187. Jahrgang
Eichener Anzeiger
Das Ergebnis der Belgrader Konferenz
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fönen und Familien richten müsse. Die Erfahrung habe gelehrt, daß die Gefahr einer neuen Krise drohe, wenn die Erzeugung von Dauerwaren die Erzeugung von Derbrauchswaren übersteige. Dieser Zustand sei jetzt eingetreten. Die ar V:' " Negierungskäufe von Stahl, — und Zement für den Bau von Brücken und großen Gebäuden, sowie die überraschend hohen B e - stellungen amerikanischen Stahls für Nüstungszwecke — besonders durch England — hätten eine Konjunktur in der Douer- industrie erzeugt, die von der Industrie zu übertriebenen Preis st eigerungen ausgenutzt worden sei. Die Preissteigerungen betrugen teilweise, besonders bei Stahl und Kupfer, das 2'/-- f a ch e dessen, was die Arbeitgeber an Mehrausgaben für Lohnerhöhungen aufzubringen haben. Die jetzigen Nohftoffpreife in Metallen stellten teilweise einen 5 0 v. ch. - Reingewinn für die Unternehmer dar. Die Bundesregierung habe keineswegs die Absicht, diese Entwicklung weitertreiben zu lassen. Sie werde sich daher auf die Ausführung von Arbeiten beschränken, die der großen Masse der Verbraucher zugute kommen und deren Kaufkraft stärken.
zurückge stellt wurde, der den Ausbau des Paktes der kleinen Entente zu einem allgemeinen militärischen Veisiantisabkommen vorsah. Die Zurückstellung erfolgte anscheinend auf den Einwand Jugoslawiens, das keine Neigung zeigte, durch dieses Abkommen in die unter der maßgeblichen Beteiligung der Sowjetunion zustande gekommenen Bündnisverträge eingeschaltet zu werden. Der Bericht über den Stand der vom tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Dr. hodza in die Wege geleiteten Donauoaumverhand- l u n g e n wurde zur Kenntnis genommen. In der Habsburger Frage wurde neuerlich die grundsätzliche Ablehnung jeder R e- stouration betont, lieber die Beziehungen der drei Staaten zu Ungarn stellten die Außenminister fest, daß eine politische Fühlungnahme mit Budapest nur von der Kleinen Entente als Gesamtheit erfolgen solle, havas meldet, daß die Frage der Gleichberechtigung Ungarns und der Wiederauf- rüftung Ungarns geprüft worden fei. Im Interesse der Zusammenarbeit zwischen den Donauslaaten scheine es, behauptet havas, daß die Kleine (Entente bereit sei, Ungarn eine grundsätzliche Anerkennung dieser Gleichheit
Belgrad, 2. April. (DNB.) Nach Abschluß der Beratungen der drei Außenminister der Kleinen Entente am Freitagabend wurde von dem tschechoslowakischen Außenminister Dr. Krofta der Presse ein elf Punkte umfassendes Kommunique bekannt- gegeben, in dem es heißt, die drei Außenminister eien zu der Schlußfolgerung gekommen, daß die internationale Lage eine gewisse Besserung aufweise. Auch die noch bestehenden Probleme könnten im Geiste der Zusammenarbeit gelöst werden. Sowohl hinsichtlich der allgemeinen Grundsätze der Außenpolitik der drei Staaten als auch hinsichtlich
Nutznießer der Aufrüstung.
50prozentige Konjunkturgewinne in den Bereinigten Staaten.
Washington, 2. April. (DNB.) Präsident Roosevelt machte der Presse davon Mitteilung, daß die Bundesregierung die Materialkäufe für Großbauten einstellen und alle ihre Kräfte auf die Arbeitsbeschaffung für einen weiten Kreis der notleidenden Einzelper-
der Pariser Vorortverträge, die ja erst die Existenz der drei Mächte der Kleinen Entente in ihrem heutigen Umfang begründet haben, der festeste Kitt dieses Bündnisses. Aber er allein wird auf die Dauer kaum genügen, den Zusammenhalt zu sichern. Diese Erkenntnis ist wohl bei allen drei Partnern vorhanden. Während Jugoslawiens leitender Staatsmann bereits gehandelt hat, sind Rumänien und die Tschechoslowakei Über unverbindliche Fühlungnahmen nicht herausgekommen. Der rumänische Ministerpräsident Tatarescu war soeben in Prag, sein tschechoslowakischer Kollege hodza auf der Fahrt zum Semmering in Wien. Man sucht mit Oesterreich sowohl wie mit Ungarn in Berührung zu kommen, aber schon das Militärbündnis der Tschechoslowakei mit der Sowjetunion und die wachsende Inanspruchnahme des tschechoslowakischen Raumes als künftiges Aufmarschgebiet der Roten Armee erweist sich, von anderen Disse- renzen und Unklarheiten abgesehen, als kaum überbrückbares Hemmnis für jede Annäherung an zwei Länder, die den Marxismus bereits gründlich am eigenen Leibe kennen gelernt haben. Es ift auch bezeichnend für die innere Unaufrichtigkeit dieser Bemühungen, daß Frankreich sie nach Kräften fördert, gleichzeitig aber darauf aus ist, das Militärbündnis, das es bislang nur mit der Tschechoslowakei allein unterhält, nun auch durch Beistandspakte mit den beiden andern Partnern der Kleinen Entente zu ergänzen.
