Dienstag, 28. Oktober, in der Aula der Universität eine literarische Feierstunde. Der alemannische Dichter Hermann Burte wird über das Thema ,JDie europäische Sendung der deutschen Dichtung" sprechen. Auf dem vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda veranstalteten Groß- deutschen Dichtertrefsen 1940 in Weimar gab Hermann Burte in diesem weit ausholenden und tiefgreifenden Vortrag ein eindrucksvolles Bild von der weltbewegenden Kraft und den Zukunftsaufgaben unseres Schrifttums. Es wird daher für alle Schrifttumsfreunde unserer Stadt ein besonderes und einmaliges Erlebnis bedeuten, in dieser Feierstunde aus Anlaß der Woche des deutschen Buches 1941 den wegweisenden Vortrag des Dichters Hermann Burte zu erleben. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen wird die Feierstunde und Dichterlesung mit einer Ansprache eröffnen.
Gießener wochenmarktpreije.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A°Ware. Für L-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
* Gießen, 25. Oft. Auf döm heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 40, Wirsing, % kg 6 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 6 bis 10, Spinat 12 bis 15, Römischkohl 8, Unterkohlrabi 7, Mischgemüse 8, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Lauch 17, Sellerie 15, Feldsalat, ’/w 10, Blumenkohl, das Stück 20 bis 60, Salat 8 bis 12, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 6 bis 10, Radieschen, das Bund 10 Rpf.
Amtsgericht Gießen.
Der H. Sch. in Reiskirchen hatte einen Strafbefehl über 10 RM. erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Sein jugendlicher Sohn hatte sich eines Abends um zehn Uhr in einer Wirtschaft in Lindenstruth aufgehalten. Dies war nur möglich, weil der Angeklagte als Vater des Jugendlichen seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hatte. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 10 RM. verurteilt.
Die A. B. in Gießen, wegen Diebstahl und Hehlerei vorbestraft, hatte einer Freundin in. einer Wirtschaft in Gießen die Geldbörse mit 6 RM. und einer Kinokarte entwendet. Die Angeklagte wurde zu einer Gefängnis st rafe von vier Monaten verurteilt. Straferschwerend wirkten die Vorstrafen.
Strafkammer Gießen.
Der L. B. in Büdingen war angeklagt, in den Jahren 1934 bis 1940 als Geschäftsführer der Milch- absatzgenosfenschaft in Büdingen sich den Betrag von 4364 RM., den er eingenommen hatte, angeeignet und für sich verbraucht zu haben. Sein früheres Geständnis widerrief der Angeklagte ietzt. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde e^ wegen Unterschlagung in Tateinheit mit Untreue zu einer Gefängnis st rafe von 10 Monaten und einer Geldstrafe von 500 RM. verurteilt. Mit Rücksicht 'auf sein Leugnen wurde die Untersuchungshaft von annähernd drei Monaten nicht angerechnet.
„Der letzte Sprung des alten Löwen."
Vortrag und Rezitationen von Or. Blaß, Berlin.
ten von Angehörigen unterdrückter Völker und von Engländern selbst. Die Schandflecke englischer Geschichte, Sklavenhandel und Opiumkrieg, wurden her- ausgestellt. Die Kennzeichnung der Engländer durch die deutschen Schriftsteller Anton Renk und Johannes Gillhof wurden zu Gehör gebracht; ebenso Worte des großen Norwegen Knut Hamsun, wo dem Rückgang der Engländer die zukunftweisende Kraft der Deutschen bewundernd entgegengestellt wird. Mit herben Worten über die Engländer konnte Hans Grimms Roman „Volk ohne Raum" nicht fehlen.
Nach dem Abriß englischer Ungeheuerlichkeiten, belegt aus englischem Munde, klang der Abend aus
in einem Bekenntnis zu deutscher Kraft, einem kla- ren Erkennen und harten Willen mit dem Mahn« gedicht unseres zu den großen Toten des Weltkrieges gehörenden Sängers Gorch Fock: An England.
