Ausdruck in den mancherlei heimatgeschichtlichen Forschungen, denen sich Geheimrat Sommer mit Eifer widmete, in seiner außerordentlich regen und von reicher Gedankenfülle geleiteten Mitarbeit an den kommunalen Aufgaben unseres Gemeinwesens in früheren Jahren, nicht minder auch in seiner engen Gemeinschaft mit den Volksgenossen in Stadt und Land und schließlich in verschiedenen Schenkungen und Stiftungen, die er, besonders im Verlaufe der letzten Jahre, schon zu seinen Lebzeiten zur Förderung gemeinnütziger Interessen machte. Durch den reichen ideellen Gehalt seines Lebens und Schaffens war Geheimrat Sommer einer der volkstümlichsten Männer unserer Stadt und der engeren Heimat geworden, dem die Wertschätzung und Verehrung weiter Bevölkerungskreise gehörte. Als Schöpfer und langjähriger Leiter des Liebig- museums, aber auch durch feine Limesforschungen und seine Stiftungen für die Studentenschaft und für die Heimatvereinigung Schiffenberg sind ihm für alle Zeiten sowohl im Kreise der Universität wie auch im Bereiche der Volksaemeinschaft in Stadt und Land bleibende Stätten des ehrenuollen Gedenkens sicher.
Heber sein Wirken als Forscher, Klinikleiter und akademischer Lehrer zu urteilen, entzieht sich unserer Zuständigkeit. Wir möchten aber doch an seiner Bahre darauf Hinweisen, daß ihm aus den Kreisen seiner Fachwissenschaft, wie von der akademischen Welt überhaupt in dankbarer Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen zahlreiche Ehrungen dargebracht wurden, die u. a. ihren Ausdruck fanden in der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitglied mehrerer fachwissenschaftlicher Vereinigungen und der Gesellschaft Liebig-Museum.
Auf dieser hohen wissenschaftlichen Wertschätzung beruhte auch mit, neben der dankbaren Würdigung für die langjährige kommunale Mitarbeit, die obenerwähnte Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Gießen durch den Oberbürgermeister.
Wer den Vorzug hatte, den nunmehr Heimgegangenen näher kennenzulernen, und dabei seine ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften wahrnehmen konnte, wer sich die allezeit tatfrohe und opferfreudige Einsatzbereitschaft dieses Mannes vergegenwärtigt, seine innige Verbundenheit mit den Volksgenossen aus allen Kreisen kennt, der wird ihm über das Grab hinaus allezeit ein ehrendes Gedenken bewahren, wie auch sein Name und seine Werke unvergänglich mit der Geschichte unserer Universität und unserer Stadt an hervorragender Stelle verbunden sein werden. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
StMtheater: 19.30 bis 21.45 Uhr: „Heiterer Tanzabend" und „Die schöne Galathee". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Der lachende Dritte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Und Du, mein Schatz, fährst mit". — Kneipp-Bewegung: 20 Uhr: Vortrag von Anny Stang im „Bayrischen Hof" über „Entartete Kochkunst, die Ursache vieler Krankheiten". — Bekenntnisgemeinde Gießen: 20.15 Uhr: Vortrag von Pfarrer Karl Jakobi, Frankfurt, im Johannessaal. — 20.15 Uhr: Vortrag von Wilma Hartmann im „Hotel Hindenburg": „Frauen können schlank werden und schlank bleiben".
Willi Lenz nach Baden-Baden verpflichtet.
Willi Lenz, Erster und Solo-Oboist des Städtischen Orchesters Gießen, wurde in gleicher Eigenschaft an das Kur- und Symphonie - Orchester Baden-Baden verpflichtet.
Stadttheater Gießen.
Heute abend findet die erste Wiederholung des „Heiteren Tanzabends" und „Die schöne Galathee", Operette von Fr. v. Suppö, statt. Das Programm des „Heiteren Tanzabends" setzt sich aus bunten Tänzen, meistens heiteren Charakters, zusammen. — Die Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung liegt in den Händen der Ballettmeisterin Irmgard Zenner. Kapellmeister Ernst Bräuer führt die musikalische Leitung. — Hierauf: „Die schöne Galathee", Operette von Fr.v. Suppe. Die musikalische Leitung führt Kapellmeister Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul Wrede. Die Titelrolle singt Ilse Castus. — Die Vorstellung findet als 18. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr.
Kneipp-Bewegung, Ortsgruppe Gießen.