durch gewisse gleichwertige Sicherheitsgarantien zu gewähren.
Gedrückte Stimmung in Paris
Paris, 3. April. (DNB. Funkspruch.) Zu den Besprechungen der Kleinen Entente in Belgrad stellen mit einer gewissen Resignation verschiedene Blätter fest, daß ihre bösen Vorahnungen von den Tatsachen selbst nur bestätigt worden seien. Die zentrifugalen Kräfte innerhalb der Kleinen Entente seien in der Uebermacht, meint „Echo de Paris". Frankreich habe die drei Staaten der Kleinen Entente aufgefordert, untereinander einen gegenseitigen Beistandspakt zu schließen gegen jedweden Angreifer. Diesen Vorschlag habe man zwar nicht vollkommen zurückgewiesen, aber doch auf unbestimmte Zeit beiseite geschoben. „Temps" meint, wenn man ehrlich sein wolle, müsse man sagen, daß der gestrige Tag für Frankreich und seinen Einfluß in Mitteleuropa und auf dem Balkan recht dunkel gewesen sei. Er sei eine Folge der allzu wenig energischen Politik, die Paris seit Jahren geführt habe. Frankreich habe es seinerzeit verabsäumt, entsprechend dem Drängen Titulescus mit Belgrad und Bukarest die nun von Paris selbst gewünschten Beistandspakte mit den Staaten der Kleinen Entente abzuschließen. Belgrad habe nun mit der gleichen Münze heimgezahlt, wie es einstmals Frankreich | getan.
Dunkelheit, Schweigen und Tod.
Stalins Terrorherrschast bedeutet die Rückkehr Rußlands zu den Zeiten Iwans des Schrecklichen.
Die Organisation des Systemstier Sicherheit müsse alle Gebiete Europas umfassen, in denen sich die Frage der Sicherheit stelle. Die drei Staaten der kleinen Entente seien weiterhin gegen jeben ideologischen internationalen Konflikt und lehnten es ab, der einen ober anberen Front beizutreten, bie sich allenfalls bilben könnte. Sie seien überzeugt, baß bas innere Regime unabhängiger Staaten gegenseitig geachtet werben muh. Die p a k t e I u g o s l a w i e n s mit Bulgarien sowie mit Italien seien mit Besriebi- gung zur Kenntnis genommen in ber Ueber- zeugung, bah biefe Pakte wirksam zur Stärkung bes Friebens beifragen bürsten. Es verstehe sich von selbst, bah sie in keiner weise bie Verpflichtungen berührten, bie zwischen den Staaten ber Kleinen (Entente beffünben.
Dr. Krofta betonte, daß die Kleine Entente eine lebendige Wirklichkeit darstelle. Sie beruhe auf den natürlichen Grundlagen der Geschichte und Tradition der drei Völker. Der rumänische Außenminister Antonescu führte aus, die drei Minister hätten neuerlich die völlige Uebereinstimmung der Gesichtspunkte ihrer Regierungen festgestellt. Die Kleine Entente entspreche geschichtlichen und geopolitischen Notwendigkeiten. Der italienisch-jugoslawische Pakt teile ein wertvolles Unterpfand für die Erhaltung des Friedens in diesem Teile Europas dar, weshalb seine Schöpfer die volle Zustimmung verdienten.
In politischen Kreisen verlautet, bah ber tschechoslowakisch-französische Plan
Vickers kann den Hüstungs- anforderungen nicht entsprechen.
