Nr.5l Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag. 2.Mrz 1937
Derdeamte imLebenskamps des deutschenVolkes
Gemeinschafisabend der Beamten.
Das Amt für Beamte im Kreis Wetterau der NSDAP, veranstaltete am gestrigen Montag für die Kameraden der Kreisabschnitte Allendorf a. d. Lda., Gießen, Grünberg, Hungen und Lollar im Cafe Leib zu Gießen einen Gemeinschaftsabend, der außerordentlich stark besucht war. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 eröffnete den Abend mit guter Musik. Nachdem in feierlicher Weise die Fahne der Veamten-Fachgruppen eingebracht waren, begrüßte Kreisamtsleiter, Oberzollinspektor Heß die Kameraden, sprach kurz über den Sinn des Abends und gab dann die Anregung, daß sich auch jede Beamtensrau in den Dienst des Staates und des Volkes stellen solle, indem sie sich in das Deutsche Frauenwerk einreihe und dort tatkräftig mitarbeite.
Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Kreisfchulungswalters im Abschnitt Butzbach im RDB.,
Studienrat ör. Roeschen
über das Thema „Der deutsche Beamte im Lebenskampf des deutschen Volke s." Der Redner gab zunächst einen kurzen geschichtlichen Rückblick über die politische Haltung des Beamten während verschiedener Krisenzeiten des deutschen Volkes und schilderte dann das Verhältnis des Beamten zum Staate und das Verhältnis von Staat zu Volk. Er stellte dabei besonders heraus, daß der Staat nicht Selbstzweck sei, sondern Wahrer und Diener des Volkes zu sein habe.
Hinter überragenden Führern geeint, habe das deutsche Volk, der germanische Mensch, noch zu allen Zeiten Großes geleistet, abendländische Kultur verteidigt und gerettet und sich kraftvoll seiner Feinde Juda und der Freimaurerei erwehrt. Weniger denn je kapituliere heute das deutsche Volk in diesem Kampfe. Alle Schwierigkeiten seien, so sagte d?r Führer, nur dazu da, um überwunden zu werden. Der Führer habe in ununterbrochener Großtat einen Beitrag zur Befriedung Europas nach dem anderen gebracht, er habe in vielen Maßnahmen Deutschlands völkische und wirtschaftliche Erstarkung vorwärts getrieben und in der Zielsetzung und Sicherung des Volksbestandes bis in ferne Zukunft die geistige und körperliche Ertüchtigung unseres Volkes verfolgt.
Das deutsche Volk müsse alle seine Kräfte aus Heimat und Mutterboden ziehen. Der Beamte insbesondere sei verpflichtet, vorbehaltlos im Dienste der Erneuerung Deutschlands zu stehen. Jeder Beamte müsse dem Führer unter die Augen treten können im Bewußtsein erfüllter Pflicht. Jeder müsse
sich der ihm zugeteilten Verantwortung bewußt sein. Er sei insbesondere verpflichtet, wertvolle eigene Erbmasse weiterzutragen: er müsse sich darüber klar sein, wie verhängnisvoll sich das Zweikindersystem für unseren Volksbestand auswirke, wenn sich gerade der Träger wertvoller Erbmasse dem Kinde verschließe. Kein Staat setze sich für die Zukunft des Volkes im Kinde so sehr ein, wie gerade der nationalsozialistische Staat.
An sinnfälligen Beispielen, an Hand von Zahlen, Gegenüberstellungen von Einst und Jetzt gab der Redner drastisch Aufschluß über die Gefahren, die dem deutschen Volke drohen, wenn es sich nicht zum Kinde bekenne. Er wies auch auf Schäden hin, die ein falsch verstandener Humanismus und falsch orientierter Sozialismus dem Volkskörper durch die unangebrachte Verhätschelung geistig und körperlich Minderwertiger zufügte. Eine von vornherein im Bewußtsein des Verzichtes auf Kinder geschlossene Ehe sei unnatürlich. Viele große deutsche Männer seien aus kinderreichen Ehen hervorgegangen und unter vielen Geschwistern aufgewachsen. Ein wichtiges Problem sei für unser Volk die Ermöglichung der Frühehe. Der nationalsozialistische Staat werde alles tun, um die Frühehe möglich werden zu lassen, auch in jenen Kreisen unseres Volkes, die bisher nur spät zur Eheschließung kommen konnten. Deutschlands Schicksal werde endgültig dadurch entschieden, wie sich unser Volk zum Kinde einstelle.
