delsschiffe zum Waffeneinsatz schreiten, wenn das U-Baot sich eine „ungesetzliche" Handlung zuschulden kommen ließ, durch die das Schiff gefährdet würde.
Wurde die damalige Armierung der Handelsschiffe, deren Verwendungszweck nach den erwähnten Ausführungsbestimmungen durchaus offensiver Natur gewesen ist, nach außen hin nur mit dem rechtlichen Scheingrunde der Abwehr ungesetzlicher Angriffe motiviert, so ist sich der gegenwärtige amerikanische Präsident der Gefügigkeit seines Parlaments so sicher, daß er in seiner phrasenreichen Rede am 12. 9. über die Wahrung der Freiheit der Meere den Kern der Sache richtig dahin kennzeichnen zu dürfen geglaubt hat, der Schießbefehl habe den Zweck, dazu beizutragen, daß die der Vernichtung des „Hitlertums" dienenden amerikanischen K r i e g s m a t e r i a l l i e f e r u n g e n die englische Bestimmung effektiv erreichen. Für die von Roosevelt jetzt betriebene Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe gilt, abgesehen von der dem amerikanischen Präsidenten ebenso wie im Weltkrieg durchaus willkommenen Provozierung von Zwischenfällen, das gleiche, da die Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe sinnlos wäre, wenn diese nach den bisherigen Vorschriften auch weiterhin keinen Kriegsbedarf für den Gebrauch eines kriegführenden Staates befördern dürften und sich zudem außerhalb der von dem amerikanischen Präsidenten zur Kamvfzone erklärten Seegebiete zu halten hätten. Darüber, daß die Schiffe nach ihrer Bewaffnung ähnliche Schießanweisung erhalten werden wie im März 1917, dürften nach der Parole des Präsidenten vom 12. 9. Zweifel kaum entstehen.
Die Bedenken der amerikanischen Öffentlichkeit gegen die Beseitigung der auf Grund der Weltkriegserfahrungen nach mehrjähriger Prüfung durch das amerikanische Volk zum nationalen Staatsge- fetz erhobenen neutralitätsrechtlichen Schranken gegen die Machenschaften kriegslüsterner Interventionisten wurden bei der propagandistischen Vorbereitung der Parlamentsdebatte über die Aende- rung des Neutralitätsgesetzes u. a. damit zu beschwichtigen versucht, daß als Präzedenzfall auf die Bewaffnung amerikanischer Kauffahrteischiffe gegen die Korsaren des Mittelmeeres Anfang des 19. Jahrhunderts hingewiesen wurde. Es bedarf keiner näheren Ausführung darüber, wie stark dieser Vergleich hinkt, handelte es sich doch damals um einen Akt der Abwehr gegen widerrechtliche Uebergriffe des Bey von Algier, während zugegebenermaßen jetzt einevölkerrechtswidrigeKriegshilfe- leistung mit Waffengewalt erzwungen werden soll.
Wenn schon bei der Hochachtung des amerikanl- schen Volkes vor Präzedenzfällen das Vorgehen Roosevelts an bedeutsamen Vorgängen der See- kriogsgeschichte gemessen werden soll, so mag an Stelle der unzutreffenden beiden amerikanischen Zitate daran erinnert werden, daß in der Zeit der bewaffneten Neutralität die daran beteiligt gewesenen neutralen Staaten zwar auch zum Schutz ihrer friedlichen Handelsschiffahrt im Bedarfsfälle den Einsatz eines Kriegsschiffes vorgesehen hatten, daß diese Wahrung der Derkehrsfrei'heit auf See damals aber gleichzeitig mit dem von den betreffenden neutralen Regierungen an ihre Staatsangehörigen gerichteten Verbote des Transportes von Bannwaren mit Bestimmung für die Kriegführenden verbunden war und daß das Recht der Krieg, führenden, allen Handelsverkehr nach und von den Häfen des Gegners auf dem Blockadewege völlig zu sperren, ausdrücklich aufrechterhalten geblieben war. Danach ist also auch in dieser Hochperiode eines kollektiven Selbstschutzes der neu- tralen Handelsschiffahrt das Recht der Kriegführenden auf Unterbindung des Banngutverkehrs nach seinem Gegner von den durch ihren damaligen Zusammenschluß stark gewesenen neutralen Staaten durchaus respektiert worden.
