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3.6.1937
 
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ttr.126 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Donnerstag, 3. Zum 1937

Umzug in der Downingstreet.

Don unserem

London, Anfang Juni.

In Downingstreei, diesem düsteren Fleck in der Großstadt, den es in der Welt nur einmal gibt, ist der Umzug beendet. Stanley Baldwin zog aus Nr. 10 der Downingstreei aus. Die Möbel­wagen haben schon die Einrichtung nach E a t o^i Squares in das neue Haus des bisherigen Ministerpräsidenten, das Baldwins Schwiegersohn ihm geschenkt Hai, gebracht. Es ist geräumig genug, um die ganzen Bücherschätze des Ministerpräsiden­ten, die in mehr als 100 Kisten verpackt sind, aus­zunehmen. Schon seit Wochen hat Mrs. Baldwin bereits für die Tapeten und Vorhänge Sorge ge­tragen, wie sie es vor zwei Jahren in Downing- street getan hat. Die Zeit, die für die Vorbereitung zur Verfügung stand, war knapp denn unmit­telbar vor dem Umzug war das Königspaar zu Gast bei dem britischen Ministerpräsidenten, ein Er­eignis, das nur jeweils nach der Krönung eines Monarchen stattfindet.

So sind also mit fieberhafter Hast Packer und Werk­leute beschäftigt gewesen, darunter besondere Sach­verständige, die das kostbare, berühmte Sövres- Service der Familie Baldwin kunstgerecht zu verpacken hatten. Eine Buchhandlung hatte ihr ge­schultes Personal gesandt, um die Lieblinge des Mi­nisterpräsidenten, seine Bücher, wohlbehalten und sicher in seine neue Bibliothek zu bringen. Sein Kammerdiener aber war mit einer ganz besonders verantwortungsvollen Aufgabe betraut, die Pfei­fensammlung seines Herrn die Pfeife ge­hört bekanntlich zum ständigen Begleiter Baldwins vollzählig nach Eaton-Squares zu befördern. Es befinden sich einige sehr wertvolle Stücke darunter. Aber Baldwin bevorzugt nach wie vor seinen ganz gewöhnlichenHolzkloben".

Der Einzug des Nachfolgers inNr. 10" vollzog sich gewissermaßenhinten herum" durch die Gartenpforten und eine Hintertür, denn Nr. 11, die Schatzkanzlei, die den Nachfolger Bald­wins bisher schon beherbergt hat, ist das Nach­barhaus von Nr. 10, das seit 200 Jahren das traditionelle Heim des britischen Ministerpräsiden­ten ist. Weite Gärten, die ineinander überlaufen, dehnen sich hinter beiden Häusern und schaffen die natürliche Verbindung. Mrs. C h a m b e r l a im hat

mo.'Mitarbeiier.

die Räume, in denen sie künftig walten soll, einer eingehenden Inspektion unterzogen und die Tape­ten entsprechend der Farbe ihrer Möbel ausgesucht. Sie hatte im übrigen wenig Beanstandungen zu machen oder Wünsche zu äußern. Nr. 10 war im Jahre 1929, als Macdonald dort einzog, gründ­lich umgebaut und erneuert worden. Seine Tochter Isabel, die Hausfrauenstelle bei ihrem Vater einnahm, erklärte, daß das alte Haus so düster und unkomfortabel sei, daß man niemanden zumuten könne, dort zu wohnen und Gäste zu empfangen. Nr. 10 Downingstreet war um die Jahrhundert­mitte durch einen Umbau vor dem Einsturz bewahrt worden. Aber es war alles andere als eine reprä­sentative Residenz des höchsten Staatsbeamten Eng­lands geworden, so daß viele Ministerpräsidenten im Laufe der letzten Generation es vorzoaen, sich Privachäuser zu mieten, oder, wie Sonar Law, im Hotel zu wohnen. Man baute nun auf Isabels energische Forderung Zentralheizung ein und ver­größerte die Räume durch den Anbau, der genü­gend Platz für Empfänge und Gastlichkeit bot. Nur die düstere Fassade von Nr. 10, die winzige Pforte, die sein Eingangsportal darstellt, sind un­verändert erhalten geblieben, desgleichen der be­rühmte Kabinettsraum, in dem die Ministersitzun­gen stattfinden. Nur die Banketthalle hat durch den Anbau die dringend nötige Vergrößerung erfahren.

