Aus der engeren Heimat
ger
Chores, der uuf |einer vollen Höhe stand, und der überaus herzliche Beifall, den die Lieder fanden, war wohlverdient für den Dirigenten Sommer, als auch für die Sänger selbst. Es war ein selten schönes Zusammensein unter den alten Bäumen des Parkes, für den Chor besonders wertvoll und anspornend durch die allseitige Anerkennung seiner Leistungen. Und so fuhr man denn recht befriedigt nach Hause nach all dem Schönen, das man hatte sehen und erleben dürfen.
0 Hungen, 1. Juni. Dix hiesige Gruppe des B D M. und der I u n g m ä d e l führte am Samstag und Sonntag ihre sportlichen Wettkämpfe durch. Am Sonntagnachmittag waren auf dem Neuen Marktplatz allerlei sportliche Vorführungen und Reigentänze. Sie wickelten sich auf diesem geräumigen Platz bei sonnigem Wetter sehr schön ab und lockten eine ansehnliche Zahl von Zuschauern an. Den Schluß bildete die Siegerinnenehrung. Besonders groß war die Zahl der Teilnehmer an dem von den veranstaltenden Mädel-
schen Sängerfest in Breslau, und dem Auslands zeigen, daß auch die deutsche Sängerschaft mit frischem Mut und starker Zähigkeit an die Aufgabe herangegangen ist, die ihr vom Führer gestellt wurde. Das Breslauer Fest wird beweisen, daß wir alle zusammenstehen unter einem Führer und daß uns nichts davon trennen kann.
Auch bei diesem Wertungssingen konnten wieder einige Sangesbrüder für ihre Treue zum Lied, Volk und Vaterland von dem Sängergau XII ausgezeichnet werden, und zwar für 25jährige Dirigententätigkeit Chorleiter Wigand Gernhardt mit der Ehrennadel unter gleichzeitiger Ernennung zum Ehrenchormeister: mit der Ehrennadel für 50- jährige Sängertätigkeit unter gleichzeitiger lieber» reichung des Ehrenbriefes wurden die Sangesbrüder Schmidt und Rolshausen (LiedertafelLauns- bach), für 40jährige Sängertätigkeit Sangesbruder Heibertshausen (Sängervereinigung Lollar) und mit der Ehrennadel für 25 Jahre die Sangesbrüder K. O p p e r (Sängerlust Daubringen) und Schultheiß (Gesangverein Daubringen) ausge- zeichnet. Diesen Altveteranen des deutschen Liedes brachte die Sängerschaft mit dem Deutschen Sängergruß ihre Glückwünsche dar.
Bürgermeister Rinn, der zugleich im Namen der Ortsgruppe Heuchelheim der NSDAP, sprach, hieß die Säuger herzlich willkommen und wünschte
** Städtische Heugras - Versteigerung. Am kommenden Montagvormittag und Nachmittag soll das Heugras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden.
** Oeffentliche Bücherhalle. Im Mai wurden 1756 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 21, Gedichte und Dramen 14, Erzählende Literatur 1078, Jugendschriften 290, Länder- und Völkerkunde 80, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 169, Kunstgeschichte 4, Naturwissenschaft und Technologie 41, Heer- und Seewesen 17, Haus- und Landwirtschaft 8, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschaft 23, Sport 2 Bände. Nach auswärts kamen 13 Bände.
Große Strafkammer Gießen.
Gegen den wegen widernatürlicher Unzucht bereits vorbestraften K. F. aus Gleiberg war vor der Großen Strafkammer Anklage erhoben, weil er in Gießen in den Jahren 1934 und 1935 fortgesetzt widernatürliche Unzucht getrieben hat. Die Beweisaufnahme ergab die Richtigkeit der ihm zur Last gelegten Delikte. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Gefängnis st rase von 10 Monaten.
Der H. S. aus Homberg (Ohm) stand unter Anklage, im Jahre 1936 in mehreren Fällen Gelder, die er empfangen und in Gewahrsam hatte, sich rechtswidrig zugeeignet zu haben. Er hatte Gelder der Zweigstelle der Ortskrankenkasse für sich verbraucht. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von 7 Monaten. Das Gericht verneinte die Beamteneigenschaft des Angeklagten und verurteilte ihn wegen Vergehens gegen das Reichsversicherungsgesetz zu einer Gesamtge - fängnis strafe von 5 Monaten.
