im Kindergarten der NSV. zu Grohen-Buseck. Dieser Kindergarten ist durch verschiedene glückliche Umstände vorbildlich. Wurde doch erst in diesen Tagen das „Haus der Jugend" von Großen-Buseck seiner Bestimmung übergeben. Das geräumige Erdgeschoß wurde dabei dem NSV.-Kindergarten zur Verfügung gestellt. Da ist nun also alles funkelnagelneu! Ein großer Aufenthaltsraum vermag die Kinder aufzunehmen, wenn schlechtes Wetter ist. Bunte Bilder schmücken die Wände. Schöne Tischchen und Stühlchen sind vorhanden, alles sauber und glatt und leicht zu reinigen. In die Wände sind Schränke eingebaut, die große Mengen Spielzeug bergen. Aber wenn die Sonne scheint, kennen die Kinder nur den schönen Grasgarten und — den Sandkasten. Dom Sandkasten sind die Buben überhaupt nicht fortzubringen. Wie gern wird der Sand immer wieder in die massiven Schubkarren und in die kleinen Lastkraftwagen gefüllt, irgendwo hingefahren, ausgeleert und
wieder eingeladen. Da werden mit Ausdauer und Begeisterung Burgen und Wälle gebaut. Die Tante muß von Zeit zu Zeit das Werk gebührend bewundern. Sie tut es gern. Die Mädchen backen mit kleinen Formen ausdauernd „Kuchen" aus Sand. Auch hier muß die Tante die hervorragenden Leistungen zu würdigen wissen.
Außerdem gibt es auch noch andere Beschäftigungen. Da steht zum Beispiel eine große Wippschaukel, auf der immer einige der kleinen Trabanten herumklettern. Wenn es bei irgendeiner Gelegenheit ein: mal Tränen gibt (und das kann bei 76 Kindern wohl einmal vorkommen), dann ist rasch die Tante zur Hand, tröstet, und bald scheint die Sonne wieder. Oftmals im Laufe des Tages werden Reigenspiele geübt und Kinderlieber gelernt. Dann wieder sitzen sie im Kreise, und die Tante erzählt irgendein Märchen.
So ist das Leben in dem Kindergarten voll des Friedens und der kleinen Glückseligkeit. Hin und wieder guckt eine der Mütter auf dem Wege in das Feld über den Zaun, bleibt wohl auch einige Minuten stehen, um zu sehen, was die Kinder (und darunter ihres) machen und geht dann beruhigt weiter —. Diese Beruhigung der Mütter — das ist der tiefere Sinn des Kindergartens...
Wie in Großen-Bufeck, fo ist es auch in Ettingshausen. Zwar konnte man dort eine so glückliche Unterbringung, wie in Großen-Buseck, noch nicht schaffen, aber doch steht ein ausreichender Raum zur Verfügung. Im übrigen spielen die Kinder hat sie zu betreuen. Die Turnhalle und der kleiner Platz mit einer Rasenfläche ist für sie eingezäunt und ein Sandkasten ist auch da. Etwa 38 Kinder scharen sich in Ettingshausen täglich um die Kindergärtnerin.
Im Kindergarten zu Langsdorf regiert „Tante Henny, eine junge Offenbacherin. Etwa 4o Kinder hat sie zu betreuen. Die Turnhaqe und der Rasenplatz vor der Turnhalle sind das Reich der Kinder. Ein abseitiges Plätzchen in einer Men Gasse.
Gerne finden sich in hen Kindergärten der Dörfer unserer Heimat die Kinder jeden Morgen und jeden Mittag bei der „Tante" ein, die zu immer gleicher Zeit durch immer die gleichen Gassen geht und dabei ihre Schäfchen sammelt. Und wenn die Stunden um sind, dann zieht die Kameradschaft der Kleinen wieder durch das Dorf. Dabei wird das Häufchen immer kleiner — eines nach dem anderen gibt der „Tante" die Hand und wendet sich dem elterlichen Hause zu. N.
Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen
Eine Saar-paddelsahtt.
Von K. von Baumbach.
