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Abschluß der Gittlichkeitsprozesse gegen Alexianerbrüder.

B o n n, 29. Juni. (DNB.) Als letzte Gruppe der Köln-Lindenthaler Alexianerbrüder hatten sich vor der Großen Strafkammer Bonn unter überaus starker Anteilnahme der Öffentlichkeit neun Angeklagte zu verantworten, die zum größten Teil geständig waren. Zwei von ihnen versuchten zu leugnen, wurden durch ihre Mitan- aeklagten aber um so mehr belastet. Einem der Angeklagten wurde verminderte Zurechnungsfähig­keit zugebilligt. Das Gericht sprach Gefängnis­strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr vier Monaten aus.

Besondere Beachtung verdient von den behan­delten Fällen der des Postulanten Willi, der bereits nach zwei Monaten Klosteraufenthalt ver­führt worden war. Im Juli 1935 trat er aus und schloß sich der'Hitler-Jugend an. Schon einen Monat später versuchte er, minderjährige Jungen zu verführen. Während aber dasKölnerGene- raloikariat, dem der Angeklagte die Vorfälle bereits schriftlich mitgeteilt hatte und bei dem er sich nach seinem Austritt gemeldet hatte, die Sache Damit abtat, daß es dem Angeklagten vier Mark gab und im übrigen die Dinge auf sich be­ruhen ließ, faßte man ihn in der HI. so an, wie er es verdiente und wie auch allein weiterem Un­heil vorgebeugt werden kann. Nicht nur, daß er selbstverständlich sofort aus der deutschen Jugend­bewegung entfernt wurde, brachte man ihn auch sofort zur Anzeige. Inzwischen ist er zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wäre die geistliche Behörde in allen Fällen ebenso ver­fahren, hätte viel Unheil vermieden werden können.

Auch der Staatsanwalt hob diese riesengroße

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) San Franzisko, im Juni 1937.

Der Präsident der Bereinigten Staaten, Frank­lin Delano Roosevelt, drückte auf einen silber­nen Knopf im Weißen Haus zu Washington, an den Eingängen zur neuen Riesenbrücke über bas Goldene Tor in San Franzisko blitzten grüne Lichter auf, und ein unendlicher Strom von Auto­mobilen setzte sich unter Jubeln und Schreien und Tuten in Bewegung, um das Wunderwerk ameri­kanischer Technik, die größte Brücke der Welt, zu überqueren. Dom Presidio auf der San Franzisko-Seite und Fort Baker in Marin County donnerten die Kanonen, 200 schnelle Kriegs­flugzeuge, die draußen auf dem Stillen Ozean von den mächtigen FlugzeugmutterschiffenLexington", Saratoga" undRanger" aufgestiegen waren, dröhnten über die Brücke, und unterhalb zogen die stolzen Kampfeinheiten der von den pazifischen Ma­növer» zurückkommenden Schlachtslotte Onkel Sams.

Die Brücke des Goldenen Tores liegt da, wo der San Franzisko-Hafen in den Stillen Ozean mündet, und verbindet die Halbinsel San Franzisko mit dem Städtchen Santa Rosa und Sausalito im Norden mit dem Redwood Empire.

Sieben Tage lang dauerte dieBrücken- F i e st a", vom 27. Mai bis zum 2. Juni, einen Tag für jede der sieben Meilen (etwas mehr als elf Kilometer), über die sich die Brücke vom Ma­rina Tor bis zum Beginn der staatlichen Autostraße bei Waldo Point erstreckt. Die Siebenhügel-Stadt befand sich in einem wahren Freudentaumel. Von Britisch-Columbien bis Panama waren Besucher gekommen; Diplomaten, hohe Regierungsvertreter, ----San Franzisko hat die größte Hängebrücke der Welt.