Gäneerfest in Heuchelheim.
Wertungssingen der Gruppe II des Scingerkreises Gießen.
Bei herrlichstem Sonnenschein zogen am Sonntag mit frischfrohen Marschliedern die Gesangvereine in frühester Stunde in Heuchelheim ein, das zu Ehren der Sänger reichen Fahnenschmuck angelegt hatte. Die geschmückte Turnhalle nahm die Sänger auf, die durch ein Wertungssingen Zeugnis ablegen sollten über die Fortschritte des vergangenen Jahres. Wertungsrichter war Musikoberlehrer H. Samper, Darmstadt.
Die Heuchelheimer Gesangvereine „Liederkranz", „Teutonia" und „Germania" hatten alles aufs Beste vorbereitet. Sangesbruder B e p l e r, „Liederkranz" Heuchelheim, begrüßte die Besucher herzlich und wies auf die Arbeit hin, die den Gesangvereinen im neuen Deutschland zufällt. Durch den Vortrag je zweier Lieder unterzogen sich folgende Gesangvereine der Kritik: „Liederkranz" Heuchelheim (Wigand Gernhardt), „Germania" Wißmar (W. Bittendorf), „Eintracht" Klein-Linden (Gg. Harnisch), „Teutonia" Heuchelheim (O. Bender), „Gesangverein Daubringen" (L. Schreiner), „Einheit" Allendorf a. b. Lahn (R. Häuser), „Liederkranz" Odenhausen (Hch. Velten), „Frohsinn" Lang-Göns (Hch. Blaß), „Harmonie" Klein-Linden (W. Spory), „Turn- und Gesangverein Lollar" (Ph. Groß), „Sängerlust" Daubringen (R. Häuser), „Harmonie" Großen-Linden (W. Schüttler), „Germania" Lang- Göns (Herm. Haustein), „Gesangverein Salzböden" (E. Schön), „Gesangverein Ruttershausen" (K. Ni-
RUHL Sellersweg Nr. 67
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Nach dem Wertungssingen begaben sich die Sän- „ ■ gegen 12.30 Uhr gemeinschaftlich zum Adolf- Hitler-Platz zur Kundgebung, die nach Sängerart mit dem Deutschen Sängergruß eröffnet wurde. Sodann folgten zwei Massenchöre, gesungen von über 1000 Sängern unter der Stabführung von Kreischormeister Blaß. Sängerkreisführer Müller (Gießen) richtete hierauf Worte der Begrüßung an die Sänger- und die Zuhörerschaft und dankte der Gemeinde für die liebevolle Aufnahme der Sänger. Erneut habe bei dieser Veranstaltung die Sängerschaft unter Beweis gestellt, daß sie mir Ernst an der Lösung der nationalen Aufgabe, der Erhaltung und Pflege des deutschen Liedgutes mitarbeite. So wie hier im kleinen Rahmen, so wollen wir auch im großen zusammenstehen bei dem Deut-
Gruppen- und Dolkskkn'eßen.
Zum 4. Male veranstaltet der Schützenoerein e. V. in Gießen am 6. Juni auf seinen Schießständen bei dem Schützenhaus ein Gruppen- und Volksschießen. Seine drei Vorgänger erfreuten sich bei der Bevölkerung der Stadt Gießen, wie auch der engeren und weiteren Umgebung großer Beliebtheit, so daß auch diesmal ein Gleiches zu erwarten sein dürfte. Alle Volksgenossen können sich an dem Schießen beteiligen. Die Kampfschützen des Schützenvereins schießen nicht mit, so daß für die übrigen Volksgenossen die Aussicht auf Erringung eines Preises größer ist. Für Formationen findet das Gruppenschießen unter den bekannten Bedingungen statt.
Schießen ist Volkssport, alle Volksgenossen sollten sich beteiligen!
Tagung der Leiterinnen der Orts- frauenschasten des Kreises Wetterau.