Die atemlose Spannung, mit der die Erschienenen dem Vortrag folgten und in der sie ständig in' Gedanken die Parallelen zu unserer Zeit gewaltigsten Geschehens zogen, löste sich am Schluß in einem großen Beifall, den als Dank an den Vortragenden Beigeordneten Nicolaus unterstrich. Er zog als Summe des Gebotenen die Stärkung unseres Vertrauens zu Führer und Wehrmacht, die mit einem Siegheil geehrt wurden.
Lluaufhallsam siegreich vorwärts!
Bilder aus der neuen Wochenschau.
Wjasma und B r j a n f k k Diese beiden Namen sind mit der gewaltigsten Doppelschlacht der Weltgeschichte für immer verknüpft. Was hier von den deutschen Soldaten, ja, von jedem Manne aller eingesetzten Truppengattungen, insbesondere von unserer ruhmreichen Infanterie geleistet wurde, ist nur schwer vorstellbar. Die realistischen Kampfszenen, die am Auge des Beschauers vorüberziehen, vermitteln einen Begriff von dem, was sich hier ereignet hat.
Heber verschlammte, unwegsame Landstraßen, durch brennende Dörfer und Städte, unübersichtliche Waldgebiete geht es dem geschlagenen Feinde nach. Das ist überall das gleiche, zwischen Ladoga- und Oneaa-See bei den tapferen finnischen Soldaten, oder im Raum um Leningrad, wo das Schicksal der eingekesselten Sowjetarmee schon besiegelt ist.
Deutsche Panzer schließen den Ring um die Bud- stnny-Arrnee am Asowschen Meer, auch sie wind m gigantischer Vernichtungsschlacht aufgevie-
ben, der Rest nimmt gleich den vielen Hunderttau- senden bolschewistischen Gefangenen den Weg in die Gefangenenlager. Was der Heeresbericht und die PK.^Berichte an Ereignissen von den Kampfabschnit- ten der Sowjet-Front melden, wird hier zur Gegen, wart.
Der Winter schickt seine Vorboten mit erstem Schnee und Frost, aber hinter der Front werden schon feste Baracken gebaut, aus den Heeresdepots treffen ganze Wagenladungen von Stiefeln, warmer Unterwäsche und Wintermänteln ein. Pelzwesten werden genäht, die in kalten Tagen gute Dienste tun. So ist für alles vorgesorgt, damit unsere Soldaten vor den Unbilden der Witterung geschützt sind. Die Kamera der Kriegsberichter hat auch „Sol- iratenleben hinter der Front" eingefangen. Diese friedlich-heiteren Bilder werden überblendet von den siegreichen Kämpfen an allen Frontabschnitten. Jede neue Wochenschau wird zum Heldenlied des beut- schen Soldaten. LJV1. J.
In der Reihe der von der Stadtverwaltung angesetzten betriebseigenen Vorträge sprach gestern abend in der Aula der Universität der in Gießen aus früheren Veranstaltungen bekannte und geschätzte Vortragskünstler Dr. Blaß, Berlin. Beigeordneter Nicolaus begrüßte die zahlreich er- schienenen Zuhörer und den Redner auf das herzlichste. Dr. Blaß kam es darauf an, anhand von Zeugnissen großer englischer Dichter und Denker der letzten drei Jahrhunderte ein Urteil über das System der Engländer zu vermitteln. Vorweg fei gesagt, daß ihm dies glänzend gelungen ist. Seine packende, eindringliche Vortragsart, der ein an allen Schattierungen gepflegter Sprachkunst reiches Organ zur Verfügung steht, verfehlte ihre Wirkung nicht. Der Titel zu feinem Vortrag geht zurück aus einen Aufsatz des irischen Satirikers Bernhard
Wer
MABYLAN-TAHNPAWTA gebraucht, kann und darf lachen, denn wiche Zähne dürfen «ich sehen lasten I
VecteaueMwücdig«, fdiacnia&eutiuke Pcä^acate.