Die Ortsgruppe Gießen der Kneipp-Bewegung veranstaltet am heutigen Mittwoch im Hotel „Bayrischer Hof" einen Vortrag über das Thema: „Entartete Kochkunst, die Ursache vieler Krankheiten". Auf die gestrige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.
Die Winlerhilfswerk-Sammlimg der Studenten
am 6. und 7. Februar.
Aufruf des Saustudentenführers.
NSG. Im Kampf gegen Hunger und Kälte werden die deutschen Studenten am 6. und 7. Februar die 5. Neichsstraßensamrnlung des Winterhilfswerkes 1936/37 durchführen helfen.
Die Studenten des Gaues Hessen-Nassau, die ihre Pflicht in den studentischen Kameradschaften und Fachschaften und zugleich in den Gliederungen der Bewegung tun, oder als Angehörige der Stamm- Mannschaften die studentische Erziehungsarbeit durchführen, werden auch in diesem Jahr beweisen, daß die tatsächliche Leistung für die Volksgemeinschaft ihr vornehmster Dienst ist.
Wissenschaft und studentische Arbeit treten für zwei Tage zurück und die bekannten Sammelbüchsen des Winterhilfswerkes treten dafür in Aktion! Hoch- und Fachschulstudenten marschieren gemeinsam im Geiste des praktischen Sozialismus!
Unter dieser Losung steht der Einsatz der studierenden Jugend für die Aermsten unseres Volkes!
Heil Hitler!
Conrad, Gaustudentenführer Hessen-Nassau.
Deine Kraft deinem Volke!
NSG. Es ist dafür gesorgt, daß die Reichsstraßensammlungen des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes jedesmal ihre besondere Eigenart haben. Die fünfte Reichsstraßensammlung steht unter dem Merkzeichen: Deine Kraft deinem Volk! Das germanische Gold, der Bernstein, liefert den Stoff zu vier verschiedenen Ausführungen von Abzeichen: für das Eichenblatt mit Eichel, das Blatt mit Stiel, das Kleeblatt mit Stiel und das Kleeblatt mit Knopf.
Männer, die durch die Tat ihre Einsatzbereitschaft für unser deutsches Volk bewiesen haben und noch beweisen, sind die Sammler. Vor allem stehen die Mitglieder der N a t i o n a l s o z i a l i st i s ch en Kriegsopferversorgung wieder in der Front der Einsatzbereiten. Sie setzen ihr Opfer, das sie im Weltkrieg so ruhmvoll und selbstlos gegeben haben, durch eine neue Tat der Entschlossenheit fort: sie dienen am 6. und 7. Februar ebenso treu wie dereinst im Weltkrieg. Die größte Kriegstat der Welt findet ihre sinnvolle Ergänzung durch die Bereitschaft, dem größten Friedenswerk der Welt zu dienen. Neben den Männern der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung steht der Reichskrieger- bunb (Kyffhäuserbund) in gleicher Weise bereit, der großen Sache des Führers zu dienen.
Die Nationalsozialistischen Studenten schließen sich an als willige Helfer für das große soziale Geschehen, das Deutschland Kraft und Zukunft verleiht. Luftsport und Luftschutz sind gleichfalls zur Stelle, wenn das Winterhilfswerk zu sozialen Tat ruft.
Am 6. und 7. Februar steht im Gau Hessen-Nassau wiederum eine entschlossene Front von Kämpfern gegen die Not des Winters. Am ersten Sonntag des fünften Jahres der nationalsozialistischen Staatsführung ist der Wille der Helfer für das Winterhilfswerk noch größer geworden. Die Spender werden am 6. und 7. Februar ihre nationale Ehre darein fetzen, ihren Dank für den sozialen Frieden, der in Deutschland herrscht, dadurch abzutragen, daß sie ihren notleidenden Brüdern helfen. Das Gefühl des sozialen Anstandes und der sozialen Gerechtigkeit wird das Maß des Opfers bestimmen.
NSDAP. - Amt für Dolkswohlfahrt. Ortsgruppe Gießeu-Mitte.
Pfundsammlung.
Arn Mittwoch, 3. Februar, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein- gefammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungs- einzeichnung bereitzuhalten. Die Pfundsammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen.
Ortsgruppe Gießeu-Nord.
Wlnlerhilsswerk 1936/37.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie D) bis spätestens Freitag, 5. Februar, 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Auf der Rückseite der Gutscheine ist die Art des gelieferten Brennmaterials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel oder Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift, Wohnung, Straße und Hausnummer des Hilfsbedürftigen tragen.
