Heizer Trappil, Obermatrose Haue iß, Heizer Bocksdecker, Obermatrose Valentin, Heizer K a e d e r, Obermatrose Bielefeld, Heizer Lehmann, Obermatrose Engelbarts, Heizer N e u m ann , Obermatrose Reimers, Heizer Kreiß, Obermatrose C a st r u p , Maschinistenmaat D i e k a m p , Stabsfunkgast Rieht, Maschinistenmaat Graumann, Stabsfunkgast Wolf, Oberzimmermeistergast D e h a r d e, Stabsfunkgast Wolff, Kantinenpächter Winter, Funkgast Fritsche. Am Mittwoch werden vier 2l r - mee-Krankenschwestern in zwei Flugbooten der englischen Luftflotte nach Gibraltar befördert werden, um bei der Pflege der im Militärlazarett liegenden deutschen Matrosen behilflich zu sein. Die Flugboote werden ohne Zwischenlandung die 1070 Seemeilen lange Strecke zurücklegen.
,/Giuöoö de Barcelona" lief auf eine Mine.
St. Jean de Luz, 2. Juni. (DNB.) Während von sowjetspanischer Seite über den Untergang des Schiffes „Ciudad de Barcelona" behauptet wurde, die Versenkung sei durch ein U-Boot erfolgt, gibt die nationalspanische Presse folgende Aufklärung: „Das Handelsschiff „Ciudad de Barcelona" ist gestern um 1.30 Uhr mittags auf eine Mine gestoßen und mit seiner aus 110 Mann bestehenden Besatzung untergegangen."
Zu dieser Meldung schreibt der „Völkische Beobachter": Es bestätigt sich erneut, daß die Bolschewisten in ihrer Verlogenheit und Scheu vor der Wahrheit jedesmal, wenn sie In eine der von ihnen selbst angelegten Gruben hineinfallen, sofort mit einer völlig aus der Luft gegriffenen „Erklärung" zur Hand sind. Das imagiäre „U-Boot unbekannter Nationalität" mit einer kleinen Andeutung seiner deutschen bzw. italienischen Herkunft ist geradezu schon zu einem täglichen Gebrauchsmittel geworden. Wir erinnern nur an die Torpedierung der „Jaime I." im Hafen von Valencia und des englischen Zerstörers „Hunter", die nachher immer durch eine bolsche- wistische Mine zerstört wurden.
Nie 6rtHfche Wehrsteuer Zurückgezogen.
Chamberlain kündigt neue Steuervorlage an. — Die Presse sehr befriedigt.
London, 1. Juni. (DNB.) Im Unterhause griff der konservative Abg. Winston Churchill die Wehrbeitrags st euer, durch die der Mehrverdienst der Industrie besteuert werden sott, scharf an und legte dem Schahkanzler nahe, diese Steuer zurückzuziehen. Churchill erklärte, daß großer Verdienst meistens damit Zusammenhänge, daß der Kaufmann den Mut zu einem Risiko aufbringe. Es sei daher falsch, einen solchen Unternehmungsgeist besonders zu besteuern. Nachdem auch die Arbeiterpartei an dem Gesetz Kritik geübt hatte, erklärte Ministerpräsident Chamberlain, daß der Schatzkanzler andere Vorschläge mit dem Ziel ausarbeiten werde, eine einfachere Be- ftcuerung der Gewinne der Industrie zu finden, die nicht weniger als 25 Millionen Pfund jährlich erbringen sollte. Damit ist die viel umkämpfte Wehrbeitragssteuer in ihrer ursprünglichen Form gefallen. Der Antrag der Labour Party, das Finanzgesetz abzulehnen, wurde mit 340 zu 149 Stimmen abgelehnt. ♦
Die Londoner Presse beurteilt die Zurückziehung der Wehrbeitragsoorlage sehr günstig. Die Wehrbeitraassteuer sei sowohl im Unterhaus wie in den interessierten Kreisen des Landes Höch st unpopulär gewesen. Durch sein kluges Vorgehen habe Chamberlain an Ansehen gewonnen. So schreibt der „Daily T e l e g r a p h", der Wehrbeitrag sei ein Fehler gewesen, der nun berichtigt worden sei, nicht, weil die besitzenden Kreise Englands unruhig gewesen seien, sondern weil man von der Vorlage nicht das hätte erwarten können, was gewünscht war. — Die „Time s" erklärt, Chamberlain habe mit der Zurückziehung der Vorlage die Achtung vor der Ansicht des Unterhauses zum Ausdruck gebracht. Selbst die größten und angesehensten Staatsmänner seien immer klug genug gewesen, die Grenzen ihrer persönlichen Autorität zu erkennen. — „Daily M a i l" schreibt, das Land werde Chamberlain für seinen entschlossenen und staatsklugen Akt bewundern und schätzen. Er habe damit bewiesen, daß er ein Mann kühner Entschlüsse sei. — Der sozialistische „Daily H e r a l d" meint, der Arbeitsantritt der neuen Regierung sei wenig eindrucksvoll gewesen. Der Ministerpräsident habe die Vorlage als einen Fehlschlag zugegeben und habe sich zu der Tatsache bekennen müssen, daß die Vorlage ungerecht und unreif gewesen sei.
