Ausgabe 
1.12.1937
 
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Nr. ?80 Erstes Matt

187. Jahrgang

Mittwoch, I.VezemberlyZr

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Nie angelsächsischen Wiktschastsverhandlungen.

Vr n Or. Garl WeNthor.

Die dem amerikanischen Präsidenten Roose­velt vor drei Jahren erteilte Ermächtigung zu Wirtschaftsoerhandlungen sieht vor, daß die Ankündigung von Verhandlungen das Stichwort für die Interessenten sein soll, sich mit ihren Wün­schen und Bedenken zum Wort zu melden. Diese öffentliche Anhörung (public Hearing) hat natürlich nur dann Zweck, wenn in Vorverhandlungen über Gang und Ziel der Verhandlungen allgemeines Einverständnis erzielt worden ist. Die öffentliche Anhörung dürfte den Rest des laufenden Jahres ausfüllen, so daß die eigentlichen Verhandlungen, die in Washington geführt werden sollen, bald nach Neujahr, spätestens aber Mitte Januar, beginnen dürften.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben bisher mit 16 fremden Ländern auf der neuen Grundlage Handelsvereinbarungen getroffen. Gegen­über Deutschland besteht seit zwei Jahren vertragsloser Zu st and. Auch zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien gibt es nur die beiderseitige Meistbegünstigung, aber keinen Wirtschaftsvertrag. Der Warenaustausch zwischen den beiden angelsächsischen Ländern ist gegenüber dem letzten Hochkonjunkturjahr (1929) stärker gesunken als im Gesamtdurchschnitt. Groß­britannien, das im Jahr 1929 für nicht weniger als 4001 Millionen Mark amerikanische Waren ab- aenommen hatte, kaufte in der Union im Jahre 1936 nur noch für 1157 Millionen Mark. Da die beiden Länder in der Zwischenzeit (Großbritannien im Jahre 1931 und die amerikanische Union im Jahre 1933) ihre Währung etwa im gleichen Maß abgewertet haben, sind die Zahlen ohne Einschrän­kung vergleichbar.

In den Jahren von 1929 bis 1932 zeigte der gesamte internationale Warenaustausch eine scharf rückläufige Bewegung. Wenn aber an der Erholung des Außenhandels feit 1933 der britisch­nordamerikanische Warenverkehr nicht beteiligt ist, so erklärt sich das ganz überwiegend aus jenem Vertrag, den Großbritannien und seine wichtigsten Gliedstaaten im Jahre 1932 über einen stärkeren Warenverkehr innerhalb des britischen Weltreiches zu Ottawa abgeschlossen hatten. Wenn jetzt Großbritannien sich um einen lebhafteren Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten be­müht, so ist das ein besonders wichtiger Abschnitt in jener Politik, die das britische Mutterland wirt­schaftlich von feinen Gliedstaaten den Dominien , und größeren Kolonien wegführt. Dies Be­streben war bereits auf der Weltreich-Konferenz Mitte 1937 (im Anschluß an die Krönung Georg VI.) erkennbar. Sie hat ihren Grund in der Sorge, in der Versorgung mit Lebensrnitteln und wichtigen Rohstoffen allzusehr auf die Zufuhr aus solchen Ländern angewiesen zu sein, die weit entfernt liegen, und zu denen die Zufahrtlinien unter ge­wissen politischen Konstellationen gesperrt oder doch bedroht werden könnten.

Unter den führenden Männern des britischen Weltreichs hat besonders der kanadische Minister­präsident Mackenzie King, der vor einigen Monaten auch Deutschland besucht hat und vorn Führer und Reichskanzler empfangen worden ist, 2ie Neuausrichtung der britischen Wirtschafts- und 'Dersorgungspolitik zu fördern gesucht. Kanada hat :mit den Vereinigten Staaten kürzlich einen Vertrag »abgeschlossen, der deshalb so schwierig war, weil 'Kanada nur ein einziges wichtiges Ausfuhr- imtereffe hat: landwirtschaftliche Erzeug- misse und die Vereinigten Staaten selber an Algrarprodukten einen Produktionsüberschuß haben. »Es scheint, daß der Besuch, den der amerikanische Staatssekretär Hüll am 20. und 21. Oktober dem kritischen Generalgouverneur und dem kanadischen Premierminister in Ottawa abgestattet hat, wesent­lich zum jetzigen Beschluß beigetragen hat, mit Wirt- ffchaftsverhandlungen zu beginnen.

Oer japanische Vormarsch auf Nanking.

Keine Sicherheitszone in der Hauptstadt.

