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in Anspruch nehmen, die Kirchen der Heimat Eintracht zu rufen, denn ihr Schicksal hänge von dieser Einheit der Heimatkirche ab.

Zum Abschluß der Reichstagung fanden in

Kirchen der Stadt Kaiserslautern Festgottes- d i e n st e statt, bei denen der Bischof der deutschen evangelischen Kirche Rußlands, D. Malmgreen, der vor einigen Monaten in die deutsche Heimat zurückgekehrt ist, predigte. Die Schilderungen, die der ehrwürdige Märtyrerbischof von den Leiden der deutschen Glaubensbrüder in Sowjetrußland gab, machten auf die große Gemeinde einen tiefen Eindruck. Von den 200 deutschen Pastoren, die nach

Problem in England und erklärte, daß die Bevöl­kerung Englands in hundert Jahren vielleicht auf 5 M t l l i o n e n Menschen gesunken sein würde, wenn der gegenwärtige Geburten­rückgang sich weiter entwickeln würde In Eng­land, so erklärte er, seien zur Zeit unter hundert Menschen 23 unter 15 und 12 über 60 Jahre alt. In 30 Jahren würden die entsprechenden Ziffern 10 und 24 und in 60 Jahren 4 und 45 sein. Bei dieser Entwicklung müsse der Zeitpunkt kommen, wo die englische Bevölkerung auf einen Nullpunkt Her­

der bolschewistischen Revolution in der Arbeit stan­den, sind nur noch zwei übrig geblieben. Don 57 jungen Geistlichen, die Bischof Malmgreen m den Dienst der Gemeinden stellte, sind ebenfalls nur noch zwei am Leben.Sowjetrußland", so schloß Bischof Malmgreen seine Predigt,ist ein Land ohne Gott geworden, ein Land des schweigenden Todes."

Wie Generalsekretär D. Geißler bei der Er­stattung des Jahresberichtes mitteilte, wurden vom Gustav-Adolf-Derein im vergangenen Jahr etwa 1,3 Mill. RM. für die evangelische Diaspora aufgebracht. Von den Gemeinden, denen der Gustav - Adolf - Verein seine Hilfe ge­währte, liegen je 130 in Oesterreich und im sudeten­deutschen Gebiet, 97 in Siebenbürgen, 86 in Polen, 44 im Baltikum, 39 in Jugoslawien, 26 in Süd­amerika und 21 in Ungarn. Professor Heinrich Unruh (Karlsruhe) wurde von der Theologischen Fakultät Heidelberg der Ehrendoktor verliehen in Anerkennung seiner Verdienste um das große Hilfswerk für die rußlanddeutschen Flüchtlinge und in Würdigung seiner wissenschaftlichen Arbeiten auf nationalkulturellem und christlich-religiösem Gebiet.

Land ohne Gott."

Bischof Malmgreen über die Glaubensnot der evangelischen Deutschen in Sowjetrußland.

Britisch-amerikanische Zusammenarbeit?

Oer plan eines britisch-amerikanischen Geschwaders zum Schutze der Schiffahrt in Ostasien.

in der Internationalen Niederlassung stationierten britischen Truppen sind geimpft worden.

Moskau als Kriegslieserant.

Information eines Pariser Blattes.

Paris, 31. Aug. (DNB.) DerJour" glaubt zu wissen, daß die ersten Lieferungen Sowjetruß­lands an China nach den Klauseln des zwischen beiden Staaten abgeschlossenen Paktes bis Ende November in folgendem Kriegsmaterial bestehen würden: 362 Flugzeuge, davon 150 Jagdflug­zeuge und 100 Aufklärungsmaschinen, 200 Tanks, davon 25 besonders schwere, 5000 Pferde, 2000 Kraftwagen, 2500 Motorräder, 1500 Traktoren für schwere Artillerie, 150 000 Gewehre, 120 000 Granaten und 60 Millionen Schuß Jnfanterie- munition. Sowjetrußland werde fernerFrei­willige" stellen sowie technische Sachver­ständige aus allen Gebieten. Es werde sich um von der Nanking-Regierung bezahlte Söldner

Die Reichstagung des Gustav-Adols-Vereins.