London, 2.April. (DNB.) Auf der Jahresversammlung der englischen Rüstungsfirma Vickers Ltd. teilte der Vorsitzende General Sir Herbert Lawrence mit, daß sich die Belegschaft seit dein Jahre 1934 bis zum März 1937 von 35 955 auf 64 068 erhöht, also beinahe verdoppelt hat. Die Regierung habe große Aufträge für die fünf neuen Typen von Flugbooten und ß a n b ■ flugzeugen erteilt, die die Firma konstruiert habe. In den Schiffswerften der Firma befänden sich 21 Kriegsschiffe und Handelsschiffe, darunter das neue Großkampfschiff „König Georg V." im Bau. Die Geschütz- und Montierwerke seien mit der Bestückung von Kriegsschiffen voll beschäftigt. Trotz der großen Ausdehnung der Produktion sei die Vickers-Gruppe nicht in der Lage, die „ungewöhnlichen Rüstungsanforderungen" restlos zu erfüllen. Die Firma habe daher die Regierung bei der Unterbringung von Aufträgen bei a n d e r en Firmen, die normalerweise nicht mit Rüstungen beschäftigt sind, unterstützt.
Die Lebensm ttelknappheit in England.
London, 3. April. (DNB. Funkspruch.) Die „Daily Mail" teilt mit, daß im Parlament eine Reihe von Anfragen über die Versorgung mit Lebensrnitteln im Kriegsfall vorliegt. Die Tatsache, daß im Augenblick die Lebensmitteloor- räte in England außerordentlich knapp seien und die Reserve an Weizenmehl nur f ü r etwa 17 Tage reiche, habe das ganze Land beunruhigt. Der konservative landwirtschaftliche Ausschuß werde daher auf die Minister einen Druck ausüben, die Lebensmittelversorgung im Zusammenhang mit den Verteidigungsmaßnahmen für den Ernstfall sicherzustellen.
England hofft auf Wirtschaftsabkommen mit den Vereinigten Staaten.
London, 3. April. (DNB. Funkspruch.) In tied englischen Presse wird die Möglichkeit erörtert, ob die Vereinigten Staaten beabsichtigten, neue Ab« rüstungsverhandlungen in Gang zu brim gen. „Times" hält dies im Augenblick für um wahrscheinlich. Anders hingegen beurteilt mack die Möglichkeit eines Wirtschaftsabkom» mens zwischen den Vereinigten Staaten und Eng» land. Das Blatt sagt, daß Handelsminister Runci* m a n s Unterredungen in Washington den Weg für Verhandlungen über ein englisch-amerikanisches
Der Gedanke, die Einzelvertrage Frankreichs mit den drei Mächten der Kleinen Entente, von denen, wie gesagt, nur der Vertrag mit der Tschecho- floroafei militärische Absprachen enthalt, durch em gemeinsames Schutz- und Trutzbundms zu ersetzen entspringt einem Vorschlag des Eawietmarschall- Tuchatschewski. der bei seinem Pariser Be- such im Frühsommer vorigen Jahres den franzosi- chen Generalen erklärt hat, daß das sow,etrussisch- ranzösische Militärbündnis nur bann seine volle Wirksam, eit entfalten könne, wenn es durch Abmachungen der Generalstäbe Frankreichs und der drei Mächte der Kleinen Entente ergänzt werde, die eine enge militärische Zusammenarbeit verbürgten. Frankreich forderte als ersten Schritt dazu den Abschluß eines für jeden europäischen Konflikt geltenden Militärbündnisses der Kleinen Entente- Mächte unter sich, aber trotz aller tschechischen Bemühungen in Belgrad und Bukarest scheint es bislang noch n.cht dazu gekommen zu fein. Vermutlich wird dies das Hauptthema der Belgrader Konferenz gewesen fein, aber es kann auch kaum einem Zweifel unterliegen, daß sich Frankreichs Aussichten, einen solchen Vertrag, der die drei Mächte der Klemen
der Art ihres gemeinsamen Vorgehens sei eine öllige Uebereinstimmung erreicht worden. Die aufrichtige Freundschaft und Interessengemeinschaft der Kleinen Entente bestimmten auch genau den Rahmen, innerhalb dessen die drei Staaten bereit seien, ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den anderen Staaten, in erster Linie zu ihren Nachbarn, zu erweitern.
herbeigeführt haben würde.
