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Aus der Stadt Gießen.

uer »Gteuermächer'

S.euerzahlen ist eine unbedingte Notwendigkeit. Darüber sind wir alle einig. Aber hier und da wind doch einmal gestöhnt oder auch geschimpft. Freilich ist das nie s o ernst gemeint, daß man deswegen dem Finanzamt besondere Schwierigkeiten macht. Das hätte ja auch keinen Sinn, denn. Steuern sind notwendig, also müssen sie bezahlt werden! Auf diese Erkenntnis war auch eine gute Frau eingestellt, die glaubte, ihrem gepreßten Steuer­herzen doch wenigstens einmal Luft machen zu müssen. Also besuchte sie das Finanzamt.

Ort der Handlung: das Dienstzimmer eines Finanzamtsleiters. Die Frau läßt sich bei dem Amtsoorstand melden. Sie wird zur Rücksprache empfangen, denn der Amtsleiter steht auf dem sehr richtigen Standpunkt, daß er für alle seineSteuer- schäflein" da ist und ihnen wenigstens Gelegen­heit geben muß, sich einmal auszusprechen. Freund­lich wird das Frauchen empfangen. Und nun ent­wickelt sich folgender Dialog:

Amtsvorstand: Nun, liebe Frau, wo drückt der Schuh?

Besucherin: Ei, Herr Virstand, de Steuern, de Steuern! Dei kunn aich net bezohle! Es gieht naut.

Amtsoor st and: Ja, liebe Frau, so geht das aber nicht. Das Reich braucht Steuern, denn wir wollen doch alle ein gesundes und starkes Reich auf­bauen. Dazu gehört natürlich Geld. Das müssen alle Volksgenossen dem Reiche geben, schon im eigenen Interesse. Denn ein starkes und gesundes Reich ist der beste Schutz für seine Bewohner.

Besucherin: Des is all richtig, Herr Dirstand. Des bestreit aich aach garnet. Awer wie soll'n aich des nur uffbringe. Aich kunn naut. Do sein doch die reiche Leut.

Amtsoor st and: Liebe Frau, die reiche Leut müssen natürlich auch ihre Steuern bezahlen. So­gar ganz kräftig. Denen wird bestimmt nichts ge­schenkt. Wir müssen alle unsere Steuern bezahlen, die reichen Leute, die Leute in der Stadt und auf dem Lande, die Männer und Frauen aller Berufe, Sie und ich und jedermann.

Besucherin: Was segge Se do:Sie und ich?" S i e wolle mir also sage, daß S i e aach Steuern beföhle? Des soll i ch Ihne glaabe?

Amtsoorstand: Aber gewiß, liebe Frau, be­zahle ich auch meine Steuern. Da mache ich Ihnen nichts vor. Geschenkt wird mir nichts an der Steuer, und das Reich darf das auch nicht, denn in der Steuerpflicht sind wir alle gleich.

Besucherin (mit stark ungläubiger Miene): Sie und Steuer zahle??? Hahaha. (Lautes Ge­lächter klingt durch die ernste, nüchterne Amtsstube. Die Frau schippelt sich vor Lachen. Der Amtsvor­stand sitzt ratlos da über dieses unbändige Lachen. Endlich beruhigt sich die Frau und erklärt katego­risch: Sie verkohle mich joa!

Amtsoorstand (der diese Bemerkung oer- ständigerweise nicht gleich tragisch nimmt, sondern von der humoristischen Seite ansieht): Meine liebe Frau, ich sollte Sie verkohlen? Glauben Sie das nicht. Es ist durchaus Wahrheit, wenn ich Ihnen sage: Ich muß auch meine Steuern bezahlen, genau wie jeder andere. Das dürfen Sie mir ruhig glauben!

B e f u ch e r i n (mit unverändertem Mißtrauen in Wort und Haltung): Des glaab ich Ihne net!!! Und Sie verkohle mich doch!!! Sie bezohle doch kaa Steuer! So dumm sehe Se doch net aus!