NSV., Ortsgruppe Mitte.
Velr.: Kohlenabrechnung am 5. Februar.
Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlenscheine der Serie D am Freitag, 5. Februar, um 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle (Zigarrenhaus Möser), Eingang Löwengasse, einzureichen. Es wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterschrift des Händlers auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte, tragen muß. Nach dem 5. Februar eingereichte Scheine sind wertlos.
Winterhilfswerk 1936/37 Ortsgruppe Gießen-Süd.
Kohlenabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine der „Serie D" am Freitag, 5 Februar, von 20 Uhr bis 21 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
BDM.- und ZM.-!lntergau 116 Gießen
Alle BDM.-Mädel, die jetzt die kaufmännische Gehilfenprüfung ablegen, tragen laut Obergaubefehl am Prüfungstag Kluft.
IW.-Splelschar.
Alle IM. der IM.-Spielschar treten am Samstag, 6. Februar, um 15 Uhr am Ludwigsplatz an.
Sozialstelle.
Mädel, die eine kostenlose Ausbildung als NS- Schwefter mitmachen wollen, melden sich sofort bei der Sozialstelle des Untergaus. Die Ausbildung dauert 2 Jahre. Augenblicklich werden auch schon Mädel ab 14 Jahren eingestellt.
Die Unlergausührerin.
VD7N.-Schwimmableilung.
Arn Mittwoch, 3. Februar, beginnt im Volksbad das Training im Rettungsschwimmen. Grund- und Leistungsscheinanwärterinnen melden sich um 18.45 Uhr bei der Schwimmwartin im Dolksbad.
JlN.-Schwimmableilung.
Ich weife noch einmal darauf hin, daß die Schwimmstunde Dienst ist und nicht unentschuldigt versäumt werden darf.
Betr.: Leistungsabzeichen.
Montag, 15. Februar, beginnt in der Goethe- schule abends um 8 Uhr ein Sanitätskurs für das Leistungsabzeichen. Alle Anwärterinnen melden sich bis zum 12. Februar am Untergau, Stelle KS. ober sind am 15. Februar in der Goetheschule.
Bekr.: Fechlablellung.
Mädel, die mitfechten wollen, melden sich bis zum 12. Februar am Untergau, Stelle KS.
X Vie deutsche Arbeitsfront
fi.5.=bcmeinf(haft „firaft durch freute"
Amt: Feierabend.
Vorstellung am 13. Februar im Gießener Stadttheater. Am Samstag, 13. Februar, bringen wir als 11. Sondervorstellung im Stadttheater Gießen das spannende, zeitgemäße Schauspiel „Wasser für Canitoga" von Georg Turner. Die Eintrittspreise betragen 70 und 90 Pf. Kartenbestellungen müssen bis zum 6. d. M. auf der Kreisdienststelle eingereicht werden.
Aml: Reisen, Wandern und Urlaub.
Omnibus fahrt am Rosenmontag nach Mainz. Am diesjährigen Rosenmontag führen wir eine Tagesomnibusfahrt nach Mainz durch, um auch den Arbeitskameraden aus Oberhessen Gelegenheit zu geben, sich den traditionellen Rosenmontags- Zug anzusehen. Der Preis der Fahrt beträgt 4,10 Mark. Anmeldungen werden auf der Kreisdienst- stelle entgegengenommen.
Jahresprogramm 1937. Dieses Programm, das alle Reisen des Jahres 1937 enthält, ist zum Preis von 20 Pf. auf der Kreisdienftftelle erhältlich.
Aml: Deutsches Volksbildungswerk.
Vortrag „Grönland und Spitzbergen" am 4. Februar. Am Donnerstag, 4. d. M., hält Dr. Hans Poser, Göttingen, in der Aula der Universität einen Vortrag „Grönland und Spitzbergen." (Auf Grund eigener Reisen.) Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Gießen hat uns zu diesem Lichtbildervortrag verbillige Eintrittskarten zum Preis von 40 Pf. zur Verfügung gestellt, die auf der Kreisdienststelle erhältlich sind. Der Vortrag beginnt um 20.15 Uhr.
Anfragen des Treuhänders muffen beantwortet werden.