In seinen weiteren Ausführungen sprach der Vortragende noch kurz über Rassenfragen und stellte die Reinhaltung unseres Blutes als die selbstverständlichste Forderung voraus. Unser natürliches Gefühl müsse jeder rassischen Vermischung entgegenwirken. Man müsse sich immer bewußt sein, daß der Jude durch Jahrtausende bestrebt gewesen sei, durch Bastardierung wertvolle Kulturvölker dem Untergang auszuliefern. Das ewige Deutschland muß, so schloß der Redner, der Natur in zähestem Kampfe abgerungen werden. Der einzelne müsse sich in jeder Hinsicht dem Volksganzen dienend unterordnen. (Lebhafter Beifall!)
Kreisamtsleiter Heß
fordert nach Worten des Dankes an den Redner zu Treue, Pflicht und Tat auf und erinnerte an die heiligen Verpflichtungen, die der Beamte mit feinem Eide auf Führer und Volk übernommen hat.
Nach einer Reihe guter musikalischer Darbietungen und kameradschaftlicher Unterhaltung, fand der Abend mit dem Ausbringen der Fahnen der Fachschaften, mit dem Gedenken an den Führer und dem ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes seinen Abschluß.
Aus der Provinzialhauptstadt.
März.
Bauer und Städter begrüßen gleich freudig diesen Monat, der uns den Vorfrühling bringt; dieser sieht mit dem März die Zeit nahen, wo er wieder zur Erholung von der Stubenarbeit hinaus ins Freie wandern kann; jener begrüßt im Lenzmond den ersehnten Beginn regelmäßiger Feldarbeit. Deshalb ist auch gerade diese Zeitspanne sorgfältiger Beobachtung durch den Landwirt unterworfen, und die Zahl der Bauernregeln für den März und seine einzelnen Tage ist unübersehbar.
Wir greifen einige heraus: „Ein feuchter März ist des Bauern Schmerz". Hingegen heißt es: „Märzenfpak giot Roggen in'n Sack!" Das Wort „fpak" bedeutet „öürr", und in plattdeutschen Gegenden sagt man von einem Menschen, der durch Krankheit, Not oder Ueberanftrengung eingefallen, abgezehrt ausschaut: „Er sicht spak aus". Also — ein trockener März gibt ein fruchtbar Acchr. Das braucht noch gar nicht den Wunsch zu erwecken, daß der März gleich mit fliegenden Fahnen als Sonnensieger einzieht und den König Winter sofort entthront! Vielmehr sagt man im deutschen Alpenland: „Wenn der März schön eingeht, geht er schiech (übel, verdreht) aus". Es muß „so sachte angehn" mit dem Frühlingwerden. Der Sieben- bürgener Bauer sagt: „Hem März wird dr Schni madig", er taut so allmählich ab. Viel neuer Schnee ist unerwünscht in den meisten Gegenden — mit Ausnahme z. B. von Ostpreußen, wo man ja noch mit einem winterlichen März rechnen muß —, deshalb sagt ein altes Bauernorakel: „Märzenschnee frißt, Aprilschnee düngt".
Der März besitzt schon allerlei Kräfte, die dem Wachstum der Tiere und Pflanzen wie auch dem Menschen zugute kommen; eine Märzregel mahnt: „Die jungen Kräutlein nimm in Acht!
Sie haben jetzt die größte Macht. Auch sind die frischen Eier gut, sie nähren und mehren dir dein Blut. Brau' nun gut Bier, mein lieber Brauer; es ist gesund und wird nicht sauer!"
Und ebenso wie das „Märzenbier" und die „Märzenkräuter" stehen andere Erzeugnisse dieses Monats in bestem Rufe: „Märzenferkel, Märzenfohlen — alle Bauern haben wollen".
