fo fragte Churchill, wenn so viele Schiffe versenkt würden, daß die Lieferungen aus Nordamerika England nicht mehr erreichten? Churchill gestand ein, daß Deutschland durch die Benutzung der französischen Häfen und die strikte irische Neutralität die englische Schiffahrt weit draußen auf hoher See angreifen kann. ^,Das ist die Schlacht auf dem Atlantik." Sie werde lange dauern und hart sein. Churchill gibt zu, daß England nicht mehr in der Lage ist, die versenkten Schiffe zu ersetzen und nennt diese Versenkung der Schiffe natürlich „keine effektive Blockade, sondern nur Mord und Seeräuberei", womit er zu erkennen gibt, daß die deutsche Gegenblockade geeignet ist, England in die Knie zu zwingen. Aber man habe das Wort Roosevelts, England zu stützen. Nun, Roosevelt hat vieles versprochen und nicht gehalten. Er hatte es dem amerikanischen Volke wiederholt und feierlich Zugesagt, aber er denkt wohl darüber, wie sein Gegenkandidat Willkie, der, vor dem Senatsaus- schuß über seine Friedensversprechungen befragt, verlegen antwortete, es seien ja nur Wahlreden gewesen. Wir sind jedenfalls auf alle denkbaren Fälle vorbereitet. Das hat der Führer in seiner letzten Rede erklärt, und wir haben gezeigt, daß wir wirklich vorbereitet waren, als wir die Engländer aus ihrem letzten Schlupfwinkel auf dem Balkan hinausjagten. Nicht anders wird es ihnen trotz aller Großsprechereien Churchills in der Schlacht auf dem Atlantik ergehen.
„Wir wollen wissen, was vor sich geht."
Das englische Bolt will die Wahrheit hören.
Genf, 29. April. (DNB. Funkspruch.) Die „Dally Mail" beklagt ftch über die manoelhafte Informierung Der englischen Oeffentlichkeit durch die amllichen Organe. „Wir verlangen, daß man uns davon unterrichtet, was eigentlich vor sich geht." Das englische Volk habe es nicht verdient, daß man ihm Die bittere Wahrheit vorenthalte. Es sei Schuld der Regierung, wenn Panik und Kleinmut sich unter dem Volk verbreitet, denn das Volk sei mehr durch die Nachrichten deprimiert, die ihm vorenthalten werden, als durch jene, die es kenne. Das Volk sage sich: „Es ist unser Krieg, oder ist er es etwa nicht?" Die amtlichen Stellen jedoch glaubten, daß das Volk nur alles ihnen überlassen solle. Im „Daily Sketch" heißt es: „Wir fragen nicht aus Wißgebievde. Aber das Volk hat es nicht verdient, daß man ihm ft e t s die Wahrheit vorenthält und ihm auch jetzt nicht sagt, warum unsere Truppen in Aegypten sich in Verteidigung befinden. Es besteht kein Zwei- fei darüber, daß eine Erklärung gegeben werden muß, auch dann, wenn ein Irrtum der englischen Regierung vorliegt".
Finanzielle Rückwirkungen der Kriegslage.
Rom, 28. April. (Europapreß.) Die schlechten Nachrichten von allen Kriegsschauplätzen haben, wie „Popolo di Roma" aus Neuyork hört, besonders in den Kreisen der Londoner City zu großer Nervosität geführt. Die Bank von England werde bald die gesetzliche Höchstgrenze für den Bank- Notenumlauf erreicht haben — es fehlen zu dieser Grenze nur noch 7 791000 Pfund Sterling — und man sehe schon voraus, daß sie dann mit der Forderung an das Schatzamt yerantreten werde, ungedeckte Banknoten auszugeben. Die erste Anforderung dieser Art werde sich auf 50 Millionen Pfund belaufen. Der Notenumlauf habe 630 Millionen Pfund erreicht. Das bedeute eine Steigerung des Notenumlaufes feit dem 1. Januar um 14,6 v. H. Die britische Staatsschuld stieg seit Kriegsausbruch von 8494 Mill. Pfund auf 11417 Millionen Pfund oder u m 2 5 v. H. am Ende des Finanzjahres. Den größten Kummer bereite dem britischen Finanzministerium jedoch die schwebende Schuld, die in dieser Woche um 40 Millionen Pfund stieg.