Im Herbst, wenn die Sonnenstrahlen nicht gar zu glühend mehr aufs Wasser prallen, rüstet der Wasserwanderer zu einer Fahrt aus Saar und Mosel. (Dann ist auch der Wein vom Vorjahr schon auf seine Güte hin zu probieren.) Und so hatten wir uns, zehn Mann hoch, bewährte Fahrtgenossen von Lahn, Werra, Weser, Main und Neckar, darunter (wegen der Kocherei) fünf Frauen, zusammengefunden. Saarlautern war als Anfangspunkt bestimmt; denn dort ist die Kanalisation der Saar mit ihren vielen Wehren und dem Stauwasser zu Ende, und die Fahrt ist unbehindert. Hat man bei der Anfahrt von Frankfurt her durch das an so vielen Landschaftsbildern reiche Nahetal die Wasserscheide nach der Saar $u überschritten, so zeigt sich bald der dem Saargeb,et eigentümliche Landschastscharakter: ausgedehnte Bergwerks- und Schlackenhalden, hochofengewaltige Hüttenwerke und Mengen riesiger Schornsteine werden sichtbar; bei der Station Völklingen erhebt sich das große Röch- lingsche Hüttenwerk, ein überwältigender Anblick. Bei Saarlautern boten die Bogen der großen Fraulauterner Straßenbrücke einen willkommenen Schutz vor Regen; dort schlug man auch die Zelte aus und baute die Boote zusammen. — In Saarlautern selbst strömt der Fluß noch durch die im 18. Jahrhundert von Ludwig XIV. erbauten Fe- stungswerke, und eine Inschrift „Contregard Vau- ban“ erinnert noch an seinen großen Festungsbaumeister, freilich auch an die Zeit schlimmster Ohnmacht des Deutschen Reiches, gegen welches diese Grenzfestung angelegt wurde. — Bald setzt eine flotte Strömung ein; zur Linken zeigt sich ein hoher bewaldeter Berg, und da, am Ufer inmitten herrlicher Parkbäume ein entzückendes Schlößchen aus der Rokokozeit, wie wir später hörten, der Landsitz des Botschafters von Papen. Allmählich rücken die Berge, die blau und verheißungsvoll in der Ferne standen, näher; dort erwartet uns der Durchbruch der Saar durch das Gebirge, und gegen Abend liegt am rechten Ufer vor einem Waldyang, ehe der Fluß zwischen den Bergen verschwindet, eine große Wiese, so recht geschaffen, um die Zelte aufzubauen und abzukochen. Holz lieferte der nahe Wald, und da taten wir „singen, die Lieder Hingen am Eichenhain", und die Funken des Feuers flogen zum bestirnten Himmel, bis einen der kühle Nachtwind in die schützenden Zelte trieb. Nachts aber, welches Trommelgeräusch auf dem Zelt? Das ist Regen, den ein Gewitter mit Blitz und Donner brachte; im Frauenzelt wird Licht gemacht, aber bald beruhigt sich alles, und am Morgen scheint zum erfrischenden Bad wieder die Sonne.