Auf der Reichstagung des Gustav-Adolf-Vereins in Kaiserslautern gab Prof. Dr. Hans Gerber (Leipzig) einen Rechenschaftsbericht über das weit­verzweigte Hilfswerk für die evangelische Diaspora. Die Verbundenheit der Heimatkirche mit den Dia­sporakirchen jenseits der Reichsgrenzen betonte er besonders gegenüber den deutschen Glaubensbrü­dern in Rußland. Die mit brutaler Gewalt durchgeführte Unterdrückung jeder religiösen Gläu­bigkeit durch den Bolschewismus habe zu der Vernichtung der deutschen evan­gelischen Kirche in Rußland geführt. Wenn auch die Heimatkirche diese grausigen Vor­gänge nicht habe verhindern können, so sei es doch für den Gustav-Adolf-Verein eine besondere Genug­tuung, daß es seinen Bemühungen gelungen sei, dem letzten deutschen evangelischen Bischof in Pe­tersburg einen gesicherten Lebensabend in der Heimat zu bereiten. Schon in einer Zeit, als Deutsch­land noch politisch und kirchlich zerrissen war, habe der Gustav-Adolf-Derein über alle Spaltungen und Trennungen hinweg den Gedanken an ein einiges evangelisches Deutschland hochgehalten und entschei­dend dazu beigetragen, daß sich ein gemein-prote­stantisches Einheitsbewußtsein zu bilden vermochte. Brüderliches Zusammenstehen im deutschen Prote­stantismus sei heute nötiger denn je. Gerade die Gemeinden dort draußen könnten für sich das Recht

abgesunken sei. Die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, denen sich die englische Nation durch eine Verminderung der Geburten und eine Zunahme der alten Menschen gegenübersehe, wür­den groß sein. DieMorning Post" hebt hervor, daß die höchstwahrscheinliche Folge dieses Volks­schwundes ein Niedergang Großbritanniens sein werde und durch eine solche Entwicklung England als das Haupt eines Empire gefährdet werde, wenn nicht dafür gesorgt werde, daß sich die leeren Wiegen wieder mit Kindern füllten.

London, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Reutermeldung aus Schanghai sollen ameri­kanische und englische Stellen einen Plan ausarbei­ten, der die Aufstellung eines gemein­samen starken Flottengeschwaders zum Schutze ihrer Schiffahrt im Fer­nen Osten vorsieht. Die Aufwerfung dieses Pla­nes, so heißt es, fei die Folge des Bombenabwurfs auf den amerikanischen PassagierdampferPresi­dent Hoover". Die Begleitschiffe würden das Feuer auf jedes Flugzeug eröffnen, das den Versuch eines Angriffes auf Schiffe der beiden Länder unternehmen würde.

Aus Gibraltar find der britische Flottillen- sührerHardy" und das KriegsschiffH y p e - rion" Dienstag nacht ganz unerwartet mit Voll­dampf aus dem dortigen Kriegshafen in östlicher Richtung in See gegangen. Die Ofsiziere und Mannschaften, die sich an Land befanden, wurden von Sonderpatrouillen aus Bars und Hotels a n Bord der Kriegsschiffe gerufen.

Aus Kalkutta ist zur Verstärkung der briti­schen Streitkräfte im Fernen Osten eine Abteilung des Rajputana-Regiments in See gegangen. Der 10 000-Tonnen-KreuzerDorsetshir e", der erst im Februar von Singapore nach England zurück- gekehrt war, ist jetzt wieder zum Dienst im Fernen Osten nach China kommandiert worden. Die bri­tische Botschaft in Nanking hat ihre Kel­lerräume für Öen Luftschutz umgebaut. Die Zivilbevölkerung verläßt Nanking. Man rechnet, daß von der einen Million Einwohner, die Nanking hat, bereits 700 000 die Stadt verlassen haben.

