Oer Fackelzug.
Von J9.30 Uhr ab sammelten sich die Stürme der SA. und die übrigen Formationen der Bewegung an ihren Sammelplätzen und rückten von dort aus geschlossen zum Ausgongspunkt des Fackelzuges, zum Ludwigsplatz und seinen Nebenstraßen. Mit der SA. an der Spitze, setzte sich der Fackelzug gegen 20.15 Uhr in Bewegung. Das Feldzeichen der Standarte 116 und die Sturmsahnen der SA. waren zu einer geschlossenen Gruppe zusammengefaßt, der die Stürme in sturmbannweiser Gliederung folgten. Daran anschließend marschierten die übrigen Kolonnen, NSKK. mit Fahnen, die Fahnen der Ortsgruppen und DAF., die Kreisleitung, Politische Leiter, NSBO., Werkscharen, NSStB., HI. und Jungvolk mit ihren Föhnen, am Schluß die SS.
Der Marsch ging vom Ludwigsplatz aus durch die Gartenstraße, Neuen Baue, Neuen Weg, Seltersweg, Frankfurter Straße, Alicenstraße, Bahnhofstraße, Neustadt zum Oswalüsgarten. Tausende von Volksgenossen säumten die Bürgersteige als stark interessierte Zuschauer und fanden sich dann auch zu der Schlußkundgebung aufOswalds- g arten ein. Hier waren die Marschkolonnen in weitem Viereck und mit einer großen Gruppe inmitten des Platzes aufmarschiert. Der Lichtschein der Fackeln bot hier ebenso ein schönes Bild, wie der Fackelzug durch die Straßen.
Kreisletter Dr. Hildebrandt
richtete an die Volksgenossen eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß dieser Tag ein Tag der Freude, aber auch ein Tag der Dankbar- k e i t des ganzen deutschen Volkes sei. Die vom Füh
rer vor vier Jahren vom deutschen Volke geforderte Frist zur Bekämpfung der deutschen Not und zur Lösung der dringendsten Probleme sei abgelaufen.
Wir wüßten heute alle, daß der Führer mehr getan habe, als nur sein Wort zu erfüllen, daß er mehr leistete, als wir alle angenommen hätten.
Wenn der Führer darauf Hinweise, daß sein Werk in erster Linie durch die Mitarbeit seiner Kämpfer und des ganzen Volkes zum bisherigen Erfolg gebracht werden konnte, so wüßten wir doch, daß all unsere Einsatzbereitschaft, all unser Wollen und Streben umsonst gewesen wäre, wenn der Führer uns nicht mit unerschütterlicher Zielsicherheit, mit seinem starken Glauben an Deutschlands Zukunft und mit seinem edlen Wollen geführt hätte.
Deshalb sei es heute unsere Pflicht.dem Führer dankbar zu sein. Diese Dankbarkeit finde ihren Ausdruck darin, daß wir, wie in der Vergangenheit, auch in der Zukunft eisern zusammenstehen und in bedingungsloser Treue stets und überall dem Führer folgen, komme, was da wolle.
Gewaltig brausten hierauf das vom Kreisleiter auf den Führer ausgebrachte Sieg-Heil und der Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes über den Platz. Damit hatte die Kundgebung ihren Abschluß gefunden.
Die Ortsgruppen veranstalteten anschließend in vier Gaststätten noch Kameradschaftsabende.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Schwarzarbeit im Schuhmachergewerbe.
