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Der nationalsozialistische Staat sichert die Gewissens- und Glaubensfreiheit des Einzelnen. Eine neue Rede des Reichsministers Kerrl in Hagen.

Hagen, 1. Dez. (DNB.) Reichsminister Kerrl sprach am Dienstagabend in der Stadthalle zu Hagen überWeltanschauung und Religionen . Der Minister erklärte: So wenig nach der national­sozialistischen Weltanschauung Nationalismus und Sozialismus einander widersprechen, so wenig sei dies auch mit Religion und Weltanschauung der Fall. Weltanschauung und Religion laufen darin zusammen, daß sie die Summe der Versuche des Menschen darstellen, sich klar zu werden über die Frage nach seinem richtigen Handeln. Nur von der Politik her kann Öle wahre Freiheit des Menschen werden. Der Führer lehrte uns in einer Zeit der Verzweiflung und des all­gemeinen Niederbruches:Ihr müßt eure Pflicht tun! Ihr müßt eurem Wissen gemäß handeln, das aus eurem Blute spricht, das Gott in eure Adern gegossen hat." In unserem Blute selbst liegt das Gewissen. Gott hat den Hin­weis versenkt in das Blut, daß alle, die eines Blutes sind, zusammengehören und zusammen­wachsen zu einem großen Organismus einer ein­zigen Volksgemeinschaft. Der Führer hat den Ge­wissensbegriff sozialistisch gemacht und gesagt:Wir müssen den Befehl Gottes erfüllen durch unser Tun und unser Handeln. Werdet positive Chri­sten der Tat!"

Der Minister erklärte dann, daß es nicht seine Aufgabe sei, zu richten, wer in richtiger Weise die Bibel auslege, sondern einzig und allein darüber zu wachen, daß die Einigkeit des deut­schen Volkes erhalten bleibe. Den Konfes­sionen stehe er als Staatsmann völlig neutral gegenüber. Unter dem lebhaften Beifall der Zu­hörer stellte der Minister aber eindeutig fest: Zn die staatliche Rechtsfindung und Rechtsübung hat sich keine Kirche hineinzumischen. Dies alles gehört ausschließlich in die Hände des Staates. Dem nationalsozialistischen Staat gehe es aus­schließlich um die Gewissens- und Glau­bensfreiheit des einzelnen. Keiner solle darin beschränkt werden, sich seine Konfession auszufuchen.

Die nationalsozialistische Partei und auch der Staat verträten den Standpunkt eines posi­tiven Lhristentumes, ohne sich irgendwie an ein einzelnes Bekenntnis zu binden; aber sie forderten gleichzeitig die Freiheit für alle reli­giösen Bekenntnisse, soweit sie nicht den Be­stand des Staates gefährden oder das Zttorat- gefühl der germanischen Rasse beeinträchtigen. Diese Freiheit aber wollen und müssen wir gewähren, damit endlich ein Drang unse­res Volkes nach religiöser Frei­heit erfüllt, gerechtfertigt und ab­geschlossen wird." kein echter National­sozialist dürfe es mit der Religion leichtfertig nehmen. Echter Nationalsozialist sei nur, wer die Tatsache der Bindung an Gott erkenne und wisse, daß Gottes Befehl in seinem Gewissen und Blut walte.Der Natio­nalsozialismus erklärt, daß derjenige, der diese Bindung leugnet, minderwertig ist und nicht zu uns gehört. Aber der nationalsozialistische Staat denkt nicht daran,irgendeine Kon­fession zu einer Staatskirche zu machen, auch nicht die Deutsche Glaubens­bewegung. Jedermann kann sein Bekennt­nis wählen nach seinem eigenen Herzen. Wir verlangen aber, daß er sich der Achtung befleißigt vor dem, was demanderen heilig ist. Wer dieses Gebot der Achtung und Ehrfurcht verletzt, ist kein echter Nationalsozialist."