Oer italienische Bericht.
R o m, 28. April. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:
Abteilungen der Luftwaffe und Schwarzhemden haben heute morgen Korfu besetzt.
In der C y r e n a i k a hat der Feind an der To-
MDsmelmM.
Aoman von Elisabeth -Sjolt.
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Kempf — Pachoven", sagte Gerda nachdenklich und legte das letzte Kleid der Kollektion Fareau Fröres in die besorgten Hände der Ankleiderin zurück, ,chas Motorenwerk Kempf-Pachoven in Hamburg! Die Frau kann sich den Zobel leisten."
Uebrigens bekam Gerda anstatt zwanzig fünfundzwanzig Schilling. „Sie haben unsere Mäntel so charmant gezeigt!" Monsieur Lavin tätschelte ihr zärtlich die Wange, er sah aus, wie aus dem Wasser gezogen.
Als Gerda auf die nächtliche Straße trat, fuhr an der Hotelfront das letzte Auto weg. Es war schneidend kalt. Gerda Maurer fröstelte in ihrer schicken kurzen Jacke.
2. Kapitel.
Zwei Wochen später geschah die sonderbare Geschichte bei Frau Schmitz.
Frau Schmitz vermittelte Hauspersonal und Gouvernanten für vornehme Familien. Als es Gerda einmal besonders dreckig ging, hatte sie sich um eine Stelle zu Kindern an Frau Schmitz gewandt, die ihr zwar nicht den versprochenen Posten verschaffte, jedoch eine Anzahl leidlich gut bezahlter Klaoierstunden. Aber es wurde immer schlechter mit dem Stundengeben. Eine drückende Atmosphäre lag über der Stadt; Arbeitslosigkeit, Armut, Verzweiflung hatten die Menschen in den Klauen. Wenn es Arbeit gab, so zahlten die Leute entweder elend oder sie blieben das Honorar überhaupt schuldig.
Gerda Maurer hatte nicht grade viel Hoffnung, als sie wieder einmal zu Frau Schmitz ging, die sie durch eine Postkarte zu einer Besprechung aufgefordert hatte. Was konnte die Schmitz denn für sie haben in diesen Zeiten? Gerda fror. Den kleinen Pelzkragen ihres Mantels konnte sie nicht mehr aufstellen, weil seine Unterseite zu schäbig war. Der Weg in die innere Stadt zog sich lang mrd
bruk-Front einen neuen Vorstoß unternommen: er wurde unter Verlusten für den Gegner zurückgeschlagen. Verbände von italienischen und deutschen Sturzkampffliegern haben in der Umgebung von Tobruk feindliche Batterien, Kraftfahrzeuge und Lager angegriffen.
In O st a f r i k a dauert der Druck des Feindes und der tapfere Widerstand unserer Truppen an. D e s s i e wurde geräumt. Feindliche Angriffe im Abschnitt von A l a g i wurden abgewiesen.
Eines unserer Unterseeboote unter dem Befehl von Korvettenkapitän Salvatore hat im Atlantischen Ozean einen feindlichen Hilfskreuzer von 10 000 Tonnen versenkt.
Zur Besetzung Korfus.
Rom, 28. April. (Europapreß.) Der italienische Wehrmachtbericht meldet die Besetzung der Insel Korfu durch Abteilungen der italienischen Luftwaffe und durch Schwarzhemden.
Die Insel Korfu zählt etwa 103 000 Einwohner. Wahrzeichen aus der Zeit der Herrschaft der venezianischen Republik sind noch zahlreich vorhanden, Darunter als das imposanteste die im Jahre 1550 erbaute alte Festung. In den Kriegen gegen Philipp von Mazedonien zählte Korfu zu den Verbündeten des alten Roms. Genua und dann Venedig herrschten im 13. Jahrhundert über diese Insel. Dom 14. Jahrhundert an war Korfu ein wichtiger Handelsplatz und der politische Vorposten Venedigs, der der Republik die Abwehr eines Eindringens der Türken in das Adriatische Meer und die Frei- haltunq der Seewege in dos Mittelmeer ermöglichte. Nach dem Zusammenbruch der Venezianischen Republik gelangte Korfu zunächst in französischen und barm in englischen Besitz und blieb auch späterhin, nach der Vereinigung mit dem griechischen Königreich im Jahre 1864, ein britischer Stützpunkt bis auf den gestrigen Tag.