Schanghai, 30. Nov. (DNB.) (Dftafienbienft des DNB.) Bei ihrem Vorstoß nach Nordwesten haben die Japaner am Dienstag die westlich vom Tai-See an der Straße nach Wuhu gelegene Stadt K w a n g t e h eingenommen.Es scheint beabsichtigt zu sein, den Vormarsch auf Nanking auf vier großen Haupt st raßen durchzuführen, die in den südlichen Außenbezirken der chinesischen Haupt-

Die Pfeile auf unserer Karte bezeichnen den japa­nischen Vormarsch auf Nanking. (Scherl-M.)

Wuhu

TAI-SEE

Kwching

25____SO Jan

stadt Zusammentreffen. Aus Hangtschau kommend, sollen weitere japanische Reserven nach Norden vor- stoßen. Ein Teil schiebt sich längs der Hangt­schau Schanghai-Bahn in nordöstlicher Richtung vor, während die andere Kolonne scharf nördlich zum Tai-See vordringt. Bedeutungsvoll ist die Tatsache, daß es den Japanern am Diens­tag gelang, nach der bereits gemeldeten Einnahme der Kiangyin-Forts eine Durchfahrtslücke durch die in der Nähe errichtete chinesische Schiffs­sperre im Dangtse zu erzwingen.

Die Chinesen versuchen jetzt, eine neue von Tschingkiang über Tanyang in nord süd­licher Richtung nach hintan verlaufende Stel­lung zu halten. Auch eine neue Flußsperre wird bei Tschingkiang vorbereitet, um nach Mög­lichkeit das Vordringen japanischer Kriegsschiffe nach Nanking zu verhindern.

Die elf noch in Nanking verbliebenen deut­schen Staatsangehörigen sind an Bord eines auf dem Pangtse liegenden Schiffes unterge­bracht. - Ein englisches Kanonenboot hat am Dienstagmittag Hankau verlassen, um sich nach Nanking zu begeben. Die Verhandlungen, Hang­tschau aus dem Kriegsgebiet herauszuschneiden und eine Sicherheitszone innerhalb Nan­kings zu errichten, sind bisher ohne Erfolg geblieben.

OerjapanffcheStaaishaushaft

45 v.H. Militärausgaben.

China-Krieg geht auf Sonderkonto.

Tokio, 30. Nov. (DNB.) Das japanische Kabi­nett billigte den Staatshaushalt für 1938, der mit 2 868 299 000 Jen abschließt, also eine Erhöhung um 55 Millionen Jen gegenüber dem Etat von 1937 aufweist. Der lausende Militäretat mit insgesamt 1,24 Milliarden Jen macht etwa 4 5 v. H. des Gesamtetats aus; jedoch sind darin dieAusgaben für d e n Eh i n a - K o n f l i k t nicht enthalten, die auf Sonderrech­nung gehen. Neu im Haushalt vorgesehen ist ; die Einrichtung einesBüros für Gesundheit und l Wohlfahrt" als Vorläufer eines Sozialministeriums mit einem Etat von 85 Millionen; ferner besondere Mittel für Jugenderziehung in nationalem Geiste, i für Erhöhung der Produktionskapazität, Verstärkung der Kontrolle der Kriegswirtschaft, Entwicklung der Flugzeugindustrie und Förderung der Pilotenaus­bildung.

Haussuchung der GM. in der Warschauer Sowjetbotschast.

Familien der Gowjetdiplomaten werden als Geiseln in Moskau zurückbehalten

Warschau, 30. Nov. (DNB.) In der War­schauer Sowjetbotschast wurde von einer sechsköpfigen Sonderkommission der GPU. eine Haussuchung durchgeführt, die bis in die späten Abendstunden andauerte. Besondere Auf­merksamkeit wurde den privaten Räumen des bisherigen Sowjetbotschaters D a w t j a n und dem Arbeitszimmer seines ebenfalls in Moskau verhafteten Pressechefs zugewendet. Einzelne Sessel aus dem Zimmer Dawtjans wurden auseinander­genommen, Papiere und Privatbriefe beschlagnahmt und nach Moskau transportiert. Die Kontrollkom­mission habe selbst die Kellerräume nicht ausge­lassen und in den Wohnräumen Dawtjans d i e Tapeten und das Parkett aufgerissen.