Kreishandwerksmeister Stühler von der Kreishandwerkerschaft Gießen bittet uns um die Veröffentlichung nachfolgender Zuschrift:
Die Nachkriegszeit mit all ihren unseligen Auswirkungen und einer sogenannten „Weltwirtschaftskrise" stürzte das deutsche Volk in eine soziale Not sondergleichen. Einstmals gesicherte Existenzen zerbrachen. Die Inflation nahm den meisten Kleinrentnern ihre sauer verdienten Notgroschen für den Lebensabend. Junge, arbeitshungrige Hände wurden durch verantwortungslose Regierungen und jüdische Freibeuter einer liberalistischen Wirtschaftsauffassung zum Nichtstun und Darben verurteilt. Das Arbeitslosenheer wuchs in den Jahren 1929 bis 1933 in die Millionen, und diejenigen, die noch einen Arbeitsplatz hatten, mußten verkürzt arbeiten, so daß die Kaufkraft des deutschen Volkes in den Jahren der schwarzroten Systemregierung beträchtlich sank.
Kein Wmrder, wenn aus dieser großen Not heraus mancher Erwerbslose und auch viele schlechtbeschäftigte Volksgenossen einmal, um die vielen zwangsweise nutzlosen Stunden des Tages auszufüllen, und zum anderen, weil das Geld zur Auftragserteilung für den Handwerker einfach fehlte, selbst versuchten, „Schreiner, Spengler, Schuhmacher usw." zu sein. Ganz „Tüchtige" glaubten den Handwerker für den ganzen Bekanntenkreis ersetzen zu müssen.
So entstand in dem damals politisch und wirtschaftlich zerrütteten Deutschland der Typ des Schwarzarbeiters, sich auswirkend als der Totengräber eines ehrsamen und bitter um seine Existenz ringenden Handwerkerstandes. Dieser Schwarzarbeiter ward aber auch gleichzeitig zum Feind des Staates, da er weder Steuern noch sonstige Abgaben aus diesen Arbeitserträgen abführte, hierzu oft stillschweigend die Arbeitslosenunterstützung weiterbezog und so dem, der ein Handwerk ordentlich gelernt hatte, einen Arbeitsplatz vorenthielt.
Mit der Machtergreifung im Jahre 1933 durch unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler war für die zielbewußte nationalsozialistische Regierung die Schaffung von Arbeitsplätzen für die erwerbslosen Volksgenossen eine brennende Fruge geworden. Zug um Zug konnte man von Monat zu Monat ein Absinken der Erwerbslosenziffer feststellen. Die in Arbeit stehenden Volksgenossen zogen
wiederum andere mit in den Arbeitsprozeß. Der wieder in Arbeit stehende Kamerad lernte erneut eine gute Werkmannsarbeit schätzen und war stolz darauf, auch wieder einem Handwerker einen Auftrag geben zu können. Handel und Handwerk lebten sichtbar auf; der Lebenswille dieser Berufszweige war plötzlich neu erwacht, und es begann, was jahrelang vermißt wurde: ein Wettstreit, qualitativ das Beste in fachlicher Hinsicht dem deutschen Volke zu geben.
Dieser neue . Lebenswille gab der deutschen Wirtschaft einen neuen Auftrieb, das Handwerk bekam seine so lange ersehnte Gewerbeordnung. Durch die nationalsozialistische Regierung wurden Gesetze zum Schutze und zum vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks gegeben. Das Handwerk wurde so durchorganisiert, daß ein Selbständigwerden nur noch demjenigen möglich war, der seine Qualitäten mittels einer abgelegten Meisterprüfung bewies.
Die Schwarzarbeit wurde unterbunden. Aber trotz aller Aufbauarbeit, trotzdem wir nur noch einen verhältnismäßig geringen Prozentsatz an erwerbslosen Volksgenossen haben, hinkt auffallenderweise das Schuhmacherhandwerk im Beschäftigungsgrad allen anderen Berufsschichten bedenklich nach. Halten wir uns einmal ein paar Stunden in einer Lederhandlung auf, dann stellen wir leider sehr oft fest, daß dort als Lsderkäuser nicht nur der zuständige, selbständige Schuhmacher zu finden ist, sondern auch leider oft der Beamte, Arbeiter usw.