Mussolini spricht Cavallero seine Anerkennung aus.
Rom, 28. April. (Europapreß.) Der Duce hat folgendes Telegramm an den Oberkommandierenden der italienischen Wehrmacht in Albanien, General Cavallero, gerichtet: „In dieser Stunde des Sieges wünsche ich, Ihr unbestreitbares Verdienst anzuerkennen, während vier Monaten die notwendigen und hinreichenden Bedingungen zu seiner Erreichung geschaffen zu haben. Diese Bedingungen bestanden darin, jeden weiteren Versuch einer Gegenoffensive des Feindes zu brechen und allen den moralischen und materiellen Anstoß für die Revanche zu geben, wie Sie es taten. Empfangen Sie meine Anerkennung für Ihr Werk und das Ihrer Mitarbeiter im Kommando und bei den Truppen."
U-Boot-Ingenieur mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Berlin, 28. April. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant
(Jng.) Zuern. Er hat als leitender Ingenieur von Unterseebooten mehrere Feindfahrten mitgemocht, bei denen insgesamt 273 435 BRT. feindlichen Handelsschiffsraums versenkt wurden. Durch seine hervorragende und umsichtige Wartung der Betriebsund Tauchanlagen des Bootes, durch in gefahrvollen Situationen gezeigte Kaltblütigkeit, Entschlußkraft und Ruhe hat er an diesen Erfolgen entscheidenden Anteil. Auf Grund seiner hervorragenden Eigenschaften und seines großen Könnens war Zuern am 1. November 1939 als Oberfeldwebel zum Offizier befördert worden.
Oie britisch-jugoslawische Spionage in Bulgarien.
Sofia, 29. April. (Europapreß.) Polizeidirektor Dragoloff gab der Presse eine Darstellung des auf« gedeckten englisch-jugoslawischen Spionagenetzes in Bulgarien. Der aufgefunbene Rundfunksender hatte eine Reichweite von 100 bis 200 Kilometer. Er arbeitete eine Zeitlang in der britischen Gesandtschaft und wurde später nach Plovdiv gebracht. Die entdeckten Höllenmaschinen finb die gleichen gewesen wie jene, die die Explosion im Pera-Palast-Hotel in Istanbul verursacht haben. Sie seien von Kurieren der britischen Gesandtschaft als diplomatisches Gepäck in Koffern auch nach Rumänien und Jugoslawien geschafft worden. Der bulgarische Staatsangehörige D i m i l r o f f, der noch nicht aufgefunden werden konnte und der den Umsturz in Bulgarien in der Nacht auf den 13. April durchführen sollte, hatte in dauernder Verbindung mit dem jugoslawischen Gesandten in Moskau, Gabrilowitsch, gestanden, der einer der Organisatoren des Putsches in Belgrad gewesen war. Der in Sofia, in Stara Zagora und in Plovdiv aufgefundene Sprengstoff sollte dazu dienen, gegen Brücken, Eisenbcchnlinien und andere Objekte Sabotageakte zu vollführen.
Portugal huldigt Salazar.
Lissabon, 29. April. (Europapreß.) Die große Massenkundgebung, durch die das portugiesische Volk seinem Ministerpräsidenten Salazar das Vertrauen in seine Finanz-, Innen- und Außenpolitik ausdrückte, fand am Geburtstag des Ministerpräsidenten statt, der am Montag'sein 52. Lebensjahr vollendete. Salazar hielt eine Ansprache. Er warf einen kurzen Rückblick auf die vielen Jahre, in denen er sich in Wort und Beispiel bemüht habe, zu einer solidarischen Gemeinschaft des portugiesischen Volkes zu gelangen. Die Schwierigkeiten des Augenblicks seien zweifellos groß, und niemand wisse in dieser engen Welt, welche Leiden ihm die Tragödie Europas direkt oder indirekt vorbehalte. Portugal habe bisher — und er glaube, daß es dies verdient habe — in Frieden auf der Halbinsel gelebt. Er habe die Gewißheit, daß feine Haltung die Sympathie vieler Völker finde; sicherlich nicht wegen des Egoismus' feiner Haltung, sondern wegen des realen politischen Wertes seiner Politik. Welches auch immer das Ergebnis der Schlachten, Die Ausdehnung der Ruinen, die Schrek-
Enger gewordenes Mittelmeer.