LPD. Die Treuhänder der Arbeit sind häufig genötigt, von Betriebsführern oder Gefolgschaftsmitgliedern Auskünfte einzuholen, um sich die erforderlichen Unterlagen für etwa zu ergreifende Maßnahmen zu verschaffen. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit erklärt es für ehrengerichtlich strafbar, wenn Mitglieder der Betriebsgemeinschaft schriftlichen Anordnungen des Treuhänders hartnäckig zuwiderhandeln. Wie das Ehrengericht Mitteldeutschland erklärt, sind auch schriftliche Anfragen des Treuhänders, in denen er um Auskunft bittet, als Anordnungen in diesem Sinne anzusehen. Wenn solche Anfragen trotz wiederholter Mahnung nicht beantwortet werden, kann eine Bestrafung wegen hartnäckigen Zuwiderhandelns gegen Anordnungen des Treuhänders erfolgen. An der Strafbarkeit ändert dann auch die nachträgliche Beantwortung der Anfrage des Treuhänders nichts mehr.
Brötchen-,Milch-,Dutter- und Eierdiebe gefaßt.
Die Kriminalabteilung der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:
In den letzten Wochen wurden fortgesetzt Brötchen, die von dem Bäcker bei verschlossenen Türen der Kunden in die dazu bereitgestellten Säckchen und andere Behältnisse gelegt werden, gestohlen. Auch aus den Wagen der Milchhändler verschwanden volle Milch- und Sahneflaschen, Butter und Eier. Die Diebstähle wurden vorwiegend im südlichen Stadtteil verübt. Am vergangenen Freitag gelang es der Kriminalpolizei, einen 52 Jahre alten Mann auf frischer Tat zu erwischen. Aber schon am folgenden Morgen wurden aus der gleichen Gegend wieder Diebstähle gemeldet. Gestern früh konnte auch der zweite Dieb, ein 35jähriger Mann do* hier, festgenommen werden, nachdem er vorher einen Fluchtversuch ergebnislos unternommen hatte. 32 Brötchen hatte er bereits im Besitz. Er ist geständig, fast täglich bis zu 50 Brötchen, ebenso die als gestohlen gemeldete Butter, Milch und Eier entwendet zu haben. Bei der Durchsuchung in seiner Wohnung wurden drei halbe Pfund Butter, zwei Flaschen Milch bzw. Sahne und eine Anzahl leere Brötchensäckchen gefunden. Den Eierkorb und den größten Teil der entwendeten Säckchen usw. hat der Dieb gleich nach der Tat verbrannt, damit bei einem Erwischtwerden feine Beweisstücke aufgefunden werden konnten.
Kyffhäuser-Kreisverband Gießen.
Der Kyffhäuser-Kreisverband Gießen hielt am Sonntagvormittag eine Arbeitstagung im „Bayrischen Hof" ab. Hierzu waren außer dem Beirat von den Unterverbänden deren Führer, Schieß- und Propagandawarte, erschienen.
Der Kreisführer, Oberveterinärrat Dr. M o n - narb, begrüßte die Kameraden, gab einen Rück-
Ahbewährtes Haus- und Vorbeugungsmittel, auch bei Grippe u. Erkältungen! Karmelitergeist ' Amol ab 80 Rpf. in allen Apotheken und Drogerien,
Das fremde Gesicht.
JRomon von Laren.
33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Vermutlich aus Verzweiflung darüber, daß sie sechs Jahre lang ihr Herz an einen Verbrecher gehängt hat. Ich konnte ihr leider nicht verschwei- aen, daß Sie damals an dem Tresoreinbruch in der Berliner Handelsbank beteiligt waren. Armes Ding! Und daß nun ausgerechnet sie es sein mußte, die, wenn auch unwissentlich, Sie der Polizei überliefen hat — das hat ihr wohl den Rest gegeben."
Er verließ seinen Platz und trat dicht vor Berf- rand hin, der zusammengesunken, ein elendes Bündel Mensch, auf seinem Stuhl hockte. „Rührt Sie das gar nicht, Stubensand? Sie haben doch sicher das Mädel mal gern gehabt. Glauben Sie, daß Sie es wert sind, daß ein braves und unbescholtenes Mädchen wie die Ina Lenk sich Ihretwegen tötet?"
Bertrand begann zu zittern, immer heftiger, feine Zähne schlugen hörbar, wie im Schüttelfrost, aufeinander. Und plötzlich fing er an zu schluchzen, zu winseln und zwischen hemmungslosem Geflenne rang es sich stoßweise aus ihm hervor:
„Ich bin nicht schuld'. Ich hab' das nicht gewallt — das nicht! Bloß, weil ich Pech gehabt hab' ... Die Ina — ich hätt' sie geheiratet... Ich wollte zu Geld kommen — bloß darum hab' ich's getan. Ich hab' ja auch nur die Pläne gezeichnet für den Stollen — sonst nichts. Aber dann ist es schief gegangen, und wir mußten türmen... Wenn ich dann vicht diesem Monno in die Hände geraten wäre! Der war mein Unglück. Der hat mich ganz zugrunde gerichtet. Wo der hintritt, wächst 'kein Gras mehr."
