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führung der Oefsentlichkeit. Man hat sie ge­rufen, und Tausende haben ihr Leben für das Land gelassen.

Hält Holland einmal fest an der Politik der ge­schlossenen Tür für Indien, dann wird Batik Papan dank des Oels eine wirkliche Achillesferse für keine Kolonie. Das kommt um so schneller, je schneller der Konflikt infolge eines unbeschreiblichen Fatalismus in Europa ausbricht. Die einzige Poli­tik eines kleinen Landes ist wirkliche Neu­tralität, Objektivität, Optimismus und Aktivi­tät aus unabhängigem Willen. Nur so wird es der allgemeinen Gleichmacherei entgehen. Als wir am Abend Dalik Papan verlassen, weht am Strande Borneos die rot-weiß-blaue Fahne der Nieder­lande, vor einem Himmel der nationalen Orange­farben. Niemals bin ich sicherer als in diesem Moment, daß es so bleiben wird, wenn es Holland selber so will und darauf verzichtet, ideenmäßig seine Hilfe von anderer Seite zu erwarten.

Neun ausgewlesene Reichs­deutsche abbefördert.

Moskau sucht noch immer nach Beweisen.

Moskau, 1. März. (DNB.) Von den aus der Sowjetunion ausgewiesenen zehn Reichs­deutschen sind bisher neun, und zwar sechs aus Leningrad (Fischle, Klein, Walther, Larisch, Paul Bärwald und Tatjana Bärwald), drei aus Moskau (Thile, Goldschmidt und Melchior) unter Polizeibewachung zur Grenze abbefördert worden. Einer der zur Ausweisung Bestimmten, Wilhelm Pfeiffer, der beim Besuch des Ver­treters der Deutschen Botschaft einen sehr erregten Eindruck machte, ist bisher nicht abbefördert wor­den, sondern befindet sich, von von Sowjetseite mit­geteilt wird, nach wie vor in Gewahrsam des Jnnenkommissariats in Moskau. Pfeiffer, der früher Kommunist war und nicht nach Deutsch­land zurückkehren wollte, soll, wie jetzt bekannt wird, in ein anderes Land abgeschoben werden.

Manche reichsdeutschen Gefangenen sind während ihrer Haftzeit offenbar einem doppelten Druck ausgesetzt worden, indem sie nicht nur fälschlich beschuldigt, sondern auch mit angeblich nach der Rückkehr in Deutschland ihnen drohenden Gefahren geschreckt worden sind. Insofern ist es deshalb auch bezeichnend, daß, abgesehen von den zehn Reichsdeutschen, die jetzt ausgewiesen wurden, noch kein einziger der zumeist seit Monaten Verhafteten trotz wiederholten Verlangens der Bot­schaft von einem Botschafts- oder Kon­sularoertreter hat besucht werden können. In einer sowjetamtlichen Mitteilung, in der die Ausweisung der obenerwähnten Reichsdeutschen mitgeteilt wurde, heißt es,die Ausgewiesenen hätten sich in der Voruntersuchung schul­dig bekann t". Im Gegensatz hierzu haben sie bei dem Besuch des Vertreters der Deutschen Bot­schaft ausnahmslos jede der ihnen zur La st gelegten Vergehen be st ritten und immer wieder ihre Unschuld beteuert.

Der neue (Sowjetbotschaster in Valencia.

Ein Spezialist der kommunistischen Propaganda."

Paris, 1. März. DerMatin" warnt davor, zu glauben, daß mit dem Sowjetbotschafterwechsel in Valencia Moskau auf weitere Wühlarbeit in Spanien verzichten würde. Der neue Sowjetbot­schafter in Valencia, Leo Jakobsohn-Gaikis, geanntder schweigsame Agitator", sei der An­stifter zahlreicher kommuni st ischer Aufstände in Lateinamerika gewesen. In Moskau scheine man der Ansicht zu sein, daß Mo­ses Rosenberg dieFühlung mit den revolutionären Massen" verloren habe. Außerdem habe er nicht mit der nötigen Geschmeidigkeit zu handeln gewußt, um Reibungen mit den Häuptlingen der spanischen Bolschewisten zu vermeiden. Jakobsohn-Gaikis war nach einer schnellen Laufbahn bei der Tscheka und bei der Propagandasektion der Komintern 1924Ge­sandtschaftssekretär" in Mexiko bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und Sowjetrußland, der mit auf seine revolutio­näre Agitation zurückzuführen war. Unter seinem Kommando seien dann die zahlreichen kommunisti­schen Aufstände in Bolivien, Peru, Chile und Bra­silien ausgebrochen, an denen vor allem die India­ner teilgenommen hätten. Seitdem werde Gaikis alsSpezialist der kommunistischen Propaganda" betrachtet. Gaikis beherrsche die spanische Sprache, was ihm erlauben werde, mit den örtlichen Leitern wie auch mit denspanischen Massen" selbst in enger Fühlung zu sein.