Nochmals hob Minister Kerrl hervor, daß das Ziel der nationalsozialistischen Kirchenpolitik die völlige Gleich st ellung der verschiede­nen Religionsgemeinschaften unterein­ander sei. Die Zurückführung dieser Gemeinschaften auf die Opfer ihrer Gläubigen sei nicht als plötz­liche Entziehung der hohen Staatszuschüsse zu ver­stehen. Es solle nur langsam und sicher die Ent­

wicklung auf die Erreichung des Zieles eingestellt werden, das unbedingt erreicht werden müsse. Diese Maßnahmen erfolgten aus keinerlei Haß gegenüber den Kirchen, wie überhaupt jeder über die ernste und ehrliche Auffassung des Ministers sich habe ein Bild machen können, der mit ihm über diese Fragen einmal gesprochen habe. Die Bekenntnisfront Halle sich früher für die Stunde der Erbauung" bei ihm bedankt, die er, der Minister, in einem Vortrag geschenkt habe. Um so unverständlicher sei es aber, daß später einer ihrer Hauptführer böswillige Unterstellungen in Flugschriften verbreitet habe. Dieses Verhalten be­weise nur, wie die christliche Liebe nicht immer dort am besten bestellt sei, wo man sie fortgesetzt im Munde führe. Der Minister erklärte:Es liegt mir völlig fern, in Bausch und Bogen abzuurteilen. Ich erkenne an, daß viele Seelsorger mit uns ge­kämpft und uns mit allen Mitteln unterstützt haben. Ich weiß, daß z. B. die ,Deutschen Christen' völlig positiv zum nationalsozialistischen Staate stehen. Ich muß aber gleichzeitig erklären, daß ich nicht daran denke, etwa eine deutsche christliche Staats­kirche herzustellen. Der Staat hat nur eines im Sinn: die völlige Sicher st ellung der re­ligiösen Freiheit. Ich werde mit der deut­schen Volksgemeinschaft dieses Ziel erreichen.

Eine Anzahl von Seelsorgern und Predigern beider Konfessionen habe dem Staat für seine Be­mühungen entschiedenen Dank abgeftattet; aufs Ganze gesehen sei dies leider aber nicht der Fall aewesen. Sogleich nach Uebernahme seines Amtes habe er, der Minister, Auftrag gegeben, alle Strafanträge gegen Geistliche zu sam­meln. Die Summe der Anzeigen genüge; es sei eine geradezu erschreckende Zahl! In keinem anderen Stande gibt es einen so unerhört hohen Prozentsatz von Verfahren.

Oie Sittlichkeitsprozesse

seien noch nicht abgeschlossen. Nach Angabe des für diese Straftaten zuständigen Justizministeriums handele es sich dabei um folgende Zahlen:

Verurteilt wurden 45 Priester, 176 Ordens­brüder und -fchwestern, 21 Angestellte usw., zusam­men 242. Verfahren find noch anhängig gegen 93 Priester, 744 Ordensbrüder und -schwestern und 118 Angestellte usw., zusammen 955; Ver­fahren wurden eingestellt oder es erfolgte Freisprechung in Verfahren gegen 29 Prie­ster, 127 Ordensbrüder und -schwestern, 32 Ange­stellte usw., zusammen 188,

Es sei klar, stellte der Minister fest, daß hier nicht mehr von Einzelfällen gesprochen werden könne. Die Zahl der Ordensangeyörigen in Deutsch­

land habe 1935 etwa 16 200 männliche Ordensmit­glieder in etwa 660 Niederlassungen betragen und etwa 102 000 weibliche Ordensmitglieder in 7990 Niederlassungen, bedeute also, daß einer Zahl von 16 000 männlichen Ordensangehörigen etwa 8000 Prozesse (Sittlichkeitsverbrechen und -vergehen, De­visenoerbrechen und -vergehen. Vergehen gegen das Heimtückegesetz, Kanzelmißbrauch, Vergehen gegen das Flaggengesetz, Vergehen gegen das Sammlungs« gesetz usw.) gegenüberstanden. Bedauerlich sei, daß die kirchliche Aufsicht nicht selbst genügend eingegriffen habe.