In diesem Jahre fällt der Sonntag Lätare bereits auf den 7. März. Da an diesem dritten Sonntage vor Ostern Christus die 5000 Mann gespeist haben soll, meint noch heute frommer Bauern- brau'ch, daß Brot — an Lätare gebacken — viel kräftiger sättigen soll als „Alltagsbrot"! Der 10. März ist rm Aalender als „Vierzig Märtyrer" verzeichnet; wie das Wetter an diesem Tage ist, bleibt es 40 Tage. Ein noch wichtigerer „Lostag" — d. h. Wetterverkündungstag — ist der Gregorstag am 12. März. Bemerkenswert ist die Behauptung der Bauernregel, daß das Wetter gerade umgekehrt zu erwarten ist, wie es an diesem Tage war: „Hat Gregorius grobes Wetter, so geht der Fuchs aus der Höhle; ist's aber schön, so läßt er sich noch 40 Tage nicht seh'n". Im übrigen gilt: „Geht um Gregori der Wind, so weht er, bis Sankt Jörgen (2. April) kimmt". Judica füllt auf den 14. März: „Ist's um Judica feucht, bleibt der Kornboden leicht". Dann kommt der wichtige St. Gertrudstag; er ist nach altem Wunsch und Brauch der Beginn der Pflugarbeit und der Gartenhantierung: „Gertraud ist die erste Gärtnerin" heißt es seit Jahrhunderten. An Benedikt, dem 21. März, gibt's genug zu schaffen: „An Benediktus — man Hafer, Gerste, Zwiebeln und Erbsen säen muß!" Diesmal allerdings fällt Palmsonntag auf den Benediktstag, hoffentlich ist es ein freundlicher Tag, denn: „Palmsonntag Sonnenschein soll ein gutes Zeichen sein". Und dann kommt Ostern als früher, aber willkommener Festtag dieses Jahres; verkündet doch eine alte Bauernregel das, was wir alle — Bauer und Städter — erhoffen: „Ostern im März verheißt ein gutes Brotjahr". W. L.
Heimweh nach dem Main.
Äon Ernst Kreuder.
Nach einer Stunde hatte ich das Kartenspielen satt. Ich zahlte meinen Wehrmut mit Soda und verließ die Hafenkneipe, und draußen regnete es noch immer. Ich dachte, daß dies ein trübseliger Abend sei. Es wäre besser gewesen, ich hätte jetzt ein Kohlenschiff ausgeladen oder Zementsäcke getragen, aber ich hatte ja eine Woche frei und sollte mich etwas erholen von der letzten Fahrt, die sieben Monate gedauert hatte.
Ich besaß noch eine ganze Menge Geld, aber damit allein konnte man sich auch nicht erholen. Ich dachte an meine ferne Heimat am Main, ich wäre jetzt gern ein Bahnwärter dort gewesen an einer weiten, einsamen Strecke, ich hätte meinen Dienst getan und mein Streckenhäuschen gehabt und einen Kohlgarten und Sonnenblumen am Zaun, ich hätte meine Pfeife geraucht und den Zügen nachgeschaut, wenn sie vorbei rasten, na ja, und dann? Ja, dann hätte natürlich noch jemand da sein sollen, der ein bißchen singt, wenn morgens die Sonne scheint, und der überhaupt ein wenig zaubern kann, dem man gern nachschaut, wenn er in den Garten geht und Petersilie für die Suppe schneidet, so eine junge, fröhliche Gestalt, die ein bißchen Glanz in die Stube bringt, aber wo sollte sie denn Herkommen?
Jetzt fiel mir natürlich wieder die Geschichte von dem verrückten Bahnwärter ein, unter Brüdern ist er nicht verrückt gewesen, und überhaupt war er noch jung und soll recht gut ausgesehen haben. Er war nur zu lange allein gewesen, und dann passiert ja öfters so was. Schade, daß ich nicht dabei war!
Er hielt einfach eines Nachts einen Schnellzug an, er muß wie toll auf dem Nebelhorn geblasen haben, und dann schwenkte er wild seine rote Si- gnallampfe. Der Mond schien, es war ein Mai ab end in Kentucky, und als der Zug stand, stürzten die Leute heraus und waren wie verrückt auf eine Sensation. Der Bahnwärter stieg auf einen Schotter- Hausen und sagte, daß er den Leuten etwas mitzuteilen hätte, wofür er vielleicht ins Zuchthaus käme. Der Zugführer besprach sich mit dem Lokomotivführer und dem Heizer, und sie sagten, das beste wäre, den Verrückten nicht zu reizen, zumal die Passagiere schon offensichtlich seine Partei ergriffen hatten. Er sollte seine Rede halten und dann würde man schon mit ihm fertig werden.