Oie Grenzkontrolle.

Die leitenden Männer der Ueberwachung bestimmt.

London, 2. März. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, daß die leitenden Posten des Ueberwachungsplanes für die spanischen Grenzen uttd Küsten bereits provisorisch verteilt worden seien. Die Oberleitung zu Wasser und zu Lande werde der frühere Oberbefehlshaber der niederländischen Flotte Vizeadmiral de Graaf inne haben. Als Chef der internationalen See- kontrolle und der Hafeninspekteure sei der holländische Konteradmiral Olivier vorgesehen. Die Leitung der internationalen Ueberwachung a n d e r französisch-spanischen Grenze werde dem dänischen Generalstabsoffizier Oberst Lunn übertragen werden. Kapitän Malcolm H. S. McDonald ist zum Leiter der Landkontrolle an der portugiesischen Grenze und zu seinem Vertreter Kapitän A H. Smyth ernannt worden. Die beiden Engländer werden im Lause der Woche zusammen mit dem ersten Kontingent britischer Beobachter ehemaligen Seeoffizieren und Zollbeamten nach Portuaal reisen, um dort an der portugiesischen Grenze die vom Nichtein-.

mischungsausschuß vorgesehene Kontrolle auszu­üben. Zunächst werden 130 Engländer ent­sandt. Kapitän McDonald hat als aktiver Marine­offizier an der Schlacht am Skagerrak teilgenom­men. Die tatsächliche Ueberwachung wird nach Meinung derMorning Post" voraussichtlich erst am 20. März in Kraft treten. Auch für die übrigen Maßnahmen sei mit einer beträchtlichen Ver­zögerung zu rechnen, da der Ueberwachungs- plan die Aufstellung von insgesamt 1000 Beobach­tern erfordern werde.

Jüdische Kriegsgewinnler.

Holländische Flagge für Waffentransporte mißbraucht.

Amsterdam, 2. März. (DNB. Funkspruch.) Ueber Waffentransporte nach dem bolschewistischen Spanien auf Schiffen unter niederlän­discher Flagge schreibt das nationaleDag- blad": Hinter diesemneutralen" holländischen Verkehr stehe der internationale Finanzjude Daniel Wolf, der zu den marxistischen französischen Ge­werkschaften enge Beziehungen unterhalte. Der Apparat des internationalen Judentums, der im Weltkrieg soviel habe von sich reden machen, laufe nun wieder auf vollen Touren und zögere keinen Augenblick, das Leben holländischer Seeleute auf

diesen gefährlichen Fahrten, deren Versicherung keine Gesellschaft zu übernehmen bereit sei, aufs Spiel zu setzen, um selb st die riesigen Kriegsgewinne einzustecken. Das Blatt rich­tet scharfe Angriffe gegen die Regierung, die nichts tue, um diesen Mißbrauch der nieder­ländischen Flagge abzustellen, sondern für die Lieferung nach Sowjetfpanien sogar Aus­fuhrprämien bezahle. Auch derNieuwe Rotterdamsche Courant" berichtet über Waffen­transporte auf holländischen Schiffen nach Sowjet­spanien, bisher habe sich noch niemand bemüht, diese Transporte zu verhindern.

Erneuter Bergarbeiterstreik in Ungarn.