Nr. 10 Downingstreet ist immer wieder als so etwas wie ein Weltwunder bestaunt worden. Einer der mächtigsten Männer der Welt, dessen Wort für ein Fünftel der Menschheit von maßgebender Be­deutung ist, wohnt in einem schmucklosen, grau­schmutzigen und unscheinbaren Haus, dessen Aeuße- res nichts von seiner Bedeutung wie auch von seiner geschmackvollen Inneneinrichtung verrät. Isabel Macdonald und das Ehepaar Baldwin haben es verstanden, Downingstreet etwas von der Würde und feierlichen Vornehmheit zu geben, die man eigentlich dort vermuten sollte, hinter der Außenseite aber nicht erwartet. Downingstreet Nr. 10, das Haus des Ministerpräsidenten, und Nr. 11, die Schatzkanzlei, sind sichtbarste Kenn­zeichen für die Bedeutung, die der Engländer der alten Ueberlieferung beimißt.

Neues für den Büchertisch.

David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, Kriegsm moiren Band III. (Band V und VI der englischen Ausgabe.) Verlag S. Fischer, Berlin. Preis in Leinen gebunden 16, RM. (71) Die internationale Debatte über den Weltkrieg rückt mehr und mehr das Pro­blem des Verhältnisses zwischen Politik und Krieg­führung in den Vordergrund. Wir erinnern uns an bas vor kurzem erschienene Buch Schwertfegers Das Weltkriegsende", in dem dies Problem sine ira et Studio auf deutscher Seite untersucht wird. Daß auch die Alliierten keine ideale Lösung für das Verhältnis von Politik und Kriegführung gefunden hatten, bezeugen die Memoiren Lloyd Georges aufs neue. Wenn auch der englische Staatsmann viel zu temperamentvoll und voreingenommen ist, um über­haupt ein sachliches, auch die Einwände der Mltt- tärs vorurteilslos würdigendes Bild der tatsäch­lichen Verhältnisse wenigstens im englischen Lager neben zu können, so sind seine Darlegungen doch ein schlagender Beweis dafür, daß zumindest bis zu der von ihm gegen die englischen sowohl wie die französischen Generale durchgedruckten Ernennung Fachs zum Generalissimus der Alliierten auch auf Seiten der Entente das Problem der einheitlichen

Kriegführung so wenig gelöst war wie zwischen Berlin und Wien und Staatsmänner und Militärs nicht minder hoffnungslos nebeneinander herliefen, wenn nicht gar gegeneinander regierten wie auf deutscher Seite. Und doch einen kaum zu über­schätzenden Vorteil hatte die Entente. Während bei den Mittelmächten in dem Verhältnis zwischen Po­litik und Kriegführung niemals auch nur von einem Gleichgewicht zwischen Staatsmännern und Militärs gesprochen werden konnte, ja Reichskanzler und Aus­wärtiges Amt sich schon in den kritischen Juli-August­tagen 1914 aus strategischen Gründen zy Hand­lungen veranlaßt sahen, die' von der Politik her ge­sehen hätten vermieden werden müssen, und seitdem besonders nach dem Sturz Bethmanns auf eine poli­tische Leitung oder gar eine Unterordnung der Krieg­führung unter die Politik ganz verzichtet wurde, hatte die Entente das Glück, nach schweren mili­tärischen Mißerfolgen in Lloyd George und Cle- menceau zwei Staatsmänner von Format an die Spitze stellen zu können, von denen der eine durch feinen sprudelnden Ideenreichtum, dessen Dilettantis­mus von den militärischen Fachleuten oft bespöttelt worden ist, doch ungeheuer anregend und be­fruchtend auf die alliierte Kriegführung gewirkt hat.