Schuld der verantwortlichen Stellen hervor. Der Generalobere habe immer nur dann die Entlassung der Ordensbrüder ausgesprochen, wenn es gar nicht mehr anders zu machen gewesen sei. Selbst wenn er nicht alle Einzelheiten gesagt habe, so hätte doch der Beichtvater des Ordens genau Bescheid gewußt und auch ohne Verletzung des Beichtgeheimnisses Mittel und Wege finden können, die zur Beseiti- aung dieser furchtbaren Zustände geführt hätten. Auch der mit der Klärung der Verhältnisse in dem Alexianderorden beauftragte Jesuitenpater habe sich darüber beklagt, daß man ihm bei der Säuberung nur Schwierigkeiten gemacht habe. 53 zum Teil ehemalige Mitglieder einer Genossenschaft, die zur Zeit 60 Angehörige zählt, hätten unter An­klage gestanden. Der Schlußstrich, der unter diesen Prozeß gezogen werde, sei auch der Schlußstrich unter die Genossenschaft, deren Liquidierung durch die kirchliche Behörde eine Selbstverständlich­keit sei. Von den in Bonn Verurteilten seien nur zwei wirklich homosexuell veranlagt gewesen, alle anderen seien erst in diesem Kloster zu Stttlich- keitsverbrechernerzogen" worden. Schuld sei das System merkwürdiger Erziehung und die falsche Moral. Schon die Satzungen, die in allen Orden den gleichen Geist atmen, machten die Ordensbrüder zu unmännlichen Schwächlingen, so daß es kein Wunder sein kann, wenn sie nachher den Pflichten des Klosters nicht mehr gewachsen seien und ihnen jedes Gefühl für Recht und Unrecht verloren gehe. Hinzu komme noch die mangelhafte Auslese der Mitglieder durch die Ordensleitung und deren System, zu vertuschen, anstatt für eine gründ­liche Säuberung zu sorgen.

Gouverneure von elf Staaten waren zugegen, um an der feierlichen Einweihung der gewaltigen Brücke teilzunehmen. Der deutsche Botschafter in Wa­shington, Dr. D i e ck h o f f, hatte als seinen Ver­treter den Marine-Attache Admiral Robert Witt- Hoeft- Emden entsandt. Die Straßen der Stadt waren mit Girlanden verziert, von Häusern und Masten wehten überall die Fahnen aller Nationen und natürlich auch d>e Warben des Dritten Reiches. 16 Fiesta-Königinnen walteten ihres glücklichen Amtes, drei prunkvolle Paraden wurden veranstal­tet, und auf dem <Festplatz in Criffy Field spielte man jeden Abend das FestspielThe Span of Gold, in dem 3000 Personen mitwirkten.

18 Jahre lang hat man an dieser Brücke geplant, vier Jahre und vier Monate dauerte der eigentliche Bau, der 35 Millionen Dollar kostete, nachdem im­mer und immer wieder prophezeit worden war, daß die Durchführung eines solch kühnen Projektes un­möglich sei.

Das größte Problem bildete die Konstruktion des südlichen Piers, der, 1000 Fuß vom Ufer entfernt, auf einem Felsenoorsprung 65 Fuß unter dem Meeresspiegel ruht. Elf Monate lang dauerte der Kampf gegen die Elemente der Natur: die Fluten des Stillen Ozeans und die Sturmwinde, die häufig über den berühmten Hafen hinwegbrausen. Die Grundpfeiler der Riesenkonstruktur mußten erd­bebensicher in einen Boden versenkt werden, dessen geologische Zusammensetzung noch heute umstritten ist. Die gewaltigen Türme, die 48 800 Tonnen wie­gen, ragen 746 Fuß (etwa 220 Meter) über Was­ser; sie gehören zu den zehn höchsten Bauten der Welt. Die Brücke ist 90 Fuß (etwa 28 Meter) breit und 6450 Fuß lang (fast zwei Kilometer), wo­von auf den mittleren Spannbogen allein 4200

Fuß (1,3 Kilometer) entfallen, d. i. länger als irgendeine andere Hängebrücke der Welt. Bei Flut liegt sie 220 Fuß (fast 70 Meter) über dem Meeres­spiegel, hoch genug, um die größten Ozeandampfer durchfahren zu lassen. Die massiven Kabel, welche die Brücke halten, sind 7770 Fuß (2,4 Kilometer) lang, 3672 Zoll (fast 1 Meter) dick und enthalten 80 000 Meilen (fast 130 000 Kilometer) Stahldraht, lieber 100 000 Tonnen Stahl wurden verbraucht, genügend, um einen 20 Meilen (32 Kilometer) lan­gen Güterzug damit zu füllen.