Die neugewonnene deutsche Machtstellung auf der südlichen Balkanhalbinsel verändert zusammen mit der deutsch-italienischen Wiedereroberung Der Cyre- naica das Bild Des Mittelmeeres für Die strategische Betrachtung völlig, wobei immer an die Aufspaltung einer solchen Betrachtung in LanD-, See- unD Luftstrategie und an ihre gegenseitigen Bedingtheiten zu Denken ist. Am 10. Januar 1941 wurDe Das Auftreten Der Deutschen Luftwaffe in Unter« Italien unD Sizilien gemeldet. Damit war die Voraussetzung für einen wirksamen Sperriegel nach Tripolis in Nordafrika geschaffen. Jetzt ergibt sich die Bildung gleich zweier neuer Sperriegel: einmal eines weiteren nordsüdlick-en Sperriegels vom Peloponnes bis Libyen, und Dann eines westöstlichen Sperriegels vom Peloponnes zum DoDekanefos, Der italienischen Zwölfinselgruppe mit Rhodos als Hauptstützpunkt. Zwei wichtige Nebenmeere finb damit fast völlig abgeriegelt: das Adriattsche und das Aegäische Meer. Das Aegäische Meer ist dank seiner Lage zwischen Griechenland und Kleinasien zugleich Die Durchgangsstraße nach dem Marmara- unD Dem Schwarzen Meer. Den Engländern verbleibt nur die äußerste Südostecke des Mittelmeeres, also im wesentlichen
Der Raum zwischen CYpern, Haifa, Suezkanal, Alexandrien.
Die Luftentfernungen vom Peloponnes bis Libyen im SüDen unD bis RhoDos im Osten betragen je 500 km. Innerhalb dieses Dreiecks liegt Kreta, das mit feinen wunDervollen.großenNaturhafen bisher ein Lieblingsstützpunkt Der englischen Flotte und Lust- waffe gewesen ist. Ob es diesen Vorzug angesichts seiner unangenehmen Dreieckslage weiter behält, lassen wir dahingestellt. Die Luftentfernungen vom Peloponnes nach Cypern und nach Unterägypten betragen je 1100 km. Das ist schon sehr reichlich gerechnet. Der italienische Dodekanesos mit Rhodos, unmittelbar der kleinasiatischen Küste vorgelagert, bietet eine überaus wertvolle Etappe. Das werben auch die Engländer auf Kreta noch zu spüren bekommen, Da insbesonDere Die zu der Zwölfinsel- gruppe gehörige Insel Karpathos nur knapp 100, RhoDos selbst höchstens 200 km von Kreta entfernt ist. Wie stark Die Engländer Die Fernwirkun - gen dieses wahrhaft radikalen Wandels Des {träte« aischen Bildes im östlichen Mittelmeer empfinden, beweist Die erhebliche Verstärkung Der Garnison von Gibraltar und die Heranholung des Lord Gort zum Kommandanten. Dr. Ho.
ken der Opfer fein mögen, die politische, wkrh schaftliche und soziale Umbildung Europas werde auf die Dauer doch ihren Lauf nehmen, ssz sei sicher, daß es im Leben absolute Werte gebe, Denen alles andere geopfert werden müsse; einig« davon seien die WürDe der Nation, die Freiheit und Unabhängigkeit, Die gebietsmäßige Integrität Salazar schloß: „Wir haben Vertrauen in die eigene Loyalität und in Die Loyalität anderer, in Die DrDnung, Die Arbeit. Die Ruhe unD Den Ernst, mit Denen wir Den Problemen ins Auge schauen und Die Schwierigkeiten überwinden müssen. Wir vertrauen mehr als in Die Macht Der Waffen in Die geschlossene und feste nationale Einheit und in die tiefe lebendige Liebe zur portugiesischen Erde."
