Einzelbild herunterladen

zlr.505 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)______________24./25.vezember 1941

WM

W

- 'l.

\

iW > J'8*,

Dchongauns Ejtiligt Samilit

auf

auch

stecher seiner Zeit und der Nachwelt vertrauter ge-1 die Seinen blickt. Uebrigens erscheint er (wie < i r_____ m nrx Xi« ©inh ntr+\^ mohr nnm miniin imh nllflns

Schopenhauer feiert Weihnachten mit feinem Pudel.

Das Weihnachtsbäumchen.

Eine Geschichte von Heinrich Zillich.

Nicht lange vor einem Weihnachtsfest im letzten Krieg wurden zwei blutjunge österreichische Offi­ziere aus ihrer Hochgebirgsstellung zu einem Offi­zierskurs ins Tal besohlen. Als der Heilige 'Abend dämmerte, verließen sie den festlichen Kreis der. Kameraden und traten vor die verblauenden Berge,' wo die letzten Tagesfo^ler auf den Firnen eben er- 1 loschen und stille überirdisch zu klingen begann; und da meinten sie, kein Lichterbaum und kein Gesang könne diesem Bilde an Herrlichkeit gleichen. Weil sie ober durch lange Kämpfe in der Einsamkeit des Eises durchs rauhe Hausen in den Felshütten bei Rum und Tabak eine Scheu vor jeder Rührung er­worben hatten, die ihnen heute aus den weihnacht­lichen Vorbereitungen besonders drohte, beschlossen sie, nicht mehr in das Bauernhaus zurückzu­kehren, darin die andern ihren Kasinoschmalz ge­nießen mochten, und beschlossen, allein zu feiern, oder besser, nicht zu feiern.

Indem sie auf den Weihnachtszimt, wie sie es nannten, schimpften, der nur für Kinder einen Sinn habe, und ihnen längst blutig abgeschwemmt worden sei, schritten sie bergan zur kleinen Stube des einen von ihnen, die er sich in einem leerstehen­den Gehöft zum Wohnen gewählt hatte.

Dort brannte auch das Feuer im Ofen. Sie setzten sich auf die Bank und blickten, ohne die Lampe zu entzünden, in die gleichmäßig flutende Flamme. Doch nach kurzem war es ihnen, als ob dieses schweigende Beisammensein nicht besser sei als das fröhliche der Kameraden. Der eine stand auf, machte das Zimmer hell und nahm aus dem Wandschrank die Flasche mit Enzianschnaps, setzte an und trank, bot sie dem Freunde, der gleichfalls einen Schluck tat. Und da warf der Gastgeber die Spielkarten auf den Tisch und lachte: dies sei noch das beste Gebetbuch, bloß könne man damit nicht ins Gefecht gehen, denn die Karten zögen nun einmal die Kugeln an. Ja, antwortete der zweite, das Leben werde niemand ausschöpfen und weil

vollen Mitte ihrer kleinen Gemeinschaft begegnen und vereinigen. hth.

mit neu entzündeter Andacht in das unerschöpfliche Thema versenkt: davon legt das Werk der Mem- ling und Altdorfer, Dürer und Cranach, Grien und Grünewald und mancher andern vielfältig Zeugnis ab. Etliches daraus haben wir in früheren Jahren an dieser Stelle und in derHeimat im Bild" ge­zeigt; heute haben wir das. minder bekannte Bild eines nicht weniger berühmten Meisters gewählt, Die heilige Familie" von Martin Schongauer aus der Staatsgalerie in Wien. Schongauer, vor dem Jahre 1450 in Kolmar ge­boren, 1491 in Breisach gestorben, ist als Kupfer-

In Frankfurt a. M., Schöne Aussicht Nr. 17 im Erdgeschoß, wohnte als Untermieter beim Kauf­mann Schneider der Doktor Schopenhauer mit sei­ner alten Haushälterin Christiane Schnepp und einem Pudel Atma. Trotz seiner Weltfeindlichkeit war der berühmte Mann doch ein großer Kmder- und Tierfreund. Der Pudel Atma war aber auch ein seltenes Exemplar seiner Act.Mit mehr als gewöhnlichem Menschenverstand" pflegte Schopen­hauer zu sagen. Er rief ihn liebend immer Atma; nur wenn er ihm einmal böse war, nannte er ihn Mensch".Mensch, hinaus!" dann klinkte der Pudel selber die Tür auf und verschwand.

