Ausgabe 
26.9.1941
 
Einzelbild herunterladen

wacht werden. Seit vierzehn Tagen wird diese Blockade durch fünf im Golf von Tadschura und bei Obok ständig stationierte englische Kriegsschiffe durchgeführt. Ein französisches Schnellboot, das sich von Dschibuti auf der Fahrt nach Obok befand, wurde von den Engländern mit Maschinen­gewehren beschossen, obwohl es auf die englischen Warnungsschüsse hin bereits gestoppt hatte. Auch die Landgrenze der Kolonie wird

ständig von den Engländern verletzt. So raubte am 7. September eine südafrikanische Truppenabteilung 300 Hümmel an der südlichen Grenze der Kolonie. Am 17. September führten zwei Truppenabteilun­gen einen stundenlangen Angriff gegen einen fran­zösischen aus zehn Mann bestehenden Wachtposten durch, der sich schließlich auf eine benachbarte Insel zurückzog.

Japanische Offensive gegen Tschangscha.

Schanghai, 25. Sept. (Europapreß.) Einen entscheidenden Sieg gegen die Tschungking-Streit- kräfte haben die japanischen Truppen im Tschangscha-Gebiet errungen. Nach Zer­schlagung der Hauptmacht der 28. Tschungking- Armee nahmen die japanischen Truppen die Stadt King sing, 35 Kilometer südwestlich von Ping- kiang, am Mi-Fluß, die Hauptversorgungsstation für die 9. Kriegszone der Tschungking-Ärmeen und das Hauptquartier der 26. Tschungkina-Armee. Die 4., 26. und 37. Tschungking-Armeen ziehen sich unter dauernder Verfolgung durch die japanischen Trup­pen zurück.

Mit der Einnahme von Kingsmg ist die Ein­kreisung der feindlichen Streitkräfte am süd­lichen Ufer der Foi vollendet, neun japanische Luft­waffeneinheiten haben die 58. Tschungking-Armee mit Bomben belegt. Diese Armee ist in der Urn- aebung von Kwanwanki konzentriert. Gleich- falls wurden etwa 13 000 Mann bombardiert, die sich in der Gegend von Fnlinu, ungefähr 35 Kilo- meter südlich von Danlinkai, in nördlicher Richtung bewegten. Schwere Verluste erlitt auch die 74. Ar­mee unter General Wanhuiwu in der Nähe von Liuyang, 55 Kilometer östlich von Tschangscha. Die am weitesten nach Süden vorgedrungene japanische Kolonne soll nur noch 28 Kilometer von Tschang­scha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, entfernt sein. Die in die Kämpfe verwickelten chinesischen Truppen sollen zu den besten Truppen Tschian'kai-

scheks gehören. Widerstand gegen die japanische Of­fensive wird östlich von Siangyin gemel­det. Dort stehen 200 000 Mann, die sich erbittert Aur Wehr setzen. Vermutlich ist diese chinesische Wi- oerstandslinie die letzte vor der Hauptstadt Tschang­scha. Die Japaner stoßen in drei Gruppen vop, zwei aus der Richtung Sinshih, die dritte versucht, die chinesischen Streitkräfte aus südwestlicher Richtung zu umgehen.

Das Hauptziel der japanischen Durchbruchsoffen­sive in der zentralchinesischen Provinz Hunan dürste H a n g t s ch a u sein. Die Stadt hat sich zu einem militärischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt der Provinz entwickelt und ihr Verlust würde daher einen besonders schweren Schlag für Tschiangkaischek bedeuten. Der Angriff gegen die berühmte Provinz­hauptstadt Hunans, T s ch a n g t s ch a , ist in vollem Gange, und ihr Fall stündlich zu erwarten. Tschiang­kaischek macht bereits verzweifelte propagandistische Anstrengungen, um diesen Rückschlag auszugleichen. Seine Agenten sind bereits in den besetzten Gebie­ten Chinas, besonders aher in Schanghai, unter englisch-nordamerikanischem Schutz rege tätig, die Beziehungen Japans sowohl zu der 'Sowjetunion als auch zu den USA. zu gefährden. WieJapan Times" zu wissen glaubt, dürste ein japanischer Schritt in Schanghai zu erwarten sein, der dem propagandistischen Treiben der englischen und nord- amerikanismen Korrespondenten zum Nachteil Ja­pans ein Ende setzen will.