Oie Soziale
Beiriebsarbeiierin.
Der Arbeitseinsatz Der Frauen in Der Wirtschaft ist heute durch mannigfache Maßnahmen erleidytert. Zu diesen Faktoren gehört auch Die Soziale Be-> triebsarbeiterin, Deren Aufgaben Die Betreuung Der weiblichen Schaffenden in Den Betrieben ist. Die Soziale Betriebs ar beiterin ist aus Der Gefolgschaft hervorgegangen und kennt alle Arbeitsvoraänge, die Frauen verrichten müssen. Auf diesen Erfahrungen baut sie auf. Sie Hilst für Die Frauen Arbeitserleichterungen und Verbesserungen schaffen, sie wirft bei jeDer Neueinstellung und Entlassung mit. Die Mitarbeit bei Umschulung von Frauen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Auch bei Der Schaffung ozialer und gesundheitsfördernder- Einrichtunaen sowie erhöhten Schutzmaßnahmen ergeben sich Aus» gaben für sie. Sie arbeitet mit dem Betriebsarzt und dem Sanitätsdienst zusammen, sie ist auch tätig bei der Arbeitsplatzablösung und Der Vermittlung von Erhvlungsaufenthalt. Die Sorge um schöne Auf entha ltsrä u me und einwandfreie hygienische Lage ist auch ihre Sorge. Geeigneter Arbeitsplatz, zusätzliche wirtschaftliche Hilfe und umfassende Betreuung der schwangeren Frauen sind Maßnahmen, an Deren Durchführung die Soziale Betriebsarbeiterin ständig arbeitet. Der Arbeitseinsatz der Fra» hat eine größere Inanspruchnahme der Krippen und Kindergärten mit sich gebracht, weshalb viele Betriebsführer eigene Kindertagesstätten eingerichtet haben. Für jede werktätige Mutter ist es eine Er* leichterung, wenn sie morgens ihr Kind im Werkkindergarten abgeben kann und weiß, daß für ihr Kind tagsüber geforat ist. Schließlich gehört auch Die Erziehung zu gejunber Lebensführung zu beit Aufgaben der Sozialen Betriebsarbeiterin, die deshalb eng mit der Werkküche und der Kantine zu- sammenarbeitet.
©er 1. Mai als gesetzlicher Feiertag.
Der Reichsminister des Innern und der Reichs« Minister für Dolksaufklärung und Propaganda geben bekannt: Die am nationalen Feiertag des deutschen Volkes (1. Mai) übliche allgemeine Be« flaggung unD Ausschmückung Der Gebäude unter« bleibtin Diesem Jahre. Der 1. Mai ist als nationaler Feiertag des deutschen Volkes auch in diesem Jahre gesetzlicher Feiertag. Offizielle Feier« l i ch k e i t e n werden am 1. Mai nicht veranstaltet. Dagegen können kameradschaftliche Betriebs feiern in würdigem und der Zeit entsprechendem Rahmen Durchgeführt werden.
Kleine politische Nachrichten.
NSG. Eine auf Einladung des Reichsstudenten« fuhrers auf einer Deutschlandreise besinDliche Ab« Ordnung japanischer Wissenschaftler wurde im Adolf-Hitler-Haus von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger im Beisein des ©au« Dozentenführers Professor Dr. Guthmann und des Stellvertretenden GaustuDentenführers Saffron willkommen geheißen. Die Abordnung, die vom Japanreferenten der Reichsstudentenführung Dr. Zahl begleitet wird, besichtigte Das Adolf-Hitler« Haus unD nahm nach einem Empfang der Stadt Frankfurt an verschiedenen Veranstaltungen des NS.-Dozentenbundes und des NS.-Stüdenienbun« des teil.