OieTaguna desReichsbundes her K'nderreichen
Reichsminister Dr. Goebbels wird in Frankfurt sprechen.
NSG. Reichsminister Dr. Goebbels, der Schirmherr des Reichstreffens der Kinderreichen, wird am Sonntag, den 6. Juni 1937, auf der Kundgebung am Frankfurter Messegelände eine Ansprache halten. Bei dem Reichstreffen des RDK. werden auch die er st en 800 Ehrenbücher der deutschen Familie von Reichsbundesleiter Stüwe ausgegeben werden. Der Reichsbund der Kinderreichen hat aus zwei Gedankengängen heraus das Ehrenbuch der deutschen Familie geschaffen, einmal um der deutschen Familie eine Urkunde zu geben, die sie mit Stolz erfüllt und ihr immer wieder vorstellt, daß Kinderreichtum in erster Linie nid)t Rechte, sondern Pflichten in sich birgt, nämlich ein gesundes Geschlecht heranzuziehen. Der andere Gedanke war, dem Inhaber des Ehrenbuches alle Tore zu öffnen, die das neue Deutschland durch die Partei, den Staat und die Behörden für die kinderreiche Familie erschlossen hat. Das vom RDK. geschaffene Ehrenbuch ist mit Unterstützung des Reichsministers Dr. Frick und des Rasfenpolitischen Amtes der NSDAP, entstanden. Das Buch soll eine reinliche Trennung zwischen der asozialen, verantwortungslosen und erbbiologisch minderwertigen Großfamilie und der förderungswürdigen kinderreichen Familie herbeiführen. Es wird dabei ange- -strebt, daß das Ehrenbuch künftighin öffentlichen Urkunden gleichgestellt wird. Für das Ehrenbuch wurde eine würdige und praktische Form gefunden. Auf der dritten Seite befindet sich folgende Eintragung: „Dieses Ehrenbuch weist die Familie, für die es ausgestellt ist, als deutschblütige, geordnete, kinderreiche und förderungswur- o i g e Familie aus."
Eine deutsche Rote an den Vatikan.
NieNeckung derAnariffeMundeleins hat dieVoroustetzuna für normale Beziehungen beseitigt
Berlin, 1. Juni. (DNB.) Die aus der Presse bekannten unqualifizierbaren Beleidigungen, die der Kardinal Mundelein vor kurzem in Chikago gegen das deutsche Staatsoberhaupt und Mitglieder der Reichsregierung ausgesprochen hat, haben der Reichsregierung Anlaß gegeben, hiergegen am 24. Mai bei der Kurie schärfsten P r o t e st zu erheben. Wie wir erfahren, hat der Kardinalstaatssekretär aus diesem Protest nicht die sonst im internationalen Verkehr in derartigen Fällen selbstverständlichen Folgerungen gezogen, sondern in einer am 25. Mai übermittelten Erklärung eine Haltung eingenommen, die die Reichsregierung zu einem neuen Schritt bei der Kurie gezwungen hat. Das nähere ergibt sich aus der nachstehenden Note, die der deutsche Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl am 29. Mai dem Kardinalstaatssekretär übermittelt hat.