der andere durch seine eiserne Energie, die nur ein I Ziel kannte und alles brutal zu Boden stieß, was nicht die völlige Vernichtung des Feindes wollte, den Endfiea der Alliierten gesichert hat. Was Lloyd George über Clemenceau sagt, gehört zu den interessantesten Kapiteln seines Buches. Sein vernichtendes Urteil über die englischen Generale, denen er mit einem kaum zu überbietenden Sar­kasmus Ideenlosigkeit, bürokratische Beschränktheit und Unbeweglichkeit vorwirft, sind aus den früheren Bänden seiner Erinnerungen zu bekannt, um durch die heftigen Wiederholungen an Ueberzeugungskraft zu gewinnen. Vor allem ging der Streit zwischen Lloyd George und den britschen Militärs um die Frage, ob die Kriegsentscheidung auf dem französischen Hauptkriegsschauplatz allein fallen könne und daher alle verfügbaren Kräfte hier zusammenzufassen seien zu immer wiederholten Schlägen gegen die deutsche Westfront, wie die britischen Generale es behaupte­ten, oder ob man die Entscheidung auf einem Nebenkriegsschauplatz suchen müsse, etwa von Sa­loniki aus, wie es Lloyd Georges Ansicht war, und wo denn ja auch tatsächlich durch den Zusammen­bruch Bulgariens im Herbst 1918 die Katastrophe der Mittelmächte zuerst offenbar wurde. Das Buch Lloyd Georges enthält noch viele interessante Einzel­heiten auch zur diplomatischen Geschichte des Welt­krieges, so z. B. den Bericht des südafrikanischen Generals Smuts über feine Begegnung mit dem Vertrauensmann der österreichischen Regierung, dem Grafen Meusdorf, auf neutralem Boden u. a. Trotz der breiten Anlage des Werkes sorgt das Tempera­ment des Verfassers dafür, daß man auch über die stellenweisen Längen des Buches schnell hinweg­kommt'. Das nun in deutscher Sprache vollständig vorliegende Werk ist eine der wertvollsten Quellen für die Erkenntnis, wie die andere Seite Politik und Kriegführung zu gestalten gewußt hat.

Fr. W. Lang e.

Paul Rohrbach: Der Gottes­gedanke in der Welt, eine Antwort auf die Frage: Ist die Menschheit lebensfähig? Verlag Hans Bott, Berlin-Tempelhof. Preis kart. 4,80 RM., in Ganzleinen 6, RM. (79) Paul Rohrbach gehört zu der bei uns so seltenen Gattung der politischen Menschen". Er ist den meisten unserer Leser sicher nur bekannt als Verfasser vieler glän­zend geschriebener, auf umfassender Bildung fußen­der Bücher und Aufsätze kulturgeschichtlichen und politischen Inhalts. Aber Rohrbach ist von Hause aus Theologe, und seine ersten Bücher behandelten religionsvergleichende und religivnsgeschichtliche Pro­bleme, aber auch die späteren Werke ließen immer seine besondere Liebe und die Vertrautheit mit diesem Thema anklingen. Die religiöse Erneuerung unseres Volkes, die lebhafte und fruchtbare Erörterung von Problemen, die feit Jahrzehnten verschüttet zu fein schienen, hat Paul Rohrbach diesmal die Feder in die Hand gedrückt. Er führt uns ganz unvorein­genommen und doch von einem festen eignen Stand­punkt aus zu einer religionsgeschichtlichen Betrach­tung des Problemkreises, der sich dreht um die gött­liche Offenbarung, um die Stellung zum Alten Testament, dessen einzelne Teile er nach Ent­stehungsgeschichte und Inhalt verschieden bewertet, um das Verhältnis zum Neuen Testament, um das Leben Jesu und seine Heilsbotschaft. Rohrbach zeigt dann die Wendung vom Evangelium zur Kirche, er weist besonders hin auf die bis heute fortdauernde Einwirkung antiker Weltanschauung auf Dogmen­bildung und -lehre. Daraus entsteht für Rohrbach die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Volkstum. Vorurteilsfrei, aber mit dem geschärften nüchternen Blick des historischen Forschers untersucht er die Grundlagen der germanischen Religion an den überlieferten literarischen Zeugnissen und die Be­rührung des Christentums mit den Germanen, die einen eigenen Typ deutscher Religiosität aber im Mittelalter unter dem Einfluß des Neuplatonis­mus nicht zu entwickeln vermocht haben, bis endlich Luther dem deutschen Geist in der Religion zum