Der Minister betonte, daß er nicht dogmatisch zu urteilen habe, daß aber nach dem Leben, den Wor­ten und den Taten Christi, wie sie nach dem Evan­gelium der Beurteilung offen liegen, diese nicht den Lehren des Nationalsozialismus widersprechen. Es ei aber bedauerlich, daß viele kirchliche Vertreter len Nationalsozialismus so wenig verstünden und ür feine Anhänger die kirchliche Türe zu Gott ab­zuschließen versucht hätten, statt ihrer Predigt der Liebe gemäß zu handeln. Der Staat werde dort mit starker Faust für unbedingte Ordnung sorgen, wo die Religion mißbraucht wird, um die Volks­gemeinschaft zu stören oder zu zersetzen.

Anter langanhallendem Beifall schloß der IHi- nisler:Das Volk kennt seinen Führer. Jeder einzelne mag immer wieder in sich hineingehen und sich sagen: Wie herrlich ist es doch, in dieser großen Zeit leben zu dürfen. Nur eines macht das Leben schön, die Pflicht zu erfüllen, in die Gott uns ge­stellt hat. Wir wollen daran gehen, ein Reich zu bauen, das noch nicht Wirklichkeit ist, das aber durch unser Tun und Leben Wirklich­keit werden soll. Gott tebt noch und offenbart sich immer aufs neue in den Menschen, die seines Geistes voll sind. Auch heute noch sind Wunder möglich, in den Stunden der Not er­rettet und erwählt der Allmächtige; viele sind berufen, aber wenige nur auserwählt. Spätere Geschlechter werden uns beneiden um das, was wir erleben und miterleben durften. Jeder hat die Freiheit, feine Pflicht zu tun und der Stimme Gottes in seiner Brust zu folgen, der ihm sagt: Verstehe die Vergangenheit, erfasse die Gegenwart, hilf an der Zukunft des deutschen Volkes zu bauen und wirke dann mit, daß das Reich fest steht, daß es bleibt, das du dein Deutschland nennst, dein Deutschland über alles!"

Die pflicht gegen Gott.

Reichsminister Kerrl hat seiner Fuldaer Rede eine ähnliche in Hagen folgen lassen. Sie hat gewisse Er­gänzungen gebracht, sie bildet aber in ihren wesent­lichen Teilen erneut eine Unterstreichung der natio­nalsozialistischen Grundsätze auf religiösem und welt­anschaulichem Gebiet. Völlige Sicherung der Glaubensfreiheit ist der eine Eckpfeiler der nationalsozialistischen Politik, positives Chri­stentum der Tat der andere Pfeiler. Wenn Reichsminister Kerrl in Hagen etwas ausführlicher wurde und in eine Debatte mit den Männern ein­trat, die das Wort Gottes auslegen, dabei aber oft Gegensätzlichkeiten zwischen der christlichen Religion und der nationalsozialistischen Weltanschauung zu konstruieren suchen, so waren seine Feststellungen nötig, um klarzulegen, daß es derartige Gegensätz­lichkeiten überhaupt nicht gibt. Religion ist so sagte er, daß wir wissen was wir tun. Auf die Tat kommt es also an. Wer aber die Tat mit der Vernunft in Einklang bringt, der kann nicht anders als den Bahnen folgen, die uns Gott vorgezeichnet hat. Dazu gehört die Erhaltung der Art, der Rasse und der Nation. Jedes Volkes Gabe ist eine göttliche Verpflichtung, die da lautet, fo zu handeln, wie es das Blut in unseren Adern fordert. Dieses Blut verlangt aber Erhaltung unserer Rasse und Behaup­

tung unserer Nation, wie es jeden Deutschen von jeher anhielt, der göttlichen Vorsehung zu gehorchen, die unser Volk schuf, ihr aufrecht und ehrfürchtig zu dienen und damit im Sinne positiven Christentums zu leben. Wahres Christentum wird vom National­sozialisten tagtäglich geübt. Es zeichnet sich durch die Tat aus, die auf Erhaltung und Stärkung der Schöpfung Gottes, zu der auch unsere Nation gehört, hinausläust. D. S.