Der Whangpoo überschritten.

Schanghai, 31. August. (DNB.) Japanische Truppen überquerten am Dienstag den Whang- poo-Fluß, der die Chinesenstadt von der In­ternationalen Niederlassung trennt und besetzten verschiedene strategische Punkte. Die Aktion wurde von japanischen Artillerieabteilungen und von den japanischen Kriegsschiffen aus unterstützt. Ebenso wurde das Wusung-Fort an der Mündung des Jangtsekiang, das schon 1932 im Mittelpunkt der Kämpfe gestanden hatte, nach Artillerievorberei­tung von den Japanern genommen, die dann ihren Vormarsch fortsetzten. Auch die Chine­sen haben vor Schanghai Verstärkungen zusammen­gezogen. Japanische Flugzeuge warfen auf das Ge­biet um den Nordbahnhof Bomben ab.

Neue japanische Lustangriffe in Südchina.

Tokio, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Japanische Marineflugzeuge setzten Dienstag ihre Luftangriffe in Südchina fort. Sie bombardierten erfolgreich Flugplätze in Kanton und einigen Städten der nördlich davon gelegenen Küstenprovinz F u k i e n sowie militärische Anlagen an der nach Norden füh­renden Eisenbahn st recke Kanton Han- kau.

Vorkehrungen gegen die Cholera in Schanghai.

London,!. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie aus Schanghai gemeldet wird, wurden in der fran­zösischen Niederlassung fünf Cholera- 11 e feftgefteüt. Man führt die Erkrankungen auf die schlechten gesundheitlichen Bedingungen zurück, unter denen die chinesischen Flüchtlinge leben. Die Behörden der Internationalen Nieder­lassung haben energische Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Alle

handeln, für deren Angehörige in Sowjetrußland gesorgt werde. China habe auf der anderen Seite die Pflicht, an die Sowjetstaatsbank 50 vH. des Wertes der Lieferungen in Gold einzuzahlen so­wie Sowjetrußland in Nordchina eine Reihe von Konzessionen einzuräumen, u. a. den J3au einer chinesischen Anschlußbahn an die Transsibi­rische Bahn zu gestatten. Auf diese Weise sollen die russischen Waren in dieser Gegend Chinas Die japanischen vom Markt verdrängen.

Schädlings^-prozeffe und Todesurteile am laufenden Band.

Moskau, 31. Aug. (DNB.) Der Kampf der Sowjets gegen die sogenanntenSchädlinge der Landwirtschaft" wird weitergeführt. Wie die Prawda" aus Woroschilowsk berichtet, wurden dort wegenfeindlicher Einstellung zum Regime und zum System der kollektiven Landwirtschaft acht Personen zum Tode verurteilt. Den Verurteilten wurde auch zum Vorwurf gemacht, den Sturz des Regimes mit bewaffneter Hand angeftrebt zu haben. In Nowopawlowskaja wurden vier Mitglieder der Maschinentraktorstativn als Sowjetgegner ebenfalls zum Tode verurteilt. In Blagodarnvje wurde in einem Schädlingsprozeß gegen vier Personen, unter denen sich auch der Vorsitzende der KollektivorganisationDiktator des Proletariats" befand, ein Todesurteil gefallt und im übrigen auf Freiheitsstrafen bis zu zehn Jah­renerkannt". Aus dem SBoIgagebiet be­richtet die Saratower ZeitungDer Kommunist von einem Schädlingsprozeß gegen leitende Funk­tionäre des Petrowfker Bezirks. Der Bezirkspartei- fekretär und der Vorsitzende des Bezirksvollzugs- ausschuffes waren beschuldigt worden, die Politik der kommunistischen Partei in den Augen der Kollektivbauern absichtlich herabgesetzt zu haben. Fünf Angeklagte wurden zum lobe verurteilt, während zwei je' zehn Jahre Gefängnis erhielten.

Oie Ratstagung der Kleinen Entente.