Um so krasser und folgenschwerer hebt sich daher die von dem amerikanischen Präsidenten unter dem Einsatz amerikanischer Waffengewalt betriebene, sich daher nicht nur als Intensivierung der transport- technischen und kriegswirtschaftlichen Hilfeleistung, sondern sich als aktive Teilnahme an Kriegsyandlungen darstellende jüngste Neu- tralitätswidriqkeit aus der Kette der durch die Lieferung der 50 Zerstörer, die Zulassung der Wiederherstellung der Kampfbereitschaft beschädigter englischer Kriegsschiffe in amerikanischen Häfen usw. bereits begangenen Völkerrechtsverletzungen heraus.
Europas Rettung durch die deutsche Wehrmacht.
Oie Zerschlagung der bolschewistischen Armeen.
Berlin, 24. Oktober. (DNB.) Die Schwere der bolschewistischen Niederlage, aber auch die Größe der Gefahr, die durch den Kampf gegen den Bolschewismus vom Führer für ganz Europa gebannt wurde, läßt sich aus den V e r l u st z i f f e r n des Sowjetheeres ermessen. Bereits in den ersten 14 Tagen des Ostfeldzugs rollte die große Doppelschlacht von Bialystok-Minsk ab, die mit der Einbringung von 324 000 Gefangenen die bis dahin größte Vernichtungsschlacht der Weltgeschichte war. Dieser Schlacht folgte eine Umfassungs- und Vernichtungsschlacht nach der anderen. Sowjet-Division auf Sowjet-Division und Sowjet-Armee auf Sowjet- Armee wurden vernichtet und zerschlagen. Die Gefangenenzahlen stiegen ständig. An allen Frontabschnitten haben die Bolschewisten auch außerhalb der großen Schlachten schwere Verluste erlitten. Genaue Ermittlungen haben ergeben, daß in der Zeit zwischen dem 2 2. Juni und Ende September 19 41 weit über 260 Sowjet-Divisionen vernichtet worden sind. Diese Divisionen wurden teilweise vollständig aufgerieben, gefangen genommen oder so stark angeschlagen, daß von ihnen nur geringe versprengte Reste übrig blieben. Darüber hinaus büßten zahlreiche Sowjetdivisionen mehr als 50 v. H. ihrer Kampfkraft ein. Immer aufs neue mußten die Bolschewisten in dieser Zeit ihre Divisionen mit ständig schlechter werdendem Mannschaftsersatz auffüllen oder aus angeschlagenen Divisionen und Armeen neue Formationen aufstellen.
Die Vernichtung von über 260 Divisionen, darunter 226 Schützendivisionen, 40 Panzerdivisionen und zahlreichen anderen Einheiten, bedeutet für die Sowjets einen Verlust von mehreren Millionen Soldaten, von denen nur ein Teil in deutsche Gefangenschaft geriet. 260 Divisionen mit dem dazugehörigen Kriegsgrät — das bedeutet nicht nur die Zerschlagung der zum Angriff gegen das Reich und Europa bereitgestellten Sowjetarmeen, sondern darüber hinaus auch der hinter der Aufmarschfront angetretenen zweiten und dritten Welle. Die deutsche Wehrmacht hat die bolschewistische Gefahr für Europa endgültig gebannt.
Oie Bedeutung dieser Zahlen.
Wir sind an große Zahlen gewöhnt. Vielleicht zu sehr schon! Einmal sind große Zahlen kaum vorstellbar und dann liegt es in der menschlichen Natur, heute das selbstverständlich zu finden, was gestern noch „unerhört" oder „kolossal" oder „großartig" gewesen ist. Allein, wenn wir jetzt hören, daß nach genauen Ermittlungen allein in der Zeit vom 22. Juni bis Ende September 1941, also ohne die neuen Riesenschlachten, weit über 260 Sowjetdwi- fionen vernichtet worden sind, so gibt es uns doch einen Ruck. Wohlverstanden: das sind die vernichteten Sowjetdivisionen, die entweder vollständig aufgerieben oder gefangen genommen oder bis auf geringe versprengte Reste zerschlagen wurden. Außerdem büßten zahlreiche Sowjetdivisionen 50 v. H. und mehr ihrer Kampfkraft ein.