Es verdient auch Beachtung, welche erfreulichen inner- und außenpolitischen Wechselwirkungen Jugoslawiens Politik der zweiseitigen Verträge für sich buchen kann. Während durch das Freundschaftsabkommen mit Bulgarien die so lange zwischen beiden südslawischen Völkern stehende mazedonische Frage aus der überhitzten Atmosphäre ständiger Grenzkämpfe und Verschwörungen in ein ruhigeres Fahrwasser gegenseitiger verständnisvoller Zusammenarbeit gebracht wurde, hat der Vertrag mit Italien durch seine bedeutsamen Zusagen für bie künftige Behandlung ber innerhalb ber italienischen Staatsgrenzen lebenben, mehr als 3OOOOO Köpfe zählenden slowenischen Minderheit der Belgrader Regierung einen starken innerpolitischen Rückhalt an den Slowenen gegeben, während die bislang gelegentlich nach Ungarn hinüberschielende kroatische Opposition (man entsinnt sich der nach dem Attentat auf König Alexander bedrohlich sich zu- spitzenden Spannung zwischen Belgrad und Budapest in der Frage der kroatischen Emigration) durch den jugoslawisch-italienischen Vertrag ihre Hoffnung auf eine Restauration der Habsburger dahinschwinden sieht. Denn in diesem Punkt der ent- chiedenen Abwehr aller Restaurationsbestrebungen des Hauses Habsburg-Bourbon, sei es in Ungarn oder in Oesterreich, sind sich die Staaten der Kleinen Entente auch fernerhin völlig einig und darüber wird wohl auch in den Verhandlungen -»wischen Graf Ciano und Stojadinowitsch Klarheit geschaffen worden sein. Auf Ungarns Verhältnis zu Südflawien kann diese Klarstellung nur günstig wirken. Wenn man auch vorerst noch m Budapest die Aussöhnung der Adria-Nachbarn mit gemischten Gefühlen betrachten mag, denn die ungarischen Wünsche nach Revision des Friedensdiktats von Trianon hatten bislang an dem für unversöhnlich gehaltenen Gegensatz zwischen Italien und Jugoslawien als dem tatsächlichen Nachfogerder Habs burgischen Donaumonarchie an der Adria und aus dem Balkan ihre stärkste Nahrung gefunden, f wftd der Ostervertrag von Belgrad moglicherwei e auch den Weg ebnen zu einem u"9arifch-lugoslawi- schen Ausgleich, der den Interessen beider Volker ^S^weit'ist es freilich noch lange nicht und des-
lich kein bolschewistisches System mehr geben. Zu dieser ständigen Opposition geselle sich noch d i e persönliche, die die grausame Diktatur des „Zaren Stalins" herausgefordert habe. Diese schrecke weder vor Gift noch vor Mord zurück, und nur sie meine Stalin in Wahrheit, wenn er das bolschewistische System vor dem „Trotzkismus" verteidige.
Rußland sei zu den Zeiten Iwans des Schrecklichen zurückgekehrt. Die Herrschaft Nikolaus II. fei ein wahrhaftiges Eden im Verl)ältnis zu der augenblicklichen Lage in Sowjetrußland gewesen. Damals hätten ein Tolstoi und ein Gorki frei schreiben dürfen. 80 o. H. bes russischen Grund und Bodens seien in Händen ber Bauern gewesen. 12 000 Volksschulen habe es zu biefer Zeit in Rußlanb mehr gegeben als jetzt. Heute herrsche über bem weiten russischen Land nur Dunkelheit, Schweigen und Tod.
Paris, 3.April. (DNB. Funkspruch.) Im „Figaro" beschäftigt sich Wladimir d ' O r m e s s o n mit der Rede Stalins vom 3. März. Diese Rede beweise, daß sich die Sowjetunion in einer außerordentlichen Krise befinde. Wenn man Stalins Worten glauben sollte, so müßte ganz Sowjetrußland voll von „Trotzkisten" stecken, die Sabotage trieben, spionierten, Anschläge verübten und das ganze Staatsgefüge unterwühlten. Stalin aber, der selbst einen Teil seines Lebens als Saboteur, als Spion, als Attentäter zugebracht habe, wolle diese Leute heute ausrotten.
