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Oie Konferenz der Kleinen Entente.

Belgrad, 1. April. (DNB.) Der rumänische Außenminister Antonescu und der tschechoslo­wakische Außenminister Dr. Krofta trafen zur Konferenz der Kleinen Entente in Belgrad ein. Dr. Krofta erklärte Pressevertretern, daß sich wichtige internationale Ereignisse abgespielt hätten, bei denen Jugoslawien eine hervorragende Rolle zugefallen sei. Es sei natürlich, daß sich die Konferenz auch mit diesen Ereignissen beschäftigen werde. Man dürfe aber von ihr keine sensationellen Beschlüsse erwarten. Das halbamtlicheBreme" führt aus, daß sich die Zeiten änderten, die Kleine Entente aber bleibe. Sie habe ihre historische Mis­sion noch nicht erfüllt. Auf der Tagesordnung stün­den die Verträge Jugoslawiens mit Bulgarien und Italien, das spanische Problem, die Beziehungen zu den anderen Großmächten und schließlich das Grundproblem der Kleinen Entente: die Bezie­hungen zu Oe st erreich und Ungarn. In derPolitica" weist der frühere Gesandte Ba- lugdschitsch auf die Bemühungen des tschecho­slowakischen Ministerpräsidenten Hodza hin, eine Annäherung zwischen Oesterreich, Ungarn und der Kleinen Entente herbeizuführen. Diese Versuche, den Donauraum aus eigener Kraft zu organisieren, ver­dienten volle Aufmerksamkeit.

pariser Somen.

Paris, 2. April. (DNB. Funkspruch.) Die Konferenz der Kleinen Entente in Belgrad beschäf­tigt die Pariser Morgenblätter. Zum Teil gibt die Presse unverhohlen und mißmutig zu, daß der französische Einfluß im Südosten Europas im Schwinden zu sein scheint. Echo de Paris" schreibt, die drei Staaten der Kleinen Entente hätten nun zu dem französischen Vorschlag eines gegenseitigen Beistandes Stellung zu nehmen. Bisher sei Frankreich lediglich mit der Tschechoslowakei durch ein militä­risches Abkommen gebunden, mit Rumänien und Jugoslawien bestünden nur politische Ab­kommen. Im November habe Frankreich vorge­schlagen, diese wechselseitigen Abmachungen auf alle drei Staaten der Kleinen Entente aus­zudehnen, und dasselbe Ziel habe auch T i t u l e s c u bis zu seinem Sturz verfolgt.

Der Wind habe sich inzwischen jedoch ge­dreht. Rumänien und Jugoslawien wünsch­ten heute nur noch Frankreich und England an ihrer Seite zu sehen, falls sie ange­griffen würden. Sie hätten jedoch nicht die Absicht, diesen Beistand durch eine Vermehrung ihrer Pflichten im Donauraum zu bezahlen, besonders nicht durch eine Annäherung von Jugoslawien und Rumänien an die Tschecho­

slowakei mit der Spitze gegen Deutschland. Eine weitere Folge des gegenseitigen Abkommens werde aber auch eine Annäherung an Sow­jetruhland weder von Rumänien noch von Jugoslawien aus innerpolitifchen Gründen gewünscht. Venesch werde Stojadinowitsch dar­auf aufmerksam machen, daß das ganze System der kleinen Entente seine Solidarität verlieren mühte, falls sich die drei Staaten endgültig dazu entschliehen sollten, den fran­zösischen Vorschlag eines gegenseitigen Bei­standes abzulehnen.

DasOeuvre" erwartet von der Belgrader Kon­ferenz keine entscheidenden Beschlüsse. Die Lösung hänge von dem Besuch Beneschs in Jugosla­wien ab. Wenn man ehrlich sein wolle, müsse man sagen, daß die drei Staaten, der Kleinen Entente in keiner Frage eine gemeinsame Hal­tung ihren Nachbarn gegenüber einnähmen. Das Fundament der Kleinen Entente habe eine vollkom­mene Wandlung seit ihrer Gründung erfahren, man könne fast sagen, die Kleine Entente habe mit dem Leben abgeschlossen, zum mindesten aber für den Augenblick. DerFigaro" meint, die Beziehungen der drei Länder untereinander seien trotz allem ebenso eng wie früher, und die Gemeinsam­keit der Interessen, die in dem Abkommen von 1919 zwischen den drei Staaten zum Ausdruck ge­bracht worden sei, bestehe heute vielleicht in grö­ßerem Maße, als dies manche glauben wollten.