Ueberängstliche Gemüter prophezeiten, daß die Japaner im Kriegsfälle die Brücke sprengen wür­den, um damit den flaschenförmigen Hafen San Franziskos zu verriegeln. So mußte denn die Brücke so konstruiert werden, daß im Falle von Sabotage die ganze mächtige Struktur auf den Grund des Meeres sinkt und kein Hindernis für öte Schiff­fahrt bedeutet. Um jetzt schon unangenehme Ueber- raschungen zu verhüten, ist. Fahrzeugen mit ent­zündbarer Fracht (Petroleum und Sprengstoffen) das Durchfahren der Brücke untersagt.

Die Brücke ist mit eigenem Telephon-Sy­stem, Feuer- und Polizeitelegraphen ausgerüstet. Auf den Türmen befinden sich aewal- tige Scheinwerfer, mächtige Nebelhörner und Leucht­turmwärter, die den Schiffen den Weg weisen. Der große 4200 Fuß lange mittlere Spannbogen hat einen Spielraum von 21V« Fuß (etwa 6,5 Meter), um einen Sturmwind von 100 Meilen (160 Kilo­meter) Geschwindigkeit auszuhalten; für Tempera- turausdehnv"g find 16 Fuß (etwa 5 Meter) berech­net worden. Die Brücke besitzt ein Oberdeck mit sechs Fahrbahnen, drei in jeder Richtung für den Automobilverkehr und ein Unterdeck für Lastwagen und Autobusse. Außerdem befinden sich an beiden Seiten Bürgersteige für Fußgänger. Die Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge ist 45 Meilen (62,5 Kilometer) in der Stunde, langsames Fahren wird ebenso bestraft wie Raserei. Der Brückenzoll beträgt 50 Cent für ein Auto mit 5 Fahrgästen, 5 Cents für jeden Fußgänger. Innerhalb 24 Stun­den können 250 000 Autos über die Brücke fahren. 5000 Dollar müssen jeden Tag eingenom­men werden, um die Betriebskosten und Zinsen der Brücke zu bestreiten.

Interessant ist auch ein Vergleich mit einigen an­deren bedeutenden Brücken der Welt: die von dem Deutschamerikaner August R o e b l i n g erbaute Brooklyn-Brücke, einst der Stolz aller Neu- yorker, ist 3470 Fuß (etwas über 1 Kilometer) lang, die Höhe der Brückentürme 273 Fuß (knapp 85 Meter). Die Firth-of-Forth-Brücke in Schottland ist 8300 Fuß (mehr als 2,5 Kilometer) lang, die Brückentürme 360 Fuß (etwa HO Meter) hoch.

San Franzisko ist eine der schönsten und berühm­testen Hafenstädte der Welt. Berühmt wegen seiner grünen Hügel, seiner Gastfreundschaft und ... in letzter Zeit wegen seiner Streiks! Zwar streikten diesmal nicht die Hafenarbeiter, aber 17 der schön­sten und größten Luxushotels waren geschlossen und wurden von Streikposten bewacht! Es war ein trauriges Bild, das herrliche Fairmont-Hotel dro­ben auf dem Nobhill verhängt zu sehen, seine prunk­vollen Vankettsäle und Tanzhallen staubig und ver­lassen. Das war eine böse Sache für die Hotelbe­sitzer und die Tausende von Angestellten, die den goldenen Touristenftrom vorbeiziehen sehen mußten, ohne daran Anteil zu haben. Als Folge des Streiks mußten viele Empfänge, Cocktail-Parties und andere gesellschaftliche Veranstaltungen abgesagt werden. Die Handelskammer berichtet, daß die Verluste täg­lich 75 000 Dollar betrugen, 4 300 000 Dollar seit Beginn des Streiks.