„Der deutsche Botschafter beim heiligen Stuhl hak vor kurzem Vorstellungen dagegen erhoben, daß kardinal Wundelein vor über 500 Priestern des Erzbistums Chikago über das deutsche Staatsoberhaupt, über Mitglieder der Reichsregierung und über gewisse kirchenpolitische Vorgänge in Deutschland in unerhört beleidigender Form gesprochen hat. Insbesondere gab der Botschafter feinem größten Befremden darüber Ausdruck, daß ein Kirchenfürst im Range des Kardinals Mundelein sich zu unqualifizierbaren Verunglimpfungen des deutschen Staatsoberhauptes hat hinreißen lassen, hierauf ist dem deutschen Botschafter beim heiligen Stuhl eine mündliche, später schriftlich bestätigte Antwort gegeben worden, die ich im Auftrage meiner Regierung wie folgt beantworte:
Die deutsche Reichsregierung war bei der im Interesse der Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vatikan ihrem Botschafter vorgeschriebenen und von dem Botschafter in diesem Sinne ausgeführten Demarche davon ausgegangen, daß niemandem mehr als dem heiligen Stuhl selbst daran liegen müsse, diejenigen Schäden a b - zuwenden, welche für das Verhältnis zwischen Deutschland und der Kurie aus den niedrigen Angriffen des Kardinals gegen das deutsche Staatsoberhaupt erwachsen müßten. Die deutsche Reichsregierung hatte es für selbstverständlich gehalten, daß der heilige Stuhl von den aller Welt bekannt
gewordenen Aeuherungen des Kardinals alsbald a b r ü ck e n , diese korrigieren und sein Bedauern aussprechen werde, wie es im internationalen Verkehr stets guter Brauch gewesen ist. Zu ihrer lebhaften Aeberraschung und zu ihrem tiefen Befremden hat der heilige Stuhl es jedoch für gut gehalten, in allgemeinen, unsubskantivierten und unrichtigen, aber desto ausfallenderen Bemerkungen darüber, daß der Kardinal Gleiches mit Gleichem vergolten habe, einen Vorwand zu suchen, um die Vorstellungen des deutschen Botschafters unbeantwortet beiseite zu schieben.
Die deutsche Reichsregierung ist sonach zu der Feststellung gezwungen, daß der heilige Stuhl jene unqualifizierbaren öffentlichen Angriffe eines seiner höchsten Würdenträger gegen die Person des deutschen Staatsoberhauptes unkorrigiert fortbestehen läßt und sie dadurch in den Augen der Welt tatsächlich deckt. Der heilige Stuhl wird sich darüber im klaren sein, daß sein unerwartetes und unverständliches Verhallen in dieser Sache, solange keine Remedur erfolgt, die Voraussetzungen für eine normale Gestaltung der Beziehungen zwischen der deutschen Regierung und der Kurie beseitigt hat. Für diese Entwicklung trägt die Kurie allein die volle Verantwortung."
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Die deutsche Note an den Vatikan, die wiederum nur eine Antwort auf ausfallende Bemerkungen der Kurie ist, erhellt mit einem Schlage den S p a n- n u n g s z u st a n d , der infolge kirchlicher Unduldsamkeit nun auch in den offiziellen Beziehungen zwischen Reich und Vatikan eingetreten ist. Die Voraussetzungen für ein normales Verhältnis bestehen nicht mehr. Die Schuldfrage ist auch in diesem Falle völlig geklärt: der Heilige Stuhl hat es für nötig befunden, sich wegen der beleidigenden Aeuße- rungen des Kardinals Mundelein gegenüber dem deutschen Staatsoberhaupt nicht zu entschuldigen, vielmehr die deswegen erfolgte Demarche der Reichsregierung rundweg abzulehnen. Der Heilige Stuhl hat sich'damit auf die Seite des Hetzers gestellt und dessen lügnerische Behauptungen zu seinen eigenen gemacht. Der scharfe deutsche^ Protest erhält somit eine doppelte Rechtfertigung. Daß die Lage sich so züspitzen konnte, dafür trägt allein die Kurie die Verantwortung. Will die Kirche den Kampf, so soll sie ihn haben.