Was nun aber die Weiterfabrt brachte, war wohl das Schönste was die an Schönheit nicht arme Saar-Flußlandfchaft bot. Die Saar, gestaut durch die Stufe des Kraftwerks von Mettlach und ruhig gleich einem großen See, auf dem der Wind die Wellen kräuselt, fließt zwischen hoben Bergen dahin; steil steigt der Wald an den Ufern empor, oft unterbrochen durch mächtige Felsen, die gelb sind von Schwefelflechte; kulissenartig schieben sich, immer neu Ausblicke eröffnend und neue Überraschungen bietend die Höhen vor. Zur Linken in einem Taleinschnitt steht ein gastliches Haus, wo andere Wafferfahrer gezeltet haben; dorr muß sich trefflich rasten lassen, und eigentlich paßte jetzt in den Zauber der grüngolden durchbluteten Landschaft ein „Steigbügeltrunk". Frau M. ist ausgestteqen und lustwandelt auf dem schmalen Pfad zwischen Wasser und Berglehne dahin, Brombeeren pflücken! Und alsbald erschallt aus dem Munde der jungen und alten Mannschaft das Brombeerenlied: „Es wollt' ein Mädchen früh auffteh ...", daß das Echo von den Bergwänden widerhallte. Geraume Zeit dauert so die Fahrt; dann kommt das Mettlacher Kraftwerk. Die Stufe ist neun Meter hoch, man muß die Bote mit samt dem Gepäck umtraaen, denn leider sind nicht, wie sonst auf manchen Flüssen, z. B. bei Neckargemünd oder Hann. Münden, kleine Rollwagen vorhanden, auf welchen Boote mit allem Zubehör ohne große Mühe befördert werden können. (Nebenbei: die schlimmste Schinderei hat man bei den Lahnwehren, wenn man sich nicht durchschleusen läßt; der Main hat eigene Schleusen für Sportfahrzeuge, und die Weser — hat gar keine Wehre.) In Mettlach erhebt sich stolz über dem Ufer das zur ehemaligen Abtei gehörige Schloß, in welchem jetzt die weltbekannte Stüngut- fabrit von Dilleroy und Boch untergebracht ist, dort ist auch ein sehr sehenswertes keramisches Museum mit Erzeugnissen aus drei Jahrtausenden aus allen Gegenden der Erde. —
Nun aber beginnt eine flotte Strömung mit Wellen, von denen manche auf das Bootsverdeck schlägt; freilich heißt es aufpaffen, wenn sich Schaumzöpfe zeigen, da sind Felsen unter dem Wasser, welche der Weise möglichst meidet! Rechts zieht sich die Bahn durch das enge Tal, und mit frohem Zuruf werden Grüße mit den Rottenarbeitern getauscht. Plötzlich machen die Waldberge großen Weinbergen Platz, die natürlich mit einem wahren Jubelgeheul begrüßt werden, und gegen Abend landet man in bester Stimmung trotz Regens gegenüber von Serritz, das den Namen „bei der Klause" führt. Dies daher, weil sich oberhalb des Tales die Klause, ein Grabdenkmal für den in der Schlacht bei Cröcy im Jahr 1346 gefallenen Böhmenkönig Johann erhebt. In der Wirtschaft
ruhte sichs gut in zwei mit Strohsäcken wohl ausgestatteten Räumen, zumal der vom Wirt selbst gebaute Saarwein äußerst süffig war. Denn, wie es im Prinz Rosa Stramin heißt: „Desselbigen Abends wurden gar viele Buteillen getrunken."
Saarburg mit oem malerischen Aufbau der Stadt am Berg, burggefrönt, zieht vorbei, dann kommen Weinberge auf Weinberge, die Rebstöcke schnurgerade ausgerichtet, berühmte Lagen wie Ayler Kupp, Ockfen, Scharzhofberg leuchten in der Sonne, dann tauchen in der Ferne die Berge jenseits der Mosel auf. Als ob sie es nicht erwarten könnte, sich mit der Mosel zu vereinigen, so stürmt, einem feurigen Rosse gleich, die Saar dahin. Wie aber die Mosel nahte, erscholl vielstimmiger Jubelge- sang: Die Mosel, die Mosel! — In Trier war der Nachmittag der Besichtigung der herrlichen Kirchen (mit Hilfe von Vorträgen einer Kunststudentin aus
dem eigens mitgebrachten Dehio) und der einzigartigen römischen Bauten und Altertümer gewidmet, und daß am Abend in der Dvmschenke natürlich nicht gerade Wasser getrunken wurde, dürfte klar sein.
Was sich aber an den nächsten Tagen den Wasserwanderern bot, vom „Aufbäumen" des Admirals selbst auf einem Anker — das Wasser erwies sich beim Aussteigen als etwa 70 Zentimeter tief — bis zu den nicht gerade wenigen „Buteillen" in Trittenheim und Urzig, wo in dem berühmten Gasthaus zum „Urziger Wurzgarten" abends ein Sängerwettstreit sich mit einer Gruppe auch paddelnder Engländer entspann, alle diesen Zauber des herrlichen Stroms mit feinen Waldhöhen, Weinbergen, Burgen und Städtchen, vom ruhig bahingleitenben Boot aus gesehen, das ist fast zu schön, um in Worten geschildert zu werden.