In Gießen im „Burghof" kamen die Leiterinnen der Ortsfrauenschaften zu einer Tagung zusammen. Frau W r e d e wies in kurzen Worten auf die erschütternde Nachricht von unserer Marine an der Küste Spaniens hin und bat die Anwesenden, sich zu Ehren der Toten von ihren Sitzen zu erheben. Nach dem Lied: „Grüßet die Fahne, grüßet die Zeichen!" eröffnete Frau Wrede die Tagung mit herzlichen Begrüßungsworten und einem Leitwort des Führers. Sie nahm dann eine Menge geschäftlicher und organisatorischer Fragen durch.
Hierauf sprach Frl. S u ß l i ck aus Frankfurt, Jugendgruppenführerin des Gaues Hessen-Nassau, über die Zusammenfassung der jungen Mädchen, die nach der Zeit im BDM. in die Frauenschast oder das Frauenwerk übergehen, in Jugendgruppen. Es gilt auch, den jungen Mädchen, die überhaupt noch keiner Organisation angehören oder die aus dem Arbeitsdienst kommen, eine Wirkungsstätte zu geben, einen Kreis gleichaltriger Genossinnen, zu dem sie gehören, bei dem sie sich einleben können in die Arbeit des Frauenwerks. In frischer Kameradschaft sollen diese Jugendgruppen in den einzelnen Ortschaften der Frauenschaft helfend zur Hand gehn: sie werden die Fest- und Feiergestaltung übernehmen und durch Musik und Volkstanz die Pflichtabende verschönen. Auch bei den Kinderscharen und bei den Erntekindergärten können die Mädchen als Laienhelferinnen sich betätigen. In den Gruppen werden besonders der Sport und die täglichen Leibesübungen zur körperlichen Ertüchtigung beitragen.
Die Besucherinnen folgten dem Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. Es folgte eine lebhafte Aussprache. Frau Wrede stellte den Frauen die Jugendgruppenleiterin des Kreises Wetterau, Fräulein Schwengber, vor und schloß dann die Tagung in der Üblichen Weise. F. K.
ihnen recht frohe Stunden in Heuchelheim. Mit dem Gruß an den Führer fand die Kundgebung ihren Abschluß. Nach dem Essen fanden sich Wertungsrichter H. Sump er, alle Chorleiter und eine große Anzahl Sangesbrüder zur K r i t i k im Saale der Turnhalle wieder ein. Der Wertungsrichter besprach die einzelnen Chöre und wies auf die noch vorhandenen Fehler hin. Jeder Chorleiter konnte erkennen, an welcher Stelle er noch anzusetzen hat. Der Wertungsrichter konnte auch der Gruppe II abschließend das Urteil sehr guter Leistungen geben, die nur in ganz geringen Fällen noch kleinerer Verbesserungen bedürfe. Die Leistungen stünden weit über dem Durchschnitt. Geradezu erstaunlich ei im Sängerkreis Gießen die Heranziehung der Jugend zum deutschen Lied, die in überwiegendem Maße im hiesigen Sängerkreis anzutreffen sei.
Die Sänger verlebten in dem gastfreien Heuchel- heim noch einige recht frohe Stunden in guter Kameradschaft. Den drei Heuchelheimer Gesangvereinen kann man Dank sagen für ihre große Mühe um die wohlgelungene Verunstaltung.
Ein Aufruf
der NS.-Gtudentenkampfhilfe.