Anders als das weltliche Rom hat das kirchliche Rom feit langem eine Stellung gegenüber dem Nationalsozialismus bezogen, die von oft versteckter, manchmal offener Feindschaft nicht weit entfernt war. §Es kann nicht im Sinne einer kurzen Betrachtung liegen, nach den Gründen für diese Erscheinung zu suchen. Aber soviel darf wohl festgestellt werden, daß das Dritte Reich diese Gegnerschaft nicht gewollt und auch nicht veranlaßt hat, denn nirgends sonst ist der Schutz der Gewissensfreiheit wie der religiösen und kirchlichen Einrichtungen so ernst genommen worden wie im neuen deutschen Staat. Die tiefere Ursache für die provozierende Haltung der „streitbaren" Kirche scheint uns vielmehr darin zu liegen, daß sie gegenüber den großen geistigen Bewegungen, den weltanschaulichen Umwälzungen unserer Zeit in völliger Verständnislosigkeit verharrt. Die Einbußen, welche die Autorität des Papsttums in den Jahren nach dem Kriege erlitten hat, waren recht erheblich, und alle Versuche, diese Verluste wieder aufzuholen, blieben mehr oder weniger erfolglos. Papst Pius XL, der dieser Tage sein 80. Lebensjahr vollendete, ist bekannt als eine sehr hartnäckige Natur, die einen Widerspruch nicht leicht verträgt. Konkordatspolitik hat nur in einem Falle zu einem günstigen Ergebnis geführt: in den Lateranverträgen von 1929, die nach langen, heftigen Auseinandersetzungen den Ausgleich zwischen dem Faschismus und der römischen Kirche sowie die politische Souveränität des Papstes im Kirchenstaat brachten. Wie beschränkt im übrigen jedoch die Weltauffassung der Kurie heute ist, das ergibt sich beispielsweise aus der unterschiedslosen Haltung, die man bei passender Gelegenheit dem Bolschewismus wie dem Nationalsozialismus gegenüber einzunehmen beliebt. Kein Wunder, daß unter solchen Umständen die nachgeordneten Stellen in denselben Irrtümern befangen find. Kein Wunder, daß sich Herr Mundelein dazu hinreißen ließ, von Chikago aus das deutsche Volk und seinen Führer mit Giftpfeilen zu beschießen. Die katholische Kirche freilich wird es sich gefallen lassen müssen, daß Deutschland die Antwort auf solche unqualifizierbaren Angriffe nicht schuldig bleibt. Reichsminister Dr. Goebbels hat es in seiner Rede ausgesprochen, daß bei uns nicht das Gesetz des Vatikans, sondern das Gesetz des deutschen Volkes gilt. Unser Gesetz verlangt aber eine reinliche Scheidung zwischen kirchlichen und staatlichen Befugnissen, es verlangt überdies den Schutz der deutschen Ehre und den Schutz der deutschen Sitte! Weder die geistlichen Sexualverbrecher noch ihre Verteidiger in Chikago oder Rom werden dies Gesetz ohne Strafe beugen können. Ev.
Mißverständnisse müssen beseitigt werden.
Botschafter Henderson vor der Deutsch-Englischen (Gesellschaft.
Berlin, 2. Juni. (DNB.) Die Deutsch- Englische Gesellschaft gab zu Ehren des Könialich-Britischen Botschafters Sir Neville Henderson einen Empfang im „Kaiserhof", zu dem sich mehrere hundert Gäste eingefunden hatten. Der Präsident der Gesellschaft, Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, begrüßte den Botschafter, wobei er u. a. ausführte: Als die Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, lag ihr der Gedanke zugrunde, die vielseitigen Verbindungen zwischen dem Britischen Empire und Deutschland auf rassischen, kulturellen und geschichtlichen Gebieten zu pflegen und zu stärken und, wo nötig, Störungen bereinigen zu helfen. Indem mir uns bemühen, einer möglichst engen lebendigen Verbindung zwischen unseren beiden Nationen die Wege zu ebnen, glauben wir am besten den großen Zielen Ihres Souveräns und unseres Führers zu dienen: Unter den Völkern der Erde einen Frieden z u schaffen und zu erhalten, der darum ein wahrer Friede sein wird, weil er sich aufbaut auf der gegenseitigen Achtung unter den Nationen.
Der britische Botschafter wies darauf hin, daß er mit dem aufrichtigen Wunsche nach Berlin gekommen fei, alles in seiner Macht Stehende für die Besserung der deutsch-englischen Beziehungen zu tun. Es sei kein besserer Anfang denkbar als der Versuch, einige Mißverständnisse zu beseitigen, von denen einige so offensichtlich seien, daß man sie nicht fortdauern lassen sollte. In England machten sich viele Leute eine ganß falsche Vorstellung von dem, was das nationalsozialistische Regime wirklich darstelle. Sonst würden sie weniger Nachdruck auf die nationalsozialistische Diktatur legen und dem großen Sozialexperiment, das in Deutschland unternommen werde, weit mehr Be
deutung beimessen. Sie könnten einige nützliche Lehren daraus ziehen. In Deutschland vertrete man die Auffassung, daß Großbritannien Deutschland überall etwas in den Weg zu legen versuche. Großbritannien denke gar nicht daran, dies zu tun. Es habe volles Verständnis für Deutschlands große Sendung in der Welt: Deutsche Kultur, deutsche Philosophie und deutsche Ideale zählten zu dem Edelsten auf der Erde: deutsche Gründlichkeit, deutsche Industrie und deutscher Handel seien seit jeher Gegenstand uneingeschränkter britischer Bewunderung gewesen. „Ein H a n d e l s w e t 1 b e w e r b", so schloß der Botschafter, „wie er immer zwischen uns bestehen muß, ist ein Ansporn, der den Konsumenten zugute kommt, und war niemals der Grund für ein allgemeines Unbehagen oder Uebelwollen in England und wird es niemals sein. Der jüngste Beweis hierfür ist das deutsch-englische Zahlungsabkommen, das eine bemerkenswerte Steigerung des deutsch-englischen Handels mit sich brachte.