Mit dem Pudel Atma allein feierte Schopenhauer alljährlich Weihnachten in inniger Freude. In sei­nem geräumigen und mit Büchern angefullten Z'mmer war keine Spur von dem Feste zu ent­decken Da leuchtete nur wie immer von der Kon­sole in der Ecke die vergoldete Buddha-Statuette und spendete dem großen Philosophen ihren Segen. Aber drüben in der Stube, der Haushälterin war Weihnachten. Dort stand auf dem Tisch ein kleines Bäumchen, ganz mit Frankfurter .Bratwürstchen behangen. Für das treue Tier. Für die alte Chri­stiane aber lagen auf der Kommode ebenfalls jedes Jahr einZoppelrock", ein großer Zuckerhut und

Ich wollte dem Herrn Leutnant bloß das Bäum­chen auf den Tisch stellen!" entschuldigte sich der Bursche und stand noch immer linkisch da. Dann setzte er munter fort:3d) dachte, der Herr Leut­nant sind unten in der Messe. Und wenn der Leut­nant nach Hause gekommen wär, hält er den Baum vorgefunden. Er ist halt von dem Herrn ^ytjjant seiner Mutter, wo mir geschrieben hat, ich soll so ein Bäumchen hinstellen, meld gehorsamst! Und damit nahm der Soldat einige Bucher, flaschen

und auch die frischgewaschenen Hemden seines Osfi-1 ziers vom Fensterbrett, stellte das Bäumchen hin und fragte, ob er die Kerzen anzünden dürfe.

Es antwortete niemand, so tat er es. Er kam auf Zehenspitzen bis zur Petroleumlampe, blies sie aus, und der flackernde heimliche Lichtersch.mmer der wenigen armseligen Kerzen füllte die Stube warm

Es war wohl Ungeschicklichkeit, daß der Fähnrich mit einer Bewegung Würfel und Bucher vom Tisch fegte, daß er die Enzianflasche wegruckte und, den Kopf in die Hände gestützt, auf den Baum starrte. Und es war nach etlichen Sekunden wohl nur wie der Anschlag einer Uhr, die nah die Stunde glockt, daß der Leutnant, indem er sich erhob, sagte:Bu, zwei solche Esel wie wir zwei Esel gibt es nie mehr!" Darauf nahm er die Kappe, setzte sie aus und wandte sich dem Burschen zu:Den Enzian

ein Louisdor (goldenes Fünftalerstück). Der Zop­pelrock war, um die alte Frau recht warm zu hal­ten, aus Atmas Haaren gewebt, und der brave Atma war deshalb oft geschoren worden. Frau Schnepp aber strickte ihrem Herrn jedes Jahr ein Paar Strümpfe, wo ebenfalls des Pudels Haare mit in der Wolle verwebt waren.

Die eigentliche Weihnachtsfeier begann immer erst, wenn aus dem ersten Stock die kleine Lucia mit ihrer neuen Puppe herunterkam. Dann führte der große Mann sie an beiden Händen in dieses Stübchen, und es war auch für sie ein Christkindchen da: ein Teller voll schöner Aepfel und ein Paket Offenbacher Pfeffernüsse. Behaglich plauderte der berühmte Alte mit dem Kinde. Zuletzt kam der Höhepunkt: Atma hatte schon lange sittsam vor sei­nen Baumwürstchen gesessen; jetzt riß ihm Schopen­hauer eine ab, der Pudel machte sein Männchen und warf sie mit einemSchnapp!" in die Luft; schnapp, hatte er sie gefangen. Auf diese Weise be­kam er jeden Tag eine. Lächelnd sagte der Ver­fasser derWelt als "Wille und Vorstellung" zum Kinde:Lucia, nimm dir an Atma ein Muster! Denn ich glaube, die Süßigkeiten an euerm Christ­baum nehmen zusehens ab! Atma stibitzt^nie eine, auch wenn er allein im Zimmer ist." F. A. Z»

Anmut zu empfinden, die Schongauer schon bei Lebzeiten berühmt gemacht hat. dazu stim nen die kindliche Stirn, die geschwungenen Augenbogen, der zierliche Hals, die gesammelte Gelassenheit der Haltung und Bewegung, wie denn die Szene über­haupt nichts von der Erregung des Gefühls mitteilt, mit denen andere Künstler dergleichen ausgestattet haben, auch nichts von Flucht und Armut und bitterer Sorge um das Nötigste nur die stille, in sich ruhende Dreieinigkeit der kleinen Familie. Der Stall mit Ochs und Esel, von jeher zum ver­trauten Bestände der weihnachtlichen Begebenheit gehörig, ist im Hintergründe eben angedeutet, von wo unter rundem Türbogen Josef, mit Stroh für die Tiere herzutretend, ernsthaft und bedächtig r-;