Wieviele Menschen umfassen 260 vernichtete Divisionen, wobei die angeschlagenen Divisionen außer Betracht bleiben? Die sowjetische Schützendivision zählte ursprünglich 13 000 Mann; im Zusammenhang mit der Umwandlung der sog. Territorialtruppen in die reguläre Armee erhöhte sich der Bestand der Schützendivision auf 20 000 Mann im Jahre 1939. Infolge der vermehrten Zuteilung leichter und schwerer Waffen seit 1939 darf der Mannschaftsbestand einer Schützendivision noch höher als 20 000 geschätzt werden. Wenn wir unter Berücksichtigung eines vielleicht etwas geringeren Mannschaftsbestandes bei den Panzerdivisionen eine durchschnittliche Stärke der vernichteten Sowjetdivi- sionen mit 20 000 Mann annehmen, so ergibt sich allein hier ein Menschenverlust von über fünf Millionen, wozu noch die Verluste der „nur" angeschlagenen Sowjetdivisionen kommen.
Und die Verluste an Kriegsmaterial, das praktisch unersetzbar ist! Die großen Rohstoff- quellen der Sowjetunion sind in deutscher Hand und Kriegsindustrien können nicht liefern, die umziehen. All dieses Geschwafel von einer „Verlegung" der sowjetischen Kriegsindustrien unter dem kolossalen deutschen Druck ist nichts als Verlegenheit jener, die das Ende kennen, es aber I nicht zu gestehen wagen. Dr. Ho.
Stalin und feine Marschälle.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Jetzt gehen die Gehirntrustjuden aus dem Weißen Haus in Washington und die englischen Bolschewistenfreunde an die Klagemauer Stalins, denn ihr neuer Jahwe im toten Kreml hat den Kopf verloren und wütet fürchterlich unter feinen Marschällen. Das emporgeschwindelte Genie, Marschall Timoschenko, so „glorreich" in der Verteidigung Moskaus, ist durch Stalin abgesetzt worden und dürfte wohl ziemlich erledigt sein und ausgespielt haben. Der Marschall Budjenny, so „siegreich" auf dem bolschewistischen Südflügel, sitzt ebenfalls in bolschewistischen Kerkern, und Woroschilow, der mit Vorschußlorbeeren bedeckte Verteidiger Leningrads, ist gleichfalls abgesetzt. Dafür hat Stalin nun endlich, nach über dreimonatigen Niederlagen, das neue militärische und patentierte Genie in der Person des bisherigen Vorsitzenden des bolschewistischen Generalstabs entdeckt. Dieser Gre- gorij ©ufoff soll endlich die Moskauer Katastrophe abwenden. Der köpferollende Stalin befiehlt es, nachdem er selbst ob der Katastrophe seines Systems und seiner Halbgötter den Kopf verloren.