Nun, die Rede war ziemlich kurz. Der Bahnwärter entschuldigte sich bei den Fahrgästen und sagte ihnen, daß er kein schlechter Bahnwärter sei, er könne das beweisen, aber er wolle sich jetzt nicht
Bornoiizen.
Tageskalender für Dienstag.
NSDAP., Ortsgruppe Ost: 20.30 Uhr im Schützenhaus Schulungsabend. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Kupferne Hochzeit". — Gloria-Palast, Seltersweg: ,/Zch lebe mein Leben". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Variete". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 17 bis 18 Uhr Ausstellung „Forscher als Künstler". — Evang. Gesamtgemeinde, Evang. Bund: 20 Uhr in der Jo- hanneskirche Vortrag „Gericht über den Menschen".
Stadttheater Gießen.
Heute abend findet eine Wiederholung des Ko- mödien-Erfolges „Kupferne Hochzeit" von Svend Rindom statt. Infolge Erkrankung von Peter Schorn hat die Rolle des „Per" Hans Geiß- l e r übernommen. Die Rolle des „Kresten" übernimmt Jndendant Hermann Schultze-Griesheim. Die Spielleitung führt Hans Geißler. Diese Vorstellung findet als 21. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
mit seinen Verdiensten hier brüsten, sie sollten ihm nur glauben, daß er sich bisher noch nie etwas im Dienst habe zuschulden kommen lassen. Und dann sagte er einfach, daß er den Zug angehalten habe, um sich eine Frau zu suchen. Er habe keine andere Chance.
Da hatten die Leute also ihre Sensation, sie schrien wie verrückt und trugen ihn auf den Schultern umher, die Reporter, die darunter waren, blieben auch nicht untätig, sie blendeten ihn mit ihren Magnesiumblitzen, und zuletzt stand eine junge Holländerin neben ihm.
Sie konnte sich zwar nicht so recht verständlich machen mit Worten, aber der Bursche verstand sie gleich und legte den Arm um sie. Ihre Liebeserklärung war sehr kurz, sie gab dem Bahnwärter eine Ohrfeige und hielt ihm eine unverständliche holländische Rede, und jeder dachte, jetzt sei sie wütend, aber dann sprach sie nichts mehr und strich ihm nur einmal mit dem Finger über die Stelle, wo sie hingehauen hatte, und nun war alles in Ordnung.
Der Zugführer notierte das alles. Das Mädchen forderte die Passagiere auf, einzusteigen und schleppte den Bahnwärter zum Zugführer, wo er sich einstweilen entschuldigen mußte. Das Mädchen soll sehr hübsch gewesen sein, blond und schlank und beinahe so groß wie der Bahnwärter, der ein ziemlich langer Bursche war. Dann fuhr der Zug weiter, und' das holländische Mädchen stand mit ihrer Reisetasche neben dem Bahnwärter auf den Gleisen, und sie winkten den Reisenden nach, die sich in sämtlichen Fenstern drängten und ihnen ihre Glückwünsche nachriefen.
Ja, nun hatte der Bahnwärter wohl seine Frau und war glücklich mit ihr, mehr wußte ich nicht von dieser Geschichte.
Es war jetzt vollkommen dunkel, und ich merkte, daß es Wind gab, die Lampen schaukelten in den Straßen und der Regen hatte aufgehört. Auf dem Weg zu den Hafenkneipen machte ich plötzlich kehrt und ging zu Pims Logis hinein, wo ich wohnte, und ba gab mir der alte Pim einen Brief. Ich kannte die Schrift und mußte mich erst einmal setzen und einen Schnaps trinken. Er kam von Franziska.
Wir hatten uns mal vor Jahren zu Haufe sehr gern gehabt, aber dann hatte es mich wieder hinaus getrieben. Sie hatte mir von Zeit zu Zeit geantwortet. Weiß der Himmel, woher sie jetzt wieder meine Adresse hatte! Aber dies sei ihr letzter Brief, schrieb sie, ich sollte nun endgültig Schluß machen mit dem ewigen Herumtreiben in der Welt/ man wüßte ja, daß ich mich durchschlagen könnte, und
Josefa Berens-Tolenohl in Gießen.