*
Der amerikanische Flieger Lindbergh richtete ein Schreiben an Präsident Roosevelt und teilte ihm seinen Austritt aus dem Reservekorps Der Luftwaffe mit. Er habe Diesen Beschluß auf GrunD einer persönlichen beleiDigenden Bemerkung Roosevelts gefaßt.
ermüdend hin, es wehte stark. Obwohl die Sonne schien, fühlte man Die trockene Kälte des Vorfrühlings, und sonderbarerweise hing der Geruch von feuchten Aeckem über Den Asphaltstraßen.
. „Ich glaube, ich werDe nach Hause fahren", dachte sie, als sie in Dem schlecht geheizten Warteraum des Vermittlungsbüros saß und Die ganze Umgebung an ihren Nerven riß. „Ja, es ist das beste, ich fahre heim."
Gleich Darauf wurde sie in die Kanzlei gerufen. „Hören Sie, liebe Frau Maurer", begann die Vermittlerin. „Sie haben irgendwo einen Fürsprecher. Jemand kümmert sich um Ihr Fortkommen." Die Schmitz schlug auf ein Briefblatt, Die Unterschrift fehlte: „Wissen Sie, was ich da habe?"
Gerda wußte es natürlich nicht. Sie erfuhr mit ungläubiger Verwunderung, Daß eine Mitteilung an das „Placierungs-Institut Schmitz-Weiser" ausschließlich Frau Maurers Wohl gelte. Man schrieb, daß eine Dame in Der Parkstraße 16 eine Sokre- j tärin suche, es müsse eine umsichtige Kraft fein, fähig, einen großen Haushalt zu beaufsichtigen, aber sich auch als eine geübte Klavierspielerin erweisen. Eine Telephonnummer war angegeben. Natürlich hatte Die Schmitz gleich angerufen. UnD' wer hatte sich Da gemeldet: — die Zofe Der Kammersängerin Pola Luckner!
„Die Luckner!" sagte die Vermittlerin mit bedeutend hochgezogenen Brauen, „was sagen Sie dazu. Das wäre eine Anstellung!"
GerDa war nicht sonderlich beeindruckt. Sie sagte ohne Ueberzeugeung „Ja gewiß" und nahm sich vor, gar nicht in Die Parkstraße zu gehen. Sekretärin bei der Luckner! Empfohlen vom Vermittlungs- instttut Schmitz! Vollkommen aussichtslos!
Als GerDa nachher roieDer auf der Ringstraße stand, kam erneut Der starke Geruch von feuchtem Ackerland vom Stadtgürtel herein. Parkstraße 16, bei Der Kammersängerin Luckner! Wie lange hatte sie die Luckner jetzt schon nicht mehr gehört? — Vier Monate, zuminDest vier Monate — verflixt teuer sind die Eintrittskarten der Oper — nicht einmal für Stehplätze reicht es.
„In lichter Waffen Scheine —", Herrgott, was für eine Stimme! Das strahlende A, aufsteigend aus einem GrunDe von gehämmertem Gold. Man sollt« trotz allem itt di« Oper gehen. Hie und da t
auf ein Abendessen verzichten und Dafür zühoren, wie diese Sttmme anschwillt, klar und groß und manchmal von einer Süße, Daß es beinahe weh tut, so schön ist das. Die gehauchten Pianos Der Luckner — Parkstraße 16 — GerDa wirD doch hingehen. Eine Ablehnung mehr, was macht Das Denn schließlich aus!
Pola Luckner bewohnte eine Villa im Stil der neunziger Jahre, ein geräumiges Haus, umgittert unD verschlossen wie eine Festung. Gerda drückte zaghaft auf Den Klingelknopf. Die Tür sprang auf, es erschien ein süßes Stubenmädchen. Leise brachte Gerda ihr Anliegen vor, sie käme vom Placierungs- institut Schmitz und sei für die Sekretärstelle bei Der Frau Kammersängerin empfohlen. Das Stubenmädchen sagte, es werde Dem Fräulein Rosa Davon Mitteilung machen.