Die Kriegszeit - höchste Bewährung des Bauerntums." Oer Gauleiter auf dem Landesbauerntag in Frankfurt am Main.

NSG. Zu Beginn des Landesbauerntages der Landesbauernschaft Hessen-Nassau im Saal des Pal­mengartens in der Gauhauptstadt wies der stellv. Londesbauernfiihrer, Landesobmann Bauer Weintz, die Richtigkeit der nationalsozialistischen Agrarpolitik nach, die durch Erzeugungsschlacht und Marktord­nung die Kriegsernährungswirtschaft sicherstellte. Er gedachte der Verdienste aller, die im Bauerntum oder als freiwillige Helfer die Ernte einbringen halfen, wobei er auch der Wehrmacht dankte. Im Hinblick auf die weitere Kriegsernährung bezeichnete er eiserne Disziplin als Voraussetzung für einen rei­bungslosen Verlauf der Lebensmittelverteilung und rief das Landvolk zu unvermindertem treuen Einsatz für Führer, Volk und Vaterland auf.

Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger ging von der Tatsache aus, daß ein Volk alle Schicksals­schläge überdauern könne, wenn in ihm ein star­kes Bauerntum vorhanden ist. Da das Bauerntum immer der Jungborn des Volkes ist, muß das deutsche Volk immer dafür sorgen, daß es über ein starkes Landvolk verfüge, und es muß auch da­für zu Opfern bereit fein. Der Gauleiter betonte, daß die beiden vergangenen Kriegsjahre Jahre bester Bewährungdes Bauerntums ge­wesen sind, besonders auch für Landfrau und Land­arbeiter. Der vorbildliche Einsatz in der Landarbeit hat die Ernährung des Volkes gesichert. Der Gau­leiter besprach dann Angelegenheiten der Lebens- mitteloerteilung und Bewirtschaftung und betonte, daß sowohl das erzeugende Bauerntum wie auch die verbrauchenden Bolkskreise unbedingt Disziplin hal­ten müssen, zumal man heute den Verteilungsstellen nach der Entjudung und Bereinigung höchstes Ver­trauen entgegenbringt. Der Gauleiter veranschau­lichte die gewaltige und weittragende Tat, die Deutschland durch Niederwerfung des Bolschewis­mus für die gesamte weiße Rasse vollbringt. Das Ziel, um das es geht, ist für jeden Volksgenossen ein Appell, das Beste herzugeben, das in ihm steckt. Der Krieg wird gewonnen werden, wenn jeder bereit ist, mehr und immer noch mehr zu lei- sieg. Wenn jeder so handelt, daß er vor dem Blick des Führers bestehen kann, dann gewinnen wir den

großen Endsieg für kommende Geschlechter und für die Ewigkeit des deutschen Volkes.

*

Anschließend an den Landesbauerntag wurde die Ehrung derjenigen vorgenommen, die sich in det Milcherzeu au ngssch lacht besonders ausgezeichnet haben. Landesobmann Bauer Weintz gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Ehrungen zu unermüdlichem Einsatz auch in der Zukunft An- sporn sein werden. Die Ueberreichuna der Ehren- diplome nahm der Vorsitzende des Milch- und Fett- wirtschastsoerbandes, D e s ch , vor, der erklärte, daß eine solche Auszeichnung durch eine sich steigernde Leistung immer wieder von neuem verdient werden muß.

Tagung der Kreiswirtschastsberater.