NSG. Die Mitgliederzahl der NS.-Studenten> kampfhilfe (Altherrenbund Deutscher Studenten) des Gaues Hessen-Nassau ist gegewärtig die höchste von sämtlichen Gauen des Reiches. Aus diesem Anlaß richtet der Gauoerbandsleiter der NS. - Studentenkampfhilfe, Gaupersonalamtsleiter Hey f e , folgenden Aufruf an die Altakademiker, Altfachschuler und Freunde der studentischen Ju- gend des Gaues:
„Bereits vor der grundlegenden Rede des Reichsstudentenführers Scheel auf der Münchner Groß- kundgebung am 13. Mai 1937, haben viele Alte Herren dem Aufruf unseres Gauleiters zum Eintritt in die NS.-Studentenkampfhilse Folge geleistet. Es ist dem Gauoerband Hessen-Nassau gelungen, i m •Reid, an hie e r ft e Stelle zu gelangen. Ich danke den Alten Herren, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Die wertvolle Tradition, die durch die Begriffe Freiheit, Ehre, Va- terlaub vermittelt ist, wird von den nationalsozialistischen Studenten fortgeführt und unter dem Gesetz der nationalsozialistischen Weltanschauung auf das gesamte Studententum erweitert. Damit ist der Weg zur Mitarbeit für alle freigemacht. Nun noch länger ab* leite zu stehen und die Haltung des nur kritischen Beobachters einzunehmen, heißt die Idee der studentischen Selbsterziehung im entscheidenden Augenblick verraten! Die studentische Jugend kann mit Recht von uns ehemaligen Studenten erwarten, daß wir ihr aus nationalsozialistischer Verantwortung und im Interesse eines Verbandes der studentischen Gemeinschaften tatkräftig mit unseren Erfahrungen zur Seite stehen. Ich bitte alle, die bisher noch abseits standen, die Einigungsfront des Altherrenbundes der deutschen Studenten zu stärken und es als ihre Ehrensache zu betrachten, der Studentenkampfhilfe beizutreten."
Drei Beney»e bei einem Motorradunglück.
LPD. Büdingen, l.Juni. In der Nähe des Erbacher Hofes machte ein Motorradler mit Beifahrer aus Glashütten kurzen Aufenthalt auf der Straße. Einer von ihnen verweilte auf der Straße bei der Maschine, als ein anderer Motorradler mitBeifahrerauf dem Wege nach Eichelsachsen herankam und den auf der Straße stehenden Mann anfuhr. Während dieser zu Boden gerissen wurde, stürzten die beiden Motorradler in den Straßengraben. Alle drei mußten mit teils schweren, teils leichteren Verletzungen dem hiesigen Krankenhause zugeführt werden.
Landkreis Gießen.
8 Alten-Buseck, 1. Juni. Im hiesigen G e - meindewald fanden nunmehr die Kulturarbeiten ihren Abschluß. Es wurden im Laufe dieses Frühjahrs von neun Arbeiterinnen ungefähr hunderttausend Forstpflanzen gepflanzt, vor allem Buchen, Kiefern und Fichten. — In letzter Zeit ist festgestellt worden, daß in unseren Waldungen eine Frostspannerkalamität nicht unbedeutenden Schaden in den Eichenbeständen angerichtet hat. Der Schädling tritt in solchen Mengen auf, daß schon viele Bäume vollkommen kahlHeftessen sind.
gfs. Göbelnrod, 1. Juni. Einen schönen Ausflug unternahm die hiesige Frauenschaft mit den Mitgliedern des Frauenwerks am Sonntag zum „Tag des Handwerks" nach Frankfurt. Die Teilnehmerinnen kamen in der Festhalle gerade zu dem feierlichen Akt der Freisprechung der Lehrlinge und Gesellen, sie besichtigten die Ausstellung und unternahmen dann einen Rundgang durch die Altstadt mit Besichtigung des Römers. Den Abschluß bildete ein Besuch im Zoologischen Garten, der den meisten Frauen etwas ganz Neues bedeutete. Die frohe Fahrt wird allen in bester Erinnerung bleiben.
I Haufen, 31. Mai. Am Sonntag unternahm der hiesige evangelische Frauenchor seinen diesjährigen Ausflug. Die stattliche Schar von 63 Teilnehmern hatte sich zusammengefunden. Mit der Bahn ging cs durch die schöne, sonnenglänzende Landschaft nach Büdingen. Dort sang der Chor im Gottesdienst in der schönen großen Stadtkirche. Seine Lieder kamen voll und ganz zu wirkungsvoller Geltung. Nach dem Gottesdienst wurde die Stadt mit ihren vielen historischen Schönheiten unter sachkundiger Führung besichtigt und kurze Mittagsrast gehalten. Dann ging es mit der Bahn wieder heimwärts, und zwar bis Nidda und zu Fuß nach Bad Salzhausen, wo der Chor im Kurpark beim Kurkonzert Volkslieder vortrug. Groß war die Anteilnahme der Kurgäste an den Darbietungen des
colai), „Liedertafel" Launsbach (I. Schröder), „Ger- mania-Liederkranz" Kirch-Göns 0$. Schüler), „Germania" Heuchelheim (L. Schreiner), „Germania" Großen-Linden (Hch. Blaß), „Sängervereiniguna" Lollar (Hch. Meyer).