Amtsvorstand (belustigt und einsichtig): Aber, liebe Frau, es ist schon so, daß auch ich meinen Steuerzettel ausgefertigt bekomme und Steuern bezahlen muß.

Besucherin (kopfschüttelnd, unverändert zwei­felnd): Des glaab ich Ihne einfach net. Sie be­zahle kaa Steuer, Sie, der für alle a n n e r e Leut die Steuer mächt, Sie werrn sich selber Steuer mäche, des glaab ich Ihne ebe net! Des loss' ich mir net eiredde. Glaabe Se net, daß ich Ihne des abnehme. Sie werre sich doch net selber aach Steuer mäche, die mäche Sie nur für d e annere. Und dobei bleiben aich?

Was wollte der Amtsvorstand machen? Die gute Frau glaubte eben steif und fest, er als Finanz­amtsleiter mache die Steuern für die anderen, für sich selbst aber mache er keine Steuern. Alles Zu­reden verfing nicht. Wenigstens sah sie schließlich doch ein, daß die Steuerforderung an sie gerecht und angemessen war, und da ihr dann noch in Anbetracht der besonderen Verhältnisse in ge­wissem Maße Zahlungserleichterung eingeräumt wurde, so schied sie einigermaßen zufriedengestellt aus dem Amtszimmer Aber in dem Glauben, der Finanzamtsvorstand mache die Steuern für die anderen, für sich selbst jedoch nicht. Vielleicht hat ihr daheim irgendwer, zu dem sie mehr Zutrauen hatte, erfolgreich klarmachen können, daß die Steuern in Berlin durch Gesetz bestimmt werden und der mit soviel Mißtrauen betrachtete Finanz­amtsleiter doch nicht derSteuermacher" ist.

Dornotizen.

Tageskalender für Samskag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrDie verkaufte Braut". Gloria-Palast, Seltersweg:Menschen ohne Vaterland". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die graue Dame". Artillerie-Verein: 20.30 Uhr Kameradschaftsabend imHessischen Hof". Oberhessischer Gebirgsverein: Monatsversammlung bei Hopseld.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 11.30 bis 12.30 UhrKammer­musik",Lyrik"; 19 bis 21.30 UhrDer Opernball". Gloria-Palast, Seltersweg:Menschen ohne Vaterland". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die araüe Dame". Oberhessischer Gebirgsverein: Wanderung WeilburgMerenburg. Gießener Ru­dergesellschaft 1877 e. V., Gießener Ruder-Klub Hassia 1906 e. V.: Deutsches Anrudern 1937, 10.45 Uhr Antreten auf den Bootsplätzen; 15 Uhr Platz­konzert auf dem Kreuzvlatz und am Selterstor (Musikzug der Marine-Standarte). Tv. 1846, MTV. Gießen: 7.30 und 14.00 Uhr 5. Hallen-Hand- ball-Turnier.

Der Spielplan des Sladllhealers vom 4. bis 11. April.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 4. April, findet im Stadttheater die 13. Morgenfeier unter dem MottoKammermusik und Lyrik" statt. Es kommen Werke von Brahms und Mozart zur Aufführung. Als Solistin wurde Eva R o l o f f (Violine) aus Berlin verpflichtet. Am Flügel: Ernst Bräuer. Inge Birk- mann bringt Lyrik von Hans Thyriot; Anton Neuhaus Lyrik von Alfred Pabst. Anfang pünktlich 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. Am Abend findet eine Wiederholung des großen ErfolgesDer

Opernball", Operette von Heuberger, statt. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr.

Dienstag, 6. April, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 UhrDas Schloß im Wind", Schauspiel von H. A. Weber. Spielleitung: Der Intendant. Dienstag- Miete. 26. Vorstellung.

Mittwoch, 7. April, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.15 Uhr:Viel Lärm um nichts", Lustspiel von Shakespeare. Spielleitung: Dr. Schumacher a. G. Mittwoch-Miete. 26. Vorstellung.

Freitag, 9. April, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: Zar und Zimmermann", Komische Oper von Lort- zing. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spiel­leitung: Paul Wrede. Freitag-Miete. 28. Vor­stellung.