Jäh brach das phantastische Lügengebäude mos- kowitisch-washingtoner-londoner Judenfasson zujammen. Was waren das für prächtige Verteidiger der demokratischen Weltunterdrückungsinteressen, diese Kreaturen Stalins! Die Vorschußlorbeeren, die ihnen die Judenpresse in aller Welt gewunden hatte, haben sie erdrückt, aber wie sie gewunden wurden, das ist eine Sache für sich. Woroschilow war der Verteidiger von Leningrad, der das Delirium des Entzückens bei allen Londoner und Washingtoner Kriegsspekulanten erregt hatte, Budjenny war der tapfere Reiterführer, der die deutschen Truppen gleich zu Millionen vernichtete, und
noch vor wenigen Tagen erzählte der Londoner Nachrichtendienst, Timoschenko sei der befähigtste Heerführer der Bolschewisten und werde Hitler meistern, während Moskau urbi et orbi verkündete, die' verächtlichen deutschen Generale hätten in ihm ihren Meister gefunden, der die Nazis schlüge, wo er sie treffe. Hatte Timoschenko nicht zur Verteidigung Moskaus eine große Offensive auf Smolensk eröffnet? Tagelang beteten alle plutokratifchen Juden für den Erfolg dieses Meisterstreiches, der Kurzwellensender Boston, eine typische jüdische Hetzzentrale, wußte zu erzählen, Timoschenko habe unzählige Dörfer zurückerobert, Lügenreuter, Timo- fchenko habe bei Smolensk einen außerordentlichen Sieg errungen, und bis in die letzten Tage wurde diese Lüge aufrechterhalten, obgleich das deutsche Oberkommando über solche Phatasmagorien nur lächelte und nichts sagte, aber handelt e. Denn diese berühmte Offensive Timoschenkos in Richtung Smolensk stand nur auf Judenpapier, und ganz plötzlich wurde die wirkliche Sachlage Roosevelt, Churchill und Stalin furchtbar deutlich: die deutschen Heere hatten Moskau umklammert, und sie haben jetzt bereits den äußeren Verteidigungsgürtel von Moskau durchbrochen. Das war das Ende dieses Halbgottes Stalins. Schon vorher war Woroschilow auf Leningrad zurückgewor- fen, Budjenny hatte im Süden eine Schlacht nach der anderen, damit das wichtigste Rüstungsgebiet der Sowjets, das Donezbecken, verloren. Die Götzendämmerung brach so plötzlich herein, daß die Londoner und die Washingtoner Lügenfabrikanten nicht einmal Zeit fanden, durch lleberbrücfungslügen den Weg zum neuesten Halbgott Stalins zu finden und den drei abgesägten Marschällen die bei den
Plutokratien üblichen Eselsfußtritte zu versehen. Stalin verlor den Kopf, und damit brach das Kartenhaus Roosevells und Churchills plötzlich zu- jammen. v . __
„Nichts spricht dafür", schrieb noch vor bret Tagen der Londoner Nachrichtendienst, „daß die Deutschen die Vernichtung Timoschenkos, das Hauptziel der jetzigen Offensive, auch nur annähernd erreichen." Die von uns erzwungenen Tatsachen zwangen Stalin, Timoschenko und die übrigen mit dem Katzengold der plutokratifchen Lobhudler umschimmerten Marschälle selbst zu vernichten. Am 9. Oktober hatte Reichspressechef Dr. Dietrich bereits die militärische Lage im Osten fest umrissen und gesagt, mild tärisch sei die Lage im Osten bereits entschieden, das bolschewistische Angriffsheer zertrümmert, die bolsche- wistischen Marschälle erledigt. Damals schrie man in den Metropolen der Demokratie, das sei nicht wahr. Und heute?
Timoschenko.
Timoschenko ist heute 46 Jahre alt Er ist ein Bauernjunge aus Bessarabien und kam im Weltkrieg als Rekrut zur Zarenarmee. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches wurde sein Regi-
Timoschenko. (Scherl-Bilderdienst-M.)