Wanderfahrten.
6 A
Bieber — Königsberg — Hohensolms — Bubenrod — Dicke Eiche — Haina — Bieber.
Vom Bahnhof Bieber (Sonntagstarte) wandern wir, nachdem wir das Dorf durchschritten haben, das liebliche Biebertal entlang an den vier Mühlen vorbei; die letzte, die Obermühle, ist die Geburtsstätte des berühmten Kupferstechers Wille. Auf guter Landstraße steigen wir aufwärts nach Königsberg, wo wir nicht versäumen wollen, den prächtigen Blick von dem alten Gemäuer der Burgruine zu genießen. Bald darauf erreichen wir das Hochliegende Hohensolms. Nach einer Ruhepause gehen wir bis zum Wegweiser die mit alten Linden bestandene Straße zurück und folgen sodann den Telegraphenstangen, die uns auf einem alten Rennweg über eine aussichtsreiche Höhe, später über den bewaldeten Bleidenbera nach Hof Bubenrod führen, der leider feinen Wirtschaftsbetrieb geschlossen hat. Von hier folgen wir gelben Strichen, die uns zu einem altehrwürdigen Naturdenkmal, der Dicken Eiche, leiten. Weiße Striche weisen uns hinab in das anmutige S^walbenbachtal, dem wir bis zur Straße nach Waldgirmes in der Nähe der Grube
Morgenstern folgen. Hier wenden wir uns links und kommen auf der wenig belebten Landstraße am Forsthaus Haina, später über Hof Haina nach unserem Ausgangspunkt Bieber zurück. Dauer der Wanderung vier Stunden.
Friedelhaufen — Salzbödelal — Fronhausen.
Eine hübsche Nachmittatzswanderung, die etwa drei Stunden beansprucht, ist die folgende: Von der Station Friedelhaufen gehen wir über die Lahnbrücke nach dem am Berghang angefchmiegten Odenhausen und dann die Landstraße nach Salzböden. Wir sind nun in dem reizvollen, von bewaldeten Höhenzügen umrahmten Salzbödetal. In der bald darauf erreichten Schmelz ist Gelegenheit zur Einkehr. Schwarze Kreuze führen uns jetzt den Bach aufwärts an der Nauchmühle vorbei bis zur Stein- furtsmühle, wo wir die Zeichen und auch das Tal verlassen und uns rechts wenden. Wir steigen in die Höhe, kommen durch einen Teil von Oberwalgern und auf der hochgelegenen Landstraße, von der man prächtige Blicke über das Lahntal und die Marburger Gegend hat, nach unserem Endziel Fronhausen.
Zwischen Ostsee und Aordsee.
Von Hans Tinimendo'f
An der Nordsee die Friesen, an der Ostsee die Angeln — diese beiden Stämme sind die Eckpfeiler des deutschen Volkstums im Norden, verbunden in der nordfchleswigschen Schicksalsgemeinschaft. Wieviele Deutsche kommen alljährlich an die Nordsee, an die Ostsee, und sehen doch nicht das Land, das meerumfchlungen zwischen den Küsten liegt. Ein Land, so vielgestaltig in seinem Naturcharakter, so mannigfaltig in seinen traditionsstarken Volksteilen! Es ist eine Fahrt nicht ohne Spannung, wenn man von einer Küste zur andern hinüberfährt. Denn die Landschaft wandelt sich zusehends, und in einem ungewissen und zugleich bestimmten Augenblick gewinnt man plötzlich die Witteruna des anderen Meeres. So wesensverschieden das Meer hüben und das Meer drüben ist, fo unterschiedlich wirken diese Meere auch weit ins Land hinein, beherrschen mit ihrem Windatem die Landschaft und deren Menschen.