Aufbruch verhalf. Der Verfasser betrachtet dann die Kirche im Wandel der Zeit von der Amike bis zum Hochkapitalismus unserer Tage. Er deutet auf den kritischen Augenblick, wo die Kirche ihr Verhältnis zur Geschichte hätte finden müssen, wo sie auf Grund der neuen historischen Methode eine neue Stellung zu den im kirchlichen Schriftenkanon niedergelegten Dogmen hätte einnehmen|jen, damit üoer das Evangelium von Jesus wieder auf das Evangelium Jesu selbst hätte zurückgehen und in den Mittel­punkt der Religion das persönliche Verhalten jedes einzelnen Christen zu Jesu Predigt von der Gottes­herrschaft stellen müssen. In einem besonders fesseln­den Kapitel untersucht Rohrbach dann das Thema Völkischer und christlicher Glaube" und setzt sich hier besonders ausführlich mit Ekkehards Gotteslehre auseinander. Seine Darlegungen find in diesem Kapitel wie in allem Vorangegangenen und in dem noch einmal öap Problem unserer Zeit in der Tiefe anpackenden Schlußwort ohne Schärfe, ohne An­klage, aber von jener packenden Klarheit und jenem männlichen Ernst, die uns ein Buch lieb machen, auch wenn den theologischen Laien mancher Gedanke darin überraschen mag. Die Vielen, die nach einem Wegweiser durch die religiösen Probleme unserer Zeit ausschauen, werden bei Rohrbach tausendfältig Anregung zu eigenem Nachdenken finden.

Fr. W. Lang e.

Im Verlag Rütten und ßoening, Potsdam, sind zwei neue Ausgaben der Gedichte von Rudolf G. B i n d i n g erschienen:Stolz und Trauer", die Sammlung der Kriegsgedichte, ungekürzt, 72 Sei­ten, geb. 1,80 RM. (116) und eine Auswahl der besten unter dem TitelSiegdesHerzen s", 92 Seiten, geb. 1,80 RM. (117) Was die SammlungStolz und Trauer" angeht, so gibt es wohl, wenn man von Stefan George und Eber­hard Wolfgang Möller absieht, nicht sehr viele Ge­dichte in deutscher Sprache, in denen das Kriegs­erlebnis in so reiner, strenger und gültiger Form sich bewahrt hat und zu dauern verspricht: hier ist jeder Vers gewogen, jede Zeile und jedes Wort aus dem großen, glühenden Erlebnis geboren und künst­lerisch umgeschmolzen. Es ist eine ernste und männ­liche Sprache, die da gesprochen wird, es sind hier Gedichte eines Menschen, der den Krieg als ein wahrhaft apokalyptisches Elementarwesen an sich er­fahren hat. Der Stolz auf die äußerste Bewährung vor einem völkischen Schicksal von unerhörter Furchtbarkeit, der Schmerz um das unwiderruflich Verlorene, die aus Leidenschaft und zuchtvoller Be­herrschung gleichermaßen hervorgegangene Haltung machen den schmalen Band zu einem dichterischen Dokument, angesichts dessen mancher aus der Kriegs­generation wird bekennen mögen: mit solchen Wor­ten, wenn sie ihm verliehen.wären, hätte auch er das Unaussprechliche jener vier Schicksalsjahre zu umschreiben und zu deuten versucht. Wir können uns nicht Dorfteilen, daß es eine gültigere Bewäh­rung und Bestätigung für eine Sammlung von Kriegslyrik gäbe. Die in dem BändchenSieg des Herzens" vereinigten Gedichte,aus verschiede­nen Jahren stammend, sind nicht fo sehr eine Aus­wahl als vielmehr ein Zusammenhang oder Zu- sammenführungen von Gedichten unter einem be­stimmten inneren Gesichtspunkt. Man wird sich daher nicht wundern, eine Anzahl Gedichte wieder­zufinden, die auch in anderen Sammlungen zu lesen ind". Die Form, wenn man das Ganze überschaut, cheint in dieser Sammlung noch strenger und aus» chließlicher nach sprachlicher Zucht, nach äußerster Verdichtung des Erlebten, des Gefühls in der knapp­sten Form des umschreibenden, vielfach reimlosen Verswortes zu drängen. Liebe und Tod zwei ewige, nicht ausgesungene Gegenstände aller Dich­tung bilden in diesem Buche die innerste Mitte, um die Bindings Gedicht kreist, von der es aus­strahlt. Krönung und Herzstück des Bandes bildet für unser Empfinden die Gedichtfolge derNor­dischen Kalypso". Als letztes lieft man denGesang olympischer Kämpfer".