ment geschlossen in die ,Iiote Armee" übernommen und der mit natürlicher Klugheit ausgerüstete, auch ruhige und selbstbewußte junge Timoschenko machte bei dem Mangel an Offizieren in der Sowjetarmee blitzschnelle Karriere. In knappen drei Jahren stieg er bis zum Kommandeur der 6. Kaoalleriedioision au'f und machte damals unter Budjenny den Sow- jetjeldzug gegen Polen mit. Fünfmal wurde er wahrend seines Verlaufes im Jahre 1920 verwundet. Er hatte bisher nur einen Kursus als Maschinengewehrschütze mitgemacht Nun suchte er mit aller Kraft die Mängel feiner Ausbildung nachzu- holen. Zwischendurch avancierte er weiter. Er war Stalin bei den Bürgerkriegskämpfen um Stalin- grad-Zaryzin bekannt geworden, ohne aber im eigentlichen Sinn zu den Hofgenerälen des Kreml zu gehören. Diese Rolle spielten seine Marschallkollegen Woroschilow und Budjenny. Nach der großen Stalinschen „Reinigungsaktion" wurde er Kommandeur des wichtigen Militärbezirks Kiew. Von dort holte chn Stalin an die finnische Front im Winterkrieg 1939/40. Die Rolle der Sowjetarmeen in dem damaligen Krieg mit Finnland enttäuscht! allgemein. Timoschenko wurde so etwas wie der Retter aus der Blamage. Er wurde bald darauf an Stelle von Woroschilow zum Kriegsminister ernannt. Nach außen hin fiel auf, daß er die Grußpflicht wieder einführte, ein strengeres Regiment in der Sowjetarmee begründete, für Ordnung und Sauberkeit bei Offizieren und Mannschaften sorgte und auch erfolgreiche Schlachten ober Feldzüge der zaristischen Zeit der Armee als technisches Muster vor Augen stellte. Darüber hinaus suchte er die Sowjetarmee auf die Ergebnisse des deutschen Feldzugs in Frankreich umzustellen. Letzten Endes blieb er ,ber General ohne Fortune", um an das Wort Friedrichs des Großen zu erinnern.
Timoschenko war dem Kreml niemals sympathisch. Am wenigsten Stalin. Woroschilow und Budjenny waren viel bequemer: Der eine lief den Weibern nach, der andere trank. Das waren zwei Laster ober- wenigstens Untugenden, die für Stalin das LeitseiL
Dem Manne
Buch und Schwert!
Von Wilhelm von Scholz.
„Dem Manne Buch und Schwert!"
Der große Vorläufer Goethes, Johann Christian Günther, hat dieses Wort geprägt, das dem Buche seinen Platz im gleichen Range mit der uralten Waffe des freien Mannes, dem Schwerte, anweist, und gibt ihm damit seinen ihm gebührenden Platz. Es klingt freilich, als ob der Dichter vor allem an das kämpferische kriegerische Buch gedacht hätte, wie es das Buch Ulrichs von Hutten war; an das schwertscharfe Buch, das in der neueren Geschichte oft eine gefährliche Waffe gewesen ist.
Aber ich glaube nicht, daß Günther sein Wort so gemeint hat. Er hat wohl eher daran gedacht, daß das Buch die große umfassende Ergänzung des Schwertes und daß es ein ebenso gültiges Sinnzeichen des Mannes ist wie das Schwert, hinter dem es während des Krieges an die zweite Stelle tritt, ohne doch an Bedeutsamkeit zu verlieren.
Es ist der Träger all unseres geistigen Lebens. Es ist nicht nur das unbeirrbare Gedächtnis des Einzelnen und der Menschheit; es ist, indem es dem Vorstellungs- und Gedankenwogen im Geiste des Menschen Gebilde und Gestaltungen ablöft, unverrückbar festhält und dem Geiste sachlich klar gegenüberstellt, geradezu die Ermögl chung geistigen Lebens; fast: das lebensnotwendigste Organ des Geistes!
Das Buch, das wir zwischen seinen Deckeln so selbstverständlich in der Hand halten, ist eine der größten, ältesten und zugleich künstlichsten Erfindungen des Menschengeistes. Ich meine nicht seine Form — obwohl auch sie ehrwürdig ist und in der Art des geschützten Zusammenhaltens der Blätter aus leichtestem, gefährdestem Stoff, die allein die unendliche Fläche für die Fülle und Vielfalt des Geistes bieten, ein Erzeugnis schöpferischer Erfindungsgabe. Ich meine die unerhörte grandiose Leistung des Menschengehirns — neben der alle Maschinen, Rundfunk und Kinematographie fast bedeutungslos werden: den Weg zu finden, die Weite und den Reichtum der Welt, alles, was die Augen sehen, die Ohren hören, die Sinne aufnehmen, ja, was das Herz fühlt und der Verstand denkt, gültig festzuhalten, es in gleicher Zeit vielen Tausenden in unveränderlicher Gleichheit und über Zeiträume
von Jahrhunderten hin zum mindesten im wesentlichen Gehalt zu vermitteln.