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Shaw, den dieser im Dezember 1914 unter der- selben Ueberschrist in der englischen Presse veröffentlichte. Er lieferte den Nachweis, daß England seit Belle Alliance jede Gelegenheit benutzte, Deutschland einzukreisen, um es schließlich zu überfallen. Dr. Blaß wies dann in einem Ueberblick über die englische Geschichte nach, wie England immer die stärkste Festlandmacht angegriffen hat, um sie mit Hilfe anderer niederzuringen. So erging es den Spaniern, den Holländern, den Franzosen und schließlich Deutschland im Weltkrieg. Dabei vergrößerte sich dann England immer auf Kosten ehema- liger Freunde und Gegner. Kleinere Staaten wurden geknebelt und in wirtschaftlicher Abhängigkeit gehalten. Die englischen Methoden dieser Kriege wurden gekennzeichnet. Aus Shaws: „The Man of Destiny“ las Dr. Blaß jene Beschreibung heuchlerischer englischer Art des Kolonialerwerbs, die der Führer mit feinem Wort kennzeichnete: Mit der Bibel in der Hand haben sie sich chre Kolonien ergaunert.
Es folgten Proben aus Weltkriegsaufsätzen Houston Stewart Chamberlains, des großen Gefchicbts- Philosophen, der als geborener Engländer ein Bewunderer und Verfechter deutscher Art wurde. Diese Proben belegten die ruchlose Irreführung des englischen Volkes über Deutschland, die verbrecherische Benutzung des Weltkabelnetzes zu gemeinster Lügenpropaganda und brachten jene seherischen Worte Chamberlains aus dem Jahre 1916 zur Geltung, nach denen In Deutschland aus tiefer Not ein großer Mann erstehen müsse, der ein treffliches Herz in sich trägt und selbst unerschrocken und unerschreckbar ist. Auch der Glaube Chamberlains an Adolf Hitler, den jener aus einer persönlichen Unterhaltung mit unserem Führer im Jahre 1923 schöpfte, wurde beleuchtet.
Dann wurde der große Schotte Thomas Carlyle in seinem Lebenswerk gewürdigt, der, ein Bewunderer Friedrichs des Großen und Schillers, den Engländern in einer Rede ihre Heuchelei in Staat und Religion, im häuslichen und öffentlichen Leben vorhielt. Diese Stelle wurde gelesen.
Jonathan Swifts auch bei uns als Kinderbuch bekanntes Werk „Gullivers Reifen zu dem Land der Riefen und Zwerge" war ursprünglich eine Anklageschrift gegen das System der Engländer. Die Antwort des Riesenkönigs auf einen Vortrag des Engländers Gulliver über das Parlament erklang: Aufs klarste hast du bewiesen, daß Unwissenheit, Trägheit und List drei Eigenschaften sind, oie bei Euch einen Mann zum Gesetzgeber befähigen.
Worte Ruskins und Edward Carpenters sagen den Untergang Englands voraus, ebenso die Stellen aus Lord Byrons Werk. In einem zweiten Kreis, einer Betrachtung Englands von den Kolonien her, belegte der Vortragende die ganze Schamlosigkeit englischer Kolonialmethoden aus zahlreichen Schrif
9 Ji.-Sport
Sp. Vg. 1900—Burgsolms.
Die Blau-Weißen empfangen morgen den F. C. Burgsolms zum fälligen Meisterschaftsspiel. Die Gäste mußten sich am vergangenen Sonntag auf eigenem Gelände den Naunheimer» 3:2 beugen, was für die Platzbesitzer jedoch kein Anlaß sein sollte, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Burgsolmser sind nämlich in der glücklichen Lage, noch einen großen Stamm von aktiven Liga- Spielern zu besitzen. Was dies bedeutet, weiß man wohl noch von den beiden vorjährigen Spielen, die zwar für 1900 gewonnen wurden, aber großer Anstrengungen bedurften. Im morgigen Spiel haben die Blau-Weihen zwei weitere Gastspieler, die die Mannschaft, die gegen den V. f. B.-R. den Lokalkampf gewann, wesentlich verstärken wird.