Noch keirrBeschlutz übereinenBeistandspakt.

Bukarest, 31. Aug. (DNB.) Nach Beendigung der Tagung der Kleinen Entente in Sinaja wurde ein Bericht veröffentlicht. Die Außenminister Rumäniens, Südslawiens und der Tschechoslowakei stellten die völlige Uebereinftimmung in allen be­handelten Fragen fest. Sie beschlossen, an ihrer bis­herigen Politik festzuhalten.Trotz gewisser be­unruhigender Tatsachen", so heißt es,seien A n - Zeichen für eine Besserung der inter­nationalen Lage vorhanden. Die Kleine Entente sei fest entschlossen, alles zu unterstützen, was den Frieden durch eine Besserung der inter­nationalen Zusammenarbeit festigen könnte. Die Politik der Kleinen Entente werde weiterhin ent­

sprechend den Grundsätzen des Völker­bundes fortgesetzt werden. Für eine Aenderung der Völkerbundssatzungen liege keine Notwendig­keit vor. Es wird mit Befriedigung feftgefteUt, daß sich die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten der Kleinen Entente ständig vertiefen Mit besonderer Sympathie wird der Auftrag des belgi­schen Ministerpräsidenten van Zeeland begrüßt, Der eine Untersuchung über die Möglichkeiten einer all­mählichen Lockerung der Absperrma tz- nah m e n auf wirtschaftlichem Gebiet anstellen soll. Die nächste Tagung soll im September in Gens gelegentlich der Völkerbundsoersammlung stattfinden.

Der Abschluß der Ratssitzung der Kleinen Entente in Sinaia wird von den Pariser Blättern im allgemeinen zunächst nur kurz wiedergegeben. Der 3ou r" stellt fest, daß die Ergebnisse der Bespre- chungen wie vorauszusehen war, recht negativ seien. Die Aussprache über den gegenseitigen B e i - standspakt, die Benesch gewünscht habe, sei wiederum vertagt worden, ein Beweis für die ablehnende Haltung Jugoslawiens und Rumä­niens gegenüber diesem Vorschlag, der mehr Opfer als Vorteile bringe. Der Bericht schweige sich jedoch hierüber aus. Anderseits aber hätten die Staaten der Kleinen Entente den lebhaften Wunsch einer Entspannung Ungarns gegenüber zum Ausdruck gebracht. Dies lasse die Hoffnung auf eine Reoraanifation des Donaubeckens zu. Die Worte der Freundschaft schließlich, die der rumänische Außenminister Antonescu Frankreich gegenüber geäußert habe, hätten eine Bedeutung, die man hier zu schätzen wisse. Es hänge nur von Frankreich ab, daß diese Freundschaft weiter gefestigt werde.

polnische Pressekampagne gegen Danzig.

Drei polnische Zeitungen in Danzig beschlagnahmt.

Danzig, 31. Aug. (DNB.) Die polnische Presse richtet seit einigen Tagen gegen die Danziger Re­gierung heftige Angriffe wegen der Frage der Ausschulung deutscher Kinder aus polnischen Schulen in deutsche Danziger Schulen. Zu besonders heftigen Ausfällen haben sich der(Storno Pomorski", derKurjer Baltycki" und dieGazeta Gdanska" hinreißen lassen. Die Dan­ziger Polizei hat sich daher gezwungen gesehen, die Drei genannten polnischen Blätter zu beschlag­nahmen. Im übrigen wird auch durch die An­griffe der polnischen Blätter die Tatsache nicht aus der Welt geschafft, daß die Eltern der betreffenben Kinder seinerzeit nur deshalb den Anweisungen des Polnischen Schulvereins folgten, weil sie um ihre Stellungen bei ber polnischen Eisen- bahnbirektion fürchten mußten, falls sie ihre Kinder in eine deutsche Schule in Danzig geschickt hätten.

Oer Wawei-Konflikt beigelegt.