Ja, das Buch ist geschaffen aus den zwei größten menschlichen Erfindungen: zuerst der Sprache und sodann der Schrift, die wieder ihrerseits erst die volle Entwicklung und Ausbildung der Sprache ermöglichte!
Ich will hier nicht auf die Entstehung der Sprache zurückgehen, wozu soviel Bogen gehörten, wie mir hier Zeilen zur Verfügung stehen. Wohl aber möchte ich, daß wir — die wir alle Angehörige eines technischen, das Technische am meisten bewundernden und wohl auch bewertendem Zeitalters sind — uns einen Augenblick klarmachen, welche großartige Schöpfung die Erfindung der Schrift war, an der durch die Jahrtausende unzählige technische Genies weitergearbeitet haben, bis sie zu der Vollendung gedieh, in der sie uns heute zur Verfügung steht.
Wir dürfen nie vergessen: urtümliches Sprechen war ein fließendes Band von Gefühls- und Nach- ahmelauten in schwimmenden Uebergängen, in welchem erst sehr allmählich sich wiederholende Klangstücke als Worte erkennbar, abtrennbar, herauslösbar wurden. Aber die Urahnen der Wörter in grauen Vorzeiten waren ohne jeden Zweifel in ihrem Lautfluß so schwankende, noch unfeste, noch wolkige Gebilde, wie es uns die gesprochenen Worte einer uns durchaus fremden Sprache — etwa des Chinesischen — sind. Wenn man einem selbst langsam sprechenden Asiaten nur insoweit mit dem Ohr zu folgen versucht, um lautliche Wortbilder aufnehmen zu wollen, so steht man hilflos einem Tonfließen gegenüber, in welchem fern Vokal und kein Konsonant deutlich herauszuscheiden ist; von dem man kaum das kleinste Stück festzuhalten vermag.
Welche geniale Tat der Menschheitsahnen, die es vermochten, aus solchem Tonfließen immer mehr sich wiederholender kleinster Stücke herauszuhören und als Einzelsprachlaute zu bezeichnen, bis es in d esem zusammenhängenden Band Sprache keine Stelle mehr gab, die sie nicht bezeichnet hatten — so daß sie nun mit den Einzellauten, die sie unverlierbar erkannt hatten und besaßen, den Buchstaben das ganze Band fließender Sprache auflösen und wieder zusammensetzen konnten.
Mit dieser genialen Tat erst wurde die Schrift möglich. Und was folgte, war vielleicht der einfachste Akt in der Entwicklung: daß man den Einzellauten bestimmte verabredete Zeichen zuwies, mit
denen man sie auf dem Papyrvs, dem Pergament, dem Papier fefthielt. Man hatte nun die Lautwelt des Ohrs in das viel sicherere und beherrschbarere Gebiet des Auges hinübergenommen. Nun konnte das Auge auch Klang aufnehmen. Und wenn wir heute still für uns ein lyrisches Gedicht lesen, so klingt lautlos in unserem Geist die Seite so schön und so in ihrem Ablauf bestimmt wie eine Grammophonplatte nicht richtiger und nicht schöner klingen kann.
Der Schritte, die von der Schaffung der Schrift noch nötig waren bis zum gedruckten Buch, das wir in der Hand halten, find keine so entscheidenden mehr wie die vorangehenden. Und vor allem: sie sind nicht so aus unserem Bewußtsein geschwunden, nicht so zum Selbstverständlichen und damit Vergessenen geworden, daß es nötig wäre, an sie zu erinnern.
Wenn wir jetzt in die Woche des Deutschen Buches eintreten, so wollen wir feststellen, daß wir einem Urtum der Menschheit gegenüberstehen, das unsere höchste Achtung verdient, das unser Volk auf seine große herrliche Weise ausgebildet und entwickelt hat. Das Buch ist das Schwert friedlicher Eroberung! Wer das wertvolle deutsche Buch fordert, so daß es leichtere Lebensbedingungen erhält und gedeihen kann, dient unserem Volke in der Welt, hilft mit zu feinem Siege!