Meixner stand unbeweglich, mit verschränkte Armen, und hörte aufmerksam zu. Nur bei dem Namen Monno machte er eine flüchtige Bewegung, als ob er Bertrand unterbrechen wollte, und kritzelte dann mit dem Bleistift etwas auf den Notizblock. Irgendwo in der ungeheuren Kartothek seines Gedächtnisses war dieser Name bereits gebucht — er wußte nur nicht mehr, in welchem Zusammenhang.
Als Bertrand zu sprechen aufgehört hatte, ließ ihm der Kriminalrat keine Zeit mehr, sich von seiner
Erschütterung zu erholen. Vorsichtig, Schritt für Schritt pirschte er sich näher an das Geheimnis heran. In weniger als zehn Minuten hatte er aus dem Arrestanten alles herausgefragt, was er noch zu wissen brauchte, damit die Kette von Beweisen und Vermutungen sich schloß.
Als er soweit war, verwandelte sich der Inquisitor auf einmal in einen freundlichen Hausherrn, der den völlig Erschöpften mit einer Zigarette und einem Glas Kirschwasser bewirtete.
„Zur Stärkung — so!"
Mit wohlwollendem Lächeln sah er zu, wie Ber>- rand den Kirsch hinunterstürzte. „Und jetzt schreiben Sie mir noch rasch ein paar Zeilen an Dr. Allanv, damit er sich nicht zu sehr beunruhigt."
Bertrand blinzelte ihn verwirrt an.
„Ich denke, er hat schon hier angefragt nach mir? Sie haben doch vorhin gesagt.. "
„So — hab' ich das?" Der Kriminalrat zuckte die Achseln. „Dann hab' ich mich eben geirrt. Soviel ich weiß, ist noch keine Abgängigkeitsanzeige gemacht worden. Wundert mich auch gar nicht...“ Er legte einen Briefbogen vor Bertrand hin und reichte ihm Tinte und Federhalter. „Und nun schreiben Sie — bloß ein paar Zeilen: daß Sie das Leben in der Klinik satt haben und so weiter. Und daß Sie das übrige schon selbst mit ihrem Freund — wie nennen Sie ihn eigentlich unter Brüdern, Monno oder Gallatin? —, also daß Sie das mit Gallatin selbst ausmachen werden. Gut... Ihre Sachen würden abgeholt, und wegen der Rechnung? Die soll auch an Gallatin geschickt werden, nach — wie war gleich die Adresse? — Genf, Hotel du Lac, nicht wahr?"
Er wartete geduldig, bis Berttand mit seinem Brief zu Ende war. Dann nahm er das noch feuchte Blatt an sich, löschte es ab und steckte es eigenhändig in den Umschlag.
„Geben Sie das gleich zur Post, Schleh", sagte er zu dem Wachtmeister, nachdem man den Häftling abgeführt hatte. „Außerdem muß sofort ein Haftbefehl erlassen werden gegen einen gewissen Gallatin alias Monno in Genf, Hotel du Lac." Er unterbrach sich plötzlich und schnalzte mit den Fingern. „Teufel, jetzt eben fällt es mir ein. Da muß doch irgendwo noch ein alter Steckbrief fein, der auf den Namen lautet."
Schon als der Patient ins Zimmer trat, hatte Alland ein dumpfes Vorgefühl, eine Art warnender Unruhe, empfunden. Dabei sah der Mann in keiner Weise beunruhigend aus. Ein durchschnittliches blauäugiges Gesicht von jenem etwas stumpfen Typus, dem man gerade hier ziemlich oft begegnete. Uebrigens schien der Mann selber auch ein bißchen unsicher, aber das kam ja gerade bei männlichen Patienten ziemlich häufig vor. Außerdem hatte der Anzug entschieden etwas Kleinbürgerliches. Vielleicht irgendein mittlerer Bankbeamter oder dergleichen, jedenfalls war es beftimmt ein recht harmloser Mensch, der da ebenso umständlich in dem Sessel am Schreibtisch Platz nahm. Zu verrückt — bei jedem neuen Patienten gleich einen Schreck zu bekommen...!