NSG. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik erstrebt eine Volkswirtschaft, die, weil sie eine Le­bensäußerung des Volkes darstellt, wehrhaft fein muß. Die Partei bringt Leben und Gesetz mit­einander in Einklang. Dazu ist einheitliche Ausrichtung notwendig. Aus diesem Grunde veranstaltet der Gauwirtschaftsberater regelmäßig Tagungen mit seinen Kreiswirtschaftsberatern und auch mit den Dienstgemeinschaften nationalsozia­listischer Wirtschaftsfachleute in den Kreisen. Sie dienen der Lösung der Frage des Einsatzes der Menschen und der Mobilisierung aller wirtschaft­lichen Kräfte. In der letzten dieser Tagungen wur­den vom Geschäftsführer des Gauwirtschaftsbe­raters, Beck, und Gaustellenleiter Reg.-Rat Kratz die aktuellen wirtschaftspolitischen Tages­fragen behandelt. Der Stabsleiter der Hauptabtei­lung III der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Landwirtschaftsrat Dr. Hartmann, konnte dar­legen, daß auch im kommenden Winter die Ver­sorgung gesichert ist. Der Reichstreuhänder der Ar­beit, Dr. Schmetter, sprach über die Tariford­nungen. Die Errichtung einer kolonialwirtschaft­lichen Abteilung soll dafür sorgen, daß der Gau Hessen-Nassau auch in der Beziehung zu den Kolo­nien wieder an führender Stelle steht. Die Ergeb­nisse der Aussprache faßte Gauwirtschaftsberater

Schrumpfung des britifchen oder in englischen Dien­sten fahrenden Schiffsraumes doppelt ]o schwer als zu Anfang des Jahres.

Mit dem neuen Erfolg haben die U-Boote im September die dritte große Beute auf den Grund des Meeres versenkt. Die Meldungen vom 12. und 13. September berichteten, daß 28 Dampfer mit 164 000 BRT. versenkt sind, am 22. September gingen 13 Dampfer mit 82 500 BRT. unter. Jetzt werden 11 Dampfer mit 78 000 BRT. als versenkt gemeldet. Berechnen wir die Durchschnittsgröße der versenkten Schiffe, so ergibt sich für den 12. bzw. 13. September eine Durchschnittstonnage für das einzelne Schiff von 5857 BRT., am 22. September von 6346 BRT. und am 25. September von 7091 BRT. Dem letzten Vorstoß unserer U-Boote sind also verhältnismäßig große Kasten zum Opfer gefallen. In den ersten Kriegsmonaten bekamen die U-Boote noch viele große Fahrgastschiffe vor die Rohre. Inzwischen ist die Zahl dieser Fahrgast­dampfer und auch der großen Frachtschiffe zusam- . mengeschmolzen; oder sie werden von den Englän­dern systematisch in ungefährdeten Gewässern ein­gesetzt, also etwa im Verkehr zwischen der ameri­kanischen Westküste oder Australien nach Vorder- und Hinterindien, lange Zeit auch noch zur Fahrt in das Suezkanalgebiet. Darum konnten von dem Suezkanalgebiet noch im Juli und August Versen­kungen von großen Fahrgastdampfern oder beson­ders ansehnlichen Frachtern gemeldet werden. Seit­her gilt auch diese Gegend nicht mehr als geheuer. Die Lichtung in der Zahl der droßen Ozeandampfer ist für uns naturgemäß erfreulich, für England recht peinlich. Denn die kleineren Schiffe haben auch in der Regel eine geringere Geschwindigkeit und das Schiff mit der geringsten Geschwindigkeit bestimmt die Geschwindigkeit eines ganzen Geleitzuges. Um so erfreulicher ist es, daß die U-Boote westlich Afrika diesmal recht großePötte" zur Beute hatten. Wenn die Londoner Kriegsverantwortlichen auch noch so wuchtige Töne in die Welt hinausposaunen, um die Tatsachen zu vernebeln, die Wucht der Erfolge der deutschen Kriegsmarine und der deut­schen Luftwaffe spricht eine eindeutige Sprache! Die Zunkuft wird erweisen, wer in der Schlacht auf dem Atlantik Sieger bleibt!

Fortschritte vor Leningrad.

Berlin, 25. Sept. (DNB.) In dem Kampfraum vor Leningrad machten' die deutschen Truppen wei­tere Fortschritte trotz des überaus fyartnädtigen Wi­derstand es der Bolschewisten. Eine Division eroberte nach heftigen Kämpfen ein großes Fabrikgelände. In den einzelnen Häusern leisteten die Bolschewisten zähen Widerstand, der im harten Nahkamps von den deutschen Soldaten gebrochen wurde. Eine an­dere Division eroberte nach schweren Kämpfen eine größere Ortschaft. In heftigen Gegenangriffen mit Infanterie und Panzerkampfwagen versuchten die Bolschewisten sich entgegenzustellen. Alle Gegenan­griffe wurden mit schweren Verlusten zurückge­schlagen.