Sonntag, 11. April, Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr: ErstaufführungDie Dorothee", Operette von Vetterling. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Außer Miete.

Zum letztenmalDie verkaufte Braut".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die letzte Wiederholung der komischen OperDie verkaufte Braut" von Friedrich Smetana statt. Musikalische Leitung: Kapellmeister Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Einstudierung der Tänze und- choreographische Lei­tung: Tanzmeisterin Irmgard Zenner. Leitung und Einstudierung der Chöre: Ernst Bräuer. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 13. Vor­stellung für den Theaterring der NS.-Kulturge- meinde statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

Ortsgruppe Gießen-Nord.

Vetr. Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie F) bis spätestens Montag, 5. April, 20.30 Uhr, auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Köhlengutscheine können nicht mehr angenommen werden.

Auf der Rückseite des Gutscheines ist die Art des gelieferten Brennmaterials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel oder Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift, Straße und Hausnummer des Hilfsbedürftigen tragen.

Hitler-Lugen- Bann 116 Gießen.

Betr.: Arbeitsbesprechung des Vannsiabes.

Am kommenden Dienstag, 6. April, findet eine Besprechung aller Stabsmitglieder des Bannes 116 statt. Die Arbeitsbesprechung ist auf der Bann­dienststelle und beginnt pünktlich 20.30 Uhr.

Hitler-Zugend, Unterbann III/116.

Betr.: Gefolgschaftsappell.

Der Appell der Gefolgschaft 15/116 findet am 5. April, 20.30 Uhr, in Großen-Linden statt. Der Appellplatz ist umgehend an den Unterbannführer zu melden.

Die deutsche Arbeitsfront

N.9.-6ememftftaftKraft durch freube"

Sondervorstellung der OperetteDer Opernball".

Am Samstag, 10. April und am Montag, 12. April, bringen wir als Sondervorstellungen im Gießener Stadttheater die Operette von Heuberger Der Opernball". Beginn 20 Uhr. Die Eintritts­preise sind 80 Pf. und 1 RM. Bestellungen werden auf der Kreisdienststelle entgegengenommen.

Tages-Omnidusfahrl

zur Baumblüte an die Bergstraße.

Am Sonntag, 11. April, führen wir eine Omni­busfahrt an die Bergstraße durch. In dieser Zeit steht die Bergstraße in voller Blüte, und so wird diese Fahrt jedem Teilnehmer zu einem Erlebnis werden. Die Fahrt geht von GießenFrankfurt Sprendlingen Langen Arheilgen Darm­stadt Eberstadt Jugenheim Zwingenberg Auerbach Bensheim zurück nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt pro Teilnehmer 5,50 RM. An­meldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen.

Tages-Omnibusfahrt an die Ederlalfperre.

Am Sonntag, 18. April, führen wir eine Omni­busfahrt an die Edertalsperre durch. Der Teilneh­merpreis beträgt 5 RM. Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen.

AusstellungGebt mir vier Jahre Zeit" in Berlin vom 29. April bis 20. Juni.

Zu dieser Ausstellung fährt die NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude" in Verbindung mit derDau- propagandaleitung der NSDAP. Sonderzüge nach Berlin, und zwar

1. Zug: KF. 5105 vom 21. Mai bis 24. Mai;

2. Zug: KF. 5016 vom 11. Juni bis 14. Juni.

Der Teilnehmerpreis beträgt einschl. Uebernach- tung, Eintrittskarten zur Ausstellung und einer Ge­meinschaftsveranstaltung 17,50 RM. Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen.

Oer Wechsel in der Bürodirektorstelle beim Kreisamt Gießen.