Im Fünfkirchener Kohlenrevier (Ungarn) ist der Bergarbeiter st reik mit erneuter Kraft aus- gebrochen. In einer sozialdemokratischen Versamm­lung der Bergarbeiter wurde beschlossen, die Arbeit erst wieder aufzunehmen, wenn die Eigentümerin des Bergwerks, die Donau-Dampffchiffahrts-Gesell- schaft, die Entlassung von 146 Arbeitern rück­gängig gemacht habe. Dem Streik haben sich auch die zur christlich-sozialen Gewerkschaft gehören­den Arbeiter angeschlossen. Bei Schichtwechsel haben sich etwa 12 v. H. der Belegschaft zur Aufnahme der Arbeit gemeldet.

Die Feldpost im Weltkriege.

Von Major a. O. Walter Hofmann (im Kriege Referent für Feldpostfragen im Stabe des Generalquartiermeisters im Großen Hauptquartier).

Fürst Bismarck rühmt in feinenGedanken und Erinnerungen" mit Recht die fchöpferifche Persön­lichkeit des Generalpostmeisters Stephan, ins­besondere feine Aufgeschlossenheit allen brauchbaren Neuerungen gegenüber. Diese Grundhaltung ist bei unserer Reichspost noch heute beste und lebendige Ueberlieferung; ihr verdanken wir die Fortentwick­lung vieler Erfindungen vom Fernsprecher bis zum Rundfunk und Fernsehen unserer Tage und gerade in deren schwierigen Anfängen war die Reichspost ein verständnisvoller Helfer und För­derer, ja oft Bahnbrecher in pflichterfülltem Einsatz von Mensch und Technik im Dienste der vielseitigen Aufgaben des heutigen Verkehrs.

Auch während des Weltkrieges hat die Reichs­post mit Hilfe der Feldpost die für Heer und Heimat unentbehrliche Verbindung bis zu den fern­sten Schützengräben in Flandern und Mesopota­mien, in den weiten Gebieten Rußlands urti) Ru­mäniens bis hinauf nach Helfingfors und hinab zur Lombardei hergestellt. Große Schwierigkeiten waren hierbei zu überwinden. Angesichts der Auf­gaben und Leistungen der deutschen Feldpost wird so recht klar, wie sehr der Weltkrieg für uns e i n Volkskrieg war. Dies ging nicht nur daraus hervor, daß die Kriegsteilnehmer aus allen Schich­ten der Bevölkerung kamen, sondern auch daraus, daß auf Altersklassen zurückgegriffen werden mußte, die früher ganz oder teilweise vom Heeresdienst befreit waren. Die Feldpost versorgte neben der eigentlichen Kampftruppe alle rückwärtigen Kom­mando- und Verwaltungsstellen des Etappen- oder sonstwie besetzten Gebiets nebst den dazugehörigen Formationen. Sie alle standen mit der Heimat oder dem Feldheere in postalischem Austausch. Der gleichstarke seelische Druck des Krieges lastete auf Volk und Heer und schuf eine solche Gemeinsamkeit des Erlebens, daß der Nachrichtenaustausch zu einem starken Bedürfnis wurde, mit dem alle Trup­penführer und selbst die Heeresleitung rechnen mußten. Die äußerst gesteigerten Formen des ins Riesige gewachsenen Feldpost-Verkehrs, der den des Krieges 1870 um das Fünfunddreißigfache über­stieg, wurde so zu einem Abbild aller Spannungen und Stimmungen des gesamten Volks.

Die stärkste seelische Belastung entstand gleich zu Anfang des Krieges. Der unbedingt geheim zu hal­tende Aufmarsch erforderte gebieterisch die Zu­rückstellung postalischer Wünsche, so berechtigt sie auch waren. Die dringende Notwendigkeit, große zum Schlagen fähige Truppenmassen schnellstens hinüberzuwerfen ins feindliche Land, stand im Vordergrund. Die Eifenbahnlage, von der die Poftverforgung abhängig war, schuf an den großen Knotenpunkten, besonders an der Grenze, derartige Zusammenballungen, daß die Entwir­rung nur allmählich möglich war. Die unerwartete Schnelligkeit des Vormarsches ergab weitere Verzögerungen. Die Heimat konnte dieses alles nicht ahnen und belastete mit einer Flut gut gemeinter Sendungen den Verkehr. Unkenntnis oder unfertige, ja falsche Anschriften von Truppenteilen, die es im Frieden nicht gegeben hatte, brachte Verwirrung. Alles dieses bewirkte, daß Heimat und Truppe ge­rade die ersten Wochen des Krieges oft in qual­voller Ungewißheit verleben mußten. Aber selbst nachdem der Stellungskrieg den Feldpost- Verkehr in ruhigere geregelte Bahnen gelenkt hatte, brachten die später von den maßgebenden Kom­mandostellen verfügten Po st sperren ähnliche Lagen. Sie mußten aber angeordnet werden, um dem Gegner strategische Truppenoerschiebungen zu verschleiern oder um bestimmte Bahnlinien dem vordringlichen Transporte von Truppen und Kampf­gerät freizuhalten. Heer und Heimat haben diese, oft längere Zeit andauernde, Trennung willig ge­tragen.