Sämtliche Ausbruchsversuche zurückgeschlagen.

Berlin, 25. Sept. (DNB.) Im Südabschnitt der Ostfront versuchten sowjetische Kräfte in Stärke von zwei Divisionen in den frühen Morgenstunden des 24. 9. aus dem Einschließungsraum auszubre­chen, wurden jedoch von der Vorausabteilung einer deutschen Infanteriedivision mit schwersten Verlusten für den Gegner zurückgeschlagen. Teile einer deut­schen Panzerdivision stießen auf die Masse von zwei sowjetischen Schützendivisionen. Die Panzer­kampfwagen gingen sofort zum Angriff über. Die sowjetischen Divisionen mußten sich unter blutigen Verlusten zurückziehen. An einem Flußübergang wurden sie erneut von den Panzerkampfwagen ge­stellt, die die Bolschewisten mit einem vernichtenden Geschoßhagel überschütteten. 1700 Gefangene wur­den gemacht.

Verschärfter Druck auf Dschibuti.

Vichy, 25.Sept. (Europapreß.) Der Rundfunk­sender Dschibuti berichtet neuerlich über die Ver- schärfung der von England gegen die fran- zösischeSomaliküste durchgeführten Blockade. Während bisher die englischen Kriegsschiffe sich da­mit begnügten, die Lebensmittel- ins Wasser zu werfen, die sie an Bord der nach Dschibuti fahren­den Schiffe sanden, versenken sie jetztjedes Schiff,, dessen sie habhaft werden können, und - zwar auch innerhalb der französischen Hoheitsgewässer, die Tag und Nacht über-

01t ürelWwlmgMM

Boman von Horst Biernath

28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Bei dem Verhör, dem er nachher unterzogen wurde, wälzte er die Schuld auf Fräulein Zögling ab, und daß sie wortlos und ohne ihm zu helfen, an ihm vorbeigelaufen sei. Seine Nachricht, daß sie das Haus verlassen habe, war eine so glückliche Ab­lenkung von der Hauptfrage, daß er der einzige war, der sich noch später des Fräuleins dankbar erinnerte. Zunächst wollte ihm niemand Glauben schenken, bis Kathi dann schließlich nach oben ging und nach längerem Horchen feststellte, daß Fräulein Zögling ihr Zimmer tatsächlich geräumt hatte. Die beiden Koffer, mit denen sie gekommen war, standen neben der Tür, und obwohl das Fräulein das Haus Gode Wind" ohne Dankestrophäen aus Metall oder Porzellan verließ, hatte sie ihr Gepäck doch um zwei große Pappschachteln vermehrt, die wohl­verschnürt auf den Koffern lagen. Auf der Bieder­meierkommode, dort, wo sich sonst das Geschenk des Grafen Jdell-Jdell befunden hatte, erblickte Kathi einen an Hellwang gerichteten Brief. Sie gab ihn Hellwang ab. Er enthielt in des Fräuleins schöner Schrift die kurze Mitteilung, daß ihr Ge­päck und das ausstehende Monatsgehalt noch heute im Laufe des Nachmittags abgeholt würden. Gegen Abend erschien dann auch ein Münchener Dienst­mann und wies sich durch ein Handschreiben von Fräulein Zögling, das er aus der roten Mütze hervorholte, als ihr Abgesandter aus. (£r schien die Dienstfahrt nach Greiffing mit einem kleinen Sommerausflug verbunden zu haben, denn er war offensichtlich in heiterer Stimmung. Um ihn schwebte ein würziger Duft nach ftischem Radi und hell-m Edelstoff des Greiffinger Floriansbräus. Kathi be­kam handfeste Komplimente wegen ihrerdurch­wachsenen Figur" zu hören, und Fräulein Zöglings Abgesandter wollte sich durchaus davon überzeugen, obdös ois echt sei". Auch schien er gar nicht ab­geneigt, falls Kathi grab heut Ausgang hätte, sie beim Floricmsbräu zu erwarten. Aber Kathi klopfte

ihm auf die Finger und warf ihn samt Fräuleins Gepäck hinaus.