Warschau, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die eigenmächtige Entfernung des Sarges Mar­schall Pilsudskis durch den Krakauer Erz- bischof Fürst Sapieha hat ein diplomatisches Nachspiel gehabt. In einem Notenaustausch zwischen dem Warschauer päpstlichen Nuntius Cortesi und Außenminister Beck wird festgelegt, daß die Grabstätten in den Grüften der Wawel-Kathedrale, besonders die Marschall Pilsudskis, dort für immer untergebracht seien und als u n a n- t a st b a r zu gelten haben. Eine Ueberführung unter dem Zwang besonderer Umstände dürfe nur mit Einwilligung des Staatspräsidenten erfolgen. Die polnische Presse bringt ihre Genug­tuung über diese Regelung zum Ausdrucks für das Verhalten des Krakauer Erzbischofs sei jetzt Genug­tuung geleistet worden.

Oie österreichischen Herbstmanöver.

Wien, 31. August. (DNB.) Die großen Herbst­manöver des österreichischen Bundesheeres begannen im Raum ZwettlGroß-Gerungs in Niederöster­reich, nahe ber tschechoslowakischen Grenze. Bunbes- kanzler Dr. Schuschnigg begab sich mit bem Kraftwagen in bas Manövergelänbe, wo er vermut­lich bis Donnerstag bleiben wirb. Von beutfdjer Seite nehmen Oberquartiermeister Generalmajor Schmidt (Berlin) und der Ches des Stabes der Artillerieinspektion Oberst Wandel sowie der Mi­litärattache Generalleutnant Muss als Gäste an dem Manöver teil. Ferner sind eine italienische

Der Ring des Dr. Swoboda

Von Hans Kersten.

Beim Aufräumen fiel mir der Ring des Dr. Swoboda wieder in die Hände. Sofort stand vor meinen Augen die Geschichte, die damit verknüpft war. Und weil dies eine seltsame Geschichte ist, so will ich sie erzählen, so wie sie sich vor sechs Jah­ren in den Tiroler Bergen zugetragen hat.

Ich wohnte damals im Frühsommer für einige Wochen in St. Martin, einem kleinen Dörfchen, das still und vergessen in einem Winkel des Gna­denwaldes liegt. Mit dem jungen Bauern, bei dem ich mich einquartiert hatte, kletterte ich durch die Schrofen und Wände des Karwendelgebirges. Bei einer solchen Tour lernten wir eines Abends in der Bettelwurfhütte den Dr. Swoboda kennen. Wir tarnen mit ihm ins Gespräch, und es stellte sich heraus, daß er für den nächsten Tag das gleiche Ziel wie wir gewählt hatte, den Gratübergang vom Großen Bettelwurf zum Walderkamm.

Lambert Geiger, mein Kamerad, blickte ihn er­staunt an. Wenn es auch keine van den problema­tischen Touren der nördlichen Kalkalpen war, so war es für einen Alleingänger um diese Jahreszeit ein gefährliches Wagnis, denn es lag noch viel Schnee da oben, und man mußte damit rechnen, daß der Grat vereist war. Zu zweien, ausgerüstet mit einem guten Seil, war es schon weniger ge­fährlich.

Dr. Swoboda lächelte:

Ich weiß, was Sie sagen wollen aber es ist nicht so schlimm, ich habe schon schwerere Sachen hinter mir, in den Tauern und dem wilden Kaiser. Ich bin meist allein gegangen!"

Lambert schüttelte den Kops. Er war auch ein guter Kletterer: hatte auch schon allerhand gewagt. Aber so wie der da, einfach aus Leichtsinn sein Leben aufs Spiel zu setzen, das wäre ihm nie ein­gefallen.

Wir sprachen nach lange hin und her über diese Dinge und tauschten auch Erlebnisse aus, die wir in der Welt der Berge gehabt hatten. Aber schließlich, sei es, daß jeder seinen eigenen Gedanken nachhing, oder sei es, daß wir müde waren von der An­strengung des Tages, verstummten wir und warte­ten nun, daß der Tabak in unseren Pfeifen zu Ende ging, damit wir in den Schlafraum hinauf­

klettern konnten. Es war totenstill in der Hütten­stube. Man horte nur das harte Ticken der ge­schnitzten Uhr und das eintönige Rauschen des Brunnens draußen.