Wer kennt Angeln, diese heiter schwingende Ostseelandschaft, fruchtbares Weizenland, Stammland jener Angeln, die von hier nach England kamen und der Briteninsel ihren Namen liehen? Vielen ist vielleicht nur der Badeort Glücksburg an der Flensburger Förde bekannt mit dem märchenhaften Wasserschloß inmitten der Buchenwälder. Andererseits dürfte wiederum die Schlei wegen des Schlei-Bücklings nicht ganz unbekannt fein. Menn man über das Städtchen Kappeln hinausfährt, aelangt man an den gam schmalen Durchgang der Schlei zum Meer, die selbst nichts anderes ist als eine im Land sich ausdehnende Meeresbucht von rund 40 Kilometer Länge. An ihrem inneren Ende liegt die S^adt Schle s w i g. Und alles, was nördlich dieser „Stabt und der Schlei liegt bis zur Flensburger Förde hinauf, ist die Landschaft Angeln. Nun aber geht's hinein ins Land, das sich hügelig emporwirft und auf feinen Kuvveln Windmühlen in die Himmelsbläue hebt. Man schlängelt sich auf den Knickwegen durchs Land, als ginge es durch einen Irrgarten. Aber es finden selbst. Ueberlandomni- buffe da hindurch.
Sobald man einen Ueberblick übers Land gewinnt, sieht man diese charakteristischen Knicks wie grünes Geäder vielverzweigt das Land durchziehen. Und so erscheint diese offene freundschaftliche Landschaft gepflegt wie ein großer Garten. Ihr größter Stolz sind die Bauernhöfe; man findet in Angeln die schönsten alten Bauernhäuser. Sie haben altersdunkle Strohdächer, und darunter blitzen die blanken Scheiben der Spiegelfenster, hinter denen weiße Spitzengardinen den häuslichen Staat der Bewohner verraten. Selten fehlt der Zieraarten vor dem Haus, der geschnittene Hecken und Bäume hat, helle Kieswege, dazu eine weißgestrichene Sitzbank neben der Haustür. Dort findet man sich bei Dunkelwerden noch zu einem kleinen Schnack zusammen. Wahre Meisterstücke der Handwerkskunst sind die stilvoll gearbeiteten Türen, bas eigentliche Schmuckstück des Hauses, ein schöner Willkomm für
den Besucher. Meist stammen diese Türen aus der Zeit um 1800.
Auch trutzig war dieses Bauerntum. Seht diese alten Dorfkirchen in Angeln! Sie sind von schwerem, wuchtigem Bau, die Türme aus massigen ©ranitquabern mLe Bollwerke aufgeschichtet. Zusammen mit den von starken Steinmauern umfriedeten Kirchhöfen wahren sie immer noch den Eindruck der Unbezwinabarkeit. Man findet solche Kirchen in Munkbrarup, Husby, in Satrup und Sörup. Merkwürdig klingen diese Ortsnamen und man wird finden, daß in ganz Angeln fast alle auf eben die beiden immer wiederkehrenden Endsilben enden.
Schon von Flensburg ab westlich ändern sich diese Ortsnamen. Auch der Charakter der Landschaft wird sogleich anders. Das wellige Hügelland Angelns verebbt sehr schnell zur Heidelandschaft der G e e st. Ernst und dunkel ist die Geest mit ihren Wäldery, karg ist der Ackerboden. Die Dörfer werden in dem dünnbesiedelten Land selten. Doch sieht man jetzt allenthalben neue Siedlungsstellen entstehen, für die durch umfangreiche Bodenverbesferungsarbeiten neues Ackerland gewonnen worden ist. Westwärts wandernd verlieren wir bald auch den Wald. Immer flacher wird das Land. Der Horizont rückt weit hinaus, als müßte er schon bis zum Meer drüben, der Nordsee, reichen. Die Marsch beginnt.