Warschauer Blätter stellen fest, daß die Haus­suchung auf alle Beamten der Sowjetbotschaft einen niederschmetternden Eindruck gemacht hat. Ein gro­ßer Teil befürchte, daß man ihn demnächst nach dem Beispiel Dawtjans und seiner engster Mit­arbeiter nach Moskau a b b e r u f e n und dort ver­haften werde. In den letzten sechs Monaten hätten 72 Sowjetbeamte sich geweigert, ihrer Rück- bcrufung in das Sowjetparadies Folge zu leisten Angesichts dieser Erfahrungen sei in Moskau be­schlossen worden, künftighin nur noch Personen,

die Familie haben, ins Ausland zu schicken, und zwar ohne ihre Angehörigen, um eine Ge­währ dafür zu erhalten, daß sie, wenn sie abberufen werden, auch nach Sowjetrußland zurückkehren. Selbst die nächsten Angehörigen des Sowjetbotschaf­ters D a w t j a n wüßten nicht, was ihm geworden sei. Alexandrow, der Presseattache Dawtjans, soll erschossen worden sein.

Neun Militärattaches der Sowjets abberufen".

Paris, 1. Dez. (DNB. Funkspvuch.) DerMa- tin" will berichten können, daß unter dem Ver­dacht derSpionage zugun st en faschi- st i s ch e r Mächte" und desAttentatsplanes gegen Stalin" zahlreiche sowjetrussische Militär­attaches unter verschiedenen Vorwänden nach Moskau zurückberufen worden feien, wo sie vor ein Militärgericht gestellt werden sollen. Alsabberufen" nennt derMatin" den Mi­litärattache der Sowjetbotschaft in Paris, General Semenoff, sowie die. Militärattaches in Tokio, Nanking, Teheran, Kabul, Rom, Valencia, Athen und in Ankara.

Der Verlauf der Dinge wird folgender sein: die Verhandlungen dürften sich bis in das Frühjahr 11938 hinziehen. Dann müßten die britischen Unter­händler wegen des vorläufigen Ergebnisses mit den Vertretern der Dominien in Verbindung treten und srst bann besteht Aussicht auf Abschluß eines Ver­lages. Eine Verzögerung über den Sommer hin­aus liegt weber im Interesse Großbritanniens, das auf Abschluß eines Vertrages mit der amerikani- chen Union drängt, noch auch im Interesse der Re­gierung Roosevelt, die sehr gern einen Erfolg in diesen Verhandlungen in die Waagschale der K o n- g r e ß w a h l e n vom November 1938 werfen würde.

Ueberall wird zugegeben, daß die Auseinander- ltzungen schwierig und langwierig werden dürften. Washington scheint darauf verzichtet zu haben, vor Beginn der Verhandlungen eine grundsätzliche Er­klärung der britischen Regierung in der Schulden­rage zu fordern. Aber bestehen bleibt die soge­nannte Johnson-Akte, die jede Kreditgewäh­rung an solche Länder verbietet, die ihre alten schulden nicht anerkannt haben und in ihren Rückzahlungsverpflichtungen säumig geworden sind. Auch mit Rücksicht auf Frankreich, das gleich Lngland den amerikanischen Gläubigern die laufen­den Zins- und Tilgungszahlungen aufgekündigt hat, i»ätte die Londoner Regierung einem solchen An- Lichen der Regierung Roosevelt nicht entsprechen iönnen.

Por zehn Jahren waren die Vereinigten Staaten bevorzugte Lieferanten Großbritanniens nicht -,ur für wichtige Rohstoffe (Erdöl, Häute, Baumwolle und gewisse südamerikanische Transit­

waren), sondern auch für einige hochwertige I n - dustriewaren, wie Kraftwagen, Buchhaltungs­und Werkzeugmaschinen. Weiter erzeugt Amerika Nahrungsmittel, an denen in England star­ker Bedarf besteht, z. B. Speck und Schweine­schmalz. Die neue amerikanische Neutralität s- praxis, die von ausländischen Kriegführenden Bezahlung im Verschiffungshafen und Verfrachtung auf nichtamerikanischen Schiffen verlangt, bedeutet für Großbritannien mit seinen reichen Gold- und Devisenreserven und seiner leistungsfähigen Han­delsflotte keinerlei Erschwerung der Versorgung im Fall von internationalen Komplikationen. Für Amerika hätte die Gewinnung eines zahlungs­fähigen, unbedingt zuverlässigen Großabnehmers zweifellos einen starken Reiz. Der Warenverkehr mit Großbritannien ist für die amerikanische Union stets hochgradig aktiv gewesen. Großbritannien würde es nicht wie andere Länder nötig haben, auf einen Aktivsaldo im Warenaustausch mit den Ver­einigten Staaten zu bringen; es würbe aus ben großen Beteiligungsgewinnen, bie es überall in ber Welt erzielt, auch einen sehr beträchtlichen Aktiv- | falbo ber Amerikaner im Warenverkehr glatt ab­gelten können.