Als Hellwang nach einem Abendspaziergang durch die Lohe im Wirtsgarten vom Floricmsbräu ein­kehrte, um den in jeder Weise heißen Tag mit einem kühlen Hellen zu beschließen, gewahrte er an einem Tisch unfern der Schenke eine rote Scheibe, die mit kleinen Rucken zur Tischplatte nie­dersank und, wenn sie ihr Ziel fast erreicht hatte, energisch wieder emporschnellte. Es war eine rote Mütze mit einer blanken Messingnummer, und das Gesicht, das für Augenblicke unter dem schwarzen Lackschirm sichtbar wurde, ehe Kinn und Haupt wieder schwer auf die Brust sanken, gehörte Fräu­lein Zöglings Beauftragten an. Die Koffer waren nirgends zu erblicken! Mit ein paar Schritten war Hellwang bei dem Unglücksraben und rüttelte ihn an der Schulter. Der Dienstmann hob den Kopf und blickte aus schwermütigen Augen zu Hellwang auf. In seine verträumten Züge trat das Widerspiel schwerer Gedankenarbeit, bann aber trat der Aus­druck freudiger Überraschung in sein Antlitz:Ser­vus, Herr Doktor ja freili, jetzt kenn i Eahna... Gratuliere! An Mordstrumm Madel, wo Sie Ham!"

Die Koffer, Mann Gottes!" unterbrach ihn Hell­wang,wo haben Sie die Koffer und wo den Brief, den ich Ihnen gegeben habe?"

Koffa? Ab so, jetzt versteh t Eahna, Koffa ... hupp ... a faubernes Bier, dös Floricmsbräu, nix gegen zu sagen... hupp ... Und z'wegen den Koffan und dem Brief hab i telephonisch an Kol- leg'n b'stellt. Js scho ois an Ort und Stelle. Bitte toane Anfragen weiter... hupp... i bin heit bri« vat 1"

Hellwang konnte beruhigt heimgehen, wenigstens in dieser Hinsicht beruhigt. Im übrigen stano er also nun wieder genau auf dem gleichen Punkt wie vor einem halben Jahr, nur, daß seine Mutter fehlte und daß er keinen Menschen hatte, der ihm jetzt einen guten Rat geben konnte. Er erwog den Gedanken, die alte Dame herzubitten, und verwarf ihn wieder, da er erst vor wenigen Tagen von ihr einen Brief bekommen hatte, in dem sie ihm schrieb, daß es seinem Vater gar nicht gut ginge, daß ihn noch immer die hartnäckige Bronchitis

plage, an der er nun schon seit Monaten Herum­kuriere.

Hellwang stand ein paar Sekunden zögernd vor der Gartenpforte, bevor er sie aufdrückte. Die Front des Hauses war dunkel. Die Fenster starrten iyn schwarz und leer an. Ihn beschlich ein Gefühl der Mutlosigkeit. Er hatte dieses Haus einmal geliebt. Luisa, die Kinder, seine Arbeit und das Haus wa­ren in seiner Vorstellung so etwas wie eine un­trennbare Viereinigkeit gewesen. In der Nähe und in der Ferne, immer hatten magnetische Ströme seine Gedanken wie die Nadel eines Kompasses auf dieses Stückchen Erde ausgerichtet. Dann war Luisa von ihm gegangen. Dann war ihm die Arbeit gleich­gültig geworden. Die Kinder wuchsen in ihr eige­nes Leben hinein. Und die Anziehungskräfte des Hauses waren von Tag zu Tag schwächer gewor­den. Manchmal hatte er es schon als Bürde emp­funden.

Fräulein Zögling? Er konnte cs nicht abstreiten, mit ihrem Einzug waren die schwindenden Kräfte wieder gewachsen. Die Arbeitsfteude war ihm zu- rückgekehrt und das Haus war wieder zum Mittel­punkt seines Lebens geworden. Ach, es war nichts an dem gewesen, was Kathi geargwöhnt hatte. Nie war ihm auch nur für einen flüchtigen Augenblick der Gedanke gekommen, Sieglinda Zögling könne je Luisas Platz einnehmen. Wenn ihn etwas zu ihr hingezogen hatte, so war es nach langer Ein­samkeit wirklich nur das arglose Bedürfnis nach menschlicher Gesellschaft gewesen, nach einer klugen Schachpartie, nach einem freundlichen Gespräch...