Die Gruppe II wies auch einige Gemischte Chöre, sowie einen Frauenchor auf, die ebenfalls eine hohe musikalische Stufe zeigten und das sonst übliche Wertungssingen, das sonst nur von Männerchören bestritten wird, von den anderen unterschieden. Hauptsächlich brachten die Vereine Chöre von Erk, Cornelius, Grim, Noack, Trunk, Silcher, Lewalter u. a. zu Gehör.
Organisationen gebotenen Volksgemei uschafts- abend im „Darmstädter Hof". Ein umfangreiches Programm enthielt in buntem Wechsel Lieder, Gedichtvorträge, Schattenspiele, Reigen u. dgl., meist aus dem altbewährten Schatz der volkstümlichen Ueberlieferung. Die Darbietungen waren nicht wahllos, sondern nach glücklichen Gesichtspunkten zusammengestellt, niemanden überfordernd, aber auch nicht banal. Die Mädels zeigten sich auch ganz bei der Sache, ihr Bestes zu bieten, und weckten in den Teilnehmern die Stimmung einer behaglichen Fröhlichkeit. Darum dürften auch die Worte der Gruppenführerin Hildrut Bock, in denen sie einleitend von dem Aufgabenkreis des BDM. sprach, sowie das Schlußwort des Ortsgruppenleiters Kirchhöser, in welchem er die Genugtuung der Teilnehmer über die Leistung der Juaend zum Ausdruck brachte, auf fruchtbaren Boden gefallen sein.
Kreis Büdingen.
8 R a n st a d t, 1. Juni. Am Sonntag ereignete sich bei dem benachbarten Babenhausen ein Unglücksfall mit ernsten Folgen. Landwirt und Gemeinderechner Lenz von Bellmuth war mit feinem mit einem Pferde bespannten Wagen auf dem Heimweg von Schwickartskauseu. Kurz vor Bobenhauseu erschreckte sein junges Pferd durch ein plötzlich seitwärts auftauchendes Fohlen, das heransprang, es ging durst) und raste eine drei Meter hohe Böschung auf der anderen Straßenseite hinunter, wobei der Wagen umkippte. Von den fünf Mitfahrenden erlitt eine Frau einen doppelten Vorderarmbruch, eine andere eine Gehirnerschütterung, die übrigen Personen kamen außer leichten Hautabschürfungen mit dem Schrecken davon.
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Vornan von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H.. Berlin
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Am nächsten Abend nahm Fogg Anna mit in die Stadt. Sie benötigte Schuhe, etwas Wäsche und ein paar andere Kleinigkeiten, die er ihr nun kaufen konnte. Donfas kärglicher Nachlaß war von den Beerdigungskosten aufgezehrt worden, ja, es hatte nicht einmal ganz gereicht. Mit Verwunderung hatte Anna damals auf die Ziehharmonika und die blaue Seemannshose gestarrt, weil sie sich nicht erklären konnte, wie diese Dinge in den Besitz ihrer Mutter kamen.
„Vielleicht hat deine Mutter das Zeug auf einer Christbaumoerlosung gewonnen, oder 'es stammt von jemand, der ihr was schuldig war. Zerbrich dir doch nicht den Kopf darüber!" hatte Fogg geschwindelt.
„Hör mal, Onkel Fogg, diese Hose werde ich behalten. Als Andenken. Und das Bandoneon auch. Ich habe von Gorch Pitter das Spielen gelernt. Das lasse ich nicht versteigern", hatte Anna gesagt. „Wenn ich mir zu der Hose einen weißen Pullover stricke — ist das was, meinst du?"
„In Schellenberg wirst du so ein Theater kaum machen können", hatte Fogg gebrummt.
„Daheim? Warum denn nicht?" Sie war von dem verrückten Gedanken mit dem Pullover nicht mehr abzubringen. Auch wollte sie manches über lhre Mutter wissen, und Fogg hatte gerade genug ZU tun, daß er sich durch dieses Gestrüpp von heiklen Fragen durchwand. Von ihrem Vater wußte Anna soviel wie nichts. Er war seit vielen, vielen Jahren tot, hatte ihr die Mutter gejagt; warum sollte sie daran zweifeln?