Das Echo in Men.

Wien, 1. April. (DNB.) Die Belgrader Kon­ferenz der Kleinen Entente begegnet hier starker Beachtung. Mit bemerkenswerter Offenheit schreibt dasNeuigkeitsblatt", Oesterreich hat nicht die Pflicht, die Einigkeit der Kleinen Entente zu kon­trollieren oder zu stützen, aber auch keine Ursache, tendenziöse Kombinationen für reale Wirklichkeit zu halten. Oesterreich hat keinen Gewinn davon, die unbegründete Hoffnung zu hegen, daß die Belgra­der Konferenz zu einem Zerfall der Kleinen Entente führen werde. Für die österreichische Politik genügt es, aus den Verträgen, die Jugoslawien mit Italien und Bulgarien abgeschlossen hat, die Erkenntnis ab­leiten zu können, daß die Kleine Entente so wie die Staaten der Römer Protokolle zweiseitigen Regelungen zugänglich ist, weil auf die­sem Wege a m ehesten jene stufenweise Zusammenarbeit unter den mitteleuropä­ischen Staaten angebahnt werden kann, zu der sich die österreistischen und die ungarischen Staatsmän­ner bei ihrer jüngsten Begegnung in Budapest be­kannt haben.

dergrund stehen. Dazu käme eine Vermehrung der Kreuzerbewachung im Raume um den In­dischen Ozean und an der China-Küste. Die Bedro­hung, mit der hier gerechnet wird, mag sich bald durch die soeben beginnende Annäherung Japans als weniger ernsthaft Herausstellen, jedoch wird das an den Maßnahmen nichts ändern.

Die zweite bedeutende Schwäche der Reichsver­teidigung ist im Mittelmeer zu sehen, die Spannung über Abessinien hatte diese Schwäche ge­zeigt. Mangels anderweitiger Unterstützung sah sich die englische Macht nicht in der Lage, Italien in den Arm zu fallen, und wich zurück. Sie hat diesen Rückzug nicht vergessen, verschanzt sich heute mit allen Mitteln im östlichen Dreieck, CypernHaifa Alexandria, spickt Malta mit Flakgeschützen, hält Suezkanal, Sudan, Rotes Meer, Palästina, Irak und den Golf von Iran unter scharfer Kontrolle der Luftwaffe. In der Stärkung dieser Stützpunkte und hochgradiger Vermehrung der dortigen Luftwaffe, weniger der seegehenden Flotte, wird der Kern der kommenden Maßnahmen zu sehen sein. Dem italie­nischen Anspruch auf freien Lebensraum im Mittel­meer und neuem Imperium begegnet die englische Politik mit Waffen, als unerschütterliche Hüterin ihres Besitzes. Italien nahgi den Handschuh auf mit seinem Ruf an die arabische Welt.

Die H e i m a t st e l l u n g des englischen Reiches steht gleichfalls im Zeichen verminderter Sicherheit, die genannte phantastisch hohe Zahl von 10 000 Flugzeugen läßt erkennen, daß man auf Parität mit der nächststärksten Kontinentalmacht aus ist. Der Handelsschutz zur See gilt gleichfalls als un­zureichend, aber die geplante Flottenvermehrung trägt dem mehr als Rechnung. Den wichtigsten Posten in diesem Bereich nimmt jedoch die Kriegsorganisation der Industrie und des Verkehrswesens und vor allem die Vorrat­haltung von Rohstoffen und Nahrungsmitteln ein, mittels deren England die Gefahr der Zufuhr­vernichtung, durch See- und Luftkrieg und damit den schwächsten Punkt seiner Sicherheit, zu über­winden hofft. Hier liegt der Schwerpunkt der Aus­gaben.

