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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Schule und Vierjahresplan.
Kreisversammlung des NSLB.-Kreis Wetterau.
In der neuen Pestalozzischule fand am gestrigen Mittwochnachmittag eine Kreisversammlung des NSLB. statt, der Kreisschulrat Nebeling einige geschäftliche Mitteilungen vorausschickte. Schulrat Nebeling gab dann der tiefen Trauer für die Opfer des Panzerschiffes „Deutschland" Ausdruck. Er schilderte die Empörung, die wegen dieser Schandtat durch unser Volk geht, und betonte, daß es für Deutschland keine andere Entscheidung als für den Nationalsozialismus und gegen den Bolschewismus gibt. Seine Worte: „Mit Verbrechern verhandelt man nicht, denen zeigt man die Faust!" fanden stärksten Anklang. Das Andenken der Gefallenen fand die gebührende Ehrung.
Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Heilig Vaterland" folgte die Ueberleitung zu einer Würdigung I. G. Fichtes anläßlich seines 175. Geburtstages am 19. Mai. Dr. Kraft feierte in Fichte den geistreichen Redner und den Erzieher des deutschen Volkes. Aus einigen seiner Aussprüche, die zum Vortrag gelangten, sprach der unbändige Lebenswille dieses Mannes, von dem auch die Worte stammen: „Wenn der Mensch sagt, ich kann nicht, so will er nicht".
In tiefgründiger Weise unterstrich Schulrat N e - beling die Bedeutung dieses Mannes für-unser Volk, dem er auch heute noch sehr viel zu sagen hat.
Ein Ausspruch des Führers leitete über zu der Aufzeigung der Ziele, die der Führer uns gesteckt hat. Mit dem vom Fanfarenzug des JV. vorgetragenen Lied der deutschen Jugend wurde der erste Teil der Versammlung beschlossen.
Nach der Pause sprach Gauredner Jordan über das Thema „Schule und Dierjahrespla n". In eingehenden Darlegungen begründete der Vortragende die willensmäßige Voraussetzung für das Gelingen des großen Planes, der die Folgerung
aus dem vom Führer angegebenen Ziele einer guten Zukunst für unser Volk und eines gesicherten Lebens für unsere Jugend darstellt. Aus der Erkenntnis, daß nur starke Nationen Europa befrieden können, ist die nationale Behauptung unseres Volkes erforderlich geworden. Für diese alle unsere Kräfte einzusetzen und zu steigern, ist das ganze Volk, und in erster Linie der Erzieher der deutschen Jugend, aufgerufen. Neben den Aufgaben technischer und wirtschaftlicher Art stehen solche der Erziehung. Hierbei erwachsen dem Lehrer Pflichten und Verantwortung. Indem er die Jugend mit den Erfordernissen aus dem Dierjahresplan verttaut macht, muß er zugleich auf deren Eltern einzuwirken versuchen. Wie sehr dies möglich sein kann, wie schon die Kleinen zu volkswirtschaftlichem Denken angehalten, wie sie durch richtiges Zeitunglesen aufgeschlossen werden können für die Tagesereignisse und auf solche Art auch ihre Angehörigen veranlassen, sich mit den Gedanken auseinanderzusetzen, die durch den Dierjahresplan angeregt sind, das zeigte der Redner in ausführlicher Weise. Er gab praktische Winke für die Einstellung des Unterrichtes auf alle diese Gedanken und regte verständnisvoll an, wie der Lehrer schon durch einfache Hinweise auch auf die Erhaltung des vorhandenen Materials, z. B. der Fahrräder, einwirken und dadurch zugleich der Verkehrserziehung und Unfallverhütung dienen kann. Seine Ausführungen gipfelten in der Forderung, daß der Erzieher Vorbild fein muß in seiner Haltung und Arbeit und in der praktischen Betätigung auf allen Gebieten in seiner Ortschaft, für die auch die Bewegung feine Mithilfe in Anspruch nehmen muß.
Die Kreisversammlung wurde mit einem Schlußwort von Schulrat Nebeling und dem Treuebekenntnis zum Führer geschlossen.
Lugend im Lustschutzdienst.
Vorführungen zum Lugendlustschutztag in Gießen.