Am gestrigen Freitagnachmittag nahm der Kreis­direktor des Kreises Gießen Dr. Lotz im Kreis- amtsgebäude in Gegenwart sämtlicher Beamten und Angestellten des Kreisamtes und der Kreis­verwaltung die Verabschiedung des auf Grund des Altersgrenzegesetzes in den Ruhestand getretenen Bürodirektors Fabian vor. Der Kreisdirektor roüröigte in einer kurzen Ansprache die hingebende Arbeit des scherdende.n Beamten für den Kreis und überreichte ihm eine Urkunde, in welcher der Reichs­statthalter ihm den Dank und die Anerkennung für die dem Reiche geleisteten Dienste ausspricht. Zu­gleich übergab er dem Scheidenden namens der Be­amten und Angestellten des Kreisamtes ein von einem Gießener Künstler geschaffenes Aquarell, welches das Kreisamtsgebäude darstellt. Kreisdirek­tor Dr. Lotz wünschte dem scheidenden Bürodirek­tor einen langen und gesunden Ruhestand und ver­sicherte ihm, daß man ihn beim Kreisamt immer in bester Erinnerung behalten werde. Bürodirektor Fabian dankte hierauf mit bewegten Worten für das ihm allezeit erwiesene Vertrauen und für die dargebrachte Ehrung.

Anschließend wurde der neuernannte Bürodirek­tor Kirschbaum, der bisher beim Kreis amt in Lauterbach tätig war, von dem Kreisdirektor in sein Amt beim Kreisamt Gießen eingeführt und der Beamtenschaft vorgestellt.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 3. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60,

Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ungezeichnete 10, Wirsing, % kg (gelb) 12, (grün) 16 bis 20, Weißkraut 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, 50 g 10 bis 12, % kg 90 Pf. bis 1,10 Mk., Tomaten 70 bis 75 Pf., Zwiebeln 10 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarz­wurzeln 25 bis 35, Rhabarber 28 bis 30, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,85 Mk., Aepfel, % kg 20 bis 45 Pf., Zwetfchenhonig 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mk., Enten 1,20 Mk., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 40 bis 45, Salat 15 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 15 bis 20 Pf.

Bevor das Frühgemüse kommt...

ZdR. Als im Herbst vorigen Jahres uns eine überreiche Kohlernte beschert wurde, da gelang es mit Hilfe einer umfangreichen Aufklärung und Werbung, den Verbrauch an Kohl in Stadt und Land so zu verstärken, daß in wenigen Wochen rund 125 Millionen Kilogramm Herbstkohl zusätzlich abgesetzt werden konnten. Es war dies ein sinnfäl­liges Beispiel dafür, wie durch den guten Willen und das verantwortungsbewußte Handeln der Haus­frauen ein Erntesegen vor dem Verderb geschützt und restlos der menschlichen Ernährung zugeführt wer­den kann. Der völlige Absatz des Herbstkohls wurde aber zu einem Teil dadurch ermöglicht, daß der Winter- ober Dauerkohl zur Entlastung des Mark­tes in noch größerem Maße als in früheren Jah­ren sorgfältig eingelagert wurde. Dieser Dauerkohl steht nun in diesen Wochen zum Verkauf bereit. Rund ein Million Zentner Rot- und Weißkohl war­ten darauf, auf vielseitige und abwechslungsreiche Weise im Kochtopf zubereitet zu werden, lieber die volkswirtschaftliche Notwendigkeit hinaus, von die­sem Segen in gleicher Weise wie im Herbst nichts umkommen zu lassen, bietet der Dauerkohl gerade in diesen Wochen eine willkommene Gelegenheit, frisches Gemüse auf den Speisezettel zu bringen in einer Zeit, in der der sonstige Vorrat an Frisch- und Dauergemüse aufgebraucht und Frühgemüse noch nicht am Markte ist. Die abwechselungsreiche und vitaminreiche Kost der vielfältigen Kohlgerichte sollte jede Hausfrau dazu bewegen, zwei Kohlge­richte mehr in der Woche auf den Tisch zu bringen, denn dann wird auch der letzte Rest des Erntesegens vom Herbst abgebaut werden können.

* * Dienstjubiläum bei der Reichspost. Am heutigen Samstag, 3. April, kann der Ober­postschaffner Gustav W ö r n e r , Bruchstraße 15, auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Deutschen Reichs­post zurückblicken. Vom Herbst 1895 bis zum Herbst 1897 diente der Jubilar als Soldat beim 2. Hess.

Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116. Seit 1. März 1899 steht er im Dienste der Deutschen Reichspost. Bei seinen Vorgesetzten und seinen Berufskamera- den, sowie bei einem großen Bekanntenkreis erfreut er sich großer Wertschätzung.

* * 2 5 Jahre beim Kreisamt Gießen. Am 1. April blickte der Registrator Hasenzahl auf eine 25jährige Tätigkeit beim Kreisamt Gießen zurück. Dem Jubilar wurden am gestrigen Tage von dem Kreisdirektor Dr. Lotz die Glückwünsche der Verwaltung und der Beamten des Kreisamts ausgesprochen.

* * Dienstjubiläum Am 1. April beging der Verwaltungssekretär Josef Appel vom Ver­sorgungsamt Gießen sein 25jähriges Dienstjubi- läum. Aus Anlaß dieses Tages wurden dem Jubi­lar in würdiger Weise von dem Amtsleiter die besten Glückwünsche und zugleich auch der beson­dere Dank für seine dem Reich geleisteten treuen Dienste ausgesprochen.

* * Straßensperrung. Aus Anlaß des dies­jährigen Frühjahrsmarktes (Schaumesse) wird die Kirchstraße von der Wetzsteingasse bis Neustadt vom

RUHL Seltersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170 R

eparaturen l897D

4. bis 11. April täglich von 11 Uhr bis zum allabendlichen Schluß für den gesamten Durch­gangsfahrverkehr gesperrt. Die Benutzung des Os- waldsgarten als Parkplatz während der Messezeit ist verboten.

** Neue Wohnungsbauten am Erb -- kauterweg. Eine Baufirma, die bereits im ver­gangenen Jahr eine Reihe Kleinwohnungen am Schwarzlachweg geschaffen hat, ist nunmehr dabei, ein weiteres umfangreiches Bauvorhaben für Klein­wohnungen am Erdkauterweg zur Ausführung zu bringen. Entlang des Erdkauterweges, am Schiften- berger Weg beginnend in Richtung der beiden Fa­briken an der Oberhessischen Eisenbahn, sollen sechs dreigeschossige Doppelhäuser mit rund 70 Zwei­zimmerwohnungen im Laufe dieses Sommers ge­baut werden. Mit Aufstellung der Baugerüste und dem Erdaushub für die Baugruben wurde seit eini­gen Tagen begonnen. Es steht zu erwarten, daß diese Bauten im Nachsommer bezugsfertig sind.

** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Am Mittwoch, 21. April, wird Schweinemarkt abgehalten.

** D i e Ausgabe von Fettverbilli­gungsscheinen und von Bezugsscheinen non Konsum-Margarine betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters (Wohlfahrtsamt) in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.

** Neue Beitragsmarken der Ange­stelltenversicherung. Nach einem im Reichs-

Die Jagd im April.

VonJagd" im April im landläufigen Sinne kann man eigentlich gar nicht reden. Für den ein­heimischen Jäger gibt es so gut wie nichts zu ja­gen. Anders dort, wo der Ur Hahn noch im Dämmerlicht des Frühmorgens balzt ober wo sein lustiger Vetter, der Birk- ober Spielhahn in Heide und Moor ober auf einsamer Bergwiese sei­nenSchuhplattler" tanzt. Er, der schwarz-weiß- rote Hahn, fehlt in unserem Jagdgau vollkommen, und der Auerhahn ist in einem zahlenmäßig ge­ringen Bestand nur im äußersten No^dosten zu treffen. Doch wenn der Jäger sich im Anspringen üben will, so lasse er sich von demHahn des klei­nen Mannes", dem Ringeltauber, dazu ver­locken, der irgendwo auf einem Eichenüberhälter ober in ber höchsten Fichte fein sehnsuchtsvolles O bu, du du" in den Morgen ruft. Bis zur Mo­natsmitte hat er noch Jagdzeit. Das gilt auch für die Waldschnepfe, deren Zug allerdings in der Hauptsache wohl über uns hinweggegangen sein dürfte. Durften daneben seither noch Sumpf­schnepfen, also allerlei Bekassinenarten, im April besagt werden, so hat sich dies mit dem 1. April dieses Jahres geändert.