„Womit kann ich Ihnen helfen?" fragte Alland mit der unpersönlichen Höflichkeit des vielbeschäftigten Arztes.
Der andere murmelte zunächst als Antwort: „Mein Name ist Kühlmann", und dabei machte er im Sitzen eine Art ungeschickter Verbeugung, ohne sich jedoch weiter zu äußern.
„Nun — und was führt Sie zu mir?" versuchte Alland ihm behilflich zu fein.
In dem Gesicht des Herrn Kühlmann ging plötzlich eine merkwürdige Veränderung vor. Die Biederkeit war mit einemmal wie weggewischt, und statt ihrer trat jetzt ein Ausdruck frech-vertraulicher Verschmitztheit hervor.
„Ja — wissen Sie, wer mich an Sie verwiesen bat? Sie werden es nicht erraten. Ihr alter Freund Gallatin...!"
Kühlmann kniff dabei verschmitzt ein Auge zu, als hätte er einen prachtvollen Witz gemacht. Alland fuhr zurück wie von der Kugel getroffen.
„Ich besitze keinen Freund dieses Namens", entgegnete er mit ruhiger, aber etwas gedämpfter Stimme. „Wenn Sie einen früheren Patienten John B. Gallattn meinen sollten ..."
„Na, also! Gewiß doch!" Der andere schien außerordentlich amüsiert, er schlug sich dabei vor Begeisterung sogar geräuschvoll auf den Schenkel, was Alland mit einem nervösen Stirnrunzeln beantwortete.
Aber Herr Kühlmann war nun schon einmal im Zuge.
„Ein reicher Mann, der Mister Gallatin, ein nobler Mann! Da werden Sie ein gutes Geschäft
gemacht haben, denke ich ..Kühlmanns vertraulich grinsende Miene schien von einer kleinen Besorgnis beschattet. „Ganz soviel möchte ich ja nun doch nicht anlegen ... Nichts zu sagen", beantwortete er eine ungeduldige Bewegung Allands, „Sie verstehen Ihre Sache, Herr Doktor. — Respekt! Wie Sie den Gallattn umgearbeitet haben — alle Achtung! Den hätte seine eigene Mutter nicht mehr wiedererkannt. Und dabei haben Sie ihn noch direkt schön gemacht, kein Vergleich gegen früher. Ja, sehen Sie" — Herr Kühlmann beugte sich zutraulich lächelnd vor —, „bei mir kommt es ja nun weniger auf die Schönheit an. Ich hab' es bloß satt, immer mit demselben Gesicht herumzulaufen, das jeder kennt ... Na, Sie wissen schon. — Wir können ja offen miteinander reden — unter Männern. Man hat manchmal so kleine Scherereien mit der Polizei und so. Wenn man das vermeiden kann, warum nicht? Langwierig und schmerzhaft ist die Sache ja auch kaum, nicht wahr? Wenigstens wenn man nicht dauernd Kognak säuft wie unser gemeinsamer Freund Bertrand, hahaha ..."
Herr Kühlmann schien von unwiderstehlicher Heiterkeit ergriffen und schlug sich wieder geräuschvoll auf den Schenkel.
Aber ehe der Arzt noch heftig erwidern konnte, hatte der andere sich schon von seinem Lachanfall erholt und kehrte mit geschäftlicher Miene wieder zum Thema zurück. „Also da wäre denn ja bloß noch der Kostenpunkt zu besprechen. Wie gesagt, schön brauche ich nicht zu fein — bloß ein bißchen anders. Dafür werden Sie mir ja gewiß auch ’nen kleinen Preisnachlaß bewilligen. Schließlich ..." Herr Kühlmann machte eine Pause, in der plötzlich alle Gemütlichkeit aus feinem Ton und Gehauen verschwand, um dann mit ganz veränderter Stimme fortzufahren: „Schließlich könnten wir Sie ja auch bitten, uns solche kleinen Gefälligkeiten umsonst zu erweisen, natürlich — auf ein bißchen gutes Zureden würden Sie uns gewiß nichts abschlagen. Ich weiß schon. Aber" — und jetzt kehrte Kühlmann wieder zu feiner früheren herzhaften Munterkeit zurück — „leben und leben lassen sc^gt unser Freund Gallatin immer. Wir lassen uns nicht lumpen — wir nicht! Also wie roär's mit fünftausend — Franken natürlich, nicht Dollar", setzte er rasch hinzu, ohne die Zustimmung oder Ablehnung seines Gegenübers abzuwarten.
(Fortsetzung folgt!)