Oer Chef der Präsidialkanzlei

Or. Meißner zumStaatsminister ernannt

Vertin, 1. Dez. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat verfügt, daß der Staats­sekretär und Ehef der Präsidialkanz­lei in Zukunft die AmtsbezeichnungStaats- Minister und Ehef der Präsidialkanz­lei des Führers und Reichskanzlers" führt und im Range den Reichsministern g l e i ch st e h t. Auf Grund dieses Erlasses hat der Führer und Reichskanzler den Staatssekretär Dr. Meißner zum Staatsmini st er ernannt.

fennung Nationalspaniens durch Japan de jure vollzogen. Auch die Regierung Mandschukuos hat beschlossen, Nationalspanien de jure anzuer- fennen. Das japanische Auswärtige Amt erklärte, General Franco bekämpfe das durch die Komin­tern aufgehetzte bolschewistische Spanien. Die Be­deutung der Anerkennung sei auch darin zu sehen, daß hierdurch die engen Beziehungen zwischen Deutschland, Italien und Japan erneut bewiesen worden seien.

Frankreichs Aufrüstung.

4,2 Milliarden für neue Lieferungen.

Paris, 2: Dezember. (DNB. Funkspruch.) Im Heeresausschuß der Kammer gab Kriegsminister D a l a d i e r der Hoffnung Ausdruck, daß die für 1938 vorgesehenen französischen Heeres- und Rüstungskredite den Bedürfnissen voll ent­sprechen. Er würde jedoch zusätzliche Kredite beantragen, falls sich herausstelle, daß die Kredite nicht ausreichen sollten. Daladier bezifferte die Aus­gaben für neue Rüstungsbauten und -Lieferungen im Jahre 1937 auf 4,2 Milliarden. Er habe von feiner Besichtigungsreife an die französische Nordost- gren.^e einen ermutigenden Gesamteindruck mitge­bracht.

Vor dem Marineausschuß der Kammer erstattete Kriegsmarineminister C a m p i n ch i über die Durchführung des Flottenbauproaramms Bericht. Das erste 35 000 - Tonnen - Linienschiff 3 e a n Bart" sei zu 55 v. H. fertig und werde 1939 in den Dienst gestellt werden können, das zweiteRichelieu" werde im kommenden Jahre bereit sein. Der Bau von Unterseebooten wickele sich befriedigend ab. Sämtliche neuen Kriegsschiffe, zuerst der KreuzerStraßburg", wür­den mit den neuesten Einrichtungen, vor allem mit Flugabwehrgeschützen, die sogar gegen Kriegsschiffe mit Erfolg angewandt werden können, ausgestattet. Auch auf den alten großen Kriegs­schiffen werde Flakartillerie eingebaut

Oie Frontkämpfer tragen die Fahne des Friedens.

Paris, 2. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die fran­zösische Regierung hat dem internationalen Aus­schuß der ehemaligen Frontkämpfer ein Bankett gegeben, an dem der Vorsitzende der französischen Frontkämpfergruppe, D e 5 b o n s, den Friedens­willen der französischen Frontkämpfer betonte, die ebenso wie im Krieg auch im Frieden ihre Pflicht tun wollten. Der Reichskriegsopferführer Ober­lindober erklärte:Wir tragen h i e Fahne eines ehrlichen aufrichtigen Friedens, an den wir glauben." Der Vorsitzende der ita­lienischen Gruppe, Delcroix, der amtsführende Vorsitzende des Internationalen Ausschusses, betonte in leidenschaftlichen Ausführungen den heiligen Kampf um den Frieden, den die ehemaligen Sol­daten als die Arbeiter des Friedens besonders wür­digen könnten.3m Kriege bestand die Tragödie der Tapferkeit, heute ist die Tragödie der Geduld gegeben; aber es gibt keine Tapferkeit ohne Ge­duld." Im Namen der französischen Regierung sprach Unterstaatssekretär d e Te s s a n , der im Weltkrieg als Unteroffizier gedient hat, für einen gerechten, ehrenhaften und sicheren Frieden, für den sich auch die französische Regierung, die zahl­reiche Frontkämpfer zähle, einsetze.

polnische Wirtschastspläne.