Wenn der Schwarzarbeiter als Volksschädling seiner entsprechenden Bestrafung zugeführt wird, ist das für jeden vernünftigen Menschen eine Selbstverständlichkeit. Nun fragen wir uns: Ist der Volksgenosse, welcher seine und seiner Familie Schuhe, um ein paar Mark Arbeitslohn für den gelernten Handwerker zu sparen, verpfuscht, nicht ebensosehr ein Saboteur des Arbeitsbeschaffungs- Programms?
Diese Frage kann nur mit einem „Ja!" beantwortet werden, denn er verweigert durch das Selbstbesohlen seiner Schuhe, leider auch oft der seiner Verwandten, dem Arbeitskameraden des Schuhmacherhandwerks seinem ihm zustehenden Arbeitsplatz. Sagen wir nicht: Auf meinen Auftrag kommt es nicht an! Doch es kommt auf jeden Auftrag an, denn wirtschaftlich gesehen, leistet der Pfuscher dem deutschen Volk einen schlechten Dienst. Der Laie als solcher kann mit seinem Rohmaterial, dem Leder, nicht so sparen und zweckmäßig umgehen wie der Fachmann.
Darum, deutscher Volksgenosse: Wenn es dein Wille ist, daß auch der letzte erwerbslose Kamerad
Das fremde Gesicht
Vornan von Garen.
31 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Der Bezirkskommissar hängte ab und ging händereibend durchs Zimmer. „Herr Kriminalrat Meixner wird sofort nach Marseille recherchieren, ob der Paß echt ist. Im Lauf des Nachmittags können wir schon Antwort haben. So lange bleibt der Mann da. Und behalten Sie ihn im Auge, damit er uns nicht auskommt, verstanden! Wer weiß, was wir da für einen Fang gemacht haben!"
Drei Stunden später traf aus Marseille die Nachricht ein, daß der Paß Nummer 1131 gefälscht sein müsse. Der Inhaber des echten Passes war ein in der Umgegend von Marseille ansässiger Geflügelzüchter mit völlig anderslautendem Namen.
Eine Mitteilung, die den Kriminalrat Meixner veranlaßte, sich diesen höchst zweifelhaften Herrn Bertrand schleunigst auf die Hauptpolizei kommen . Zu lassen, um ihn samt dem gefälschten Paß in Ruhe ein wenig unter die Lupe zu nehmen.
Der Paß mußte aus einer erstklassigen Firma stammen, wie Meixner nicht ohne Bewunderung für die saubere und exakte Arbeit feststellte, mit der alle diese Stempel und Unterschriften angefertigt waren. Selbst der geübteste Fachmann hätte ihre Echtheit nicht anzweifeln können. Wenn der Besitzer dieses vorzüglichen Dokuments ebenso undurchsichtig war, würde es eine harte Nuß zu knacken geben ...
Aber schon nach den ersten Sätzen, die er mit Bertrand gewechselt hatte, war sich der Kriminalrat darüber im klaren, daß diese Nuß gar nicht so hart war, wie sie sich gab, daß sie zum mindesten eine weiche, allzu weiche Stelle hatte, wo man sie, wenn man sich nur darauf verstand, mit einem Daumendruck öffnen konnte.
Der erfahrene Kriminalbeamte erkannte mit seinem in jahrzehntelanger Praxis geschärften Instinkt für den menschlichen Typus auf den ersten Blick, daß er es mit einem schweren Alkoholiker zu tun hatte. Und eben so genau wußte er auch, wie gering die moralische Widerstandskraft solcher Leute
ist. Es entmutigte ihn nicht im mindesten, daß der beim ersten Verhör den Beleidigten spielte und sich hartnäckig weigerte, auf seine Fragen zu antworten.
„Wir werden ihm die Zunge schon noch lösen", sagte er zu einem seiner Unterbeamten, dem Wachtmeister Schleh, als der Arrestant in seine Zelle abgeführt worden war. „Vor allem keinen Tropfen Alkohol, keine Zigarette! Morgen wird er schon zugänglicher sein, denke ich. Inzwischen ergibt sich vielleicht auch allerhand Neues."