Zwischen D e u t s ch l a n b unb ber amerikanischen Union besteht gleichfalls ein v e r t r a g s l o s e r Zustanb. Zwischen Deutschland unb Großbritan­nien gibt es neben bem Handelsvertrag ein Zah­lungsabkommen, bas sich im allgemeinen bewährt hat, inbem es Deutschlanb einen Devisenüberschuß läßt unb ben britischen Inhabern beutscher Schuld- titel bis zu einem gewissen Grabe Deckung ver­schafft. Deutschlanb hat mit Kanabaunb Süd-

a f ri k a Wirtschaftsabmachungen getroffen und konnte vor wenigen Monaten sogar mit dem bisher sehr zurückhaltenden Dominium Neuseeland ein Abkommen treffen. Schließlich scheint auch der Abschluß -eines deutsch -australischen Wirt­schaftsvertrages in erreichbare Nähe gerückt zu fein. Offenbar hat die fortschreitende wirtschaftliche Ab­kehr des britischen Mutterlandes von seinen Domi­nien und Kolonien auf die Ausgestaltung der deut­schen Wirtschaftsbeziehungen zu den Gliedern des britischen Weltreiches anregend gewirkt.

Deutschland hat auf dem Gebiete der engeren Po­litik, aber auch auf dem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Völkern den Grundsatz vertreten, daß Abmachungenzu zweien wirksamer seien als Abmachungen zu vielen, bei denen sich niemand recht als verantwortlich fühlt. Bereits bei der Erkun- dungsfahrt des belgischen Ministerpräsidenten van Z e e l a n d nach Amerika und nach einigen wichtigen europäischen Ländern hat eine argwöhnische inter­nationale Kritik die Behauptung ausgestellt, Deutsch­land blicke mit Unbehagen auf Versuche, eine Viel­heit von Staaten auf ein gemeinsames Ziel das wirksamerer Krisenbekämpfung. hinzulenken. Deutschland hat der Dreimächteerklärung vom Sep­tember 1936 über eine internationale Währungsord­nung ohne Vertrauen zugesehen, aber es würde es aufrichtig begrüßen, wenn zwischen den beiden angel­sächsischen Ländern die doch nun einmal auf dem Geld- und Kapitalmarkt der Erde führend sind, eine Festlegung d e s Verhältnisses Pfund Dollar erfolgte, deren späterer Erfolg eine internationale Währungsstabili- f i e r u n g sein könnte.

Erinnerungen eines freimütigen Soldaten.

Es ist wohl eine Laune des Zufalls, daß fast gleichzeitig mit der Biographie des Oberbefehls­habers der britischen Truppen im Weltkrieg, Sir Douglas H a i g, aus der Feder Duff Coopers, die hier kürzlich angezeigt wurde, auch ein anderes Buch in deutscher Übersetzung vorgelegt wird, das eine selbst für englische Verhältnisse überaus offen­herzige Kritik an der Kriegführung Lord Haigs im besonderen wie an den Verhältnissen in Kriegs­ministerium, Generalstab und Truppenführung des britischen Heeres im allgemeinen übt. Es sind die Erinnerungen eines freimütigen Soldaten" von Generalmajor I. F. C. Ful­ler, dem Stabschef des britischen Tankkorps im Weltkrieg und, man darf auch sagen, dem glühend­sten Propagandisten der Panzerwaffe in der mili­tärischen Literatur der Gegenwart. Die deutsche Uebersetzung ist im Verlag von Ernst Rowohlt in Berlin, gebunden zum Preise von 9,50 Mark (385), erschienen.

Eine Bemerkung im voraus: Fast mehr noch, als die schonungslose KriUk an der britischen Ober­sten Kriegführung überrascht den deutschen Leser der sich selbst und andere ironisierende Ton des Verfassers, ein Sarkasmus, der in krassem Gegen- satz steht zu dem sachlichen Ernst, mit dem deutsche Offiziere gewohnt find, militärische Probleme zu behandeln. Aber die zahlreichen Zitate aus Denk­schriften des Verfassers, mögen sie auch bezeugen, daß der Papierkrieg anscheinend auch auf der anderen Seite in hoher Blüte gestanden, hat, sind doch auch ein Beweis dafür, daß seine Kritik nicht zu der billigen Weisheit gehört, die gewöhnlich erst denen dämmert, die vom Rathause kommen.