Flach wie eine Tischplatte breitet sich rings der Boden, Wassergräben teilen ihn in Gevierte, in sogenannte Fennen. Das Vieh liegt auf der Weide. Dazwischen stehen Pferde, regungslos mit vorgestrecktem Kopf, den salzigen Nordseewind in die Nüstern nehmend. Ein freier Atem geht durch die Einsamkeit dieser Landschaft. Weit verstreut und vereinzelt erheben sich die Marschhöfe auf den Warfen, künstlich aufgeschütteten Erdhügeln, auf denen die Friesen ihre Wohnstätten zum Schutze gegen hereinbrechende Sturmfluten bauten.
Das fette Marschland dient fast ausschließlich der Diehwirtschaft. Da hat der härter arbeitende Geestbauer zuweilen etwas neidisch herübergeblickt nach der Marsch, „wo de Lüed nix to dohn hebben, amer äten und flapen as bat Veh." Wohl ist die Marsch ein reiches Land, aber der Bauer muß es auch hier mit Umsicht und Hingabe zu nutzen wissen. Er kann freilich stattlichere Häuser bauen, als die in der Geest, und prachtvoll flehen diese Friesenhäuser in der Landschaft. Das Rot der strohgedeckten Ziegelbauten mit weißgestrichenem Tor und Fenstern leuchtet stark aus dem Grün der Marschen, über die die sinkende Sonne einen zauberhaften Goldglanz gebreitet hat. Bis dicht hinter den großen Meeresdeich sind die Häuser herangerückt. Ihre Giebel sind gerade noch hoch genug, daß sie über den Deich auf die freie See hinauslugen können. Das Donnern der Flut wird schon über den Deich herüber vernehmbar; voll eigentümlich erreater Spannung erklimmen wir rasch den Deich und stehen nun im Angesicht des Meeres.
Aus der engeren Heimat.
Oer Führer als Pate.
)—(Ruppertsburg (Kreis Schotten), 3. Sept. Bei dem 12. lebenden Kinde des Volksgenossen Georg Willa dahier übernahm der Füh- ter die Ehrenpaten st eile. Die beglückten Eltern erhielten nun ein Glückwunschschreiben des Führers und ein großes Geldgeschenk.
W I y-Relchert-Abend der „K b.S/
* Watzenborn-Steinberg, 4. Sept Wer hätte vor Jahren daran gedacht, daß künstlerische Darbietungen, die durch ihre mit hohen Kosten verbundene Programmgestaltung das alleinige Vorrecht der Großstädte zu sein schienen, auch in die Dörfer des flachen Landes gebracht würden! Der NSG. „K r a f t d u r ch F r e u d e" ist es gelungen, nach dem großen Erfolg her Willy-Reichert- Tournee im ausverkauften Gießener Stadttheater die Künstlertruppe mit dem gleichen Programm für Watzenborn-Steinberg zu verpflichten. Das Gastspiel findet am kommenden Montag in der neuen Dolkshalle statt. Diese Veranstaltung ist ein einmaliges Ereignis nicht nur für Watzenborn- Steinberg selbst, sondern auch für die naheliegen, den Orte Leihgestern, ©rüningen, ©arbenteid), Steinbach und Hausen, von wo zahlreiche Besucher zu diesem Gastspiel kommen werden.
Internationale Brie markenschau in Bad-Nauheim.
Lpd. Bad-Nauheirn, 3. Sept. Jrn Kurhaus wurde Donnerstag nachmittag eine internationale Briefmarkenschau eröffnet. Kurdirektor Freiherr v. Wechmar überbrachte die Grüße des Gauleiters Reichsstatthalters Sprenger und wünschte der Veranstaltung einen vollen Erfolg. Sie möge den Philatelisten und den Kurgästen eine
Ium finmuchm !
anregende Unterhaltung bieten. Mit den Wünschen des Reichsbundes der Philatelisten verband S t o e l e (Berlin) den Dank an die Kurverwaltung als Träger dieser Schau und an die rührigen Briefmarkensammler Bad-Nauheims und Friedbergs. Die Besucher hatten Gelegenheit, eine Reihe hervorragender Sammlungen zu bewundern, zu denen auch viele auswärtige Briefmarkenfreunde Beiträge geleistet hatten.