Aus der Einsicht heraus, daß eine erkannte Gefahr nur noch einen halben Schreck bedeutet, wird die Jugend frühzeitig durch Hebungen mit Aufgaben verttaut gemacht, die im Ernstfall der Selbsterhaltungstrieb von ihr fordert. Dazu gehören auch die Handhabung der Gasmaske und die Brandbekämpfung. Die Marine-HI. hat sich als bisher erste und einzige Gießener Gefolgschaft einer Lust- fchutzausbildung an der Luftschutzschule der Orts- (Kreis-)Gruppe Gießen unterzogen. Gleichzeitig wurden die Jungoolkführer ausgebildet. Am gestrigen Mittwochabend' wiesen nun beide Gruppen ihre Kenntnisse unter Führung des Ausbildungsleiters der Orts-(Kreis-)Gruppe Gießen, Dr. Diehl, vor.
Die Marine-HI. zeigte als erste den vielen Zuschauern ihre Fertigkeiten in der Handhabung der Gasmaske. Mit den Voraussetzungen des Auf- und Abfetzens der Gasmaske im Schritt und im Lauf begann sie ihre Vorführungen, um dann auch zu den Freiübungen, zum Gesang und der Befehls- ausgabe unter der Gasmaske überzugehen, die an die jungen Menschen keine leichten Anforderungen stellen. Die vielseitige Betätigung, zu der noch die schwierigere Ausführung des Radfahrens hinzu
kam, das die Jungens einmal als Melder gebrauchen könnten, bewies, mit welchem Eifer und welch großer Ausdauer die Marine-HI. geübt hat. Viel Spaß machte den Jungen die angenommene Bergung von Verunglückten, die bei den starken körperlichen Banfpruchungen des Tragens und der erschwerten Atmung sehr viel Uebung erforderte. In erstaunlich kurzer Zeit gelang die Brandbekämpfung mit der Kübelspritze.
Aber auch die Jungvolkführer standen mit ihren Fertigkeiten und Erfahrungen der Marine-HI. nicht nach. Für die in jedem Notfälle nächstliegende Brandgefahr zeigten sie ihre Geschicklichkeit in der Handhabung des Hydranten und der Schlauchspritze. Schließlich handhabten sie auch die Eimerkette, das schnelle Heranreichen von Wasser an die Brandstätte, das viel Gewandtheit erfordert, wenn der Eimer noch mit Wasser bis an das Ziel herangebracht werden soll.
Es war sehr erfreulich zu sehen, mit welcher Hingabe und Freude an der Sache sich die Gießener Jugend für diese Aufgaben vorbereitet, bei denen sie einmal ein brauchbarer Mithelfer für die Gemeinschaft fein kann.
HrJ26 Drittes Blatt
Aus der Stadt Gießen.
Blumen auf Gräbern.
In früheren Jahrzehnten gab es auf den Friedhöfen fast gar keine Farben. Man sah nur das düstere Grün von Tannen und Zypressen und hier -und da auch einige weiße Blüten auf den Gräbern. Heute ist es anders geworden. Die Gräber gleichen mehr kleinen Gärtchen, auf denen die Lieblingsblumen der Entschlafenen in vollem Schmucke stehen.
Es gibt jetzt auf den Friedhöfen nicht nur dunkle Efeuhügel, die eine immerwährende Novemberstim- mung erzeugen und die Leidtragenden nur noch trauriger stimmen, sondern die Blumen und Farben wechseln mit den Jahreszeiten. Efeu und Immergrün, die früher fast ausschließlich verwendet wurden, haben allmählich auch anderen Pflanzen Platz machen müssen. Sie lassen sich bei der Hügel- xslanzung wohl schwer verdrängen, doch sollte man den strengen Ernst durch blühende Blumen mildern. Auch ein nur lchmaler Streifen auf dem Hügel kann gerügend Blumen aufnehmen, um zu allen Jahreszeiten einen freundlichen Eindruck zu vermitteln. Blühen im Frühjahr die Stiefmütterchen und Tulpen auf den Gräbern, so folgen im Sommer Geranien und Begonien mit einer passenden Einfassungsblume.
Mehr und mehr geht man auch dazu über, winterharte Stauden zu pflanzen. Eine sehr schöne Randeinfassung gibt das Polster des Sternmooses, das sich im Sommer mit weißen Blütchen schmückt. Es sieht aus wie ein famtner Teppich. Die Anpflanzung des Sternmoofes empfiehlt sich auch schon aus dem Grunde, weil dadurch die häßlichen Zementrahmen, die besonders auf den dörflichen Friedhöfen die Gräber emfaffen, überdeckt werden. Innerhalb des Sternmooses können dann alle möglichen Arten von Blumen blühen. Von dem frischen Grün geht immer wohltuende Ruhe aus. Wird diese Ruhe ergänzt durch eine passende Farbenzusammenftellung der inneren Blumen, so wird der gesamte Eindruck immer ein guter sein. Steinbrech, Ehrenpreis, Blau- kissen u. a. eignen sich ebenfalls zur Einfassung.