Und jetzt also ging das Paar Fogg-Anna durch die schönen, festlich beleuchteten Straßen Hamburgs, und kleine Pakete baumelten von den Händen. Das Fräulein aus Hamelskoog, bereits etwas fröhlicher im Gemüt, hatte sich bei ihrem Begleiter kameradschaftlich eingehängt und kam sich sehr beschützt vor. Sie zog den gutmütigen Fogg vor tausendundeine.
Auslage, und er mußte mit ihr all diese neuen und herrlichen Dinge bestaunen, die es im Umkreis Gorch Pitters nicht gegeben hatte. Nein, Hamelskoog hatte auch nicht entfernt Aehnliches aufzuweisen. Fogg bewunderte selbst seine überirdische Geduld und beantwortete die vielen aufgeregten Fragen, so gut er konnte. Anna war wie ein Kind, das einen großen Schmerz schnell vergißt und sich willig von fremden und blendenden Dingen einfangen läßt.
Zum Schluß führte er sie durch das Budenviertel von St. Pauli. Ein wenig Zerstreuung tat ihr not, und sie würde ähnliches ja nun lange nicht mehr baden. Als sie vor einer Schießbude standen, gab Anna keine Ruhe, bis auch er fein Glück versuchte. Ein molliger kleiner Teddybär stach ihr in die Augen. Fogg schoß den Teddybär heraus, und Anna war selia. Dann erklärte er ihr den Mechanismus eines Flabertftutzens und den einer Pistole. Er zeigte ihr, wie man zielen und abdrücken muß und worauf es ankommt. Weil sie beim Schießen einige Male patzte, war sie sehr unglücklich.
„Ich könnte mich ohrfeigen, weil ich gewackelt habe und es nicht so gut wie du mache, Onkel Fogg! Du bist ein feiner Schütze. Bist du auch stark?" erkundigte sie sich vor dem nächsten Stand, einem Kraftmesser.
„Furchtbar!" lachte er und gab dem torpedoähn- lichen, auf Schienen gleitenden Ding einen Stoß, daß es davonschnellte, und sich die kleine, an der Stirnseite angebrachte Patrone mit lautem Knall entzündete.
„Du bist ja schrecklich stark!" faate Anna bewundernd. „Und reiten kannst du wohl auch?"
„Ziemlich. Drüben verbringt man ja bas halbe Leben auf dem Pferd."
„Dann bist du genau wie Jost", sagte sie begeistert.
„Wie was?"
„Wie Jofi, der in meinem letzten Roman vorkam. Bei Gorch Pitter haben mir am Abend immer so Hefte gelesen, nöch. Der Wildschütze und die Grafentochter. Der Einsiedler am Starnberger See. Und Zuletzt die Blutgräfin Bathory. Huch, war das spannend! Und Josi war ein junger armer Förster, der alles konnte und die Gräfin entlarvt hat. Ist es dir recht, wenn ich dich ,Josi' nenne?"
„Ich finde ,Josi' ausgezeichnet", erwiderte Fogg mit gemachtem Ernst.
„Nöch? ,Josi' klingt viel besser als ,Onkel Fogg'." „Natürlich. Aber jetzt wollen wir heimgehen und ausschlafen. Morgen früh geht's nach Schellenberg. Komm, Anna!"
*
Von der Bahnstation nach Schellenbera sind zwei Wegstunden. Fogg hatte in der Bahnhofswirtschaft ein Handwägelchen entliehen für das Gepäck. Obenauf thronte, in Wachstuch gehüllt, das Bandoneon. Es war kein standesgemäßer Einzug für einen Arzt, sand Fogg und war unzufrieden. Aber Mietauto wollte er sich nicht leisten, damit der haarscharf ausgeklügelte Etat nicht umgestoßen würde. Zum Glück war es dunkel, als man anlangte.