Faßt man die Tendenz der großartigen britischen Sicherheitsoerstärkung zusammen, so zielt sie für Europa auf eine Wiederherstellung der unangreif­baren Schiedsrichterstellung ab, die immer dann erschüttert erscheint, wenn eine oder zwei euro­päische Großmächte durch ihren Machtzuwachs das Gewicht verschieben. Ein gewisser Kräfteoerfall Frankreichs verschärft diese Tendenz noch und hat nicht wenig dazu beigetragen, Rußland in das britische System einzubeziehen. Was jedoch die Außenstellungen angeht, so steht die Reichsoertei- digung für den Grundsatz der Besitzbehaup- tung um jeden Preis. Nichts könnte deut­licher beweisen als diese Aufrüstung und die Roh­stoffdebatten, daß die britische Politik von einer Umwertung der Werte, von Raumnot und Aus­dehnung und Ansprüchen anderer nichts wissen will und mindestens in etwaige Verhandlungen darüber nur im Zustand höchster Stärke einzu­treten wünscht.

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Daily Expreß" meldet, daß H o n g k o n g, Eng­lands Besitzung an der südchinesischen Küste, im Rahmen eines Fünfjahresplanes mit einem Kosten­aufwand von 10 Millionen Pfund Sterling wie­der befestigt werde. Drei neue Forts würden noch vor 1938 fertig sein. Die Luftabwehr-Batterien würden verdoppelt und einige Geschwader der briti­schen Luftwaffe nach Hongkong gelegt, sobald die notwendigen Bauarbeiten fertig seien.

Nationaltrauertag" in Indien

Protest gegen das Inkrafttreten der Verfassung.

London, 1. April. (DNB.) Als Protest gegen die heute in Kraft tretende Verfassung hat die Kongreßpartei einen allgemeinen Trauertag, einenHartal", angeordnet, wie er in den Zeiten des schärfsten Konfliktes üblich war. Der Befehl ist auch befolgt worden. In Bombay waren die Effek­tenbörse und zahlreiche Geschäfte, die Zeitungs­häuser, die Märkte und viele Baumwollfabriken geschlossen. Tausende von Kongreßanhängern marschierten durch das Geschäftsviertel der Stadt, die Kongreßflagge vor sich hertragend. Mehrfach wurde der Ruf laut:Boykottiert die Ver­fass u n g!" Agitatoren, die zum Zeichen der Trauer schwarze Armbinden trugen, fuhren durch die Stadt und gaben ebenfalls ihrer Feindseligkeit gegen die neue Verfassung Ausdruck.

Als das neue Parlament von Delhi zu­sammentrat, blieben die Bänke der Opposition leer. In neun von elf indischen Provinzen traten die neuen Ministerien ihr Amt an. In sechs Provinzen, in denen der Kongreß eine absolute Mehrheit er­zielte, sind Minderheitskabinette gebildet worden. Nur die vereinigten Provinzen und die Nordwestprovinz sind vorläufig noch ohne ein Ministerium.

Der Präsident des Kongresses, Jawaharlal Nehm, hat auch den mohammedanischen Bevölkerungsteil zur Unterstützung der oerfassungs­feindlichen Politik der Kongreßpartei aufgefordert. Eine große Anzahl von Mohammedanern nahm daraufhin an den Protestkundgebungen teil, obwohl die allindische Moslemliga sich öffentlich dagegen ausgesprochen hatte.

In Bombay wurden zwei führende Mitglieder des neuen Minderheitenministeriums, das unter Aus­schluß der Kongreßpartei gebildet wurde, von der Menge angegriffen. Der Sekretär der Allindischen Kongreßpartel Iayaprakasch N a r a i n wurde von den britischen Behörden verhaftet. Mit ihm 14 weitere indische Politiker, weil sie eine Kundgebung gegen die neue Verfassung veranstaltet haben.

Womit Gowjetarbeiter auskommen müssen.

1 MarkTagesverdienst im Sowjetparadies.

Moskau, 1. April. (DNB.) Nach der neuesten Sowjetstatistik über den Arbeitslohn der rund 25000 000 zählenden Werktätigen beträgt der Durch­schnittsjahreslohn zur Zeit 2770 Rubel, der durch­schnittliche Monatsverdienst also 230 Rubel. Damit kann der sowjetrussische Arbeiter oder Angestellte zur Not ein paar Männerhausschuhe (einer Quali­tät, die einem deutschen Zehn-Mark-Schuh noch nicht entspricht) kaufen. (Die Damenschuhe fangen meist erst bei 250 Rubeln an.) Um einen Anzug zu kau­fen, der in der Qualität etwa einem deutschen 50- Mark-Anzug entspricht, müßte der Sowjetangestellte oder Arbeiter sich schon zwei solche Monatsgehälter erspart haben. (Daß die Möglichkeiten dieser Artikel überhaupt sehr beschränkt sind, soll unberücksichtigt bleiben.) Nicht viel besser steht es um die Kauf­kraft dieses Durchsck>"'.ttslohnes, wenn man anstatt