GerDa wurde allein gelassen. Sie saß in einer Nische Der Halle auf einer Truhenbank neben einer Kleiderablage, an der ein paar Herrenwinterröcke hingen. Auch eine Art Löwenpelz war da, umschlungen von einem mächtigen seidenen Halstuch, das durchdringend nach Lavendel und Eukalyptus Duftete. „Ein Sänger", dachte Gerda, und lächelte schwach. Ganz unbeweglich saß sie da und schnup- perte aufmerksam. Irgendwie war ihr Die Atmosphäre vertraut. Die große Halle mit ihren Tep- pichen, sparsam verteilten Möbeln unD Den zwei schlechten, aber zweifellos alten Tafelbildern, zeigte die glatte, unpersönliche Sauberkeit eines großzügig geführten Hauses. UnD dennoch roch es nach Theater. Ja, nur ein bißchen Staub hätte in Der Luft sein müssen und es wäre so gewesen wie damals, als sie in den engen Bühnengängen auf ihren Mann wartete.
Schließlich tauchte Das süße Stubenmädchen in Begleitung einer abgehetzt und mißtrauisch aus- sehenden Person wieder auf, und diese verlangte vor allen Dingen und bevor sie der Maurer überhaupt nur einen Blick geschenkt hatte, nach Empfehlungsbriefen.
„Ich habe keine", sagte Gerda.
Das konnte Fräulein Rosa nicht begreifen. Keine Empfehlungsbriefe? Ueberhaupt nichts? Und da kam sie hierher und wollte--. Wer hatte sie
überhaupt geschickt?
•Das .Dermüttungsinstiklt Schmitz-Weiter", sagt»
GerDa großartig und kam sich ungeheuer jämmerlich vor. In Den Tiefen Des Hauses schlugen verschiedene Türen auf unD zu, unD Dann erschien Der Korrepetitor Fritz Gredler, um feinen Winterrock zu holen.
Sofort erkannte er GerDa. „Frau Maurer!" rief er erfreut, „Da schau her! Daß man Sie einmal trifft! Wie geht's — wie steht's?"
GerDa tat Das klügste, was sie in Diesem Augenblick tun konnte, und sie erzählte offen, wie es ging, und warum sie hier stand. Aus unbekannten Grün« Den zeigte er sich sofort hilfsbereit. War er Der unbekannte Briefschreiber? schoß es Gerda durch Den Sinn. Er war immer ein guter Kerl gewesen, vielleicht hatte er sie bei Der Modenschau entdeckt und ihr helfen wollen? Erst viel später kam Die junge Frau Darauf, daß er Der Luckner soeben Dis Zusage entrissen hatte, ihn auf Die nächste große Amerikatournee mitzunehmen. Daher seine gute Laune. GreDler befreite sie von Dem mißtrauischen Fräulein Rosa. Das müsse man gleich mit Der Heben Pola besprechen, erklärte er eifrig unD schob Dis W'twe feines Kollegen in Das nächste Zimmer.
Eine Station weiter — Dachte GerDa Dankbar. Es war ja gleichgültig, wer sie bisher empfohlen | hatte, und wie es gelang, wenn es nur gelang! > Inzwischen hatte GreDler allerDings einen Großteil feiner Aufgeblasenheit verloren, mit Der er sich im Hause Der Luckner bewegte. Gerda sah ihn behutsam an eine Tür klopfen, unD horte. Daß er Die „liebe Pola" respektvoll als „gnäDtge Frau" an- sprach. Es gab ein ungedulDiges Hin unD Her hinter Der Tür. Gerda verstand nicht recht, was gesprochen wurde. Etwas später erschien Gredler schmunzelnd in Der Türspalte. „Madame", meldete er mit Sie« gerftimme, „treten Sie ein."
Die Luckner war Da. Geschmeidig, kerzengerade stand sie neben Der Tür wie auf der Bühne, ihre Persönlichkeit füllte Den kleinen Raum bis in Die fernsten Winkel. Sie war sehr groß, viel großer, als man vermutete, wenn man sie von Der vierten Galerie aus sah — viel größer, viel älter und viel schöner, als GerDa geglaubt hatte.
Die Sängerin sah sie kurz unD scharf aus halb- geschlossenen Augen an. „Nehmen Sie Platz." Mit Der UngeDulD eines stark in Anspruch genommenen Menschen kam sie sofort zur Sache.
Eortsetzung folgte
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