Das vitalste Problem ist heute für Deutschland hie Rohstofffrage. Ich glaube nicht, daß Deutschland in irgendeinem Lande größere Bereitschaft finden wird, alles zu seiner Unterstützung Wögliche zu tun, als in Großbritannien. England zieht in keiner Weise in Erwägung, Deutschlands rechtmäßige Handels-, Kultur- und Rationalbestrebungen zu hemmen. England will den Frieden. Frieden in Europa und in einer Welt, die wahrhaftig genug Krieg in jenen schrecklichen Jahren von 1914 bis 1918 gesehen hat. Sichern Sie uns Frieden und friedliche Entwicklung in Europa, und Deutschland wird sehen, daß es keinen aufrichtigeren und nützlicheren Freund in der Welt Hal als Großbritannien."
Ausländische Pressevertreter bei Sittlichkeitsprozessen in Koblenz.
Koblenz, 1. Juni. (DNB.) Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Koblenz wurden am Dienstag drei Verfahren ausgetragen, denen auch zahlreiche Angehörige der ausländischen Presse beiwohnten. Diese hatten dadurch Gelegenheit, sich aus eigener Kenntnis und in öffentlicher Verhandlung davon zu überzeugen, daß die deutsche Gerichtsbarkeit in keinem einzigen Falle ein Verfahren anhängig gemacht hat, wenn nicht das eigene Schuldgeständnis der Angeklagten vorlag und die sexuellen Verirrungen ein Eingreifen des Staates zwingend erforderten. Die ausländischen Vertreter haben sich ferner davon überzeugen können, daß die Prozeßführung mit peinlicher Gewissenhaftigkeit erfolgte und die Berichterstattung über diese Prozesse in der deutschen Presse als äußerst zurückhaltend bezeichnet werden muß.
In der ersten Verhandlung war der 23jährige Otto Münz (Bruder Elektus) angeklagt. Münz war im Herbst 1929 als Aspirant in die Franziskaner-Genossenschaft Waldbreitbach eingetreten. Der gänzlich unerfahrene 16jährige wurde bereits nach wenigen Wochen von seinem klösterlichen Vorgesetzten, dem Bruder Quintinus, verführt. Bruder Quintinus ist nicht etwa unschädlich gemacht, sondern kurz nach der Verführung des Angeklagten zunächst nach Dublin in Irland und von dort später nach Brasilien versetzt worden. Der nächste Verführer war der Bruder Marus, der bereits abgeurteilt ist, und dessen Nachfolger war der Bruder
Hermann Joseph, der wegen Sittlichkeitsverbrechens eine Strafe abbüßt. Im Laufe weniger Jahre war aus dem Verführten bereits ein Verführer geworden, der sich an schwachsinnigen Zöglingen vergriff. Immer wieder wurden seine Verfehlungen den Klosteroberen bekannt, die sich damit begnügten, ihn zu versetzen.
Der Oberstaatsanwalt erklärte, das Verfahren der ständigen Versetzung habe das Treiben der Klosterinsassen so ungeheuerlich gefährlich gemacht, denn mit den wechselnden Funktionen seien immer wieder andere Menschen verführt worden. Bei den Exerzitien seien alljährlich Tausende junge Menschen in die Ordensniederlassungen gekommen, es sei gerichtsnotorisch, daß sie, in den Klöstern verborgen, bei der Rückkehr in ihre Umgebung bas Laster wie eine ansteckende Krankheit weiter verbreitet hätten. Das Gericht verurteilte den geständigen Angeklagten zu Zuchthaus von einem Jahr acht Monaten.