,$G. Teutonia" Watzenborn-Steinberg
Nachdem sich einige ältere Spieler zur Verfügung gestellt haben, nimmt die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg ebenfalls an den Meisterschaftsspielen der Bezirksklasse teil und muß am morgigen Sonntag zum ersten Spiel zu den „Sportfreunden" in Wetzlar. Da die Spielstärke der Wetzlarer zur Zeit nicht bekannt ist, die „Teutonen" längere Zeit pausiert haben und die Mannschaft in der Mehrzahl aus älteren Spielern besteht, ist der Ausgang dieses Spieles nicht vorauszusagen,
Naunheim - Luftwaffe.
Vor einer schweren Aufgabe steht die Luftwaffe, die bei Tuspo Naunheim gastiert. Hier ist man auf das Kräfteverhältnis der beiden stärksten Mannschaften dieser Staffel gespannt. Der Sieger ist schwer vorauszusagen.
Gpielvereinigung 1926 Leihgestern.
Leihgestern 1. Jgd. — Cid) 1. Igd. 1:1 (1:0).
Dieses Spiel brachte eine große Ueberraschung. Konnte doch Lich das Spiel unentschieden gestalten, obwohl Leihgestern in seiner zur Zeit stärksten Aufstellung antrat. Dem Spielverlauf nach wäre ein zweistelliger Sieg Leihgesterns gerecht gewesen. Daß es nicht dazu kam, lag an dem Schubpech des Leih- gefterner Sturmes und an dem überaus sicheren Torhüter von Lich, der die bestgemeinten Schüsse meisterte, ferner verteidigte Lich das ganze Spiel hindurch mit acht bis neun Mann. Daß durch eine solche Dielbeinige Mauer keine Tvre zu erzielen wa-- ren, ist verständlich. Fand der Leihgesterner Sturm aber trotzdem hier und da eine Lücke in der vielbei
nigen Mauer, bann stand im Tvr der hervorragende Licher Tormann, der alle sich bietenden Gelegenheiten zunichte machte.
Am kommenden Sonntag findet bas Spiel Gro- ßen-LrNden gegen Leihgestern statt. Nach den am Sonntag gezeigten Leistungen gegen Lich müßte ein Leihgesterner Sieg im Bereich des Möglichen liegen. Da Großen-Linden auf eigenem Platze schwer zu schlagen ist, muß allerdings um den Sieg gerümpft werden.
Die zweite Jugend spielt zu Hause gegen Garbenteich.
Handball.
Gauklasse.
Pfungstadt — Luftwaffe Gießen.
Die Luftwaffe unternimmt die Reise nach Pfungstadt. Nach dem klaren Sieg über Friedberg ist man
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Karin Grunelius
Roman von Guiöo K.Branö
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Soll ich wiederkommen, Signore? Morgen?" „3a, natürlich! Ich muß das Bild doch fertig malen!" verabschiedete er sie. Dann rief er ihr noch nach: „Ich sag' dir noch Bescheid!"
Ihm fehlte plötzlich jede Lust zur Arbeit. Wie gewaftig dehnte sich das Meer, tiefblau und regungslos, in den Himmel, der sich fast weiß am Horizont abhob! Bizarr und wie in unbändigem Uebermut türmten sich die Felsen in die hängenden Gärten von Sampieri hinein. Die weißen Mauern und roten Dächer der verschrobenen alten Häuser, die wie Trauben am Berg hingen, hoben sich grell aus dem Grün heraus, das von dem dunkelsten Schatten bis zu den silberhellen Blättern der Olivenbäume schimmerte. Zwischendurch leuchtete eine steile Treppe; an Luccates Wirtshaus zeigten ein paar grellrote Sonnenschirme, daß es ein ganz besonderes Haus war. Eine Landschaft lag vor ihm, wie er sie sich als Maler nicht schöner, romantischer hätte träumen können.
Aber jetzt schien sich ein grauer Vorhang darüber gelegt zu haben. Unwillig packte er die Staffelei, klappte den Kasten und den Stuhl zusammen und rief einen der herumspielenden Jungen, ihm beim Tragen zu helfen. Mit wildem Geschrei stürzten sich ein halbes Dutzend Knaben auf die Gegenstände, rissen sie sich gegenseitig aus den Händen, bis Bröger mit einem donnernden Fluch dazwischenfuhr.