Warschau, 1. Dez. (DNB.) Im Sejm erklärte Vizeministerpräfident Kwiatkowski zum Vor­anschlag für den Staatshaushalt 1938/39, daß sich die Wirtschaftslage erheblich gebessert habe. Eine Abwertung der polnischen Währung sei heute nicht mehr möglich. Der Ausbau des Gdin- gener Hafens als Umschlagsstelle für den see­wärtigen Handel werde fortgesetzt werden. Der Ausbau des'neuen zentralen Jndu- striebezirkes um Sandomir leite eine Entwicklung ein, die 1941 von einem zweiten Plan abgelöst werden solle, der das Gebiet der Fküsse Bug, San, Dnjepr mit ßemberg als Mittelpunkt umfassen werde. Die West­gebiete würden vor allem durch den Bau des Kanals Warthe-Goplosee-Netze berück­sichtigt werden, der die Warthe mit der Weichsel und der Ostsee verbinde und die künstliche Grenze der früheren Teilgebiete beseitige.

Bären in freier Wildbahn.

Von 6. Weigel-Rößler.

Wenn man als passionierter Hochwildjäger durch eine Reihe von mehr als einem Dutzend von Jah­ren die einsamen Bergwälder und Hochtäler der Großen und Waldkarpathen, des Transsylvanischen Hochgebirges und des Balkans durchstreift hat, dann ist ein Zusammentreffen mit dem größten Vertreter unseres europäischen Raubwildes beinahe unvermeidlich.

Man hat mich wiederholt gefragt, ob der braune Bär gefährlich fei. Ich habe dazu nie anders ant­worten können als auch heute:Der Bär ist bei aller seiner Kraft und Schnelligkeit, deren letztere man ihm als Laie schlechthin kaum zutraut, ein gutmütiger und harmloser Geselle, solange man ihn ungestört seine Fährte ruhig ziehen läßt, nicht reizt und gar verwundet. Sieht er sich aber verfolgt, von Hunden gehetzt oder ohne jedweden Ausweg gänz­lich in die Enge getrieben, so ist er ein unglaub­lich mutiger und dem Menschen ein körperlich weit- überlegener Gegner. Ich halte es für ausgeschlossen, sich einem angreifenden Bären durch die Flucht ent­ziehen zu können. Der sonst so langsam und schwer­fällig erscheinende plumpe Koloß entwickelt in fei­nem weitausgreifenden Paßgange ein ganz er­staunliches Tempo! Ich bin Gott sei Dank weder bei überraschenden Begegnungen mit ihm, noch auf feiner Jagd in Verlegenheit gewesen, mit ihm um die Wette zu laufen. Dafür aber habe ich es mir zweimal gefallen lassen müssen, von Bären nach absolut tödlichen Schüssen noch angenommen zu werden.

Daß es bfei der Jagd auf dieses wehrhafte, starke Raubwild ohne gefahrenvolle Wagnisse und n?rven° prickelnde Augenblicke nicht immer abgeht, ist selbst- verständlich. Wohl sind mir im Süden fast jährlich Einzelfälle bekannt geworden, in denen der Bär den Jäger übel zurichtete, wie auch ein einziges bedauerliches Ereignis, bei dem der offenbar ge­reizte Bär von zwei beerensuchenden Kindern ein Mädchen zerriß im allgemeinen und besonderen aber gehört jenes Ammenmärchen natürlich in die Fabel, wonach er ohne weiteres angreife und den niedergeschlagenen Menschen etwa gar auffrefje.