Krimmalrat Meixner war ein kleiner, sehr freundlicher Herr von gepflegtem Aeußeren, der die Verbrecher mit einer gewissen weitläufigen Vertraulichkeit behandelte unb mit dieser entwaffnenden Methode weit mehr Erfolge erzielte als die meisten seiner Kollegen mit der grimmigsten Strenge. Dabei verstand er das Handwerkliche seines Berufs aus dem Effeff und entfaltete eine unermüdliche Betriebsamkeit, wenn es galt, das rechte Fadenende eines besonders verwickelten Falles zu finden. Noch bis spät in die Nacht hinein beschäftigte er sich mit diesem Philippe Bertrand, von dem er jetzt, dank seiner eifrigen Arbeit, schon einiges mehr wußte, als was ihm das Protokoll des Bezirkskom- mrssars verraten hatte.
Er machte in Gedanken Bilanz: Erstens also hatte die Anfrage beim Meldeamt ergeben, daß Bertrand in der Privatklinik eines Dr. Alland in Höttingen wohnte oder gewohnt hatte, und es bedurfte nur eines kaschierten Telephonanrufes beim Pförtner der Klinik, um festzustellen, daß diese Angabe stimmte. Zweitens war sein dreiviertelstündiges Ferngespräch mit der Berliner Kriminalpolizei ebenfalls nicht ergebnislos gewesen, denn es hatte zu der immerhin interessanten Entdeckung geführt, daß ein gewisser Richard Stubensand, auf den sowohl die Beschreibung des Paßbildes als auch die von Ina Lenk angegebenen Personalien stimmten, vor Jahren von der Berliner Polizei gesucht worden war wegen dringenden Verdachtes, an einem Tresoreinbruch beteiligt gewesen zu sein. Einer von der Bande, den man ein paar Monate nach dem Einbruch gefaßt hatte, war geständig gewesen und hatte unter anderem auch Stubensand als Komplicen angegeben. Man hatte indes die Recherchen einstellen müssen, da Stubensand inzwischen aus Berlin verschwunden und unauffindbar geblieben war.
wieder in Arbeit und Brot kommt, wenn du sparen helfen willst an teueren Rohmaterialien, für die wir dem Auslande Devisen geben müssen, dann gib deine Aufträge dem hierfür zuständigen Handwerk; es wird es dir danken.
Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast: „Der lachende Dritte". — Lichtspielhaus: „Und Du mein Schatz fährst mit". — Oberhessischer Geschichtsverein: 20.15 Uhr im Kunsthistorischen Institut, Ludwigstraße 34, Vortrag von Prof. Dr. Stadelmann über „Unbekannte Friedensbemühungen im Weltkrieg".
NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost.
Bekr. LebensmittelOpferring der Ortsgruppe Gießen-Ost.
Die Sammlung wird Dienstag, 2., und Mittwoch, 3. Februar, von der NS.-Frauenfchaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. Cs wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volksgenossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern.
Betr.: Kohlenversorgung.
Die Kohlenhändler werden ausgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum 5. Februar täglich in der Zeit von 17 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen eine Wertquittung umzutauschen. Später eingereichte Kohlengutscheine können nicht mehr in Zahlung genommen werden.
Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1936/37.
Ortsgruppenführung Gießen-Süd.
Am Dienstag, 2. Februar, Mittwoch, 3. Februar, Donnerstag, 4. Februar, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die WHW.- Pfundsarnrnluna statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspenden (Pfundpakete) zur Abholung bereitzuhalten.
Ortsgruppenabend der Frauenschast Sießen-Nord.