Jrn Mittelpunkt aller postalischen Bemühungen standen immer die Bedürfnisse der kämp­fenden Truppe. Kein Krieg wird aber auf die Dauer nur mit Gewehren und Kanonen geführt. Erst die seelische Verbindung zur Heimat gibt der kämpfenden Truppe den inneren Sinn und die Stütze, deren sie so bitter bedarf. Größte Bedeutung hatte deshalb auch die Zuführung von Lie­besgaben. Sie wurden aus der Heimat in reichstem Maß gespendet und besonders dankbar von den Feld- und Kriegslazaretten begrüßt; sie waren allerdings in ihren Ansprüchen an Raum und Gewicht eine ganz besondere postalische Schwie­rigkeit. Der zunehmende Mangel in der Heimat, besonders in der Ernährung der Bevölkerung, führte später zu einem Rückgang der Liebesgaben-

sendungen. Dagegen entwickelte sich ein immer stär­ker werdender Feldpaketverkehr vom Feldheer nach der Heimat, und mancher Brief aus dem Felde hat wohl auch die Stimmung in der Heimat gehoben.

Bei der Zusammensetzung des deutschen Heeres aus allen Berufen und der geistigen Durchbildung auch des einfachen Soldaten, der im Frieden durch gute Schulen gegangen war, machte sich im Felde bald ein starkes Bedürfnis nach geistiger Nahrung, d. h. Zeitungen geltend. Dieses steigerte sich naturgemäß, als durch die Ruhe des Stellungs­krieges in den Unterständen und Dörfern hinter der Front die Eintönigkeit der langen Winter­abende besonders stark empfunden wurde. Auch im Kriege 1870 entstanden ähnliche Bedürfnisse, so daß damals monatlich etwa 70 000 Zeitungssendungen ins Feld gingen. Im Weltkriege wurden z. B. fol­gende Ziffern erreicht:

September 1914 300 000 Zeitungen

Dezember 1914 690 000

Januar 1916 3 040 000

Dezember 1917 5 900 000

Hierbei wurde möglichste Beschleunigung der Zu­stellung erstrebt. Ich erinnere mich einzelner Stich­proben der Obersten Heeresleitung mit dem Er­gebnis, daß z. B. bei der 5. Armee die Morgen­ausgabe der Berliner Zeitungen bereits am Mor­gen nach dem Erscheinungstage, die Abendausgabe am Nachmittag nach dem Erscheinungstage bei der Truppe zur Ausgabe gelangte.

Die Armeen im Osten konnten allerdings nicht so schnell versorgt werden. Die Straßenverhältnisse, soweit man hiervon oft überhaupt sprechen konnte, erschwerten jeden Nachschub in empfindlichster Weise, insbesondere bei der Feldpost, die durchgängig nur mit Pferden und Wagen anstatt auch mit Autos ausgerüstet war. Es wäre unbillig, hier unerwähnt zu lassen, wie namenlos die sich auftürmenden Schwierigkeiten waren. Im Osten spielten sich die Kampfhandlungen, gemessen an den Armeeabschnit­ten, in viel größeren Räumen ab. Der rasche Vor­marsch der Truppen legte bald große Entfernungen (von 200 ja bis 300 Kilometer) zwischen diese und die Eisenbahnendpunkte, so daß die Beförderungs­mittel der Feldpost nicht ausreichten. Hilfe an Pferden und Fahrzeugen konnte von der Truppe infolge ihres Eigenbedarfs nicht geleistet werden. Beitreibungen aus dem Lande hatte auch meist schon die Truppe, als vordringlich für sich selbst, vorgenommen, so daß hier wenig zu holen war.