Sehr beliebt und sehr wirksam sind auch alle Begonienarten. Es gibt eine solche Menge von Begoniensorten, daß man sie gar nicht alle aufzählen kann. Den Grabstein selber können Rankrosen um- roinden, auch (Efeu. Es kommt ja immer nur darauf an, daß die Bepflanzung üppig und geschlossen aussieht und in Form und Farbe zueinander und 3ur Umgebung im Einklang steht. Dann wirken selbst die einfachsten Wiesenblumen, wenn man nur die Liebe und Sorgfalt spürt, die auf die Ausschmückung der Gräber verwendet wurden.
Daß bei trockenem Wetter gegossen werden muß und daß kein Unkraut auf den Gräbern aufkommen darf, fei nur nebenbei erwähnt.
Dorrwtizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Die göttliche Jette". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Grenzpolizei Texas.
: Vs. Die öcutfdie Rrbeitefront
z ItVOemeinfchaft „Kraft durch freuöc"
Omnibusfahrt zu dem Nürburgring.
Sonntag, 13. Juni, findet eine Omnibusfahrt zu dem Internationalen Eifelrennen statt. Fahrpreis einfchl. Eintritt 8,55 RIN. Anmeldungen zu dieser Fahrt auf der Kreisdienststelle. 3861D
Sonderzug nach Berlin.
Für den Sonderzug am 11. Juni zur Ausstellung „Gebt mir vier Fahre Zeit"
in Berlin, Fahrpreis 17,50 RM., können noch Anmeldungen entgegengenommen werden.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.
hilfskaffe.
Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen und nicht der Partei angehören, zahlen ihren Beitrag zur Hilfs- kaffe für die Monate Juli, August und September
1937 am Dienstag, 1. Juni, Mittwoch, 2. Juni, und Donnerstag, 3. Juni, jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 H.
Wer feinen Beitrag nicht rechtzeitig entrichtet, wird bei der Hilfskaffe in München abgemeldet und hat sich daraus entstehende Folgen selbst zuzuschreiben.
Die Lahresfeier der Universität.
Am Samstag, 12. Juni, 11 Uhr findet in der Neuen Aula die 330. Jahresfeier der Ludwigs-Universität Gießen statt. Nach einem Chvrgefang des Akademischen Gesangvereins wird Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Baader die Festrede über
das Thema „Die räumliche und zeitliche Ordnung im Walde" halten. Nach einem Zwischenspiel des Collegium musicum folgt die Ansprache des Studentenführers. Ferner wird bei dieser Feier die Preisverteilung stattfinden. Um 15 Uhr schließt sich das Sportfest auf dem Universitätssportplatz an, abends folgt im Studentenheim das Univerfitätsfest mit Tanz.
Holzwolle und Schweinemast.
Die Kreisamtsleitung der NSV., Abteilung Ernährungshilfswerk des deutschen Volkes, bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen:
Ganz allgemein darf auch heute wieder fest- gestellt werden, daß das Verständnis für das Er-
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Noman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
(Nachdruck verboten.)
11. Fortsetzung.
„Blech! Martt, schau dich mal in der Kuchl um, was noch da ist! Das sind meine drei Buben. Groß- mächtige Lacki, gel? Der Marti, der Lenz und der Hansel. Und jetzt setzt euch nieder! Das Fräulein soll sich auf den Stuhl setzen, und du wirst aus die Ofenbank wollen?"
„Akkurat so, Stefan."
„Redst noch hübsch waldlerisch."