Von jenen Begegnungen will ich nachfolgend et­was erzählen, die für beide Teile Harm- und schmerzlos verliefen. Im Herbst 1922 stieg ich im Fogaraser Gebirge nach einer erfolglosen Pürsche auf Gamswild verspätet talwärts, um die klejne, einsame Blockhütte drunten im Winkel zweier zu­sammenlaufender Hochtäler zu erreichen. Die Nacht hatte mich auf halbem Wege überrascht. Rechts Almwiese, links hochstämmiger Fichtenwald. Der Schweißhund lief einige Schritte vor mir, retirierte plötzlich mit eingezogener Rute und verkroch sich hinter meinen Beinen. Gleich darauf ertönte aus nächster Nähe des Hochwaldes, dessen Stämme ich vor Dunkelheit schon nicht mehr zu unterscheiden vermochte, ein tiefes Brummen. Ich wußte augen- blicks, woran ich war, riß den Mannlich-Schönauer von der Schulter und machte mich schußfertig So stand id) minutenlang. Der Hund verhielt sich zum Gluck ruhig und ich vernahm, wie der Braune nach mehrmaligem Brummen tappend ins Dunkel wei­terzog der Deutlichkeit aller hörbaren Laute nach, recht unangenehm nahe von mir. Es wäre wohl ein ungleicher Kampf geworden, bei dem das erste Frühlicht da oben wohl eher einenkranken Mannals einen erlegten Bären beschienen hätte.

Ein andermal. Heiß lag die Sonne auf steilen grauen Felsen über der Waldregion, an denen ich gerade mehr klebte, als ich schritt. Auf einem kaum meterbreiten Rande fußte ich vorsichtig an der Felswand schräg talwärts, um hinunter zum Hoch­walde zu gelangen. Linksseitig mauersteil aufstre­bendes Gestein, rechter Hand 80 bis 100 Meter tief bis zur Waldsohle senkrecht abfallender Fels. Nach einer Wendung des schmalen Bandes um eine breite Felsnase erblickte ich etwa 30 Meter vor mir einen gemächlich auf mich zuschreitenden, sehr feisten Bä­ren, der offensichtlich ganz ahnungslos fürbaß zog. Nicht schießen!" war mein erster Gedanke, denn die Entfernung war viel zu gering. Trotzdem flog für alle Fälle die treue, zuverlässige Büchse an die Backe. Ich drückte mich hart an ditz Felswand. In­zwischen aber hatte Meister Petz Wind von mir bekommen, richtete sich etwa 20 Meter vor mir auf und verhasste. Brummend zog er die Witterung durch den Windfang und blinzelte mich überrascht aus seinen kleinen Lichtern an. Unwillig und lauernd stand er übermannshoch auf den hinteren Pranken erhoben und wankte, stetig Wind von vory.

und hoch aus der Luft saugend, mir noch zwei, drei unsichere Schritte entgegen.

Es war ein prächtiger Anblick und ein ebenso drolliges Bild, den langzottigen, braunen Koloß so unschlüssig wenige Meter vor mir zu sehen, wenn es nicht zugleich auch für mich eine absolut hilf­lose und heikle Situation bedeutet hätte. So maßen wir uns eine unendlich lange Minute Auge in Auge, bis es dem anderen endlich einfiel, nieder­zugehen, sich halb zur Seite zu drehen und leise vor sich hin zu brummen. Dann warf er sich herum und zog in eiligem, langen Paßgang ab. Mehr konnte ich dann nicht sehen. Vorspringender Fels verdeckte mir die weiteren Geschehnisse.