Um neun Uhr rückten sie vor seinem elterlichen Haus an, das gleich am Ortseingang stand. Einige Sterne schwammen blaß und beziehungslos am dämmerigen Firmament. Irgendwo bellte ein Hund, langgezogen und klagend. Fogg schob den Riegel des Gartenpförtleins zur Seite und sagte: „Nun sind wir da, Anna." Er stellte fest, daß viele Zaunlatten fehlten und ein Fensterladen schief in den Angeln hing. Auch eine Scheibe wir zerbrochen. Acht Monate sind eine Menge Zeit für ein herrenloses kleines Haus.
Fogg drückte auf die Klinke der Haustür. Sie gab nicht nach, natürlich. Der Schlüssel war ja beim Bürgermeister. Fogg vergaß seine Begleiterin und lehnte die Stirn an den Türpfosten. Dieses Stück Holz, wurmstichig und vom Alter gebeizt, war Heimat und Erinnerung. Doktor Fogg, ein trotz seines zupackenden Wesens stark nach innen lebender Mensch, hatte ein paar Sekunden lang das durch nichts bearünbete Gefühl: Jetzt muß ber Vater ben schiefen Laben aufstoßen unb poltern: Kommst bu enblich heim, bu Ausreißer? War eine schöne Dummheit, so davonzulausen! Wart, ich mach' bir auf!'
Aber niemand stieß einen Laden auf.
Fogg liebkoste mit seinen Fingern das rissige Holz, dann drehte er sich rasch herum. „Die Koffer schieben wir einfach unter das Vordach. Da stehen sie gut. Und jetzt müssen wir vor allem zum Bürgermeister."
Anna, naiv zwar, aber auch helläugig, hotte unterdessen die Umgebung gemustert. Sie sand alles ein bißchen zu bescheiden für einen künftigen Arzthaushalt. Das Anwesen Gorch Pitters war entschie
den ansehnlicher gewesen. Sie fror und hauchte ihre Nasenspitzen; auch müde war sie und sehnte sich nach einem Bett.
„Kuck, beim Bürgermeister haben sie noch Licht!" freute sich Fogg. Ein kohlrabenschwarzer Zottelhunb mit feurigen Augen belferte Hinterm Zaun, als Fogg bei Gsodmair ans Fenster trommelte. Licht» halfen fielen auf die Dorfstraße.
„Stefan, ich bin's — der Fogg!"
„Mas, der Josef! Grüß dich Gott! Laß dich an- Ichauen. Gut siehst aus. Und das ist wohl deine Frau, wenn man fragen darf? Eine saubere hast dir da ausgesucht, Respekt! Kommt nur 'rein, alle Zwei!" begrüßte sie ber Bürgermeister und hielt den Hund am Halsband.
„Nicht meine Frau, meine neue Hauserin", stellte Fogg richtig und sah ein wenig verlegen drein. Der Gsodmair ist auch nicht jünger geworden, dachte er. Hübsch viel graue Haare hat er. Ist doch bloß etliche Jahre älter als ich. Aber sonst ist er ganz wie früher. Groß, sehnig, echte Waldlergestalt.
„Meine Alte ist bereite im Bett, müßt schon entschuldigen! Sie ist nicht recht wohlauf feit einigen Wochen. Die kriegst du nächstens auch in die Kundschaft, Josef. Schön, baß bu hergefunden hast. Host fentlich hältst du aus und macht's es nicht auch wie die anderen?^
„Kennst du mich so schlecht?" Da müßt' schon was Besonderes daherkommen, Gsodmair. Drüben roar’s auch kein Honigschlecken, laß dir sagen." , „Reich wirst bu hier nicht, das weißt bu so", meinte ber Bürgermeister, seinen Besuch in die große Wohnstube führend. „Aber wenn bu uns brauchst, man kann nie wissen, bann sind wir da. Es war schon ein arges Gesrett ohne Doktor. Unb ben vor Urfahrn hersprengen, ben weiten Weg, war auch so eine Sache. Also, guten Einstand. Josef!" Er hielt Fogg seine Hand hin.
Dies war eine außerordentliche lange Rede für den wortkargen und bedächttgen Mann. Hierherum war man nicht übermäßig gesprächig. Aber wenn sie ein Wort aus sich herausquetschten, dann hatte es Hand und Fuß und saß.
„Habts schon zu Abend gegessen?"
„Wir möchten dir keinen llnmuß machen, Stefan. Ich bin bloß um die Schlüssel gekommen."
Fortsetzung folgt.