Hans Thyriot.

Gießener Gtadttheater.

Abschied von Heinrich Hub.

Heinrich Hub, der sieben Jahre lang das Fach des ersten Komikers an unserem Stadttheater mne- hatte, verabschiedete sich gestern abend, um sein neues Engagement in Mainz anzutreten. Ihm semer etts wurde ein Abschied zuteil, der ihm das Scheiden aus seinem hiesigen Wirkungskreise nicht ganz leicht gemacht haben wird, der aber auch von der persönlichen Verbundenheit zwischen Schauipieler und Theatergemeinde das schönste Zeugnis ablegte

Sieben Jahre sind eine lange Zett, und Herr Hub hat in diesen Jahren, das darf man wohl sagen, allezeit in der vordersten Front des Theaters gestanden. Wenn man die Spielplcme und die Be richte aus der Zeit seines hiesigen Wirkens durchs blättert, kommt einem der ganze Umfang semes darstellerischen Repertoires das sich keineswegs nur mit dem an sich schon reich besetzten und gestuften Rollenfach eines Komikers deckt, recht zum Be­wußtsein. Es ist eine bunte und imposante Fülle der Gestalten, die Heinrich H u b vor uns hat le dem big werden lassen, und es sind manche darunter, die uns noch heute unvergessen gegenwärtig smd.

Welch eine nuancenreiche Spanne des komischen Registers, der heiteren Menschendarstellung von Charleys Tante und dem sächsischen Theater­direktor ©triefe bis hin zum Dorfrichter Adam bei Kleist und zum Mohren Muley Hassan in oöiesco , vom Darmstädter Datterich und vom

Wirt zum Hasmarschall °°n Kalb mKab°l° unb Liebe"; wir gedenken der lehgen l-r" wie der lustigen Vagabunden> und

Bertram", wir greifen aus der Operette zwei ] verschiedene Rollen gratis tote bin Dl

ÄÄ ^aSfpUuVifc^n^^rfeAs abzustecken;

11n5 neftattet noch einige andere hmzuzu

Dbriften Kottwitz imHomburg .

. NUN Herr Hub 77 tztzkn Manaus

,7LnkÄust Schulze, 1 stand natürlich im

Mittelpunkt der Szene, er konnte hier noch einmal das ganze Feuerwerk seines Witzes, seine Bered­samkeit, seine temperamentvolle Beweglichkeit ent­falten. Der Schwank ist gewiß nicht die Krone der dramatischen Kunst weder dieser im Besonderen, noch die Gattung im allgemeinen, aber die Schwankrolle gibt dem Komiker vom Geblüt eine Fülle von Aktion und komödiantischen Impulsen, die im ernsthafteren Lustspiel und in der Komodie selten sind: hier kann einer aus sich herausgehen und ungehemmt Theater spielen über die ganze Breite und Tiefe der Bühne hin. Herr Hub hat sich von dieser letzten großen Chance seines Gieße­ner Engagements nichts entgehen lassen, m der Verkörperung des kleinen Mannes, der es zu etwas gebracht hat, der ein Schloß kauft und die einzige Tochter eines verschuldeten Grafen heiratet, der die Sippe hinauswirft, weil sie ihn ärgert, und sich alsbald in einen wüsten Wirbel verwandtschaftlicher Beziehungen verstrickt sieht.