der nötigsten Gebrauchsgegenstände etwa Le- bensmittel zum Vergleich heranzieht. 230 Ru­bel Monatsoerdienst ergibt einen Tageslohn von 7,3 Rubel. Was sich mit diesemBetrag" anfangen läßt, erhellt daraus, daß ein einziges primi­tives Mittagessen in der Fabrikkantine be­reits mindestens die Hälfte dieses durch­schnittlichen Tagesverdienstes verschlingt. Deshalb können auch die Arbeiter und Angestellten von der Kantinenoerpflegung, die noch vor wenigen Jahren fast kostenlos war, immer weniger Gebrauch machen. Man wird also zu dem Ergebnis kommen, daß der durchschnittliche Tagesverdienst des Sowjetangestell­ten und -arbeiters, auf die notwendigsten Gebrauchs­gegenstände und Lebensmittel gleichmäßig umge­rechnet, der Kaufkraft von ungefähr einer Reichs­mark entspricht. Diese Zahlen sprechen freilich eine andere Spracht als die Sowjetpresse und -Propa­ganda!

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Eine Regierungsverordnung über den Wirtschafts­plan der Sowjetunion gibt in einem Rückblick auf das Wirtschaftsjahr 1936 Angaben über die einzel­ne Wirtschaftsgebiete. Bezeichnenderweise bleiben jedoch sämtliche 21 n ga b e n über d i e Ernte des Jahres 1936 auch weiter aus, wäh­rend die Dürre im Wolgagebiet und in anderen Teilen der Sowjetunion wenigstens erwähnt wird. Aus der lokalen Presse der besonders notleidenden Gebiete läßt sich entnehmen, daß sich in letzter Zeit die für die Hungererscheinungen typischenG e - treidediebstähle" wieder häufen. So ver­suchen da und dort die Kolchosbauern sich an das Saatgut heranzumachen, obwohl der Diebstahl auch geringster Mengen desStaatskornes" mit jahrelanger Zwangsarbeit bestraft wird. Im übrigen mögen die Ernährungsschwierigkeiten auf dem Lande zum Teil auch die Ursache sein für die trotz günstiger Witterung außerordentlich langsam fort­schreitende Frühjahrsaussaat. Bis zum 25. März konnte erst 1 v. H. der gesamten Saatfläche bestellt werden, also neunmal 'weniger als im Vorjahre. Selbst die Sowjetpresse bezeichnet dies alsAlarm­signal" und wirft den örtlichen Funktionären Ver­brechen gegen die Interessen des Staates vor.

3m Zeichen der Nichteinmischung.

Paris, 2. April. (DNB. Funkspruch.) DieAc­tion Frcmxctise" berichtet, daß die Einweihung der Volks fliegerschule in Agne, bei der Luft­fahrtminister C o t zugegen war, lediglich zur Tar­nung der gleichzeitigen Eröffnung des Flieger­lagers Garonne gedient habe, in dem nur fow- jetfpanifche Flieger ausgebildet würden. Ihr Lehrer fei ein französischer R e - s e r v e o f f i z i e r, der bei den bolschewistischen Mi­lizen den Rang einesHauptmanns" bekleide und Mitglied der kommunistischen Partei sei. Luftfahrt­minister Pierre Cot begnüge sich also nicht damit, Dutzende von Flugzeugen nach Sowjetspanien zu entsenden, sondern organisiere allenthalben in Frank­reich sogar die Ausbildung der bolschewistischen Pi­loten.

Jinnisierung der Universität Helsinki.