Darauf mußte der Junge zu Bett. Er schlief, weil der Vater seit Jahr und Tag im Kriege war, mit der Mutter in einem Zimmer. Aber heute schlief er nicht. Heute lag er wach und lauschte, was die Mut­ter denn so ewig lange im Nebenzimmer mache, wo doch das Christkind so früh kommen sollte. O, er wußte es schon, was sie da tat, sie machte das Christkind, das war es. Warum sie aber so lange blieb? Sie hatte doch gesagt, das Christkind sei dieses Jahr arm, weil es im Krieg sei und Not. Ja, das war sicher wahr, die Mutter war arm und manchmal in Not. Am Tage mutzte sie waschen, bei remden Leuten. An all das dachte der Junge und konnte nicht schlafen. Er lag da und war traurig und am liebsten hätte er jetzt wieder ans Christ­kind glauben mögen und dann glücklich schlafen.

Manchmal hörte er nebenan die Mutter. Einmal nähte sie auf der Maschine. Viel später klopfte sie Nägel ein. Ob sie wieder meine Schuhe mit Riemen­leder flickt? dachte der Junge, und wurde rot vor Scham, weil er mit Schuhen gehen mußte, die die Mutter selber flickte, lieber dieser neuen Trauer schlief er ein, als letztes glaubte er noch einen dünnen Brandgeruch zu vernehmen.

*

Später, als die Mutter ins Zimmer kam, wurde er für einen Augenblick wach.

War es schon da?" fragte er.

Nein, aber bald kommt es, schlaf wieder!" sagte die Mutter und sie war seltsam fröhlich. Sie kam und küßte den Jungen und sagte, er müsse nun recht fest an das Christkind denken. Dem Jungen fiel die Fahne ein. Er sagte aber nichts davon. Nein, es war schon so, rote der Peils Willy gesagt hatte, ein Lügenmärchen der Großen.

Als die Mutter am anderen Morgen ihn weckte, hatte sie rotglühende Wangen, hatte sie eine ganz aufgeregte Stimme.

Junge, komm mal schnell, es war da!"

Sie zog ihn an, schnell und hastig, sie sagte: Sing!

Aber der Junge mochte nicht singen. Ich bin zu groß, dachte er. Diel zu groß. Und er hatte gar keine Eile, er ließ sich eine ganze Menge Zeit ...

Jedoch, als er in die Stube trat, brannte der Weihnachtsbaum und ...

Er untersuchte die Spielsachen.

Freust du dich?" fragte die Mutter.

Ja", sagte der Junge und ging umher und sah.

Da mar seine alte Schubkarre, neu gestrichen, da war seine Husarenuniform mit einem neuen Helm. Der alte war ihm in einer Schlacht gespalten worden.

»

Und dann gab es heißen Rübenkaffee und Weih­nachtsgebäck.

Und dann gab es mit einem Male einen Schrei. Die Dämmerung war über die Welt gekommen, drang durch das Fenster 'in das zuckende Kerzen­geflimmer. In diesem Zwielicht wurde etwas Rotes sichtbar, ganz hinter dem Baum. Der Junge wurde j blaß vor Schrecken und Freude. Die Mutter lachte still vor sich hin. Eine riesengroße Türtenfahne ent- I rollte sich hinter dem Weihnachtsbaum; größer als ein Mann.

Mutter", sagte der Junge:von der Front?" Sieh sie dir an!"

Er ging hin und holte sie ans Licht. Es war eine : blutrote Fahne mit gelbem Halbmond und Stern, aber sie hatte überall kleine runde Brandlöcher, ein Dutzend fast.

O, Mutter!" sagte der Junge, und er sah nicht > die Armut und den spärlichen Gabentisch. Er sah i auch später nicht, daß vor dem Flurfenster der rote ; Baumwollvorhang fehlte und der lange Stiel des - Spinnenbesens.

. Er hatte eine Türkenfahne von der Front, untz i er hatte keine Zweifel mehr.

!Gleich", sagte er,gehe ich nach unten und er« - schieße den Peils Willy."

,Warum?" fragte die Mutter.

D, das kann ich dir nicht sagen" 6n

säufst mir aus!"

Jawohl, Herr Leutnant!"