Landkreis Gietzen
8 Alten-Buseck, 4. Sept. Am Mittwoch stürzte ein hiesiges Schulmädchen während des Turnunterrichtes so unglücklich vom Barren, daß es sich Verletzungen am linken Unterarm zuzog. Es wurde nach Gießen in die Klinik überführt, wo eine Untersuchung mit Röntgenaufnahmen ergab, daß es sich glücklicherweise nur um leichtere Prellungen des Armes handelte. Nach Anlegen eines einfachen Verbandes konnte das Mädchen wieder entlassen werden.
<£ L e i h g e st e r n, 3. Sept. Der im 64. Lebensjahre stehende Ludwig Häuser II. dahier war gestern einem Landwirt bei der Dreschmaschine behilflich. Beim Mittagessen wurde ihm plötzlich um wohl und er sank tot von seinem Stuhl. Ein Herzschlag hatte dem Leben des arbeitsamen Mannes, der von Beruf Eisendreher war, ein jähes Ende bereitet.
Kreis Friedberg.
ch Butzbach, 3. Sept. In der letzten Zeit haben sich auf den Hauptverkehrsstraßen innerhalb und außerhalb unserer Stadt eine Anzahl Verkehrsunfälle ereignet. Teilweise war der Sachschaden recht beträchtlich. Erst gestern um 22.30 Uhr erfolgte an der unübersichtlichen Kurve an der Bahnhofstraße ° Weiseler Straße wieder ein Zusammenstoß eines Motorrades mit Beiwagen mit einem Personenkraftwagen. Letzterer konnte bald seine Fahrt fortsetzen. Der Lenker des Motorrades, das betriebsunfähig geworden war, kam mit einer geringen Verletzung im Gesichte davon. — Im Saale des „Deutschen Hauses" hielt das Rote Kreuz und der Alice-Frauenverein die Jahreshauptversammlung ab. Die Vorsitzende, Frau Patz, gab einen längeren Bericht über das verflossene Vereinsjahr. Die Zahl der Mitglieder hat sich im letzten Jahr auf 420 erhöht. Der Vereinsrechner, Rektor Dem, gab einen Ueberblick über die finam zielle Lage, wobei er Vergleiche zu früheren Jahresabschlüssen zog. Nach einem interessanten Lichtbildervortrag des Ausbildungsarztes, Medizinalrat Dr. Zinßer, über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen" der mit großem Interesse aufgenommen wurde, verteilte die Vorsitzende an eine größere Anzahl Samariterinnen und Helfer Ehrenurkunden im Auftrage der Reichsleitung des Roten Kreuzes. Nach kameradschaftlichem Beisammensein schloß die Vorsitzende den Abend in der üblichen Weise.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 2. Sept. Vom schönsten Wetter begünstigt, unternahm unser Obstbau- verein am vergangenen Sonntag einen Gemarkungsrundgang, der reichlich Gelegenheit bot, den reichen Behang der Obstbäume zu bewundern. Schöner von Boskop, Goldparmäne, Goldrenette von Blenheim, Jakob Lebel usw., also die edlen Standorten, bringen in diesem Herbste große Erträge. Die planmäßige Behandlung und Pflege einiger Baumstücke hat ihrem Besitzer reichsten Lohn gebracht. Die Frage: „Wie kommen wir zu regelmäßigeren Erträgen und Qualitätsobst?" wurde bei diesem Rundgang erörtert.
Kreis Wetzlar.
♦ Krofdorf, 4. Sept. Am heutigen Samstag kann Frau Wilhelmine Romer, Gießener Straße 7, in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 2. Geburtstag feiern.
Tödlicher Sturz m t dem Fahrrad.
Lpd. Wetzlar, 3. Sept. An einer abschüssigen und mangelhaften Stelle der Landstraße, dicht vor dem Kreisort B o n b a b e n , stürzte die 15 Jahre alte Marie Neuhaus von Bonbaden so um glücklich mit dem Fahrrad, daß der Tod des Mädchens bald nach dem Sturz noch an der Um fallstelle eintrat.