Helsinki, 31. März. (DNB.) Der Präsident der Republik hat im Reichstag' eine Regierungs­vorlage über die Finnisierung der Universität Hel­sinki eingebracht. Die Sprache der Universität soll demnach finnisch werden, doch sollen den Schwe­den 15 ordentliche schwedischsprachige Professoren und das Recht, Examen in ihrer Muttersprache abzulegen, zugestanden wer­den. Ferner soll die bisher für die Studenten bei­der Sprachen bestehende Vorschrift, sich den auf landsmannschaftlicher Grundlage gebildeten Stu- dentenkorporationen anzuschließen, aufgehoben wer­den. Es bleibt abzuwarten, ob damit der jahre­lange Sprachenstreit an der Universität beendet ist. Vor Jahresfrist waren Versuche der damaligen Re- 1 gierung Kivimäki, die Universitätsfrage durch einen

außerordentlichen Reichstag lösen zu lassen, nach einer 80ftündigen Obstruktionsdebatte der vater­ländischen Volksbewegung gescheitert.

Dom Werden der Bewegung im Gau.

Der Gauleiter vor den Jungmädeln auf der Wegscheide.

NSG. In dem in den Bergen des Spessarts herr­lich gelegenen Jugenddorf Wegscheide bei Bad Orb sprach Gauleiter Sprenger zu den dort ver­sammelten 1100 Jungmädelführerinnen-Anwärterin- nenüber die Geschichte der Bewegung unter beson­derer Berücksichtigung des Werdens der Parteior­ganisation im Gau Hessen-Nassau. Vom Wort des Führers ausgehend, daß die Jugend Zeuge der Ge­burtsstunde einer großen Zeit sei, erklärte er die Notwendigkeit des Wissens vom Marsch der Ver­gangenheit aus dem Chaos und Zerfall zu Sieg und Aufbau. Von besonderem Interesse war hierbei die Darstellung des Werdens der Partei im Gau Hessen-Nassau. Im Lazarett in München, wo der Gauleiter von einer Kriegsverwundung Gesundung suchte, hörte er zum ersten Male von jenenNa­tionalbolschewisten", die Deutschland auf der Grund­lage einer neuen Weltanschauung aufbauen woll­ten. In München erlebte er dann auch praktisch das Wüten des Bolschewismus und setzte sich für die Befreiung dieser Stadt aus den Händen ihrer jüdischen Herrscher ein. Im Winter 1922/23 erschien das erste Flugblatt Adolf Hitlers im Gau. Sein Inhalt entschied den Uebertritt desVölkischen Schutz- und Trutzbundes", der sich als Abwehrorga­nisation dem herrschenden Judentum gegenüber be­reits früher gebildet hatte. Der 9. November 1923 setzte auch in Hessen-Nassau dem Vernichtungswillen der Gegner den unverrückbaren Glauben der Ge­folgsmänner Adolf Hitlers an den Sieg feiner Idee gegenüber. Deutlich zeigte der Gauleiter das Wirken der Frauen in dem politischn Kampf um die Macht und ermahnte die Mädel, sich auch dieser Tatsache stets verpflichtet zu fühlen. Auf den Wert der deutschen Familie hinweisend, schloß er mit den Worten:Deutschland steht tatsächlich in der Geburtsstunde einer neuen und großen Zeit -und wird diese Zeit für sich zu einem vollen Erfolg ge­stalten, weil der Führer das deutsche Volk nach den Grundsätzen der nationalsozialistischen Weltanschau­ung leben läßt und darin selbst das hohe Vorbild gibt. Euer tägliches Gebet fei: ich will es mit mei­nem Handeln unserem Führer Adolf Hitler nachtuen!"

Reichsanwalt Zorns tritt in den Ruhestand.

Berlin, A. April. (DNB.) Im Hauptsitzungs­saal des Volksgerichtshofes fand eine Abschiedsfeier für Reichsanwalt Iorns statt, der nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand tritt. Als Ver­treter des Reichsjustizministers überreichte Staats­sekretär Dr. Freißler eine Dankurkunde des Führers, in der die hervorragenden Ver­dienste deck Scheidenden für Volk und Staat ge- roüroigt werden. Der Präsident des Volksgerichts­hofes Dr. Thierack fand herzliche Worte der An­erkennung für das stets vorbildliche Wirken des Scheidenden. Auch Reichskriegsminister General­feldmarschall von Blomberg habe seine besonde­ren Verdienste während seiner langjährigen Tätig­keit für die Militärverwaltung durch Uebersendung eines Bildes mit eigenhändiger Unterschrift aner­kannt. Zum Schluß betonte Oberstaatsanwalt P a r- rifius, daß alle Mitarbeiter in Jorns nicht nur einen mustergültigen Vorgesetzten, sondern auch einen väterlichen Freund verlieren.