Zum 4. Dichter-Abend dieses Vortragswinters haben Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein, wie man uns schreibt, die Dichterin Josefa Berens- Totenohl gewonnen. Der Bauernroman „Frau Magdlene" von Josefcr Berens-Totenohl gehört zu den Büchern, aus denen deutsches Schicksal uns entgegentritt. Ihr zweites Werk, „Der Femhof", ist ein lebendiges Stück Rassenkunde. Die Dichterin gilt als ausgezeichnete Mittlerin ihrer Werke. Die Vorlesung wird durch Musikvorträge der Spielschar des Untergaues 116 des BDM. umrahmt. (Siehe heutige Anzeige.)
Deutsche Arbeitsfront.
Orlswaltung Gießen-Süd.
Am Samstag, 6. März, 20.30 Uhr, findet im Kath. Vereinshaus in Gießen eine Mitgliederversammlung der Orlswaltung Gießen-Süd statt. Es spricht der Kreisobmann der DAF., Pg. Wagner.
Die Teilnahme an dieser Versammlung ist Pflicht für alle DAF.-Mitglieder der Ortswaltung Gießen-
lch sollte zugeben, daß dabei doch nichts herauskäme. Aber das wüßte ich ja alles selbst, ich hätte nur nicht den Mut dazu, kurz und gut, ich sollte mir mal unverbindlich das kleine Gehöft ansehen, das sie von ihrem Onkel geerbt hätte, man könnte sicherlich etwas daraus machen. Im übrigen könnte ich tun, was ich wollte, ich sollte mir nur nicht einbilden, daß sie mir was einreden wollte. Punkt. Schluß. Franziska.
Ich dachte noch einmal an den verrückten Bahnwärter, und dann dachte ich an Franziska, ich dachte etwas lange an sie, und nun mußte ich immerzu an sie denken und an ein kleines Gehöft am stillen Main.
Zwei Stunden später gab ich ein Kabeltelegramm an Franziska auf. Es regnete wieder, als ich zum letzten Mal in Pims Logis zurückkehrte, aber ich hatte jetzt nichts mehr gegen den Regen, denn wenn etwas wachsen sollte, mußte es ja regnen.
Aus Rudolf Huchs Erinnerungen.
Der Dichter über seine Mutter: Ihr ganzes Dasein hatte etwas Blumenhaftes. Wie eine seltene Blume ist sie vergangen, ohne eigentliche Krankheit. Sie ist nur vierzig Jahre alt geworden. Was etwa im eigentlichen Sinne Geniales in Ricarda und mir fein mag, stammt von ihr.
*
Ich bekam einen Brief und einen Taler ausgehändigt und wurde beauftragt, in einem Kaufladen, der am Ausgang der Stadt lag, die nötige Marke zu kaufen und den Brief in den Kasten zu werfen. Die Sache war mir gar nicht geheuer, denn wie konnte man sich mit einem fremden Kaufmann ins Einvernehmen fetzen und mit dem Gelde fertig werden! Anderseits wußte ich freilich das in mich gesetzte Vertrauen zu würdigen. Schon den richtigen Laden zu finden, war nicht einfach. Die Sache ging über alles Erwarten gut, ich war von Stolz erfüllt und freute mich auf die allgemeine Bewunderung. Wie war ich aber aus allen Himmeln gefallen, als ich zu Haufe verdutzt den Brief darbot und mich der Gewißheit nicht verschließen konnte, daß ich, versunken in das Ausmalen meines Triumphes, die neunundzwanzig Silbergroschen in den Briefkasten geworfen hatte.
Der Vorfall hat für mich etwas Symbolisches gehabt. Ich wollte, ich hätte all das Geld beisammen, das ich während meines Lebens in fremde Kästen geworfen habe.
*
Wir besaßen ein schönes Theater aus Pappe. Ich erntete gerechterweise viel Beifall mit einer großen
Süd. DieBelriebsgemeinschaftswalter sind für das restlose Erscheinen ihrer Betriebsgemeinschaften verantwortlich.
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Am Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die WHW.» Pfundsammlung statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspenden (Pfundpakete) zur Abholung bereitzuhalten.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.
Hilfskaffe.
Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen, zahlen ihren Beitrag zur Hilfskasse für die Monate April, Mai und Juni am
Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, jeweils in der Zeit vom 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 Hinterhaus.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Ost.