„Bin ja net aus der Hebung kommen. Von der ganzen Kolonie soll ich übrigens schöne Gruße ausrichten. Was sonst los ist, erzähl' ich dir spater einmal." , ,
Dann saßen sie um den großen Tisch herum, der schräge Beine und eine Fußleiste hatte. Das „Ur- fahrner Tagblatt", ein Laib Brot und ein landwirtschaftliches Lehrbuch, in dem der Marti gelesen hatte, lagen aus der blankgescheuerten Platte. Es gab Geselchtes und Bärenwurzschnaps und für die Anna ein Glas Milch. Fogg berichtete fein Pech mit dem Einbruch. Der Gsodmair und ferne drei Buben horchten zu. „Was es für Bazi gibt!" sagte der Gsodmair staunend. Der Marti schickte zuweilen einen andächtigen Blick zu dem Fräulein hinüber, das gesittet aß und das bemalte Glas mit zierlichen Fingern zum Munde führte. Wenn ihr Schnäuzchen daraus auftauchte, hatte es einen weißen Schnurrbart ringsum von dem Rahm. Der Marti war ein sauberer, starker Bursch über die Zwanzig und vor kurzem erst aus Passau zuruck- gekommen wo er die Landwirtschaftliche Winterschule besucht hatte. Anna deuchte ihn so schon wie die geschnitzte Heilige im Passauer Dom, die er immer bewundert hatte.
Anna hingegen fand es wunderbar in dieser blitzsauberen, anheimelnden Stube zu sitzen und zu schmausen. Schmalhüftig, biegsam und mit wachen Augen trank sie die ganze Umwelt in sich hinein, als wollte sie sich ein für allemal ein Bild von dem
neuen Wohnort schaffen. Ein grasgrüner Kachelofen war da mit ein bißchen Wäsche auf den Trockenstangen, eine schnurrende Katze, baumlange, klotzige Mannsbilder; fromme Bilder und verblaßte Photographien blickten von den Wänden, und steif- weiße Vorhängelchen und blühende Blumenstöcke schmückten die Fenster.
„Das ist schon ein Saupech, ein miserables!" stimmte der-Gsodmair dem Fogg bei. „Stiehlt dir der Kerl einfach das ganze Gerstl! Ich sag's ja — die Stadt. Was tust denn jetzt nachher?"
„Was werd' ich tun? Nix. Abwarten, ob ich mein Geld Wiederkrieg'. Wird halt der Wald daran glauben müssen , knurrte Fogg grimmig. „Ich brauche doch Geld für den Anfang. Mit nichts kannst du so eine Praxis nicht aufmachen."
„Um den Wald wär's ewig schad'. Hast vielleicht schon einen Käufer?"
„Keine Spur. Deswegen möcht' ich dich ja fragen."
„Ja mei, da fchaut's bös aus. Hat keiner ein Geld. Höchstens ein Holzhändler zum Schlagen."
„Der Wald muß bleiben, Gsodmair. Wär' ja eine Sünd'."
„Dann kommt nur das Schloß in Bettacht. Sonst weiß ich dir keinen Rat. Die droben haben jetzt einen neuen Verwalter, den Tutschek.„ Der ist scharf auf guten Boden und schönen Wald."
„Gut, ich will's bei ihm probieren."
„Wenn der hört, daß du verkaufen mußt, zieht er dir das Fell über die Ohren. Das muß man anders anpacken. Hinten herum. Ich mach so unter der Hand bekannt, daß du als Arzt mit deinem Wald nichts Rechtes anfangen kannst und ihn vielleicht hergibst, wenn ein rechtschaffenes Angebot kommt. Selber muß der Tutschek kommen, verstehst? Du kriegst auch so noch wenig genug; wir haben ja schamlose Holzpreise/
„Und jetzt erzähle mir vom Vater, bitte!
Der ist rasch gestorben. Schier ein bißchen zu schnell. Der Doktor von Urfahrn sagt, es sei Gehirnschlag gewesen. Deine Stiefmutter hat em halbes Jahr vor dem Vater eingehefert; auch ganz plötzlich. Das mit der Leich' hab' ich besorgt, wie es recht war. Die Rechnungen liegen in meinem Pult. An Bargeld ist nichts übriggeblieben, kein Pfennig. Morgen früh schaust du dir dein Anwesen an. Es gibt manches zum Herrichten. Ich gehe dir
gern an die Hand, wenn du ein Fuhrwerk brauchst oder sonst eine Hilfe."
„Dank' schön, Gsodmair! Ist unser ,Beritt^ noch vollzählig?"
„Es leben noch alle. Der Kern hat die Wirtschaft von seinem Vater übernommen, der Schuster Ameiser ist jetzt Postbote, und der Fenz! hat einen Haufen Kinder und ist der alte Hallodri."