Mit diesem Tage ist nämlich dieII. Ausfüh­rungsverordnung zum Reichsjagdgesetz" vom 5. Fe­bruar 1937 in Kraft getreten. Da es sich wenig verlohnt, vom Jagen im April zu reden, diese neue Verordnung aber allerlei wichtige Dinge ent­hält, die nicht übersehen werden dürfen, sei auf einiges davon eingeganaen. Es ist selbstverständ­liche Pflicht, daß jeder Jäger sich mit dem Inhalt der Verordnung wie mit dem des ganzen Gesetzes eingehend vertraut macht. Leider leben viele Waib- männer durchaus noch in althessischen Jagdrechts- erinnerungen, bis sie einmal die Leidtragenden durch Verstöße gegen das Reichsgesetz werden.

Bei dieser Betrachtung ist vor allem wichtig, darauf hinzuweisen, daß jetzt jeder Führer eines Kraftfahrzeuges, ber ein Stück Wilb überfährt, verpflichtet ist, dieses Stück unverzüglich der näch­sten Ortspolizeibehörde oder dem Jagdausübungs- berechtigten abzuliefern ober diesen von bem Ueber- fobren Meldung zu machen. Leider ist gegen diese Selbstverständlichkeit es handelt sich um wert­volles, durch Ueberfahren in Mengen vernichtetes Volksgut seither, vielfach gröblichst verstoßen worden.

Die Drosseln sind bekanntlich jagdbare Tiere, die dem Reichsjagdgesetz unterliegen. Vielfach richten sie an Obst- und Beerenkulturen Schaden an, und zwar oft an Orten, an denen die Jagd ruht, z. B. in eingefriedigten Gärten. In solchen Schadens­fällen kann der Kreisjägermeister auf Antrag dem Grundbesitzer oder Nutzungsberechtigten in Zukunft die Erlaubnis zum Töten geben.

War seither jeder Jäger verpflichtet, wenn er seinen neuen Jagdschein beantragte, nachzuweisen, daß er sich ausreichend gegen Jagdhaftpflicht ver­sichert hatte, io ilt er dieser Muhe nunmehr ent­hoben. DieDeutsche Jäaerschaft" hat eine eiaene Sammelversicherung abgeschlossen, und jeder Jäger mutz dieser beitreten. Andernfalls händigt ihm bas Kreisamt, wo er biefe Versicherung zu bezahlen hat, keinen Jagdschein aus. Ausnahmen davon gibt es nicht. Alle Anträge, die auf eine Befreiung da­von aus irgendwelchen Gründen abzielen, sind zwecklos. Die über den 31. März 1937 hinaus laufenden Versicherungsverträge sind an diesem Tage selbsttätig außer Kraft getreten. Es ist nun unbedingt nötig, daß sich die Jäger an Hand ber Versicherungsbedingungen, die in denAmtlichen Verkünbigungsblättern ber Deutschen Jägerschaft" veröffentlicht waren, genau über ihre Rechte unb Pflichten unterrichten. Besonders wichtig ist babei bie Versicherung gegen Schäden durch Hunde. Denn diese sind zahlenmäßig viel häufiger, als Schäden durch Schuß. Bald ist es eine zerrissene Hose, bald ein Huhn, bald eine Katze usw., was ersetzt wer­

den muß. Entsprechend der Einstellung ber Deut­schen Jägerschaft, daß bie noch vielfach geführten durchaus Minderwertigen Jagdhunbe verschwinden müssen, sind in bie Versicherung nur solche Hunbe eingeschlossen, bie burch ben Kreisjägermeister als jagblich brauchbar" auf Grund einer Prüfung oder auf Grund ihrer Leistung im praktischen Jagd­gebrauch anerkannt worben finb. Dazu kommen ferner diejenigen Hunbe, die sich nach schriftlicher Anerkenntnis des Kreisjägermeisters noch in Aus­bildung befinden. Die Folgerungen aus diesen Be­stimmungen zu ziehen kann nach langjährigen Ver­sicherungserfahrungen den in Frage kommenden Jägern nur dringend empfohlen werden.