Am störendsten waren aber die starken Trup­penverschiebungen in diesen großen Räumen und die häufigen Neubildungen von Armeen und Armeeteilen. Man denke an die Umgruppie­rungen nach Tannenbera, an Hindenburgs Vorstoß in Südpolen, an die Verschiebung in den Raum von ThornPosen für den Vorstoß in Richtung Lodz ufro. Das alles führte zu großen Stauungen besonders der Päckchenpost an den Umschlagstellen. Die Verhältnisse wurden auch hier erst geregelter, als es gelang, durch Taufende von Arbeitskräften die Straßen in leidlichen Zustand zu bringen, den Kraftwagen einzusetzen und nützliche Querverbindungen zu schaffen. Trotz allem hat aber im Osten nur das Pferdefuhrwerk die meisten Postverbindungen hergestellt.

Aber gerade die Schwierigkeiten der Postzufüh­rung, die die Truppe aus eigenem Erleben wohl kannte, ließen die Ankunft der Post im Osten und den anderen entfernteren Kriegsschauplätzen von der Truppe besonders dankbar empfinden; auch spielten dort kleinere durch Päckchen übersandte Ge­brauchsgegenstände eine ungleich freudigere Rolle als im Westen, wo doch immerhin manches ge­kauft werden konnte. Es ist wohl auch ein altes menschliches Gesetz, daß etwas um so höher ge­schätzt wird, je schwieriger es erworben wurde. Jedenfalls: Wo auch unsere Truppen standen und kämpften, im Westen ober Osten, in Finnland, in der Ukraine, auf der Krim ober im Kaukasus, ob am Euphrat oder Tigris, in Palästina ober irgend­wo auf dem Balkan, wenn Muttern die Adresse richtig schrieb: die Feldpost hat immer ihren Mann gefunden, und Muttern hat ihren Gruß von noch fo weit her erhalten.

Einstellung junger Ingenieure in den Postdienst.

Die Deutsche Reichspost stellt laufend eine große Zahl junger Ingenieure möglichst der Fachrich­tung Elektrotechnik als Anwärter für den gehobenen mittleren Beamtendienst ein. Diese An­wärter werden zunächst zwei Jahre in den einzel­

nen Betriebszweigen der Deutschen Reichspost aus­gebildet; sie erhalten während des ersten Jahres eine Vergütung von rund 160 Mark, und im zwei­ten Jahr von "rund 190 Mark monatlich. Nach dem Vorbereitungsdienst werden sie in das außerplan­mäßige Beamtenverhältnis übernommen und spä­testens nach drei weiteren Jahren als Technischer Telegrapheninspektor planmäßig angestellt. Später bieten sich ihnen weitere Beförderungsmöglichkeiten. Bewerbungsgesuche sind an das Reichspostzentral­amt, Berlin-Tempelhos, zu richten. Ausführliche Merkblätter sind bei allen Post- und Zweigpost­ämtern erhältlich.

Aus aller Wett.

Bekannter deutscher Flugzeugmotorenkonstrukteur gestorben.

Im Alter von 49 Jahren st a r b in Dessau der bekannte Flugzeugmotorenkonstrukteur Dr.-Jng. Jo­hannes G a st e r st ä d t, ein langjähriger Mitarbei­ter der Junkers-Forschungsanstalt. Der Name des Verstorbenen ist vor allem mit der Entwickelung der Schwerölflugmotoren von Junkers verbunden. Vor zehn Jahren übernahm Dr. Gafterftädt als Haupt­arbeitsgebiet den Schwerölflugmotor, dessen Grund­lage Professor Junkers vor und während des Krie­ges geschaffen hat. Die letzten Erfolge der Junkers- Schwerölmotoren find die Flüge DessauBathurst im Ohnehaltflug und Nordatlantikversuchsflüge der Deutschen Lufthansa AzorenNeuyork. Für die Junkerswerke und für die deutsche Luftfahrtindustrie bedeutet bas Ableben von Dr. Gasterstädt einen großen Verlust.