Am Dienstag, 2. März, findet ein Schulungsabend der Ortsgruppe Gießen-Ost für sämtliche Politische Leiter, Führer und Führerinnen der Formationen, Amtswalter und Amtswalterinnen der Gliederungen und angeschlossenen Verbände im Schützenhaus statt. Beginn pünktlich 20.30 Uhr.
Das restlose Erscheinen aller oben angeführten Mitarbeiter wird erwartet.
Betr.: Lebensmittel-Opferrring der Ortsgruppe
Die Sammlung wird Dienstag, 2. und Mittwoch, 3. März, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ift außen sichtbar anzugeben.
Es wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volksgenossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern.
Betr.: Kohlenversorgung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum 5. März täglich in der Zeit von 17 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen eine Wertquittung umzutauschen. Später eingereichte Kohlengutscheine können nicht mehr in Zahlung genommen werden.
Ortsgruppe Gießen-Nori), Winterhilfswerk 1936/37.
Am Donnerstag, 4., und Freitag, 5. 3., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.
Betr. kohlenabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie E und S) bis spätestens Freitag, 5. 3., 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Auf der Rückseite des Gutscheines ist die Art des gelieferten Brennmaterials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel ober Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift, Straße und Hausnummer des Hilfsbedürftigen tragen.
NSDAP. - Amt für Volkswohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Betr. Pfundsammlung.
Arn Mittwoch, 3. März, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungseinzeichnung bereitzuhalten.
romantischen Komödie, in der eine Fee namens Viola und ein dicker Bierwirt die Hauptrollen spielten. Der Titel war, meiner Quartanerwürde gemäß, „Error et terror“. Ricarda wartete mit einer Rittertragödie auf, von deren Inhalt ich leider nur noch weiß, daß ein Kammerzof — nicht eine Zofe — darin vorkam. Immerhin ist mir, zum Glück für die deutsche Literaturgeschichte, doch eine Stelle im Gedächtnis geblieben. Sie heißt:
Erster Ritter: Haut ihn! Zweiter Ritter: Au!
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Als Primaner habe ich mehr als einmal drei Sekundanern, die mit gezückten Federn um mich herum saßen, ihren deutschen Aufsatz diktiert, immer ledern einen Satz. Ihre Federn flogen über das Papier, und sie haben stets gute Nummern davongetragen. Später glaubte ich das meine getan zu haben, wenn ich einen Aufsatz für meine Tochter Zustande gebracht hatte, und ihre eigenen Leistungen pflegten günstiger beurteilt zu werden.
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Mir fehlte als Rechtsanwalt die Ader zum Geldverdienen. Ich verstand keine Rechnungen zu schreiben und habe oft umsonst gearbeitet. Wenn ich einen Prozeß verloren hatte, konnte ich niemals das selbstverständlich falsche Gefühl überwinden, für eine erfolglose Tätigkeit Geld zu verlangen, um) habe oft stillschweigend verzichtet.
Gloria-palast: „Ich lebe mein Leben/''
Die Zähmung und Bekehrung widerspenstiger und verwohnter Millionärstöchter' ist ein Lustspiel- Thema, dessen sich der Film in letzter Zeit nicht ohne Witz und Erfolg angenommen hat. Hier endet das Abenteuer ebenso wie seinerzeit in dem Clark-Gable- Film „Es geschah in einer Nacht". Es triumphiert am Ende die Archäologie über die Wallstreet, das heißt: Idealismus und Geist über Börsengeschäft und Scheckbuch, Liebe und Menschlichkeit über Launenhaftigkeit und Snobismus. Damals beherrschte Clark Gable die Szene, diesmal Joan C r a w - f o r d, die ihr ganzes Temperament austoben darf, bis sie sich entschließt, nicht ihr, sondern sein Leben zu leben und zu teilen. Er ist Brian A h e r n e, ein richtiger irischer Dickschädel, sympathischer junger Mann, Pygmalion in USA., dem man den Sieg am Traualtar von Herzen gönnt. Das Ganze — unter W. S. van D y k e s'Leitung — eine nette unbeschwerte Unterhaltung. — Im' Beiprogramm ein hübscher Tierfilm und die neue Wochenschau.
• . . . . . v , Hans Thyriot