„Das freut mich aber, daß sie noch alle da sind", sagte Fogg versonnen. Die letzten Minuten der Donka Sttansky fielen ihm ein, er hielt aber den Mund.
„3cf) mein', wir gehen jetzt schlafen. Das Fräulein wird müd sein von der langen Reise. Ihr bleibt die erste Nacht natürlich bei mir. Oder willst du vielleicht bei dir daheim auf dem Fußboden schlafen? Ist ja nichts gerichtet. Also mach keine Geschichten, Josef!"
Der Bürgermeister zündete eine Kerze an und geleitete Fogg in eine Schlafstube. Der Marti führte bie Anna in eine andere. Der Gsvdmairhof war neben dem des Gastwirtes Kern der größte im Ort. Der Marti nahm feinen ganzen städtischen Schliff zusammen, ging voran und leuchtete. Unter der Tür besann sich das Mädchen einen Augenblick.
„Aber unser Gepäck steht noch vor der Schmiede."
„Dem tut keiner was, Fräulein. Hier sind sie nicht so gefährlich wie in Hamburg. Ich wünsche angenehme Ruhe, und träumen Sie recht schön!"
Als er auf den Zehenspitzen^ die Stiege hinabging, murmelte er: „Teifl, Teifl, das ist eine Feine! Die könnt' einem schon gesallen!"
*
In aller Herrgottsfrühe wanderte Fogg mit Anna hinüber in fein Haus. Zarter Reif lag auf den Dächern, und um die Bergkuppen wölkten spinn- webdünne Nebelschleier.
„Euer Dorfschulze hat einen mächtigen Hof", plauderte das Mädchen. „Es find nette Leute, nöch? Und das Essen schmeckte schön. Die Butter war ganz gelb."
„Ja, beim Bürgermeister haben sie, was sie brauchen. Aber mache dir nur keine falschen Vorstellungen von Schellenberg. Es gibt hier viel Armut. Du wirst das schon noch herausbekommen."
In der Schmiede, die Fogg zuerst betrat, lagen die Hämmer und Werkzeuge kunterbunt durchein-
Donnerstag, Z.Zuni (957
nährungshilfswerk des deutschen Volkes und dis damit verbundene Sammlung von Küchenabfällen dauernd im Wachsen begriffen ist.
Es muß aber nochmals darauf hingewiefen wer« den, daß es ein Unding und eine erhebliche Be« laftung für die Sammler und Sortierer der Abfälle ist, wenn eine Reihe von Hausfrauen glaubt, dem Ernährungshilfswerk außer den begehrten Küchenabfällen auch Abfälle anderer Art, wie Papier, Asche, Zigarren- und Zigarettenstummel, Holzwolle usw. mitgeben zu müssen. Für die Abfuhr dieser Sachen sorgt bekanntlich die städtische Müllabfuhr.
Die Kreisamtsleitung bringt zum Ausdruck, daß es hoffentlich nur dieses wiederholten Hinweises bedarf, um nunmehr diese Beanstandungen in Fortfall zu bringen. Es gilt auch für diese Sammlung von Küchenabfällen das Wort: „Was du tust, das tue richtig!"
Militärische Trauerfeier.
Am gestrigen Mittwoch fand die militärische Trauerfeier für den in der Medizinischen Klinik verstorbenen Unteroffizier Eckhardt vom Infanterie-Regiment Nr. 116 statt. Der Regimentskommandeur, Oberst H e r r l e i n , und der Kommandeur des I. Bataillons, Major Wiese, waren mit ihren Adjutanten zu der Abschiedsfeier an der Aufbahrungsstätte des Entschlafenen in der Medizinischen Klinik erschienen. Die 1. Kompanie unter Führung ihres Chefs, Hauptmann Osann, war als Ehrenkompanie angetreten, die 2. Kompanie unter dem Befehl ihres Chefs, Hauptmann Bei- gang, der der Verstorbene angehört hatte, war als engster leidtragender Kameradenkreis zugegen. Von den Unteroffizieren der übrigen Kompanien waren Abordnungen anwesend. Zahlreiche Kränze schmückten den Sarg des Heimgegangenen. Nach der Ansprache des Militärgeistlichen, Pfarrer A u s f e l d , wurde der Sarg auf einen Kraftwagen gehoben und in militärischer Trauerparade durch die Stadt bis an die Stadtgrenze in Richtung Grünberg gebracht. Voraus schritt die Regimentsmusik, dann folgte die 1. Kompanie als Ehrenkompanie, hierauf der Militärgeistliche vor dem Sarge. Hinter den trauernden Familienangehörigen schritt die 2. Kompanie mit Zeichen der Trauer für ihren plötzlich abberufenen Kameraden. An der Stadtgrenze nahmen die Soldaten in militärischer Art feierlichen Abschied von dem Toten, der mit Kraftwagen nach feinem Heimatorte Aßbach bei Hersfeld überführt wurde. Dort fand gestern nachmittag die feierliche Beisetzung statt, bei der eine Abordnung der 2. Kompanie dem Entschlafenen das letzte Geleit gab.