Das hochsche Konservatorium wird staatliche Hochschule.

In Frankfurt fand die Beratung des Haushalts­voranschlags statt. Wie Stadtrat Keller mitteilte, hat sich der Minister bereit erklärt, das Hochsche Konservatorium in Frankfurt als staatliche Hochschule anzuerkennen. Die neue Hochschule wird eine bauliche Erweiterung erfahren und soll die Ab­teilungen künstlerische Ausbildung, Musikerziehung und Kirchenmusik enthalten.

Große Schneeverwehungen in der Schweiz.

Die Schneefälle, die in den letzten Tagen in den Alpen niedergingen, führten zu großen Schnee­verwehungen, die Unterbrechungen auf eini­gen Bahnlinien zur Folge hatten. Hinzu kamen viele Lawinenstürze, die der Föhn verur­sachte. Ein Hilfszug mit Schneeschleudermaschinen wurde auf der Bernina-Bahn von Schneemassen überrascht. Diele Bahnangestellte wurden verschüt­tet. Nur einer konnte sich aus dem Schnee befreien. Der Hilfszug sollte einen steckengebliebenen Zug von St. Moritz befreien. Auf der Diavolezze-Hütte find 33 Touristen eingeschneit. Sie haben nur wenig Proviant. Vorbereitungen zu ihrer Befreiung wur­den getroffen.

Drei Arbeiter durch einen Schneerutsch getötet.

Im Bernina-Gebiet wurde eine mit der Schnee­schleudermaschine zur Deffnung einer Straße vor­gehende Arbeitergruppe von einem Schneerutsch zugedeckt. Drei Arbeiter wurden getötet, einer konnte gerettet werden.

Lawinensturz auf der Brennerftrecke.

In der Nähe des Brenners ging eine Lawine nieder, durch die die Eisenbahnlinie auf einer Strecke von 50 Meter verschüttet wurde. Da­bei erlitt die Lokomotive des gerade vorbeifahren- ben Schnell zuges Berlin Rom leichte Beschäbigungen. Eine Arbeitsabteilung hat nach einigen Stunben mühevoller Arbeit den Bahnkör­per von den Schneemassen freigelegt, fo daß der Verkehr wieder ausgenommen werden konnte. Der Schnellzug kam mit vier Stunden Ver­spätung in Bozen an.

Vierfache Mordtat eines tobfüchtigen Negers in USA.

In Denver (Colorado) erschien der Neger B a i 1 e y, ein ehemaliger Prediger, im Nothilfebüro, um wegen einer laufenden Unterstützung vorstellig zu werden. Als er hörte, daß sein Gesuch abgelehnt sei, erlitt er einen Tobsuchtsanfall. Mit einem Revolver in der Hand raste er durch die Räume und schoß blindlings um sich. Vier Ange­stellten wurden tödlich verletzt, andere kamen mit leichteren Schußwunden davon. Es kostete große Mühe, den Rasenden zu überwältigen.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Durch den im Nordseegebiet liegenden Tiefdruck- Wirbel, der sich mehr und mehr westwärts verlagert, werden mehr oder weniger kalte Luftmassen nach Deutschland verfrachtet. Unterstützt durch nächtliche Aufheiterung ist es in der vergangenen Nacht auch in unserem Gebiet vielerorts zu Frösten gekommen, doch ist auch für die Folge noch kein durchaus be­ständiges Wetter zu erwarten.

Ausfichten für Mittwoch: Wolkig bis aufheiternd, doch auch noch vereinzelte Nieder­schläge (meist Schnee), bei veränderlichen, teilweise östlichen Winden, Temperaturen wenig geändert, nachts vielfach Frost.

Aussichten für Donnerstag: Noch im­mer meist unbeständiges und ziemlich kaltes Wet­ter, aber nicht unfreundlich.

Lufttemperaturen am 1. März: mittags 3,4 Grad Celsius, abends 1,9 Grad; am 2. März: morgens 0,6 Grad. Maximum 3,5 Grad, Minimum heute nacht1,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. März: abends 2,3 Grad; am 2. März: morgens 1,3 Grad. Sonnenscheindauer 0,3 Stun­den. Niederschläge 0,4 mm.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhal? der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 37: 11 250. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags

15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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