Wie sieht es in der Mrffchaff aus.

VA. Das Statistische Reichsamt hat vor kurzem eine Untersuchung über die Beschäftigung der Industrie im Jahre 1936 veröffentlicht, die in­sofern besonders aufschlußreich ist, als aus ihr her­vorgeht, daß die deutsche Wirtschaft im Septem- ber/Oktober 1936 6,6 Millionen Industriearbeiter zuzüglich 861 000 Angestellte beschäftigte und damit den höchsten Stand seit der Machtergreifung er­reichte. Das heißt also, daß die Industrie im ver­gangenen Jahre ihre Kräfte ganz besonders vorteil­haft entfalten konnte. In den zwölf Monaten seit September 1935 hat die Industrie fast 600 000 Ar­beiter und 60 000 Angestellte neu aufnehmen kön­nen. Unter Zugrundelegung des Zeitraumes von September 1932 bis September 1936 zeigt sich, daß sich die Zahl der in der Industrie beschäftigten Ar­beiter do n 3,7 Millionen auf 6,6 Mil­lionen erhöht hat. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit ist in demselben Zeitraum um über 40 Minuten, und zwar von 6,97 Stunden auf 7,62 Stunden gestiegen. Das Arbeitsvolumen ober die Summe der in der Industrie geleisteten Arbeitsstunden hat von etwas mehr als 600 Mil­lionen auf über 1,2 Milliarden Arbeiterstunden im Monat zugenommen. Die in der Industrie ver­dienten Lvhnsummen haben sich mit einer Steigerung von 400 Millionen Mark auf 865 Mil­lionen Mark mehr als verdoppelt. Wie in den Vorjahren war auch im Jahre 1936 der Ar­beitseinsatz in erster Linie auf die großen gemein­wirtschaftlichen Aufgaben der Volkswirtschaft ge­richtet. In der Zeit von September 1935 bis Sep­tember 1936 haben die Produktionsgüter- inbuftrieen allein 475 000 Arbeiter, bie Ver - brauchsgüter inbuftrien 120 000 Jnbustriearbei- ter aufgenommen. Gegenüber dem Vorjahre hat sich bie Beschäftigung am stärksten in der Eisen- und Metallgewinnung, im Maschinenbau, im Fahrzeug­bau (vor allem im Schiffbau) und in der Fein­mechanik und Optik erhöht, gemessen an der Lei­stungsfähigkeit um mehr als 10 v. H. Fast ebenso stark hat sich der Auftrieb in der B a u w i r t - schäft fortgesetzt. In dem im Vergleich zu anderen Jndustriegruppen bisher schwächer belebten Berg­bau hat die Beschäftigung im letzten Jahr stärker zugenommen als im Jahre 1935. Das gilt sowohl für den Kohlenbergbau als auch für den Erzberg­bau und die Erdölgewinnung. Allen diesen Zwei­gen haben die Arbeiten zur Verbreitung der heimi­schen Rohstoffgrundlagen noch erhöhte Bedeutung verliehen.

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Mit der Zellwolle, dem Wiederaufbau von Hanf und Flachs, der Ausweitung der Schafzucht, ist der Bereich der Schaffung heimischer textiler Rohstoffe keineswegs abgegrenzt. In Laboratorien und Ver­suchsanstalten werden immer neue Studien und Forschungsarbeiten gemacht, die zur Auffindung neuer Rohstoffe führen sollen. Auch der herrlich gelb blühende Ginster, unendlich oft in Liedern und Gedichten besungen, wird jetzt von der prak­tischen Seite her angefaßt. Der Reichsforstmeister gibt ein Schreiben des Beauftragten für den Vier­jahr esp lan, Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe bekannt, wonach die im Rahmen des Vierjahres­planes durchgefuhrten Versuche mit einheimischen Fasern bei Weidenrinde und Ginster zu einem befriedigenden Erfolg geführt hätten. Aus der Weidenrinde soll ein guter Ersatz für Kokosfaser gewonnen werden und aus Ginster eine Faser, die der Wolle und dem Haarfilz beigemischt werden, aber auch Jute ersetzen kann. Auf Grund der guten Erfolge, die die Versuche gezeitigt haben, werden die Landesforstämter und Forstämter angewiesen, die Werbung von Ginster und Weidenrinde zu unterstützen. Durch genaue Erhebungen soll fest- gestellt werden, wieviel Ginster überhaupt im gan­zen Reich ungefähr vorhanden ist und jährlich ge­erntet werden kann. Im Interesse der Rohstoffbe­schaffung wird erwogen, den Anbau von Ginster, insbesondere auf lichten Beständen, Schneisen, Bahn­dämmen usw., zu fördern.