Der 35jährige Emil Nock (Bruder Ephraim) trat, nachdem er eine viermonatige Gefängnisstrafe wegen schweren Diebstahls verbüßt hatte, in das Kloster der Barmherzigen Brüder in Montabaur ein, wo er, obwohl dem Generaloberen die geschlechtlichen Verfehlungen des Angeklagten zur Kenntnis gegeben waren, mit den Aufgaben eines stellvertretenden Nooizenmeisters betraut wurde, dem die Erziehung des Nachwuchses und die Belehrung darüber anvertraut ist, wie die Novizen
die Laster und Leidenschaften zu unterdrücken haben. Das Vertrauen auf die Heiligkeit feines Amte» und feiner Ordenskleider hat der Angeklagte in nicht wiederzugebender Weife mißbraucht. Auch in diesem Falle begnügten sich die Klosteroberen damit, den Angeklagten, der immer neue Opfer verdarb, zu „verwarnen" und mit kirchlicher Buße zu bestrafen. Den Verteidiger des Angeklagten, den früheren Führer der Zentrumspartei im Kreise Montabaur, Rechtsanwalt Dr. Teveß, mußte der Oberstaatsanwalt darauf Hinweisen, daß dauernde Versetzungen und Strafen in Form von Bußgebeten nicht dazu geeignet sein könnten, die schutzlosen Minderjährigen und Kranken in den Klöstern vor den perversen Angriffen der Ordensbrüder zu bewahren. Das Gericht verurteilte den AngeklaAen zu zwei Jahren Gefängnis.
Im dritten Verfahren hatte sich der 44jährige ehemalige Zisterzienserpater Martin ebenfalls unter der Anklage der Verführung Minderjähriger und der widernatürlichen Unzucht zu verantworten. Der Angeklagte will sich seinen Ordensoberen und auch fremden Geistlichen offenbart und durch sie seine Rückkehr in den Laienstand beantragt haben. Von Nom wurde er auch schließlich von den Gelübden der Armut und des Gehorsams, nicht aber von denen der Keuschheit entbunden. Die Ordensoberen schickten den „Kranken" auf Kosten des Klosters zunächst in eine Kaltwasserheilanstalt. Die dauernden Rückfälle führten schließlich dazu, daß der Abt des Klosters Hardeshausen von den Oberen die Entfernung des Angeklagten verlangte, dem aus [(öfter* lichen Mitteln von dem Abt von Marienstadt ein Darlehen von 2500 Mark gegeben wurde. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller nahm an der Eröffnung der 13. Tagung der Internationalen Eisenbahnkongreß-Dereinigung in Paris teil. Er stattete auch dem Deutschen Haus einen Besuch ab.
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Am Dienstag begannen in Berlin die in Zeit- abständen üblichen Einzelbesprechungen der Gauleiter aus dem ganzen Reich mit dem Stellvertreter des Führers. Am Mittwoch werden die Besprechungen in einer gemeinsamen Tagung ihren Abschluß finden.
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Gesandter Dr. Koecher, der Nachfolger des nach Berlin berufenen Freiherrn von Weizäcker, hat fein Amt als Vertreter des Deutschen Reiches in der Schweiz angetreten. Er stattete seinen ersten inoffiziellen Besuch im Bundeshaufe ab und dürfte sein Beglaubigungsschreiben am Freitag dem Bundespräsidenten überreichen.
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Der schweizerische Bundesrat schlug eine Verfassungsänderung vor, derzufolge neben dem Deutschen, Französischen und Italienischen auch das Rätoromanische als Schweizer Amtssprache anerkannt wird.
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Prinz Fumimaro Konoe, Mitglied des Kaiserhauses und Präsident des Oberhauses, wurde mit der Kabinettsbildung in Japan beauftragt.
Kunst und Wissenschaft.
Eine wertvolle Schenkung
an die Heidelberger Universitätsbibliothek.
Eine wertvolle Bereicherung ihrer Bestände an Urkunden und Archivalien hat die Bibliothek der Universität Heidelberg durch eine Schenkung des Bezirksaltertumspflegers Ernst Fischer erfahren, der jetzt in Freiburg lebt, nachdem er viele Jahre hindurch feine geschichtlichen und familien« kundlichen Forschungen in Weinheim an der Bergstraße betrieben hat. Seine Schriften beschäftigen sich mit Fragen der deutschen Landesgeschichte; fein Ar-