Fuller, der erst verhältnismäßig spät als Gene- ralstabsoffizier an die flandrische Front kommt, hat sehr offenen Sinnes bald die Gefahr erkannt, die für die Moral der Truppe wie für die geistige Be­weglichkeit der Führung aus dem Steckenbleiben im Stellungskrieg erwachsen mußte, und er tyat aus dieser Einsicht heraus schon sehr früh in zahl­reichen Denkschriften und Dienstvorschriften daraus hingearbeitet, diese Erstarrung zu lösen. Dazu schien ihm die eben in ihren Anfängen stehende Tankwasfe das geeignetste Kriegsinstrument zu sein. Freilich ihr Einsatz in dem zähen Schlamm von Paschen- baele mußte ihre Fürsprecher bereits desavouieren, bevor mit ihr ernsthafte Versuche gemacht worden waren.

Fuller forderte den Einsatz von Flugzeugen gegen die feindliche Artillerie, um zu vermeiden, daß eine langanhaltende Artillerie-Vorbereitung das Dorge- länbe für die angreifende Infanterie und die nach­stoßenden Tanks unpassierbar machte, von Kavallerie ganz zu schweigen, deren Einsatz der Oberbefehls­haber bei britischen Offensiven stets vvrsah. Fuller beklagt sich, daß das Tankkorps im Obersten Haupt­quartier keinerlei Verständnis für feine taktischen Pläne gefunden habe. Er sagt von Sir Douglas H a i g, daß er ein großer Gentleman, ein Wann von Ehre und lauterem Wesen gewesen sei, aber auch ein Mann, der so wenig Phantasie besäße, daß er in Wirklichkeit niemals den Krieg sah, wie er tatsächlich mar.Stattdessen", so schreibt Fuller, sah Haig Phantome vergangener Kriege, und aus diesen geisterhaften Schattengebilden entstanden jene mythologischen Schlachten, die ihm so real und in­folgedessen so notwendig erschienen."

Die Schlacht von Cambrai am 20. November 1917 sah zum erstenmal große Massen englischer Tanks im Angriff. Aber trotz erheblicher Erfolge sah nach den Worten Fullers die Oberste Heeres­leitung nur das Steckenbleiben, das durch die mangelnde Bereitstellung von Infanterie- und Kavalleriereserven verursacht worden war. Fuller meint, daß das Große Hauptquartier die Kampf­waffe nur deshalb reduzieren wollte, weil es den taktischen Anforderungen, die diese neue Waffe an die Führung stellte, sich nicht gewachsen fühlte. In Churchill und Lloyd George fand der Generalstab des Tankkorps verständnisvolle und willige Helfer im Kampf gegen die angeblichen Doktrinäre des Großen Hauptquartiers. Auch die französischen Generale Fach und Petain zeigten großes Interesse für die Tankwaffe, ebenso fran­zösische Frontoffiziere, die in großer Zahl für den Kampf mit Panzerwagen ausgebildet wurden und sich nach dem Urteil Fullers hierfür sehr geeignet zeigten.

Die große Märzoffen sive 1918 brachte die britische Führung in völlige Verwirrung. Das Große Hauptquartier hotte keine Verbindung mehr mit der Front und die Korpskommandeure verloren die Truppen aus der Hand. Fuller beklagt es bitter, daß es in der britischen Armee vonBlindgängern" wimmele, die in der Armee geduldet würden, weil dort Kameradschaftlichkeit über der Tüchtigkeit stehe. Fuller beklagt weiter das völlige Fehlen der Trup­penkameradschaft, da die Leute von einer Truppe zur anderen geworfen werden und die jetzt an- langenden Rekruten aus den Schichten stammen, die sich solange dem Kriege fernhielten, wie sie nur konnten. Auf das entschiedene Wort Churchills: Wir werden, wenn nötig, an der Meeresküste kämpfen!" antwortete Fuller damals dem Mini­ster:Unsere Generale werden uns schon an die Seeküste bringen, verlassen Sie sich darauf!" Wäh­rend das Große Hauptguartier noch für den Herbst dieses Jahres mit der Beendigung des Krieges rechnete, glaubte Fuller nicht daran und arbeitete für das Jahr 1919 einen Plan für einen wahrhaft gigantischen Tankangrift aus, der die Vernichtung der deutschen höheren Stöbe und damit die Aus­schaltung de? deutschen Führung zum Hauptziel haben sollte. Der Man zeugt von einer außer­ordentlichen Phantasie, die ja das Vorrecht jeder