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Seit 1934 trat an die Stelle der Stockung des Welthandels eine allmählige Ausweitung der Welthandelsumsätze. Auch 1936 hat sie weiter angehalten. Am stärksten ist sie im letzten Viertel des Jahres 1936 gewesen. Nach den Be­rechnungen des Statistischen Reichsamtes hat der Gesamtaußenhandel der 52 wichtigsten am Welthan­del beteiligten Länder, auf die etwa 90 bis 92 aller überhaupt getätigten Außenhandelsumsätze entfal­len, im vergangenen Jahr um 7,2 v. H. wert­mäßig zugenommen. Die Welteinfuhr stieg dabei um 6,9 v. H., die Weltausfuhr um 7,8 v. H. Wäh­rend 1935 Waren im Werte von 46,7 Milliarden Mark eingeführt und Waren im Werte von 42,2 Milliarden ausgeführt wurden, beliefen sich die ent­sprechenden Zahlen auf 49,9 und 45,4 Milliarden Mark. Allerdings darf man bei Beurteilung dieser wertmäßigen Sätze nicht vergessen, daß die Preise der wichtigsten Welthandelswaren im letz­ten Jahr eine ansteigende Tendenz aufwei­sen. Schaltet man die Preisveränderungen aus und setzt die Entwicklung des Welthandesvolumen für 1929 glich 100, fo entwickelte sich der Welthan­del in den einzelnen Jahren nach den Untersuchun­gen des Statistischen Reichsamtes wie folgt: 1932: 75,8, 1933: 74,7, 1934 74,9, 1935: 76,2 und 1936: 78,1. Deutschlands Anteil am Welthandel belief sich 1936 auf 8,4 v. H. gegen 9,2 v. H. im Jahre 1935. An der Welteinfuhr war Deutschland 1936 mit 8,4 v. H. in geringerem Maße beteiligt als 1935, wo sein Anteil 8,9 v. H. betrug. Erfreulich ist dagegen, daß sich der A u s f u h r a n t e i! Deutschlands von 10,1 v. H. 1935 auf 10,5 v. H. 1936 erhöht hat. Die Einfuhrsteigerung der gro­ßen Welthandelsländer war besonders stark in den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, dem Australischen Bund, Belgien, Luxemburg. und Ja­pan. Die Ausfuhr entwickelte sich namentlich in Kanada sehr'günstig, das nunmehr Frankreich über­flügelt hat und zum viertgrößten Ausfuhrland der Welt geworden ist, ferner bei Schweden, Britisch- Jndien, dem Australischen Bund und Deutschland. Auffallend ist der starke Rückgang der französischen Ausfuhr.

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Die Nachfrage am Eisenmarkt ist weiterhin außerordentlich rege. Die rheinisch-westfälische Eisen­industrie berichtet, daß auf dem Jnlandsmarkt der Bestellungszugang nach wie vor den Versand über­traf, so daß sich die Auftragsbestände der Verbände und Werke weiter erhöhten. Unter diesen Umstän­den ließ es sich nicht vermeiden, daß eine Reihe von eingehenden Jnlandsaufträgen zurückgestellt werden mußten, da bei den Werken nicht bie. Mög­lichkeit bestand, sie unterzubringen. Die Roheisen- und Rohstahlgewinnung bewegte sich auch im Fe­bruar im Rahmen der Erzeugung der vorhergehen­den Monate. Auf den Auslandsmärkten war die Haltung ebenfalls weiterhin fest. Auch hier war trotz der Zurückhaltung der internationalen Ver-