Der 1. November (Allerheiligen) gehört in Hessen jetzt nicht mehr zu den geschützten Feiertagen im Sinne des § 35 des RJG. Erneut scharf und genau geregelt ist das Verfahren beim Verwenden von Giftgetreide usw. zum Bekämpfen von Mäusen. Es kann allen Stellen, die mit der praktischen Schädlingsbekämpfung durch Giftgetreide zu tun haben, nicht dringend genug empfohlen werden, sich die Bestimmungen einzuprägen und danach zu han­deln. Die Strafen bei Zuwiderhandlungen sind empfindlich, die Schadenserlatzleistungen u. 11. noch mehr.

Die Schußzeit für Sumpfschnepfen (s. o.) und Brachvögel endigt in Zukunft schon Ende Februar.

Wenn irgendwo Schwarzwild, Raubwild ober Kaninchen stark zu Schaden gehen, so kann der Kreisjägermeister unter bestimmten Voraussetzungen auch Personen, bie keinen Jagdschein besitzen, 'bie Erlaubnis geben, in Begleitung bes Jagbausübungs­berechtigten die Jagd auf die genannten Tiere aus» Zuüben. Sie müssen sich jedoch'gegen Jagdhaftpflicht bei der Deutschen Jägerschaft versichern. Schließ­lich ist noch von Interesse, daß nähere Anweisungen gegeben sind, in welcher Weise eine Wildschadens- ausgleichkasse für einen Jagdgau aufgebaut werden kann, wenn sie als wünschenswert erachtet wird.

Die große Mehrzahl der Jäger wird in den letzten Tagen oft in das Revier gekommen sein, denn die Bestandsaufnahme war im Gang. Ihre Ergebnisse werden nunmehr in ben nächsten Wochen der Gegenstand von Besprechungen zwischen Jäger, Forstbeamten unb Kreisjägermeister sein. Sie wer­den einen Einblick geben in bie Entwicklung ber Wilbstänbe in ben letzten brei Jahren, und auf diesem Einblick werden sich dann bie Entschlüsse für den Abschuß in diesem und den nächsten Jahren aufbauen. Vorher aber werden die Jäger Ober­hessens sich noch einmal in Gießen anläßlich der Gautrophaenschau zu einem Jägerappell zusammen- finben. Er wirb ihnen Richtlinien für ihre weitere Betreuung der deutschen Wildstände übermitteln unb ihnen vor allem auch immer roieber einprägen, bafe ohne Wildhege keine ergiebige Jagd möglich ist- Der April aber ist einer der wichtigsten Heae- monate. Denn noch ist es Zeit, allerlei Pflanzungen in Gestalt von Hecken, Ginster, Brombeer, non Wildäckern u. ä. zu schaffen, bie unserem Wilb bas wieder geben sollen» was ihm am meisten fehlt: Deckung. Geben wir ihm wieder geschützte Kinder­stuben, geben wir ihm Winbschirme und trockene Stellen mit Aesung, bann wirb weniger vermäht, weniger von Krähen usw. gefressen, dann kommt es besser durch den Winter und bleibt gesünder.

Krankes Wild haben wir in den letzten Monaten zur Genüge gehabt. Erst waren es bie Hasen, nun sind es die Rehe. Leider kommt noch viel zu wenig Wilb zur fachmännischen Untersuchung. Dabei bittet bas Veterinär-Pathologische Institut ber Universität Meßen, Frankfurter Straße 55, ausbrücklich um Einsenbung von recht viel Fallwild, solange dieses noch versendefähig ist, um einen einwandfreien Einblick in die verschiedenartigen Ursachen der Wild­verluste geben unb ben Jäger bei Vorbeugemaß­nahmen beraten zu können. Hubertus.