Im Vorwinter des Jahres 1929 machte ich bei frischem Matschschnee zur Mittagszeit einen Rund­gang im Reviere Sv. P. in den Großen Karpathen, das Bären als Standwild beherbergte. Mit dem Heger war ich schon ziemlich hoch gestiegen. Als wir im Begriffe standen, eine kleine Bergwiefe zu überqueren, wechselte eine alte Bärin über die Wiesenfläche. Mitten im Paßgange wurde sie so­fort hoch und stellte sich uns. Wir waren beide schlecht bewaffnet. Ich trug ein kleinkalibriges Ku­gelgewehr und dazu nicht das eigene und der Heger nur eine Schonzeitflinte. Auch hier mußte der Schuß im Laufe bleiben; wir standen zu kurz. Nach unschlüssigen, pendelartigen Bewegungen ging die alte Tante endlich nieder und zog höchst unver­gnüglich brummend eilig zu Holze.

Der Revierherr selbst, in dessen Kastell manch schöne Bärendecke an den Wänden hing, sah sich vor Jahren in diesem Bergwalde auf einmal drei Bären, einer Bärin mit zwei erwachsenen Jungen gegenüber. Er schoß nicht, weil er gleichfalls auf ZU kurze Distanz beinahe mitten unter sie geraten war. i

Unglücksfälle unerschrockener Berufsjäger im Kampfe mit Bären wiederholen sich in diesen ßän= öern jährlich, und ich entsinne mich einer Reihe oon Fällen, die die Einlieferung der Schwerverletz­ten ins Krankenhaus zur Folge hatten Allein die Manner dieser Gebirge sind w^karg, beschei­den und stumm und nur selten ein: I bringt eine Kunde aus ihren stillen Tälern zu uns.

Romantische Laufbahn eines zaristischen Offiziers.

In den Kreisen der russischen Emigranten, die in den baltischen Ländern leben, wird das roman­tische Schicksal eines früheren Offiziers im Zaren­heer lebhaft erörtert, der in den ersten Jahren nach der Auswanderung sein Leben als Landarbeiter fristen mußte, und von dem man jetzt erfahren hat, daß er eine sehr einflußreiche Persönlichkeit am Hofe von Iran geworden ist. Im Jahre 1900 wa­ren einige junge Kosakenoffiziere, unter ihnen der Leutnant Milovanski, von der russischen Regierung nach Teheran geschickt worden, um die persischen Truppen auszubilden. Unter den persischen Sol­daten, die Milovanski zur Verfügung gestellt wur­den, befand sich Risa Pechlevi, ein sehr begabter junger Mann, der unter der Anleitung des russi­schen Offiziers in wenigen Jahren sich zu einem ausgezeichneten Soldaten entwickelte. Auf Vorschlag Milovanskis wurde Risa in die Offiziersschule von Teheran geschickt. Im Jahre 1905 trennten sich der russische Offizier und sein persischer Schützling, weil jener nach Moskau zurückgerufen worden war.

Als die bolschewistische Revolution ausgebrochen war, wanderte Milovanski nach Bulgarien aus, als Landarbeiter gekleidet, und verdiente für sich und seine Familie mühselig sein Brot. Eines Tages las der frühere Offizier eine Zeitung und fand darin die Nachricht, daß der Schah von Iran Risa Pech- levi war, niemand anderes als sein früherer Schüb­ling, der in der Zwischenzeit eine außerordentliche Laufbahn im persischen Heer zurückgelegt hatte, Oberbefehlshaber des Heeres, dann Kriegsminister, dann Regieruntzsoberhaupt und schließlich 1925 Schah von Iran geworden war. Milovanski ent­schloß sich, einen Brief an seinen früheren Schütz« ling zu schreiben, und nach einiger Zeit kam in der Tat aus Teheran ein Brief °mit der Unterschrift des Schahs an den früheren Offizier, mit der Ein­ladung, nach Iran zu kommen; ein Anweisung in Dollar lag bei. Milovanski ist heute in Teheran, und es heißt, daß er am Hofe des Schahs eine ein­flußreiche Persönlichkeit ist; nachdem er persischer Bürger geworden ist, heißt er nicht mehr Milo­vanski, sondern Mokadan Verba, und er leitet den Mailiche» Marstall, _____