Gießener Wochenmcrrkkpreife.
* Gießen, 3. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, neuer, % kg 12 bis 15, Weißkraut, altes, 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, neue, das Bündel 15 bis 20, rote Rüben, alte 12, Spinat 18 bis 25, Römischkohl 12 bis 15, grüne Bohnen, neue, 30 bis 40, Spargel, 1. Sorte 41 bis 49, 2. Sorte 33 bis 40, 3. Sorte 25 bis 34, 4. Sorte 14 bis 17, Erbsen, neue, 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln, neue, 15, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, % kg 13 bis 18 Pf., Birnen 40 bis 80, Kirschen 50 bis 60 Pf., Erdbeeren 1,20 Mark, Zwetfchenhonig 45 Pf., Blumenkohl, das Stück 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 18, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
* 4
** Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen. Am Samstag, 5.Juni, vor-
ioca' üßöl
wie (oll ein Madel heute aussehen?
Schlank, sportlich und — natürlich braungebrannt! Das ist zeitgemäß und ein Zeichen gesunder Lebensweise. Und wer schön bräunen will, benutzt Nivea- Creme oder Nivea-Öl. Es wirkt
schützend und bräunt zugleich!
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ander, und der Boden war voller Holzspäne. Es tat not, daß hier aufgeräumt wurde. Aus den Zimmern schlug ihnen dumpfe Luft entgegen. Anna riß sogleich sämtliche Fenster auf. Dann schritt Fogg mit Anna von einem Möbelstück zum anderen, sperrte Kästen auf, zog Laden heraus. Diel Wertvolles war nicht im Haus. Die letzten Jahre waren auch für den Schmied schwer gewesen, weil jeder nur das Dringendste ausbessern ließ und viele mit dem Bezahlen nicht nachkamen. Im Wohnzimmer stellte sich Fogg auf das eingebeulte Sofa und zvg den Regulator auf, der mit melodischem Bimbam acht Monate übersprang. So! Jetzt war wenigstens wieder etwas Leben in dem toten Haus. Dann besprach er sich mit Anna, wie er die Zimmer einteilen und die Möbel umstellen wollte.
Anna blies die Backen auf.
„Wilde Geschichte wird das, Josi! Aber keine Bange, ich schaffe es schon. Nur bei den Möbeln mußt du mir helfen."
Fogg sah das zierliche Persönchen zweifelnd an.
„Du glaubst wohl, ich habe keine Muskeln? Da greif her! Ich fehe nur von außen so mickrig aus. Erst müssen mal die Betten an die Lust. Sonne gibt's hier wohl überhaupt nicht? Weißt du zufällig, wo sich Besen, Bürste und Eimer herum- tteiben? Natürlich nicht! Gorch Pitter hätte man auch eher totschlagen können."
„Ich glaube, in der Küche", erwiderte Fogg kleinlaut.
Sie ging hinaus und erschien nach einer Weile mit sämtlichen Reinemachgeräten. Auch umgezogen hatte sie sich und trug jetzt die blaue Seemannshose, die unten zu weit und um die Hüften unanständig eng war. Sie hatte die Aermel hochgekrempt und sah aus wie jemand, der zum Aeußersten entschlossen ist. Als sie Foggs verdutztem Blick begegnete, erklärte sie:
„Solche Hosen sind praktisch. Man muß sich nur daran gewöhnen. Mittag mußt du auswärts essen, Josi. Und jetzt wäre es reizend von dir, wenn du verschwändest. Herren sind hier unerwünscht."
Das ließ sich Fogg nicht zweimal sagen. Er flüchtete vor Wirrwarr und Putzwasser ins Freie. Die Bäume bekamen schon die ersten Blättchen. Später schlenderte er ins Dorf.
Fortsetzung folgt.