Und die Lichter lösch aus, damit noch was Da ist, wenn ich aus der Messe wiederkomm.

Jawohl, Herr Leutnant!"

Und jetzt gehn wir, was?" ., . . w

Es war kein Zufall, daß der Fähnrich seinem besten Freund auf dies auch nur militärisch an - wortete, aber spröd und verträumt:Jawohl, Herr Leutnant." .... ,,

Als sie durch die Türe traten, vor siH. das.schnee- blaue, roeitgeöffnete Tal, von dessen Jtirdjlein o Weihnachtsgeläute wieder zu klingen begann, sah sie unten das große Bauernhaus der Kamerad mit einem Dutzend Fenstern leuchten, Angst uv - kam sie, daß das Lied von der Heiligen Nacht dort schon gesungen worden sei sie liefen bergab, i beim Laufen faßten sie sich an den Händen w e Knaben»

auf dieses rätselhafte Wort keine Erwiderung paßte, fragte der andere lachend, ob sie es nicht wagen wollten, beim nächsten Angriff in der Tasche das Kartenspiel mitzunehmen, das selbst die ver- brühtesten Soldaten bei solcher Gelegenheit von sich warfen ober wenigstens im Unterstand zurück­ließen, von wo es später geholt werden konnte, wenn die Gefahr bestanden war. Aber der Vor­schlag schien ihnen, kaum geäußert, so undurchführ­bar, daß sie verstummten und darüber nachsannen, welche Macht der Aberglaube über den Verstand habe, der sich solcher Dummheit doch bewußt sei. Unbehaglich ließen sie die Karten auf dem Tisch liegen und blickten leer vor sich hin.

Im Tal schlug die Abendglocke an, klar wie nur an Winternächten, wo sich das gefrorene Erz durch die reine Luft auf leichterem Wege kündet als sonst.

Laß' es bimmeln!" knurrte der Leutnant und sah des Fähnrichs Gesicht zucken. Rasch griff er zu, mischte die Karten, legte aus und schob dabei dem Jüngeren die Flasche Enzian näher; doch der schüt­telte den Kopf und lauschte weiter.

Dann würfeln wir", meinte der Leutnant.

Sie wußten nicht, worum sie würfelten, dennoch reichten sie und nahmen sie den Becher, warfen die schwarzen Steine, zählten die weißen Augen, rech­neten zusammen und versanken allmählich, indes draußen die Glockentöne erstürben, in ihr dumpfes Treiben, das sie in den Wänden der Dolomiten oft über die Schwere der Zeit getröstet, wenn der Schneesturm die kleinen Unterstände durchgerüttelt hatte und nach jeder halben Stunde die Posten froststarr aus den Grabennestern ins Warme her­eingerissen werden mußten. Während sie nun auch hier würfelten und tranken, fühlten sie sich glücklich, denn ihr Leben, ihre schwertschwere Jugend spie­gelte sich in dem Tun, obschon in einem getrübten Schein. Sie versanken so tief in die Vorstellung der Fronteinsamkeit, daß der Fähnrich mitunter aus­horchte, ob der schneegedämpfte Schritt der Posten­ablösung nicht herbeitappte, und auch der härtere Leutnant blickte bald unruhig zur Tür.

Da wurde die Klinke wirklich niedergerdruckt, und beide, mit den Händen noch auf der Platte, wandten den Kopf um, wie oft in den Eisgräben, bereit eine schlimme Meldung zu vernehmen. Aber wer da eintrat, war kein schneebestäubter Soldat, dem Die Zapfen vom Schnurrbart starrten, nein, ddr Bursche des Leutnants war es, der einen kleinen Lichter­baum hielt und wie ertappt auf der Schwelle stehen

Oie Fahne.

Eine Weihnachtsgeschichte vonBastianMüller Du mußt jetzt aber zu Bett gehen", sagte die Mutter.

Warum?" bettelte der Junge.

Es ist Krieg", sagte die Mutter.

. Der Junge sah sie mit großen Augen an. Er wußte es längst, daß Krieg war; seit zwei Jahren war Krieg und der Vater war im Felde.

Es ist Krieg", sagte die Mutter wieder,und du mußt jetzt zu Bett gehen, denn das Christkind kommt heute sicher früh, weil es noch an die Front muß, zum Vater und den anderen Soldaten."

Fliegt es wirklich an die Front?" fragte der Junge.

Ja, warum fragst du so?"