Oft genug waren in diesen vergangenen Monaten Stunden gekommen, in denen er sich nach Zärtlich­keiten gesehnt hatte. Nicht nach Fräulein Zöglings Zärtlichkeiten! So blind hatte er ein halbes Jahr gelebt, daß ihm die ungeheure Veränderung von Fräulein Zögling erst nachträglich in dem Augen­blick zum Bewußtsein gekommen war, als Kathi heute wie eine Rachegöttin und mit Luisas Panier in der Faust ihm die Augen öffnete und dem er­starrten Fräulein die Anklagepunkte entgeqenschleu- derte: Lippenstift, Nagellack, Puder, Blondriol, fesche Blusen, braune Knie kurzum, die ganzen Werbungskosten, in die das arme Fräulein sich so erfolglos gestürzt hatte.

E ck a r b t unter Herausstellung der für die Winter« arbeit herausgegebenen Richtlinien zusammen.

Gottfried Feder gestorben.

München, 25. Sept. (DNB.) Der national­sozialistische Reichstagsabgeordnete Gottfried Fe­de r ist in Murnau (Oberbayern) im 58. Lebensjahr nach längerer Krankheit verstorben. Mit ihm ver­liert die nationalsozialistische Bewegung einen ver­dienten alten Mitkämpfer.

Feder wurde 1883 in Würzburg geboren. Er studierte in München, Charlottenburg und Zürich Baufach und arbeitete von 1905 ab als Diplom­ingenieur in der Eisenbetonbranche. Nach dem Zu­sammenbruch kam er durch politische Vorträge mit der nationalsozialistischen Bewegung in Berührung, nachdem er bereits im November 1918 sein ..Mani­fest zur Brechung der Zinsknechtschaft" geschrieben hatte. In seiner Schrift Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage" hat er einen wertvollen Beitrag zum Gedankengut unserer Zeit geliefert. Feder ist außerdem durch zahlreiche Auf­sätze, meist finanzpolitischer Natur, hervorgetreten. Seit 1927 gab er die Schriftenreihe der NSDAP. Die nationalsozialistische Politik" heraus. Seit 1924 war er Mitglied des Reichstages. 1931 wurde er Vorsitzender des Wirtschaftsrates der NSDAP. Nach der Machtübernahme wurde Feder Staats­sekretär im Reichswirtschaftsministerium und 1934 Reichskommissar für das Siedftmgswesen. Seit 1936 war er planmäßiger Professor in der Fakultät für Bauwesen an der Technischen Hochschule Charlotten­burg.

Paracelsus als Arzt und Naturforscher

Im Rahmen der Paracelsusfeiern in Salzburg veranstaltete die Reichsfachgruppe Volksgesundheit des Amtes Wissenschaft und Facherziehung des NS.- Reichsstudentenbundes eine wissenschaftliche Kund­gebung, in der die Bedeutung des Paracelsus als Arzt und als Naturforscher gewürdigt wurde. Reichsfachgruppenleiter Dr. Otto schilderte den Kampf des Paracelsus und seine neue Heilkunde, wobei er besonders nachwies, wie sehr bereits Pa­racelsus auf vielen Gebieten das Ideal der moder­nen Medizin proklamiert habe. Prof. Dr. Wal­den (Rostock) würdigte Paracelsus als Chemiker. Es fei wesentlich, daß Paracelsus seine wissenschaft­liche Tätigkeit auf dem Gebiet der Naturkunde be­gann, und von ihr aus erst zur Medizin.gelangte. Der Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, Prof. Dr. Helfferich, würdigte die großen Verdienste Waldens als Forscher und Lehrer auf den verschiedenen Gebieten der Wissen­schaft und überreichte ihm anläßlich seines 50. Dok­torjubiläums das Diplom, das von der Universität Leipzig erneuert worden war. Die Schlußworte sprach Reichsstudentenführer Dr. Scheel.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat Seiner Majestät dem König von Dänemark zum Geburtstag drahtlich feine Glück­wünsche übermittelt.