Es kommt hier und heute nicht darauf an, wie das im einzelnen zugeht. Unter der Spielleitung von Günter Winkel steigerte sich die Schwank­handlung zu immer tollerer Verwechslung und Ver­wirrung. Das Ensemble umgab den abschiedneh­menden Kollegen in ausgelassener Opielfreuöigfeit. die Damen Prinz, Krause, Gerhardt und S t i r l; die Herren v. G s ch m e i d l e r, V o l ck, S ch o r n und S e i tz. Inmitten Herr H u b, noch einmal lachend und lächelnd, verliebt und be­kümmert, gutmütig lärmend, ingrimmig knirschend, angftoerftört, von Sinnestäuschungen verfolgt, von Verzweiflung gepackt welch eine Rolle zum Ab­schied, welch eine Skala von Gemütsbewegungen aus der Schwankperspektive.

Als der Vorhang sich zum letzten Male gesenkt hatte und der immer wieder stürmisch anschwellende Beifall verebbt war, stand Herr Hub umgeben von reicher Gabenfülle - die Stadtverwaltung hatte einen prächtigen Lvrbeerkranz geschickt - aus der Bühne allein; er trat an die Rampe und rich­tete einige heitere Worte an seine heben Gießener Freunde: er sei auf allerlei gefaßt gewesen aber er habe nicht erwartet, daß die Stadtverwaltung, um seinen Abschied geziemend anzukundigen, neue Litfaß-Säulen errichten werde. Wenn er sich aucy nicht ins goldene Buch von Gießen eintragen dürfe, fo habe er seinen Namen doch auf dem Standes­amt dreifach verewigt. Im Ernst aber: lebermann möae mithelfen am Neuaufbau des deutschen Na- tionaltbeaters und dem Gießener Stadttheater, das ihm dem Scheidenden, in den sieben Jahren feines Wirkens zur zweiten Heimat geworden sei, die Treue bewahren, auf daß es wachse, blühe und gedeihe. - Hans Thynot

Umgang mit Steckenpferden.

Von Julius Kreis.

Da steht nun unser gutes Arbeitspferd. Bei dem einen rund und schwer, bei dem andern knochig und mager, da schlankbeinig und trainiert, dort behäbig und ein bißchen rassengemischt. Wir füttern es, wir putzen es, spannen es ein und aus, aber fast immer mit leisem Seufzer, mit gewohntem, mehr ober minder gleichgültigem Handgriff, manchmal kriegt es einen freundlichen Klaps auf die Kruppe und manchmal an widerspenstigen Tagen ein erleichtern­des Flüchlein

Nebenai in einem kleinen Verschlag von blitzen­dem Komfort aber steht unser Steckenpferd. Was die Sprache an zärtlichen Worten hat, wird ihm zuteil. Immer wieder stehlen wir unserem braven Arbeitsgaul eine Handvoll Hafer, wir putzen das Steckenpferd dreimal so lang und beim geringsten Anzeichen von Verstimmung holen wir den Tierarzt.

Was unser Steckenpferd auch fallen läßt, es sind qolbene Aepfel für uns. Wir tummeln das muntere Tierlein nach Feierabend und am Sonntag in der Manege und haben eine helle Freude, es unseren Freunden und Bekannten vorzuführen. Der Herr Oberlandesgerichtsrat stellt feine Zinnsoldaten auf, der Geheime Medizinalrat bastelt an feiner Uhren­sammlung, der Buchhalter malt Pfirsiche mit dem graufamt nen Reif, den keiner so hineinbringt, der Prokurist dichtet Schnadahüpfl, der Dichter hat Kummer, daß in feiner Briefmarkensammlung der Rote Zehner von Schleswig-Holstein fehlt, und der Maler will in diesem Jahr noch den einarmigen Handstand fertig bringen.