Nicht weit von der Stelle stand eine verlassene Hütte, in der er alles unterbrachte. Eir Fischer hatte sie ihm mit dem Boot überlass«>n auf dem er jeden Morgen, ehe er zu malen anfmg, auf das Meer hinausruderte. Als er die knirschende Tür wieder abschloß und den Jungen ein paar Saldi hinwarf, hatte er das Gefühl, als würde er heute nicht mehr malen können. Irgendwie spürte er, daß seine Sicherheit erschüttert war, daß seine Gedanken, die sich bis jetzt so sorglos dem Tag hin- fleben konnten, eingeengt wurden. War es nun
das schaurige Erlebnis, ein Flugzeug wie einen toten Vogel aus der Sonne stürzen zu sehen? Oder hatte das Mädchen, das jetzt schlafend in Luccates Haus lag, ihn verwirrt? Die dunklen Haare, die wie ein Kranz um das schöne Gesicht lagen ... die merkwürdigen, still erstaunten und fragenden Augen, die unergründlich zu fein schienen ... Das müßte ich einmal malen ... sagte er vor sich hin. Noch nie hatte er sich beeilt, wenn er die Arbeit beendete und nach Hause ging. Jetzt ertappte er sich dabei, wie er mit langen, schnellen Schritten die steilen Wege unter die Füße nahm.
Riccardo lief ihm wie zufällig auf einer Treppe entgegen. „Sei morgen wieder am Felsen! Ich muß das Bild doch fertigmachen. Entsckuldige, wenn ich dich vorhin etwas angesahren have."
Ein Leuchten glitt über das dunkle, schmale Ge- icht des Mädchens, eine aufsteigende Röte ließ hre Wangen wie Samt aussehen. „Si, Signore!" lästerte sie und ging beschwingt und voller Grazie weiter.
Als müßte sich Bröger gegen einen Ueberfall wehren, sagte er ein paarmal vor sich hin: „Natürlich muß ich das Bild fertig malen! Ganz klar ... halbe Arbeit gibt es nichts
6.
Günther Merck sah nichts als zwei weiße Kittel vor sich. Mit dem Denken ging es noch ein wenig schwer, denn immer schoben sich ganz andere Dinge dazwischen und verwirrten ihn. So viel er sich auch fragte, wie er in dieses Helle Zimmer hineingekommen sein mochte und weshalb er eigentlich nicht am Steuer seines Flugzeuges saß und auf Berlin zusteuerte ... er konnte es sich nicht erklären. Er versuchte, den Arm zu heben. Aber der Arm schien gar nicht da zu sein. Mit aufgeriffenen Augen starrte er an sich hinab ... da lagen doch zwei Hände!! Ach so! Die eine konnte er heben, aber die andere war irgendwo festgenagelt!
„Ganz still liegenbleiben!" hörte er den einen der weißen Kittel sagen. „Soweit ist alles in Ordnung."
Günther wunderte sich, daß der Mann ein so merkwürdiges Deutsch sprach. Aber bann fragte er
dock zuerst nach Karin Grunelius. Niemand wußte Bescheid, wer das fein sollte, bis eine Krankenschwester darauf kam, daß es vielleicht eine Dame fein könnte, die mit aufgefischt worden war.
Ein jäher Schmerz zwang Günther, die Augen zu schließen. Furchtbar bohrte sich die Vorstellung in sein Hirn, daß Karin ertrunken sein könnte. Plötzlich sah er wieder das Meer und den auf« spritzendem Gischt um sich, hörte einen schmetternden Aufschlag und das Gurgeln des Wassers über sich. Mein (Sott, wenn Karin nicht mehr lebte ... und er trüge die Schuld daran?
Flehend kam es noch einmal über feine Sippen: „Wo ist Karin?"