*

In Ostafrika griff eine Kolonne nationaler und kolonialer Truppen aus der Stellung von Cul- quabert heraus im Sturm eine befestigte Stellung des Gegners an, die nach heftigem Kampf erobert wurde. Der Feind erlitt bedeutende Verluste an Mannschaften, Waffen und Material.

*

Nach dem Londoner Nachrichtendienst weilt der britische Oberbefehlshaber in Indien, Wavell, in London, wo er mit Churchill und dem Generalstabs­chef Sir John Dill sowie dem britischen Oberkom­mandierenden für den Nahen Osten, Auchinleck, Be­sprechungen abhält.

*

Der Stabschef der SA. konnte dem Sturmführer Hans H^r f f r i tz, der als Feldwebel in einem In­fanterieregiment mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde, herzliche Glückwünsche übermitteln und ihn zum Obersturmführer befördern. Hoffritz gehört einer kinderreichen Familie an. Seine Mutter, die das Goldene Ehrenkreuz der deutschen Mutter trägt schenkte 18 Kindern das Leben. Sämtliche Brüder gehören der SA. an und stehen gegenwärtig als Zimmerleute in der Organisation Todt.

Der Leiter des Zioilverttiidigungsamtes, der Neu- yorker Oberbürgermeister La Guardia, unter­breitete dem Kongreß ein Luftschutzgesetz. Er er­klärte dabei, daß^piele Städte und Gegenden in den Vereinigten Staaten etwaigen Luftangriffen ausgesetzt seien und forderte die Beschaffung von Feuerlöschgeräten, Sanitätseinrichtungen, Schutzkleidung und Abzeichen für die Freiwilligen.

Nein, es gab dabei nichts zum Lachen! Etwas hatte Kathi mit ihrer Torheit erreicht: seine Un­befangenheit war gründlich und für alle Zeiten zer­stört. Und er ahnte, was ihn erwartete. Denn die­ses Fräulein Zögling war wohl nur die erste einer langen Reihe von Fräulein Zöglings gewesen, die nun folgen würden. Er sah sie »'n Geiste, wie sie aufzogen, bescheiden, schlicht und gleichsam ge­schlechtslos, mit flachen Schuhen und glatten Schei­teln, mit hochgeschlossenen Blusen und reizlosen Strümpfen; und er sah auch, wie sie sich in kurzer Zeit veränderten, wie die Absätze hoher und die Sohlen dünner wurden, wie fie, lächelten und sich verjüngten, wie sie sich in den Hüften bogen und die glänzenden Beine übereinanderschlugen. Er scheuchte die verflossene und die zukünftigen Zög­lings fort und trat in das dunkle Haus. Er sehnte sich nach Luisa. ,

Am Anfang hatte er geglaubt, die Zeit werde es ihm leichter machen, Luisas Verlu'st zu ertragen. Gewiß, es gab Augenblicke, in denen er an Luisa wie an einen fernen Traum dachte, »Augenblicke, in denen die Vergangenheit so nebelhaft und fern er­schien, daß er sich kaum mehr voi stellen konnte, sie wirklich und wahrhaftig erlebt ziu haben. Das waren Augenblicke. Im allgemeinen ciber hatte die Zeit nichts dazu getan, die Wunde »vernarben zu lassen. Im Gegenteil, manchmal empfand er den Schmerz um sie jetzt noch tiefer als damals, da er uon dem jähen Schlage wie betäubt gewesen mar. Nur hatte sich der Schmerz geroanbelt.*, (Er war von der Oberschicht feines Bewußtseins ins Innere ge­drungen. Es war nicht mehr die wilde Trauer um den Verlust der Geliebten; er hatte, das Gefühl, seit Luisas Tod hätten alle Penaten Oieses Hauses ihre Gesichter verhüllt. T

Kathi öffnete die Küchentür, als fie ihn hörte. Ob er noch einen Wunsch habe? Ein R:est von dem Fischsalat stände noch im Eisschrank, und auch et­was kaltes Huhn wäre da. Er dankt/.' und blieb vor der Treppe stehen. ,

Ja, Kathi", sagte er mit einem kleinen Seufzer, "das Fräulein Zögling wären wir aHc> nun glück­lich los..." ?

(Fortsetzung folgt)-