Einen Vortragsabend veranstaltete die Frauen- schaft Gießen-Nord mit dem Frauenwerk im Burghof (Cafe Ebel). Der Abend stand unter dem Thema „Geschichte als Lehrmeisterin". Kreisschulrat Pg. N e b e li ng zeigte in zahlreichen Beispielen den geschichtlichen Werdegang des deutschen Volkes, die rassische Zusammensetzung, die den deutschen Menschen zum fleißigsten Bauern, zum strebsamsten Arbeiter, zum begabtesten Erfinder und ebenso zum schneidigsten Soldaten werden ließ. Das Aufwärts und Abwärts in der deutschen Geschichte, die kurzen Zeiten des Wohlstands, zu denen das Land durch bedeutende Herrscher geführt wurde, das alles zog in lebendiger Schilderung klar und eindrucksvoll an den Hörerinnen vorbei. Zuletzt sprach der Vortragende vom Führer, der 1918, als alles verloren schien, allein durch die Macht seiner Persönlichkeit und seines unerschütterlichen Glaubens an die schlummernden Kräfte aus Not und Hoffnungslosigkeit ein neues Deutschland schuf. Reicher Beifall dankte dem Redner, der es verstanden hatte, in allen Frauen Stolz und Vertrauen zu wecken. F. K.
Stellt Schaufenster zur Verfügung!
NSG. Die Gaujugendwaltung der DAF. erläßt gemeinsam mit der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel folgenden Aufruf an die Einzelhandelsgeschäfte.
„Wir rufen hiermit zum dritten Male alle im Einzelhandel tätigen jungen deutschen Kaufleute zum Schaufen st erwettbewerb im vierten Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend in der Zeit vom 28. Februar bis 6. März 1937 auf.
Wir erwarten von den Einzelhandelsgeschäften, daß sie ihre Schaufenster für diesen Wettbewerb zur Verfügung stellen. In diesem Schaufensterwettbewerb gibt die deutsche Jugend ihrem Willen Ausdruck/die politische Aufgabe unserer Zeit in ihrer Leistung und in ihrer praktischen Aufgabe zu gestalten.
Den Lehrlingen und Junggehilfen aus dem Einzelhandel soll Gelegenheit geboten werden, nach eigenen Gedanken eine Schaufenstergestaltung durchzuführen und die Parole: „Wir werben für deut-
Eine nicht zu unterschätzende Mitteilung, die zur Enthüllung des Rätsels „Bertrauo' wesentlich beitragen konnte, sobald die Identität dieses angeblichen Franzosen mit jenem Stubensand einwandfrei feststand. Kein Zweifel, daß das bald zu erreichen war!
Aber da war noch ein Drittes, ein seltsam dunkler Punkt, der den an sich nicht ungewöhnlichen Fall merkwürdig komplizierte. Da war dieser Brief, den man bei Bertrand gefunden hatte, als man ihm im Arrest seine Sachen abnahm. Wachtmeister Schleh hatte beobachtet, wie der Häftling den Versuch machte, diesen Brief verschwinden zu lassen, der, noch unfrankiert und mit dem Vermerk „Einschreiben" versehen, an einen Mann mit Namen Gallatin in Genf, „Hotel du Lac", gerichtet war. Ein in mangelhaftem, von orthographischen Fehlern wimmelndem Französisch abgefaßter Privatbrief, in welchem Bertrand seinem Freund Gallatin gelinde Vorwürfe machte wegen irgendeines nicht näher bezeichneten „Geschäftes", das Gallatin ihm und sich selber „mit seiner Inkonsequenz" verdorben habe. Und dann hieß es wörtlich weiter: „Es wäre doch eine Dummheit, wenn man die Verbindung nicht ausnützen würde, so was findet sich nicht alle Tage. Du wirst schon sehen, wie dieser Dr. A. kuschen wird, wenn's drauf ankommt. Wir haben ihn ja in der Hand ..."
Dieser Passus war es, der Kriminalrat Meixner eine schlaflose Nacht bereitete. Als er am nächsten Morgen gegen neun sein Büro betrat, war sein erstes Wort an den Wachtmeister Schleh:
„Fragen Sie mal nach, ob wegen dieses Bertrand eine Aogängigkeitsanzeige gemacht worden ist."