Erst als man ihm sagte, daß in Sampieri Nachforschungen angestellt würden, beruhigte er sich. Um seine Brust glaubte er einen Panzer zu haben, unter dem ' ihn ein bisher unbekannter Schmerz quälte. Aber ohne daß er erfuhr, was ihm fehlte, verließen ihn die Aerzte. Mit einem müden Blick sah er ihnen nach, legte sich wie zerschlagen zurück und versuchte, sich einige Zusammenhänge zu erklären. Nur eins schien ihm gewiß zu sein, wenn er durch die offenen Fenster ins Freie schaute. Weder Die Bäume noch die roten Dächer in der linken unteren Ecke bewegten sich. Auch die weiße Wolke, die hinter dem kleinen Kamin hing, wollte nicht näherkommen.
Wie lange er so ohne rechtes Bewußtsein und im Halbschlummer gelegen hatte, konnte er sich nicht vorstellen, als ihn eine zarte Stimme, das sehr behutsam weiche Streicheln einer schmalen Hand in die Wirklichkeit zurückrief.
„Günther!' Willst du nicht endlich auswacken!" hörte er jemanden sagen. Vor feinem Gesicht schien noch ein hauchdünner Schleier zu hängen, der alle Gegenstände unscharf machte und jede Entfernung aufhob. — „Karin! Du bist es!" sagte er mit einem beseligten Gefühl, das ihn allen Schmerz vergessen ließ. Er machte den Versuch, sich aufzurichten.
„Bleib liegen, Günther! Ja, ich bin es und völlig gesund! Mir ist nichts passiert! Gar nichts, hörst du!!" wiederholte sie, als sie beobachtete, wie Günther von neuem die Augen schloß.
„Gott fei Dank, Karin! Ich bin sehr glücklich darüber. Und unsere Maschine?"
Sie glaubte ihn aufheitern zu müssen und lackte: „Abgesoffen! Rettungslos! Hundert Meter tief ließt sie auf dem Meeresgrund! Aber dich hat es, wie ich hörte, erwischt, wie? Rippen-, Armbruche, Fleischwunden!/ Bist auch ganz schön verbunden. Siehst aus wie eine halbe Mumie!"
Ihre burschikose Art hatte etwas Verkrampfter und Erzwungenes. Aber mit Jammern und hilf' losem Gestammel wurde auch nichts gebessert. Sie war ein wenig erschrocken, als sie ihn vorhin von der Tür aus hatte daliegen sehen, blaß und unförmig vorn Verband.
Günther lächelte. Daß er Karin unverletzt vor sich wußte, beruhigte ihn. Jrn gleichen Augenblick kam Ordnung in seine Gedanken. Nur begriff er nicht, was die beiden Polizisten von ihm wollten, die neben den weißen Kitteln standen, deren er sich noch als Aerzte erinnerte.
„Ich glaube, es ist doch besser, wenn die Herren später wiederkommen?" meinte Karin zu Doktor Carli, der als Dolmetscher mitgekommen war. „Was ich berichten konnte, wird vielleicht vorläufig genügen, wie? Aus Herrn Merck werden Sie kaum etwas Vernünftiges herausbekommen."
Doktor Carli, ein jüngerer, sehr eleganter Arzt, Assistent am Krankenhaus Santa Margherita, war der gleichen Meinung und legte den Polizisten, die den Auftrag hatten, den aufsehenerregenden Vorfall zu untersuchen, nahe, Karins Sitte Folge zu leisten. Uebermorgen kämen sie wieder, verdolmetschte er ihr, nachdem sie sich mit einem strammen Gruß entfernt hatten.
„Ich will auf stehen!" kam es plötzlich aus den Kissen. „Wie lange soll ich denn überhaupt st baliegen? Wir haben doch allerhand zu besorgen in Berlin!" meinte er vorwurfsvoll.
Mit besorgtem Gesicht beugte sich Karin über ihn und strich sanft über seine Hand. Was ihr Doktor Carli im Empfangszimmer mitgeteilt hatte, war wenig ermutigend. Vier, wenn nicht noch mehr Wochen mußte Günther im Krankenhaus bleiben, bis alles ausgeheilt war!
(Fortsetzung folgt)