Es sei nicht glaubhaft, daß die Sowjetunion in Wirklichkeit durch die „Trotzkisten" gefährdet sei. Die Wahrheit sei, daß es in Sowjet- rußlanb stets eine ungeheure Opposition gegeben habe. Wenn nur jeder hundertste Russe an die Wahlurne treten dürfte, so würde es wahrschein-
Bewegung im Güdofien
Die Konferenz des Ständigen Rats der Kleinen Entente in Belgrad findet das größte Interesse der politischen Welt, wenn auch ber tschechoslowakische Außenminister Krofta um jeder Enttäuschung vorzubeugen, davor gewarnt hat, von der Konferenz irgendwelche sensationelle Beschlüsse zu erwarten. Sie sind wohl schon deswegen nicht zu erwarten, weil in wesentlichen Punkten der Tagesordnung die Auffassungen der drei Teilnehmer der Konferenz, des tschechoslowakischen Außenministers Krofta, des rumänischen Außenministers A n - t o n e 5 c u und des jugoslawischen Ministerpräsidenten Stojadinowitsch weit auseinandergehen. Trotzdem wäre es höchst unvorsichtig und voreilig, von einer Lockerung ober gar schon von einem Zerfall des Bündnisses der Kleinen Entente sprechen zu wollen. Jugoslawien, dessen „politischer Vertrag" mit Italien bie Lage auf bem Balkan unter eine neue Perspektive aestellt hat, benkt nicht daran, seine alten Freundschaften der neuen Kombination zu opfern, und in Rom ist etwas derartiges auch niemals erwartet worden. Das geht sowohl aus dem Wortlaut des italienisch-juboslawischen Oster- vertrags hervor, wie aus den Erläuterungen, die die beiden Unterzeichner des Abkommens ihm mit auf den Weg gegeben haben. Aber die Tatsache dieses Vertragsabschlusses ist nach der Bereinigung des Verhältnisses zu Bulgarien ein erneuter Beweis dafür, wie dank der innerpolitischen Festigung des Regimes und einer besonders günstigen außenpolitischen Konstellation sich die Stellung Jugoslawiens innerhalb der Kleinen Entente wie des Balkanbundes gestärkt hat.
Belgrad ist heute vielleicht als Angelpunkt der Politik im Donauraum an die Stelle von Prag getreten. Während die Tschechoslowakei durch ihr Militärbündnis mit der Sowjetunion sich einseitig band und damit die eigene Handlungsfreiheit in bedenklichem Maße beschränkte, hat Südslawien durch seine Aussöhnung mit Bulgarien und nun durch den Vertrag mit Italien, der die Adria als politische Reibungsflächen der beiden Uferstaaten künftighin ausschaltet, für sich eine Bewegungsfreiheit gewonnen, die ihm in der zukünftigen Politik der Kleinen Entente und des Balkanbundes eine bestimmende Rolle zu spielen erlauben wird. Man wird Jugoslawiens Außenpolitik und seine neugewonnene Stellung mit der Polens vergleichen können, das durch sein Abkommen mit Deuischland unter Aufrechterhaltung der traditionellen Freundschaft zu Frankreich und des Nichtangriffspakts mit Sowjetruhland und neuerlicher Wiederaufnahme der engeren Beziehungen zu Rumänien sich die Freiheit unabhängiger, nur ben eigenen Interessen dienender Entschlüsse hat wahren können. Die von Deutschland immer wieder empfohlene Politik zweiseitiger Verträge als tauglichstes Mittel zur Bereinigung nachbarlicher Verhältnisse, die Polen mit so sichtbarem Erfolg für sich zu nützen verstand, hat nun auch in Belgrad über ben vornehmlich von der französischen und englischen Diplomatie immer wieder in ben Vordergrund geschobenen verschwommenen Gedanken eines allgemeinen Sicherheitspaktes triumphiert. Dafür war gewiß auch die Erkenntnis maßgebend, daß einmal ohne Ausräumung der zwischen Nachbarn schwebenden Mißverständnisse jeder allgemeine Pakt der wichtigsten inneren Voraussetzung entbehrt, und daß zum anderen em solcher Pakt durch die Politik dritter Staaten die Gefahr von Verwicklungen mit sich bringt, die das nationale Interesse an sich nicht notwendigerweise
halb ist vorerst die Abneigung gegen jede Revision I Entente als mehr oder weniger willenlose Werk- •!... <vxL.,r... m1----s;« a-u Ma zeuge in das franzosisch-sowietrussische Militär
bündnis eingliedern würde, unter Dach und Fach zu bringen, durch die neueste Wendung in der Außenpolitik des Balkans sehr verschlechtert haben. Jugoslawien, das von jeher jeder Verbindung mit Sowjetrußland abhold gewesen ist, — es hat bis heute noch keine diplomatischen Beziehungen mit bem roten Kreml ausgenommen — wird nach erlangter Rückendeckung durch den Vertrag mit Italien weniger denn je die Notwendigkeit begreifen, sich in Bindungen einzulassen, die das Land in unabsehbare Konflikte hineinziehen könnten. Frankreichs Partie auf dem Balkan steht allo herzlich schlecht, auch der auf die Konferenz der Außenminister folgende Staatsbesuch des tschechoslowakischen Präsidenten Dr. Benesch in Belgrad wird daran wohl kaum etwas zu ändern vermögen. Fr. W. L.
nr.n 4tffes Blatt 18Z. Jahrgang Samstag,5.3pri1 IM
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