Aber tn diesem großen, reichen und mächtigen Lande kümmert sich kein Mensch um ein paar tau­send notleidende Hotelangestellte, und dann Streiks sind ja hier an der Tagesordnung. Aus den Kneipen und Speisehäusern an Market-Street schallte Musik und fröhliches Lärmen, Jubel und Freude durchbrauste die Stadt. Der Amerikaner redet so gern in Superlativen; dort draußen am Goldenen Tor, über den Fluten des Stillen Ozeans

und unter dem blauen kalifornischen Himmel er« streckt sich im strahlenden Sonnenlicht die schönste und größte Brücke der Welt, und das ist bestimmt ein Grund zum Feiern!

Aus aller Welt.

Internationaler Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe.

Der Aeroklub von Deutschland veranstaltet vom 4. bis 15. Juli auf der Wasserkuppe in der Rhön, der traditionellen Stätte des Segelfluges, einen in­ternationalen Segelflugwettbewerb. Mit der Teilnahme von Polen, Oesterreich, Schweiz, England, Tschechoslowakei, Italien, Jugoslawien und Deutschland wird dieser Wettbewerb, den der Aero­klub mit über 10 000 Mark an Geldpreisen ausge­stattet hat, zum bisher größten internationalen Se­gelflugwettbewerb. Der Führer und Reichskanz­ler, der Reichsminister der Luftfahrt, der Staats­sekretär im Reichsluftfahrtministerium, der Reichs­luftsportführer, der Aeroklub, der Reichsverband der deutschen Luftfahrtindustrie haben außerdem wert­volle Ehrenpreise gestiftet.

Miltenberg rüstet zur 700-Jahrseier.

Die am 21. August beginnende 7 0 0 - Jahr« feier der Stadt Miltenberg a. ißl. unter der Schirmherrschaft des Gauleiters und Regierungs­präsidenten Dr. Otto Hellmuth sieht u. a. ein großes historisches Festspiel vor: Die Erstürmung der Stadt Miltenberg durch den Schwedenkönig Gustav Adolf im Jahre 1631. Dem Schützen- und Jägerfest folgt der große Heimattag. Die nächsten Tage bringen Veranstaltungen der Handwerker mit einem Festzug, ein Volksfest und einen Bauerntag. Mit einem großen Feuerwerk wird die Festwoche ihren Abschluß finden.

Mordanschlag auf den Bürgermeister von Oran.

Auf den Bürgermeister von Oran (Franz.-Nord- afrika), den katholischen Pfarrer Lambert, gab auf der Straße der stellvertretende Verwalter des Museums von Dran, der einer anderen politischen Richtung angehört, zwei Revolverschü.sse ab, durch die Lambert lebensgefährlich verletzt wurde. Im Krankenhaus wurde festgestellt, daß die Kugel beide Lungenflügel durchbohrt habe. Man befürchtet, daß der Bürgermeister nicht am Leben erhalten werden kann. Sein Angreifer wurde ver­haftet.

48. Reichstagung der Guttempler in Hamburg.

Die 48. Reichstagung des Deutschen Guttemplerordens, für die Taufende von Guttemplern aus allen Teilen Deutschlands er­wartet werden, findet vom 6. bis 10. August in Hamburg statt. Von Bedeutung ist die 2. Konferenz für Rauschgift bekämpfung, auf der nam­hafte Männer der Wissenschaft, u. a. Dr. Johann von Seers, sprechen.

Dr. Bauer und Bechtold in Lahore.

In Lahore (Indien) trafen von der Deutschen Himalajastiftung Dr. Paul Bauer und Fritz Bechtold ein, die die verunglückten Mitglieder der deutschen Nanga-Parbat-Expedition suchen wollen. Die beiden Deutschen sind zur Zeit Gäste der Offi­ziere der britischen Luftwaffe in Lahore. Sie er­warten die Ankunft des Deutschen Dr. von Krauß. In britischen Flugzeugen werden dann die drei Deutschen an die Unglücksstätte gebracht werden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigen« letter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch« und Steindruckerei R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzeloerkaufspreis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

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