Da legte plötzlich Dr. Swoboda die rechte Hand flach auf den Tisch:

Solange ich den Ring hier trage, wird mir nichts geschehen es ist ein Glücksstein."

Wir beugten uns vor und blickten ungläubig auf den Ring, aus dessen Fassung purpurn wie ein Blutstropfen ein Rubin blitzte. Ich äußerte meine Zweifel darüber, daß mit einem solchen Stein Glück und Unglück verknüpft fein sollten. Der Doktor streifte den Ring ab und drehte ihn spielerisch zwi­schen den Fingern, dabei starrte er nachdenklich an die Wand, als müßte er tief in seinen Erinne­rungen Framen, um mir eine Antwort zu geben. Unvermittelt begann er zu sprechen.

Ich habe ihn vor zehn Jahren während meiner Studienzeit in Praq bekommen. In einer kleinen Schänke in den Treppengassen am Fuße des Hradschin traf ich eine junge Zigeunerin, die aus den Handlinien wahrsagte. Sie fragte mich nach meinem Geburtsdatum und streifte mir den Ring auf den Finger. Es sei der Stein meines Tierkreis­zeichens und er werde mir Glück bringen, solange ich ihn trage. Ich kaufte ihn für wenige Kronen. Wahrscheinlich kannte sie selbst den Wert des Ringes nicht..."

Er schwieg wieder. Ich fragte ihn, ob er den Ring später einmal habe schätzen lassen. Swoboda schüt­telte den Kovf.

Nein. Man sagt, solche Steine verlieren ihre Kraft, wenn man versucht, ihr Geheimnis zu er­gründen."

Ich ließ mich noch immer nicht überzeugen. Es mochte ja ein wertvoller Stein sein aber an ge­heime Kräfte konnte ich nicht glauben. Der Doktor sah meine Zweifel.

Ich habe die Kräfte des Steines erprobt im vorigen Jahr in den Hohen Tauern. Ich hatte mich bei meinem einsamen Klettern verstiegen und klebte auf einem schmalen Vorsprung an einer fast senk­rechten Wand. Zum Glück trug ich für alle Fälle einen Revolver mit Platzpatronen bei mir. Ich gab nun das alpine Notsignal immer wieder bis meine Patronen zur Neige gingen da hörte ich unten Antwartschüsse. Man hatte mich gehört ich schöpfte Hoffnung, wenn sie mich vor Sonnen­

untergang fanden, konnte ich noch befreit werden aus meiner verzweifelten Lage. Immer wieder schossen sie unten, daß ich antworten sollte, und schließlich verknallte ich meine letzte Patrone. Sie hatten mich noch nicht entdeckt im Gewirr der Fel­sen. Jetzt war guter Rat teuer. Ich versuchte es mit Rusen aber meine Stimme wurde vom Sturm verschluckt. Was sollte ich tun? Die Retter waren in der Nähe, und im letzten Augenblick wurde die Rettung vereitelt.

Die Sonne stand schon dicht über den Bergen, bald mußte sie verschwinden, dann war ich verloren: denn die Nacht hätte ich da oben nicht überstanden. Hilfesuchend fiel mein Blick auf den Ring, der mir Glück bringen sollte. Der Rubin blinkte und blitzte in der Sonne. Da kam mir der rettende Gedanke. Mit einem Rasierspiegel, den ich mühsam aus dem Rucksack holte, fing ich die Sonnenstrahlen auf und warf sie in schrägem Winkel ins Tal. Das war ein auffallendes Zeichen. Ich wurde schnell entdeckt, und nach einer Stunde war ich gerettet. Ohne den Ring aber wäre ich eines elenden Todes gestorben."

Swoboda hatte geendet. Nachdenklich klopften wir unsere Pfeifen aus und fliegen zum Schlaf- raum hinauf.