Er rieb sich vor dem Ofen die von der Kälte steifen Finaer und setzte sich dann in seinen bequemen Schreibtischstuhl.
„Nun, was macht unser Pensionär?"
Schleh grinste vergnügt. „Ich glaube, er wird schon mürbe, Herr Kriminalrat. Er hat's heute morgen schon mit dem Heulen bekommen, weil wir ihm den Kognak verweiaert haben, den er sich zum Frühstück bestellt hat. Kognak — auf nüchternen Magen — brr!" Der Wachtmeister schüttelte sich. "Jetzt spielt er den Mißhandelten, flucht und schimpft und heult und simuliert Ohnmächten, damit wir uns erbarmen sollen."
sches Gut und deutsche Leistung" sinnfällig und wir. kungsvoll zum Ausdruck zu bringen."
Verbilligter Zucker für Imker.
Fwd. Der Reichs- und preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat auch für das Jahr 1937 einen Betrag in Höhe bis zu 1,5 Mil- lionen Mark für die Zuckeroerbilligung für Imker zur Verfügung gestellt. Nähere Einzelheiten über die Durchführung der Zuckeroerbilligung sind nach einer Bekanntmachung des Landesbauernführers für Hessen-Nassau von dem Vorsitzenden der Orts, sachgruppe Imker, ober, falls ein solcher nicht vorhanden ist, von dem Landesgruppenvorsitzenden Imker, zu erfahren.
Jeden Tag eine Kleinigkeit sparen!
Das Streben unzähliger Volksgenossen geht dahin, sich eine kleine Geldrücklage für unvorhergesehene Zwischenfälle zu schaffen. Die Bildung von Er- sparnifsen setzt jedoch eine Lebenshaltung voraus, bei der Kleinigkeiten zurückgelegt werden können. Großes Einkommen bietet keine unbedingte Gewähr dafür, daß in jedem Falle Sparbeträge auch tatsächlich erübrigt werden. Anderseits zeigt gerade das Anwachsen der Spareinlagen, daß es nicht zuletzt die Bezieher kleiner Einkommen sind, die Pfen- nig auf Pfennig und Mark auf Mark zurücklegen. Wer sparen will, muß jedenfalls zuvor gelernt haben, sparsam zu wirtschaften. Nicht nur für größere Ausgaben, denen sich der einzelne gegenübersieht, gilt dies, sondern gerade auch für die all- täglichen Dinge; z. B. lassen sich bei planmäßigem Reinigen der Möbel, der Kleider und des Fuß. badens Beträge sparen. Auf zweckmäßigen Einkauf in größeren Mengen in Jahreszeiten, die eine be- sonders reichliche Versorgung und darum niedrigere Preise mit sich bringen, muß derjenige bedacht fein, dem es ernsthaft um beharrliche Mehrung seines Sparguthabens zu tun ist. Fast alle Nahrungsmittelreste lassen sich bei geschickter Zubereitung und Zurichtung restlos verwerten und helfen damit das oft spärliche Wirtschaftsgeld zu strecken. Bei ein wenig Ueberiegung vermag jeder im Bereich feines Geldbeutels unzählige Möglichkeiten ausfindig zu machen, die einer sparsamen Wirtschaftsführung zugute kommen und damit Rücklagenbildung zum eigenen Besten und dem der Gesamtheit ermöglichen.
** Ei n Fünfundsiebzigjähriger. Der Zugführer i. R. Heinrich Krämer, Gnauthstr. 22, kann am morgigen Dienstag, 2. Februar, in körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag feiern.
** Ein Siebzigjähriger. Heute, Montag, 1.Februar, kann der Bäckermeister August Dei- bei, Neuenweg, in ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische feinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar erfreut sich in weiten Kreisen der Bevölkerung infolge seines sympathischen Wesens größter Wertschätzung.