Niemand ist ohne Steckenpferd. Es ist das noble Luxusgeschöpf der großen und kleinen Leute und unser aller Lieblingstier. Es ist mehr noch als der Magen der Weg, durch den alle Liebe geht. Streichelt das Steckenpferd! Da ist der finstere Generaldirektor, dessen Höhle durch zehn Sekretäre bewacht und verteidigt wird. Bringen Sie ihm ein Millionenvbjekt, die Zusammenfassung aller euro­päischen Wasserkräfte, die Entdeckung von Radium­lagern oder die Geheimakten des Konkurrenz-Trusts der Herr Generaldirektor ist leider durch eine Sitzung in Anspruch genommen. Aber schreiben Sie ihm einen Brief, wie außerordentlich interessant Sie seinen Beitrag überEßbare Knollenpilze" im Schwammerlfreund" gefunden haben, und ob Sie sich darüber nicht nähere Aufklärung holen dürften gleich springen alle Türen auf.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern, daß die ge­feierte Sängerin von einem Wall prominenter Ver­ehrer umgeben ist. Sie haben den Schlüssel zu ihrem Herzen: einen kleinen chinesischen Porzellan­

pudel von der Sorte, die sie leidenschaftlich sammelt. Und wenn Sie erst dem großen Philosophen mit­teilen, daß er eigentlich noch viel mehr der geborene große Laubsägekünstler ist, dann haben Sie für ewig in der Philosophie einen Stein im Brett.

Unsere eigenen Steckenpferde verlangen schon viel Zucker. Aber nicht genug Zucker kann man den Steckenpferden der anderen geben Das Wort am rechten Ort: An Ihnen ist ein großer......(Pas­

sendes einsetzen) verloren gegangen, wird stets wie eine edle Auster geschluckt. Denn an jedem von uns ist irgendein großer.......(Passendes einzusetzen)

verloren gegangen. Es ist der Grund, warum so viel in der Welt vermurxt wird.

Niemals aber sage man zum Nächsten: Haben Sie, Verehrtester, noch nicht bemerkt, daß Ihr Steckenpferd aus Holz ist?"

Oie Welsen».

Das Ende der Philippine Welfer ist, wie anderes in ihrem Leben, von der Sage umsponnen worden. Sie berichtet, daß ihre glückliche Ehe mit Erzherzog Ferdinand fürchterlich abgeschlossen habe; unbe­kannte Mörder hätten sie in der Badestube ihres Schlosses Ambras überrascht und ihr die Adern ge­öffnet, so daß sie verblutete, und viele Besucher der herrlichen Burg haben in dem kleinen Zimmer gestanden und mit Schaudern die schreckliche Kunde vernommen. In Wirklichkeit ist sie am 24. April 1580 eines natürlichen Todes gestorben. Sie stand im 53. Lebensjahre und war zwei Jahre älter als ihr Gatte, der sie innig liebte und dessen kaiserlicher Vater nicht entfernt daran dachte, ihr ein Schicksal ähnlich dem der Agnes Bernauer zu bereiten. Sie litt vermutlich an der Galle und hatte Ferdinand zweimal auf einer Badereise nach Karlsbad beglei­tet. Aber man war weder im Winter zu Innsbruck, noch im Sommer auf Ambras für eine vernünftige Diät, und wenn Philippine für die Gesundheit ihres Mannes sorgte und aus ihrer reich ausgerüsteten Hausapotheke vielen Kranken aus allen Ständen zu helfen suchte, so kam sie einfach vor lauter Ar­beit nicht dazu, sich ernst genug um sich selber zu bekümmern. Sie war, so erzählt Dr. Georg R ol­le n h a g e n in einem farbig illustrierten Aufsatz des Juniheftes von Velhagen & Klafings Monatsheften, eine ausgezeichnete Hausfrau. Ihr selbstgeschriebenes Kochbuch von 136 Blättern ist höchst verständig abgefafet und mit kritischen Be­merkungen versehen. Sie war eine Künstlerin im Nähen und Sticken, und sie hatte jene frauliche Güte, die ihr nicht nur das Herz ihres Mannes gewann.