Gleich nach Sonnenaufgang brachen wir am nächsten Morgen auf. Dr. Swoboda schloß sich uns an. Es kam, wie der Lambert vorausgesehen hatte. Viel Schnee und streckenweise auch Eis. Der Aus­stieg durch den Kamin war noch ziemlich einfach. Aber dann auf dem Bettelwurfgivfel und auf dem Grat wurde es gefährlich. Der Wiener entpuppte sich tatsächlich als ausgezeichneter Kletterer. Spie­lend überwand er die schwierigsten Stellen.

Schneller als wir dachten kamen wir vorwärts. Gegen Mittag errreichten wir den Walderkamm. Nun war das Schlimmste geschafft. Wir rollten das Seil zusammen, es war nicht mehr nötig Noch ein Stückchen Gratkletterei bis zum Hundskopf, und bann ging bergab. Vorher machten wir oben auf dem Grat noch eine kurze Rast. Es pfiff zwar ein kühler Wind, aber in der Mittagssonne ließ es sich schon ein Weilchen aushalten.

Der Lambert holte aus der Steinpyramide die Zinkschachtel mit dem Gipfelbuch hervor, und wir trugen unseren Namen ein. Swoboda verschloß das Buch wieder und schob die Dose unter die Pyra­mide. Dabei schlug ihm ein Stein auf den Finger, so daß er den Ring abzog, um zu sehen, ob er

nicht beschädigt sei. Doch der Ring fiel aus seiner Hand und rollte über den schmalen Grat. Blitz­schnell bückte sich Dr. Swoboda und griff nach de»» für ihn so wertvollen Stück d> bei kam er ins Gleiten verlor das Gleichgewicht und ehe wir zufassen konnten, stürzte er in die Tiefe. Entsetzt starrten wir ihm nach. Lambert murmelte leise:

Der Ring ..

Kaum fünfzig Meter tief blieb Swoboda auf einem Vorsprung regungslos liegen. Wir ließen uns am Seil hinab. Er war schon tot, als wir ihn erreichten. Einen halben Meter entfernt, als wollte er den Toten höhnen, lag der Ring---

Zwei Wochen später war ich in Wien, um dem Bruder des Verunglückten die Wertsachen zu über­bringen. Dor dem Laden eines Juweliers wandelte mich die Lust an, den Wert des Steines schätzen zu lassen. Der Fachmann prüfte ihn lange. Dann reichte er ihn mir kopfschüttelnd zurück.

Das ist gar kein Rubin, sondern eine geschickte Fälschung aus Glas, auch das Gold ist nicht echt..."

Ein zweiter Fachmann, den ich fragte, sagte mir dasselbe.

Ich bra<f)te dem Herrn Swoboda in Wien nur die Uhr des Toten und die Börse. Den Ring mit dem Glasrubin behielt ich für mich und er erinnert mich bis auf ben heutigen Tag an die merkwürdigen Zufälle 'm menschlichen Leben ...

Zeitschriften.

NSG Einen Querschnitt durch die Arbeit im August bringt das Septemberheft des Monatspro­gramms der NS.-GemeinschaftKraft durch Freud e". Der Gauwart und sein persönlicher Referent schreiben über die Kulturarbeit. Betriebs­feiern in Dorlar (Kreis Wetzlar) und bei Opel find hn Bilde festgehalten. Wir erfahren einiges über das Töpferhandwerk im Kannenbäckerland. Der Kreisappell der DAF. in Dieburg und die 700- Jahr-Feier in Gladenbach finden wir im Bilde wie­der. Wir hören von den Freilichtspielen in Dillen- bürg und von der Beteiligung der NS.-Gemein- schaftKraft durch Freude" an der Großen Deut- scheu Rundfunkausstellung in Berlin. Von Be­suchen holländischer Arbeitskameraden, siebenbür­gen-deutscher Sänger und Steinfurther Roscnzüchter in der Gauhauptstadt folgen Bildberichte.