Oer zärtliche Elch.
Von Paul Eipper.
In Berlin lebten drei Elche. Sie hatten vielleicht die allerschönste Freianlage, die es in zoologischen Gärten gibt, ein mit Tannen und Eichen, mit Büschen und Bäumen bepflanztes Gelände, das sanft zu einer Suhle abfällt, zu einem See, in den — von der anderen Seite her — über hohe Felsblocke ein Gebirgsbach mündet. In dieser naturhaften Landschaft schreiten nun auf hohen, silbergrauen Beinen die urweltlich anmutenden, nordischen Hirsche mit den langen Pferdeköpfen und der melancholisch fameTartigen Schnauze.
Sie waren sehr scheu, als sie im Frühling kamen, und die Eingewöhnung mußte behutsam oorgenom» men werben, ja lange Zeit war vor dem Gehege eine Schutzwand aus Tannenreisig errichtet, damit die Waldtiere nicht erschraken vor den menschlichen Zuschauern. Dann aber trollten die Elche unbefan
gen durch ihr Revier, schliefen an sonnigen Tagen, im Sand am Ufer, ästen die Eichenblätter, ein Anblick, den es nach meiner Kenntnis in feinem andern zoologischen Garten der Welt mehr gibt
Ich habe nicht einen Tag versäumt, der mir die: Möglichkeit bot, die Elche zu besuchen. Und immer war die Sehnsucht in mir, einmal ganz nah bet solch einem Geschöpf zu fein, feine Körperlichkeit zu. fühlen, die Distanz des trennenden Wassergrabens- zu überwinden. An einem regnerischen Sommertag ließ mich der Wärter in den Futtergang, während er das Stallinnere in Ordnung brachte.
So stand ich ganz nah bei den unter breitfchir* migen Tannen wiederkäuenden Elchen, konnte an: der Bewegung der Flanken und des Halses dem Herzschlag erkennen und die Atmung, sah die Re* gentropfen herunterrieseln an den Stangen des Geweihs — plötzlich stand der eine große Elch auf und kam geradewegs zu mir. Ich rührte mich nicht hatte große Angst, daß vielleicht mein Regenmantel rascheln und das Tier erschrecken konnte. Aber dec Elch blieb, schnupperte, schob fein Geäse ans Gitter, und nach vielleicht fünf Minuten (wer weiß, wie endlos diese Zeit dauert, wenn man ohne Stütze unbeweglich stehenbleiben muß) schob ich meine Hand in millimeterkurzen Rucken vor, den Elchmi- ftern entgegen.
Es wird mir nicht gelingen, die Ergriffenheit in Worten auszudrücken, die mich erfüllte, als dec große Elch plötzlich feine Stirn an meinem Handrücken rieb; erst dachte ich, es fei eine Abwehrbewegung des Tieres; aber schließlich habe ich meinem ganzey Arm um den Tierkopf geschlungen, und es konnte fein Zweifel sein, wie angenehm diese Liebkosung war für den Elch. Er schnupperte, Mund, Nale, K'nnbacken und Hals an der Gummihaui meines Mantels; er drückte wollüstig feine langem Ohren in meine Finger und wühlte sich so sehr im die Umarmung, daß alle losen Haare feines Felles sich auf mich übertrugen, meine Hände und mein Mantel gleich einem borstigen Pelz bedeckend, mer wieder schnaubte das hingebungsvoll zärtliche Tiergeschöpf.
Der Wärter war inzwischen mit seiner Stoßarbeit fertig geworden, und weil er weggehen wollte, nickte er mir mahnend zu. Es war sehr schwer, eim Ende zu machen, doppelt schwer, weil der Elch stn» feits des Gitters mittrollte und schließlich in den Absperrgraben hinunterstieg. Ich glaube, daß ikn" die Bekundung seiner Freude nicht weniger Wohltat als mir.
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