** Eine Sechzigjährige. Am 3. Februar kann Frau Elisabeth Stein, geb. Vmner, Löber- straße 7, in voller Gesundheit ihren 60. Geburtstag feiern.
Rundfunkproaramm
Dienstag, 2. Februar.
6 Uhr: Larghetto, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Sperrzeit wegen Antennenarbeiten im Sendebezirk des Reichssenders Frankfurt. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Schneebericht. 13.15: Mittagskonzcit. 14: Nachrichten. 14.10: Nach Tisch gönnt euch ein wenig Rast, seid bei Frau Musica zu Gast! 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Frauenfunk: ...aber — abergläubisch bin ich wirklich nicht! 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Ein Flügeladjutant reitet gen Westen! Lebensbild um Friedrich Wilhelm von Steuben. Aufgezeichnet von Hugo Heffter-Basil. 17.45: Theaterbesuch in Peking. Eine Plauderei. 18: Konzert. 19: „Der Kongreß tagt..." Hörbilder aus den Gründ erfahren der Vereinigten Staaten von Nordamerika. 19.30: Kampf dem Verderb! Bericht von der „Grünen Woche Berlin 1937". 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Im Tanzschritt durch Jahrhunderte. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Nachrichten der DAF. 22.20: Echo vom Internationalen Reit- und Fahrturnier. 22.30: Tanz- und Volksmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Deutsche romantische Musik.
Der Kriminalrat nickte befriedigt. „Sehr gut, das ist das letzte (Stadium vor der Kapitulation. Bis spätestens heute abend, schätze ich, wird er reif sein zum Verhör ... Haben Sie die Lenk für neun Uhr bestellt?"
„Ist schon da, Herr Kriminalrat."
„Dann lassen Sie sie nur gleich rein ... Also — wegen der Abgängigkeitsanzeige und — ja, sehen Sie auch gleich drüben nach, ob es einen Personal« akt ,Alland' gibt. Alland, Dr. meb."
Meixner machte eine entlassende Handbewegung. Gleich darauf wandte er sich Ina Lenk zu, die blaß und übernächtig, aber mit merkwürdig gesammeltem Gesichtsausdruck an dem Wachtmeister vorbei in das von frostigem Morgenlicht erfüllte Zimmer trat. Es entging dem Kriminalbeamten nicht, daß seit dem Vortag eine Veränderung mit dem Mädchen oorgegangen war. Sie schien ihm heute viel ruhiger, von einer seltsam gespannten, fast unnatürlichen Ruhe, als horche sie über die Gegenwart hinweg auf etwas noch Entferntes, Kommendes. „Haben Sie mir den Zettel mitgebracht, den Sie damals in Berlin nach Stubensands Verschwinden in Ihrem Briefkasten fanden?" fragte Meixner. Ina nickte gehorsam und reichte ihm das vergilbte Papier.
Der Kriminalrat suchte nach seinem Zwicker.
„Kein Datum natürlich. Sagen Sie, Fräulein Lenk, erinnern Sie sich zufällig noch genm- an welchem Tag Sie Ihren Verlobten zum le^f ral gesehen haben? Das Jahr wissen wir ja schon "
Ina lächelte geringschätzig über die Zumutung, daß sie dies schwerwiegende Datum vergessen haben könnte.
„Es war am 20. August — an einem Samstag", erklärte sie ohne Besinnen.
„So, wissen Sie das genau?" Meixner blätterte in dem vor ihm liegenden Akt und richtete dann seine funkelnden Zwickergläser auf das ihm gegen« Überfitzende Mädchen. „Am 21. August gleichen Jahres, an einem Sonntag also, war der große Tresoreinbruch bei der Berliner Handelsbank, bei dem die Einbrecher noch im letzten Augenblick versprengt wurden und zum Teil flüchten gehen konnten. Ich muß Ihnen leider den Kummer machen, Fräulein Lenk, daß Ihr Schicksal mit diesem Bankeinbruch in ziemlich direkter Verbindung steht."
(Fortsetzung folgt!)