Der Junge schwieg. Es war nun so, daß er nicht mehr an das Christkind glaubte. Nein, es war ein Märchen, wie jedes andere, ein Lügenmärchen der Großen. Er wollte es aber der Mutter nicht sagen. Sie war so traurig, man konnte ihr kaum in die Augen sehen, so traurig war sie.

worden als mit feinen Gemälden, von denen die 1473 (wohl unter dem Einfluß von Roger van der Weyden) entstandeneMadonna im Rosenhag" aus der Kolmarer Martinskirche als Hauptwerk gilt. Die zarte, manchmal fast gebrechliche Anmut namentlich der Frauengestalten auf Schongauers Stichen wird man auch in diesem Wiener Bilde der heiligen Familie wahrnehmen. Es ist eine sehr ruhige, schlichte, ganz aus dem Gefühl und der Vorstellung des Deutschen gemalte Szene; sie hat nichts vom Pathos und der Dramatik mancher Dar­stellungen des gleichen Motivs, sie wirkt vielmehr idyllisch und genreartig. Die Maria ist eine sehr junge, fast mädchenhafte Mutter; das Kind, auf ihrem Schoße stehend, richtet seine Aufmerksamkeit ! erwartungsvoll und begierig auf die Traube, welche die Mutter aus dem Korbe zu ihren Fußen gegriffen hat. Mit spitzen Fingern zupft sie die Beeren ab, das Kleine damit zu füttern, und im graziösen Spiel" der schlanken Hände ist eine aus spätgotischem Schönheitsideal übernommene adlige Eleganz des körperlichen Ausdrucks und eben jene

das Kind nicht mehr ganz wimig und hilflos-neu- geboren ist) im Verhältnis zu Maria einigermaßen bejahrt, vollbärtig und mit schon gelichtetem Haupt­haar, ein ganz irdischer und sehr verläßlicher Haus­vater; seine Gestalt beansprucht kompositionell nur einen vergleichsweise bescheidenen Anteil am Bild- ganzen, das nachdrücklich von der Gruppe Mutter und Kind beherrscht wird. Die schweren, gebrochenen Falten im Gewände der Frau fallen malerisch raumfüllend in den Vordergrund des schmalen Aus­schnittes aus der kleinen Herberge. In der Anord­nung und Beziehung der Figuren zueinander ist schon bewußt oder noch instinktiv, aber jedenfalls deutlich die Sammlung auf das Kind als das Bildzentrum hin zu bemerken: in der Betonung der Diagonale, die vom Haupt des Vaters über die Hände der Eltern, Buch und Tuch in Marias Schoß zum Korbe mit den Trauben führt, wie in der Wen­dung und Neigung der Köpfe von Vater und Mutter, deren Blicke sich im Kinde als der sinn-

Der Junge war acht Jahre alt und groß und auf­geweckt. Es war ein Kriegsjunge, erfahren auf der Straße, aufgeschlossen von der Not der schweren Zeit. Heute hatte er sich mit Peils Willi geschlagen, weil der gesagt hatte, das mit dem Christkind sei Blödsinn, ein richtiger Unfug und gar nicht wahr. Er hatte sich mit dem großen Peils Jungen ge- chlagen, weil es vielleicht doch ein Christkind geben onnte, und wenn es eins gab, dann durfte man owas nicht sagen. Aber es gab wohl keins, denn er hatte verloren, er war ganz jämmerlich zu Boden geschlagen worden.

Mutter", sagte der Junge,könnte das Christ­kind nicht eine Fahne von der Front mitbringen?"

Was sagst du, Junge?"

Die Mutter war erschrocken. Sie erkannte plötz­lich, wie es um den Jungen stand, sie erkannte das zweifelnde Gesicht, die wachen, fast erwachsenen Augen.

Eine Fahne", sagte der Junge,es kann ja eine Fahne sein, die der Feind erobert hat. Das Christ­kind kann sie doch dem Feinde wieder abnehmen ..." Der Junge sann nach. Wenn es ein Christkind gab, bann konnte es ja jeden Wunsch erfüllen. Dies war nun ein ganz schwieriger Wunsch, aber dachte der Junge.

Nein, ich glaube, das Christkind wird es nicht können", sagte die Mutter traurig.

Ich hätte aber gern eine große, richtige Fahne. Sie kann auch ein bißchen verbrannt sein, von den Schüssen und Granaten", sagte der Junge.

Nein, das wird das Christkind nicht können."

Die Weihnachtsgeschichte ist allezeit ein Lieblings­gegenstand der deutschen Kunst gewesen, und be- I sonders die alten Meister haben sich immer wieder